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Full text of "Neues Jahrbuch feralogie, Geognosie, Geologie und Petrefakten-Kunde"

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THE AMERICAN MUSEUM 
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NATURAL HISTORY 


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Neues Jahrbuch _ 


Mineralogie, Geognosie, Geologie 


ie und 
- Petrefaktenkunde, 
herausgegeben 
von N ® 
Dr. K. C. von Leonhard und Dr. H. @. Bronn, 
Professoren an der Universität zu Heidelberg. 
AN TER A % 
Jahrgang 1837. 
Mit 6 Tafeln B 
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STUTTGART n 
E. Schweizerbart’s Verlagshandlung. ra 


1837. 


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Inhalt. 
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I. Abhändlungen. 
B. Cotta: abdr die bisherigen Resultate der geognostischen _ 
Untersuchungen bei Hohnstein . . “ 


J. Grimm: der Berg Büdeshögy in Siebenbürgen . 
Von Voırn: der Schlossberg bei Regenstauf im Regen- 


Kreise . 
H. G. Bronn: über ale Kridtatäh: Reste iu Muschel- 
kalk, mit Tafel 11 (vergl. S. 103) j 5 ; 
R. Brum: Mineralogische Notitzen, mit Tafel I. Be e 
Lorrer: Ausflug ins Isere-Departement . f 
Heut: geognostische Beschreibung des Weilers Berg 2 


VAN DER Wyck: über die Barometer - Höhenmessungen des 
Rhein-Stiomes . 

H. G. Bronn: über das Alter und die organischen "Über- 
reste des Muynzer-Beckens (vergl. S. 430 — 431) ’ 

A. vos HumsorLpr: Geognostische und physikalische Be- 
trachtungen über die Vulkane des Hochlandes von Quito 

R. A. Pustieer: über die subfossilen Seethier - Reste von 
Pouzzuvli bei Neapel, und auf der Insel /schia (Tf. III, 
Fg. 4, 5) 5 . 

R.A. Pmitierr: Beschreibung einer neuen Nerinen und einer 
neuen fossilen Art Pecten (Taf. Ill, Fg. 1, 2, 3, 6, 7) 

EnGELHARDT: 
und derbem Nickelantimon-Glanz . - 3 re 

B. Corra: über organische Gestalten im Schlottwitzer 
Achat-Gange (Tf. III, Fg. 8— 13) 3 

Vorrz : erste Notitz über wie Genus Aptychus (vergl. S. 
435) . h i h R h j } F E 

Engerwarpr: über die Formation, in welcher die Tatzen- 
Abdrücke vorweltlicher Thiere iu der Nähe von Hild- 
burghausen auftreten, und über das Vorkommen dieser 


Abdrücke, mit Taf. IV. 2 k Ä 


L. von Bucs: über TRURMANN? s Soulövemens jurassiques 
cahter TI A 4 s x . . . 
A: 


über ein neues Korkommi von krystallisirteim f 


ni 

Seite 
1-9 
10— 23 
24—29 
30—33 
34—37 
127— 136 
137—145 
146—152 
153— 176 
253— 284 
285-— 292 
293-296 
297-208 
299303 
 304—312 
379—384 
385— 388 


 Mux. Braun: 


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Gr. von KEYSERLING! "Bemerkungen während des Übergan- ‘. 


ges von Lotsch nach Bormio durch das Marthel-Thal . 

H.R. 

Von Haver : über das Vorkommen fossiler Thier-Reste im 
tertiären Becken von Wien, — und Vergleichung der- 
selben mit den Überresten anderer gleichzeitiger Abla- 
gerungen, nebst einigen nachträglichen Bemerkungen 

‚ über das Maynzer-Becken von H. G. Brons Mr 

VoLrz: zweiter Vortrag über das Genus Aptychus (vgl. 
S. 304). . 

Heur: Mittheilungen über verschiedene Mineralien und Ge- 
birgsarten der südlichen Halbkugel, welche Mi 
von Lupwig an das Königl. Mineralien-Kabinet in - 
gart abgegeben wurden RAR 

Lorter : über die geologischen Vorlesungen des Hrn. an 
net in Lyon . . 

Von LeonHArD: über Reibungs- Flächen im Atkenleideh und 
'Autnaus: über das Vorkommen der Sandstein - Spiegel in 
der Gegend von Marburg, mit Tafel V ‘ 

I. J. Tscuupr: über den Homo diluvii testis, Andrias 
Scheuchzeri . 

Beiträge zur "Oryktognosie Badens, mit Ta- 
gel Vi u, . 

Von LeonnaARD: Gänge körnigen Kalkes im Steinkohlen- 
Gebirge unfern Wolfstein in Rhrinbaiern 

ÜREDNER! Beschreibung einer krystallisirten Blauofenschlacke 
von der Eisenhütte Luisenthal in, Gothaischen . . 

H. G. Bronn: Notitzen über das Vorkommen der Tegel- 
Formation und ihrer Fossil-Reste in Siebenbürgen und 
Galizien, nach den von Hrn. ‚von Hausr erhaltenen 
en A aniseit ke ; E . E r 


2 


I. Briefwechsel. 


I 
gerichtet, von. den Herren: 


RussesGer: die geognostische Beschaffenheit des Tau- 


Görrerr: über das Studium der fossilen Hölzer Fl 


% 


B. Corra: neue Unterzeichner für Nachgrabungen bei Hokn- 


stein « 
Von ALBERTI: Gy ps an Muschelkalks bo Kisbnachd Tf. 1 €, »): 


B. Corra: Ergebnisse einer neuen Brunnenkoieiiäl zu 
Dresden : 

RussEesger: über den "Libhnen. eek Preisicih "ii Ägyyp- 
ten C} . [} ® . . 

A. von Kraestein: Ergebnisse einer Brunnen - Bohrung bei 
Alzey . A B AR 67 . 


ZoBEL:! Bohr-Versuche um Schramberg 2 

G. v. Broepe: Petersburg; mineralogische RAR, 
geoguostisches Verhalten der Ungegend uud Finnlands ; 
Schema einer Felsarten-Klassifikation „  . 

Zsuscuner: Muschelkalk und seine Versieinerungen im: 
Schlesien N R : “ ; N $ ; > 


Seite 


389—402 
403—-407 


( 
408—431 


432-438 


506—521 


522—535 


536—544 
545—547 


633 — 640 


641-646 


647 — 652 


% 


653—664 


Mittheilungen, an den Geh. Rath von Leonuarn 


39—40 


40 
41 


41-42 
169-170 
170 

171 
171-187 


313 


SEELE 


VoLTz: 


B. Corsa: Weıss über die Kaleoengn von Zscheila, Hohn- 
stein und Weinböhla | aut Do En 

H. Asıcn: vulkanısche ‚Forschungen i 2 Italien N ii 

B. Corrı: Frühbeete über Erdbränden zu Planitz . 

Fr. von Monırz: Meoıcı BEAMER DERSERS U AIRIERUNG in 
Rum . z 

v.. Voith: Granit-Verhältnisse in en Oberpfalz. rt . 

Joun:.über von Rasoumovsky’s Tod . 

B. Corra: Ursprung des Kalkes, Geschichte der Kalk- Ge- 
bir e . . . 

ee kohlensaures Eisenoxydul im ae . 

J. Berzetivs: KeıvHau’s Granit- Theorie; Hısınger’s Le- 
thaea Sueciea ; Serström’s Rollstein Fluth . d 5 


J. Grimm: Alaunfels und dessen Gewinnung in Ungarn .» . 
Russesser: Kreide und Sandstein, Einfluss von Granit auf 


letzteren, Porphyre, Grünsteine etc. in Ägypten und 
Nubien bis nach Sennaar . 

B. Stuper : Naturforscher- Versammlung in "Neuchätel ; ‚ Ur- 
Gletscher; Neocomien ; — NUIIBSRENAR, Forschungen in 
Bündten r » 

B. Corrı: verglaste Schanzen in Böhmen und Lausitz N 


Seite 
314 
439 —442 
442% 
44% 
442 —444 
444 
548—553 
553 
553—554 
554—557 
665—669 
669—673 
673 


11. Mittheilungen, an den Prof. Bronn gerichtet, von 


den Herren: 


| 


KeiıLnau: Terebrateln, 
Trilobiten. 
Fr. von MANDELSLoH: Vermengung von Übergangs - und 


Gaea NE ERT ER Böck’s 


jüngeren Versteinerungen in Salzburg; Cirrus de-_ 


pressus — Pleurotomaria granulata . . 

v. Eıchwarp: sein Dinotherium proavum . 

Rormer: die Jura - Bildung von Fritzow in Pommern ent- 
hält die Versteinerungen von Portlandkalk und .Coral- 
rag 

Sırraman: die Amerikanischen alten Vogel- Fährten rühren 
zum Theil vielleicht von Beutelthieren her . . 

H. v Meyer: die Bayreuther Petrefakten - Sammlungen; 
über Saurier, Eryon, Gryphaea, Aptychus, Iso- 
‚erinus, 
dactylus . 

Cephalopoden, ‚Aptychus; Mem. de la Soc. 
d’hist. nat. de Strasburg, Lief. 5; neue Nerineen . 

Puıvıprı : Versteinerungen aus Helgoland ; ein Vorkommen 
von Schwefelkies .: « 

Zeuschner: Terebrateln, Lima! "proboscidea; der 
Karpathen-Sandstein gehört nach den re 
in die Oolithen-Reihe . 2 

Ds Vernevin: geognostische Reise nach dein "schwarzen 
Meere ; Studium der Übergangs - Formationen ; D’OR- 
sıcny’sForaminiferen und Krinoideen, Deshaves’ 
Versteinerungen Belgiens ; Bov&’s Reise in der Türkei 

Lamovreux d. Ä.: Unio a ee und Hip- 
popodium bei Nancy . 


Büren: Koniferen im Schlesischen Übergange-Gebirge 


Chelocrinus, Plateosaurus, Ptero- 


43 


43 
43—44 
187—188 


188 


314— 316 
317 


317—318 


318 


.318—319 


444 
445. 


-1- 


Seite 
RoEmeER: elle ‚neue Jura- Versteinerungen ante) 
von der Weser ; Schuster in Osterwald; RETTBere 0 
beobachtet die. Schichten-Folge um ‚Salzgitter ; — Legen 

-Tithe und Hilsthon östlich von Braunschweig ; N Fort- | 
setzung 'seines«Petrefakten-Werkes .. 1.0. 0% 445-446 
H. v Mexver: tertiäre Knochen der Schweitz , Microthe- A 
rium RBenggeri, Rhinoceros tichorhinus; 
Schildkröten; Dinotherium giganteum;. La- 
gomys Öningensis, Elephas primigenius; — 
Pterodactylus von Sotenhofen; — Eryon Hart- hi 
manni;.Astacus longimanus; Prosopon; Sau- 
rier- Wirbel im Neocomien; Portland - Formation von 
Solothurn wit Pterodactylus, Madrimosaurus 
Hugii und San UNE ER über das Mayızer Fa 
Becken. F . 7 557—562 
Bee ti: Lingula und Eotalia im Hilsthon um Grü- Fr 
nenplan 562 
v. Kuıpstern und Kavr: "Gyps- „Abgüsse vom Dinotberium- re, 
Schädel . 15 ; 563 
L. Acassız: Arbeiten über Fische und Echinodermen; 
 Lamna, Rhaphiodon,Enchedus; (Könic’s) Icones ei 
fossilium sectiles ; Reise nach Berlin . R n 674 
H. v. Mexer: Knochen der Bohnerze von Mossech: Bhr... ) 
»oceros,;, Mastodon, Hirsche, Schweine; Di- _ \r 
notherium, Harpagodon, Palaeotherium, 
Schildkröten, Fische; — Saurier und Pem- 
phix im Muschelkalk des Fürstenberg’schen; fernere 
Knochen in der Molasse; Mastodon, Nager, Wie- 
derkäuer, Palacotherien, Rhinoceros, Schild- 
kröten, Pterodactylus: Microtherium, Emys, 
Trionyx, Menschen, Nager, Manatus; Choe-. 
‚ ropotamus Meissneri BI LIE RG PT “ne ,. 674—677 


I 


II, Neueste Literatur. 


A. Bücher (1833 — 1837). 


L. Buch; Bucktann; "Geologische Erdkarte; ‚GoLDruss ; 
Sen Kuae: Linpugy and Hurron ; Pnırierr; R*** 
Minerologie ; Ruısp; SchmiDT ; WACKENRODER ; ; Uuter- 4 
irdische Wuuder und Schätze ni u AA 
Giurı; DE BonaLD;. NORDENSKIOLD; — Brücsorg‘; "Bookzand; e j 
Buneg; M’Curvoc#;, Duvar; v Knıpsrsın und Kaup; 
Link; Da Rıo; van DER Wyck . N ee 19° 
Besnarv; Carte de la Manche; GERMAR ; GaArkrour; ; Hir- 
DRETH; JOANNIS ; THURMANN ; — Asıcn; ‚Apıon ; Buck- 
“N LAND; Da: Dı Rıo; WIEGMANN sen. } ; \ 320-321 
FoRrcHHAMMER 5 — Arıan: BouBke; FEATHERSTONHAUCH ; 6; 
Leuranc. eb Wunrer; MAmmaTT; MARCEL DE SERRES; 
OppEamARn; J: Pnivrars:; Savız, ScortEsA@NA; — BeY- 
'togien, Bürrrann; Bous; Branpe;  Bucknan®;  Bv-. 
Lahr PaLsTERcaMmP: Eutnoines GörraeT ; HisınaEn; 90000 
HocarD ; Jameson ;, ‚Karpr; DE Kuıpsteın et: Krun; Inih una VL 
wiG; Lowe; Lyeugz Mürcnison 5 0... Prawsars: W. 000 
Pıuzzies; Stuper; Warte; — Murcnison . i ß 447 —449 


- u - 


Erw 


en: v Humzouor; ano Bam: Mira. 


Emmons ; Cohen und LARDNER Vanuxem; Bronx; 
Bron® .. 0.0: . 
Younc and Bırv; — "SCHULE 5. _ Görrzar : . "Mantellian 


Museum; — Fromnzaz, HARTaRN, Rozer. k d 


B. Zeitschriften (1835 — 1837). 


‚Bulletin de la Societe geologique de France, Paris 8° 
(vergl. 1836, S. vu), 
1835, VI, p. 321—407 
._.1836, VII, p. 113-304 
Vi, p. 305—400 

1837, VIII, p. 1—192 
VII, p. 193—320 . 

Jahrbuch für den Berg- und Hütten - - Mann auf das Jah 
1837 . 

The London and Edinburgh Philosophical Magazine and 
Journal of Science, contain. the Proceedings of the 
Bealogient Society of Lundon, Lond. 8° (vergl. 1836, 

vr) 

1836, VIII, nro. 5—7 4 
IX, nro. 1—7. . 
‚x, nro.i—5 . . 
X, nro. 6 R 

1837, XI, nro. 1 et supplem. 
XI, nro. 1—2. 

Transaction of the Geological Society of London, 4° (1836, 
. VI), 

1837, IV, part. 2 . 

Memoires de la Societe geologique de "France, Paris 4° 
(1835, S. 77), 


. . [} . 
. . “ [ 
“ . [} [ er) 
. [} . . 


[} . . “. . 


r 


1835, IL, 1,2... . . . 
Annales des Mines, Paris 8 (1835, S. 74), | 

1835, VII, live. 1—3 . . . . . v . 
1836, I ae a Et 

X, 1—2 . .- ee. . . f) Br) . . 

X. 3 . - ‘ ; . . . 


1837, XI... , e 
GLocKER: Mineralogische Jahreshefte, Heft 5 für 1835 
Enecrısu: the Mining Journal and Commercial Gazette, vol. 

I—IV, Nro. 1—84 . . . . OD . . 


N 


IV. Auszüge. 


Seite 


190 
190—192 
451 
451 —452 


- 567—568 


192 


193 —194 
194—195 
449—450 
565—566 

566 
679 —680 


321 


321—322 


322—323 
323 
323—324 
453 —454 
454 
454 


454 


1. Mineralogie, Krystallographie, Mineral-Chemie. 


en ‚Zerlegung der strahligen Blende von Praibram IR RTT 47 
v. Kopeıt: über das ‚Tellur-Wismuth von San Jose in Brasiien 47 
F. ScnarrcorscHn: Analyse eines Jamesonit, aus Estremadura . 47 
Weiss; über das Gyps-System . .« N a8 

ai 48 


v. KogßeELL; : über den Jamesonit ; an Brasilien Ne 


n — vi 


Kari Analyse des Basaltes und der Lava vom Ana . = an 


v. Kosert: Gewicht des Nickel-Wismüthglnzs .. 5° we 


BoviLLer: grosser ‚Barytspath-Krystall: bei Clermont . ds Are j 197 
Bavpertey: Gesehiebe von Gediegen-Gold in Canada Fran ga 49 
Devaux: über die ‚Naphthine von Beaulieu, Maine et Lo Mer ei 


Besencener: Nachricht über die Thermen bei Brape a1 Kar 


t N 
* » » Ri‘ . END +4 ; ar wi Rare 2 7° 


v 


Mirasurı: über den Ozocerit der Muldau a 
LrchnstL: Untersuchung des Aralkısinliibre . > 3 325 
»n. Specksteines. ’ Le 325 
Buunnune? chemkkehel Zusammensetzung‘ Amerikanischer Pla- 
tin-Erze . 325 
EHrENBERG; mikroskopische neue Charaktere Wer Mineralien‘ ES 33 
Durrenoy: Kıystall-Forn und ap er des Bour- | 
nonits«. 326 
 Tuonson: Zerlerung Ber Raph ilitems ‚von Perth im-Ober-Garliäa 396 
KuvernatscHh: Untersuchung des Zinnkieses von ORRREROE ‚21327 
Berthier: über Kaolin und Thone. F 897 
‚Jorvan: Zerlegung des Kupfer-Antimon-Arsenik Füblerses von 
Andreasberg . . 398 
Tuomson: Analyse des Eisensp a in Laven der ‚Somma 328 
5 Zerlegung des Leeliths % 329 
Durrinoy: gewässertes DRpeiäklpkiht von Eisen, ‚Thonerde u in 
Kalı aus der Solfatara‘., ey I 7) 
Rose: fernere Bemerkungen über Rhodizit a 330 
‚Jorpan:; über den Rammelsberger muscheligen und erdigen irel. 
Ocher. . ı wi 330 
Tuomson: über den Rhodalith aus Mandelstein in Irland Ri” 6332 
ner, über den Dysulit aus Kalk in New-Jersey . 332 
ee über Vauadin-saures Blei von Wicklow in Irland "832 
Devrre£nor: rre me lie 0 vod Zur nA DENE En SEI Lu des N. Amer. 
Laumonits . erg‘ 
Gauvin: Bildung künstlicher Krystalle uni ilöslhähen Stoffe F 455 
Tuoxnsom: Zerlegung des Perlsteines . . h ü 456 
a Analyse des Antrimoliths aus Irland. . 456 
Durs£noy: der Apophyllit von Puy de la Piqguette, Aurergue 456 
Rummerseere: Zusammensetzung des Berthierits von Frei- 
verg HH . . . . ° A D u . . h 456 
Tuonson: Zerlegung des Davisonits aus Äbereen . . 457 
e. . über den Huronit aus Nordamerika .. . . 458 
, h  Zerlezung der Walkerde der Oolith-Formation R 458 
Sınver: Silberkupferglanz von Rudulstndt e a 
Dursenox: Gedrit, neue Mineral-Gattung der Pyrenien ., 458 
Tuomsos: über den wei miculit aus Yermoit . 459 
I... Analyse des Wasserhältigen Bncholzit’s von Istund 459 
"Durr£noy: über den Diaspor des Ural . a ....460 
H. Scnaerr: Analyse der Dürrenberger Soole .. . 461 
A. Damour: Zink - und Kupfer-baltiges Vanadin-saures Bleioxyd 461 
Boris: Analyse des Zinkerzes vom. Puiy de Cubrera bei Arles 462. 
Taomson: Analyse des Pipestone in No rd-Amerika . . 462. 
. Zerlegung des Cummingtonits aus Massachusetts 462 
Bevor fayatallographische Einerleiheit von Zeagonit, Gis® 
mondin, Abrazit, Aricit und Pbillipsit. . .. 468 
"Konrnars: Diamanten: und Platin auf Borneo = 2 8:00869 
Fo, var Gelenk des Cluthaliths aus Kipatrik  .  .. Ha 
„0. 5. strahligen RR FRI en Strom 
* Hians aus a a . A Er aychhe sc rn 


ea Were 


ME er 


am IE = 


ei 


B. J. Brooxg: Identität'von Murchisonit, Moonstone und 


.Norwegischem irisirenden Feldspathe . s . 
H. J. Brooke: Identität von Anorthit und Biotin vom Vesuv 


FRANKENHAYN: Krystallform einiger Metalle . A 

Tayror zerlegt Silber - be Te Mangan - Peroxyd aus 
Meziko . . . . . 

Tromson : über den Steilit PAR: Ciyde-Kanal : R N n 
By n » Giottalit von Glasgew . r 


Li „ Nemalit von Hoboken in New-Jersey F 
Dove: Polarisirung positiver, negativer und zweiachsiger 


Krystalle . . Bi 
Dana: Identität von Columbit und Tnomson’s "Torrelit b 
Tromson : Analyse des Retinalits aus Nieder-Cunada . . 


N » " » Lebuntits aus Mandelstein von Antrim 

Boase : . Zusammensetzung der Cornwaller Porcellan-Erde 

Dove: Zusammenhang optischer und re; Ei- 
genschaften der Bergkrystalle . . 

SHepARD! Beschreibung des Edwardsits aus "Gneiss Connec- 


ticuts . . . 

Pıpvinsron: Analyse eines. aus Felsen in Indien schwitzenden 
Minerals . ‘ . . ri R P 

Tnonson: Analyse des Bytownits , N R 
$ 4) 4 Pechsteins von Arran und. aus Sach- 

sen . PR 
BerreIerR: Analyse eines Silber- haltigen und kohlensauren Blei’s 
im Churente- Dept. » . ; s . . 
H. J. Broose: neue Hemitropie von Quarzkrystallen - . . 
Tnauvow: Analyse des Boulangerits aus Lappland . 
Cn. U. Suerarp: über Ere mit, ein neues Mineral aus Connec- 
tient N - . .' . 
Fr. v. Kosernu: zur Berechnung der Gestalten des tesseralen Sy- 
u stems » . . . . . . . . . . 


Il. Geologie und Geognosie. 


PrineniK: die Geologie der Altens-Gruben in Finnmaärk . . 


Darzenr: Durchschnitt vulkanischer Lagen bei Neapel und 
warme Quellen in Campania . . 


Merın: das Kalkstein-Konglomerat des südl. Schwarzwaldes . 
HErıcaxt De: Tuurv; artesischer Brunnen von seltener Steighöhe 
in Tours i 


G. Bıscnor: Quellen-Verhältnisse day Ostseite His Teutoburger 


Waldes . r . . 
Hunter: Ausbruch ne Morfkooren't in Akten. Irland d ö 
Dumont: Notiz über dıe Struktur der vulkanischen Kegel. . 
Desmares: die Temperatur der Tertiär-Zeit . 

E. pe Beaumont: Temperatur der Erdoberfläche in "der tertiä- 

ren Zeit . a . 
E. ve BeEAatmonT: Beziehungen der Dic ke des ewigen Eises zur 

. Temperatur, uud Temperatur- Zunahme nach der Tiefe . 2 
Everest: Klima, worin die fossile Elephanten-Art grlebt hi; 


Hoxner: ‚Megalichthvs in Kannelkohle. von sehe, und der 

Süsswasserkalk von. Burdiehouse .  . . N 
SCHMERLING: über eine Knocheuhöhle in "Luxemburg . | iR 
SISMonDAa; Geognosie der Nachbar-Thäler ‚der. Stura und Vinay 
Artesische Brunnen von Bergöl 


M. ve Serres: Flüssigkeit der Gebirgsmiassen bei ihrer Hebung 


N 


Chemische PPFIBRRTIREENN. * SERIEN einiger mit der AARRIEERE NG, 


tion.bei Edinburg verbundenen Gebirgsartten . 
v. Erepa: zu Zeist hereufgebrachte Erdarten und deren Alter . 


. Geognostische Wanderungen in Piemont . . a. 


Buckranp: über Entstehung der Höhlen , 


Bertrand-Gesuin ; geologische Notiz über die Insel Noirmoutiiohl® 
Benoıt: Lagerung und. Gewinnung des Bleierzes von Longwiliy 


Dunn: kann die Luft Blei aufnehmen ? } . 
BoussinsauET: über die warmen Quellen der Kordilleren A R 


Koertnaus: geogn. Bemerkungen in den Padang’schen Hochlanden .. 


Erie Ds Braumone: Ausdehnung des unteren Tertiär-Systems 


im Norden Frankreichs 3 Eh 


Marmont: Temperatur-Messungen von Quellen: des Orients $, 


'Mosrtmotruin: - Abhandlung über das Kreide-Gebirge des Jura . 
Geolog. Kongress zu Clermont in Auvergne im Herbst 1833, I 
‘Hurrton: Trapp im Bergkalk von Northumberland und Durham 


Sıavı: Geologie der Insel Elba . i ERTL, ö E Br 
Grosse Malachit-Masse aus dem Ural. HE TET ER? " & 
Hısıncer : geognostische Karte von Schweden . R, . k 
Artesischer Brunnen im Granite Schottlands k R 
Gravss: Granitgänge im Glimmerschiefer von Wicklow . . 


Merian: Zusammenstellung der Höhenmessungen in und um Basel 


GrEGoRY, WarKker und Consesr: Analysen der Coprolithen . 


Gisson : geologische Verhältnisse der See’n er ‚des Thales vom 
Missisippi  . 


P.W. ForcHnnammer! der Kopaische See und seine Abzugskanäle 
Unter Lava begrabene Stadt in Amerika, bei Vera Cruz Pt 


Ergiebiger artesischer Brunnen zu Cunye-sur-le-Cher, Indre- 
et-Loire N 
M’Anım: Geologie der Gegend von Fannet in Donegal 


» : Entdeckung ven Gold. in Lower-Canada: . 


“ 
® ° 

BappeLey: über Bewegung von Blöcken in Meerestiefen . ex 
i . . 


“ BERTRAND-GesLIn : Geolegische Mittheilungen über Tyrol . 


Carpcueucn: das grosse Erdbeben in Chili am 20. Febr. 1835 . 
Carpcteuen: Ausbruch des Coseguina in der Funseca-Bay, 1835 
Lysır: Allmähliche Hebung des Landes in Schweden . . 
Keıtnau: Thatsachen über die neuere Hebung Skandinaviens . 
Pıneer: Senkung der’Westküste Grönlands . . 
CautLer: in den Sewalik-Bergen gefundene Säugethierreste 


Coqrant: Paläotherien u. Ruminanten im, 'Gyps von Air _ 


Desuares: die sg. Cythereen- Schichte über dem Pariser 
Gypse; Glauconomya und Cyrenella . 
Desnares: Verschiedenheit der Kreide- und Tertiär- Fossilreste 
D’Arcnsıc: Grobkalk zwischen Kreide und Töpferthon bei Meudon 
Ch. D’Orsıchy : neuerlich bei Meudon entdeckte Tertiär- Gebilde 
Iyeıt: Kreide- und Tertiär-Schichten von Seeland und Möen 


Bee: Zur Geologie Dänemarks, Kreide und Tertiär-Bildungen 


A, Cunnincnam: Geognosie von New-South- Wales . ! h 


A. v. Humsorpr: zwei Versuche den Chimborazo zu ersteigen „ 


M’Avım: Bergsturz in Antrim . ze „ 5 P ; v 
Duni: der Vesuv im Juli 1834. 
J.v. CHarrentier: Schlussfolgen aus den AUmwälzungen, welche 


die Aussenfläche des Schweitzerlandes verändert haben u 


. Venerz: Walliser Gletscher und erratische Blöcke ın Alpen un 
Jura 


‚Smimm‘: Änderung in Höhe von Land und Meer in Schottleid . ei 
.-Woopwarp: die Crag-Formation in Norfolk und Suffolk . .. eo... 


. 


‚rt 


R. Fırcn: dagegen . 
CHARLESWoRTH: über Coralline CE“ und mögliche" Miscgrift 
ı bei Bestimmung tertiärer Ablagerungen nach den Eau brc 
Derselbe, zweite Abhandlung darüber . 3 

Rıicnırpson : chronolog. Ordnung der Gesteine nach biean. Resten 
Hausmann: „de usu exwperientiarum EINER. um ad FRE 
| sitiones geologicas adjunandas“ . . 
Provana DE CoLLEeno: geologische Thatsachen in Oysans . . . 
B. Sruner: „die Gebirgsmasse von Duvus“ (Neuchät. 1837) . 
Hausmann: über SchuLz „Descripcion geognostica de Galicia“ . 
Honsson Horpswortu: Geologie der Knock - Mahon - Gruben in 
Waterford . 3 
J. Bırr: Geologie der West. "Gegenden der Rocky-Mountains . 


Cu. Jackson: PrOPPRSUEN in Konglomeraten ng: Schiefern um 


Boston . a . . 
H. Lroyp: Erscheinuhigen # im Granit bei Dublin. ; B 


P. Merian: Gleiche Wärme an der Oberfläche und am Grunde 


fliessender Wasser . F 

Ziepe: „die Flötzgebirge Böhmens und ihre Koblen-Führung“ 

Keırmau: über die Erdbeben in Norwegen . H E 5 . 
J. Arsonn : Trappgebilde von Limerick . i . . . 
Erdbeben in Chii, 1835, am 20. Febr. ° . 5 . , 
Erdbeben in den Motucken, 1835, am 1, Kostmb, N . ‘ 
A. Kınorer: Bildung einiger Tiken‘ Erze -. ı N k 
Lorp: Veränderuug "der Erdoberfläche durch die Ströme NlskEe- 
‚Parker Kıng: Geologie der Magellun’schen Meerenge ° , 
ErereicH: das Braunkohlengebirge des Westerwaldes 5 ‘ 
NoEsGERATH: das Erdbeben bei Koblenz, 1834, am 17. Dee, . 
Grosse Masse Gediegen-Kupfers vom Luke superior . . s 
Erdbeben auf dem Cap, 1835, am 11. Nov. 3 DTAATE ‘ 


\ in Rom, 1836, am 10. Jänner . . . . r 
Forster : über die Insel Deception =. 


J. BerzeLivs: neue Bestandtheile der Bra: Quelle in Gothland 


D. Brewster: merkwürdiges Stück Bernstein aus Avu . 

R. J. Murcuison: Gruss und Alluvial in Herefurd, en und 
Worcester, und über Puffstone oder Travertin . 

A. Scnneiper: Felsbildungen und Eisenstein - Bergbau in den 


Karpathen bei Skole _. N . 
Levmenic: Geologie zwischen Troyes, Nöogent nnd Resson N 
W. June: Analyse der Mineralquellen zu Neuenhatn in Nassau 

‚E. Tuıersa : das Jura-Kreide-Gebirge in Franche-Cumte . ä 
Borr.ays : Seekonchylien lebender Arten lagern über dem Hoch- 

wasser-Stande des Meeres in Schottland . . . 
Rivızre dessgleichen zu St-Michel-en-ÜHerm ( ende) N # 
W. J. Hımitron: dessgleiechen in Fifeshire . Pa" } N 


Gery-Eserton: dessgleichen in Cheshire . 

H. E. StrrickLanp: Land- und Süaswasser-Konchylien mit Land- 
Vierfüssern im Diluvial von Worcestershire 3 

J. Scovter: Hügel mit Sce-Konchylien lebender Arten bei Dublin 


MI. Petrefaktenkunde. | 


DE CaristoL: Vergleichung, der gleichzeitigen Säugethier- Bevöl- 
kerung in den zwei tertiären Becken des Herauit-Dept. a 

Buckranp: Neuentdecktes BiesenlzEepail ‚äber 4 oa Beige bei 

Buckingham . 

Rarıngsque bietet 125 Arten "(ossiler Pflanzen "aus "N. Amer ika an 


Seite 


v. TEN u. Kaup: in Biber gefundener Sehädel des: 


Dinotherii gigantei“ AT? R Ne 
PuscHh: „Polens Paläontologie“ ri ee 
Scuinz : fossile Säugethier- Kochen der re Moledan. ad 
Lyeır: fossile Knochen aus Indien . . hai, “ae 


v. Buen: über Paludina m ultiformis ZieT. von ‚Steinheim san 


‚h 


Movuceor: Versteinerungen im Muschelkalk der Vougesen . Pr”, 


Eup:s Destoneeuamps: Biesen-Reptil Poecil Ik leuron im. 


Kalke von Caen . x 
Puırıperi: „Knumeratio Molluscorum Sieiliae Pe et "fossi- 
tium“ 1836, 4° y 
Asassız! löchinodermen in der sie N Puchitels 


Quesstept: Enkıiniten des Muschelkalks £ Ä 
Eurengere: fossile Infusorien in kieseligen Teriiöedseneince 
Ri weitere Beobachtungen 12 n 


Dusarvın: Infusorien des Polirschiefers von Biin . h 
De Bresısson: kielige Decken gewisser Iufusorien . . 
Mayer: fossile Infusorien in Polirschiefer vom Habichtswald 
SCHMERLINE: Kunst-Erzeugunisse in Lütticher Knochenhöhlen 
Duvernoy; fossile Knochen am Bastberg bei: Buxzwiller .. . 
Nyst u. GaLeorri: neues Arcaceen-Geschlecht; Trigonocoelia 
CHauprUc DE CRUZAnnEs: antediluvian. Knochenlager bei, Pons,. 
Charente infer. «» h jo a 


% 
. 
. Re ..@ 
« 
® 
. 
.. 


Liın«k: Thier-Fährten im Hildburghäuser Sandsteine N . .; 


KesstLer und Sıckzer: desgl., Heft l. 

Rozmer.: „Versteinerungen des N.-Deutschen Oolithen-Gebirges“, 
Abtheil. II, III EIER Ren 

Lereßvee: aufrechte Baumstämme im, Grobkalk von Bourg, “Dor- 
dogne . ve 

GörPErRT: künstliche Versteinerungen von Pflanzen und Thieren 


La Jore: tertiäres Geschlecht Belemniten-artiger Fossilien .. 
Drei Mammont-Skelete von Podrese in Petersburg . . 
Pırror : fossile Knochen am Burtneck-See in Liefland . & 
v. Humsorpr : Thierfährten im Hüdburghäuser Sandsteine . 
Bernstein-Insekten der Ostsee .» P 
Kaur: Hippotherien im tertiären Sande bei Eppelsheim . 
Gorpruss: „Petrefakten Deutschlands“, V.- ‚Lieferung , : 
Ascassız: „Monographie des Echinodermes“ 2 a 
Becks: Knochen im aufgeschwenimten Boden des Münsterlandes 2. 
Desnaves: Bestimmung: einer Sammlung fossiler Konchylien. 
"Podeliens TA 


GörreErrt: über Enislähung a Zustand faenllen lan ao 5 M 
Vırrer: über die Thierfährten im ‚Sandstein von Hildburghausen 


Croizer : ebendarüber . k N u e » R . a 
a Nachtrag hiezu . ir 

DE BLamsviLLe und GEoFFROY Sr. Bee. Bericht her Des- 
Hıyss’ Betrachtungen über Belemnites »; 


v. Sternsere ! Geweihe des Riesengeweih-Hirsches zu Prag . 
ULekveuıe: neue Ammoneen der Kreide und Oolithe: Criocera- 


tites . 
Larter; Vier füsser. Knochen der Sligswasser. 'Hildung ı von Sansan 
Fossile Vierfüsser-Knochen im @ers-Dept. . ah 


Wi Nachtrag dazu: Quadrumanen, Vögelu.sw. . 


’ 
De BLaimmviLte | 


Dumerit über das Dinotherium, seinen Bau und seine 
ZEN [systematische Stellung + . » F Jups 


 ÖTRAUSS 


. 3 . L ar En 


h '— X — 
Seite 
Wırzume : : Saurier-Konochen der: Sg Breccie bei 
Mr Br istul . 363 
" Rırsy und STUTCHRURY: Palaeosaurus und. Thecodonto- 
saurus vonda .. ‘ \ 364 
JoLxy: neue Kuochenhöhle bei Nabrigus im "Lozere-Dept. e 365 
Morton: Fischzähne in Kreide von Alabama und Eintheilung 
der N. Amerikanischen Kreide . R 367 


Grey Ecerron:; Bau des Nackens von Ichtbyosaurus. k 368 
Zenker:; fossile Korallen: Lithodendron und Syringi- 
tesa. g. 369 
Quensstept! Leistungen in der Versteinerungs-Kunde i im J. 1835 370 
ae: weitere Nachriehien über fossile Infusorien . 370 
en desgl. 373 
ER Analyse von iin Sohaphan. in Old’reth von Pertshire 373 
Farconer u. Cauruey: Sivatherium giganteum aus Indien 482 


Baker u. Durunn: fossile Kinunlade eines Riesen-Vierhänders . 489 
Steininser: Lichas Brio era und Haplocrinites 

.. aus der Eifel . . ö . 490 

Pver:: Knochen aus der Höhle. von Brengues - a . . 490 

De Bramsvirte: die Quadrumanen-Reste von Sansan . . 491 

& Folgerungen daraus über früheres Klima. . 491 


Av. Bronenmart: versteinerte Lykopodiaceen-Stämme von Autun 491 
G. B. Sowergx : tertiäre Nematura, mit Cyclostoma verwandt 492 


CHARLESWoRTH: tertiärer Atractodon, mit Fusus verwandt . 493 
Verbreitung von Carcharias megalodon Ac. 494 

Mıune Eowanns: fossile Kr ustazeen: Dromilithes, Brachyu- 
rites rugosus und Ogydromites. . . . 494 
Jur. Dessardıns ı ‘Schildkröten- Kuochen auf Maur itius k “ 494 
Lyeızn: Koorpelfisch-Wirbel im Lösse des Rhein-Thales . . 495 

Ki J. Ds Carte Sowersey: Tropaeum, ein fossiles ph ad 
“ Genus der Kreide . 4 495 
% Quensstept! die Stylolithen sind Snrgähieche: Absonderungen 496 
® Beyrıcn: Rheinische Übergangs - Versteinerungen ; Goniatites 497 
Ri Bapsace: Pferdehuf-ähnliche Eindrücke in Sandstein % . 601 
Hırcncock: fossile Fusstapfen in Sandstein und Grauwacke . 602 
D’Arrox: tertiire Edentaten-Panzer der Banda orieutal . 603 
ArrH. DE CanposteE: kurze Geschichte der fossilen Pflanzen -. 609 


M. ve SerreEs: deutet das Vorkommen von Pflanzen, welche un- 
‘sern tropischen analog sind, in den Steinkoblen von Ca- 
nada und der Baffins-Bai eine Veränderung in der Schiefe 


der Ekliptik an? . i j . NEE 612 

ALPH. DE CANDOLLE: Erwiderung bierant N 613 

- WETHERELL?! über einige fossile Thier-Arten des "London-Thones 614 
j Berenor: Blatta-Arten in Bernstein der Ostsee =. 617 


R. Fırcn: Mastodon-Zahn im Crag von T’Aorpe bei, Norwich 617 
R. Burewern: Pachydermen- Beste im Craz Norfolks . . 618 


055. Morris: Elephanten-Zähne im Sand von Surrey . 619 
. S. Woopwarp: Mastodon-Reste in Tertiär-Schichten Norfulks 619 
EHRENBERG: organische Formen gewisser Mineralien . ! 620 
Bouquor: naturphilosoph. Ansichten von Entstehung der Fos- 
'sil-Reste } . 621 
Dercros: Krinoideen zwischen Lias und Oolithen in Burgund . 621 
Elenn- Skelette bei Killalve an Ba I 2 » . . B 621 
Fossile Kanots in Lancaslire . 621 


Drei Mammont-Skelette von Padresse nach Cronstadt acht 621 
An. Bronenurr; die Erd-Revolutionen und 'Entwickelung der Le- 
benwesen ei £ h u 7 Bi ! N 2 


| 
KV .— 


WALFERDIN: er eisen een von Treuil 
Duvsrnoy: Dugong-Skelet in tertiärem Kalke am I nt, 
Duvsanoy: Notizen über fossile Knochen in Eisass u. Jura 
J. pe Cueıstorn: Charaktere fossiler Rhinvoceros-Arten . 


Cu. Stockes : ‚theilweise versteinertes Holzstück aus Römischer - 


Wasserleitung von Eilsen in Lippe . Bi. 


H. v. Meyer: fossile Ochsen, deren Arten und Vorkommen I 


Virtget: Quellen von Erdpech in Griechenland u. a. Gegenden 
Tu. Ber: fossile Chelydra von Öningen. . 
Parerson : Fossil-Reste der Kohlen-Formation New-Havens 
Vorrziüber Belemniten . . | h Re 8 
Fırzisser: PRhacheosaurus aus Keuper |: AuaE Pr 
Bovır.tet: fossile Süsswasser-Konchylien der Auvergne t 
J. Mourrrıe : der Schädel des Quadalouper Menschen- Skeletts 
R. Waener: fossile Katzen- u. a. Knochen in. Muggendorfer 
Höhlen . { : RE 


48 


H. R. GörrertT: „de florihus in ‚statu fossil“ et, N. 
Dusaroın : fossile Polyparien der Kreide + a Fir 


Fossile Elephanten-Reste in Amerika . 
P. Mersan: neueRhyncholithen- Art im Unteroolith von Basel 
a a, Keuper-Flora um Basel. ' . } & 
Rertzius: fossile Infusorien in Lappland essbar Wu, 
Turrin: mikroskopische Körper durchscheinender Kieselgesteine 
Eurenserg: Infusorien- reiches re von Degernä bei 
Lappland s a . 5 . 
Enrengerg: dessgl. von Helsingfors: in Finnland R ? 
Infusorien des Polir-Schiefers von Oran in Afrika. 


G. Jiser: „fossile Säugethiere Württembergs, Heft I“ . a 


IV. Verschiedenes. 


Mineralogische Verhandl. der Brittischen Versamm!. zu Bristol, 1836 


Nanum Warp: über Salz- und Süsswasser-Quellen in N. Amerika . 


Braun:. Quellen aus verschiedenen Formationen zu Bayreuth . 

Aerolithen-Regen zu Kandahar in Indien . . : R £ 

; Verschüttete Römerstrasse in Württemberg 

Acıssız erhielt die Worraston’sche Medaille , Desnaxes "Geld, 
für ihre Arbeiten . 3 


Mineralogische Vorträge der deutschen Naturforscher i in Jena, 1836° 


Ossarın und Buchner: chemische Geschichte des Torfes und 
Analyse seiner Asche . 

Rang: lebendes Krinoideen- Genus Holopus von ı Mar tinique « 
Bohrbrunnen zu Bruck bei Erlangen . R Ä . 
Laurie: verschiedene Chronologie der SündAuth“ i N 
Sruper’s Mineralien Samınlungen zu kaufen uud tauschen . 
Bıor : über ein von den Chinesen gegessenes „Steinmehl“. > 
Feuer-Meteore von 1834 


Eupes Destonechames: mineralogische Verhandlungen der Kanne {gt 


schen Gesellschaft der Normandie im Jahre 1835—1836 . 


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A 


Über 


die bisherigen Resultate der geo= 
gnostischen Untersuchungen 
bei ZHohnstein, 


von 


Hrn. Dr. BERNHARD CoTTa. 


(Ein am 35. Sept. 1836 bei der Versammlung in Jena gehaltener Vortrag.) 


Es sey mir erlaubt hier Einiges über die Resultate der 
geognostischen Untersuchungen bei ZHohnstein mitzutheilen, 
welche im Laufe dieses Sommers auf Kosten mehrerer Freunde 


' und Beförderer der Geognosie ausgeführt worden sind. 


Sie werden theils durch den Vortrag des: Herrn Ober: 


 bergrathes Nöcgzraru bei der vorjährigen Zusammenkunft 
| in Bonn, theils durch die gedruckten Mittheilungen in v; 
 Leossaros und Bronss Jahrbuch für Mineralogie die Ent- 
- ®tehung sowie den Zweck jener Untersuchungen bereits 
kennen, und ich brauche desshalb kaum zu wiederholen, 
dass dieselben unter der besonderen Protektion der Herren 
 Arzxanper v. HumsoLor, Weiss, v. Leonuarnp, Rosk, Nauv- 


„MANN und Nöcskraru vorgeschlagen und ausgeführt worden 


a 


"sind, und zwar in.der Absicht, um die merkwür- 


dige Grenze der Sächsischen Kreide-Formation 
gegen den Zausitzer -Granit der Beobachtung 
Jahrgang 1837. 1 


na 2 


zugänglicher zu machen und hierdurch eine endliche 
Entscheidung über die Altersverhältnisse dieser aneinander- 
grenzenden Gesteine wo möglich herbeizuführen, oder wenig- 
stens vorzubereiten. | 

Ehe ich zu den Resultaten dieser Untersuchungs-Arbeiten 
selbst übergehe, scheint es jedoch gut, Ihnen jene Kette 
von Phänomenen, welche mit Recht die Aufmerksamkeit so 
vieler Geologen auf sich gezogen hat, noch einmal im Zu- 
‚sammhange , wenn auch nur ganz flüchtig skizzirt, vor Au- 
gen zu führen. } 

Zwischen Meissen und Zittau in Sachsen und durch ei- 
nen Theil von Böhmen hindurch werden überall die Ge- 
steine der Kreide-Formation (Quadersandstein und Pläner) 
durch krystallinische Gebirgsarten (Granit und Syenit) scharf 
abgeschnitten, und bei genauerer Untersuchung dieser langen 
aus W.N.W. nach 0.8.0, gerichteten, also dem Laufe der Elbe 
und dem Systeme des Riesengebirges ziemlich parallelen Grenz- 
linie ergibt sich, dass der Granit an vielen Orten schräg 
über der Kreide, an anderen wenigstens senkrecht ne- 
ben ihr liegt. Dazu kommt noch der besondere und ge- 
wiss höchst merkwürdige Umstand, ‘dass zwischen beiden, 
also über der Kreide und unter dem Granit an mehre- 
ren Stellen aufgerichtete kalkige Zwischenschichten mit Ver- 
steinerungen der Jura- Formation beobachtet werden, der 
Jura-Formation, die doch sonst in der ganzen Welt nur un- 
ter der Kreide gefunden worden ist. 

Das ganze Phänomen bietet demnach eine totale Um- 
kehrung der gewohnten Lagerungsverhältnisse dar. Granit 
oben, Jurakalk darunter und zuunterst Kreide! 

Den Granit sieht man über dem Pläner (dem obersten 
Glied der Sächsischen Kreide-Formation) in dem Hohlwege 
bei Oberau, den Syenit eben so regelmässig aufgela- 
gert in dem durch Weiss berühmt gewordenen Kalkbruche 
bei Weinböhla. — Die Schichten des Pläners sind senk- 
recht am Granit aufgerichtet bei Nieder - Wartha am lin- 
ken Elb-Ufer, und eben so am Syenit neben dem sogenannten 


Letzten Heller bei Dresden. — Die Pläner-Einschlüsse im 
Granit bei Zscheila übergehe ich als nicht mehr hierher ge- 
hörig, seitdem man erkannte, dass es keine Bruchstücke sind. 
Der Granit ruht ferner theils neben, theils auf dem 
Quadersandstein von Dotiersbach bei Hohnstein, wo er die 
"Sandsteinschiehten aufrichtete, bis nach Zetlau. Man er- 
kennt es ganz im Grossen überall, wo die Grenze beider 
von einem tiefen Thale dürchschnitten ist; denn sie läuft 
dann theils in gerader Linie hindurch, theils macht sie so- 
‚gar einen grossen Bogen in das Granit-Gebiet hinein, je nach- 
& oder wirkliche Überlage- | 


8 
zung Statt findet. Im Kleinen — aber um so bestimmter — 


dem nur Nebeneinanderlagerun 


erkannte man dasselbe Verhältniss in den Kalkgruben bei 
Hohnstein, Saupsdorf und Zinterhermsdorf und in den zahl- 
reichen jetzt verfallenen Schurflöchern, die man, um Kalk- 
stein zusfinden, auf dieser Grenze gegraben hat. Am un: 
'zweifelhaftesten und am grossartigsten wurde aber diese 
Überlagerung erst durch die Entblösungsarbeiten dieses 
Sommers nachgewiesen und Jedermann’ leicht zugänglich 
vor Augen gelegt. Bis zu einer Tiefe von mehr als 500 
Fuss unter die ‚gewöhnliche Gebirgsoberfläche wurde da- 
durch die Überlagerung unter einem Winkel von 30° gleich- 
 mässig fortsetzend gefunden. | 

Die beiden speciellen Hauptzwecke, welche durch diese ‚ 
Entblösungsarbeiten erreicht werden sollten, waren: 

1) Die Ermittelung, in welehem Maase die Überlagerung 
des Granites Statt finde, um zu entscheiden, ob es die Folge 
einer Unterwaschung und Unterlagerung vorher senkreclh- 
ter Felsen seyn könne oder nicht, und 

2) Die Trennung der Zohnsteiner Schichten mit Juras 
Versteinerungen von dem benachbarten Quadersandstein, um 
zu ermitteln, ob diese Schichten auch in ihrem physikali- 
sehen Verhalten sich als aus der Tiefe emporgehoben erge> 
ben, wie man es! aus: ihrem petrefaktologischen Charakter 
unbedingt schliessen muss. 


Um nun die Grösse der Überlagerung Ku, vor h 


aa ermitteln, wurden am Wartenberge,, der hier das rechte 
Gehänge des 600 Fuss tiefen Polenz-Thales bildet, in ver- 
schiedenen Tiefen (neben der Strasse von Lohmen nach Hohn- 
stein) zwei steinbruchartige Entblösungen hergestellt; denn 
obwohl die Aufwärtsbeugung der Grenze in diesem Thale, 


| mach NAUMAnNs vorläufiger Berechnung, an sich schon einen 


Überhang von eirca 1000 Fuss mit grösster Wahrscheinlieh- 
keit schliessen lässt, so könnten Zweifler doch noch einwen- 


. den, es sey dieser Bogen nicht durch die schräge Lage, 


sondern durch wirkliche Beugung einer senkrechten Grenz- 
fläche hervorgebracht. Wie wenig wahrscheinlich nun auch 
diese Aufstellung gewesen wäre, da eine ähnliche Beugung 
der Grenzlinie sich noch in mehreren Thälern beobachten 
lässt, so hätte sie doch von einem Unparteiischen nicht ohne 
Prüfung von der Hand gewiesen werden dürfen. Der Win- 
kel der Grenzfläche in den verschiedenen Thaltiefen musste 
leicht über die Statthaftigkeit dieses Einwandes entschei- 
den, und hat entschieden. Doch zur Sache: 

Die obere zu dem Ende am Wartenberge gemachte Ent- 
blösung; welche wir mit Nro. I bezeichnen wollen, liegt 
ungefähr 400 Fuss tief im Thale, also eben so tief unter 
dem gewöhnlichen Niveau der Gegend. Hier wurde die 
Grenze ungemein deutlich aufgeschlossen, sie fällt unter ei- 
nem Winkel von 25 bis 30° gegen N.O, 

Im zweiten Schurf, etwa noch hundert Fuss tiefer im 
Thale, also circa 500 Fuss unter der Oberfläche (mit Nro. 
Il bezeichnet), ist die Grenze bis jetzt nech weniger be- 
stimmt zu beobachten, da der Granit nicht als fester Felsen an- 
steht; doch ersieht man bereits mit Bestimmtheit, dass sie auch 


„hier höchstens 30° gegen N. geneigt seyn kann. 


Nimmt man daher den Winkel von 30° als den Fall- 


"winkel der Grenze für die ganze Tiefe des Thales von 600 


4 


Fuss an, und berechnet daraus die Grösse des Überhanges, 
so erhält man als runde Summe 

1040 Fuss, 
ein mit der Berechnung aus der Grösse des Horizentalbogens 


are. WEN oh 


ganz übereinstimmendes Resultat. Es ist somit als sicher 
begründet anzunehmen, dass der Granit bei Hohnstein gegen 
1000 Fuss über den @uadersandstein übergreif. Denkt 
man sich hier den Sandstein hinweg, so bleibt ein 600 Fuss 
hoher, unter 30° überhängender Granitfelsen zurück , unter 
dessen gefährlichen Schutz man allenfalls die ganze Stadt 
Hohnstein hätte bauen können. Wo findet sich in der Na- 
tur etwas Ähnliches® Ein solches Phänomen bliebe un- 
wahrscheinlich, wenn man auch annehmen wollte, dass der 
jetzt gänzlieh zerklüftete und verwitterte Granit zu jener 
Zeit völlig frisch, fest und unzerklüftet gewesen sey. 

Um zu erfahren, ob auch unter der Thalsohle der 
Überhang noch fortsetze , liess ich etwa 110 Fuss von der 
Sandsteingrenze entfernt im Granit ein Bohrloch schlagen. 
Aber leideryerreichten wir bei 72% Fuss Tiefe, wie es scheint, 
die Grenze noch nicht, das mitgenommene Gestänge war zu 
Ende, und die Kosten des Tieferbohrens würden sich durch 
die Nothwendigkeit grösserer Vorrichtungen über die vor- 
handenen Geldmittel erhoben haben: ich liess desshalb das 
Loch verspünden und eine Platte mit der Inschrift „Nro. 
11 Bohrloch“ darauf legen. Es kann zu jeder Zeit wieder 
geöffnet und fortgesetzt werden. Bei 50 Fuss Tiefe hatte 
der Granit eine veränderte Beschaffenheit angenommen, das 
ausgelöffelte Bohrmehl bestand fast bloss aus Quarz und 
blauem Thon, die Arbeit ging weit leichter und schneller 
von Statten und wir glaubten schon sicher die Grenze er- 
reicht zu haben. Allmählich aber fanden sich wieder Glim- 
mertheile, ein und zuletzt hatte das Mehl eine ähnliche Be- 
schaffenheit, wie Anfangs im. entschiedenen Granit. Ganz 
bestimmt kann ieh desshalb nicht sagen, dass das Loch noch 
im Granit steht, aber eben so wenig lässt sich das Gegen- 
theil beweisen, da die rothe leicht kenntliche Thonlage der 
Grenze nicht bemerkt worden ist. 

Aus diesem Bohrloche resultirt also im Grunde nichts 
weiter, als dass die Grenzfläche unter der Thal- 
sohle wahrscheinlich etwas steiler einfällt, als 


ke 
darüber. Ein endliches Steilerwerden der Grenze in der 
Tiefe muss man aber ohnehin und bei allen Veraussetzun- 
gen erwarten. Hätte die Örtlichkeit es irgend erlaubt, so 
würde ich desshalb das Bohrloch näher an der Grenze an- 
gesetzt haben. Sicherer und anschaulicher für Jedermann, 
bleiben immer die Entblösungen über Tage, sie sollen dess- 
halb erweitert und fortgesetzt werden, so lange es die Geld- 
mittel erlauben, über deren Verwendung ich den Herrn 
Protektoren genaue Rechnung abzulegen habe, während 
hier nur das Allgemeinste davon mitgetheilt werden kann: 
unterzeichnet sind bis jetzt 326 Rthlr, 
eindezaule ee DE 
ausgegeben . . . . . 181 5 

Bei dieser Gelegenheit fühle ich mich verpflichtet die 
Bereitwilligkeit zu erwähnen, mit welcher die Sächsische 
Regierung auf Veranlassung des Oberbergamtes diese Un- 
tersuchungsarbeiten unterstützte. Der fiskalische Waldbo- 
den wurde unentgeltlich dazu preisgegeben und der Bohrer 
ohne den üblichen Bohrzins dazu geliehen. 

Der zweite Hauptzweck, nämlich die scharfe Trennung der 
Jura-Schichten von Quadersandstein zu ermitteln, ist bis jetzt 
noch nicht in dem 'gewünschten Grade erreicht. Der Wunsch 
vom Hohnstemer Kalkbruch aus durch die sogenannte Sand- 
wand hindurch einen tiefen Graben bis in den entschiede- 
nen @uadersandstein treiben zu lassen, musste unerfüllt blei- 
ben, da der betreffende Grundbesitzer, Herr Hepenus, aus 
besonderen Gründen es nicht gestattete. 

Die Erweiterung der Schürfe am Wartenberge lässt nun 
aber hoffen — da auch hier die Jura- Zwischenschichten 
aufgefunden wurden — denselben Zweck zu erreichen, und 
hierauf dürften demnach, wie erwähnt, die noch vorhande- 
nen und noch zu erwartenden Geldmittel energie se zu 
verwenden seyn. 

In der schwer zugänglichen und därch den jetzigen 
Besitzer für Geognosten sogar gänzlich verschlossenen Zohn- 
sieiner Kalkgrube folgen die unter 30 bis 45 Grad gegen 


a a 


'N.O. fallenden Schichten von oben nach unten in dieser 
Ordnung aufeinander: 
Granit, 


rother und weisser Thon (‚rothe Lage“) . . 30'-60' 
„schwarze Lage“ (blauschwarzer Thon und Mergel) 2’—20' 
Mergel mit Kalkknolln . . 2 2 2 2 22 2-25’ 
stein RE, 230! 
„Sandwand" (Konglomerat mit Kalkknollen) . ER EIER 


Mit Juraversteinerungen, 


* @uadersandstein. 

Analog hiermit zeigte sich die Lagerung auch am War- 
tenberge (4 Meile vor Zohnstein), nur sind da alle einzelnen 
Lagen weniger mächtig, und einige (die drei mittlen) feh- 
len ganz; auch zeigen die vorhandenen bedeutende Spuren 
von Verrückungen, Verdrückungen und Durcheinanderschie- 
bungen, so dass nur im Allgemeinen dieselbe Anordnung 
Statt findet, nämlich: 

Im Schurf Nro. I, 

Granit, h 

blauer. Then .e..alna.m ea aan 

rother Thon mit Sandsteinbrocken . . 2. 1-3, 

Konglomerat, dem der Sandwand entsprechend, mit Am- 

monites polygyratus und A. Goverianus, mit Kalk- 
knollen und grossen Granitgeschieben, .„. . « 
feinkörniger Sandstein mit vielen Reibungsflächen. 
Im Schurf Nro. II, 

Granit, 

Sihlaner Than nis se ee 1, 
Hathext, Thom. si. einen un: A 
gelber Sandstein, | 
Konglomerat, wie in.Nro. I, doch mit ansserondeiilich 

vielen Than Auch jene Amme- 
niten enthaltend. 

Sandstein und Konglomerat, 

Sandstein, 


MR. RN 


Der Granit ist überall sehr bestimmt aufgelagert, die 
anderen Gesteine liegen stellenweise etwas verworren durch- 
einander. Alles diess kann erst durch die (in Jena vorge- 
legten) Zeichnungen recht deutlich werden, welche dem 
später an die Subscribenten zu vertheilenden Hau piUnränhe 
zum Theil beizufügen sind, 


Schluss. 


Dass die Hohnsteiner- Zwischenschichten wirklich der 
Jura - Formation angehören, wie zuerst von Graf Münster 
und L£ororLp v. Buch nachgewiesen worden ist, kann nicht 
füglich bezweifelt werden. In meinen geognostischen Wan- 
derungen S. 141 u. ff. habe ich neuerlich gegen 40 fossile 
Species in diesen Schichten nachgewiesen, von denen nur 
2 bis 3 zugleich im Jurakalk und in der Kreide bekannt 
sind, während hingegen 12 sehr sicher bestimmte mit den 
übrigen ausschliesslich der Jura- Formation angehören. Da 
nun diese Schichten gleichwohl deutlich über dem @uader- 
 ‚sändstein liegen, so ist es auch nicht zu bezweifeln, dass 
‚diese Lagerung eine sekundäre ist; d. h. dass diese Schich- 
ten früher darunter gelegen und durch irgend eine gewalt- 
same Veranlassung darüber gekommen sind, Denn kein 
Besonnerer wird eines einzelnen Falles wegen — bei dem 
ohnediess aufgerichtete Schichtenstellung und viele andere 
Erscheinungen auf gewaltsame Bewegungen hindeuten — 
die wohlgeordneten und durch tausendfältige Erfahrungen 
bewährten Grundsätze der neueren Geognosie umstürzen 
und glauben wollen, so vielerlei Thiere, die so entschieden 
der Juraschöpfung angehören, hätten an einer einzelnen 
Stelle noch während. oder nach der Bildung der oberen 
Kreide gelebt, in der sie übrigens völlig fremd sind. Die un- 
gewöhnliche Auflagerung des Granites deutet zugleich dar- 
auf hin, dass er der Störer der Ordnung gewesen sey; da 
sich Ar von diesem Granit Geschiebe und Bruchstücke in 
jenen Juraschichten finden, und da ferner viele Beziehun- 
gen desselben zum Quadersandstein nieht wohl gestatten, 


ihn für später entstanden (später festgeworden) zu halten, 
so erscheint allerdings die erste von Weiss gegebene Er- 
klärung, wonach der Granit und Syenit des rechten ZIb- 
Ufers als feste fertige Gesteinmassen emporgehoben und hie 
und da zugleich mit einigen anhängenden Juratheilen über 
den Quadersandstein und Pläner hinweggeschobeu sind, für 
den Augenblick noch als die annehmbarste; obwohl auch 
ihr noch manches Phänomen entgegenzustellen ist, und ob- 
wohl Herr Professor Weıss selbst diese Ansicht wieder 
aufgegeben gehabt zu haben scheint, da er die Pläner- 
Einschlüsse im Granit bei Zscheila mit uns für eingebackene 
Bruchstücke hielt und in Stuitgart als solche vertheidigte, 
folglich einen zu jener Zeit weichen Zustand des Granites 
annahm. | 

Möge nun die endliche Erklärung ausfallen, wie sie 
wolle, das Phänomen bleibt jedenfalls eines der grossartig- 
sten in Europa, 


Der Berg Büdöshegy, 
' von 
Herrn JOHANN GRIMM 
zu Nagyag. 


Ein Schreiben an den Geh.Rath v. LEONHARD. 


——— 


Schon vor sehr langer Zeit war es meine Absicht, Ih- 
nen Mehreres über die geognostischen Verhältnisse Szeben- 
bürgens zur Aufnahme in Ihr Jahrbuch der Mineralogie 
und Geognosie mitzutheilen. Durch Ihre gefällige Auffor- 
derung hiezu von Neuem angespornt, will ich nicht länger 
weilen, meinen schon lange gehegten Wunsch zu erfüllen, 
und mehrere Beobachtungen aus diesem äusserst interessan- 
ten und doch noch so wenig bekannten, zum Theil 
auch ganz verkannten, Lande zu veröffentlichen. — Ich 
muss gestehen, ich hätte der Gegenstände, die ich mitthei- 
len könnte, in sehr grosser Fülle und Menge, besonders 
was diejenigen Verhältnisse betrifft, unter welchen das 
Vorkommen der Metalle namentlich des Gediegen - Goldes 
und der Gold- und Silber-führenden Tellurerze erscheint; und. 
ich erkläre mich bereit, Ihnen hierüber manches Interes- 
sante nach und nach bekannt zu geben. Den Anfang mei- 
ner Mittheilungen will ich jedoch nicht mit diesem Gegen- 
stand, sondern mit einer Beschreibung des bekannten Ber- 
ges Büdüshegy machen, den ich vor Kurzem wieder besuchte, 


'u 
% 


ö 


A I) EN 


über dessen 'eigentliche Beschaffenheit manche Irrthümer 
unter dem geognostischen Publikum verbreitet sind, die ei- 
ner Aufklärung bedürfen. 

Nach der Beschreibung, die der sehr verdienstvolle 
Fıcurer in seinem Werke, Beitrag zur Mineralgeschichte 
von Siebenbürgen, im Anhange des ersten Theils von Seite 121 
bis 133 von diesem Berge lieferte, und nach den Andeutun- 
gen des Herrn Bov£, die aus dessen Werken in mehrere 
andere und letzthin auch in das Lehrbuch der Geologie von 
Lyeır (deutsche Übersetzung), $. Band, 1, Abtheiluug, 
Seite 163 aufgenommen worden sind, muss man glauben, 
dass in dem Trachyte des Büdöshegy mehrere Spalten sich 
befinden, die heisse scehweflige Dämpfe ausdünsten 
und Erscheinungen darbieten, die mit der Solfatara bei 
Neapel und mit anderen in der Nähe thätiger Vulkane mehr 
oder weniger verglichen werden können, — 

Ich besuchte diesen Berg vor drei Jahren von Bükzat, 
und jetzt am 7. August zum zweitenmal von Al Torja aus, 
diessmal derselben Tour folgend, wie sie FıcareL machte, 
auf dessen Beschreibung ich ganz hindeuten kann, die mit 

Ausnahme der ultra-vulkanischen Sprache ziemlich getreu ist, 
und nur solche Correktionen nöthig hat, die der jetzige 
Stand des geognostischen Wissens erfordert. — Nach mei- 
nen Beobachtungen finde ich, dass weder Fıc#ter noch Bovz 
die Eigenschaften des Gases dieser Art So/fatara genügend 
und richtig erklärten, welches Naturphänomen wegen seiner 
Eigenthümlichkeit und chemischen Verbindung den Physikern 
und Chemikern vielleicht noch ganz unbekannt seyn dürfte, 

Ehe ich zur Beschreibung der eigentlichen Solfatara 
übergehe, will ich in Kürze die Umgebungen des Berges 
Büdöshegy berühren, Derselbe gehört seiner innern Zu- 
sammensetzung und seiner Lage nach zu dem Trachyt- und 
Porphyr-Gebirgszuge, der von der Bukowind’er Grenze 
an sich fast gerade nach Süden hinabzieht, gegen Osten 

Re der Maros und der Alt begrenzt wird, gegen We- 
ten sich mehr in sanftere Berge und Hügel verliert 


- 1 - 


und so ein Mittelgebirge zwischen den östlichen Grenzge- 
birgen und dem niedrigen Hügellande Siebenbürgens zusam-. 
mensetzt,. Der Büdöshegy gehört zu den letzten Gliedern 
dieser aneinandergereihten Trachytberge. An seinem Fusse 
und an dem Gebirgssattel, der ihn mit den südlicheren Sand- 
steinbergen verbindet, zieht sich schon die Scheidung des 
Karpathen-Sandsteins herum, von welchem Gebilde man in 
dem ‚ganzen Torjaer Bache bis an Büdös hinan graue und . 
bläuliche Specien anstehend findet, bis erst am unmittelba- 
ren Fusse - des Berges trachytische Diluvien die Nähe der 
Trachyt-Berge verkündigen, 

Von Bühzat aus zeigt der Weg in dem starkbewachse- 
nen Thale des Somborpatak grösstentheils zerstreut umher- 
liegende Trachyt-Knauern, die bis am Fusse des Büdös fort- 
dauern, wo man neuerdings am westlichen Gehänge Karpa- 
then-Sandstein antrifft, dessen Grenze daher dicht an der 
steilen Lehne:des Berges vorbeigeht, welche die Schwefel- 
erzeugenden Höhlen einschliesst. Die besagten Trachyt- 
Knauern und einzelne anstehende Felsen bestehen aus einer 
dunkelschmutzigrothen oder braun- und grau-rothen Trachyt- 
Art mit vielem weissem Feldspath und einzeln zerstreuten 
Glimmer-Blättehen. Die grösseren Blöcke und die Felsen 
sind in-dünne Platten zerspalten. — | 

An dem Karpathen-Sandsteine in der Nähe der Trachyte 
konnte ich weder eine Veränderung vder Umwandlung sei- 
ner inneren Masse, noch eine bemerkenswerthe Störung sei- 
ner Lagerungsverhältnisse wahrnehmen, sie müsste nur an 
der nächsten Berührungslinie, mit dem Trachyte seyn, die 
ich nicht sehen konnte. Die Art, wie beide Gebilde zu ein- 
ander gestellt sind, ist mir daher auch unbekannt, In dem 
Torjaer Bache war das Streichen des Sandsteins nach Süd- 
west- mit nördlichem Verflächungswinkel. Die Möglichkeit 
‘einer Veränderung und Störung der innern und äussern 
Verhältnisse des Sandsteins in den nächsten Berührungs- 
punkten will ich jedoch weder bejahen noch verneinen. a | 
sind- viele Scheidepunkte dieser Gesteine in Siebenbürgen 


bekannt, und nur bei den wenigsten ist der Einfluss des 
Trachytes auf seine nachbarliche Gesteinsmasse bemerkbar. 
Über die fragliche Scheidung will ich mich jedoch nicht be- 
stimmt erklären, obschon ich nicht fern von der So/fatara 
neben den Trachytfelsen eine Partie Sandstein-Schiefer und 
Thon fand, an denen keine Spur einer Einwirkung zu se- 
hen war, — 

. Angelangt an dem Fusse des Berges sowohl auf der 
Westlicheni als östlichen Seite wird die Aufmerksamkeit des 
Besuchers auf eine Menge von Mineralquellen und Gas- 
Entwickelungen hingelenkt, die gleichsam die Vorboten: oder 
Verkündiger einer noch merkwürdigeren Erscheinung ge- 
nannt werden könnten, 

Fienrer nimmt fünfzehn verschiedene Sauerwasser an, 
Ich möchte ihre Zahl für grösser ansetzen, welche alle 
‘wegen ihrer Verschiedenheit eine genaue Beschreibung und 
Analyse verdienen. 

Auf der westlichen Seite des Büdöshegy sind unter den 
‚Mineralwassern die merkwürdigstenin den Thälern des Fekete- 
patak und Büdöspalak. Im letzteren Thalgrunde- entquilkt 
‘ aus einem moorigen, schwarzen, mit kurzem Schilfgrase be- 
wachsenen Boden, der sanft an den Büdös ansteigt, eine 
unzählbare Menge kleiner Wässer in einem Flächenraume 
von mehr als 100 Geviertklaftern, Aus dem Gebrause, wel- 
ches ihr Hervorsprudeln verursacht, sollte man an das Em- 
porquellen einer beträchtlichen Wassermenge denken; und 
besonders stark und geräuschvoll sprudelt das Wasser in 
einem hier ausgegrabenen Bassin hervor, das mit ‚Holz ein- 
gefasst ist und zum Baden dient, Besucht man aber den 
Gesammtabfluss aller in diesem Flächenraume vorhandenen 
Quellen und untersucht jede einzeln, so ist der Wasserab- 
fluss kaum zu bemerken, und man findet, dass es nur Gas- 
ausströmungen sind, die in dem moorigen wässrigen Boden 
an unendlich vielen Punkten hervorbrechen und bei. ihrem 
Durchdringen das Wallen und Sprudeln des: Wassers her- 
. vorbringen, | 


Ich besuchte beidemale diese Locale bei schönem trocke- 


nem Wetter, wo der Moorgrund ziemlich ausgetrocknet war, 
und kann vermuthen, dass bei regnerischem Wetter und 
mehr nassem Boden die Gasausströmung mit einem grösse- 
ren Geräusche yon sich gehen müsse, und ebenso glaube 
ich nicht zu irren, wenn ich diese Mineralwässer nicht 
als eigentliche aus dem Innern des Gebirges hervorkommende 
Mineralquellen, sondern als in dem Moorgrund befindliches 
süsses und Regenwasser betrachte, das erst durch die Ab- 
sorbtion der Gasarten an der Oberfläche des Bodens sich 
zu Mineralwasser umgestaltet. | 

Der Geschmack dieser Wässer ist sehr stark sauer 
und schwefelig, ebenso auch der in der Umgebung verbrei- 
tete Geruch, besonders gleich über dem Boden. 

Von diesem Terraine etwas entfernt im Feketepalak be- 
finden sich ähnliche Mineralwasser von saurem scharfem 
schwefeligem Geschmacke, die ebenfalls zum Bade und auch 
als Augenheilmittel benützt werden. 

Die Temperatur dieser verschiedenen Quellen ist 11° 
Reaumur. Sie entspringen alle aus dem Karpathensandsteine, 

Auf der östlichen und südlichen Seite des Büdöshegy 
in dem Thale des Zorjaer Baches und des kleinen vom Büö- 
dös herabkommenden Gründls sind die vielen andern ver- 
schiedenen Sauerwasser, Sie ziehen sich bis an den Gebirgs- 
sattel hinan, der den Büdös mit den südlicheren Bergen 
verbindet, Ihr Geschmack ist sehr verschieden, bald sauer, 
bituminös, bald gesalzen u. s. w. Einige sind trinkbar, 
andere nicht, und selbst das Vieh macht eine auffallende 
Auswahl, wührend es aus einigen mit besonderer Vorliebe 
säuft, andere hingegen gänzlich verschmäht. Die bemer- 
 kenswerthesten unter ihnen und auch die wasserreichsten 
sind die Eine, welche Fıcurzı die inkrustirende nannte, 
am. südliehen Abhange, und nieht weit von derselben, höher 
fast am Gebirgssattel gelegen, die gute triakbare Sauerquelle, 
Beide setzen viel Eisenoxyd (Fıchrers Bolus) ab, und die 
erste ausserdem noch Kalktuff, von weichem an dem sanften 


it 


= 35 - 


Gehänge eine ganze Ablagerung besteht, in welcher viele 
Muscheln (Zelices) und Pflanzenversteinerungen zu finden sind, 

Sämmtliche Quellen des südlichen und östlichen Abhan- 
ges entspringen ebenfalls aus dem Karpathen - Sandsteine. 
Ihre Temperatur ist nicht höher, als die der früher beschrie- 
benen, Bei ihnen zeigt sich jedoch keine so häufige Gas- 
ausströmung, daher auch kein so grosses Aufwallen des 
Wassers, und sie scheinen als Mineralwässer schon aus tie- 
feren Punkten hervorzuquellen. 

Statt der Gasentwicklung aus den Mineralwässern ver- 
räth sich dieselbe an mehreren Punkten des östlichen Ge- 
birgsabhanges durch einen starken, beissenden, schwefeligen 
Geruch, der viel Ähnlichkeit mit demjenigen hat, welcher 
über den Mineralquellen des westlichen Gehänges empfun- 
den wird. — | 

Wir haben nun die nächsten Umgebungen des Büdös- 
hegy beschrieben, und zwar den südöstlichen und westlichen 
Abfall desselben. Der nordwestliche hängt mit anderen 
Traehyt-Bergen zusammen und bietet wenig Interesse dar, 

Wenn man nun auf dem Gebirgssattel angelangt ist, der 
den besagten Berg mit den südlicher gelegenen Sandstein- 
bergen verbindet, so erhebt sich derselbe in ziemlicher Höhe 
noch hinan, und seine Kuppe steht mit nach 0.8.0. gezo- 
genen schmalen Rücken vor uns, dessen beiderseitigen Ge- 
hänge sehr steil abfallen und dem Berge, von 8.0, ange- 
schaut, das Ansehen eines ganz isolirten spitzigen Kegels ge- 
ben. An dem südlichen Gehänge, das man besteigt, zieht 
jeden Beobachter am ersten der kleine Graben an, der die 
unter der Dammerde mit trachytischen Materialien vermeng- 
ten Bimssteinstücke entblösst, welcher Graben von FıcHtEr 
genau beschrieben wurde. Der Bimsstein ist von ausgezeichne- 
ter Weisse und Leichtigkeit. Die Härte, Schärfe und das 
Faserige des liparischen Bimssteins fehlen ihm, Er ist 
weich, oftmals mit den Fingern zu zerreiben, und gleicht ei- 
nem leichten Schwamme, dessen Löcher nach einerlei Rich- 
tung aneinandergereiht oder auch gezogen zu seyn scheinen, 


In der Masse findet sich ausser kleinen weissen glänzenden 
Glimmerschüppchen kein anderes Mineral. Die Grösse der 
Bimssteinstücke ist die von.einer welschen Nuss bis zu ei- 
ner Kinderfaust. Grössere Stücke konnte ich nicht auffinden. 

Im Graben aufwärts verlieren sich nach und nach 
die Bimssteine, und es bleibt nur ein Gerölle von kleinen 
 Trachytplatten, die theils lose umherliegen, theils von einer 
trachytischen weissgrauen Erde umhüllt werden. Hier em- 
pfindet man wiederum an mehreren Punkten den scharfen 
schwefeligen Geruch, und der Ort des Ausströmens des 
Gases lässt sich leicht finden, wenn man sich mit dem Ge- 
sicht zur Erde senkt und dieselbe etwas aufgräbt. 

Über diesem Trachytplatten-Gerölle geht man zwischen 
Trachytblöcken fort, bis man zu den steilen Felsen gelangt, die 
das schroffe südliche Gehänge des Berges zusammensetzen. Die 
Art des Trachytes in den herumliegenden Blöcken ist von 
der der anstehenden Felsen ziemlich verschieden, und bei 
einiger Untersuchung ergibt sich, dass die Varietät des 
Trachytes in den Blöcken mit der der höheren Bergspitze 
genau korrespondire, von der diese Felsstücke herabrollten. 

Man kann mehrere Arten Trachyt annehmen, die je- 
doch alle in einander übergehen. Ihre Hauptfarbe ist Yale 
lichtgrau und lichtröthlichgrau. 

Die lichtgrauen Varietäien haben eine mehr feldstein- 
artige grauliche dichte Grundmasse, in welcher, nebst sehr 
feinen Kryställchen von aufgelöster Hornblende, ebenfalls 
aufgelöste oder unveränderte grössere Feldspathkrystalle _ 
und einzelne kleine braune Glimmerblättchen zerstreut vor- 
kommen. Die Hornblende ist von gelblichweisser Farbe 
und erdig, der Feldspath ganz weiss, ebenfalls erdig, und 
als Seltenheit in dem Kerne einiger Krystalle glasig. Das 
Gestein ist dicht, häufig aber porös und zerfressen, ziemlich 
schwer, in dünnen Stücken klingend und leicht spaltbar. 
Diese Varietät geht durch allmähliche Abstufungen in eine 
ganz weisse homogen scheinende Thonmasse über, in wel- 


cher jedoch noch die erdigen Feldspath'- Krystalle und 


‚mattglänzende Glimmerblättchen bemerkbar sind. . Diese 
(homogene Masse ist leicht, sehr spröd, leicht spaltbar 
und klingt sehr stark, Sie hat ein erdiges Ansehen und 
‚enthält oft häufige kleine Zellen, wodurch sie sich den Bims- 
'steinen sehr nähert. 

Eine dritte Varietät ist mit graulichweisser und röthli- 
cher Grundmasse von erdigem Bruch und Ansehen; in 
welcher gelbliche und weisse erdige und glasige Feldspath- 
Krystalle und einzelne Glimmerblättchen eingewachsen sind. 
Bei näherer Untersuchung bemerkt man, dass die röthliche 
Färbung von kleinen Hornblende -Kryställchen herrührt. 
Das Gestein ist schwerer als die früheren, wenig klingend, 
spröd und schwer spaltbar. — Es geht allmählich in eine 
ausgezeichnete röthliche Trachytart mit vorwaltenden gla- 
sigen Feldspath - Krystallen und braunen Glimmerblättchen 
über. Die Hornblende besteht in diesem Trachyte aus ein- 
zelnen kleinen Krystallen, übrigens aus äusserst feinen Kry- 
stall-Pünktehen, die dem Gesteine die röthliche Färbung geben. 

Das Gestein ist mehr rauh, zellig und ziemlich schwer. 

Sämmtliche Varietäten hängen stark an die Zunge. — 

Mit ihrem Übergange in einander steht auch ihr äusse- 
res Lagerungs- oder ihr Raum-Verhältniss in Verbindung. — 
" Während die letzten rothen Arten in mehrere Schuh mäch- 
tige Spaltungen zertheilt sind, ganze kubische Blöcke for- 
 miren, oder auch, besonders die letzte Art, eine solide 
Masse bilden,: ist die weisse homogene Varietät sehr dünn 
gespalten, und oft nur in 1- bis $-zölligen Platten getheilt. 
Diese Spaltungen nehmen daher in ihrer Mächtigkeit mit 
den verschiedenen Übergängen zu oder ab. 

In Hinsicht des Raumes nehmen die rothen eigent- 
' lichen Trachyte den ersten Platz ein; sie setzen die ganze 
Kuppe des Berges zusammen, und von ihnen rühren auch 
die vielen Blöcke her. Die weissen, besonders der sehr ge- 
spaltene Trachyt, sind mehr untergeordnet und auf einzelne 
Punkte beschränkt. — — 

Wenn man nun an dem erwähnten Orte, wo ..die 
| Jahrgang 1837. 2 


& 


, , 


‚anstehenden Trachytfelsen beginnen, neben den steilen Wän- 
den östlich fortwandelt, so empfindet man wiederum den 
‚sauren schwefeligen Geruch, jedoch viel stärker als frü- 


her, und man ist nun wirklich in dem eigentlichen Be- 
reiche der Solfatara. Das Gestein besteht aus der ‘dritten 


Trachyt-Varietät. Der schwefelige Geruch kömmt aus einer 
:Höhle die am Fusse eines fast senkrechten Felsens sich 


öffnet, und 11 Klafter Länge und Weite und 4 — 41 Schuh 
in ihrem höchsten Punkte Höhe hat. : Die Wandungen sind 
weder glatt, noch stark höckerig oder zerfressen, und ähn- 


lieh denen der Kalksteinhöhlen. An dem tiefsten Punkte 
‘der Wände ist-ein leichter Schwefelanflug, über welehen 
‘die reinen Trachytwände, nur hie und da mit einzelnen 


Alaunkrystallen beschlagen. 


Von dieser kleinen horizontalen Höhle um 25—30 Klaf- 


ter am Gehänge mehr östlich entfernt, aber um Etwas höherge- 
legen, kömmt man erst zur eigentlichen Solfatara, oder zur 


 Schwefelhöhle, die dem Berge den Namen Büdöshegy (Stinken- 


der Berg oder Schwefelberg) gegeben hat. Das Gestein ist der- 
selbe Traehyt wie bei der ersteren Höhle, nur mehr zerspal- 
ten und zerrissen. Die Höhle selbst gleicht mehr einer 
mächtigen Gesteinsspalte.e Am Eingange ist sie 2 Klafter 
weit, sieh in der Höhe von 2 bis 3 Klafter zuschliesend. 
Ihre Länge beträgt 34 bis 4 Klafter. Am Ende verengt 
sie sich auf 3 Schuh Weite und S— 9 Schuh Höhe. Ihr 
Boden liegt daselbst um 6—7 Schuh tiefer, als die Sohle 
des Eingangs, und man geht daher fast bis zu ihrem Ende 
abwärts. — Sie ist so ziemlich gegen die Nordstunde ge- 


‚richtet, und an allen Punkten in ihrem Innern ganz hell 


um jeden kleinsten Gegenstand vollkommen deutlich bis in 


ihre grösste Tiefe unterscheiden zu können. — 


Wenn man ‚zu ihrem Eingange kömmt und in selbe 


hineinschaut, so bemerkt das Auge in der reinen Atmosphäre 
nne in den tiefsten Punkten der Seitenwände einen Schwe- 


felansatz, sonst gar Nichts, was die Ausströmung einer 


 Gasart, die den schwefeligen Geruch verbreitet, verkünden 


— 


in: | ' Alk 


könnte. Das Athmen ist leicht und frei, und jeder, der _ 
hier unbekannt ist, wird gleich versucht, in die kühle Höhle 

tiefer einzutreten, da keiner seiner Sinne etwas Unge- 

wöhnliches oder Schädliches ahnen kann, — doch wie man 

nur 4 Schritte rasch hineingeht, so ergreift plötzlich eine 

sauer schmeckende Luft die Lunge, das Athmen hört au- 

genblicklich auf, die Augen durchsticht ein brennender 

Schmerz, und man eilt zurück, um in einer besseren Atmo- 

sphäre Erholung zu suchen. 

Tritt man aber mit Vorsicht in die Höhle, und ver- 
‚weilt nur kurze Zeit in selber, so dass jedoch der Oberleib 
noch über dem Niveau der Eingangssohle bleibt, so theilt sich 
dem untern Theil des Körpers allmählich eine Wärme mit, 
die bis zu einem sanften Brennen besonders an den Ge- 
sehlechtstheilen anwächst, ohne jedoch den Körper in 
Schweiss zu bringen. Das Athmen bleibt frei und unge- 
stört, und wird nur augenblicklich gehemmt, wenn man tie- 
‘ fer eintritt, und der Mund unter das Niveau des Eingangs 
sich senkt. 

Es ist eine schwere Gasart mit einem grösseren Ge- 
wichte als die atmosphärische Luft, die den tiefsten 
Raum der Höhle einnimmt und sich nur so weit‘ erhebt, 
als ihr Ausfluss gesperrt ist, der auch über die Eingangs- 
sohle nach Aussen wirklich erfolgt. Wenn die Sonne in 
die Höhle scheint, so bemerkt man ein stetes Vibriren des 


Gases und kann dessen Ausfliessen bei ruhigem Wetter 


sehr gut wahrnehmen. — Die Irrespirabilität des Gases ist 
eben so gewiss, als seine Unfähigkeit das Brennen zu beför- 
dern, indem jeder Lichtfunke, jeder flammende oder glü- 
hende Körper augenblicklich erlischt, kein Stahl Funken 
gibt, kein Feuergewehr sich entzündet. Der Mensch kann nur 
so lange darin verweilen, als er mit zugestopftem Mund 
und Nase den Athem an sich halten kann, und es gab sehon 
manche Fälle, wo Unvorsichtigkeit oder Bravour mit dem 
Leben bezahlt wurden, wie auch Fichten solche Beispiele 


anführt. m; ER 
R I 5 


>  Zu.den benannten Eigenschaften des Gases gesellen sich 
noch Andere, die die eigentliche Veranlassung zu Irrthümern 
gegeben haben, und zwar, dass es den menschlichen Kör- 
per erwärmt, ohne selbst warm zu seyn, dass es jedes Me- 
tall besonders Gold und Silber in kurzer Zeit schwärzt 
und an den Wänden der Höhle Schwefel absetzt. 

- Bei meinem zweimaligen Aufenthalte daselbst fand ich 
jedesmal die Temperatur dieser Höhle an ihrem äussersten 
Ende am Boden und an mehreren Punkten desselben, wo 
man ein Hervorströmen des Gases vermuthen kann, 9 bis 
10 Grad Reaumur, während ausserhalb der Höhle im Schat- 
ten das Thermometer 18 — 19° zeigte, und dennoch wurde 
Jeder von uns in der Höhle erwärmt, wogegen wir uns 
ausserhalb vor Erkühlung fürchten mussten. | 

Von gleichem Interesse ist die Ansetzung des Schwefels. 
Derselbe hält genau das Niveau, so weit sich das Gas erheben 
kann; über dieser Grenze verschwindeter, und an den feuchten 
Wänden zeigen sich nur an einzelnen Punkten ein leichter 
Schwefelanflug und zerstreute Alaunkrystalle. Ob die Einwir- 
kung des Schwefel-absetzenden Gases so gross sey, dass 
das angrenzende Gestein eine Umwandlung in Alaunstein 
erlitten hat, wie Herr Bous angenommen hat, will ich nicht 
bejahen, indem mir der Einfluss nur auf die Erzeugung 
von Alaunblumen an der Oberfläche beschränkt zu seyn 
scheint. ‘Der angesetzte Schwefel ist völlig rein, schön 
schwefelgelb, und bei einer 2—3 Linien dicken Rinde strah- 
lig.. Wie viel Schwefel binnen ‘bestimmter Zeit abgesetzt 
wird, hierüber sind noch keine Versuche gemacht worden. 

Was die vulkanische Sprache Fıcnter’s von einem 
hohlen schwankenden Boden, von Schwefelausströmungen, 
‘von Knistern und endlich von dem Schwärzerwerden des 
Gesteins gleich einem Schornsteine weiter aufwärts, und 
‚dergleichen verkündet, verdient folgende Berichtigung. Der 
Boden der Höhle oder Gebirgsspalte, durch die häufigen 
' Besuche ganz ausgeglichen, scheint allerdings aus zusam- 
mengestürzten Felsenstücken zu bestehen, auf welchen 


kleineres Gerölle sich ansammelte und mit der Zeit zu ei- 
ner festen Sohle zertreten wurde. An den Seitenwänden, 
besonders an der Westseite befindet sich noch das Gerölle, 
und aus diesem und zwischen den Wänden strömt das Gas 
heraus, welches aber das Auge nicht wahrnehmen kann, — 
Mit dem Knistern hat es dieselbe Bewandniss, wie bei allen 
Gasausströmungen, wo sich das Gas durch Wasser den Weg 
bahnen muss. Es mag hier bei regnerischer Witterung, 
wo das Wasser in die tieferen Spalten eindringt, zu ver- 
nehmen seyn. Ich hatte nicht das Glück es zu hören, weil 
ich diese Spalte bei sehr trockener heisser Jahreszeit besuchte. 

Die Schwärzerwerdung des Gesteins ober der Höhle 
rührt von der Veränderung des Trachytes, den ich früher 
beschrieben, und von schwarzen Steinflechten her, die die 
Felsenwände überziehen. 

Dieses ist nun die eigentliche So/fatara des Berges Büdös- 
hegy. Mehr östlich von ihr soll eine ganz ähnliche Spalte 
gewesen seyn, die aber einstürzte. Zwischen den einge- 
stürzten herumliegenden Trachytmassen und Blöcken las- 
sen sich noch mehrere solche Spaltungen wahrnehmen. 
Noch mehr östlich befindet sich an dem steilen Gehänge 
die dritte jetzt noch offene Höhle, die man allgemein die 
Salzhöhle nennt. | 

Sie ist 21 Klafter lang, 1 Klafter in ihrem höchsten 
Punkte hoch, und 4- 6 Schuh weit. Ihr Boden ist 14 bis 
2 Schuh tiefer als ihre Eingangssolile. Es zeigen sich hier 
dieselben Phänomene, wie in der früher beschriebenen ; 
nur sind die Wände über dem Schwefelansatz häufiger mit 
Alaun u. dgl. Salzen beschlagen. 

Es ist höchst wahrscheinlich, dass es noch "mehrere 
derlei Schwefel-führende Höhlen Ge haben mag, die 
nach und nach einstürzten. 

Der sehr zerspaltene und zerrissene Trachyt ‚dieses 
steilen Berggehänges kann unmöglich der Zeit trotzen, und 
so müssen nach und nach alle seine offenen Räume der Ver- - 

stürzung unterliegen. 


a 


Aus dem Gesagten geht hervor, dass die Gasentwick-. 
lung in diesem Berge sehr stark und auch weit verbreitet 
ist, indem man mit Recht annehmen kann, dass am westli- 
chen Gehänge in dem moorigen Thalgrunde dasselbe Gas 
ausströme, was höher oben, ohne in Berührung mit Was- 
ser zu kommen, den Schwefel absetzt. 

Was es eigentlich für eine Gasart ist, die diese be- 
schriebenen Eigenschaften besitzt, weiss ich nicht. Ich habe 
mein eigenes und das chemische Wissen mehrerer Freunde 
zu Rathe gezogen, in mehreren neueren chemischen Wer- 
ken sorgfältig nachgesucht, ohne eine genügende Aufklärung 
noch erhalten zu haben. — Dass Kohlensäure der Haupt- 
bestandtheil davon sey, ist klar, welche Gasart aber mit 
ihr verbunden ist, aus der sich der Schwefel ausseheidet — 
bleibt mir unbekannt. Bei Vergleichung der Phänomene 
der Schwefelhöhle des Büdöshegy mit den Eigenschaften der 
bekannten Gasarten und ihrer Verbindungen finde ich keine 
einzige Gasverbindung, die mit ihr übereinstimmend sey. 

Wenn ich auch nicht sagen will, dass der Büdöshegy 
ein neues oder unbekanntes Phänomen darbietet, so glaube 
ich doch, dass derselbe mit diesen seinen Eigenthümlichkei- 
ten den Physikern und Chemikern noch wenig oder gar 
nicht bekannt seyn kann, weil die Annahme, dass aus sel- 
bem heisse schwefelige Dämpfe hervorströmen, so allgemein 
verbreitet ist. 

Wie schon Fıcnter bemerkt, werden diese Seliwefel- 
höhlen und die benachbarten Mineralwässer häufig von 
Kranken besucht, die hier Heilung der Augen- und gich- 
tischen Schmerzen zu erhalten wünschen, und es fand hier 
eine grosse Zahl Leidender schon vollkommene Genesung. 
‚Freilich gehen auch Viele ohne Linderung oder noch mit 

inem grösseren Übel behaftet von da weg — die Schuld 
dayon) liegt aber nicht in dem Mangel der Naturkraft, son- 
. dern ‚in der Unkeuntniss des Kranken, oder vielmehr in 
‚dem Unbekanntseyn mit der eigentlichen Heilkraft dieser 
Gase und Wasser. — Man verlangt oft die Heilung und 


> 


Behebung jeder Art Augen- und gichtischen Schmerzen — 
also eine Universalheilkraft, — mit der aber die gütige Na- 
tur nicht aufwartet. 

Über die Art und Weise, wie an diesem Heilorte für 


den Leidenden gesorgt ist, schweige ich, da es zu dieser 


Beschreibung nicht gehört. — Ich kann nur vor der Hand 
den Wunsch hegen, dass die dortigen Gase und Mineral- 
wässer einer chemischen Analyse unterzogen Den um 
mit ihren Eigenschaften bekannt zu werden. 

Ich war bei meinem jetzigen Besuche verhindert, von 
dieser Gasart mehrere Flaschen aufzufangen, um es einer 
Untersuchung unterziehen zu lassen, und erwarte für diese 


Absicht eine baldige andere Gelegenheit. 


\ 
Le nern 
j 
\ 


Der 


Schlossberg bei Regenstauf 


im Regenkreise des Königreiches Bayern *), 
von 


Hrn. Ober-Bergrath von VoITH. 


An der äussersten westlichen Grenze jenes primären 
Gebirgszuges, welcher sich vom Fichtelgebirge herab über 
‘den östlichen Theil der Oberpfalz bis an das linke, und über 
den rückwärts liegenden Baierischen Wald bis auf das rechte 
Ufer der Donau ausbreitet, erhebt sich ungefähr 11 geogr, 
Meilen nördlich von Regensburg bei dem Marktflecken und 
Landgerichts - Sitze Regenstauf eine ansehnliche, die Gegend 
weit umher beherrschende, Granitkuppe , deren Gipfel einst 
eine feste Burg der mächtigen Zohenstauffen krönte. Gegen 
N. und S. wird ihr Fuss von Regenfluss bespühlt, und sie 
selbst dadurch isolirt; gegen S. läuft sie in die kleine Ebene 
aus, gegen O. wird sie von einem tiefen, ziemlich weiten 
Einschnitt vom anliegenden Gebirge getrennt: nur ein un- 
gefähr von der Hälfte ihrer Höhe auslaufender schmaler 


*) In der von dem Freiherrn v. Moru ehemal, nach und nach unter 
verschiedenen Titeln, herausgegebenen Zeitschrift für Mineralogie, 

. Geognosie und Hüttenkunde habe ich über mehrere merkwürdige 
Vorkommen aus den Primär- und Sekundär-Formationen der Ober- 
pfalz Notizen mitgetheilt. An diese soll sich gegenwärtige an- 
‚schliessen. | 


a Meran: 


Rücken verbindet sie in N.O. mit demselben. Sie ist gegen 
S. und ©. bequem, wiewohl zunehmend mühsamer zu 
besteigen, senkt sich gegen W. bedeutend steiler gegen den 
Marktflecken hinab, und steht gegen N. beiläufig zwei Dritt- 
 theile ihrer Höhe fast senkrecht empor. Das untere Drittel 
ist gegenwärtig noch steil genug, um es, auf geradem Wege, 
unzugänglich zu nennen. Gegen N.O. bricht ungefähr in 
der Mitte des Abhanges eine Quelle reinen Trinkwassers 
hervor. | 

Den Gipfel theilt ein, wahrscheinlich durch Kunst und 
zur Befestigung der Burg angebrachter Durchbruch aus 8. 
in N. in zwei ungleiche Hälften. Seine Breite beträgt in 
S. 18’, in N. 36°, und seine Länge auf dem Grunde zwi- 
schen 70 bis SO‘. Auf der grössern und höhern westlichen 
Hälfte stand das nun bis auf den Grund abgetragene Schloss 
mit seinen Erdwällen und sämmtlichen Befestigungswerken. 
Die noch längs derselben unversehrte rechte Wand des 
Durchbruches misst an den höchsten Punkten 36—38’. Von 
der östlichen Hälfte sind bereits, besonders gegen $., viele R 
und grosse Gesteinsmassen- in den Durchbruch herabgestürzt. 
In diesem gewahrt man, dass der Granit unregelmässig in 
Bänke von 2—4‘ Dicke getheilt ist, deren Ablosungsklüfte 
sämmtlich aus S. in N, sich erheben, unter der höchsten 
Spitze in die horizontale Lage sich krümmen und gegen W. 
streichen. Sie bedecken einen ebenfalls horizontal abge- 
theilten Kern. Der Neigungswinkel derselben nimmt von 
unten nach oben (etwa von 25 bis 48°) beinahe regelmäs- 
sig zu. Vertikale Klüfte mit geringer wechselnder Abwei- 
chung, einerseits aus 8, in N., andererseits aus O. in W. 
streichend, durchsetzen sie unverrückt und bilden dadurch 
parallelepipedische Blöcke. 

'Südöstlich von dem Eingange in den Durchbruch be- 
merkt man eine an Umfang und Tiefe wenig bedeutende 
kesselförmige Senkung. Da hier ehedem die Einfahrt in 
die Burg allem Anscheine nach war, und später mancherlei 
Veränderungen vor sich gingen, so mag es gegenwärtig 


unentschieden bleiben, ob sie -durch die Natur hervorge- 
bracht oder durch Menschenhände veranlasst wurde. Das 
Terrain - dürfte für das erstere sprechen; ich musste ihrer, 
wie die F olge zeigen wird, erwähnen. 

Die Masse der Kuppe besteht vom Fusse bis zum Gipfel 
aus einem und demselben grobkörnigen Porphyr-Granit, der 
sich von ihr, als dem westlichen Endpunkte, aus in mächti- 
ger Ausdehnung über Kirn und Falkenstein erstreckt. Hier 
ist er, besonders in der untern Hälfte der Kuppe, sehr 
locker und zur Verwitterung ungemein geneigt, bei Kirn 
und Falkenslein grösstentheils hart und der Lufteinwirkung 
wiederstehend; dagegen hier der eingeschlossene Feldspath 
immer (in das 6seitige flache, an beiden’ Enden mit 2 Flä- 
chen schief zugespitzte, 2—4' lange, 11—2 breite Prisma) 
rein auskrystallisirt, dort amorph (mit Andeutung von 4sei- 
tigen. gleichseitigen Prismen), Schmale (4 — 3‘ mächtige 
Quarzgängehen und noch schmälere, streifenförmige An- 
häufungen von dunkeltombakbraunem Glimmer durchschwär- 
men ihn in verschiedenen Richtungen. Weder von einer 
andern Felsart noch sonst von einem fremden Einschlusse 
vermochte ich eine Spur zu entdecken. 

Desto mehr überraschte mich's, als ieh beim Eintritte 
in den Raum innerhalb der Erdwälle an der Wand eines 
dicht am östlichen Rande der bereits erwähnten Senkung 
eröffneten Steinbruches auf einmal Gneiss in beinahe seuk- 
rechter Stellung aufgerichtet erblickte. Bei meiner Anwe- 
 senheit (im Jahr 1834) war er in einer Länge von 40—50' 
entblöst, und in $. und N. ohne das mindeste Anzeichen 
eines Überganges, von dem beschriebenen Granit begrenzt; 
im Gegentheile schied ein, wenn ich es so nennen darf, 
etwa halbzölliges Saalband jenen von diesem scharf ab, Er 
streicht beinahe aus S. in N,, mit geringer Wendung nach 
O., schiesst mit einem Fallwinkel von einigen 80° gegen W. 
ein, besteht aus 2—6‘ dicken Lagen und wird auf dem 
Kopfe vom Granit 4—6‘ hoch unregelmässig bedeckt. Die 


Lagen sind unter sich parallel, aber in ungleichen Abständen 
stumpfwinkelig und ziemlich scharfkantig fächerförmig gebo- 
gen, und von 4“ bis 1‘ mächtigen vertikalen (mit den ein- 
und ausspringenden Winkeln fast parallelen) @uarzgäng- 
chen durchsehnitten. Häufige Kluften durchsetzen ihn in 
vertikaler und horizontaler Richtung, welche seine Gewinnung 
sehr erleichtern. | | 

Den eigentlichen Umfang und die ursprüngliche Gestalt 
dieses Gneissgebildes konnte ich nicht ermitteln, da die Sohle 
des weggebrochenen Theiles unter Schutt begraben, und 
der Kopf des noch stehenden unter Granit verborgen ist. 
Aus dem in N.W. und 8. nahe am Rande der Senkung 
anstehenden Granite ergibt sich, dass seine Ausdehnung von 
S. in N. sich kaum über 60' erstreckte. Am Granite und 
Gneisse selbst war auf den Berührungsflächen weder Stö- 
‘rung der Lagerung, noch, eine theilweise unbedeutende Zer- 
bröckelung ausgenommen, Veränderung im Gefüge zu erkennen. 

Der Gneiss wechselt sowohl stellen- als lagenweise in 
Schichtung, Verhältniss, Grösse und Farbe der Gemengtheile und 
als Folge der letztern in Härte maneb/altig ab. Seltener ist die 
Schichtung dickblättrig- und geradlinig, das Korn der Gemeng- 
theile bis erbsengross, Feldspath und Quarz graulichweiss 
und vorherrschend und dann der Gneiss so hart, dass er zu 
Pilastersteinen für die Strassen des Marktes gebraucht wer- 
den kann; gewöhnlicher findet man die Schichtung sanft 
und klein wellenförmig, @uarz und Feldspath.von (verwit- 
tertem) Glimmer rostbraun gefärbt, den sonst schwarzen 
Glimmer bis beinahe messinggelb, grössere und kleinere 
Partien des Glimmers angehäuft und den Zusammenhang 
alsdann mehr oder weniger aufgelöst. ÜUnregelmässige 
Granit- und Quärz-Gängehen von 1 bis I Mächtigkeit und 
6’ bis höchstens $“ Erlängung nach dem Streichen und Ver- 
flächen setzen, besonders im letzten Falle, nach allen Rich- 
tungen häufig auf. Ein Verfliessen der Gemengtheile in 
einander ist mit Zuverlässigkeit sowohl im Gneisse als in 


ER, ;_ ER 


den "Granit - Gängehen kaum wahrzunehmen *). Fremde 
Einschlüsse scheint er nicht zu enthalten. Wenn man den 
Schlossberg von der Südseite aus besteigt, so findet man 
schon nicht ferne von dessen Fusse und noch häufiger auf 
dessen Gipfel Bruchstücke von Thonporphyr. Dessen an- 
gebliche Lagerstätte aufzusuchen war die Absicht meiner 
Begehung; allein meine Bemühung war fruchtlos. Später 
erfuhr ich, dass das alte Schloss mit selbem erbaut wurde, 
Dadurch ist zwar wahrscheinlich, dass er unweit von Regen- 
stauf anstehe, doch konnte mir Niemand die Stelle auch 
nur muthmaaslich angeben. — Die Farbe des Thons geht 
aus dem Licht-Rothen verschiedener Schattirungen bis ins 
Dunkel-Kupferrothe über, bald kann er leicht mit dem Mes- 
ser geschabet werden, bald reisst er am Stahle Funken, 
Seine (remengtheile sind nach dem Verhältnisse ihrer Menge: 
1) rother und grauer Pinit in 6seitigen Prismen von 2 bis- 
4‘ Länge, einzeln und zusammengewachsen, selten Zwillings- 
Krystalle; 2) in kleinen Oktaedern krystallisirter bläulich- 
grauer Quarz; 3) in wenig verschobenen Prismen krystal- Pi 
lisirter röthlichweisser undurchsichtiger Feldspath, meistens 
mehr oder weniger aufgelöst, zuweilen aber auch mit durchsich- 
tigem parallelem Kerne , und 4), wiewohl äusserst sparsam, 
dunkel-tombackbrauner Glimmer. Pinit und Quarz fallen 
beim Zersetzen der Porphyrstücke von selbst aus dem Teige; 
Feldspath und Glimmer hingegen sind innig eingewachsen. 
Nie wollte mirs glücken, vom Feldspathe eine Endung an- 
sichtig zu werden **), 

Auffallend war es mir, dass die unter dem Thonpor- 
phyre zerstreuten Trümmer von Dachziegeln, welche so hart 


' 


”) Ich muss zugleich auf die in Fr. v. Morr’s Zeitschrift mitge- 
theilte Notiz über ein gangartiges Vorkommen des Guneisses mit 
Andalusit, Schörl, Feldspath (Albit?) und Pinit bei Herzogau im 

Granit erinnern, 

**) Ich kenne die geognostische Skizze der Umgrgend von Baden 
von Marz nur aus dem Auszuge in diesem Jahrbuch von 1835, 
Hft. II, S. 101, und kann desswegen keine weitere Vergleichung 
anstellen. 


gebrannt sind, dass sie am Stahle Feuer reissen, den rothen 
Pinit in völlig unversehrtem Zustande nicht selten enthalten, — 
Dieser Umstand könnte vielleicht die Entdeckung des Por- 
phyrs in seiner Lagerstätte erleichtern, | 

Entschiedene vulkanische Erzeugnisse, wie sie den bei 
Lenau (unweit Kulmain) ebenfalls aus dem Granite des Fich- 
telgebirges hervorragenden kleinen Porphyr-Hügel *) in S. 
begleiten, erscheinen bei Regenstauf erst bei Schloss- oder 
Hohen-Packstein, 94 geogr. Meilen in Norden. 


*) Frurr’s Beschr. der baier. und oberpfälzischen Gebirge, S. 493—515. 


Über 
die Krinoideen-Reste 
im Muschelkalk, 


von 


H. G. BRonn. 


— 


Hiezu Tf. II. 


Bisher kannte man im Muschelkalke und im ganzen 
Trias-Gebilde nur Kopf- und Stiel-Theile von Enkriniten 
und Stielglieder von Pentakriniten, indem man von den 
Pentakriniten nämlich alle diejenigen Entrochiten oder 
Stiel- Theile ableiten zu müssen glaubte, welche auf ihren 
Gelenk-Flächen eine strahlige Zeichnung in Form einer fünf- 
blättrigen Blume besitzen. Nur bei Rhodocrinites echi- 
natus GoLor. (Apiocrinites) aus dem Coral rag war 
eine etwas ähnliche Zeichnung auf einer der Gelenkflächen 
bemerkt worden ; die entgegengesetzte Fläche ist einfach 
gestrahlt. Erst kürzlich hat man dieselbe fünfstrahlige Zeich- 
nung auch bei lsoerinites gefunden. Man konnte ver- 
sucht seyn, jene fünfblättrige Zeichnung als nothwendige 
Folge von der fünfkantigen Form derjenigen Stiele abzulei- 
ten, welche strahlige Gelenkflächen besitzen, im Gegensatze 
der Arten mit drehrunden Stielen. Dass jedoch jene Zeich- | 
nung von dieser Form allein nicht abhängig seyn könne, 


ARESUN.-. , YO DAER 


erhellet u. A. aus dem Pentacrinites subteres, dessen 
oft stielrunde Säule ebenfalls die fünfblättrige Zeichnung 
der Gelenkflächen besitzt, so wie aus oben erwähnten Säu- 
len von Rhodoerinites echinatus, die ebenfalls oft 
stielrund sind. Es geht mithin daraus hervor, dass weder 


diese Zeichnung den Pentakriniten ausschliessend zustehe, 


noch die fünfkantige Gestalt der Säulen ein nothwendiger 
Charakter der Pentakriniten seye, wofür ihn Acassız, der 
jene erste Ansieht zuerst aufgegeben zu haben scheint, in 
einer neulichen Abhandlung erklärt hat. 


Was nun die Krinoideen des Muschelkalkes insbesondre 
betrifft, so hat @vensteot in demselben mittelst eines eige- 


nen Aufsatzes *) nicht nur eine zweite Enkriniten-Art, 


E. Schlotheimii (wenn es nicht eine zufällige Missbil- 
dung ist, von der man bis jetzt nur den einzigen Fall kennt) 
nachgewiesen, sondern auch wahrscheinlich zu machen ge- 
sucht, dass die bis jetzt als solche angeselienen Pentacriniten- 
Glieder derselben Formation von wirklichen Enceriniten 
herrühren, wovon der Pentacrinites dubius Goror. in 
dem obern Theil des Muschelkalkes zu Rüdersdorf bei Ber- 
lin nur in getrennten, gegen die Wurzel Iıin mehr gerunde- 
ten und theilweise mit Hülfsarmen besetzt gewesenen Gliedern 
mit Encerinites liliiformis vorkommend (später auch 
in Thüringen, kürzlich bei Heidelberg und von Decnen in 
Schlesien gefunden) von ibm als Encrinites dubius auf- 
geführt, — ‚ein grösseres fast 6‘ langes Säulenstück von Wal- 


iershausen in Thüringen aus ScHLoTHEIMs Sammlung von 


scharf fünfkantiger Gestalt, mit gleichgrossen und nur gegen 


die Wurzel mehr abgerundeten Gliedern und mit einem Quirl 
von je 5 grossen Hülfs-Armen an jedem 9.—11. Gliede und 
mit ähnlicher Zeichnung der Gelenkflächen wie vorige ver- 
sehen, frageweise zu jenem Encrinites Schlotheimii 
bezogen wird. 


*) Wıeremann’s Archiv für Naturgeschichte, Berlin 1835, II, 223—228, 
Tr. IV. 


‘Diese Ansicht rücksichtlich der Vereinigung der früher 
sog. Pentakriniten-Glieder des Muschelkalkes mit den 
Enkriniten desselben bat sich nun durch ein vor weni- 
gen Tagen in meine Sammlung gekommenes Exemplar als 


'riehtig bestätigt. Es rührt vom Falkenkruge bei Detmold, 


besteht aus der untern wohlerhaltenen Hälfte der Krone 


'und einem 9‘ lang daran sitzenden Stücke des Stieles und 
liegt halb hervorstehend auf einem gelblichen, zerfressenen, 


daher Sandstein-ähnlichen und auf der Etiquette für Keuper- 
Sandstein angegebenen Kalksteine, in dessen Nähe Pflanzen- 
Abdrücke vorkommen sollen. Ich habe dasselbe auf Taf. II 
zeichnen lassen. Die Krone ist kleiner und nach unten 
schmäler zugehend, als bei E. liliiformis gewöhnlich ist. 
Der davon erhaltene Theil hat in der Mitte 1‘ Länge und 
oben fast eben so viel Breite. Die Zusammensetzung des 
Bechers ist genau, wie bei der gewöhnlichen Art: über 
den dritten Becher-Täfelehen beginnt die erste, über den 
fünften die zweite Theilung, worauf einige ganze, viereckige 
Armglieder folgen, die allmählich in zweizeilige alternirende 
übergehen. Das Säulenstück ist noch 9‘ lang, abgerundet 
fünfkantig, mit in der Mitte etwas vertieften Seiten, so dass 
es aus fünf aneinandergedrückten runden Stäben zusammen- 
gesetzt zu seyn scheint, und zählt 25 — 26 Glieder. Am 
unteren Theile des Stieles ist jedes 4te Glied grösser (höher 
und breiter) als die übrigen, und von den 3 dazwischen 
liegenden ist das mittle wieder etwas grösser als die 2 an- 
dern; ganz oben gegen die Krone scheinen jene grössten 
Glieder etwas näher zusammenzurücken. Weiter unten am 
Stiele würden die Glieder wahrscheinlich einander mehr 
gleich werden. Diese grössten Glieder zeigen auf jeder 
ihrer fünf Seiten eine vertiefte Gelenkfläche für die Hülfs- 
arme, von welchen auch an einigen Stellen noch bis. 3 
lange Theile erhalten sind mit drehrunden, fast kugelförmi- 
gen Gliedern. Am Ende der Säule sieht man eine Gelenk- 


‚fläche, welehe undeutlich die fünfblättrige Zeiehnung der 


Pentakriniten - Flächen besitzt; die grobstrahlige Einfassung 


RTHARL. » cAROER 


der 5 Blätter ist nur schmal, und auf jeder Seite eines 
Blattes stehen nur 2— 3 Strahlen, welche fast so dick als 
lang sind. Von dieser Zeichnung umschlossen liegt ein ganz 
glattes, ebenes Feld, in dessen Mitte man den feinen runden 
Nahrungskanal sieht. Die Zeichnung dieser Flächen scheint 
daher spezifische Unterschiede von denen der 2 obengenann- 
ten Arten an Handen zu geben, zwischen welchen selbst 
man übrigens aus der Qurnssteot’schen Beschreibung nur 
schwer eine bestimmte Abweichung erkennen dürfte. Ich 
nenne diese neue Art Enerinus pentactinus, 

Es ist durch diese Beobachtung mithin ausser Zweifel 
gesetzt, dass ein Theil der bisher dafür geltenden Penta- 
eriniten - Glieder des Muschelkalkes von Eneriniten ab- 
stamme, und ist wahrscheinlich, dass alle in dieser Formation 
‘von solchen herrühren., 


Jahrgang 1831. a 


Mineralogische Notizen 


Herrn Dr. R. Brom. 


a; 


_—n 


Hiezu die Fig. E 1, 2, 3 auf Taf. I. 


\ 


' Einige mineralogische Beobachtungen, welche ich vor Kur- 
zem zu machen die Gelegenheit hatte, erlaube ich mir, da 
sie nieht ohne einiges Interesse sind, hier mitzutheilen. 1) 
Das Vorkommen kleiner Apophyllit-Krystalle am Kai- 
sersltuhle im Breisgau führt sehon WALcHNER in seinem 
Handbuche der gesammten Mineralogie (Bd. I, pg. 283) an, 
ohne jedoch Näheres darüber zu sagen. Ich fand sie vor 
einiger Zeit ebenfalls in den Blasenräumen des Dolerit- 
Mandelsteins des Lützel - Berges bei Sassbach, begleitet 
von Harmotom und Bitterspath, und zwar Krystalle, die 
um desswillen noch der Beachtung verdienen, als sie For- 
men zeigen, die zu den seltenern gehören. Es sind nämlich 
reine quadratische Oktaeder und deren Verbindung zu Zwil- 
lings-Gestalten, wie ich dieselben auf Taf. I, Fig.2, 3 darge- 
stellt habe. Die Zusammensetzungsfläche der Individuen ist 
parallel einer Fläche des Oktaeders und die Umdrehungs- 
 axe auf ihr normal, ein Gesetz der Zwillingsbildung, wel- 
ches im Tetragonal-Systeme auch beim Kupferkiese vorkommt, 
Die Krystalle sind zum Theil einzeln aufgewachsen, häufiger 


3 


BEER 1 1 HS FRE 


aber zu Drusen verbunden, 0,5 —2 Linien gross, Glas- 
oder Perlmutter-glänzend, wasserhell, weiss, bräunlich, sogar 
ganz schwarz, welche Färbung jedoch meist mehr oberfläch- 
lich ist und von einem Überzuge von Eisenoxydhydrat her- 
rührt. Durch letzteres, das zuweilen auch in Gestalt klei- 
ner Kügelchen auf den Krystallen sitzt, um welche dann 
konzentrische Farbenringe sich verbreiten, erhält der Apo- 
phyllit nicht selten metallartigen Glanz. Auch ist er manch- 
mal mit Harmotom überzogen, so dass nur Theile der Flächen 
sichtbar sind. — Bei dieser Gelegenheit will ich bemerken, 
dass ich schon öfters Analzim in einem Phonolith der Ge-. 
gend von Eechstelten gesehen habe, an dessen Vorkommen 
am Kaiserstuhle aber Eısentonr in seiner Beschreibung 
dieses Gebirges zweifelt. Die Krystall- Trapezoeder sind 
1 bis 2 Linien gross, zu Drusen verbunden, theils farblos 
und durchsichtig, theils weisslich oder gelblichweiss und 
durchscheinend. 

2) Im Anhydrit des Segeberges beobachtete ich B.o- 
razit in körnigen Aggregaten. Es sind rundliche einge- 
wachsene Massen, 3—4 Linien gross, aus ganz kleinen kör- 
nigen Individuen zusammengesetzt, jedoch ‘ohne starken 
Zusammenhalt, indem sich die einzelnen Körnchen leicht ab- 
lösen lassen, von gelblichweisser und orangegelber Farbe 
und ziemlich starkem Glasglanze. Nach Aussen sind diese 
körnigen Partie’'n meist mit einer Rinde von Borazit-Krystallen 
überzogen, die sich zugleich durch weisse oder schwärzliche 
Färbung und einen stärkeren Glanz zu erkennen geben. 

3) Hyalith habe ich in der porösen Abänderung des 
Anamesits von Steinheim in äusserst merkwürdigen Bil- 
dungen aufgefunden. Er überzieht die Blasenräume dieses 
Gesteins mit einer dünnen Rinde, oder füllt dieselben, wie- 
wohl sehr selten, ganz aus. In ersterem Falle zeigt er sich 

‚ theils als Überzug von gleichmässiger Dicke, theils findet 
man ihn nach einer Seite der Poren hin bei weitem stärker 
angesetzt, als nach der anderen, und dann ist er weiss, 


matt oder schimmernd und an den Kanten durehscheinend, 
” 3%* 


a ae 


Zuweilen findet man die Hyalith-Kruste zusammengesetzt aus 
lauter aneinander-gereihten Kugeln und ihre Oberfläche ist 
dann Nieren- oder selbst Trauben-förmig. Merkwürdig genug 
trifft man häufig über der Hyalith - Rinde Sphärosiderit in 
kugelförmiger Gestalt abgesetzt, so dass die Bildung dessel- 
ben offenbar später erfolgt seyn muss, als die des Hyaliths, 
Letzterer findet sich aber, ausser in den genannten Gestal- 
ten, am ausgezeichnetsten noch in ästigen, Stauden - und 
Baum-förmigen Gebilden, die durch Aneinanderreihung von 
Kügelchen hervorgegangen sind und sich theilweise so zart 
und fein, wie Spinnengewehe zeigen. Sie stehen theils 
einzeln von den Wandungen der Blasenräume ab, sind ge- 
krümmt, gebogen und lassen häufig die Aneinanderreihung 
der Kugeln nicht mehr deutlich wahrnehmen, so dass diese 
in ein Ganzes verschmolzen zu seyn scheinen; theils finden 
sie sich aneinandergereiht in stengeligen-Gestalten, und durch 
Ästehen so mit einander verbunden, dass manche der - 
Hauptstengel, nur auf solche Weise gehalten, frei zu stehen 
scheinen, wenigstens keine Berührung mit den Wandun- 
gen wahrnehmen lassen. Sehr selten kommt der Hyalith 
in kleinen plattenförmigen Aggregaten vor. Im Allgemeinen 
zeigt er meist einen starken Glasglanz, ist wasserhell, weiss, 
schwärzlich oder gelblich, gleichsam als wäre letztere Fär- 
bung durch Eisen hervorgebracht. — Der Sphärosiderit, 
dessen ich oben erwähnte, bekleidet im Ganzen viel häufi- 
ger die Wandungen der Blasenräume des Anamesits, als 
der Hyalith; überhaupt möchte wohl das kohlensaure Eisen- 
oxydul einen grösseren Antheil an der Zusammensetzung je- 
nes Gesteins von Steinheim. haben, als man glaubt. Auch 
kommt es hier noch in ganz eigenthümlicher Form vor, es 
füllt nämlich in dichten Massen die Bfasenräume entweder 
"ganz oder nur theilweise aus. 

4) Am Staurolith beobachtete ich neuerlich eine 
Krystall-Form, die meines Wissens nach nirgends angegeben 
ist. Fig. 3 auf Taf. I stellt dieselbe dar. Es ist die Ent- 
scharfseitung (0) der geraden rhombisehen Säule, verbunden 


DEN 


mit der Entstumpfeckung (r), welche aber so weit vorge- 
schritten ist, dass die Endflächen verschwunden sind, und. 
Kanten mit Winkeln von etwa 60° über denselben gebildet 
werden. Die Krystalle sind klein, nur etwa 0,5—2 Linien 
lang, allein sehr rein, durchsichtig, lichte bräunlichroth, und 
finden sich an einem Talk - Schiefer am Monte Campione 
bei Fardo in der Schweitz, begleitet von anderen Krystall- 
Varietäten des Stauroliths und von Disthen. 


Briefwechsel. 


— 


Mittheilungen, an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. 


Gülek in Kleinasien, 16. September 1836. 


Ich habe nun den ganzen Sommer im Taurus zugebracht und ihn 
kreutz und queer durchstreift. Eine merkwürdige Alpenkette, deren 
Zentralzug gauz ohne abnorme Gesteine, ohne sogenannte Primitiv- 
Felsgebilde ist. Ich habe in Folge meiner Reisen in diesem Gebirgs- 
.lande zwei Hauptdurchschnitte vom Mittelmeere bis in die Ebene von 
Klein - Asien und eine Menge der interessantesten , lokalen, geognosti- 
schen Partie’n, so dass ich mich auf ihre Zusammenstellung freue. Ich 
bin erst jetzt von einer zweimonatlichen Reise zurückgekehrt, die ich in 
den westlichen und östlichen Taurus der Paschalike Adana und Mar- 
rasch unternommen, und auf der es mir gelang, besonders gegen Diar- 
bekir zu , in mehrere Gegenden vorzudringen, wo noch keine Europäer 
waren, indem die Kurden, ein sehr räuberisches Volk, jede Reise dahin 
unmöglich machten; und auch jetzt noch, obwohl das Schwerdt Israuıms 
eine Strasse gemacht hat, reist man nur in gewissen Grenzen, aber 
auch da ganz sicher und ruhig. In.bergmännischer Beziehung geschah 
diesen Sommer auch ziemlich viel: so wurden im westlichen Taurus die 
grossen Brauneisenstein-Lagerstätten in Szamszadlar und Deirmande- 
ressi aufgedeckt, und in diesem Winter beginnt man mit Niedertreibung 
eines 300° bis 400° tiefen Bohrloches auf Braunkohlen im Braunkohlen- 
Sandstein zu Thor Oglu. Im östlichen Taurus sieht es noch besser 
aus: da fand ich die Braunkohlen im Braunkohlen-Sandstein zu Gedikle 
und untersuchte die reichen und in ungeheurer Masse entwickelten 
Brauneisenstein - Lagerstätten am Janik Tepessi mit 555 Eisengehalt, 
das Thoneisenstein- Lager bei Korrumsza mit 53% Eisengehalt und die 
Eisenerz - Lagerstätte bei Maserle und Bagdschadschig. An beiden er- 
steren Orten sind die Lokal- Verhältnisse so günstig, dass man ohne 
Zweifel schon: nächstes Frühjahr daselbst mit Anlegung von Eisenhütten- 


Etablissements beginnen wird. Hier beschäftigten wir uns immer mit 
der Zugutebringung unserer Bleierze in Flammenöfen : sie gelang jedoch 
nie so, dass ein ökonomischer Vortheil daraus erwachsen möchte, und 
ich gab nun diesen Gedanken ganz auf und lasse im Verlaufe dieses 
Winters einen 20° hohen Schachtofen bauen, in dem ich im nächsten 
Sommer die Probeschmelzen vornehmen werde. Die hiesigen Erze sind 
sehr gemischt und bestehen aus Schwefeiblei, Schwefeleisen, Schwefel- 
kupfer , Schwefelarsenik , Schwefelzink und phosphorsaurem Bleioxyd 
(Grünbleierz). Nach vorhergegangener Röstung dürfte eine Beschickung 
von Kalkstein mit Thon oder Brauneisenstein nicht ungeeignet seyn. 
Diese Erze halten kein Silber. In 8 Tagen reise ich nach Syrien ab 
und werde mich über Bairut, Damaskus und Jerusalem an das Todte 
Meer und von dort nach Ägypten begeben. Im Verlaufe des Winters 
(des Europäischen) habe ich im Sinne nach Ober-Äyypten und Nubien zu 
reisen und nächsten Sommer wieder hieher zurückzukehren. Dass ich 
in Aleppo einen Basaltstrom sah, der zwischen tertiärem Kalk und Thon 
hervorgebrochen, glaube ich Ihnen schon mitgetheilt zu haben. Übrigens 
sah ich , besonders im Betreff scheinbarer Emporhebungen auch hier in 
Taurus werkwürdige Punkte. So sehen Sie bier in A (Taf. I, Fig. A) 
eine Partie des geschichteten Übergangskalkes des Zentral-Zuges, auf 
die ich bei meiner Besteigung des über‘12,000 Wien. Fuss hohen Altah 
Tepessi im Bulgar Dagh, nebst dem Bagher Dagh in Kosan Oylu eine 
der höchsten Spitzen des Taurus, stiess, und welches Schichtungs- 
Verhältniss ich dann später in der ganzen Zentralkette sich oft wieder- 
holen sah. — Zwei Reisestunden von Bagdschadschig westlich fand ich 
Glimmerschiefer, welcher aber dem Übergangs-Gebilde des Zentral-Zuges 
angehört und wahrscheinlich nur eine ganz lokale Varictät des Thon- 
schiefers ist, welcher mit dem Übergangskalke wechselt und den ich auch 
sonst nirgends fand. In einer hohen Felswand B (Taf. I, Fg. B) sieht 
man in diesem Glimmerschiefer b zwei ‚merkwürdige Lagerstätten von 
körnigem Kalk a aufsetzen. Dieselben durchbreehen die Schichten des 
Glimmerschiefers , welche aus Nord in Süd streichen und in West ver- 
flächen , ganz lagerförmig, ohne sie durchzusetzen , scheinen mir aber 
doch Gänge zu seyn. Diese Lägerstätten haben eine Mächtigkeit von 
1 bis 2 Lachter, sind dem Verfiächen nach über 50 Lachter zu sehen 
und setzen im Streichen durch den ganzen Berg durch. Der körnige 


"Kalk dieser Gänge ist ebenfalls geschichtet und seine Straten haben 


eine Mächtigkeit von 1 bis 2 Fuss. Am Hapgenden und Liegenden ist 
dieser körnige Kalk nicht nur mit dem Glimmerschiefer ganz verwach- 
sen, sondern geht auch in denselben über und dieses Eindringen der 
Kalkmasse in die des -Glimmerschiefers ist die einzige Veränderung, 
welche dieser letztere an der Grenze dieser Lagerstätte erlitt, was mir 
mehr für chemische Ausscheidung, als für Emporhebung der Kalkmassen 
zu sprechen scheint. Die Straten des körnigen Kalkes sind ausgezeich- 
net und scharf wellenförmig gebogen, während die des Glimmerschiefers 


ganz unverändert, selbst in der Nähe der Kalkgänge, in ihrer Richtung 


er 


Me 


w 


bleiben. Der körnige Kalk unterliegt sehr schieferiger Absonderung. — 


Eine sehr merkwürdige Felsbildung beobachtete ich am Junik Tepessi, 
ebenfalls im östlichen Taurus. Den Janik Tepessi liegt schon im Be- 
reiche der Foralpen, und das ganze Berg-Terrain daselbst besteht aus 
dichtem Kalkstein, den ich, wesentlich verschieden von dem des Zentral- 
Zuges, seinen charakteristischen Kennzeichen zu Folge, als ein Parallel- 


Gebilde unseres Süd- Deutschen Alpenkalkes (Bergkalk, alte Kreide) 


anspreche, Dieser Kalkstein zeigt stellenweise Eisengehalt, welcher so 
zunimmt, dass er in den herrlichsten Brauneisenstein von 55$ Roh- 
eisengehalt übergeht. Dieser Eisenstein geht wieder in Kalkstein über, 
und dieser wird wieder zu Brauneisenstein, so dass man diese Erschei- 
nung mehrmals beobachten kann. Am Janik Tepessi selbst befindet sich 
eine natürliche Höhle, deren Eingang 8° hoch und 14° breit ist. Inner- 
halb des Einganges erweitert sich die Höhle zu 20° Höhe und zeigt 
eine Menge Nebengänge. Ihre Ausdehnung ist noch gar nicht bekannt. 
Am Eingang der Höhle ist der Kalk eisenschüssig, weiter in ihrem In- 
nern aber brechen wir gegenwärtig, ohne mit. Bestimmtheit die Grenzen 
einer Lagerstätte angeben zu können, den schönsten Brauneisenstein. — 
Sehr merkwürdig sind auch die Glaskopf- Gänge im Übergangskalke, 
wechselnd mit Euphotid-Gebilden, bei Bagdschadschig: doch merkwürdig 
sind noch eine Menge anderer der geschenen Dinge und ich muss mir 


die Mittheilung derselben schon auf ein frohes Wiedersehen im Heimath- 


lande sparen. 
RussEgGEr. 


Tharand, 1. November 1836. 


y 


te 4 a 


Hiebei übersende ich Ihnen, als vorläufigen Bericht über die Nach- 


grabungen bei Hohnstein, einen zu Jena in der geognostischen Sektion 
gehaltenen Vortrag, mit der Bitte, ihn in Ihr Jahrbuch aufzunehmen *). 
Es unterzeichneten ferner zu diesem Unternehmen: 


N Rthir. 
Herr ALexınper BronanuRrr in Paris . Re . . 10 
„ Bergverwalter S. Horstmann in Höchst . F . . 1 
„ Berg- und Salinen-Inspektor Marrını zu Wilhelmglücks- 
brunn bei Eisenach . . . . . . 1 
Der Verein zur Beförderung des Obstbaues in der Oberlausitz 1 
18 


Vorige Summe 316 
Zusammen . . . 329 
B. Cotta. 


——— nn 
’ 


*) S, oben 98. 1. 


De A 


Wühelmshall bei Rottweil, 15. Nov. 1836. 


Ich bin zurück von meiner Reise. Gar Manches sah und hörte ich, 
was für mich von Wichtigkeit war. Sie wissen, dass die Gypse mich 
besonders interessiren , und so wollte ich auch das Vorkommen im 
Hörschel - Thale bei Eisenach näher untersuchen. Es gibt allerdings 
mächtige Gyps-Gänge, der Gyps bei Hörschel aber ist der des Muschel. 
kalkes, wie ich in nachstehenden Durchschnitten (Taf. I, Fig. C) dar- 
thun werde. 

Die Wellenkalk-Schichten bei a fallen gegen S.W. unter einem Winkel 
von 20 bis 25°. Oben in demselben Steinbruche liegen sie ziemlich 
horizontal. 150 Schritte weiter davon entfernt senken sich die letztern 
Schichten gegen S.O. unter einem Winkel von etwa 14°; die unteren 
Schichten sind hier nicht mehr sichtbar. Der Kalk in der Nähe von 
bb ist entfärbt, wolkig gezeichnet , bröckelig. Der Basalt bei b endigt 
oben in eine offene Spalte. 

Der Kalkstein hat wenig Versteinerungen: Mya mactroides, Lima 
striata, Avicula socialis, Av. Bronni. 

Der Gyps ist ganz ähnlich dem des Muschelkalks. Nach oben geht 
er in dolomitische, thonige und mergelige Gesteine über. 

Näher an Städtfeld wird es noch deutlicher, dass wir es hier mit 
Muschelkalk - Gyps zu thun haben (Taf. I, Fg. D). Das Einschiessen 
der gelben Mergel ist nach Norden, ebenso des Wellenkalks und zwar 
unter 28°. Noch näher an Städtfeld ist der Wellenkalk sehr fest und 
wellig geschichtet. Starkes Einschiessen gegen S.W. Noch näher am 
Orte sind die Schichten fast senkrecht, etwas gegen O. geneigt. Nabe 
an Eisenach bunter Sandstein , östliches Einfallen unter 48 bis 50°, 
Auf den Höhen liegt der Wellenkalk ziemlich horizontal. 

Aus vorstehenden Profilen geht hervor: 

1) dass der Gyps auf Wellenkalk liege, und von den bekannten gelben 
Mergeln bedeckt werde, dass es also hier wie allerorten im südwestli- 
chen Deutschlande , wie in Thüringen und Sachsen an der Stelle liege, 
die ihm ursprünglich angewiesen war, und dass es also kein Gang sey, 
sondern einer Gruppe des Muschelkalks angehöre , und Ä 

2) dass der Basalt solche Störungen hervorgebracht habe, dass es 

scheinen könnte, als ob einzelne Gebirgsglieder gangweise vorkämen, 
 Bemerkenswerth ist, dass die Hebungen, welche im Thale sichtbar sind, 
sich nur sehr wenig nach den Höhen erstrecken, dass daher die Schich- 
ten dort ziemlich horizontal liegen. 


v. ÄALgerri. 


Tharand, 20. Nov. 1836. 


Herr Zimmermeister Sıemen hat in Dresden einen zweiten artesi- 
schen Brunnen bohren lassen. Im Oktober dieses Jahres erreichte man 


Zu 42 zur | k 


bei 859 Fuss Tiefe eine stark springende Quelle von + 16° R. Tempe- 
ratur, welche in jeder Sekunde ungefähr 80 Dresdener Kannen wohl- 
schmeckendes Wasser liefert. Dieses Bohrloch liegt in der Antonsstadt, 
ungefähr 6600 Fuss von dem auf dem Antonsplatze entfernt. Man 
durchbohrte:: 


57 Fuss Sand und Kies, 
742 _ „ Mergel und Kalkstein 
40 ,„ reinen Mergel 
20 ,„ grauen Sandstein (Grünsand) 


Pläner 782 Fuss. 


859 Fuss. 


Bei dieser Tiefe fiel der Bohrer in eine Kluft, das Wasser drang. 
mit Macht hervor und führte eine Menge feinen Triebsand mit zerbro- 
chenen Muschelschaalen zu Tage, die von einer kleinen Bivalve herrühren. 


Vergleicht man diese Resultate mit denen des Bohrlochs auf dem 
Antonsplatze (Jahrb. 1835, S. 321), so ergibt sich, dass der Pläner im 
Sıemen’schen Bohrioche nicht nur eine viel bedeutendere Mächtigkeit, 
sondern auch eine weit grössere Tiefe erreicht. Sonach scheint auch 
der ehemalige Thalkessel hier noch tiefer gewesen zu seyn, als dort. 
Eine so ungewöhnliche Mächtigkeit von 780’ konnte der Pläner über- 
haupt nur in einem solchen Kessel erlangen. | 


Angenommen dass die Temperatur des ausströmenden Wassers — 
+ 16° R. —= + 20° C., zugleich die wahre Temperatur jener 860° 
unter der Erdoberfläche liegenden Stelle des Bohrloches sey, so würde 
sich daraus , verglichen mit der mittlen Temperatur der Erdoberfläche 
bei Dresden —= + 9° C. (die der Luft ist — 8,11° C.) eine gleich- 
förmige Temperatur - Zunahme von 1,20° C. auf 100° Tiefe, oder von 
1° auf 78° Tiefe ergeben. Die so berechnete Temperatur - Zunahme ist 
jedoch viel grösser, als die von Reıcn in seinen Beobachtungen über die 
Temperatur des Gesteins sorgfältig ermittelte, woraus man wohl mit 
gutem Grunde schliessen kann, dass das Wasser des Sırmen’schen 
Bohrloches eigentlich aus grösserer Tiefe kommt, zumal da während des 
Heraufsteigens durch die kälteren Erdschichten wenigstens bis jetzt noch 
einige Erkaltuug stattfinden dürfte. Es ist zu erwarten, dass das aus- 
strömende Wasser künftig noch etwas wärmer wird. Auch der ausge- 
spühlte Triebsand mit den kleinen Muschelschaalen scheint der Analogie 
nach einer tiefern Schicht des Quadersandsteins anzugehören, und sah 
eine offene Spalte von dem strömenden Wasser bis zum unteren Ende 
des Bohrloches emporgeführt worden zu seyn. 


B. Corra. 


Re Sy 


Mittheilungen, an Professor BRONN gerichtet. 


Y 


Christiania, 6. Sept. 1836. 


In Folge Ihrer Aufforderung die Terebrateln betreffend , werde 
ich Ihnen Alles zur Benützung zusenden, was unser königl. Universitäts- 
Museum davon besitzt. — Mein Freund, Lektor Böck, wird nun endlich 
seine vollständige Arbeit über Trilobiten erscheinen lassen. Ich fange 
diesen Winter an eine Gaes Norwegica in Deutscher en drucken 
zu lassen, 


-KeıtHav. 


Urach, 7. Okt. 1836. 

‚Ich bin-von meiner Reise nach Salzburg kürzlich zurückgekehrt. 
Das Beobachten und Sammeln ist dort ausserordentlich schwierig. Or- 
thoceratiten u. a. ausgezeichnete Übergangs - Petrefakten habe ich 
nicht finden können. Lizz scheint mir viele der seinigen (die Sie be- 
schrieben) aus Findlingen herausgeschlagen zu haben, und so mögen 
ältere Versteinerungen mit jüngeren verwechselt worden seyn, da selbst 
auf den höchsten Kalk - Alpen noch Urgebirgs - u. a. Geschieben gefun- 
den werden *). 

Der bei Zıeten abgebildete Cirrus depressus ist nichts als ein 
Steinkern von Pleurotomaria granulata (Zırren).. Namentlich 
besitzt Harrmann ein Exemplar mit halb abgelöster Schaale, woran man 

dieses genau sehen kann. 


Fr. v. Manpeıston. 


Frankfurt, 13. Dez. 1836. 

Bei meiner Durchreise durch Darmstadt hatte ich Gelegenheit, die 
schöne Sammlung der fossilen Tbierreste aus Eppelsheim im dortigen 
Museum anzusehen und sie unter andern mit dem von mir aus Podolien 
beschriebenen Dinotherium proavum zu vergleichen. Nach genau 
mit Hrn. Dr. Kaıup angestellten Vergleichungen ergab es sich, dass das " 
Podolische Dinotherium um vieles grösser gewesen war, als das 
Eppelsheimer D. giganteum; denn in der an Zähnen dieses Din o- 
therium so reichen Sammlung fand sich kein Backenzahn, der den von 
mir (in Nov. Act. phys. med. Acad. Caes. Leop. Nat. Cur. Tom. X VII, 


*) Diese Ansicht scheint um so mehr der Würdigung werth, da in der That meh- 
rere der von Lırz erhaltenen Versteinerungen in Gesehieben liegen. y 
BRoNM. 


eh. An 


part. II, Tab. LX, fig. 1— 5, Bonnae et Wratislaviae 1835) abge- 
bildeten Zähnen an Grösse gleichgekommen wäre; auch war bisher kein 
Backenzahn dieses Thiers dem Dr. Kaurp vorgekommen, der so stark 
abgekaut erschien, wie der in Fg. 1 u. 2 2. c. abgebildete Zahn. Schon 
daraus lässt .es sich annehmen, dass diess Din otherium älter gewe- 
sen war, als die früher beschriebenen; dass es aber auch in der Zahn- 
Bildung selbst Verschiedenheit genug besitze, um als selbstständige Art 
zu bestehen, geht aus dem sehr abweichend gebildeten obern Backen- 
zahne (denn dafür hielt ich ihn früher und dafür erkläre ich ihn auch 
aufs Neue, es ist nämlich, auch nach Dr. Kaur’s Meinung , der erste 
obere Backenzahn der Inken Seite) hervor, der an seiner innern Wand 
ein paar sehr tiefe Gruben hat, die jenem Dinotherium von dieser 
Gestalt gänzlich fehlen, der andern durch die Zeichnung gut ausge- 
drückten Unterschiede nicht zu gedenken. Der in Fg. 1 und 2 abge- 
bildete Zahn bleibt, wie in der Abhandlung bemerkt, ein untrer Backen- 
zahn, und steht dem dritten Zahne des D. giganteum am nächsten. 

Was aber noch mehr die Selbstständigkeit des Podolischen Riesenthiers 
charakterisirt, ist — der auffallend gebildete Unterkiefer , dessen gros- 
ses, höchst sonderbar gestaltetes, von mir l. c. Tb. LVI und LVII ab- 
gebildetes und für das Zwischenkieferbein des Podolischen Mastodon 
. gehaltenes Fragment ich gegenwärtig nach eigener Ansicht und Verglei- 
ehung mit dem Unterkiefer des Dinotherium giganteum nur dafür 
halten kann. Diess hat auch um so grössere Wahrscheinlichkeit,, weil 
jene Backenzähne sich mit diesem kolossalen Fragmente in derselben 
Stelle fanden und ganz dieselbe äussere Beschaffenheit mit ihm zeigen, 
wie ich diess auch a. a. O. ausführlich beschrieben habe; sie sind näm- 
lich stark von Eisentheilen durchdrungen und daher sehr schwer. 

Diess Unterkieferstück unterscheidet sich also nicht nur durch be- 

deutendere Grösse von dem des Dinotherium giganteum, sondern 
auch durch andere Krümmung und durch ein paar höckerförmige, starke 
Hervorragungen in der Gegend dieser Krümmung, so wie durch eine 
tiefere , breitere Grube an seiner Oberfläche. Auch die Nervenlöcher, 
t. c. Tb. LVII a, b sind grösser und anders gestaltet, als in Dinothe- 
rium giganteum. 
' Übrigens findet sich diese Art in einem eisenschüssigen grobkörni- 
gen losen Sande, der ohne Zweifel gleich dem Eppelsheimer der 
obersten Schicht der Tertiär- Bildung oder der Schweitzer Molasse ent- 
spricht, und wahrscheinlich auch in Podolien Bohnerz enthält; ‚aber 
merkwürdig bleibt das Vorkommen des gemeinen’Opals von bricwackhin 
zer Farbe in den Nervenlöchern , die ganz damit ausgefüllt waren, wie 
diess a. a. O. angegeben ist. 


E. EıichwaAro. 


Neueste Literatur. 


A. Bücher. 


1856. 


L. pe Bucn: description physique des iles Canaries,, suivie d’une indi- 


cation des principaux volcuns du globe. Traduite de VAllemand 


par C. BOULANGER, revue et augmentee par Vauteur; in 8° [272 
pp.] avec un atlas de 12 pl. in fol. [25 Francs]. 


W. Bucktunn: Bridgewater Treatise on Gevlogy and Mineralogy ; 
with 56 plates. II. 8° Lund. [1 Pf. 15 sh.). 

Geologische Karte oder synoptische Übersicht [!] des Zustandes der 
Erde in ihren verschiedenen Altern, auf eine Untersuchung der 
Thatsachen gegründet. ı Blatt in Fol., Weimar. 


A. Gorpruss: Abbildungen und Beschreibungen der Petrefakten Deutsch- 
lands und der angrenzenden Länder, unter Mitwirkung des Herrn 
Grafen G. zu Münster herausgegeben. Fünfte Lieferung , Düssel- 
dorf 1836, iu Fol. (Band I, S. 69—140, Taf. 97—121). 


C. L. Hısse: die Eisen-Erzeugung Deutschlands aus dem Gesichtspunkte 
der Staatswirthschaft betrachtet , nebst Vorschlägen zu ihrer Ver- 

, mehrung. Leipzig, 442 SS. 8°. ' | 

J. G. Kure: Grundzüge der ökonomisch - technischen Mineralogie, für 
Ökonomen und Gewerbsmänner, für Real-, Gewerbs-, Land- und 
‚Forst - wirtbschaftliche Anstalten, 443 SS. 8°, mit 6 Kupfern 4°, 
Leipzig [1% Tblr.]. 

Linotex and W. Hurron: the Fossil Flora of Great Britain. London 
1836 : April-Heft, enthält: Pecopteris abbreviata ; Fenoides argua- 
tus; Equisetum laterale; Pecopteris Haiburnensis; Brachyphylium 
mammillare ; Carpolithes conica; C. Bucklandü; Hippurites lon- 
gifolia ; Farularia nodosa; Trigonocarpum oblongum ; Zamia 
lanceolata. 


6 


" a a ne 1 5 BEER ea: 2 a 

R. A. Pnıtieri: Enumeratio Molluscorum Siciliae, cum viventium tum 
in tellure tertiaria fossilium , quae in itinere suo observavit. 267 
pp. et 12 tab. lithogr. 4°. Berolin. 

R*** Mineralogie des gens du munde, ou notices generales sur les 
minerauz les plus utiles & la Societe, Paris in 12° [3 fr. 75 c.]. 

W. Ruımp: Excursions illustrative of the Geology and Natural-History 
of the Environs of Edinburgh, with woodcuts and 1 plate. Edin- 
burgh, 12°. 

C. Scumipr : Lehrbuch der populären Mineralogie für Bürger - und Ge- 
werb-Schulen, VI und 112 SS. Leipz. 8° [9 Gr.]. 

H. WAckENRODER : mineralogisch - chemische Beiträge zur Kenntniss des 
Thüringischen Flötz-Gebirges: HeftI, Untersuchung der wichtigeren 
Gebirges - Arten und vorzüglicheren einfachen Mineralien des Flötz- 
Gebirges bei Jena, VIII und 51 SS., nebst einem idealen Profile 
der Jenuischen Bergschichten in 8°, Jena [6 Gr.]. 

Die Wunder und Schätze der unterirdischen Welt, oder die Bergwerke, 
die Metalle, die Edelsteine, die Steinkohlen, das Salz u.s. w. Für 
die Jugend, aus dem Englischen übersetzt, IV und 183 nn mit 16 
Kupfern, Stuttgart 8° [16 Gr.). 


Auszüge 


_— 


I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


A. Lozwe: Zerlegung der strahligen Blende von Przi- 
bram (Pocsend. Ann. XXXVIII, 161 ff.). Das Mineral, ausgezeichnet 
durch seinen bereits von Zırre nachgewiesenen Cadmium-Gehalt , bricht 
auf Silber-haltigen Bleiglanz - Gängen, die in Grauwacke aufsetzen und 
nebst Kalk- und Baryt - Spath, Blende, etwas Eisen- und höchst selten 
Kupfer-Kies führen. Resultat der Analyse: 

Schwefel... .03 » ‚aiın,.92,20 
Vadnium bie. 00 cu 
BIBEn a u 
Zink) er 62.02 


99,35 


Fr. von Koseın: über das Tellur-Wismuth von San 
Jose in Brasilien (Erpmann und ScHWwEIGGER - SEIDEL, Journ, f. Chem. 
VIII, 341). Dieses Mineral, welches in körnigem Kalk, begleitet von 
Glimmer, von Eisen- und Magnet-Kies vorkommt, stimmt in seinen physi- 
schen Eigenschaften, in Farbe, Glanz, Spaltbarkeit, mit dem Tetradymit 
von Schemnitz durchaus überein, 


. Graf F. Schirrcotsch: Analyse eines Jamesonits aus 
Estremadura (Poceenp. Ann. XXXVIII, 403 f.). Das Mineral ist 
derb und besteht aus kurz- und dickstängeligen, verworren durcheinan- 
der gewachsenen Zusammensetzungs-Stücken, welche rechtwinkelig gegen 
die Hauptaxe vollkommen, parallel der Hauptaxe in mehreren Richtun- 
gen jedoch nur unvollkommenen spaltbar sind, so dass der Längen- 
bruch der Hauptaxe parallel gestreift erscheint, Dunkelbleigrau, lebhaft 


; — RE. in 


metallglänzend ; graulichschwarzer Strich. Etwas härter, als Stein-- 
salz. Spez. Schw. — 5,616. Die Analyse ergab: 

Be a 9,07 

Antimon . .» -2 22..,,32,616 

Schwefel . . » . . 21,785 3 

Eisen... “0 une r% 43,627 

Wismuth . 2. 2%. ..1,055 

Zink. 2. SEEN N ae 


99,475 
Das Mineral ist demnach nichts anders, als ein, mit etwa 81 Proz. 
fremden Beimengungen verunreinigter Jamesonit, 


m nn 


Weiss: über das Gyps-System (Abhandl. d. K. Acad. d., 
Wissensch. in Berlin aus dem Jahre 1834, Berlin; 1836, S.623 ff.) 
Ein, zum Auszuge nicht geeigneter, Nachtrag zu einer "Abhandlung des 
Verfs. über das nämliche Mineral-System, | 


Fr. v. Koeeıt: über den Jamesonit aus Brasilien (Erp- 
MANN und SCHWEIGGER-SEIDEL, Journ. f, Chem, VIII, 342). Das Mine- 
ral kommt derb, theils strahlig, theils krystallinisch körnig vor, zeigt 
einen sehr deutlichen Blätter-Durchgang und ist dunkelstahlgrau. Fund- 
ort Catta Franca. Bricht in einem Quarz - Gange, begleitet von 
Schwefel-Antimon und Schwefel-Blei. | 


A. Loewe: Analyse des Basaltes und der Lava vom 
Ätna (Pocceno. Ann. d. Phys. XXXVIII, 151 f.). Der Verf. zerlegte 
den Basalt von Wickerstein bei Querbach in Schlesien , um zu sehen, 
ob ihm eine ähnliche chemische Zusammensetzung eigen sey, wie 
den von Kuarrorn, R. Kennepy und Cur. GmeELın untersuchten, Für 
den löslichen Theil ergab sich folgende Zusammensetzung: 

Kieselerde . . 2... 35,06 . 

Thonerde . 2 » 2... 25,98 
un, Eisenoxydul-Oxyd . . . 10,39 
u Kalkerde . . . 2 2.943 
Nairoan 2%... SESRSEEAT 
Kali „0,2 2.0000 Ba KLAR 
Wasser .,... sn. 6002 


100,68 
Vom Eisenoxydul-Oxyd abgesehen, das als eingesprengtes Magneteisen 
betrachtet werden muss, zeigte sich folgendes Bestandtheilen-Verhältniss: 


£ - 


Kieselerde‘- .- „har ET 
Thonerdeii)..: SI 7 RIO 
Kulkerde .ı . 0’. RMEDBR 
Dan ; ve 92 
BB nn a RR 
ERBEER 2,2: 0 


100,93 
Nach diesem Resultat lässt sich folgende Formel aufstellen: 


G3 
Nas) S+2ASi+ 53H, 
K3 
Der gelatinirende Gemengtheil ist seiner chemischen Zusammen- 
setzung nach Zeolith-artig, stimmt aber in derselben mit keinem bekann- 
ten Zeolithe überein; am meisten nähert er sich dem Tompsonit. 
Der nicht gelatinirende Gemengtheil enthielt: 
Kieselerde .. ,. . 47,98 
ROOHPIMBT 0 00 008 RN SEE 
Eisenoxydul . . . . . 16,51 
Kalkerde 2% sh 3 11441 


Talkerde, mit einer Spur 
von Mangan . . . . 12,97 


100,97 | 
Die Analyse zeigt die Zusammensetzung des Augits: eine Fornel 
lässt sich aber ungezwungen daraus nicht entwickeln, 
Aus der ersten und der letzten Analyse, die Zusammensetzung des 
Basaltes als Ganzes berechnet, zeigte sich folgeudes Verhältniss : 
Rıeselerdet ı 3. 2, DEE 
Thöneude ' 1/47 #3 1.3,24 12.30 
Eisenoxydul-Oxyd . . . 5,15 
Eisenoxydul . :.. „>... .8,18 
alkerde 42, 0,2. 2. UI5R2 
Ne Ei 5 4 58 
ABiERrae MN a, w,:).0,08 
Kalı Nee te der RN de 0,63 
Wasser SH N. 270 


99,66 
Aus dieser letzten Zusammensetzung lässt sich kein weitrer Schluss 
ziehen; die vorhergehende Untersuchung zeigt aber, dass der analysirte 
Basalt ein Gemenge von krystallisirtem Augit mit einer 
derben Zeolith-artigen Masse und eingesprengtem Magnet- 


eisen ist. Von diesen Gemengtheilen waren in den zerlegten Stücken 
enthalten: 


Jahrgang 1837, 4 


=—— DB 


Augit . E ® . . . . . 55,58 * 
Zeolith-artiger Gemengtheil . 39,81 
Diaeneteisen . 0 "er wire. 


100,00 


Die analysirte Ätna-Lava bestand aus einer grauen Grundmasse, 
worin kleine graulichweisse Tafel-artige Krystalle eines Feldspath-ähnli- 
chen Gemengtheils, schwärzlichgraue Krystalle von Augit und kleine 
Körner von Olivin eingewachsen sind. Den Feldspath - ähnlichen Ge- 
mengtheil erklärte G. Rose für Labrador. Er findet sich in der Lava 
in grösster Menge; sparsam kommt Augit und noch sparsamer Olivin 
vor. Die Lava ist vom Strom, der 1669 Cutanis zerstörte. Die Ana- 
lyse ergab: 

für den gelatiniren- für den nicht gelatini- 
den Bestandtheil: renden Bestandtheil: 


Kieselerde  . . . 743,31 20.2. 254,76 
Thonerde UBER 119,62 
Eisenoxydul'y1,"', "26,86 12, . 2075,93 
Kalkerta gr EUER a 5 2 
Falkerde zus UN RN, SUMINGERE 
NaFO A RED BEN N ATS 

Ka ER  BITENGN ER 

Manganoxydul . . NEN EL 15, 


98,98 101,83 


Demnach enthält die Lava als Ganzes berechnet: 
Kieselerde . .,. . . 48,83 
Thonerde „ . 2. . ..16,15 
Eisenoxydul . . . » . 16,32 
Kalkerde‘. .. ... u umchh 
Talkerden,.. ls. Na 
MNatson se year wa 
Kali: ;; 3 0 voten aeal Hasidera 057% 
Manganoxydul . » . «0,54 


99,95 

Sämmtliche Analysen geben ein solches Resultat, woraus sich rich- 
tig auf die Zusammensetzung der Lava schliessen lassen dürfte; wahr- 
scheinlich ist, dass nicht ein Gemengtheil allein an der Auflöslichkeit 
in Säuren Theil nimmt, wesshalb die Bestandtheile eines jeden für sich 
nicht angegeben werden können. — Bemerkenswerth ist, dass die Lava 
nicht eine Spur Wasser enthält, während der Basalt bis jetzt nie ohne 
Wasser-Gehalt gefunden worden ist. 


Il. Geologie und Geognosie. 


J. Perugrıick: über die Geologie in der Nähe der Altens- 
Gruben in Finnmark (Journ. uf the geol. Soc. of Dublin, I, 67 etec.). 
Die Gruben liegen in der kleinen Meeres-Bucht von Kaufiord (Köford), 
nahe an der Mündung des Flusses Alten uud am Fusse einer Bergreihe, 
welche aus N. nach S. zieht. An der Küste herrscht eine beständige 
Strömung aus W., und Baumstämme aus Amerika werden nicht selten 
da angeschwemmt. Das Ufer steigt in Terrassen an, welche aus Roll- 
steinen bestehen ; unter den Geschieben trifft man auch Trümmer man- 
cher Felsarten, die längs der Küste nicht vorkommen. Es herrschen 
nämlich hier Hornblende - Gesteine vor, in denen die Erze, besonders 
Kupfer-Minen, einbrechen, welche man durch einen Stollen abbaut, der 
in einer Höhe von 300 F. über dem Meere getrieben worden. Der 
Hauptgang, zumal aus Kalkspath bestehend, streicht aus N.O. nach 
S.W. und fällt gegen N. unter einem Winkel, der zwischen 10 und 40° 
schwankt. Andere Gänge (denn es gibt deren sehr viele) zeigen nicht 
das nämliche Fallen, aber alle bewähren sich als mehr oder weniger 
ergiebig und selbst bis zu Tage. Einzelne Kupferkies - Massen , wie 
solche hier meist isolirt erscheinen , waren so beträchtlich, dass sie 
mehrere Tonnen Erz lieferten. — Mit dem Hornblende-Gesteine wechselt 
hin und wieder Chloritschiefer, dessen Lagen dem Fallen des Haupt- 
Kupfererz-Ganges ungefähr parallel sind. Stellenweise wird das Horn- 
blende- Gestein auch von schmalen Strahlstein- Adern durchzogen. Bei 
Talvig, in einer Entfernung von 10 (Englischen?) Meilen von der 
Grube , tritt unmittelbar über dem Hornblende - Gestein ein ausgezeich- 
net schöner körniger Kalk auf. 


Ca. Davzenzr: Durchschnitt vulkanischer Lagen unfern 
Torre dell’ Annunziata an dem Meeresbusen von Neapel, und Be- 
merkungen über die aus warmen Quellen der Vulkane von 
Campania entwickelten Gase (Jameson, Edinb. new phiü: Journ. 
1835, July — Oktober, p. 221 etc.). Die Auffindung einer Therme 
‚auf einer Landspitze unfern der Stadt Torre dell’ Annunziata, am Fusse 
des Vesuvs veranlasste Nachgrabungen, und so wurde ein deutlicher 
Durchschnitt der vulkanischen Schichten entblösst, welche an dieser 
Seite den Abhang des Feuerberges überdecken; man erhielt dadurch die 
augenfälligsten Beweisse von zwei, wenn nicht von drei Ausbrüchen 
vulkanischer Materien, welche sich über die Gegend verbreiteten, und 
zwar im Laufe der geschichtlichen Zeit. Die Gesammthöhe des Hügels 
hinter dem Badhause beträgt 68 F.; die oberste Lage, 5 bis 10 F. mäch- 
tig, besteht aus Dammerde , untermengt mit zersetzter Lava. Unmittel- 
bar darunter erscheint Lava, im Darchschnitt 5 F. mächtig und dem 


4 * 


= 


Ganzen der Masse nach theils dicht blasig, am Boden aber schlackig. 
In einer der geräumigen Weitungen will man kohlensaure Magnesia in 
Menge gefunden habe. (Der Verf. ist geneigt, die Gegenwart jener 
Substanz als Folge von Sublimation anzusehen.) Unter dieser Laven- 
Lage besteht der Abhang des Hügels hauptsächlich aus wechselnden 
Schichten von Lapilli und Schlacken,, zuweilen gebunden durch vulka- 
nischen Sand. Die einzelnen Lagen sind vielartig gefärbt, grau, roth 
und schwarz. Nach der Tiefe erscheinen die verschiedenen Substanzen 
ziemlich deutlich abgeschieden. In der Mitte tritt eine Schicht grauen 
Tuffes auf, dichter als jener, welcher Herculanum überdeckt; die Mäch- 
tigkeit derselben ist ungleich und beträgt höchstens 5 Fuss. An einer 
Stelle wird sie, jedoch nur scheinbar, durch ein Haufwerk von Blöcken 
vulkanischen Materials unterbrochen, denn es setzt dieselbe als schma- 
ler Streifen gegen W. weiter fort und nimmt allmählich an Mächtigkeit 
wieder zu, bis sie die alte Stärke erlangt. Nach allen Seiten hin dürfte 
die Tuff-Lage von Lapilli- Schichten umschlossen seyn. la niedererem 
Niveau nimmt man noch einige ähnliche Erscheinungen von geringer 
Bedeutung wahr. Bei allen ist die Dichtheit Folge der überliegenden, 
Lapilli, und die Tuffschichten selbst entstanden durch vulkanischen Re- 
gen und Strömungen; diess ergibt sich unter andern auch daraus, dass, 
mitten in einer Lage von Lapilli und vulkanischem Sand, und unter- 
mengt mit Dammerde-ähnlichen Material, Schilfstengel gefunden wor- 
den, ähnlich jenen, welche noch heutigen Tages in der Nähe wachsen. 
Noch etwas tiefer traf man Wurzeln und einen Theil des Stammes 
einer Fichte von beträchtlicher Grösse: in aufrechter Stellung, und 
ohne Zweifel an dem näwlichen Orte, wo der Baum einst wuchs. Auch 
nahm man Ziegel- Trümmer wahr und ein Stück zugehauenen Holzes. 
AuvrLdso besitzt einen Theil eines Cypressen - Stammes von 7 Fuss im 
Umfang und 4 F. Höhe, welcher früher in etwas höherem Niveau und 
gleichfalls in aufrechter Stellung gefunden worden ; das Äussere ist ver- 
koblt, das Innere vollkommen gut erhalten. Beim Treiben eines Stol- 
lens im Innern des Hügels — in einem Niveau ungefähr 10 F. unter 
jenem des zuerst erwähnten Baum - Stückes — eutdeckten die Arbeiter 
Reste von Mauern und Gebäuden mit Fragmenten Römischer Töpfer- 
Arbeiten, Spuren von Fresko - Gemälden und eine ansehnliche Menge 
geschnittenen Marmors. Die Ausgrabungen werden noch fortgesetzt; 
so viel kann als ausgemacht gelten, dass an der erwähnten Stelle, wenn 
nicht Überbleibsel einer Stadt, doch solche von mehreren Bauwerken wahr- 
nehmbar sind, welche durch Ausbrüche des Vesuwv begraben worden. 
Manche waren der Meinung, die entdeckten Gebäude seyen Reste eines 
Ortes genannt Oplonti, welches zwischen Hercuianum und Pompeji 
und an derselben Stelle lag, wo heutigen Tages Torre dell’ Annunziata 
zu finden; Andere glaubten nur an Badehäuser und stützten ihre An- 
sicht auf einen ausgegrabenen Brunnen und auf die Säulen, welche 
zur Halle desselben gehört haben dürften. Übrigens scheinen bei Oplonti, 
den uns aufbewahrten Nachrichten zu Folge, in der Römer - Zeit 


a a 


Badehäuser gewesen zu seyn. Der Verf. glaubt, die Katastrophe habe 
zur Zeit der grossen Eruption vom Jahr 79 Statt gefunden ; die untern 
Lagen der vulkanischen Bedeckung wenigstens scheinen darauf bezogen 
werden zu müssen , die oberen sind ohne Zweifel späteren Ursprungs. 
Auch die Umstände, unter welchen die erwähnten pflanzlichen Über- 
bleibsel gefunden werden, sprechen dafür, dass die Überschüttung nicht 
auf einmal, sondern in verschiedenen Perioden erfolgt sey. — — Die 
neuerdings aufgefundene Therwe hat eine Temperatur von ungefähr 87° 
F. und ist besonders ausgezeichnet durch die Menge kohlensauren Ga- 
ses, welche entbunden wird. Aus dem nahen Meereswasser quillt jenes 
Gas, und in der Umgegend sollen manche Stellen wegen häufiger Gas- 
Ausströmungen frei von allem Pflanzen-Wachsthum bleiben. Bei Unter- 
suchung der Thermen von Torre dell’ Annunziata fand sich, nachdem 
alle Kohlensäure sorgfältig entfernt worden, dass das übrig gebliebene 
Gas aus 16 Tbeilen Sauerstoff und 84 Theilen Stickstoff bestehe ; die Quelle 
von: St. Lucia bei Neapel ergab: 14,5 Sauerstoff und 85,5 Stickstoff; 
jene von Lago di Amsanto 9 Sauerstoff und 91 Stickstoff; die Acqua 
Santa am Berge Vultur 10 Sauerstoff und 90 Stickstoff; das Seewas- 
ser der Solfatara bei Tivoli 9,5 Sauerstoff und 90,5 Stickstoff. Was 
die bedingende Ursache der Gegenwart von Stickstoff in Quellen be- 
trifft, so verweist der Verf. auf die zwischeu ihm und J. Davy über 
diesen Gegenstand Statt gehabten Diskussionen. 


P. Merian: über das Kalkstein-Konglomerat am westli- 
ehen Abfall des südlichen Schwarzwaldes (Bericht über d. Ver- 
handlungen der naturf. Gesellschaft in Basel, 1, S. 38 f.). Über die 
verschiedenen Flötz - Formationen , welche am westlichen Abhange des 
Schwarzwälder Gebirges sporadisch zu Tage ausgehen, und namentlich 
über das Bohnerz - Gebilde, welches als das jüngste Glied der Jura- 
Formation dieser Gegenden betrachtet werden muss, findet sich über- 
greifend eine ausgedehnte Biklung von Kalkbreccie weggelagert. Sie 
hat in den verschiedenen Gegenden eine verschiedene, zum Theil von 
ihrer Unterlage abhängige Beschaffenheit, erscheint zuweilen als fast 
lose Anhäufung gerundeter Kalk-Geschiebe , zuweilen aber in regelmäs- 
sigen Bänken als feinkörnige, fest verbundene Kalkbreccie , welche als 
geschätztes Baumaterial gebrochen wird. In des Verfassers geognosti- 
scher Übersicht des südlichen Schwarzwaldes wurde die Vermutbung 
aufgestellt, diese Bildung möchte der Molasse - Formation angehören, 
welche in den Umgebungen von Basel mit Auszeichnung auftritt und 
an einigen Stellen, z.B. bei Lörrach, einen grossen Reichthum tertiärer 
Meer - Versteinerungen einschliesst. Zur vollständigen Identifizirung 
fehlten Versteinerungen, welche in dem Kalk - Konglomerate verhältuiss- 
mässig nur selten vorkommen. Eine höchst lehrreiche Stelle, welche über 
die vermuthete Übereinstimmung den befriedigendsten Aufschluss gibt, 


- 5 = 


bieten die Umgebungen der Gypsgruben von Laufen bei Sulzburg dar. 


Die bunten Mergel des Keupers zeigen daselbst, unmittelbar an Gneiss 
sich anschliessend, eine änsehnliche Verbreitung. Sie wumschliessen 
Gyps, auf welchem in mehreren Gruben ein ausgedehnter Abbau im 
Gänge ist. Der Keuper wird unmittelbar von gedachtem Kalkstein- 
Konglomerat bedeckt, welches auf geringe Erstreckungen eine grosse 
Verschiedenartigkeit in seiner Beschaffenheit zeigt. Es ist zum Theil 
sehr feinkörnig, mehr oder weniger hart und bituminös; än anderen 
Stellen erscheint es als grobes Konglomerat und umschliesst Kalkstein- 
Geschiebe , meist Rogenstein, von 1—2 F. Durchmesser. Drusenräume 
mit Kalkspath - Krystallen ausgekleidet sind sehr häufig. Ein im Jahr 
1832 eröffneter, vom Tage aus durch das Kalkstein - Konglomerat bis 
zum Gyps hindurchgetriebener Stollen, in welchem das Konglomerat 
zum Theil durch Spreng - Arbeit aufgeschlossen werden musste, gibt 
über alle diese Verhältnisse lehrreiche Auskunft. Zunächst der Stollen- 
mundlöcher sind einzelne Bänke eines feinkörnigen höchst bituminösen 
Konglomerats mit Steinkernen von Schaalthieren erfüllt. Sie gehören 
den Gattungen Mytilus, Cardium, Venus, Cerithium an, so dass 
über ihren tertiären Charakter und über die Richtigkeit der Unterord- 
nung dieses Gebildes unter die Molasse - Formation gar kein Zweifel 
mehr obwalten kann. 


HERICART DE Tuury: über einen artesischen Brunnen von 
seltener Steighöhe (Ann. des Mines, 3me Serie, T. V, p. 301). 
Zu Tours hat man in einem der am höchsten gelegenen Theile der 
Stadt einen Brunnen gebohrt, der in 24 Stunden über 15,000 Hektali- 
ter Wasser liefert und dieses 18”80 über die Bodenfläche emportreibt. 
Er misst"13gm Tiefe; der obere Durchmesser beträgt 0m105, der untere 
0m090. Bis zu einer Tiefe von 28n25 ist der Brunnen mit Eisenröhren 
ausgesetzt. Das Steigwasser wurde in einer 2m10 mächtigen Lage von 
Grün-Sand in 128m50 Tiefe aufgeschlossen. Es zeigt sich vollkommen 
klar ; seine Temperatur ist — 1795 C. Aus der Tiefe hat das Wasser 
Grün-Sand-Stücke von Nussgrösse heraufgebracht und ausgeworfen. 


G. BiscHor: über die Quellen-Verhältnisse des östlichen 
Abhanges des Teutoburger Waldes (Erpmann und ScHWEIGGER- 
SEIDEL , Journ. f. prakt. Chemie, I. B., S. 321 ff.*). Da die östliche 
Abdachung des erwähnten Bergrückens mit verhältnissmässig mehr stei- 
len Abhängen versehen, und mithin die Scheitellinie desselben seinem 
östlichen Rande ganz nahe ist, so können die Quellen in diesem, der 


*) Über den westlichen Abhang vgl. Jahrb, 1834, S. 55 ff. 


| 
: 
| 


a 


Weser angehörigen, Wasser - Gebiete nicht so zahlreich und ergiebig 
seyn, wie am westlichen Abhange. Dazu konmt noch , dass im östli- 
chen Abhange die älteren Flötz - Gebilde auftreten, welche nieht in dem 
Grade zerklüftet sind, wie das Kreide- und Quadersandstein - Gebirge, 
und daher in ihrem Innern keine so bedeutende Wasser - Ansammlungen 
gestatten können. Der Muschelkalk zeigt zwar auch Zerklüftungen, 
aber der manchfaltigere Wechsel verschiedener Kalkstein - Bänke mit 
mebr und weniger mächtigen Mergel- Schichten scheint einer grösseren 
Ausbildung von Spalten, Klüften und Höhlen hinderlich gewesen zu 
seyn. Auch dürften sich die Zerklüftungen bei Weitem nicht so sehr 
in die Tiefe hinabziehen, wie in der Kreide-Formation; denn die Mineral- 
Quellen im: Weser - Gebiete, welche gewiss das meiste Wasser aus Mu- 
schelkalk erhalten , zeichnen sich durch eine niedrige und zum Theil 
sehr veränderliche Temperatur aus. Der bunte Sandstein zeigt nur in 
seinem untern Schichten - Systeme, wo mächtige Sandstein - Bänke vor- 
walten, eine ähnliche Zerklüftung, wie der Quader - Sandstein; in den 
jüngern Sehichten hingegen, die meist aus Mergelthon-Bänken bestehen, 
ist diess weniger der Fall. Letztere dürften eine wasserdichte Decke 
bilden, um so mehr , da sie zu einer sehr bindenden Thonmasse verwit- 
tern. Auch der Keuper- Mergel zeigt ein ähnliches Verhalten. Der Vf. 
richtet sein Augenmerk zumal auf die Mineral-Quellen im Weser-Gebiet. 
Das Gas, welches aus den Meinberger und Driburger Mineral-Quellen, 
so wie aus der sumpfigen Wiesenfläche bei Istrup sich entwickelt, ist 
ein sehr reines Kohlensäure - Gas. Auch das Gas an der sogenannten 
Wulfeshärte bei Vinsebeck, so wie jenes, welches sich bei Saatzen, 
Schmechten, Schörneberg, Reelsen, bei Hof-Geismar, Volkmarsen u. a. 
v. a. OÖ. aus Mineral-Quellen oder aus dem Erdreiche entwickelt, dürfte 
fast reine, nur hier und da mit Schwefel- Wasserstoff gemengte Koblen- 
säure seyn. Den Sitz aller dieser Kohlensäure - Exhalationen haben wir 
im bunten Sandstein, oder in einer noch älteren Formation zu suchen. 
Die Verschiedenheit in dem chemischen Gehalte der Gas - Exhalationen 
am westlichen und denen am östlichen Abhange des Teutoburger Wal- 
des dürfte daher in Beziehung stehen mit den Gebirgs - Formationen, 
aus welchen sie hervorkommen, Jene entwickeln sich aus Kreide und 
scheinen nichts anders zu seyn, als atmosphärische Luft, die einen 
Theil ihres Sauerstoffs durch Oxydation kohlenstoffhaltiger Substanzen 
eingebüsst hat; diese, welche sich aus dem bunten Sandstein entwick- 
len und aus fast reiner Kohlensäure, hie und da mit Spuren von Schwe- 
felwasserstoff vermengt , bestehen , können daher in keinem Falle von 
‚atmosphärischer Luft abgeleitet werden. Es "st sehr wahrscheinlich, 
‚dass die Kohlensäure in der Gas-Exhalation aus der warmen Mineral- 
quelle zu Lippspringe und jene, die aus dem Wasser: der süssen Quellen 
zu Lippspringe und zu Paderborn ausgetrieben wurde, nicht denselben 
Ursprung habe, wie die Kohlensäure der Exhalationen im Flussgebiet 
der Weser. Es ist ferner leicht zu begreifen, dass, sofern der bunte 
Sandstein oder die noch ältere Formation, worin Kohlensäure ihren 


u 


Ursprung nimmt, sich unter die jüngsten Glieder der Flötz - Formation 
am westlichen Abhange des Teutoburger Waldes fortzieht, hier diese 
Kohlensäure-Entwicklungen nicht mehr zum Vorschein kommen können, 
da die mächtigen Glieder der Flötz-Formation zwischen der Kreide und 
dem bunten Sandstein, seyen sie auch nicht alle vorhanden ‚ diesen be- 
decken. Um alle diese. Glieder mit mehreren dazwischen gelagerten 
wasser- und luft-diehten Schichten zu durchbrechen , fehlte es der Koh- 
lensäure an Expansivkraft, oder sie wird doch nur da, wo Muschelkalk 
oder höchstens Keuper die oberste Decke bildet, und daher ein gerin- 
gerer Widerstand zu überwinden war, einen Durchbruch bewirkt haben, 
Während alle bisher beobachteten Kohlensäuregas-Exhalationen eine den 
gewöhnlichen Luftdruck kaum übersteigende Expansiv - Kraft; besitzen, 
zeigt das Kohlensäure - Gas, welches aus der Trinkquelle zu Meinberg 
sich entwickelt, eine bedeutende Spannung: Während die vom Verf. 
untersuchten Gas - Exhalationen am Laacher See höchstens den Druck 
einer 4—5 Zoll hohen Wassersäule überwinden, strömte das Gas der 
Dousch - Röhre zu Meinberg durch das Wasser eines ungefähr, 12 Zoll 
hohen Gefässes nicht nur hindurch, sondern das Wasser wurde, wie 
aus einer Feuerspritze, hoch emporgeschleudert. Ohne Zweifel kann 
‚daher das Gas den Druck einer mehrere Fuss hohen Wassersäule über- 
winden. Diess sind aber noch lange keine Expansivkräfte, wodurch 
mächtige Gebirgslagen emporgehoben oder durchbrochen werden könn- 
ten. Es. lässt sich übrigens auch leicht begreifen, dass Kohlensäuregas, 
welches aus der Tiefe in mit Wasser angefüllte Kanäle gelangt, darin 
von dieser Flüssigkeit unter grossem Druck absorbirt wird, nothwendig 
seine, wenn auch Anfangs noch so bedeutend gewesene Expansivkraft 
verlieren müsse, und nach seiner Entbindung aus dem Wasser mit einer 
den Luftdruck nur etwas übertreffenden Spannung zu Tage kommen 
werde. Die einfachste Erklärung der Periodicität der Gas-Ausströmungen 
aus Mineral-Quellen liegt darin , dass die verschiedenen Ausströmungs- 
Kanäle zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Umständen 
ungleich geöffnet oder verstopft sind. Zur Regenzeit, wo der Boden 
mit Feuchtigkeit imprägnirt ist, bildet derselbe einen luftdichten Ver- 
schluss, und das Gas, welches bei trockenem Wetter aus unzähligen 
Spalten und Öffnungen um die Quelle herum ausströmt, ‚wird nun. durch 


diese allein hervorbrechen; enge Kanäle im Boden, enge Spalten im 


Gestein, die bei trockenem Wetter den Austritt des Gases ohne Schwie- 
rigkeit gestatten, füllen sich bei nassem Wetter an und lassen das Gas 
nieht mehr durch u. s. w. — Sehr auffallend ist die niedrige und so 
veränderliche Temperatur der Meinberger Mineral - Quellen. Der Verf. 
fand am 20. April 1833 den Neubrunn + 49,2 R., und die alte Trink- 
quelle + 5°,2 bei + 4°,8 Luftwärme, In ihrer Veränderlichkeit folgen 
dieselben der äussern Luftwärme. . Die so veränderliche Temperatur 
jener Mineral - Quellen bei dem reichen Kohlensäure - Gehalt dürfte den 
augenscheinlichsten Beweiss liefern, dass ihre Entstehung nicht tief ‚ge- 
sucht werden darf. Die Meinberg umgebenden Höhen bestehen aus 


Eee Dan u a FE re 


a a u = ne u 


Muschelkalk, der, wenn auch nicht so zerklüftet, wie Kreide, doch Spal- 
ten genug enthält, um die Meteorwasser bis in die vom Keuper erfüllte 
Thalmulde gelangen zu lassen. Hier begegnen sie den aus buntem 
Sandstein, oder aus grösserer Tiefe kommenden Koblensäuregas-Strömen, 
absorbiren davon, und es bildet sich ein Kohlensäuerling, welcher sofort 
Eisen und kohlensaure Erden aus den Gebirgsschichten auflösst. Der 
starke hydrostatische Druck des Wassers in den Kanälen des Muschel- 
kalks wird aber auf gleiche Weise die Absorption der Kohlensäure, wie 
das heftige Ausströmen des überflüssigen Gases befördern. Dass dieses 
Wasser nicht tief ins Muschelkalk-Gebirge eindringen kann, dass ferner 
keine bedeutenden Wasser - Ansammlungen darin vorkommen können, 
zeigt die Abhängigkeit der Temperatur der Quellen von der der Atmo- 
sphäre; dass überhaupt die Meinberger Säuerlinge keinen weiten Lauf 
haben könne, zeigt der verhältnissmässig geringe Gehalt derselben an 
fixen Bestandtheilen. Sie sind sicher ganz nahe an der Erdoberfläche 
gebildete Mineralquellen, und liefern den augenscheinlichen Beweiss, 
dass überall Mineralquellen entstehen können, wo nur Wasser und 
Kohlensäuregas - Ströme einander begegnen. Dass Mineralquellen nur 
in Thälern vorkommen, während oft süsse Quellen noch nahe am Gipfel 
hoher Berge angetroffen werden, rührt nicht davon her, weil jene nur 
in grosser Tiefe entstehen, sondern weil Kohlensäure-Exhalationen nicht 
bis zu den Höhen der Berge gelangen, indem sie schon in den Thälern 
wegen geringern Hindernissen Auswege finden. Eine im vorigen Jahre 
an einem Grauwackenfelsen, etwa 4 Fuss über einer Mineralquelle im 
Brohlthale ‘gemachte Beobachtung scheint die wichtige Bedeutung des 
Verwitterungs-Prozesses für die Bildung der Mineral-Quellen aufs Neue 
darzuthun., B. fand an demselben einen weissen, wollähnlichen Salz- 
beschlag ; 0,6 Gr. waren zusammengesetzt aus: 

Kohlens,. Natron .„. „. „ 0,5012 

Schwefels,. Natron . . 0,0519 

Kochsalz . 2. 2... 0,0469 

Die Bildung dieser Effloreszenz war nicht lange vorher erfolgt, 
auch ist die Fläche, an welcher sie sich zeigte, erst seit 6 Jahren ent- 
blösst. Ähnliche Effloreszenzen in dortiger Gegend findet man auch 
sehr häufig an frischen Mauern , am Bewurfe von Mauern u. s. w. Es 
ist dieses nicht auffallend, da alle Materialien, womit dort gemauert 
wird: Steine, vulkanischer Sand, Trass ete., mehr oder weniger reich 
an Alkalien sind, und nirgends Kohlensäure - Exhalationen häufiger, 
als in jenen ganz damit erfüllten Thälern vorkommen. 

Da die Glieder der Flötz-Formation Alkalien gewiss als höchst un- 
tergeordnete Bestandtheile, zum Theil wohl kaum Spuren davon enthal- 
ten: so sind in den Mineralquellen des östlichen Ahhanges des Teuto- 
burger Waldes, welche Kohlensäure-Strömen ihre Entstehung verdanken, 
Natron und Kalisalze ebenfalls als sehr untergeordnete Bestandtheile 
zu erwarten; kohlensaure Alkalien fehlen gänzlich, da schwefelsaure 


und Haloidsalze von Kalk und Magnesia vorkommen, — Die von Branpes 
| j 


" 


a 


untersuchte Schwefelquelle bei Meinberg bestätigte des Verfs, Ansicht 
über Bildung der Schwefelquellen durch Zersetzung schwefelsaurer 
Salze mittelst organischer Substanzen. — Dass auch diese Quellen 
keinen tiefen Ursprung haben, und daher um so mehr die Bildung von 
Schwefellebern in den obern , mit organischen Überresten imprägnirten, 
Erdschichten von Statten gehen könne, beweiset ihre niedrige Tempe- 
ratur von 5° R. bei 8°,5 Luftwärme. Zwischen Brackel und Driburg, 
in der Nähe von Istrup und Schmechten, im sogenannten Madholz sah 
der Verf. die Kohlensäuregas-Exhalationen in mehreren mit Wasser an- 
gefüllten Gruben. Da das Wasser, aus welchem die Gasblasen auf- 
steigen, nach der damit vorgenommenen Prüfung sich sehr rein verhielt, 
da ferner weder an der Oberfläche des Bodens, noch bis zu einer Tiefe 
von 3. Fuss Ocker - Ablagerungen zu bemerken waren: so können diese 
Gruben, obgleich sie ganz das Ansehen von Säuerlingen haben, nichts 
anderes, als reine Gas-Exhalationen (Gasquellen) seyn , die durch , auf 
der Oberfläche angesammeltes, Regenwasser treten *), ‚Das ausströ- 
mende Gas ist reine. Kohlensäure. — Von den Driburger Mineralquellen 
bemerkt der Verf. , dass die Kohlensäure - Entwicklungen nicht nur aus 
den Quellen selbst, sondern an vielen Stellen in deren Umgebungen 
sehr.bedeutend und, nach der Untersuchung deren aus der Trinkquelle 
zu schliesseu, sehbr.rein sind. Die Trinkquelle fand er 8°2, und diess 
scheint ihre konstante Temperatur zu seyn. Wenn dieser der mittlen 
Quellen-Temperatur. von Driburg wahrscheinlich nahe kommende Wärme- 
grad zwar keinen tiefen Ursprung der Quelle andeutet; so ist solcher doch 
wohl da zu suchen, wohin die äusseren Temperatur - Veränderungen 
nicht mehr dringen. — So wie sämmtliche angeführte und ausserdem 
noch mehrere andere auf dem östlichen Abhange des Teutoburger Wal- 
des vorkommende Mineralquellen einen gemeinschaftlichen Charakter be- 
sitzen, nämlich mehr oder weniger eisenhaltig sind, schwefelsaure Salze 
als prädomirende Bestandtheile, Chlor-Metalle oder salzsaure Salze aber 
nur in geringen, und kohlensaure Erden in gewöhnlichen Mengen ent- 
halten: so sind auch alle Gas- Exhalationen aus ihnen und neben ihnen 
von gleicher Beschaffenheit: sie bestehen aus fast ganz reiner Kohlen- 
säure. Eben desshalb können sie nicht ven atmosphärischer Luft her- 
rühren. Da wo diese Mineralwasser in anhaltende Berührung mit 
organischen Substanzen kommen, erleiden die schwefelsauren Salze eine 
theilweise Zersetzung, und es bilden sich Schwefelquellen. — Am west- 
lichen Abhange dagegen gibt es gar keine Säuerlinge,, weil es an 
Kohlensäuregas-Strömen fehlt. Gas-Exhalationen aus den süssen Quellen 
finden sich zwar, sie bestehen aber grösstentheils aus Stickgas mit we- . 
nigen Prozenten Saucrstoffgas, und enthalten gar keine Kohlensäure, 


*) So bedeutend auch diese Gas - Entwicklungen demjenigen vorkommen mögen, der 
die ähnlichen in vulkanischen Gegenden. wie namentlich in den Umgebnngen des 
Laacher See’s und in der vulkanischen Eifel noch nicht gesehen hat: so kommen 
sie doch gegen diese letzteren, in so ungeheuerem Maasstabe auftretenden Entwick- 
lungen kaum in Betracht. 


a A 


Nur in der Gas- Entwicklung aus der Therme zu Lippspringe findet 
sich neben dem Stiekgas etwas Kohlensäuregas, aber noch weniger 
Sauerstoffgas, als in jenen. Höchst wahrscheinlich rühren alle diese 
Exhalationen von atmospbärischer Luft her, die einen Theil ihres Sauer- 
stoffs durch Bildung von Kohlensäure mittelst Oxydation Kohlenstof- 
haltiger Substanzen, welche von den süssen Quellen absorbirt, von der 
Therme theilweise entbunden wird, eingebüsst hat. — Was die Tempe- 
ratur der Quellen betrifft: so zeigen am östlichen Abhange die Mein- 
berger Mineralquellen grosse Veränderlichkeit und Abhängigkeit von 
der äussern Temperatur; die übrigen, die Pyrmorter Mineralquellen 
(4 8°,3 bis + 10°) mit eingeschlossen, haben einen ganz nahe oder 
doch nahe konstanten Temperatur-Grad. Nur die letzteren dürften daher 
zu den Thermen gehören. Am westlichen Abhange besitzt dagegen eine 
grosse Zahl süsser Quellen eine die mittle des Orts übersteigende und 
höchst wahrscheinlich ganz oder nahe konstante Temperatur. Alle diese 
Quellen gehören daher zu den Thermen. Es zeigt sich bier die merk- 
würdige Erscheinung, dass die wärmste unter diesen süssen Quellen, 
die wärmste Paderquelle (120,96), alle obengenannten Mineralquellen 
am östlichen Abhange, — und die kältesten unter jenen süssen Quellen 
(6°,4,70°,7°,4) während der kalten Jahreszeit selbst noch die Meinberger 
Mineralquellen (4°2) in ihrer Temperatur übersteigen. Alle diese ver- 
schiedenen Verhältnisse finden in Entfernungen von einigen Meilen 
Statt. — Wenn nicht schon Gastein und Pfäfers ein weit mehr in die 
Augen fallendes Beispiel darböten, dass Wasser mit sehr bedeutend er- 
höhter Temperatur der Erde entquellen können, ohne jedoch mehr’ an 
fixen Bestandtbeilen zu enthalten, wie die wärnste süsse Quelle: so 
würden auch die warmen unter den süssen Quellen am westlichen Ab- 
hange des Teutoburger‘ Waldes Belege hiezu liefern. 


W. P. Hunter: Notiz über den Ausbruch eines Torfmoo- 
res in der Grafschaft Antrim in Irland (Magaz. of nat. hist., 
1836, Mai > Biblioth. univers. de Geneve N. S. 1836, V, 184—187). 
Das Torfmoor Fairloch, ein Theil des Moores von Sloggan, des ausge- 
dehntesten in Nord - Irland, liegt 7 Englische Meilen von Ballymena 
und 2 Meilen von Randalstown zu beiden Seiten der Hauptstrasse von 
Belfast nach Londonderry , und nimmt fast gänzlich eine Fläche von 
11,000 Acres ein. Die Umgegend ist flach , trocken , von einigen ziem- 
«lich tiefen Längenthälern durchschnitten , deren eines nahe am Fairloch 
binziehet. 
Am 17. Sept. 1835 sah man, dass dieses Moor begonnen hatte, sich 
in seiner Mitte allmählich zu heben; um 5 Uhr Abends hatte es 30° ı 
Höhe erreicht, als plötzlich ein Geräusch wie das Brüllen eines heftigen 
Sturmes bemerkt wurde; die ganze Fläche des Moores senkte sich um 
einige Fusse, und ein Schlamm-Strom setzte sich langsam gegen 0.N.0. 


in Bewegung. Einige kleine Unebenheiten des Bodens hemmten in der 
folgenden Nacht seinen Lauf; am Tage des 18. setzte er denselben im - 
Zickzack einige Rutben weit ostwärts fort; in der nachherigen Naht 
und am 19.‘ früh schien er in seiner Bewegung einzuhalten, schwoll 
aber dabei mäehtig an; zwischen 12 und 1 Uhr begann er mit einem 
dem früheren ähnlichen Geräusch seine Bewegung aufs Neue, obne 
jedoch bis zum 21. mehr als $ Meile Weges zurückgelegt zu haben, 
Einige Heu - und Getreide - Schober hemmten ihn abermals , bis am 23, 
um 3 Uhr Nachmittags er sich plötzlich mit einer Schnelligkeit voran- 
stürzte, dass man ihm im schnellsten Laufe nicht zu entgehen ver- 
mochte, Ein von einem Hund verfolgter Haase setzte in dieser Zeit in 
Sprüngen bis in dessen Mitte hinein, wo er im Schlamm versank, wäh- 
rend der Hund schon nach wenigen Sätzen in den bodenlosen Schlamm 
gauz erschrocken umkehrte. Am 24. erreichte der Strom über einen 
grossen Strassen - Graben hinweg die Landstrasse, hob sich um eine 
Strohhütte bis 10° Höhe, stürzte dann mit dem Geräusche eines Wasser- 
falles auf die Strasse herab, zerstörte dieselbe in einer Länge von 900°, 
indem er sich auch über sie 10° hoch erhob, füllte den entgegengesetz- 
ten Strassengraben, folgte dann dem auf 4 Meile Länge sehr. allmählich 
sich senkenden Längenthale und bielt darauf, wie um neue Kräfte zu 
sammeln, einige Ruthen vom ‚Maine -Fluss inne. Am 25. stürzte die 
Schlamm-Masse in ‚den Fluss an einer Stelle, wo er nur 4’ Tiefe hat, 
trieb dessen Wasser zurück, füllte selbst dessen Bette und stieg end- 
lich jenseits aus demselben auf das umgebende Weideland über, bis 
zuletzt das zurückgestauete Wasser Stärke genug erlangte, diesen 
Queer- Damm zu durchbrechen. Da einige Toisen tiefer das Flussbett 
plötzlich um 12° abfällt, so riss der Fluss von dieser Stelle an den 
Schlamm 7 Meilen weit mit sich fort, indem er hin und wieder Torf- 
Stücke ans Ufer warf und stellenweise Überschwemmungen bis gegen 
den Lough Neagh hin veranlasste, Der Schlammstrom aber fuhr bis 
zum 28. fort in den Maine abzufliessen. Die Bauern hatten ihre Woh- 
nungen auf mehrere Meilen in die Runde verlassen, Als sie aber end- 
lich zurückkehrten , fanden sie eine Menge todter Fische umherliegen, 
so dass sie noch mehrere Zentner Salmen und Forellen sammelten: nur 
die Aale schienen sich in diesem Schlamme wie in ihrem Elemente zu 
bewegen. Man verlor durch dieses Ereigniss doch nicht mehr als 70 
Acres Bau-Land und eine gewisse Menge Heu und Getreide in Schobern 
und Brennmaterial; 40 Arbeiter hatten mebrere Ben lang an Wieder- 
herstellung der Sttumen zu thun. 


Am 15. Oktober besuchte der Verf. die Gegend. Der Strom hatte 
eine Fläche von #4 Meil. Länge und 200’—300° Breite stellenweise bis zu 
30‘ Höhe bedeckt, aber ein Ansehen gewonnen, als ob er seit Jahr- 
hunderten in dieser Weise existirte. Die anfänglich um 30° gehoben 
gewesene Ausbruchsstelle sank später um 20° unter das gewöhnliche 
Niveau, so dass ein kreisrundes Wasserbecken an der Stelle entstund, 


A a: 


an diejenigen erinnernd, die sich bei dem Erdbeben in Kalabrien 1793 
gebildet hatten. 


Dumont: Notiz über die Struktur der vulkanischen Ke- 
gel (V’Instit. 1834, p. 420 — 421), mitgetheilt der Brüsseler Akademie 
am 22. Dezember 1834. Eine neuliche Reise in der Eifel hat dem 
Verf. Resultate geliefert, wodurch sich die Bildung der vulkanischen 
Kegel sehr einfach erklärt. 1) Die Erhebungs-Kegel (insbesondere 
deutlich jene von Kirchweiter und von Mayen) haben in der Regel 
keine Spur eines Kraters, eine kreisrunde Basis, spitze Scheitel, steile 
Seiten, bestehen auf der einen Seite aus Schlacken-Massen, auf der an- 
dern aus geneigten Schichten dichter Lava oder Tephrine, welche mit 
der der horizontalen ir der Ebene übereinstimmt; am Fusse dieser 
Schichten endlich findet man oft einen Strich von grossen Blöcken von 
ähnlicher Natur bedeckt. Die Lava und die Tephrine waren bereits 
in horizontalen Schichten abgesetzt und erstarrt, als die Schlackenmas- 
sen unter ihnen heraufdrangen, sie vom Punkte des grössten Andrangs 
aus Stralen-artig bersten machten, in Sektoren theilten, die Sektoren mit 
dem geringsten Widerstande dann mit emportrugen und die andern auf- 
richteten; die zerstreuten Blöcke wurden beim Ausbruche umherge- 
schleudert. — 2) Erhebungs - Kratere entstanden in demjenigen 
Falle, wo die Mehrzahl jener Sektoren aufgerichtet ward, wie Ettringen 
im N. von Mayen. Die schlackigen Massen füllen bier nicht nur senk- 
rechte Spalten zwischen den Sektoren aus, sondern bedecken auch die 
aufgerichteten Kreis-Ausschnitte von oben. — 3) Ausbruchs-Kratere 
scheinen deutlich ausgesprochen in der Eifel nicht vorzukommen, wenn 
nicht etwa der auf der Höhe des Kalkberges ganz in der Nähe von 
Gerolstein nordwärts dazu gehört, da er eine deutliche Aushöhlung und 
schlackige Laven enthält. — 4) Krater-See’n. Der schönsten einer 
ist der von Uelmen, welcher trichterförmig im Schiefer - Gebirge und 
ohne Spur vulkanischer und geschmolzener Materien vorkommt. Gleich- 
wohl sieht man Schichten von Konglomerat aus getrocknetem Schlamm, 
Schiefer- und Psammit-Trümmern wie von der anstehenden Masse, vom 
Krater-Rande aus rings gegen die Ebene hin fallen. Offenbar sind diese 
Konglomerat-Schichten das Resultat allmählicher Schlamm - Ausbrüche 
aus der Krater -Öffnung. Auch bei den andern vom Verf. besuchten 
Krater-See’n findet man Schichten schlammigen Konglomerats , welches 
‚aber auch Bimmssteine, Schlacken und gewisse Kugeln aus Albit, Peri- 
dot, Augit und Hornblende (bei Daun vulkanische Bomben genannt) 
enthält, die im Augenblicke des Ausbruches durch diesen Schlamm hin- 
durchgeschleudert worden seyn mögen. — Ein ähnlicher Trichter kömmt 
zwischen Dreis und Dockweiler vor, welcher aber kein Wasser ent- 
hält und mithin den Namen Kratersee nicht verdient. Sein Grund ist 
mit Wiesen bedeckt, seine Wände haben nur zwei Ausschnitte bei Dreis 


a RE 


und bei der Mühle von Dreis, durch welche die Strasse von Hillesheim 
nach Kelbery führt. Man findet daselbst Konglomerat - Schichten aus 
Schlamm, Ur-Schiefer und -Psammit der Gegend, und Bomben, welche 
ganz aus körnigem Peridot bestehen, dessen körnige Struktur eben auf 
ein sehr rasches Erkalten schliessen lässt. — Dumonr hat die Absicht, 
eine geologische Karte von Belgien zu liefern. | 


Dessayes: über die Temperatur zur Zeit der Bildung der 
verschiedenen Tertiär-Gebirge (Vortrag in der Akademie, 23. 
Mai 1836 — Annal. d. scienc. nut. Zoolog. 1836, V, 289 — 298. 
> VInstitut, 1836, IV, 162 — 163). Tbeilt man die Meere vom 
Nurd-Kap bis Guinea in verschiedene Zonen , so wird man in jeder 
derselben Mollusken - Arten finden, die ihr eigenthümlich sind, und 
solche, die sie mit der nördlich oder südlich benachbarten gemein hat, 
während zugleich die Anzahl der Arten von N, nach S. zunimmt. So, 
findet sich Buccinum undatum in progressiven Modifikationen vom 
Nord-Kap bis Senegal. Innerhalb des Polar - Kreises leben in Norwe- 
gen und Grönland Buccinum glaciale und Cardium Groenlan- 
dicum; vom 75° bis 65° Terebratula psittacea; vom Norden 
Englands bis Dänemark Tellina Balthica, Patella Noachina, 
P. testudinalis, Natica clausa, einige Astarten u. s. w.; — 
in der Manche an den Küsten Englands und Frankreichs Psammobia 
vespertina *) und Pecten irregularis; die Küsten Spaniens und 
Portugals sind fast ganz unbekannt u. s. w. 

Der Verf. hat nun alle tertiäre Konchylien-Arten Europa’s mit allen 
noch lebend bekannten Arten verglichen und hiedurch folgende Resul- 
tate erhalten: 

1) diese tertiären Bildungen haben keine Arten mit den sekundären 
gemein **); 

2) sie allein enthalten Arten, die auch noch lebend vorkommen, 
und zwar 

3) um so mehr, je jünger sie sind; nämlich 

4) die ältern 0,03, die mittlen 0,19, die jüngsten 0,52 ihrer Arten; 

5) diese dreierlei Bildungen sind gewiss nicht gleichalt. 

Die jüngsten Tertiär-Bildungen sind entstanden, als die Temperatur 
ziemlich der jetzigen gleich war. Denn die Ablagerungen in Norwegen, 
Schweden, Dänemark, bei Nizza und in einem Theil Siziliens enthal- 
ten nur solche Arten , die in den nächsten Meeren noch lebend vorkom- 
men; die übrigen tertiären um das Mittelmeer her erstandenen in 
‚Spanien, Frankreich, Piemont, Italien, Sizilien, Morea, Algier enthal- 
ten noch viele Arten aus diesem Meere, aber auch manche ausgestorbene, 


*) Doch auch im Mittelmeere. BR, 
**) Das widerspricht dem Ergebniss der Untersuchungen in der Kreide Süd - Frunk- 
reichs. BR. 


- 9 — 


und einige andere, welche jetzt auf die wärmeren Gegenden des Atlan- 
tischen , des Indischen und Rothen Meeres beschränkt sind; die Tempe- 
ratur der Mittelländischen Gegenden muss daher etwas gesunken seyn 
seit der Erhebung der Apenninen und des Atlas. Die im Norden leben- 
den Arten finden sich in nördlichen Becken, die im Süden in südliche- 
ren Becken fossil. 

In der zweiten tertiären Epoche , welcher viele kleine Becken in 
der Mitte von Europa angehören (Superga, Gironde, Touraine, Angers, 
Wien, Podvlien, Moscau , Süd - Russland), war die Temperatur dieser 
Gegenden viel höher, als jetzt; denn in ihnen finden sich 200 Arten 
vom Senegal und von Guinea wieder, darunter jene Arten gerade, 
welche jetzt diese tropischen Küsten am besten charakterisiren: Das 
Klima war tropisch. 

In den Formationen der ersten Periode (Paris, London, Valogne, 
fast ganz Belgien und Holland, einige Punkte der Alpen, Castelgom- 
berto, Ronca, kleine Becken Ungarns und der Moldau, Blaye im Girunde- 
Dept., ? Alabama in Nord- Amerika) hat der Verf. nur wenige noch 
lebende Arten wieder erkannt; von den 1400 Arten des Pariser Beckens 
leben noch 38, meistens in tropischen Gewässern, doch gehen einige 
auch bis in die Nordsee hinauf. 

Aber auch die Arten-Zahl in dreierlei Formationen entspricht dreier- 
lei Zonen. Am 80° N.Br. wohnen nur 8—10 Arten; an unseren Küsten 
in der Breite des Mittelmeers gegen 600, und an den tropischen Kü- 
sten von Senegal und Guinea 900 Arten. So enthalten auch die nörd- 
lich gelegenen dritten Tertiär- Becken nur wenige Spezies, die gegen 


' das Mittelmeer 700; die zweiten Tertiär-Becken Europa’s 1000, die er- 


sten 1400 (Paris allein 1200 auf etwa 2000 Quadratstunden) und zwar 
hauptsächlich aus tropischen Geschlechtern, 

Nimmt man dazu die Pachydermen und Palmen des Pariser 
Beckens, so dürfte seine Temperatur noch um einige Grade höher als 


jetzt die tropische gewesen seyn. 


» 
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/ 


E. pe Beaumont: über die Temperatur der Erd-Oberfläche 
in der tertiären Periode (Vortrag bei der Akademie, 1836, 28. Mai 
> P Institut 1836, IV, 181—182). Der Verf. glaubt nicht an ein tro- 
pisches Klima (271° C.) der Gegend von Paris während der Grobkalk- 
Bildu:g. Denn es spreche dagegen, dass die Baum -Fahren und die 
Cycadeen, Bewohner unserer Tropen, so wie die Fels-bauenden Korallen, 
deren Riffe zur Silurischen und vielleicht noch zur Zeit der Steinkohlen- 
Bildung bis Inglvvlik in Nord- Amerika in 693° N.Br., und zur Zeit der 
Jura - Bildungen wenigstens bis Kirkdale in Yorkshire in 54° Br. ge- 
reicht, in der tertiären Zeit in Europa nirgend mehr vorkommen , was 
wohl hauptsächlich der Zunahme der Winterkälte zuzuschreiben seyn 


. dürfte, da die Abnahme der Sommer-Wärme schon von sehr früher Zeit 


an nicht bedeutend gewesen seyn könne, — Auf der andern Seite ist 


u 


zu dieser Zeit um Paris das Klima, insbesondere des Winters doch noch 
warm genug gewesen, um den Palmen, den Krokodilen und gros- 
sen Pachydermen zuzusagen, deren nächst verwandte noch in 
Ägypten leben, während zu Tor in Arabien, 2° Br. südlich von Cairo, 
die Fels-bauenden Korallen des Rothen Meeres aufhören. Das Maximum 
der Winter-Temperatur um Paris mag also damals so, wie jetzt die zu 
Cairo gewesen seyn, und da das Maximum der Sommer-Temperatur jetzt 
fast allerwärts, ausser ganz in der Nähe der Pole, gleich ist, so mag 
dieses auch in der geologischen Periode nicht abgenommen haben. Die 
mittle Jahres - Temperatur würde daher für Paris, wie jetzt zu Cairo, 


etwa 22° C. gewesen seyn. Was die grosse Zahl der Konchylien-Arten 


im Pariser Grobkalk betrifft, worauf sich Dessarss beruft, so haben 


solche weder alle gleichzeitig um Paris gelebt, noch kennt man die der 


Äquatorial-Meere so vollständig, wie die Pariser. 
Der Überschuss von Wärme , welche die Erd - Oberfläche über die- 
jenige besitzt, welche ihr die Sonne und die Atmosphäre mittheilen, 


steht in einem bestimmten Verhältnisse zur Wärme-Zunahme im Innern 


der Erde. Die Wärme-Zunahme beträgt jetzt „;° auf den Meter, und 
jener Überschuss ungefähr 75°. Zur Zeit der Steinkohlen-Bildung kann 
jene Zunahme wohl noch 4°, dieser Überschuss dann aber nicht über 
40 betragen haben, was also in den Klimaten keine wesentliche Ände- 
rung bedingen kann. Da diese Änderung aber dennoch Statt gefunden, 
da insbesondere die Polar- Gegenden kälter geworden sind, so muss 
man die Ursache davon in begleitenden Umständen suchen. 


1) Das Polar- Eis existirte in der ältesten Zeit noch nicht. Dessen 


Beseitigung würde heut zu Tage noch die mittle Temperatur des Poles 
von etwa — 25° auf 0° heben. 

2) Das Meer (dieser Gegenden) muss daher eine von unten nach 
oben weit mehr gleich bleibende Temperatur besessen haben; seine Ober- 
fläche konnte sich zu keiner Jahreszeit sehr unter die Temperatur der 
ganzen Masse abkühlen; es musste sich in den Polar- Gegenden mit 
Nebel bedecken, sobald die Sonne unter den Horizoni sank. 

3) Da die Temperatur in der Tiefe der Erdrinde 10mal so schnell 
zunahm, so mussten fast alle Quellen als Thermen erscheinen , des 
Nachts den Boden in Nebel hüllen , die nächtlicbe und winterliche 
Wärme-Strahlung unmöglich machen, und so den Winter und die Nächte 
und die Pole wärmer machen, ohne im Sommer gegentheilig zu wirken. 


Später theilte Erıe pe Beaumont der philomatischen Gesellschaft 
eine Formel über die Beziehungen der Dicke des ewigen (Polar-) Eises 
zu der Temperatur eines gegebenen Ortes und der Temperatur-Zunahme 
nach der Tiefe mit (2’Institut, 192—193). 


‚ R. Everest: über das Klima, worin die fossile Elephan- 


ten- Art gelebt (Asiatic Society Journ. > N. Biblioth. univers. 
; & 


1836, IT, 153 — 159). Man hat das Vorkommen der fossilen Reste 
verschiedener Raubthiere und Dickhäuter in England und überhaupt im 
Norden von Europa als einen Beweiss angesehen, dass diese Gegenden 
meist eine tropische Temperatur besessen. Aber die Nächstverwandten 
von den vier am öftesten vorkommenden unter diesen fossilen Arten, 
nämlich der Elephant, das Nashorn, das Flusspferd und die 
Hyäne leben noch heut zu Tage am Kap beisammen , weit ausserhalb 
der Wendekreise [unter 32° Br.; fast wie Kairo unter 30°] auf der 
kälteren Hemisphäre. Übrigens darf man von dem geographischen Auf- 
enthalte einer oder einiger Arten nicht auf den der übrigen schliessen, 
wie man am Rennthiere im Gegensatze der übrigen Hirsche erse- 
hen kann (Fremine). Das gilt selbst von verschiedenen Rassen dersel- 
ben Thierart; denn wie sehr sich auch der Haushund über der ganzen 
Erd- Oberfläche und insbesondere in Indien verbreitet hat: nie hat man 
den von Terra Nova in Indien fortkommen sehen. Was aber den fos- 
silen Sibirischen Elephanten anbelangt, so war er durch ein Haar- 
Gewand gegen die Wirkung der Kälte geschützt, und Lyerr führt das 
Zeugniss des Bischoffs Heser an, dass er im Himalaya, an der N.O.- 
Grenze des Gebietes von Delhi zwischen dem 29° und 30° der Breite 
einen lebenden mit Haaren bedeckten Elephanten gesehen. Bei des 
Verfs. Nachfragen erinnerte man sich zwar zu Delhi vor langer Zeit 
einmal einer behaarten Elephanten gesehen zu haben, aber es war nur 
ein anomales Individuum aus der weissen Luxus-Rasse der Birmanischen 
Fürsten; eine besondere behaarte Rasse gibt es dort nicht. — In York- 
shire hat man neuerlich die Elephanten-Reste in Gesellschaft von 
solchen des Amerikanischen [?] Bison und einiger noch jetzt in Eng- 
TZand lebenden Süsswasser - Mollusken gefunden; was aber gerade be- 
weisst, dass das Klima nicht vie} wärmer als jetzt gewesen seyn 
könne. — Von den 6 in der Kirkdaler Höhle entdeckten Raubthier- 
Arten existiren noch jetzt (vollkommene Identität der Arten angenom- 
men) vier in Nord - Europa, nämlich der Wolf, der Bär, der Fuchs 
und das Wiesel, von den zwei andern aber, dem Tiger und der 
Hyäne, findet man den ersten nach Hopeson (Säugeth. von Nepaul), 
zuweilen an der Schneegrenze des Himalaya , nach PennAant im Ge- 
biete des ewigen Schnee’s am Ararat in Armenien, angeblich auch 
im nördlichen Theil der Halbinsel Core« in Ost-China, welche von 343° 
bis 43° N. Br. reicht, und deren Klima nicht viel von dem Pekin’s im 
39° Br. abweichen kann, wo es vom November bis März gefriert und 
das Rraumur’sche Thermometer in den Winternächten gewöhnlich auf 
— 5°3 steht. Der Tiger kann daher noch fast in einem Klima, wie 
das Englische ist, existiren, wenn er nur feuchte und zusammenhängende 
Wälder von Herbivoren bevölkert findet; trockene und pflanzenarme 
Gegenden überlässt er dem Löwen. Die Grenzen der Verbreitung 
der andern jener Arten, der Hyäne, hat der Verf. noch nicht genau 
ausmitteln können. Zwei der zu Kirkdale gefundenen Thiere , das 
Wiesel und die Wasserratte, sind nie südlicher, als erstere in der 


Jahrgang 1837. 5) 


u 


Berberey, letztere in Süd- Europa gefunden worden. Der wilde Ele- 
phant gebt von Delhi Nord - und Höhen - wärts bis auf das Gebirge, 
worauf Nahun 4000° über dem Meere in 31° N. Br. liegt. Man kennt 
zwar die mittle Temperatur des Ortes nicht; nimmt man sie aber als 
das Mittel zwischen jenen der in fast gleicher Länge und Breite lie- 
genden Städte Sehurumpvor in 1000’, und von Mussoori in 7000‘ See- 
höhe an, so erhält man — 14°3 R., während Kirkdale eine mittle 
Temperatur wie Keswick in Cumberland, nämlich von 7°1 R. besitzen 
wird, was nur 702 R. Unterschied lässt. Berücksiehtiget man aber, 
dass Nahun ein exzessives Klima mit sehr heissem Sommer von 21°9 
mittler Juni- Temperatur und mit strengem Winter von 5°9 R, mittler 
Januar-Temperatur (Difl. 16°) besitzt, während die Temperatur, zu Edin- 
burg in dieser Weise nur von 2°2 R. bis 12°4 wechselt, so bleibt für 
Schottland nur ein Mehr von 3°7 (für Yorkshire etwa 2°9 R.) Winter- 
kälte, die der Elephant zu ertragen hatte, da der Abgang an höherer 
Sommer - Temperatur ihm nicht nachtheilig seyn konnte. Dieses Mehr 
würde aber eine andere, daran gewöhnte Rasse gewiss ertragen haben, 
wenn es die Indische nicht kann, wie auf den Schottischen Bergen 
und den Shetländischen Inselu Rassen von Pferden, Rindern und Schafen 
da vorkommen, wo die der Süd-Englischen Weiden zu Gıuud gehen wür- 
den. Vermochten die Afrikanischen Elephanten doch sogar ohne weitere 
Gewöhnung mit HannıBaL die Alpen zu übersteigen , wo sie vier Tage 
in den Schneegegenden zubrachten, in welchen nur wenige zu Grunde 
gingen. Die Insel-artige Zerstückelung Europa’s in jener früheren 
Zeit konnte aber schon allein hinreichend gewesen seyn, das Klima um 
so viel milder zu machen, als es der Elephant bedürfte. Vielleicht hat 
er noch mit dem Menschen gleichzeitig in diesen Gegenden gelebt, wie 


der Löwe noch zu Arıstorzenes Zeit Griechenland, der Elephant 


zu Cäsar’s Zeit Nord- Afrika, das Hippopotamus den Nil bewohnte 
und das Nashorn noch vor einigen Jahrhunderten bis Attok am Indus 
westlich ging, während es jetzt sich auf die Wälder im Osten des 
Ganges beschränkt. Und werden nicht alle diese Thiere ‚früher eine 
noch grössere Verbreitung besessen haben? 


L. Horner: über das Vorkommen des Megalichthys in ei- 
ner Kannelkohlen-Schichte im Westen von Fifeshire, mit 
Bemerkungen über den vorgeblichen Süsswasserkalkstein 
von Burdiehuuse (James. Edinb. n. phil. Journ. 1836, XX, 309 — 320). 
Ein Zahn jenes Fisches, 2°‘ lang und %‘ dick, dem von Hısserr abge- 
bildeten (Edinb. Transact. XIII) sehr ähnlich, eingeschlossen in Kannel- 
Kohle von Halbeath in Fifeshire, 2 Engl. Meil. östlich von Dunfermline, 
wurde dem Verf. mit der Bemerkung übergeben, dass mit dieser an 
letztgenanntem Orte viel verbrauchten Kohle schon viele ähnliche Reste 
zerstört worden seyn dürfte. Das Gebirge zeigt die gewöhnlichen Glie- 
der der Steinkohlen - Formation mit vielen Kohlen - Schichten und zahl- 
reiche Rücken und Wechsel bis von 240°. Das Kohlenflötz , welches 


—- 7 — 


jenen Zahn geliefert, ist 23° mächtig und liegt unter schieferigem 
"Sandstein und über weissem Sandstein, in gleichförmiger Lagerung mit 
offenbaren Süsswasser - Schichten, nämlich Kohlen-Schiefern, welche an 
"Abdrücken von Land-Pflanzen reich sind. Dieses Gebilde scheint nicht 
_ werschieden von jenem von Burdiehouse, obschon Hıeserr an letzterem 
Orte ausnahmsweise einen Süsswasserkalk — als Niederschlag aus 
‚einem Landsee — zu erkennen glaubt, weil keine See-Konchylien-Reste 
‘wohl aber Landpflanzen und Entomastraca darin vorkommen u. s. w. 
Da aber wahrscheinlich alle Koblenlager durch abwechselnde Holz- und 
 "Schlamm-Anschwemmungen an den Mündungen grosser Flüsse im Meere 
selbst entstanden sind, und keine Erscheinung zu Burdiehouse zu einer 
'entgegengesetzten Annahme nöthigt, so ist die Bildung der Schichten 
an beiderlei Orten auf gleiche Weise erklärbar. Ja es ist zu erinnern, 
‚dass bei Burdiehouse selbst eine mit den Fisch - reichen Flötzen fast 
'gleichförmig lagernde Kalkschichte wirklich viele Überbleibsel von Mee- 
resbewohnern enthält, wenn auch nicht von Konchylien, und dass die 
Pflanzenreste in dortigen Kalklagen dieselben Arten wie in Kohlenge- 
birgen sind. Was die Fische anbelangt, so hat Acassız selbst keine 
Unterscheidungs-Zeichen der Süsswasser- von den See-Fischen angeben 
können; Megalichthys ist zunächst mit Lepidosteus verwandt, 
dessen Arten tbeils in Süsswassern, theils im Meere leben und die übri- 
gen mit vorkommenden Geschlechter Pygopterus, Palaeoniscus, 
Ambiypterus und Eurynotus sind theils dem offenbar marinen 
Zechsteine, theils der gewöhnlichen Steinkohlen-Formation eigen. End- 
'lich die zahlreichen Entomostraca, nach Hıssgrr aus dem Geschlechte 
Cypris, konnten in Sümpfen in der Nähe des Meeres gelebt haben und 
ihre Reste dann durch Überschwemmungen leicht in das Meer fortge- 
waschen worden seyn; vielleicht gehören sie aber auch bei näherer 
Betrachtung zu den sehr ähnlichen und zunächst verwandten Ge- 
schlechte Cytherina Lmx., dessen Arten im Meere zwischen See- 
tangen und Flustern sich aufhalten. So dürften denn alle Gründe sich 
‚vereinigen, die Fisch-reichen Kalkschichten von Burdiehouse gleich den 
"übrigen Gliedern der Steinkohlen - Formation in dieser und andern Ge- 
‚genden als ein Strand-Gebilde aus Meeresbuchten in der Nähe von Fluss- 
Mündungen anzusehen. 


ScHhMErLInG hat auch eineKnochenhöhle in Luxemburg entdeckt, 
worüber er am 8. August 1835 an die Brüsseler Akademie berichtete 
(VInstitut, 1835, IH, 308—309). Sie liegt $ Stunde von Pillers-Sainte- 
Gertrude am Rande der Höhen von Kohlenkalk auf dem liuken Ufer 
des Aisne. Man kennt und besucht sie seit langer Zeit, ohne darin 
nach Knochen gegraben zu haben. Eben gelangt man zu einem ge- 
'räumigen Portale, woriu der sanft nach ©. geneigte Boden aus Pflanzen- 
Erde und Bruchstücken der anstehenden Felsart besteht. Nördlich von 
diesem Portale ist eine nicht tiefe Öffnung voll Lehm (limon) und 


HE 


Steinen; aber der 85m lange Haupt- Gang zieht durch eine 0m09 breite 
‚und 2m hohe Öffnung gerade nach. Süden. Allmählich hinabsteigend 
‚gelangt man bald in den weitesten Theil von 5m Breite und 6m Höhe, 
‚voll Stalaktiten an den Wänden. Die Decke senkt sich mit den Schich- 
‚ten nach O. Endlich steigt der Boden wieder so stark an, dass man 
nur noch auf dem Bauche unter ihr fortkriechen kann. Den Boden der 
Höhle bedeckt eine mächtige Lage von Lehm, mit Geschieben , ‚Stein- 
stücken. und Knochen, die am Abhang und am Ende am mächtigsten zu 
‚seyn scheint, und auf welcher wieder dicke, geschichtete Stalagmiten 
ruhen, nach deren Durchbrechung sogleich ein unangenehmer Geruch 
aus dem Lehme aufsteigt. Die Knochen liegen theils ohne Ordnung im 
Lehme zerstreut, theils stecken sie im untern Theile der Stalagmiten. 
Eine schwarze, sehr fett anzufühlende Erde ist hin und. wieder unter 
den Lehm gemengt, oder über die Steine und Stalagmiten verbreitet. 
Schon die erste Nachgrabung ergab eine Menge von Bären - Knochen 
(U. spelaeus), insbesondere viele Zähne, Kinnladen, Wirbel, Rippen 
“u. 5. w.. Einige Reste eines Wolfes und ein Mittelfussbein einer 
‚Katze, kleiner als Felis spelaea, fanden sich dabei. Hier, wie in 
der Provinz Lüttich, sind die Knochen erst vom Fleische befreit in die 
Höhlen gekommen, in welchen die Thiere nicht selbst gelebt haben. 


= 


‚A. Sısmonpa: geognostischer Versuch über die zwei 
Nachbar-Thäler der Stura und Vinay (Mem. d. Accad. d. scienc. 
-.di Torino 1833, XXXVI, 1-10). Das Stura- Thal ist von Kalk in 
Wechsellagerung mit Phylladen und Trünmer-Gesteinen eingefasst, von 
welchen einzelne Schichtenfolgen sich oft ansehnlich entwickeln, wäh- 
rend dieselben an andern Stellen zu untergeordneter Ausdehnung herab- 
sinken, und biedurch wie durch Übergänge in einander und allen 
Mangel: einer bestimmten Folge beweissen, dass sie nur einer und der- 
selben Formation angehören. Der Kalk setzt südlich bis ins Thal von 
Vaudier hinüber, wo Brüche auf schönen graulichweissen bis blaulich- 
grauen Marmor in ihm betrieben werden , während er im Stura - Thale 
selbst nicht Politur - fähig, im Bruche schuppig bis krystallinisch er- 
scheint; nur in geringen Massen kommt er schwarz vor, bei Majola 
schwarz und von weissen Spathadern durchsetzt, bei Demonte schwarz 
mit gelber und weisser Aderung (wie zu Porto Venere bei la Spezzia) 
und grau mit weissen Adern. In der Sonne oder künstlich erwärmt, 
entwickelt dieser Kalk einen bituminösen Geruch. Er geht in schiefe- 
rigen Kalk über. Zu Borbone, zwischen Demonte und Aisone enthält 
er Grotten und bildet Plateau’s, über welchen er sich noch hoch in 
steilen Felswänden erhebt. — Zu den Trümmer - Gesteinen gehört die 
Grauwacke, Bronentaer’s Anagenit, weiche, wie zu Trient im Wallis, 
von krystallinischen Adern durchzogen ‚ist, und aus Ur- und Übergangs- 
Stein-Trümmern besteht. Längs des Thales erscheint sie, und insbesondere 


Er N 


- in letzterwähnter Gegend nimmt sie die tiefsten Stellen unter den Schie- 


fern ein, durch die sie oft gänzlich vertreten wird, und welche mit dem 
Kalke, gleich mächtig entwickelt, die Hauptmasse der Gebirge zusam- 
mensetzen und zuweilen eine wellenförmige Schichtung annehmen, von 
Quarz - und Kalkspath - Adern durchsetzt sind, welche beiderlei Stoffe, 
letztrer öfters in schönen grossen Krystallen ausgeschieden, späthi- 
ges Eisen mit Eisenperoxyd - Hydrat zu Begleitern haben. -- Alle 
diese Gesteine schreibt der Verf. der Übergangs - Zeit zu, obgleich im 
unteren Theile des Thales noch keine organische Reste darin gefunden 
worden. Dagegen sind in dessen oberem Theile bei Sambucco Belem- 
niten und Ammoniten „unwiderlegliche Kennzeichen der Übergaugs- 
Gebirge“ schon von Arrıonı (Oryctogr. Piem. p. 50, 52) entdeckt 
worden. Am Bergemoletto-Berge im Stura-Thal hat der Verf. in einem 
alten Stollen auf Silber - haltiges Schwefelbley neuerlich kohlensaures 
Blei in gelblichen bis weissen durchscheinenden Krystall - Prismen auf 
Quarz entdeckt. — Das Thal von Vinay, seiner Bäder wegen bekannt, 
ist ein Zweig des vorigen, und dringt in Gneiss- Gebirge ein, das in 
Granit und Glimmerschiefer mit fast vertikaler Schichtung übergeht. 
Der sich leicht zersetzende Feldspath desselben bildet einen sehr frucht- 
baren Boden, veranlasst aber auch eine Menge von Felsenstürzen u. dgl. 
Erscheinungen. Eine halbe Stunde hinter den Bädern ist ein auf beiden 
Seiten des Thales fortsetzender fast vertikaler Gang, welcher Veran- 
lassung zu ausgedehntem Bergwerks-Betrieb auf Schwefelblei gibt , das 
mit etwas Eisen- und Kupfer-Kies, Schwefel-Antimon und -Zink gemengt 
ist. Die Gangart ist derber Fluss-saurer und etwas kohlensaurer Kalk, 
ersterer von blaulicher, grünlicher und rosenrother Farbe und in Dru- 
sen würfelig anschiessend. — Die Corborant - Berge schliessen dieses 
Thälchen im Hintergrunde: sie bestehen theils aus Gneiss und Glim- 
merschiefer, theils aus Granit mit Porphyr-Struktur, der sich unter dem 
ersten hervorhebt und ihn dann bedeckt, folglich „nieht zum neptuni- 
schen, sondern zum plutonischen Ente gehört“, Der Glimmerschiefer 
ist nesterweise grossblätterig und enthält viele lange Prismen schwarzen 
Turmalins, den man bisher für Hornblende gehalten, und Granaten in 
entrandeten Rhomben - Dodekaedern. In einigen Gneiss - Blöcken haben 
sich ‚kleine Krystalle grauen Epidots gefunden. 


rl Ei) 


Artesische Brunnen von Bergöl (!’Abeille de la Nouvelle 
Orleans — te Temps 1836, 4. Juli > Frorıer’s Notiz. 1836, XLIX, 
343 — 344). Als man vor etwa 10 Jahren nach Salzquellen bei Bur- 


 kesville in Kentucky bohrte und bereits eine Reihe fester Schichten 


durchteuft hatte, erhob sich aus 200° Bohrtiefe plötzlich ein Strabl 
von Bergöl 12° hoch über den Boden, der anfänglich 75 Gallonen in 
der Minute lieferte, aber schon nach einigen Tagen aufhörte. ‘Als das 
Öl in den Cumderland abfloss und sich über dessen Spiegel verbreitete, 


— BB 


versuchten die mit dessen Eigenschaften unbekannten Anwohner, ob es, 
entzündlich sey, und plötzlich stund der ganze Fluss in Flammen, und 
das Feuer schlug an den steilen Ufern empor, wo es viele der höchsten 
Bäume beschädigte. Später brachte man durch Aufpumpen von Salz- 
wasser noch einmal etwas Bergöl mit herauf, was aber dann nicht 
wieder gelang. Doch stieg es in den letzten 6 Jahren noch zweimal 
von selbst durch und über die Pumpe empor. Das letzte Mal begann 
es am 4. Juli 1835 und währte 6 Wochen, so dass man 20 Fass davon 
sammeln konnte. Ein dumpfes Geräusch‘, wie von fernem Donner be- 
gleitete das Ausströmen und über der Pumpe erkannte man ein sich aus 
ihr entwickelndes Gas. Das Öl ist grün, wird an der Luft braun, 
riecht scharf, und verflüchtiget sich rasch aus hölzernen Tonnen. 


MarceEL DE Serres: über den flüssigen Zustand der Ge- 
birgs-Massen im Augenblick ihrer Emporhebung (!’Inst. 1836, 
1V, 323). Der Berg bei Cette besteht aus Jurakalk uud aus Moellon, 
welcher , reich an fossilen Resten und mit vorigem emporgehoben , sich 
jedoch kaum über den Etang von Thauw erhebt, um sich über- die Jura- 
Gebilde herzulagern. Diese selbst, der untern Jura - Abtheilung ange- 
hörig, bestehen wieder aus dreierlei Massen, die man im Steinbruch del 
Rey leicht unterscheidet. Der obere Theil ist ein gelblicher dichter un- 
reiner Kalkstein, dessen dünne Schiefern geneigt sind. Darunter folgt 
ein graulicher sehr harter Kalkstein. dessen mächtigere Flötze bis fast 
zum Senkrechten geneigt sind. Zu unterst kommen röthliche und grau- 
liche Dolomite, zum Theil Breccien.- förmig, deren noch mächtigere 
Schichten in gleichem Fallen mit vorigen (nach Stärke und Richtung) ge- 
gen und unter das Meer einschiessen. Da diese Massen von dem tertiä- 
ren Kalke an mehreren Stellen bedeckt werden, so hat ihre Hebung 
erst nach dessen Absetzung Statt gefunden; mächtige Spalten sind die 
Folgen dieser Hebung gewesen, welche später wieder von Knochen- 
breccie erfüllt worden. In dem genannten Steinbruche aber hat man 
kürzlich eine grosse Spalte in dem mitteln Theil der Juragebilde geöfl- 
net, welche von oben her durch die Masse jenes jurassischen gelblichen 
Jurakalk - Schiefers ausgefüllt worden ist, welcher auch die kleinsten 
Räume und Risse derselben erfüllt hat und daher zur Zeit der Emporhe- 
bung sehr dünnflüssig gewesen seyn muss. [Hier wäre sehr zu wün- 
schen, dass die mechanischen Änderungen näher bezeichnet worden 
wären, welche die gelben Kalkschichten durch theilweises Abfliessen 
derselben in diese Kluft erfahren haben. D. R.] 


1? 

Chemische Zusammensetzung einiger mit der Stein- 
kohlen-Formation bei Edindurg verbundenen Gebirgsarten 
(James. Edinb. n. philos. Journ. 1833, July; Nr. XXIX, 195 — 196). 


u 


Jameson theilt folgende Analysen mit, die von einigen „jungen Freun- 
den“ angestellt Pe vämlich 1 und 4 von Rog. WaArLxer, 2 und 3 
von Joun DryspaLE 
1. Schieferthon von Wardie bei Weird; wo er mit Sand- 
stein und bituminösen Schiefern wechsellagert: brausst nicht mit Säu- 
ren, noch bildet er eine Gallerte mit ihnen. In Rotliglühhitze verliert 
er mechanisch gebundenes Wasser und zerfällt in Trümmer. Er ent- 
hält 0,6000 Kieselerde, 0,1760 Alaunerde, 0,1521 Eisenoxyd, 0,0236 
Kalkerde, und verliert in der Hitze 0,0441, zusammen 0,9958. u 
2. Kompakter Feldspath von den Pentlands, von 2,53 Eigen- 
schwere, brausst mit Säuren wenig und gibt keine Gallerte mit ihnen, 
ist vor dem Löthrohre für sich unschmelzbar; auf Platin-Draht (Blech?) 
erhitzt mit einem Überschuss von Phosphorsalz bildet er ein durchsich- 
tiges farbloses Glas. Er besteht aus 0,7350 Kieselerde,, 0,1123 Alaun- 
erde mit einer Spur von Eisen, 0,0250 kohlensaurem BEER 0,0355 
Potasche, 0,0380 Soda, 0,0460 Wasser — 0,9920. LET 
3. Grünstein von Wardie von 2,873 Eigenschwere: brausst 
mit Säuren, gelatinirt aber nicht mit ihnen ; vor dem Löthrohr für'sich 
erhitzt schmilzt er zu'ischwarzem, mit Phosphorsalz, zu durchsiehtigem, 
heiss: gelbem, kalt: farblosem Glase. Besteht aus 0,4400 ‚Kieselerde, 
0,1140 Alaunerde, 0,2232 Eisen (Protoxyd), 0,0880 Kalkerde , 0,0250 
Bittererde, 0,1050 Wasser und Kohlensäure — 0,9952. mo 
4. Feldspatb-Gestein von Wardie, aschgrau, dem Labrador- 
Feldspath sehr ähnlich, aber in der Zusammensetzung sehr abweichend. 
Es erhebt sich unter Sandstein- und Schieferthon- Schichten herauf und 
könnte beim ersten Anblick wohl für ein neptunisches Gebilde. gehalten 
werden, sähe man es nicht deutlich in Grünstein übergehen. An einer 
Stelle hat es den Schieferthon aufgerissen‘, der (nun in ihm eingebettet 
liegt, und) offenbar eine halbe Schmelzung erlitten hat. ‘Es brausst 
mit Säuren heftig , gelatinirt aber nicht wit ihnen, enthält 0,3720 Kie- 
selerde, 0,0975 Alaunerde, 0,2000 Eisen, 0,0857 Kalkerde , 0,0378 Talk- 
erde, 0,2080 Kohlensäure und Wasser, zusammen 1,0010, 


Van Brepva: Betraehtungen über die beim Brunmenboh- 
ren zu Zeist heraufgebrachten Erdarten und deren geologi- 
sches Alter, vorgeles. im Niederländ. Instit. d. Wissensch. 1835, 
24. Januar (> Algemeene Konst - en Letter - Bode, 1835, Nr. x, xn). 
Der Verf. bezieht sich auf die, schon von WENCcKENBACH in’ diesem Jahr- 
buche, 1835, S. 59 ff. berührten ‚Verhältnisse. Der durchsunkene Boden 
gilt dem Verf. schon lange als Diluvium , nicht Alluvium.'"'Sölches 'Di- 
luvium ist auch die Molasse, daraus besteht das ganze Thal zwischen 
den Alpen und dem Jura, der Fuss der Süd- Deutschen Alpen, die Crau- 
Ebene in Süd- Frankreich u. s. w. In Holland besteht die Amersfor- 
der Heide daraus: Quarz, Sandstein, Puddingstein, Basalt, Feuerstein, 


Eisenstein, Gneiss, Hornblende kommen theils als Sand, theils als’ Ge- 
schiebe daselbst vor. Ihre Abstammung lässt sich südlich bis zu den 
Ardennen verfolgen. Einige nordische Granit- und Gmeiss- Blöcke mö- 
gen darunter vorkommen, doch ist diese Annahme nicht nothwendig an- 
gezeigt. Aber die Grenzen dieses Diluviums mit den Ablagerungen 
darunter lässt sich in dem Bohrloche bei Zeist schwer nachweisen, da 
beiderlei Gebirge gleiche Bestandtheile enthalten. Bis zu 145 Utrechter 
Fuss Tiefe hat man offenbaren Diluvial-Sand und -Gerölle; tiefer wech- 
sellagert Thon damit; in 280° Tiefe tritt Eisenbydrat als Bindemittel 
auf; in 312° traf man ein Muschelstück an, in 380° eisenhaltigen Thon, 
welcher Geoden von Eisen-Hydro-Karbonat, in den Höhlen mit Kreide, 
und mit von Kreide umgebenen Feuersteinen einschliesst. Tiefer kommt 
man auf eisenschüssigen Sand, der in 455° ein Stück Holz enthielt; 
von 460—468’ auf dünne Sandstein-Lagen , mit 470‘, 478° und 482° auf 
platte runde Stücke kalkhaltigen Thones, in 483° bis 485° auf Holz. — 
Nun kann das Eisen - Hydrat (280°) und mehr noch das Muschelstück 
(312’), das in dem Diluvial- Lande mit den Geschieben abgerundet seyn 
würde, als Beweiss gelten, dass man tertiären Boden erreicht habe ; — 
ferner die Kreide -haltigen Geoden und die Feuersteine (380°), welche 
sieb auch anderwärts in tertiären Formationen und zumal in dem dar- 
‚aunter liegenden Lignit- Gebirge finden, welches mit 455° — 456° durch 
‚ dikotyledonische Braunkohle mit Pyrit unmittelbar angedeutet ist; — 
die Stücke des kalkigen Thones (470° ff.) entsprechen endlich der Sep- 
tarıa: des Londonthones. Somit ist kein Zweifel, dass das Tertiär- 
Gebirge: von 280° oder doch von 312' an bis zu 485° Teufe, wo man 
moch weiter bohrt, reiche. ‚Da nun der Verf. in der Gegend von Ant- 
werpen, Löwen, Tongern bis Düsseldorf u. s. w. schon früher den 
plastischen Thon, den London - Thon, den Bagshot - Sand und den Crag 
nachgewiesen , so darf man erwarten, alle. diese Schichten auch in dem 
Bohrloch der Reihe nach zu durchsinken. Das Muschelstück (312°) ist 
zur Bestimmung zu unvollständig, mag aber, nach seinem ockerfarbenen 
Ansehen zu schliessen, dem Crag angehören. Die Lignite, dergleichen 
zwar in verschiedenen Gliedern der Tertiär - Zeit vorkommen, mögen, 
den Erscheinungen im Themse - Becken entsprechend, dessen südwestli- 
cher Rand nach Holland fällt, die des plastischen Thones seyn, dem 
zu: ‚London wie zu Paris auch die Eisenerz - Geoden angehören. Aber 
‚diese Bildung mag hier, wie auf Wight, mit dem‘ Septaria - baltenden 
London Thon in eine zusammenfallen. Das Diluvium scheint hier em 
‚grosses ‚Thal im London-Thon:' auszufüllen. Wann man aber die Kreide 
‚erreichen werde, lässt sich nicht bestimmen, da derselbe plastische Thon, 
welcher bei. London 100° mächtig ist, auf Be von 1200° Mächtig- 
keit: erscheint. eu | 


Ze 


Geognostische Wanderungen in Piemont, und zumal 
nach der Superga (Bibl. Ital. 1834, Dez.; LXXVT, 449 — 453). 
Sısmonpı und Erız pr Besumont waren seit längerer Zeit verschiede- 
ner Ansicht über die Hebungs-Zeit der Superga gewesen. Als nun im 
Herbste 1835 Eriz pe Beaumont und Durkr£noy mit 'L. von Buch nach 
Turin kamen, beschlossen sie mit Sısmonpa und Marmora die Sache 
näher zu untersuchen. Sie begaben sich nach @assino und von da über 
die Superga hinweg. Sie fanden, zum ersten Male anstehend, Nummu- 
litenkalk, welcher mit dem sog. Marmor von Gassino und einer grossen 
Reihe Kalk- und Maeigno -Schichten die obere Sekundär - Formation da- 
selbst ausmachten, und gelangten über diese Bildungen hin in die tertiären 
Schuttgebilde aus Serpentin-, Kalk-, Euphotid-, Porphyr-, Granit- u. a 
Geschieben. Die Schichten der letzteren stimmen in ihrer Neigung 
ganz mit denen in den östlichen Alpen überein, wornach denn Sısmonna’s 
Ansicht für bestätigt erklärt wurde, dass deren Hebung erst bei der 
letzten grossen Revolution Statt gefunden [womit sich gewisse Folge- 
rungen über das Alter der Superga- Schichten beseitigen; vergleiche 
Jahrb. 1832, S. 245, 246]. — Von da setzten die Reisenden — ohne 
L. v. Buch — ihren Weg nach Genua fort. Jenseits Baldichieri sahen 
sie Kalk- und Porzellan - Jaspis [? Diaspro] - Schichten, aus der Zeit der 
Jura-Bildung, welche von Serpentinen gehoben und verändert worden. 
Von Ochieppo gingen sie durch das Craglia- Thal nach Biella, wo 
nächst dem Heiligthume der Jungfrau von Oropa Glimmerschiefer, Ser- 
pentine und Porphyr anstehen, welcher mit denen der Ost-Alpen über- 
einstimmt ‘und die ersten beiden Felsarten gehoben, zerrissen und 
grosse Blöcke derselben mit in die Höhe genommen hat, wornach Erıe 
pe Beaumont die Hebungs-Zeit ebenfalls als mit der der Ost-Alpen zu- 
sammenfallend ansieht. Die Hügel von Masserano und Ronco gehören 
zur obern Tertiär-Formation; doch werden an ihrem Fusse Brüche auf 
einen Kalkstein betrieben, der wieder der Kreide anzugehören scheint. 
Bei Verrua: Schichten, gleichalt mit jenen von Asti. — Auf dem Wege 
nach Monteu und Casal Borgone sah man Kreidekalk wie bei Gassino 
unter tertiären Gesteinen, wie von der Superga, verschwinden, so dass 
die Hebungs-Zeit mit der der letzteren übereinstimmt. — Cuneo. — Von 
Mondovi bis Bagnasco herrschen wieder jene tertiären Schichten,’ deren 
Streichen und Fallen aber von jenem an der Superga sehr abweichend 
ist und vielmehr mit dem der West - Alpen übereinzukommen' scheint. 
Eine Stunde von Bagnasco wird ein mit quarzigen Hebungs - Gesteinen 
gemischter Jura-Kalk durch eine Breccie bedeckt, in welcher ELıE DE 
Beaumont das Ufer des alten Meeres vermuthet, woraus sich die Tertiär- 
Bildungen abgesetzt haben. Jura-Kalk mit Ur- und Hebungs-Gesteinen 
wechselnd, hält dann bis 1 Meil. über die Brücke von Nava an’; hier 
‚wird er wieder kompakt und'spaltbarer, 'Thonschiefer zeigt sich in der 
Höhe häufig, und Alles deutet dahin, dass der Kalk‘ von’ hier an bis ge- 
gen Pietra zur Kreide gehöre, wo wieder Jurakalke ‘folgen, welche 
sich mit den Dolomiten von Finale vereinigen, worauf diese bis fast 


—_— 11 — 


‚nach Suvona, an das. Urgebirge hin. fortsetzen. Die Hebungszeit aller 
. dieser Gesteine scheint mithin nach Allem mit der der Pyrenäen zusam- 
menzufallen; dann aber scheinen noch spätere Störungen bei der Hebung 
der West- Alpen die Tertiär - Schichten von Mondovi und Bagnasco 
betroffen zu haben. 


Bucktann: über Entstehung der Höhlen (Vortrag bei der 
Ashmolean Society in Oxford > VInstitut 1836, IV, 175—176). Dau- 
BENY hatte bei Gelegenheit seines Berichts über die tiefen, zu Michell’s 
Town bei Cork eutdeckten, mit Sand und Lehm unter einer Stalagmiten- 
Riude angefüllten. Höhlen, deren Ausfüllung nur durch enge Öffnungen 
von ‚einem, jetzt dort nicht. mehr aufzufindenden Bache habe bewirkt 
werden können, die Ansicht geäussert,,. dass manche Höhlen, jene mit 
hohen: Domen., gewölbten Decken und unregelmässigen Verengerungen 
zumal, gebildet, werden ‚mussten durch Einschliessung grosser Gas- 
Massen, die sich von unten zur Zeit entwickelt haben, als das Gestein 
noch weich war. 

+, Dagegeu macht. Bucktann seine Ansicht geltend, dass manche von 
geraden und oft parallelen Spalten durchsetzte Höhlen der Kalkgebirge 
eine mechanische, Eutstehung durch Rücken und Wechsel des Gebirges 
gehabt haben, andere aber von der bei Dauseny angeführten Beschaffen- 
heit von der lange fortgesetzten chemischen Einwirkung der aus Nach- 
bargebilden .eutwickelten sauern Gasarten, insbesondere der Kohlensäure, 
herzuleiten seyen, Die innere Oberfläche der Höhlen pflegt in der 
That, auch. sehr zerfressen zu seyn, War die Säure an fliessendes 
Wasser gebunden , so musste dieses den gelösten kohlensauren Kalk 
auch sogleich fortführen mit Hinterlassung der unauflösliehen kieseligen 
Konkrezionen an den Wänden und der harten in der That oft noch aus 
diesen hervorragenden Versteinerungen, Bloss mechanisch durch Ein- 
schliessung von Gas konnten sie nicht entstanden seyn, denn das 
Nicht „ Vorkommen in. ihnen von solchen organischen Resten, die be- 
trächtlich ‚älter als die jetzige Schöpfung seyen, die im Gestein einge- 
schlossenen :und auf einen sehr allmählichen Niederschlag desselben 
hindeutenden Korallen - Bänke, die. dichte Beschaffenheit des Gesteines 
selbst. im , Gegensatze der. zelligeun Laven (welche wohl Höhlen von 
> jener  Eutstehungsweise enthalten) sprechen für die letzte Ansicht, 

an atalh 13 | | 

aa kai 

nertite | | 
Jar nn a Notiz über die ‚Insel Noir- 
nnufiere, im. Vendee.- Dept, (Mem., Soc. .geal. de France, 1834, I, ı1, 
37 —:330 ;, Bull. ‚geel..d. Fr,, S. 285 — 287). Die Insel bietet 4 Ge- 
birgssysteme. ‚dar s.1) das Primär- System, auf der ganzen N. - Küste der 
Insel, ;von, der Spitze Luzeronde bis zu dem, des Gehölzes vonda Lande: 


u 


Mi 


es ist ein sehr mächtiger Glimmerschiefer, im untern Theile Pegmatit, 
Granit und Gweiss enthaltend, und in grünen Talkschiefer übergehend, 
die sich den Talkgesteinen der untern Loire verbinden. Das ganze 
System fällt mit 65°—75° O.N.O. — 2) Das Sekundär-System im N.O. 
der Iusel, vorzüglich beim Gehölze von da Chaise entwickelt und in 
seiner unterno Gruppe, die bei !a Lande auf Talkschiefer ruht, einen 
eisenschüssig quarzigen Sand mit kleinen Exemplaren von Gryphaea 
columba voll Kiesel-Ringehen, mit Nummuliten und Echiniten-Stacheln 
darbietend, welcher jenem von der Insel Ai@, der die Caprinen ent- 
hält, analog zu seyn scheint; — in seiner oberen Gruppe einen weissen 
oder grauen, kompakten , durch unvollkommene Krystallisation gebilde- 
ten Quarzit darstellend, der in den obersten seiner 2’ — 12'' mächti- 
gen Schichten Pflanzen-Abdrücke enthält und in einen weissen, grauen 
oder eisenschüssigen Sandstein übergeht, jenem von Fontainebleau ähn- 
lieh. : Beide Gruppen fallen 10°—15° nach S.W., ruhen folglich in abwei- 
chender Lagerung auf jenem Urgebirge, und befinden sich in gleichförmi- 
ger Lagerung wit dem Grünsand und der Kreide der Insel Air, von 
denen sie’ nur eine Fortsetzung sind, und mit welchen ihre Schichten 
gleichzeitig aufgerichtet worden wären, wie der Mont Viso, nach Erz 
pe Beaumonr 'näwlich zwischen der Tuff - artigen und der weissen 
Kreide. — 3) Das tertiäre System tritt nur bei niedrigem Meeresstand, 
jedoch in sehr grosser Ausdehnung auf der W.- und S.W.- Küste der 
Insel hervor. Es ist ein gelber kompakter, sandiger, etwas glimmeri- 
ger Kalk mit Quarz - Geschieben, Nummuliten, Nucleoliten , Cassideln, 
Pecten u. s. w. Er fällt einige Grade nach W.S.W. und kann der 
oberen Meeres- Formation, dem Moelion, gleichgesetzt werden. — 4) Das 
Schuttland zerfällt in zwei Gruppen. Die untere besteht, aus Quarz- 
und Urfels-Trümmern und liegt strichweise auf Quarzit und Grünsand, 
10‘ 15’ über’ der höchsten Meeres-Höhe, Das obere ist Alluvial- Gebirge 
aus schwarzem und gelbem Sand mit kleinen Quarz - Geschieben , ist 
viel ausgedehnter als voriges, und bedeckt die Süd- Seite der Quarzit- 
und Grünsand- Hügel und die Ebene. | 


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A. Benoıt: Beschreibung der Lageru ngs- ‘und Gewin- 
nungs-Weise das Blei-Erzes von Longwilly, Kantons Bastugne, 
in der Provinz Luxemburg (Bull. geol. de France, 1833, III, 
272 — 274). : Im Jahr 1819 wurden ‘die ersten! Spurem von Bleiglanz 
zwischen Longwilly und Norhet= Alterborn entdeckty jetzt ‚baut aman 
ihn anı zwei Orten ab; die ungefähr in’dervMitteldesi Schiefer-Gebirges 
der Ardennen liegen.‘ Dieser Schiefer» ist'!wm‘ die Gruben» im\Kleinen 
nicht schieferig, etwas Kalk > haltigz führt Spiriferen ;>Crinoid een 
u; a.“ undeutliehe :Versteinerungen, »deren) Stelle zuweilen "auch ‘durch 
späthigen Kalk ersetzt ist“ Die Erzlager geben ‚ausser dem Bleiglanz 
noch andere Erze. Der Bleiglanz bildet längs der Schieferwände Platten 


Pe 


von 0,005—0,035m, erscheint auch in Oktaedern, selten in Würfeln, ist 
gewöhnlich blätterig, zuweilen kompakt und dann meist Antimon-haltig. 
Das kohlensaure Blei ist meist nächst der Oberfläche und verschwindet 
in 10m — 12m Tiefe gänzlich. Es erscheint in 6seitigen Prismen in 
Geoden, welche im Bleiglanz wie im Schiefer vorkommen ;. in nadel- 
förmigen Krystallen auf Lücken im Gesteine oder als Überzug des Blei- 
glanzes. Das phosphorsaure Blei begleitet das vorige in sechsseitigen 
Säulen und Moos-artigen Formen. Das Schwefel-Eisen beginnt in Tie- 
fen zu erscheinen, wo die zwei vorigen aufhören. Es ist mit dem 
Bleiglanz und Schiefer zusammengewachsen. Das Schwefel-Zink beglei- 
tet voriges, ist fein in den Schiefer eingemengt, und in Dodekaedern an 
den Geoden vorhanden u. s. w. Quarz erscheint vorzüglich in der 
Tiefe, zuweilen den Bleiglanz ersetzend, oder in Krystallen die Geoden 
auskleidend.. Dodekaedrische Krystalle von kohlensaurem Kalk über- 
ziehen die Geoden,, oder er bildet Gang-Trümmer. Schwefel bildet. zu- 
weilen leichte Überzüge in den Höhlungen in Bleiglanz, und Gyps-Kon- 
krezionen setzen sich noch täglich an den untern Gruben - Wänden ab. 
Die Erze bilden Nester (Amas) in den Schiefern; sie sind gleichzeitig 
mit ihnen entstanden, parallel der Schichtung , dem Gesteine innig ver- 
wachsen, ohne Saalbänder u. dgl.; auch haben sie dieselben Störungen 
erlitten, wie die Schieferschichten. Nach oben zu vereinigen sich a 
rere dieser Nester, wesshalb man sie Gänge nannte. 


A. Dunn: kann die Luft Blei aufnehmen (Lond. a. Edinb. 
philos. Mayaz. 1335, VII, 77—78). Eine. Abdunst-Schaale mit.28 Pf. 
feuchtem kohlensaurem Blei ward im wohlverschlossenen auf etwa 25° 
C. erwärmten Laboratorium auf ein Sandbad gesetzt und dort der ge- 
wöhnlichen Trocken - Wärme von höchstens 65° C. ausgesetzt; 12 
hoch darüber waren zwei gewöhnliche Blasbälge in Bewegung, um die 
aufsteigenden Dünste durch eine Röhre und durch eine Flasche mit 12 
Unzen destillirtem Wasser zu treiben, und nach 6 Stunden zeigte dieses 
Wasser bereits unzweifelhafte Spuren von Blei. In einer anderen Partie 
‚ Wasser, durch welches der Luftstrom nicht geleitet worden war, hielt 
es schwer, Blei zu entdecken, 2 


Auy 


sTyı 2655} rt ARE FUTTER EURE GER; 319 Eee 7 

ı,. Bovssin@aunn: di bein dieii warmen a der. Kordilleren 
(worgel::b. d.) Academia des Seiene. }.1838, 18. März Ss James. Edinb, 
n: ;pkilas. Journ: 1833, July; XXIX , 151 -—153)." Je höher’hinanf in 
den' Anden üüe warmen: Quellen‘ vorkomnien‘y desto. "mehr re sie 
vom ihrer 'hohen Temperatur. Sö'hat: die! @delle a) 

Las 'Trincheras: bei; Puerto” Cabello ichs dem’ Merespegel we 6 
Mariara « ia. nadaz Is ämia76m Höher; 0.1649 C. 
Onato! I usu Bi 196 lea 6 Rh ra, rt, 


Beer 


In der Trachyt-Formation aber und zumal nächst den Vulkanen findet 
diese stufenweise Abnabme nicht Statt, da hier, eine Lokal-Ursache Ein- 
fluss hat. Eine grosse Anzahl von Analysen, die der Verf. angestellt, 
erweiset auch die Übereinstimmung der aus diesen heissen Quellen sich 
entwickelnden Gase mit jenen, die aus den Krateren aufsteigen: es sind 
Kohlensäure und geschwefeltes Wasserstoffgas. So sind ferner die 
Salze Jieser Quellen dieselben , die sich im Innern der Kratere zu bil- 
den pflegen. 

Merkwürdig ist indessen noch die Veränderlichkeit der Temperatur 
der heissen Quellen in den Anden. v. Humsorpr erhielt nämlich im J. 
1800, und BoussınsauLt und Marıno Rıvero i. J. 1823 die unten 
stehenden Resultate ihrer Messungen, nachdem inzwischen das fürchter- 
liche Erdbeben vom 26. März 1812 die Republik Venezuela heimgesucht, 
und Caraccas und alle Orte an der östlichen Kordillere zerstört hatte. 


v. HumsoLpr BoussinGauLT 
1800. 1823. 
Mariara - Quelle 59°3 C. 649% C, 
Las Trincheras 1 \ 9202 
90 
SON | 97° 


Beide Quellen der las Trincheras liegen ganz nahe beisammen, und 
erscheinen in Granit - Becken. Beide Beobachtungen darin, von 1800 
und von 1823, sind im Februar angestellt. 


P. W. Kortsars: geognostische Bemerkungen in den Pa- 
dang’schen Hochländern auf Sumatra (v. DER HövEn en DE VrIEsE 
Tijdschrift voor natuurlijke Geschiedenis en Physivlogie, 1834, I, 
190-192). Von Padang nach Priaman ist die Gegend flach, und er- 
hebt sich bis zum Fusse einiger aus N.W. nach S.O. ziehenden bis 
3000‘ hohen Bergrücken 500° hoch; bis zu 2000° Höhe herrscht Goneiss- 
Granit vor, darüber Jurakalk, ersterer theils in senkrechte Scheiben 
gesondert, theils ohne Absonderungen. Nordwestwärts liegt der Singa- 
lung, im S.O. der Talang, welche Berge gleich dem Ophir (Passaman) 
und Myrapi sich bis zu 13000° und 8000° 'erheben. Der Singalang 
und Myraopi sind gehobene Trachyt-Berge, welche auf granitischen Ge- 
steinen ruhen und von Kalkgebirgen umgeben sind. Im N.O. des Singa- 
lang liegt das Hochthal Ayam, worin eine. alte vulkanische Formation 
meist aus glasigen Bimssteinen und Trachyten vorkommt, welche einige 
Granit-, Quarz- u. a. Stücke einschliessen. 


Lu Enıe pe Beaumont: Beobachtungen über die Ausdeh- 
nung des unteren Tertiär-Systems im Norden von Frank- 
reich und über die Lignit-Ablagerungen, die sich daselbst 


u 


finden ‘(Mem. Soc. yeol. Franc. 1833, I, 107 — 121, Tf. VI). Exıe 
»s Beaumont denkt’sich zur Zeit, wo Cerithium giganteum noch 
lebend existirte, zwei grosse Becken an den Grenzen Frankreichs 
noch vom Meere bedeckt, das eine im Norden über den Kanal nach 
England hinüberreichend von Gestalt einer unregelmässigen Raute, 
deren 4 Eckpunkte etwa in 52°2° N. B, mit 0°s8‘ W. L. von Paris, 
51° B. mit'408“ Ö. L., 48%3° B. mit 005° Ö. L. und 50° B. mit 0%6 
W.L. liegen, so dass sich Salisbury, Cherbourg, Valogne, Mastricht 
etc. auf deren Grenze, London, Alun-Bay, — Dieppe, Chaumont, Paris, 
Compiegne, Beauvais, Ruye, Laon, St. Quintin, — Dünkirchen, Brüs- 
sel, Wliessingen ‘etc. mehr im’ Innern befinden, zwei schon damals 
gehobene grosse, den Pyrenäen parallel ziehende Inseln aber, die als 
Isie des Wealds in England, ‘und T. du Bray in Frankreich be- 
zeichnet werden, aus diesem Becken hervorragten. Das andere Becken 
zog sich zwischen Bordeaux und Dax von der W.Küste her, parallel 
den Pyrenäen , gegen Toulouse herein, doch so, dass jene beide Orte 
noch in das Becken fielen. Die Tertiär-Schichten aber, von deren Ver- 
breitung pe B. spricht, sind der plastische Thon mit seinen Ligniten 
und die Äquivalente von beiden, welche unter dem Grobkalke mit 
Nummuliten, mit Cerithium giganteum u. s. w. liegen. Jene 
Lignite sind nach seiner Ansicht durch Anschwemmungen zweier gros- 
sen Flüsse entstanden, die sich in das grössere nördliche Becken ergos- 
sen, und wovon sich der eine gegen die heutige Insel Portland, der 
andere gegen Nervins hin ins Meer ergoss, und jener die Lignite 
von Alun Bay, dieser die von Soissons absezte. Zur Annahme der Exi- 
stenz dieser Flüsse führen den Verf. mehrere Betrachtungen. Der An- 
nahme der erwähnten zwei Inseln aber kömmt zu Statten: die noch 
heutigen Tages auffallende Höhe der ‘entsprechenden Landstriche, ihre 
Zusammensetzung aus Kreide, ohne alle Spur von einstiger tertiärer 
Bedeckung, und eine Menge von Quarz- und Glauconie-Körnern im allen 
Sandgebilden des untern Tertiär-Systemes in jenem Becken, welche so- 
gleich an ähnliche Theile im Sande zwischen der untern Schichte der 
Weald-Formation und der ehloritischen Kreide erinnern: Gebilde, welche 
dann im Umfang jener zwei Inseln grosser Zerstörung durch Wasser- 
Ströme ausgesetzt waren, und durch Abschwemmung das Material zu 
jenen neueren aber tiefer liegenden Schichten zu geben vermochten. 
Wenn man von Gisors und Chaumont sich nach Epernay wendet 
und in einer Bogenlinie durch Beaumont-sur-Oise, Clermont-en - Beau- 
voisis, Nesle, Ham, La Fere, Laon, Craone, Reims geht, so hat man 
zur Rechten eine grosse Ausdehnung von Plateau’s unbedeckten Grob- 
kalkes, dem der plastische Thon unterlagert. Zur linken aber in der 
nördlichen Champagne, in der Picardie u. s. w. erblickt man über dem 
Schiefer - und Steinkohlen - Gebilde der Ardennen oder über der Kreide 
viel niedrigere Plateau’s, die aus einer losen Ablagerung in Verbindung 
mit dem mittlen Tertiär- Gebilde des Innern von Frankreich bestehen, 
und zerstreutliegende Anhöhen aus einem Sande, der dem am Fusse 


Ma, 


der Grobkalk-Plateaw’s zu Tage gehenden analog ist. Dieser schon oben 
erwähnte Sand nämlich ist bald mehr oder weniger chloritisch , bald 
weiss, enthält oft grössre Quarzkörner, bindet sich nicht selten zu ei- 
nem als Strassen - Pflaster brauchbaren Sandstein, der hin und wieder 
einen Muschelabdruck einschliesst. Über ihm sieht man dann in der 
Regel, wo das Gebirge nicht zu weit abgeschwemmt worden; einen 
grünen Thou in Wechsellagerung mit dünnen Braunkohlenschichten, 
Vitriol- Erde, bituminösem und Blätter- Abdrücke enthaltendem Thone, 
Sandstein mit Blätterresten u. s. w., und zuweilen noch die un- 
tersten Glieder der mittlen Tertiär- oder Grobkalk - Formation. So die 
Anhöhe, worauf Cussel (Dept. du Nord) steht, zu Compiegne,' Laon 
bis nach Belgien und England, so nach der Manche zu bei Saint Valery, 
Creil, Ste. Marguerite. — Einen der interessantesten jener Beweise für 
das Alter, welches Bronentart den Ligniten von Sorssons zuschreibt, bie- 
thet eine Stelle mitten im Dreiecke zwischen Cassel, Laon und Chaumont, 
nämlich die Hochebene des Bois de Vermand bei St. Quintin in der 
Richtung von Peronne, wo nur die Braunkohle wieder vollkommen ent- 
wickelt ist. (Auch setzt hier ein Rücken durch Kreide und Tertiärge- 
bilde hindurch.) Nie aber hat der Verf. irgendwo in diesem bezeich- 
neten Gebiete dieser isolirten Tertiär-Hügel Braunkohlen in den mittlen 
Tertiär - Schichten entdeckt, und wenn er gleich nicht behaupten: will, 
dass solche dort nicht existiren, so glaubt er solche doch in allen zwei- 
felhaften Fällen dieser Gegend, jener ältern Formation zurechnen zu 
müssen. — Ein anderer belehrender Punkt zur Bestimmung des Alters 
jener Braunkoblen ist an der Seite des Thales von Bieramont, wo die 
Landstrasse von OrvilleE nach Conchy-les-Pots ansteigt. Über Kreide, 


‚ehloritischem Sand, graulichem Töpferthon, Sand mit Blätterresten, 


Lignit, bläulichem Thon oder Mergel, folgt ein graulicher Thon mit 
Cerithien, Austern und Bivalven, die wahrscheinlich Cyrenen sind, in 
welchem Falle das Zusammenvorkommen dieser Konchylien viele Über- 
einstimmung mit jenem haben würde, das man mit den Ligniten von 
Marly (Cuv. Bronen. Par. 1822, II, 259), von Sainte Muarguerite 
(Bronen. ib. 345), Pourville und Varengeville bei Dieppe, und von 
Castie Hill bei Newhaven in Sussex beobachtet hat. Aber nach einer 
Mittheilung von Pr£vost hätte Desnayss mehr Ähnlichkeit zwischen 
den Muscheln , die gewisse Lignite des Swisonnais begleiten, mit denen 
von Headen Hill, als mit jenen des London Clay’s oder unteren Grob- 
kalkes gefunden. Daher sind die grünen Thone und Mergel ihrer äus- 
serst beständigen Lagerungs- Verhältnisse wegen wohl bessre Anzeigen 
des Vorkommens und des Alters der Braunkohlen, als die paläontologi- 
schen Merkmale. Noch ist zu bemerken, wie sich aus den Lagerungs- 
Verhältnissen an den Gebirgen bei Reims ergibt, dass, wenn diese grü- 
nen Thone und Mergel sich in dem Grade entwickeln, dass sie alle übrigen 
Schichten des untern Tertiär - Systemes des Pariser Beckens ersetzen, 
die Lignite gleichwohl nur auf deren untersten Schichten beschränkt bleiben, 

Auf der beigegebenen Karte werden noch einige ausser Frankreich 


_ U 


gelegene Gegenden als zur Zeit des Cerithium giganteum noch 
vom Meere ‘bedeckt! angegeben, nämlich ein Strich bei Verona und 
Vicenza, — die Wetterau und eine Stelle im N.O. von Coblenz (das 
Siebengebirge?) wohl ihrer Braunkohlen wegen, und eine andere im 
unmittelbaren Süden von Cassel in Hessen [wo aber doch wohl nur 
jüngere Bildungen aus der Zeit der Molasse zu finden seyn möchten]. 


‘Der Marschall Marmont , Herzog von Ragusa theilte der Fran- 
2ös. Akademie einige Temperatur-Messungen von Quellen. 
des Orients mit (U’Institut, 1835, IV, 76—77). 

Das Bad Kukurli zu Brussa in Bithynien hat. . 2. .:84° C. 
Das grosse Bad Yeni Kaplidja in Bithynien . » =». » 64 
Die grosse Quelle am Fusse des Olymps . ... 2. 135 
"Die Quellen des Skamander . » » 2 2 2 2 2 22 4.173 
Die Quelle des Pacha zu Smyrna’. » 2 2 2 220002.20,0 
Die Thermen zu Siggia, 2 Stunden von Smyrna . . . . 56,0 
Die Quelle des Tantatus-Sees . » 2 2 22 2 2 20 145 
LIPR » in der Ebene von Beyrut . » » 2.2 7..%3.21,0 
BineQuelleizui Balbee!: . . u: „us „Dirubine unse 
Die Elysium-Quelle zu Jericho . . 2 2 220200 000.20,0 

In einem Bade der erstgenannten Quelle zu Brussa, welches 78° 
Temp. hatte, sah der Verf., so wie der Östreichische Arzt Jens, einen 
Türken lange Zeit verweilen. Er widerspricht der Behauptung Araco’s, 
dass die Rebe bei mehr als 21°—22° mittler Temp. aufhöre fruchttra- 
gend zu seyn, und dass das Klima sich in Unter-Ägypten u. s. w. seit 
Moses nicht geändert habe, da es jetzt zu Kairo im Winter 15 — 20 
Tage lang anhaltenden Regen gebe und man zu Alexandrien jährlich _ 
30—40 Regentage zähle, wo es sonst nie oder fast nie geregnet haben 
solle. Er leitet diese Veränderung von den durch den Pascha angeord- 
neten ausgedehnten Pflanzungen in Unter - Ägypten ab, die man allein 
für den Bezirk unter Cairo auf 20 Millionen Stämme anschlagen kann. 
(Araco vertheidigt seine frühere Ansicht, indem rücksichtlich der Rebe 
die etwaigen Ausnahmen nicht erheblich oder treffend seyen, und rück- 
sichtlich des Regnens die früheren Angaben vielleicht eben so übertrieben 
seyen, als die jetzigen. | 


A. pe Montmoruin: Abhandlung über das Kreide-Gebirge 
des Jura (Mem. de la Soc. d. scienc. nat. de Neuchätel,, 1835, I, 
49—65, Tf. 1ID. Das Kreide-Gebilde des Neuchateler Jura mit wenig 
abweichender Lagerung auf dem Portlandkalke am S.O.-Fusse der Jura- 
kette, zieht sich in deren Thäler, besonders die Längenthäler hinein und 
bildet im Waadlande auch selbstständige Hügelreihen, ist aber meistens 


9 


! © ” .,m 81 a 
von Molasse überdeckt und desshalb bis jetzt weniger beobachtet ge- 
wesen. Von oben nach unten zeigt es nachstehende Schichtenfolge: 
e) gelber Kalk, wenigstens . . 22 0 2 ee 2 000 120° 
‘d) gelber Kalk mit glatten kieseligen Zwischen-Massen, gleich gm 
dem folgenden reich an Versteinerungen . . » 2. 40° 
c) gelber Kalk, theils oolithisch ,„ mit zertrümmerten und zer- 
rütteten Schichten, wechsellagernd mit gelbem Mergel 20° 
‘b) blaugrauer Mergel, nach ‘oben wechsellagernd mit Trüm- 
mern von Mergelkalk, reich an Versteinerungen mit 
und’ahne Schale Ye ee Rs 
a) gelber Kalk, theils oolithisch und oft mit braunen, bis 
Erbsen - grossen Eisensilikat - Körnern , mit nicht be- 
stimmbaren Versteinerungen „ 2 2 2 2 2 2 2... 90% 


Durch die Auswaschung des Mergels entstehen Erdfälle und Gebirgs- 
Senkungen, die so häufig sind, dass man an ihrer Verbreitung die Er- 
streckung dieser Formation ee kann. Die Schichten pflegen mit 
10°—25° von höher ansteigenden Jurakalk-Gebirgen mit oft Dom - artig 
gewölbten Flötzen wegzufallen, gegen diese Gebirge selbst jedoch bilden 
sie steil abfallende Mauern, die mithin kleine Thäler auf der äusseren 
Seite einfassen. Jene Lagerung im Allgemeinen und die fossilen Reste 
insbesondere berechtigen jene Schichten als einen Theil der Kreide- 
Formätion, insbesondere als Äquivalent des Grünsandes zu betrachten. — 
Nach des Verfs. Ansicht bestund der Jura Anfangs aus mehreren paral- 
lelen niedrigen. gewölbten Ketten, welche durch eindringende Meeres- 
Arme getrennt wurden, aus denen sich dieses Kreide-Gebilde mit seinen 
Fossil - Resten absetzte.. Am Ende der Sekundär - Epoche wurde ein 
Theil dieser Küsten-Strecken emporgehoben , ein anderer weit grösserer 
sank tiefer ein und wurde von Molasse bedeckt. Darauf stieg der 
ganze Jura mächtig empor, die meisten jener Thäler wurden Höhen- 
Tbäler, die Schichten richteten sich auf, die Berge barsten, tiefe 
Schluchten entstunden und waren von steilen Abstürzen eingefasst.. Als 
endlich die Alpenkette emporgehoben wurde, erfuhr der Jura neue Er- 
schütterungen und Zerreissungen; er wurde von Alpengesteins-Blöcken 
bedeckt, wovon zwar die meisten an dessen südwestlichem Fusse liegen 
blieben, aber manche bis in die Hochthäler und sogar über die ganze 
Kette hinweggeführt wurden. — Der Verfasser gibt folgende Liste 
von Versteinerungen aus den oben bezeichneten Gliedern dieses Kreide- 
Gebildes *): 

bc de 
?Ichthyosaurus-Wirbel von Cote-aux-Fees u. Hauterive b 
Eyrnodus.n. 87, Zühne: uud. 0 A ee c 
Acrodus sp. indet., ein Zahn, CouLon : 2 2 2 2... 
Hybodus sp. ind., ein Zahn zu Hauterve. . . 2»... b 


*) Vgl. Vortz im Jahrb, 1835, $. 62, und Merıan im Jahrb, 1835, S. 58. 
Jahrgang 1836. 6 


r 


re N 5 
Ma gi var . 
Lamn a sp. ind. , Zähne wer ae et wer. 
Hamites sp. ind., ein rundes Bruchstück zu Cressier . . 
Scaphites obliquus Sow. einige Indiv. zu Hauterive . 


Nautilus simplex Sow. (Bour@urr fig. 311) ziemlich 


häufig nd . [ . . . . ® . . . . . . ® [ 


Ammonites asper Mer. (Bourne. 278, ası.last) sehr 


veramgeriphn. ie RT N 
Am. sp. ind. (asper v. Buc#, doch mit schneller zuneh- 
menden Umgängen, Bovure. 311, 312) . . 2 2. . 

Ami sp. ind. (Bourne. 267). » x 2 2... le ni 
Am. sp. ind. ( „ 267), ein Macrocephale, bei Neucha- 


‚tel, ö Valengin etc. » % . [ . . ® . ® [ . [ . 


Belemnites sp. indet., ein elliptisch zusammengedrücktes 
Bruchstücke asiiite tm teile nam hne . er 2 8 0.» 
Trochus gurgitis Bren. . 2» 2er ee nenne 


”  ?Rhodani Bacn., Kerne häufig. 1 00 ven 
a sp. ind., wie an der Montagne de Fis. .. » 
Mya plicata Ah - 
®Lutraria gurgites Been. | ie kin 


Pholadomya sp. ind. (Bourc. 145) feiner gestreift, dicker 
als Ph. aequalis: Sow „.i 4. wlan era 
Ph. sp. ind., kürzer, weniger schief gestreift, nicht gemein 
Eh. a. ud. (Bonung, 153), „late o hetfedt rulliavnel e Im 
Venus transversa Sow., Kerne, häufg : . . ».. 
Cardium sp. ind. (Bourne. 108, 111, 112) Kern . . . . 
Guculldea, sh.. ind... Kerne... 4,0005» elle nl 
Trigonia alaeformis Sow., sehr gemein » 2...“ 
> sp. ind: desbh in. “ulaise she aniare ne 
Piuna sp. ind., längs gestreift . » 2 2 2 200 2 0. 
» ..5p. ind, die Schaale 3'’— 4" dik . 2 2...» 
Perna sp. ind., Oberklappe runzelig längs gestreift, die 


Pa 2, sr. ce ge Ba .. 
-Pecten 5costatus Sow. zu Goryier, TIER 7% PT 
® eretosus Derr., ziemlich selten . . 2» 2.» 
Pi ?Porbicularis Sow., Ken . .. x. 2 2. 200.» 
Exogyra aquila (Bourg. 85, 89 etc., verkehrt gezeichnet) 
laevigata Sow. (Varietät der vorigen?) . » 


Terebratula biplicata Sow. (Boursc. 195?) sehr 
NEUEN. REN U SER 
Ter. depressa Sow, (Bourne. 181) desgl.. » « » . » 
BEN EERIESOw. u. un u, 0 Be nn ar 


> 


= 


oo 


voerr 


b 
d 
c 
ce d 
d 


*) Wir setzen den Buch staben d in allen Fällen, we die Schiehten des gelben Kalkes 


über den Mergeln nicht näher bezeichnet sind. 


DR. 


> 


2 ne 


bede 
Serpula heliciformis Gorpr. (von ihm unrecht in Jura- 
kalk zitirt, Bourg. 318, 319) zu St. Blaise . » . 0. d 
Serp. ?socialis Gor»r. (Bounc. 326, 327) » 2... e 
» sp. indet., kürzer, gewuudener, anders gruppirt, als 
BEIBCEARSEN Wa WENah un 0 ll er Dur a il N 4 d 


' Spatangus retusus *) Parxr. Goupr. (wie bei Serpula) 


zu St. Blaise (BOuURß..328—330) . . +. ve iR. ah 


Nucleolites sp. ind. zu Hauterive, Neuchatel . . . . e 
1 lacunosa Goupr. (Bourg. 331, 332) selten b 
Galerites ?depressus Lmk. (doch die Stachelwarzen 
scheinen etwas grösser und anders gestellt. — Bourc. 
334, 335) zu Hauterive, selten. . . Er 


Clypeaster sp. ind. (ähnlich C. Linkii, üben decke After 
gegenüber flach gedrückt und die Fühlergänge anders 
gestaltet; Bourc. 352); zu Chatillon, Vauwxseyon, 
Hauterive und an der Brevine . . 2 2 2 2 0% d 

Cidarites sp. ind. (Bourec. '345, 346) Stachelwarzen klei- 
ner, als bei allen GoLpruss’schen Arten, sehr gemein b 

Cid. vesiculosus Gor»r. Stacheln sehr gemein . . » d 

Asterias quinqueloba Goror. Randtäfelchen sehr gem. b 

Ceriopora cryptopora GouDFr. . . © 2 2 2 2.2. b 


III. Petrefaktenkunde. 


J. pe CueistoL: Vergleichung der gleichzeitigen Säug«- 


 thier-Bevölkerung in den zwei tertiärenBecken des Herault- 


Depts. (Ann. d. scienc. nat. 1835, B, V, 193 — 238, Tf. VI und VII). 
Die zwei Becken sind jene von Pezenas und von Montpellier; ihre 


v "hier anzuführenden Schichten ruhen auf der Süd-Französischen Muschel- 


Molasse, sind Äquivalente des obern Meeres - Sandsteins des Pariser- 
Beckens; in erstrem aus oft aufgerichteten und gewundenen Wechsel- 
lagern von Süsswasserkalk, Psammit, Peperino, vulikanischen Tuffen 
und Breccien , Sand und Kies bestehend, in welchen die Knochen den 
Schichten parallel, überrindet und mit keinen andern Seethier - Resten 


' als mit einigen Austern und Lamantin - Gebeinen vergesellschaftet sind ; 


im letztern erscheinen bloss horizontale Quarz- und Kalk-Sandschichten, 
welche auch viele See-Muscheln, Austern und Kerne von Dimyariern 


*) Eine ebenfalls mitzutheilende Abhandlung von Agassız in diesen Memoiren gibt 
eine vollständigere und berichtigte Übersicht der Echinodermen dieser Schichten, 
' D.R, 


6* 


Bi ee 


enthalten, und Balanus miser findet sich oft auf den Knochen ein. 
Die Schichten von Pezenas hatte Brongnurrt (tableau des terrains) 
irrig den Knochen - Breccien beigerechnet. Doch sind sie keine Wh 
Ausfüllung: ein ganzes Thal hat sich in ihnen ausgehöhlt. 
% 
I. Fossile Knochen des Beckens von Pezenas. 


A. Pachydermen. 


1. Elephas: die Art ähnlich der gemeinen von Cuvıra beschrie- 
benen mit langen Alveolen, doch grösser und, wie es scheint, sich der 
Varietät E. meridionalis Nestr’s anschliessend, die man in Italien 
und Auvergne findet. Man hat Backenzähne , Schädel-Theile, Schulter- 
blatt, Humerus, Femur, Tibia, Astragalus, Wirbel u. s. w. Die Leisten 
der Backenzahn- Trümmer sind sehr dick, bis zu 0m,082 (an der leben- 
den Art 0m,06 bis 0,07); der Abstand zwischen den äusseren Rändern 
der beiden Condyli des Schenkelbeins ist 0m,285; der entsprechende 
Queermesser am oberen Kopfe einer Tibia 0m,215 ! 

2. Hippopotamus-Reste, von der Art H. major Cuv., sind 
minder häufig als vorige: ein Schädel ohne die Gesichts - Knochen, ein 
oberer und ein unterer Eckzahn, eine Unterkiefer - Hälfte mit mehreren 
Backenzähnen, ein oberes Humerus - Ende, ein Schulterblatt, ein Brust- 
Wirbel u. s. w. Der Schädel hat 

Höhe am Hinterhaupt . . . : . . . 0m,22 

Geringsten Queermesser hinter den Augenhöhlen . 0m,12 

Abstand des oberen Randes des Hinterhaupt - Loches 

von der Spitze des Hinterhaupts . . . : 0m,19 

Abstand der innern Ränder beider Condyli \ F 0m,09 

Die Hinterhauptfläche ist gerade, ohne die mittle Vertiefung, das 
- Hinterhaupt höher, die abschüssige vordere Fläche steiler, als an der 
lebenden Art. — — Der obere Eckzahn vorn mit einer Längenrinne, 
welche dem der lebenden Art fehlt, und sonst in noch mehreren Charak- 
teren abweichend, insbesondere die hintere Rinne seichter und in ihrem 
Grunde minder eckig, die ebenfalls kanellirte Seitenfläche ebener. 

3. Equus: Fuss-Röhren, Schulterblätter, Femur, Tibia, von denen 
des gemeinen Pferdes nicht verschieden. 


B. Ruminanten. 


4. Cervus Alces. Man hat zwar viele Knochen von Hirschen 
dieser Grösse, Wirbel, Schulterblätter, Oberarm- und Oberschenkel- 
Beine, Tibien u. s. w., welche aber bei dieser und den zwei folgenden 
Arten fast gleiche Grösse haben, und keine spezifischen Charaktere dar- 
bieten. Dagegen gehören ein Schädel und drei Bruchstücke vom untern 
Theile des Geweihes sicher dieser Art an; zu welcher alle bekannt ge- 
wordenen Reste bisher nur mit Zweifel bezogen werden konnten. Der 
Schädel ist bis auf die Gesichtsknochen vollständig (Tf. VI, Fg. 1), und 
fällt vor Allem sogleich kenntlich auf: durch die Konkavität der Basis 


Er , 


und das rasche Ansteigen des obern Theiles der Stirne, etwa wie beim 
Höblenbären , doch sind hier, statt zweier Stirnböcker, zwei Vertiefun- 
gen vorhanden, welche durch eine Längen - Leiste getrennt und nach 
vorn durch eine hohe Schlangen-förmige Queerleiste in der ganzen Breite 
der Stirn begrenzt sind; — durch die horizontale Richtung der nach 
aussen stehenden und den Augenhöhlen sehr genäherten Rosenstöcke 
(worauf die Geweihe sitzen), welche zwischen sich ein gerundetes 
Queerjoch auf dem Schädel bilden, der vor demselben abschüssig, hinter 
demselben horizontal ist; — durch den schiefen Verlauf der Parieto- - 
Interparietal- Naht. Die so charakteristischen kurzen Nasenbeine des 
Elenns sind jedoch abgebrochen. Dieser Schädel hatte einem jungen 
Individuum angehört, wesshalb die Nähte deutlich, aber die Anheftungs- 
weise der Muskelu unvollkommen erscheinen. Einige weitere von den 
Nähten u. s. w. entnommene Charaktere können wir ohne Zeichnung 
nicht verständlich genug wiedergeben. Die Ausmessungen ergaben 
Grösste Breite des Hinterhaupt-Beines . 4 h 0m,150 
Abstand des oberen Randes des Hiuterhauptloches von 
dem Scheitel der Hinterhauptleiste . ; . 0,070 


Abstand zwischen den äussern Rändern der Condyli 0m,095 
Scheitelmesser des Hirnkastens { b . d 0m,120 
Queermesser ,, I “ . ; . om,110 
Durchmesser der Rosenstöcke . ; : i / 0,060 


Unter allen Hirsch-Geweihen ist das des lebenden Elenns 
(Tf. VII. Fg. 1) am merkwürdigsten und am kenntlichsten durch seine 
Verfiächung und durch die Hinwegrückung des Augsprossens vom Ro- 
senstock aufwärts zur Schaufel, mit welcher er zu verschmelzen pflegt. 
Diese beiden Merkmale erkennt man auch an den fossilen Geweihen, 
wenn sie gleich nur Bruchstücke sind. Das eine derselben (Taf. VI, 


. FEg. 5), ein von der Basis an nur sechs Zoll langes Fragment, ist den- 


noch lang genug um den Anfang der Schaufel und den Mangel eines 
tieferstehenden Augsprossens erkennen zu lassen. Die Oberfläche hat 


‚ micht, wie beim Edel-Hirsche, tiefe Furchen; die Krone ist 23° dick, 


und das gauze Bruchstück dem entsprechenden Theile am lebenden 
Elenn ganz ähnlich. Ein zweites Bruchstück (Tf. VI, Fg. 6) ist fast 
eben so lang, und beginnt oben ebenfalls sich zur Schaufel zu verflä- 
chen (mit welcher der Augsprossen verschmolzen war), obschon es seine 
Länge einem unten noch ansitzenden Theile des Rosenstocks verdankt. 
Ein drittes dem ersten äbnliches (Tf. VII, Fg. 2), welches jedoch nicht 
aus diesem Gebirgs-Becken, sondern von der Montagne noire bei Castel- 
naudary stammt, zeigt die schaufelförmige Ausbreitung noclı deutlicher. 

5. Cervus tarandus fossilis Cuv. Schon Cuwvıer hatte be- 
zweifelt, ob die von ihm dieser Art zugeschriebenen Geweih - Reste 
wirklich der lebenden Rennthier-Art angehören. Der Verf. glaubt, dass 
an einigen derselben die Augsprossen zu hoch für diese letzte Art 
stehen, und findet, dass die Eckzähne und deren Alveoleu gänzlich man- 
geln. Auch scheinen ihm die Zwischenkieferbeine oben an die Nasenbeine 


= u 


anzustossen, was ein dieser fossilen Art eigener Charakter wäre. Seine 
Untersuchungen erstrecken sich auf einen sehr zerdrückten Schädel, 
woran die Backenzähne noch wenig abgenutzt gewesen; und auf einige 
Geweih- Stücke. Der Schädel (Taf. VII, Fig. 3) entspricht durch die 
Gesammtheit seiner Charaktere nur dem des Rennthieres, insbesondere 
‘durch seine oben sehr flach gewölbte niedrige und langgestreckte Form, 
das gerade Queer - Profil zwischen den Rosenstöcken, die Tiefe und 
Überwölbung der Thränengruben , die Kleinheit des leeren Raumes vor 
denselben. Am ähnlichsten ist er überdiess dem der folgenden Art, des- 


sen Rosenstöcke jedoch den’ Augenhöhlen näher, dessen Queermesser , 


grösser, dessen Stirne mit einer Längenleiste versehen, dessen Augen- 
bogen - Löcher dreimal so weit und dessen Schnautze kürzer sind. Die 
verglichenen Ausmessungen ergeben: R 
C. euryce- C.tarand. 


ros. foss. 

Von der Oceipital- Leiste bis zum freien Zwi- 
schenkiefer-Band 2 02002000..9510 0,450 
Abstand zwischen den Suborbital-Löchern . » 0,115 0,085 
Länge der Backenzahn-Reibe . . - . 0,146 0,115 
Abstand zwischen den Rändern der Condyli : 0,110 0,080 
Breite des Hinterhaupts i . . . . 0,200 0,130 


Die Geweih-Reste sind häufig, und zwar unvollständig, aber durch 
ihre Grösse und an ihren wenigen, entfernt stehenden seichten Fur- 
chen kenntlich. An keinem derselben war der untere Theil der Stange 
vollständig und deutlich. Nur an einem besser erhaltenen Bruchstücke 
schien unmittelbar über der Krone der Augsprossen abgebrochen, war 
die Basis der Stange dreikantig und unmittelbar über der 0M,065 dicken 
Krone sehr zusammengedrückt. Nach andern Bruchstücken zu urtheilen, 
war die Stange weiter hinauf prismatisch, und besass eine lange schmale 
Schaufel mit verbogenen und selbst wieder schaufelförmigen Enden 
(T£f. VI, Fg. 7, 8), wie bei der lebenden Art. 


6. Cervus Euryceros. Resour besitzt einen wohl erhaltenen 
Schädel dieser Art, wie ihn Cuvızr (1V, Tf. VI, Fg. 9) beschreibt: mit 
dem von vorn nach hinten gehenden, untern Theile einer Stange, brei- 
ter Stirne u. s. w. Die Bruchstücke der Geweihstange sind zylindrisch, 
nicht flach oder ‚prismatisch, wie bei voriger Art, tief und dicht ge- 
furcht (Tf. VIL, Fg. 4). Das Zusammenvorkommen dieser Art mit dem 
ausgestorbenen Elephanten ist hiedurch ausser Zweifel gesetzt, da am 
Canal d’Ourcg die Identität der Schichten, welche beiderlei Reste ent- 
hielten, keineswegs herausgestellt werden kann. 

7. Cerphus Elaphus oder eine ähnliche Art hat zwei tief ge- 
furchte runde Geweih-Bruchstücke hinterlassen, an deren einem der Aug- 
sprossen unmittelbar über der Krone entspringt. 

«8. Bos. Davon rühren ein hinterer Backenzahn des Unterkiefers 
und ein Horn-Zapfen her, von der Grösse wie beim Haus-Ochsen. 


I u FE 


‚87 


x C. 'Cetaceen. | 
2. Monatus. Dazu einge einige Rippen-Trümmer, innen ohne 
schwammiges Gefüge, kurz, abgerollt und daher vielleicht nicht aus die- 
ser; ‚sondern ursprünglich aus einer tiefer gelegenen Schichte, obschon 
Seethier - Reste diesem Becken nicht gänzlich fremd sind; wie, denn der 
‚Verf. selbst eine Auster in derselben Stelle zusammen mit einem Hip- 


popotamus- und einem Hirsch-Gebeine gefunden hat. 

Die Bestimmung der Reste in nachfolgender Tabelle sind gänzlich 
das Werk des Verfs., mit Ausnahme von 4—5 schon von MARCEL DE 
SErRES und Cuviıer angegebenen Geschlechtern, 


® 11. 


Fossile Wirbelthiere. 


in den, dem obern Meeressande parallelen Schichten der Becken 


von Pezenas , 


Säugethiere. 


1. Elephas*): 
gemein. 
2. Hippopotamus major: gemein. 


grosse Form, sehr 


3. Equus: zwei Arten oder Rassen, selten. 


4. Bos : Art unbestimmt, selten. 
5. Cervus ?Elaphus: selten, 


6. — Alces: gemein. 
1.1 Tarandus: sehr gemein. 
8 — Eurycerus: gemein. 


von Montpellier. 


1. Elephas: kleinere Form, sehr selten 
(ein Stoss- und ein Backen-Zahn). 

2. Hippopotamus: einmal zu Co- 
nnelle, Cuv., doch die Schichte zweifelhaft. 


3. Mastodon angustidens: gemein. 

4, Rhinoceros tichorhi- 
nus: (zumal ein Schädel bei 
Cuv. t. IV, addit.), 

5. Rlı. leptorhinus Car. 

Vielleicht noch eine dritte Art. 

6. Tapir:: selten, 

7. Palaeotherium : sehr selten, 

8. Lophiodon: sehr selten, 

9. Hipparion: Knochen sehr selten, ge- 
rollt, 

10. Sus: selten, 

11. Bos: Art unbestimmt, sehr En N 

12. Cervus ?Elaphus: sehr selten, 


sehr 
gemein, 


13. — Capreolus Cauvierii CHr., 
von der Grösse unseres Rehbockes ; gemein. 

14. — Capreolus Tolozani Cnr., 
kleiner ; gemein, 

15. Antilope Cordierii: 
wie das Elenn;, gemein. 

16. Felis ?, grösser als der Serval; selten. 

17. — „sehr klein; selten. 

1S. Hyaena: von der Grösse des H, ra- 
diata; sehr selten, ' 

19. Ursus ?, ? H 


gross, 


*) Die Namen der durch die Häufigkeit ihrer Reste für jedes Becken bezeichnenden’ 
Geschlechter und Arten sind mit gesperrter Schrift gedruckt. - 


gr & 


von Pezenas, von Montpellier. 
a y Säugethiere. re 
9. Manatus, ?ob aus diesen Schichten ? 20. Manatus: Knochen ich ren 
‚im Sande noch oft aneinandergelenkt lie- 
“m, ‚gend, fast in ganzen Skele: ® ” 
© 4. Halicore Cuviepih Cm! Hip- 
popotamus medius Cuv.) gemein. & 
22. Delphinus mit langer Symphyee; ä 
selten. 
23. Balaena: gemein. 
24. Physeter: sehr gemein, zumal 
die kegelförmigen, gebogenen Zähne, 
25. Balaenoptera (musculus ’?) sehr selten. 


‚ 
° “ 


Aves. “ 
© %. Palmipede, grosse Art, u. e. a. 
Vögel. ur” 
Reptilien. 


27. Crocodilus : sehr selten. 

28. Trionyx Aegyptiacus CnR.: 
Äusserst gemein. 

29. Chelonia: sehr gemein. 


30. Emys: gemein. 
31. Testudo: gemein. 


Pisces. 
32. Squalus: mehrere Arten, eine 
riesenmässig ; im Ganzen sehr gemein, 
33. Raia: zwei unbekannte Arten, wo- 
von eine sehr gross ; sehr gemein. 
34. Dorade: sehr gemein, 


Beide Becken haben daher aus gleicher Vorzeit nur 6 von 30 Ge- 
nera gemeinsam aufzuweisen, worunter zwei noch zweifelhaft, bei den 
übrigen die Häufigkeit der Reste in gegensätzlichem Verhältnisse und 
die Identität der Arten fraglich, nur bei Cervus dieReste gleich häufig, 
aber die Arten bestimmt verschieden sind. 


Von Rhinoceros tichorhinus besitzt Cur. einen wohl erhalte- 
nen Unterkiefer mit seinen noch wenig abgenutzten Backenzähnen und 
den 4 Alveolen für die Schneidezähne, welche Camrer und Cuvier ge- 
läugnet, Pırras aber schon angegeben hatte. 


Von Rh. leptorhinus besitzt der Verf. einen ganzen Schädel, den 
einzigen in Frankreich, und selbst in ganz Europa. Denn der Ital. 
Schädel, von welchem ‚als zu den Zähnen dieser Art gehörig 
eine Abbildung mittheilt, ist nach einem andern Bilde, welches der Verf. 
vom Prof. GEnE von Turin erhalten, in der Weise beschädigt, dass das 
Vordertheil der Nasenbeine und die Nasen - Scheidewand weggebro- 
chen sind, so dass dieser Schädel zum Rh. tichorhinus gehört und 
eine leptorhine Art (ohne ursprüngliche knöcherne Scheidewand der Nase) 
wohl gar nicht existirt. Die drei vordern Ersatz- Backenzähne unterscheiden 
sich daran von den-Milchzähnen durch einen breiten flache n Halskragen 


© 
Pr . % rn 


A . rs 


- SI — 


an der innern Basis, und beide von denen der vorigen Art durch nur 


+ zwei Vertiefungen statt dreien in der Mitte des Zahnes, indem der Ast 


des hinteren Queerjoches nicht bis zur Verbindung mit dem vorderen’ 


» fortsetzt, wie Cuvıer wohl schon angedeutet hatte. 


"Die beiden Reh-Arten, einer Auvergner fossilen Art sehr nahe ste- 
hend, haben dreizackige Geweihe und den Augsprossen sehr hoch über 
der Krone. Ihre Knochen bleiben in der Grösse beständig verschie- 
den; findet man welche von mittlen Dimensionen > 50 sind sie jung 
mit noch nicht verwachsenen Epiphysen. 

Von Antilope Cordierii — welches Geschlecht hier zum ersten 
Male unzweifelhaft fossil erscheint, — besitzt Car. einen Schädel mit 
den Knochenzapfen der Hörner, welche innen dicht, prismatisch, wenig 
gebogen, fast senkrecht und über 1° lang sind. 

Von Schildkröten findet man zuweilen ganze Panzer; zwei 


‚derselben unterscheiden sich in nichts von denen des Trionyx Aegyp- 


tiacus: sie haben am Bauchpanzer dieselbe Zahl und Form der 
Zacken u. s. w. 

Hipparion ist ein neues Einhufer - Geschlecht des Vfs., welches 
dem Pferde nahe steht, Thiere von kleinerem Schlage enthält, und von 
dessen Gebeinen er (1831) eine so grosse Menge bei Cucuron an der 
Durance oberhalb ihrer Einmündung in die Rhone gefunden, dass er 
daraus auf eine sehr gesellige Lebensweise dieser Thiere schliesst. Er 
will eine besondere Abhandlung über dieses Genus geben. 


II. Allgemeine Betrachtungen. 


Diese Sonderung der Arten in verschiedenen Becken ist der Ansicht 
derjenigen Geologen wenig günstig, welche solche aus entfernten Welt- 
Gegenden durch das Meer herbeiflössen lassen. Vielleicht aber darf 
man die zwei erwähnten Becken als die Delta’s zweier alten Flüsse 
betrachten, welche die Reste der Bewohner ihrer beiderseitigen grossen 
Flussgebiete mit sich zum Meere geführt und dort mit den Auswürfen 


des Meeres vermengt abgesetzt haben, wo sich dann die Verschieden- 


artigkeit der organischen Reste in beiden gleichalten Becken leicht er- 
klären würde. Das Becken von Montpellier mag dem Delta der Rhone 
entsprechen, längs deren Laufe die aus gleicher Zeit stammenden Fossil- 
Reste zu diesem Behufe noch genauer zu untersuchen wären. Dieser 
schon, früher gefassten Ansicht ist eine im J..1831 gemachte Beobach- 
tung "besonders günstig, wo der Verf. nämlich im Durance - Thal jene 
vielen Überbleibsel von Hipparion, von denen man noch zur Zeit 
wenigstens keinen andern Fundort kennt, in Gesellschaft zahlreicher 
Gebeine von Schafen, Ochsen, Schweinen und Nashornen in einem Gebirge 
‚entdeckte, das er für gleich alt mit den Schichten im Becken von Mont- 


pellier hält, worin die abgerollte Fussröhre desselben Geschlechtes 


(canon) vorgekommen ist. — Schwieriger ist es, den; Fluss zu finden, 
dessen Delta das Becken von Pezenas entspräche., Spätere, Gebirgs- 
Hebungen mögen ihn nach andern Richtungen geleitet und selbst die 


Da en 


® deutliche‘ Spur seines früheren Rinnsales verwischt ‚haben. Doch das 
dritte der oben erwähnten Elenn- Geweihe weiset nach der Montagne » 
mnoire bei Castelnaudary am Fusse der Pyrenäen hin, wo ein ähnliches 
Geschiebe-Land und fossile Knochen mit ganz ähnlichem ‚äusserem An-* 
sehen gefunden werden, wie zu Pezenas. — Der fast gänzliehe Mangel 
aller Seethier-Reste an diesem letzteren Orte scheint ferner anzudeuten, 
dass das Delta unmittelbar an der Flussmündung in einer Bucht, viel- 
leicht selbst in einem vom Meere abgeschnittenen Etang gebildet wor- 
den, während die Rhone das ihrige weit ins offene Meer hinausgeschoben 
hätte, wo die vielen Seethier- Reste mithin leicht dazwischen abgelagert 
werden konnten. — Beide Becken enthalten übrigens Reste von ausge- 
storbenen Arten, deren nächsten Verwandten nun in heissen Zonen 
leben. Wahrscheinlich sind jene in Folge einer Temperatur-Verminderung 
untergegangen , denn, wenn auch Elephanten und Nashorne einst viel- 
leicht einem kälteren Klima gewachsen waren, als jetzt, so ist doch 
nicht abzusehen, wie das Flusspferd und Trionyx Aegyptiacus 
hätten in Flüssen leben können, die sich im Winter mit Eis bedecken.. 

W. Bucktanp: Notiz über ein neu entdecktes Riesen- 
Reptil (Lond. a. Edinb. philos. Magaz. 1835; VII, 327—328). Die 
Reste dieses Thieres sind in einer Thonschichte unmittelbar über dem 
Corubrash bei Buckingham entdeckt worden. Das Haupt - Stück davon 
ist das Wirbelbein von einem Reptile grösser als von Iguanodon. 
Es misst 6°‘ in die Länge und 6° an den Gelenkflächen in die 
Queere. Beide Gelenkflächen sind etwas konvex, unten schmäler, oben 
eingedrückt, um den Rückenmark - Kanal zu bilden. In seiner Mitte 
ist der Wirbelkörper mehr zusammengedrückt, und seine Queerfortsätze 
sind zu einem kleinen Höcker auf jeder Seite reduzirt; unten an seinen 
Gelenkflächen sihd grosse schiefe Ansatz - Stellen für ein Gabelbein 
(unteren Dornenfortsatz). Die Form ist sehr abweichend von der fast. 
quadratischen Gestalt der Schwanzwirbel des Iguanodon, und der 
untere Theil des Wirbelkörpers hat keine Durchbohrung gleich denen 
des Plesiosaurus. — Andere Knochen von £ntsprechender Grösse, 
wahrscheinlich von nämlichen Genus, sind zu Bradwell, wenige Mei- 
len N.W. von Buckingham, in der Fortsetzung der nämlichen Formation 
entdeckt worden. 


Professor Rarınzsqug in Philadelphia hat in Nord- Amerika von 
Missouri bis zum Atlantischen Ozean 125 Arten fossiler Pflanzen ge- 
sammelt, die er systematisch benannt, im Tausche ausbietet ‚gegen 
andere mit richtig angegebenen Lagerungs-Verhältnissen. » 

REN RT | | a 

ar 


Fon N 


Av. Kuspstein u. J. J. Kaue: Beschreibung und Abbildun- 
gen von dem in Rhein- Hessen aufgefundenen kolossalen 
Schädel des Dinotherii gigantei, mit geognostischen Mit- 
theilungen über die Knochen-führenden Bildungen des 
Mittelrheinischen Tertiär-Beckens (Darmstadt 1836, 38 pp-, 4° und 
ein Atlas von 4 Tafeln in Fol.). 

Diese Schrift wird zugleich Deutsch und Französisch ausgegeben, 

letztre Ausgabe zugleich als Supplementheft zu Kaup’s „ossemens fos- 
sils“ bestimmt. Zwei Tafeln mit geognostischen Durchschnitten und 
Profilen und zwei Karten sollen baldigst nachfolgen. 
+ L Geognostischer Theil (32 SS.) die neptunischen Bildungen 
Rheinhessens, welche im Allgemeinen in gleicher Ordnung, wie sie hier 
genannt werden, von Osten nach Westen, von den Gebirgshöhen gegen 
das Rhein-Ufer hinab aufeinanderfolgen, jedoch bei Nierstein dem Rheine 
schon mit dem zweiten Gliede ganz nahe rücken, sind Jüngere Grau- 
wacke, Bunter Sandstein, Grobkalk und Tertiär - Sand, welche dem mit- 
teln und obern Pariser Grobkalke entsprechen, und Schwemmland. 
Über einzelne kleine Flächen verbreitet dringen plutonische Bildungen, 
rothe Porphyre am ‚Nahe - Thale, Augit-Porphyre bei Weinheim u. s. W. 
empor. Da die Karte dem Werkchen noch nicht beigegeben ist, hält 
es zu schwer sich von der Horizontal - Erstreckung dieser Gebilde eine 
klare Vorstellung zu machen, als dass wir dabei länger verweilen 
dürften. 

Der Grobkalk zerfällt in eine untere und eine obere Abtheilung- 
Erste ‚geht längs der Westgrenze desselben an ältern Formationen zu 
Tage (Weinheim, Alzey, Flonheim bis Kreutznach), besteht hauptsächlich 
aus marinem Sand, Konglomeraten und kalkigen Sandsteinen, führt 
Bruchstücke und Körnchen von rothem und schwarzem Porphyr und von Quarz 
aus den Nachbargegenden, und enthält Squalus- und Cetaceen-Reste 
und viele Seekouchylien von Arten, welche die mittlen Grobkalkbänke 
des Pariser Beckens charakterisiren, insbesondere: Pectunculus pul- 
vinatus, Arca pectunculata und venericardens [?], Myaci- 
tes affinis, Ostreafossula und hippopus, Voluta marginella, 
Perna maxillata etc. Hier zeigen sich keine Spuren von Landthie- 
ren. — Die obre Grobkalk-Abtheilung ist weit verbreiteter, insbesondere 
zwischen Maynz, Ingelheim und Alzey; sie besteht zu unterst aus 
plastischem Mergelthon — wohl einem Äquivalent des plastischen oder 
Braunkohlen-Thones — mit einzelnen Kalkmergel- und Kalkstein-Bänken, 
welche letzten, während der erste verschwindet, nach oben allmählich 
immer mehr überhand nehwen und am Rande des Beckens viele Land- 
und Süsswasser - Konchylien aus den Geschlechtern Helix, Palu- 
dina, Litorina[?], auch Cypris aufnehmen, während sie ander- 
wärts Quadrupeden-Reste und See -Konchylien, denen der oberen 
Pariser Grobkalk-Abtheilung entsprechend (S. 23), insbesondere Ceri- 
thium margaritaceum, C. plicatum, C. cinctum, Cytherea 
laevigata, Donax incompleta, Mytilus Faujasii, M. Brardii, 


en 


Cyprina islandicoides, Ostrea edulina, Perna, Mya, Nerita, 
Murex, Fusus, Trochus, Cardium etc. enthalten. — Der tertiäre 
Sand und Sandstein darüber — wohl ein Äquivalent des Pariser Gyp- 
ses (S. 22) — ist bald grell von vorigem abgeschnitten, bald geht der 
Grobkalk allmählich in ihn über. Zu unterst besteht er aus Kies und. 
Gerölle mit oder ohne Sand, nach oben erscheint er nur mit feinerm 
Korn. In diesem Sande, zumal in den Kies - und Geröll- Lagen ist es, 
wo die vielen Knochen von etwa 30 Landsäugethier. - Arten vorkommen, 
welche Kaur schon grösstentheils beschrieben hat, wie man sich aus 
unserer Anzeige von dessen „Ossemens fossiles“ erinnern wird. Nie 
kommen Seethier- Reste damit vor. Einen allmählichen Übergang des 
Grobkalkes durch Mergel in jenes Gerölle, Sand und Sandstein. beob- 
achtet man zu Oppenheim, wo Mergel, Gerölle und Sand Knochen ver- 
schiedener Quadrupeden geliefert haben : diese Bildung zeigt dort 4/—20° 
und mehr Mächtigkeit. Auch unweit davon, am Rost bei Guntersblum, er- 
scheint sie unter ähnlichen Verhältnissen auf dem Grobkalk - Plateau 
.12’—14’ mächtig, aber mehr zu Sandstein gebunden. Zu Findheim, 14 
Stunden S.W. von Maynz liegt der Sand oder Sandstein in einer Mäch- 
tigkeit von 12°—16’ über dem Grobkalk , durch eine Auflagerungsfläche 
zwar scharf von ihm abgeschnitten, doch in seinem unteren Theile noch 
von Mergelstreifen durchzogen; er enthält bier kaum einige Spuren 
von Knochen, welche sich dagegen reichlich in dem Grobkalke darunter 
einfinden, der ganz mit Süsswasser-Konchylien, Paludinuen *), in Gesell- 
schaft sehr weniger Seekonchylien, tiefer hinab mit Mytilus Brardii, an- 
gefüllt ist, worunter noch ein gelblichweisser Knochen-führender Kalk- 
stein folgt. Das mächtigste Vorkommen dieser Sand-Bildung ist endlich 
jenes zu Eppelsheim bei Alzey, woselbst in dem bis in den blauen 
Mergelthon des oberen Grobkalks eingeschnittenen Thälchen der See- 
bach, welche 1 Stündchen tiefer bei Guntersheim in die Rhein - Ebene 
hinaustritt, sich der Knochen - führende Sand in Mulden und Becken- 
fürmigen Erweitungen abgesetzt hat, aber meistens von Diluvial- Lehm 
bedeckt wird uud stellenweise Bohnerz - Lager einzuschliessen scheint. 
Kı. folgert aus dieser Erscheinung, dass, während am Rande des Beckens 
in ©. und N. sich die jüngeren Grobkalkschichten noch. absetzten, die 
Mitte desselben sich schon aus dem Salz-See des Rhein- Beckens erho- 
ben hatte und ihr Boden bereits manchen Veränderungen unterlag, indem 
er sich in eine Gruppe von Süsswasser-See’n 80’—100’ über der Thalsohle 
'umgestaltete, deren einer sich eben zu Eppelsheim befand, welcher dann 
von dem grossen See durch das Thälchen von G@untersheim herauf, mithin 
aus 8.0. Richtung, mit dem Knochen - führenden Sande erfüllt worden 
seye, dessen Mächtigkeit nun eben wegen der Unebenheit der Grund- 
fläche im nämlichen Becken von 2’—30°’ wechselt. Unter den. oft durch 
Eisenoxydhydrat gebundenen , untern Geschieben können die meisten 
nur vonin W., N.W. und N. anstehenden Gebirgs-Arten, mithin auf einem 


*)Di ese Paludimen sind aber Salawasser-Bewohner. Br. 


ae WE 


Umwege in das Thälchen gekommen seyn. Die Schichten des Knochen- 
führenden Sand-Gebildes von Eppelsheim erleiden sehr häufige Verwer- 
fungen von 4‘ bis zur Höhe von fast 8°; die Klüfte schneiden oben am 
Diluvial- Lehwe ab; nach unten erreichen sie grösstentheils den Grob- 
kalk nicht, obschon sie wohl durch die ihn in geringer Zahl durchsetzen- 
den, aber stärkeren Klüfte bedingt seyn mögen. Knochenreste, welche 
von den Verwerfungsflächen getroffen werden, sind gewöhnlich durch 
dieselben getheilt und ihre Theile weit auseinander geschoben. Das 
grobe Gerölle ist es, welches die meisten, insbesondere die grossen 
"und schweren Knochen: die schwersten zuweilen etwas in den blauen 
Mergelthon darunter eingedrückt,, meistens mit Thon oder Kalk über- 
rindet und dann besser konservirt enthält; im eisenreichen Gerölle 
dagegen finden sich die Knochen davon befreit und meistens als Ge- 
schiebe; endlich in dem feinen Sande darüber liegen nur kleine, oft 
 abgerollte Knochentheile einzeln inne. Die länglichen Knochentheile 
liegen horizontal mit ihrem grösseren Durchmesser von S.O. nach N.W., 
die Schädeltheile gewöhnlich mit den Zähnen nach oben. Die Knochen, 
insbesondere die grösseren, liegen selten in einiger Anzahl beisammen ; nur 
zur Bestimmung unbrauchbare Trümmer sind zuweilen zusammengehäuft. 
Kopfreste, Unterkiefer - Stücke und Zähne sind die am häufigsten vor- 
kommenden Theile, doch letztre mit Wurzeln sehr selten ; an diese reihen 
sich einige Langlnochen, insbesondere Oberschenkelbeine, auch Becken- 
Stücke; Wirbel sind am seltensten. — Die Ursache, wodurch jene zahlreichen 
Thier-Spezies untergegangen und ihre Gebeine mit Gerölle und Sand aus 
dem Rhein- in das Seebach-Thal hinauf bis Eppelsheim getrieben worden 
seyen, sucht der Verf. in der Emporhebung der Kette der schwäbischen 
Alp in Erıe pe Beaumont’s zehnter Hebungs-Periode nach dem Nieder- 
schlag des Grobkalkes , wodurch mächtige Wassermassen in der Rich- 
tung des Neckar-Thales herab , durch das Rhein-Thal nach dem jensei- 
tigen Gestade getrieben worden seyn müssen. | 

Die diluvialen Anschwemmungen, insbesondere der Löss dieser 
‘Gegenden, können mit voriger Bildung nicht verbunden werden: sie 
enthalten nie Knochen - Reste der in voriger vorkommenden Vierfüsser- 
Arten, so wie die in ihnen findlichen Elephanten- und Ochsen- 
Gebeine nie in vorige hinübergehen. 

I. Zoologischer Theil. Seit den 19 Jahren, da die um 
Eppelsheim gefundenen Knochen zu Tausenden nach Darmstadt abge- 
liefert worden, sind nur 6 mehr oder weniger vollständige Schädel von 
weit kleineren Thieren daselbst vorgekommen, nämlich von Rhinoce- 
ros Schleiermacheri, Acerotherium incisivum, Arcetomys 
primigenia und Spermophilus supereiliosus; daher gerade der _ 
Fund des mächtigen Schädels von Dinotherium, das bisher kaum 
4 anderweitige Knochen geliefert, ganz unerwartet gewesen. Leider 
soll derselbe nicht für die Darmstädter Sammlung zu den‘übrigen Re- 
sten erworben werden [er wird wahrscheinlich nach Paris kommen). 


er 


Derselbe lag verkehrt 18° tief im Knochensand-Gebilde, mit einem Theile 
seiner obern Fläche noch im blauen Mergelthon eingesenkt. Den Zäh- 
nen zu Trotz, welche Cuvıer dem Tapir zugeschrieben, zeigt dieser 
Schädel, wie auch schon aus dem früher bekannt gewordenen Unterkie- 
fer. hervorging, nur wenig Verwandtschaft mit jenem Geschlechte und 
mit andern bekannten Pachydermen, sondern nähert sich im vielen 
Beziehungen den Schädeln der Edentaten-Ordnung. Seine auffallend- 
sten Charaktere sind: eine ungeheure Schläfengrube, deren beträcht- 
liche Tiefe ganz mit dem enormen Schläfen - Muskel zur Bewegung des 
‚kolossalen Unterkiefers erfüllt gewesen seyn muss, — kleine, nach hin- 
ten offene, über den 2 vorderen Backenzähnen gelegene Augenhöhlen, 
 — schwache Jochbeine, — zwei hocbsitzende Gelenkköpfe für den At- 
las, — gänzlicher Mangel der Nasenbeine und kurze Stirnbeine, — um 
einer ungebeuern Grube vorn Raum zu geben, wo die zu einem mäch- 
tigen Rüssel gehenden Muskeln Platz finden konnten, — eine hinter 
den Backenzähnen gelegene schmale hintere Nasenöffnung, — untre 
‚Augenhöhlen - Löcher für. den kolossalen Augennerven unter dem dach- 
förmig vorspringenden Kieferknochen neben den ersten Backenzähnen 
gelegen, — die enorme Breite des Flügel- förmig ausgebreiteten Hinter- 
kopfes, — und eine nur unter 39°—40° an dem Stirnbeine angrenzende 
Hinterhauptfläche, unter einem Winkel wie er, noch etwas stumpfer, nur 
bei den Walen vorkommt, indem er bei den meisten Säugethieren ein 
beinahe rechter zu seyn pflegt. Auf jeder Seite sind 5 Backenzähne, 
deren Reihen sich hinten und vorn nähern, Sie sind zweibügelig, nur 
der mittle oder dritte ist dreihügelig. Die vier Tafeln stellen den Schä- 
del von vier verschiedenen Seiten und die Backenzähne nochmals ins- 
besondere dar. 

Ganze Länge des Kopfes . u e . R . . . 4,0105 
Senkrechte Höhe vom 4. Backenzahn bis zum Rand der Schlä- 


fengrube ale . . 0,450 
Vom Augenhöblen - Rand bis zum hinteanı Rand in; Schläfen- 
grube . P . e - & ’ x . 0,450 


Tiefe der Schläfengrube e ; 5 g E \ d . 0,290 
Rüssel-Grube: vom Rand der Stirnbeine bis zur Spitze des 


Intermaxillarknochens . R i k ö r b ‘ 0,510 
Rüssel-Grube. Grösste Breite derselben . r ; g . 0,440 
EN m Grösste Tiefe . . . . s . 0,150 


Breite der Stirnbeiue an den eingezogenen Rändern der Schlä- 
fengruben . . . . . . i . . . 0,485 
Grösste Breite über den Augenhöhlen i . > 5 le 0,780 
Länge der Stirnbeine bis zur Hinterhaupt-Grähte . } 0,290 
Von der queeren Hinterhaupt - Gräthe bis zwischen die 2 Ge- 
‘lenkköpfe . - . r \ . . R 5 . 0,385 
Grösste ‚Breite des Hinterkopfes . . . s \ 0,921 
Von der kleinen Ohröffnung bis zur Mitte des Keilbeins . R 0,378 


j “ wie ME M 


| Breite, ‚welche die 2 Gelenkköpfe einnehmen u 20538 


Breite des Oberkiefers am 2. Backenzahn BUnE'«, Dual 


' Breite vom 1. Backenzahn bis zum Foramen supraorbitale . ' 0,061 


.. 


Von der Wurzel des 1. Backenzahns bis zur Spitze des Inter- 


oo maxillarbeines . . h N > v R \ . 0,398 
Länge aller 5 Backenzähne DI win . . . 00,453 
I nen Länge Er EHE EL NEE m UL 
Breite hinten . ; f ‘ e ’ n 0,084 


„ ” 
R Re y vorn . . . . . . . 0,087 
1 Mi Länge ; . F . . . . . 0,075 
a! Niliys Breite hinten\t an? 2% IE RN AUSH NAT 
ww FE p vorn . . . . . . . 0,089 
BR - ,; a ee 
N, Breite hinten . . . " - . 0,085 
6 N y vorn . . . . . . . 0,082 
uR, 4 Länge { . SP. . . i . 0,098 
* M Breite histen . . . . . . . 0,092 
% = » vorn . . . . . . . 0,094 
V. = Länge i ö k ‘ ö si - 0,088 
Pr Breiter in au run ern IE 
In 4 p vorn . . . . . . . 0,100 


Der Verf. wiederholt hier seine anderwärts ausgesprochene Ansicht, 
dass das Thier mit seinen Stosszähnen die Erde nach Wurzeln aufge- 
wühlt, mit seinen Rüssel diese zu Munde geführt, auch sich der Stoss- 
zähne zur Fortbewegung mit bedient habe. } 


G. G. Puscn: Polens Paläontologie, oder Abbildung und 


Beschreibung der vorzüglichsten und der noch unbeschrie- 


benen Petrefakten aus den Gebirgs-Formationen in Polen, Vol- 
hynien und den Karpathen,nebsteinigenallgemeinenBeiträgen 


zurPetrefakten-Kundeund einemVersuch zur Vervollständi- 


SungderGeschichtedes Europäischen Auerochsen. ErsteLiefe- 
rung, Bog. 1 — 10, Tafel I—-X (Stuttgart 1836, 4°). Wir haben bis 
jetzt die Polnisch- Karpathischen Fossil-Reste nur sehr unvollständig 
gekannt: die tertiären durch blosse Diagnosen von Ercnwarn, und bes- 
ser durch ein mit Abbildungen begleitetes Werk von Dusoıs pz Monr- 
PEREUX, welcher aber keinen so grossen Reichthum an Arten zusam- 


mengebracht und sich nur auf Konchylien beschränkt, und welche beide 


ihre Untersuchungen nicht bis in den Freistaat Polen, noch bis zu den 
Karpathen ausgelnt hatten, — die älteren (aus Kreide, Oolith, Muschel- 


‚und Übergangs-Kalk) fast bloss durch die NadiiVehseithiitine von Puscu, 


Zeuscuner u. A., welche jedoch für sich allein nicht hinreichende Gewähr 
Fehler Bektinimnnken darbieten konnten. Die PolnischeTertiär-Formation 
ist dem Tegel von Wien und den Bildungen im Landes -Dept., um 


* a Fr i 
ey 


Bordeaux etc. gleich; sie enthält die bezeichnendsten Fossil - 
mit, ‚ihnen gemeinschaftlich 5 insbesondere aber im. "Freistaate I 
len ‚eine Reihe von solchen bezeichnenden Arten, welche in den 
Volhynisch - Podolischen Provinzen gänzlich mangeln. Da uns PuschH 
nun, in vorliegendem Werke nicht nur alle ihm. selbst aus Polen ' 
bekannte Arten aufzählt, sondern auch, ausser einigen schon ander- 
weitig abgebildeten, aber doch noch der weiteren Bestätigung‘ für. ‚Po- 
len bedürfende Arten, alle neuen Tertiär- wie Sekundär- und selbst 
Transitions-Versteinerungen abbildet, so werden wir durch dieses Werk 
zum ersten Male mit den Versteinerungen und somit Formationen Polens 
eigentlich und genau bekannt und erlangen mit dem Mittel eigner An- 
schauung und Vergleichung auch die Bürgschaft für die Richtigkeit des- 
jenigen, was früher uns nur namentlich angegeben war. 

Wir wollen hier eine summarische Übersicht fer Inhaltes des lien 


Heftes mittheilen: ; \ 
benannte abgebil- benannte abgebil- 
Arten. dete Ar- Arten. dete Ar- 
‘3 ten, \ ten. 
Fucoides „x. 6... 4 Tridacna ... 1. 4 
Pecopteris. » . 3 PETE MT UN 5 U. DrRRSUR Een 1. ve 
Sigillaria . Bi nn Trigonia: tan 
Unbestimmtes. Blatt 4 nn AH a ee 
Millepora..sesw de Er N uenla Ha ra 
Lithodendron ». 41... 4. Pectuneulus. Ti 
SEyRhis die das nf sro Bardiu mini ri 
M.ano9 7 Ser Der Bande au a) Terz 
Cyathocrinites. 4 wu islspeardra: us he 
Marsupites 4 Y ,Cyprieardia 1.0 ei 
Lingula. | 4. Venericardia . 412... 2 
Terebratula;.,. 4 #4 „49. »Cytherea: .. nm gar 
Delthyris . OD, ka 4 asAstarte,. ee Dr 
Leptaseua neu. OMAN USE ie ee a re 
Ost ee er ira a EI PEINR u, > er yet 
Greyphaeas. un. ee Maetran, ni 
Exogyra (Amphi- _ Crassatella . . 4. ..4 
dontes). tar. Data Ham pibinde sim. 12 
Bescten wor 7-% 1: Corbulä.s we 
Bun "on y n N ie un ir DEU SLR En andern: 180 Mr 
Catillus. . N; SER | 


uni nige Genera wie Gryphaea und Trigonia hat ‚der Vekf. mo 
nographisch , nämlich mit Rücksicht auch auf die auswärtigen Arten 
behandelt. Den Terebratel-Arten ist häufig. das Urtheil v. Bucw’s beige- 
fügt, dem die; Originalien zur Bestimmung übersendet gewesen. Endlich 
hat auch Ref. nach dem Wunsche des Verf. seine Ansicht über ‚die Be- 
stimmung: bei einigen Arten beigefügt, ohne jedoch hiebei alle Arten 


BER) | 


‘planmässig untersucht zu haben, wozu ihm auch, was die tertiären 
Arten betrifft, erst während des Abdruckes dieser Bogen glänzende 
Materialien aus Polen wie von Wien zugekommen sind. — Nach des 
Vfs. Beobachtung ist auch Terebratula amphitoma ein Spirifer. 
Seine Gründe, dem Geschlecht Exogyra Say den Namen Amphi- 
‚donte nach Fısc#er zu ertheilen, sind nicht genügend. 

Die zweite Lieferung wird noch 6 Tafeln und etwa 20 Bogen Text 
enthalten (der Preis des Ganzen ist 10 fl. 48 kr.). Die Ausstattung 
des Werkes in Druck und Papier ist äusserst glänzend. 


Scuinz: über einige neuere Entdeckungen fossiler 
Säugethier-Knochen in der Schweitz (v. Pommer Schweitzerische 
Zeitschrift fürNatur- undHeilkunde, 1834, 1, 239— 248). Scninz 
hatte bereits in den Denkschriften der allgemeinen Schweitzer. naturh, 
Gesellschaft (1831, I, ı, 61 ff.) die damals bekannten Überreste urwelt- 
licher Thiere der Braunkohlen von Egg in der Schweitz beschrieben. 
Seitdem hat er vom Biber noch den grössten Theil einer Unterkinn- 
lade und einige andere Knochen erhalten und ist zur Gewissheit gelangt, 
dass die damals fraglich aufgeführten Hippopotamus-Zähne wirklich 
die untern mittlen Vorderzähne eines solchen Thieres seyen; auch ver- 
muthet er in den als zweifelhaft angegebenen Mastodon - Zähnen solche 
von Dinotherium giganteum. 

Ausserdem hat man einen von Steinmasse durchzogenen Nashorn- 
Zahn von ganz anderer Art, als zu Egg, in einem Hügel zu Seelmat- 
ten an der Grenze von Zürich und Thurgau entdeckt. 

Meissner batte im X. Stücke seines Museums der Naturgeschichte 
Helvetiens ein Unterkiefer-Stück aus der Molasse von Aarburg beschrie- 
ben, das er dem Sus Babyrussa zuschrieb , Cuvıer aber als eigene 
Art eines Chaeropotamus, Ch. Meisneri, bezeichnete. Dazu 
scheint nun auch ein ganz ähnliches Stück zu gehören, welches 
vor 50 Jahren mit einem Hirsch-Geweihe u. a. Knochen im Muschelkalk- 
stein [Muschel - Molasse] von Mägenwyl im Aargau entdeckt worden 
und seither bei einem Antiquaren gelegen hatte. 

In dem harten , als Baustein verwendeten sog. Quadersandstein des 
Steinbruchs Bolligen beim Dorfe Schmeriken in St, Gallen, welcher 
sonst keine Versteinerungen zu führen pflegt, zeigte sich eine Ader 
von Geschieben, wie Nagelfluh, die sich in eine Zerklüftung einge- 
schwemmt hätte, und in welcher Masse, nicht im eigentlichen Sandstein, 
ein Palaeotherium-Rest, der sich im Sandstein vollkommen genau 
 abgedrückt hatte, mithin nicht später in denselben eingeschwemmt seyn 
kann. Es ist der rechte Unterkiefer mit allen Backenzähnen, doch ohne 
Vorderzähne und Kronenfortsatz. Er entspricht der Grösse nach dem 
eines starken Schweines und hat 7’ Länge: 2’ mögen hinten fehlen. 
Er scheint zu Cuvıer’s P, Aurelianense zu gehören. 


Jahrgang 1837. 7 


\ 


B 


un 


Andere Zähne sollen sich neuerlich in dem grossen Schieferkohlen- 
Lager gefunden haben, welches die Allmanns - Kette durchstreicht und 
bei Utznach abgebaut wird. ae 


o 


Lyeıt: fossile Knochen aus Indien. Das Museum der geolo- 
gischen Sozietät in London hat voriges Jahr eine schöne Sammlung 
fossiler Knochen aus Indien erhalten, welche Capt. Caurtrey in der 
Bergkette gesammelt, welche, früher Siwalik genannt, den Fuss des 
Himalaya vom Ganges bis zu den Sutluj-Flüssen ‚ oder vom 30° — 31° 
N. Br. umgibt und insbesondere im Westen des Jumna - Flusses daran 
sehr reich seyn soll. Sie gehören zu den Geschlechtern Mastodon, 
Elephas, Hippopotamus, Rhinoceros, Sus, Anthracothe- 
rium, Equus, Bos, Cervus, Antilope, Canis, Felis, Gavia- 
lis, Crocodilus, Emys, Trionyx und zu Caurıey’s und FALconer’s 
neuem Geschlecht Sivatherium. Auch Fische und Konchylien 
sind dabei (Lond. a. Edinb. Philos. Magaz. 1836, VIII, 325). 


L. v. Bucn hielt bei der Sitzung der Berliner Akademie am 18. 
Januar 1836 einen Vortrag über die fossilen Colimaceen von Stein- 
heim in Württemberg. Er sieht mit Rossmässzer die Paludina mul- 
tiformis (v. Zıer. Taf. xxx) als eine Valvata an, weil bei diesem 
Geschlecht ein weiterer Nabel und eine grössere Veränderlichkeit der 
Formen einer Art vorkomme, auch die fossile Art einer Valvata bi- 
carinata von Texas (zu Wien) sehr ähnlich seye. In ihrer Gesell- 
schaft finden sich Überbleibsel von Fischen, Rhinoceros (Zähne), 
Reh, Pferd, Schildkröte und Sauriern. 


Mouceor: über die Versteinerungen des Muschelkalks in 
den Departemeuten der Vogesen und der Meurthe (Bull. geol. 
Franc. 1835, VI, 19—22). Er kennt Zähne von Hybodus plicatilis 


 Ac., Zähne und den ersten Rückenflossen - Stachel von H. longicornu 


Ac., Schuppen von Ptycholepis-Alberti und Pt. maximus; Gau- 
menzähne von Acrodus Gaillardoti und Placodus gigas Ac.; 
Zähne von Psammodus heteromorphus Ac. mit Reptilien-Wirbeln 


«(zu Dompaire), ähnlich auch im Keuper von Rothenmünster in Würt- 


temberg gefunden; den Bauchpanzer einer Trionyx; Wirbel, Rippen 
und Beckenknochen von Nothosaurus Münsr. (Plesiosaurus von 
Rehainvillers Cuv.); den Unterkiefer eines ?Plesiosaurus; Schuppen 
eines ?Krokodils (Lunevile und Dompaire). 

Auch Puron erzählte im bunten Sandsteine zu Clairfontaine bei 
Ruausunfern Remiremont in den Vogesen den Eindruck eines dreieckigen 


_— Ki 


rauhen Körpers gefunden zu haben, welcher nur etwas grösser auch 
in den ganz tiefen Schichten desselben zu Soulz - les- Bains vorgekom- 
men. Die Pflanzen- Abdrücke in den Brüchen der Yogesen (Epinal, 
Sainte Helene, Bandonville bei Blamont, Ruaux bei Plombieres) finden 
sich immer im bunten Sandstein selbst, im Bas-Rhin-Dept. aber in deh 
thonigen Zwischenschichten (ibid. p. 17—19). 


Eupis Desronscnamps hat bei der Linne’schen Sozietät der Nor. 
mandie im Jahre 1835 — 36 einen Vortrag gehalten über ein riesen- 
mäsiges Reptil, Poecilopleuron, aus dem Kalke von Caen 
(VInstit. 1836, IV, S311—312, Auszug). Im Jahr 1835 fand man in den 
Brüchen zu Maladrerie, 4 Stunde von Caen, von dem Skelette eines 
sehr grossen Reptiles 21 Schwanzwirbel, viele Rippen, ein Becken-Bein, 
ein Schenkelbein, ein Wadenbein - Stück, 4 Tarsus-Knochen, die Hinter- 
theile einiger Metatarsus - Beine, über 20 Phalangen der Hinterfüsse, 
wobei drei Klauen - Glieder der rechten und 2 der linken Seite, einen 
linken Humerus , Radius und Kubitus, 2 Hand-Beine und 2 Fingerglie- 
der, wobei ein Klauen - Glied, ein verstümmeltes Rabenschnabel - Bein, 
doch ohne alle Kopfkuochen und Zähne. Die Liuge des ganzen Thieres 
scheint wenigstens 25’—30°’ betragen zu haben. 

DieSchwanz-Wirbelhaben einen vorn und hinten wenig vertief- 
ten Körper; 9 derselben bildeten eine zusammenhängende Reihe im Vorder- 
theile, 12 eine ebensolche im Hintertheile des Schwanzes und zwischen 
beiden mögen 12 andere fehlen. Sie stimmen in einigen Charakteren 
mit denen der Krokodile, in andern mit solchen von Eidechsen 
überein, ohne sich den einen oder den andern ganz anzuschliessen. 

Die Rippen sind von verschiedener Art: 7 davon sind symmetrisch 
gebogen, an beiden Enden verdünnt, woselbst ihre obre Seite rinnen- 
förmig ausgehöhlt ist. .Sie entsprechen sicherlich der Mittellinie der 
untern Bauchwand, denjenigen ähnlich, welche in der Mitte der Bauch- 
muskeln bei Chamaeleon, Anolis u. a. gefunden werden, Sieben 
andre, hinter ihnen gelegen, sind in Form ähnlich , aber aus je zweien 
durch Ligamente in ihrer Mitte so verbunden, dass sie in 14 Knochen 
zerfallen. Diese letzten Bauchrippen waren an ihren 2 Enden mit ei- 
nem knöchernen Griffel oder Ansatz versehen, welcher mit der innern 
Hälfte seiner Erstreckung auf jener äusseren Rinne befestigt war, so 
dass Sie mit ihren Ansätzen den kleinen Abdominal - Rippen der Kroko- 
dile sehr ähnlich sind. Demzufolge war die untere Bauchgegend lang 
erstreckt und das Brustbein konntenur kurz seyn 5; die untere Bauchwandbe- 
stund aus 49 [?] Knochenstücken mit einer Anordnungsweise , wie bei 
gewissen Eidechsen und den Krokodilen. — ‚Von den gewöhnlichen 
Seiten - Rippen hat man viele Bruchstücke , aber nur eine ziemlich voll- 
ständige gefunden ; allen übrigen mangelt wenigstens das Wirbel-Ende. 
Doch lassen sich dreierlei Formen erkennen: zylindrische,, dreikantige 


und flache. Die meisten zeigen an ihrem hinteren Rande, einige Zoll 
vom unteren Ende entfernt, einen rauhen Eindruck von etwa 1° Länge, 


die Anfügungsstelle eines Stückes, wie es als rückwärts gehender Fort- > 


satz bei lebenden Krokodilen, beim Teleosaurus und bei den Vögeln 
vorkommt. Aus Allem aber erhellet, dass bei diesem Thiere der Rippen- 
Apparat zusammengesetzter gewesen seyn müsse, als bei irgend einem 
andern bekannten fossilen oder lebenden. 

Ein langes gebogenes Knochenstück scheint dem Becken angehört 
zu haben. 

Das Schenkelbein ist ungeheuer gross und von der rechten 
Seite, aber in mehreren nicht genau zusammenpassenden Theilen erhal- 
ten worden; es muss wenigstens 24‘ lang gewesen seyn. Sein obres 
Ende jedoch ist wohl erhalten, aber von ganz andrer Bildung, als bei 
allen bekannten lebenden oder fossilen Krokodilen und Eidechsen,, ins- 
besondere als bei Megalosaurus (Cuv. oss. V, ı1, pl. xxı, fg. 18, 19). 

Das Wadenbein, die Handwurzel- undMittelhand-Knochen 
haben eine dem vorigen entsprechende Grösse und sonder Zweifel ihre 
eigenthümlichen Merkmale, die sich aber in dem ge aus der Ori- 
ginal-Abhandlung nicht hervorgehoben finden. | 

Die Klauen-Beine der Hinterfüsse haben Ähnlichkeit mit denen 
der Krokodile, doch liess sich ihre Gesanımtzahl nicht genau ermitteln. Die 


anderen Phalangen sind ebenfalls denen der Krokodile ähnlich, doch kürzer, 


Der linke Humerus, Radius und Kubitus sind wohl erhal- 
ten, zeigen aber, ausser der dieser Theile überhaupt, keine Ähnlichkeit 
mit denen lebender Reptilien. Der Humerus ist nur halb so lang und 
dick, als der Femur; Radius und Kubitus stehen zu ersterm im Verbält- 
niss , so dass die Vorder - Extremitäten , gegen die hinteren genommen, 
auffallend kleiner gewesen seyn müssen, als bei den lebenden Reptilien; 
jedoch auch bei anderen fossilen Arten aus der Gegend von Caen 
findet dieses Statt, hauptsächlich beim Teleosaurus, dessen Hinter- 
beine wohl entwickelt sind, während die vorderen nur als Rudimente 
erscheinen. 

Von den zwei vorderen Phanlangen ist am Klauen-Gliede 
der von Nagel umschlossene Theil wohl erhalten und viel stärker gebo- 
gen, als an den hinteren. 

Das Thier hielt also das Mittel zwischen Krokodilen und Eidech- 
sen, besass die Grösse des Megalosaurus, von welchem man schon 
einige Jahre früher ein schönes Zahn-Fragment im nämlichen Kalke bei 
Quilly gefunden hatte, scheint sich aber auch von diesem in den Wir- 
bein und dem Schenkelbeine (den einzigen vergleichbaren Theilen) we- 
sentlich zu unterscheiden. Vielleicht gehörten ihm die grossen, hoh- 
len, kegelförmigen, erhaben gestreiften Zähne au, welche man zu wie- 
derholten Malen schon einzeln im nämlichen Kalke von Caen gefunden 
hat. Der Verf. nennt es Poecilopleuron Bucklandii, um im Ge- 
schlechtsnamen den Haupt - Charakter, die Manchfaltigkeit der Rippen 
(von roıxi\os und nAEvVpov) auszudrücken. 


— 101 — 


‚Diese Knochen waren in fast 100 Kubikfuss Steinmasse zerstreut 
und musste mühsam und einzeln herausgearbeitet und durch drei Mo- 
nat lange Anstrengung gereinigt, untersucht, geordnet, abgebildet und 
beschrieben werden; manche andre sind dabei in die Brüche gegangen. 
Einer der Gabelknochen der Schwanzwirbel zeigte eine beträchtliche 
Exostose, einer der hinteren Phalanzen war theilweise durch Caries zer- 
stört. Zwischen den Rippen lagen abgerolite kleine ‘Quarzstücke , wel- 
che dem Kalkstein offenbar fremd sind und zweifelsohne , wie es auch 
lebende Krokodile etc. thun, der Verdauung wegen vom Thiere ver- 
sehlungen worden und so in den Magen zwischen die Rippen gelangt 
waren, in Gesellschaft eines Cestracion-Zahnes, der wohl auch von 
der Nahrung des Thieres abstammt. 

Das Gestein ist der schlechthin so genannte Calcaire de Caen, 
arm an Versteinerungen, unter welchen der Verf. nur Ammonites 
giganteus Sow., Belemnites hastatus Bramv., Nucula nu- 
cleus n. sp., Avicula digitata n.sp. und Mya scripta Sow., zu 
bestimmen vermochte. 


R. A, Pustieri: Enumeratio molluscorum Sieiliae cum vivenlium, 
tum in tellure tertiaria fossilium, quae in itinere suo observavit. 
XIV et 267 pp. cum XII tab. lithogr. in 4° (Berolini 1836). Der 
Verf. hat sich, mit dem verewigten Frıepr. Horrmann und mit ArNoLD 
Escher voN DER Lint#, vom Septeniber 1830 bis April 1832, also über 
14 Jahre in Sicilien aufgehalten, um die Mollusken des Landes wie des 
Meeres, die noch lebenden und die fossilen tertiären zu sammeln, die 
Gehäuse, wie deren Bewohner zu studiren, und die lebenden mit den 
fossilen zu vergleichen. Das Resultat dieser Studien ist es, welches er 
uns bivr mittheilt: auch hat er selbst diejenigen Konchylien - Arten, oft 
mit den Thieren, von welchen noch keine guten Abbildungen in leichter 
anzuschaffenden Werken vorhanden gewesen, lithographirt, so dass die 
zahlreichen Abbildungen bei diesem Werke — an 270 Arten — hiedurch 
einen doppelten Werth erlangen. 

"Was die lebenden Arten des Mittelmeeres betrifft, so hatten wir bis jetzt 
hauptsächlich die stümperbaften Beschreibungen und einige Abbildungen 
von Rısso über die bei Nizza vorkommenden Arten (1826), den Ka- 
talog von Payraunpkau nebst vielen guten Abbildungen über die Corsi- 
schen Arten (1826), die von Costa über die Sizilianischen (1829), die 
illuminirten Abbildungen in der Description de !’Egypte und ganz neuer- 
lich die guten Beschreibungen von Desnarzss mit vielen: illuminirten Ab- 
bildungen in der Expedition scientifique de Moree (1836), welche der Verf. 
hoch nicht benutzen konnte, so wie Contraımne’s Arbeiten. Costa hatte 358, 
PayrauDEau 356 lebende Arten gesammelt, der Vf. gibt deren über 500 (alle 
ohne die mikroskopischen Polythalamien), mithin bei weiten die vollstän- 
digste Übersicht. Die fossilen tertiären Arten Sizisiens waren bisher noch 


— 102 — 


nicht eigens gesammelt und beschrieben worden; doch stimmen sie im 
Ganzen sehr mit den subapenninischen überein, deren Beschreibung und 
Abbildung Broccnı geliefert, und welche Referent mit den ältern ter- 
tiären zusammengestellt und aufgezäblt hat, 722 an Zahl , womit haupt- 
sächlich verbunden werden muss, was Rısso a. a. O. von Nizza, Mar- 
 CEL DE SERRES aus Süd-Frankreich und Desnayes a. a. O. aus Morea 
bekannt gemacht haben. Der Verf. nun sammelte 350 tertiäre Ar- 
ten in Sizilien, eine Zahl, welche mit der der lebenden fast gleich 
ausfällt, wenn man die vielen lebenden Land - und Süsswasser-, so wie 
die nackten Mollusken beseitigt. Auch bei ihrer Bearbeitung hat er 
leider das Werk von Desnayes noch nicht benützen können. 

Da dem Verf. auf einer längern, zu diesem Zwecke unternommenen 
Reise ein fortgesetztes Studium der Gegenstände, die Benützung vieler 
beachtenswerthen Privat- und öffentlichen Sammlungen und ausgezeich- 
nete literarische Hülfsmittel vergönnt waren und ein grosser Fleiss sich 
in der ganzen Ausarbeitung nicht verkennen lässt, so kann das Werk 
als eines der allerbeachtenswerthesten Erscheinungen zum Studium. der 
jüngeren Formationen Europas angesehen werden. Es beweiset ferner 
einen Reichthum des Mittelmeeres an lebenden Mollusken-Arten, den man 
noch vor nicht sehr langer Zeit nicht geahnt hatte, wesshalb sich auch 
gewisse frühere Ansichten über das Verhältniss der tertiären Europäi- 
schen Meere zu den jetzigen immer mehr als ungegründet erweisen. Auch 
werden hier für manche tertiäre Arten die lebenden Analogen entweder zum 
ersten Male, oder richtiger als bis jetzt, nachgewiesen. Die allgemei- 
nen Resultate aus dieser Arbeit hat der Verf. bereits selbst in diesem 
Jahrbuche (1834, S.516—520) in gedrängter Weise mitgetheilt, und er erregt | 
die Hoffnung solche vielleicht noch ausführlicher zu bearbeiten. Des 
Details aber ist zu viel, um hier auf einen weiteren Auszug aus dem- 
selben eingehen zu können; auch war uns die Zeit noch nicht vergönnt, 
das Werk in dieser Absicht aus kritischem Gesichts-Punkte zu studiren, 
dessen Anzeige wir dem ungeachtet nicht verzögern zu dürfen glaubten. 


L. Acassız: Notitz über die Fossil-Reste des Kreide- 
Gebildes im Neuchateler Jura (Memoir. d. Neuchät. 1836, I, p. 126— 
145, pl. XIV). Der Verf. beschäftigt sich in dieser Iten Abhandlung nur 
mit den Echinodermen, findet aber überhaupt nicht , dass die er- 
wähnten Schichten *) wie einige Geologen glauben, ein Gemenge von Jura- 
. und Kreide-Versteinerungen enthalten. Er beschreibt ausführlich : 

1. Holaster *) complanatus Ac. 128, fg. 1. (Lane ; — Bours. 


) Vergl. die Abhandlung von MoxztmouLın über dieselben, die wir pag. BO im Auszug 
mittheilten. D. R. 
**) Über die neuen generischen Namen gibt eine andre Abhandlung des Verfs. Re- 
''ehenschaft, wovon wir einen Auszug in diesem Jahrbuch nachliefern werden. D.R. 


=. m = 


fg: 328, :329, 830, 343 u. a.: — Echinus Spatangus Breyn Echin. 
tab. V, fg. 3, 4; — Echinus complanatus Lin. ed. Gmer.; — Spatangus 
Helvetianus Derr.; — Spatangus retusus Lame. hist.; GouDr. Verstein., ; 
— Spatangus complanatus Bramv; — Spatangus argillaceus Puntr. 
Geol. Yorksh. pl. 2, fg. 4). Zumal im oberen Theile der Mergel. 

2. Nucleolites lacunosa Goupr., Ac. 132 (Bovre. fg. Bun 
332). In den Mergeln. 

3. Nucleolites Olfersii Ac. 133, fg. 2, 3. Vorigem ähnlich. 
‚4. Echinolampas Montmollini Ac. 134 fg. 4, 5, 6 (Chelonite 
Boure. fg. 352). In den Mergeln, wie im gelben Kalke zu Chätillon, 
Vauxseyon, Hauterive und la Brevine. 

5. Echinolampas productus Ac. 135, dem Ech. Kleinii 
ähnlich, Aus dem obern Theile des gelben Kalkes am Mormont bei 
Lasarraz. 

6. Echinolampas minor Ac. 136. Kerne vom nämlichen Fund- 
ort aus den obern Schichten des gelben Kalkes. 

7. Catopygus obovatus Ac. 136. Mit vorigem, unvollständig. 

8. Discoidea macropyga Ace. 137, fg. 7, 8, 95 dem Gale- 
rites depressus Lamk. ähnlich (Boure. fg. 334, 335). In Mergeln zu 
Hauterive. 

9, Diadema ornatum Ac. 139 (Cidarites ornatus GoLDr. 
123, Tf. 40, Fg. 10; Bourc. fg. 338). In blauen Mergeln, etwas klei- 
ner, als bei GoLpruss. 

10. Diadema rotulare Ac. 139, Fg. 10, 11, 12 (Bourc. 336, 
337, 339, 340, 345, 346). Gemein, zumal in den Mergeln, bis 10° 
breit. | 

11. Salenia peltata Ac. 140, Fg. 13--15. Von L. Covron im 
obern Theile des gelben Kalkes am Mormont, — auch längs des Mer- 
dasson gefunden. | 

12. Cidaris vesiculosa Gorpor. Stacheln in den obern Thei- 
len des gelben Kalkes zu Neuchatel und am Mormont sehr häufig. 

13. Cidaris celunifera Ac. 142, Fg. 16 — 18 (Bourc. 364). 
Stacheln, denen von C, glandifera ähnlich, sehr häufig im gelben Kalk 
am Mormont und Mail. 

14. Arbacia granulosa Ac. 142 (Echinus granulosus 
Münsr., Gorpr, 125, Tf. 49, Fg. 5). Im gelben Kalk am Mormont. 

15. Goniaster porosus Ac. 143, Fg. 19—21. Randtäfelchen, 
in blauen Mergeln überall gemein. 

16. Goniaster Couloni .. 144, Fg. 22 — 24. Desgl. zu 
. Hauterive und am Roc. ' 


Quenstept: über die Enkriniten des "Muschelkalks 
(Wızsem. Arch. 1835, Il, 223—228). Unter 35 der schönsten , theils 


—. Wi 


offeuen, theils geschlossenen Kronen des Encrinitesliliiformis v. 
Scart. (E. moniliformis Mırr.) findet sich auch eine, die nach ge- 
nauerer Untersuchung, wenn nicht eine Monstrosität, eine zweite Art 
bilden dürfte, wofür Q. vorschlägt den Namen: in 

1. Ecrinites Schlotheimii (Tf. IV, Fg. 1). Yohliorem dreh- 
runden Stiele ist nur noch das obere Ende 0,’'7 lang übrig, das ‚über 
30 Trochiten zählt, wovon 5 mit den übrigen abwechselnde dicker und 
breiter hervorstehen. Becken unsichtbar. Erste und zweite Rippen- 
Glieder und das Schulterblatt - Glied wie gewöhnlich ; doch an letztrem 
die eine (liuke) seiner zwei obern Gelenkflächen breiter als die andre; 
Die schmale trägt wie gewöhnlich, ein Arm- und darauf ein Handwurzel- 
Glied, worauf sich zwei Hände setzten, die sich in zwei (wahrschein- 
lich mit Tentakeln versehene) Finger theilen. Die breite trägt auch ein Arm- 
und darauf ein Handwurzel - Glied, deren linke Gelenkfläche aber auch, 
wie an der Skapula, breiter ist, als die rechte, und nun noch zwei ein- 
geschobene Glieder aufeinanderträgt, auf deren obrem erst die zwei- 
fingerigen Hände sitzen, während sich die rechte Gelenkfläche normal 
verhält. Die Skapula trägt mithin rechts einen zwei-, links einen drei- 
händigen Arm. Ebenso verhält sich die zweite Skapula, links von dieser; 
ebenso die dritte, ihr zur rechten, nur dass an ihr die breiteren Flä- 
chen mit den eingeschobenen Gliedern nicht links, sondern rechts befind- 
lich sind. Die vierte und fünfte Skapula lässt sich nicht beobachten: 
sie würden vielleicht zu einer Unterscheidung von vorn und hinten bei 
diesen Thieren leiten, Diese Krone nähert sich auf diese Art schon et- 
was den Pentacriniten und ist kleiner, als bei Ener, liliiformis, 
nur 1°‘ dick und etwa 2’ Preuss. lang. Die Gelenkflächen der Trochiten 
sind unbekannt. Dieses Fossil stammt der Etiquette zu Kalae vom 
Heinberg bei Göttingen. 

2. Encrinites dubius (Tf. IV, Fg. 2). In ScuLornzıms Samni- 
lung findet sich ein gegen 5°’ langes, schönes .Säulenstück auf. eharak- 
teristischem Muschelkalk, zwischen Friedrichrode und W aitershuugen 
im Gothaischen gefunden, das ScurLotnem als:Pentacrinites vul- 
garis bezeichnet und wovon er ein Glied in seiner Petrefakten - Kunde 
11, Tf.xxıx, Fg. 2 freilich sehr schlecht abgebildet hat. Es ist fünfkantig, 
seine Seiten sind oben stark vertieft, nach unten werden sie flächer 
und dürften sich weiter gegen die Wurzel hinab sogar gewölbt haben. 
Alle 0,4 befindet sich daran ein Trochit, welcher höher als die 
8—10 dazwischen liegenden Glieder und mit 5 runden, über 1 
langen Seiten- Armen versehen ist. Die unteren Glieder ‘der Säule 
nehmen an Breite, die der Arme an Länge zu; jene tragen auf ihren 
Gelenkflächen die Zeichnung wie bei den Pentacriniten, diese ha- 
ben nur eine erhabene Queerlinie darauf. Sie stimmen genan mit de-, 
nen des Pentacrinites dubius Gorpr. überein und liegen zu Rü- 
dersdorf mit denen von Encrinitesliliiformis und wit Zähnen von 
Dracosaurus Bronnii in grosser Menge beisammen, und gehen dort 
selbst bis in die Nagel-Schichte hinab, welche durch ihre Stylolithen 


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— 105 — 


ausgezeichnet ist, die dem Verf. nur als wnorganische Absonderun- 
gen erscheinen, wie er nächstens weiter auseinandersetzen will. Ähn- 
liche Glieder aus andern Gegenden Thüringens, ebenfalls in Muschel- 
kalk, sind noch viele in Senzornerm’s Sammlung. Endlich hat von Dr- 
CHEN diese Art im Schlesischen Muschelkalk entdeckt. Die scharfe 
Abgrenzug des Muschelkalkes vom Jura- Gebilde überhaupt macht es 
dem Verf. wahrscheinlich, dass diese Säulenstücke , obschon denen der 
Pentakriniten ähnlich, doch einem andern Geschlechte und zwar den 
auf den Muschelkalk beschränkten Enkriniten angehört haben, wess- 
halb er sie mit dem Namen Encrinites dubius bezeichnet, 


3. Herr von Decuen hat aus den: Schlesischen Muschelkalke auch 
solche Trochiten, deren Gelenkflächen die Zeichnungen der Apioeriniten- 
Glieder haben: vielleicht gehören sie zu Encrinites Schlotheimii. 


Eurengere: Notiz über fossile Infusorien (Sitz. der 
Berliner Akademie, 1836, 27. Juni > YInstit. 1836, 271 — 272 und 
Wıesm. Archiv für Naturgeschichte 1836, III, 333 — 336), Ein Stück 
Kieselguhr oder erdiges Kiesel-Hydrat, welches man in den Torfmooren 
zu Franzensbad in Böhmen findet, wurde vom Porzellan - Fabrikanten 
Fıscher in Carlsbad an den Verf. mit dem Bemerken gesendet, dass 
ihm solches aus den geglüheten Skeletten einiger Navicula-Arten zu 
bestehen scheine. 


Eurenweres mikroskopische Untersuchung bestätigte diese Ansicht: 
dieser Kieselguhr besteht fast ganz aus wohlerhaltenen Navikulen mit 
einigen Bacillarieen. Die durchscheinende Beschaffenheit der kiese- 
ligen Schaalen und der Mangel aller organischen Materie darin macht 
auch die Einwirkung eines starken Feuers wahrscheinlich ; da aber fast 
die ganze Masse aus N. viridis besteht, welche in den Sümpfen um 
Berlin so häufig ist, so ist, gegen Fıscher’s Ansicht , die Entstebung 
dieser Materie auf dem Meeresgrunde nicht wahrscheinlich. Auch im 
Torfe dortiger Gegend erkennt man leicht die Naviculae mit einigen 
andern Arten des Süsswassers, jedoch vergesellschaftet mit einer vorherr- 
schenden Menge ganz fremder Formen. Das von Krarrora analysirte 
Exemplar Kieselguhr von Isle de France und ein ebenfalls von ihm her- 
stammendes von Santa Fiora in Toscana, welche im Berliner Mineralien- 
Kabinet niedergelegt sind, bestehen ganz aus Bacillarieen, den 
noch lebenden Arten fast durchaus ähnlich, und aus einigen Spiculae 
von See- und Süsswasser-Spongien, fast ohne alles Bindemittel. Schon 
1834 hatte E. die Akademie benachrichtigt, dass H, Rose und er Kürzıngs 
Entdeckung bestätigt hätten, dass nämlich die Panzer derBacillarieen 
ganz aus Kieselerde bestehen, so dass jene Fossilreste nur als unmittel- 
bare Überbleibsel dieser Infusorien zu betrachten sind. Ferner hat E. 
seit mehreren Jahren beobachtet, dass die ockergelbe Substanz , welche 


— 106 — 
sich auf dem Grunde mancher Bäche und Gruben oft in grösserer Mäch- 
tigkeit absetzt und in der Hitze sich wie Eisenoxyd röthet, in ihren 
Massetheilchen die Form einer Bacillariee darbiete, welche er als 
Gaillonella ferruginea (Taf. X) abgebildet und beschrieben hat. 
Im Besondern hat derselbe bisher fossil entdeckt: 

A. im Kieselguhr von Franzensbad lauter B ee 
nämlich: 1. Navicula viridis die Hauptmasse bildend, von ungleicher 
Grösse, selbst bis zu 4 Linie Länge, 2. N. gibba, 3. N. fulva, 4. N. 
librile, 5. N. striatula, 6. N. viridula, 7. Gomphonema pa- 
radoxum, 8 G. clavatum, 9. Gaillonella varians, welche 
alle ihren lebenden Analogen gänzlich gleichen , und wovon nur 5 und 
6 dem Salzwasser angehören. 

B. In den Torfmooren von Franzensbad ebenfalls nur Bacilla- 
rieen: Navicula granulata als vorherrschende und lebend 
nicht bekannte Form, 2. N. viridis, 3. Bacillaria vulgaris, 4. 
Gomphonemaparadoxum, 5. Cocconeis undulata, wovon 
diese vier noch lebend vorkommen , aber nur die letzte sich in Salz- 
wasser findet. 

C. In Bergmehl von Santa Fiora, durch Kıırrora analysirt, auch 
nur Bacillarieen: 1. Synedra capitata, eine sonst nicht be- 
kannte, die Hauptmasse bildende Art, 2.S. ulna, 3. Navicula librile, 
4. N. gibba, 5. N. viridis, 6. N. capitata, 7. N. Zebra, 8. N. 
phoenicenteron, 9. N. inaequalis (alle noch in Süsswassern 
lebend), 10. N. viridula (aus Salzwasser), 11.N. granulata, 12.N, 
follis (beide sonst unbekannt), 13. Gomphonema clavatum, 14. 
G. paradoxum, 15.G. acuminatum (alle aus Süsswassern bekannt), 
16. Coceonema cymbiforme (dgl.), 17. Cocconeis undulata 
(aus Salzwasser), 18. Gaillonella Italica (neue Art); auch-Spi- 
culae einer Spongia oder Spongilla, Endlich: { | 

D. In Kıarroru’s Kieselguhr von Isle: de France ebenfalls: nur 
Bacillarieen, als: 1. Bacillaria vulgaris? die Masse haupt- 
sächlich zusammensetzend , noch im Meere lebend , 2. B. major (neu), 
3. Nav. gibba (noch lebend in See- und Süss-Wassern), 4.:N. neue Art, 
5. N. bifrous. Nur in diesem Minerale dominiren die marinen Arten. 


Eurengeres weitere Beobachtungen über fossile Infu- 
sorien (ibid. 30. Juni > VInstit. 273). Alle vom Verf. untersuchten 
schieferigen Tripel und Polirschiefer, welche zum Theil vom Harz kommen 
sollen, aber wahrscheinlich alle vom Kritzschelberge bei Bilinin Böhmen 
herstammen, wo mächtige Schichten daraus bestehen, sind fast ganz aus 
Gaillonella distans, einer neuen Art, in Gesellschaft von Podo- 
sphenianana, einem neuen Genus, von Navicula scalprum? 
und von Baeillaria vulgaris zusammengesetzt, welche letzteren 
zwei in Salzwasser noch lebend vorkommen. Der Polirschiefer enthält 


— 17 — 


noch Pflanzen- Abdrücke und Leuciseus papyraceus Bronn. — 
Der Menilit enthält nur undeutliche Spuren von Gaillonella 
distans. Diese Art hat höchstens z4; Linie Länge, nur selten ist 
sie noch etwas grösser, und ein Kubikzoll jenes Schiefers enthält we- 
nigstens 21,000 Millionen solcher Thiere. 


Dusırvın hat Eurengerg’s Beobachtungen an Polirschiefern von 
Bilin wiederholt und bestätigt. Er beschreibt die Thierchen ausführli- 
cher , welche denselben zusammensetzen. Sie haben 0,010 bis 0,016 
eines Millimeters Breite und erscheinen in Form gegliederter Walzen- 
förmiger Röhren aus aneinander gereiheten, etwas flach gedrückten 
Ringen gebildet, deren jeder eine äusserst dünne Scheidewand darbietet. 
Die übrigen Polirschiefer in den mineralogischen Sammlungen zu Paris 
bieten unter dem Mikroskope nur kleine Kieselkörnchen dar ohne orga- 
nische Spuren. Die Schiefer von Bilin und Santa Fiora scheinen dem 
Verf. sehr neuen Ursprungs und etwa wie die Niederschläge des @ey- 
sers entstanden zu seyn (U’Instit. 1836, IV, 245). 


Ds Bresısson: über die kieseligen Decken der Infusorien 
(2’Inst. 1836, IV, 378). Der Verf. hat am 14. Nov. der Französischen 
Akademie Nachricht von seinen Versuchen über die Diatomeen- 
Familie der Infusorien mitgetbeilt. Am meisten beschäftigte er sich 
mit Fragilaria pectinalis, die aus flachen oder schwach rinnen- 
förmigen Fäden besteht, welche an ihren dicht gedrängten Gliederungen 
leicht entzweibreehen. Im Wasser eutwickelt sie sich in Form röthlich- 
brauner Flocken; getrocknet wird sie zu einem blättrigen, grünlich- 
weissen, sehr glänzenden Staube, der sich zart anfühlt, wie der schup- 
pige Talk von Briangon. Vor dem Löthrohr behandelt, verbrannte 
zuerst etwas fettige Materie aus dem Zwischenraum der Decken. In 
der Weissglühhitze verbreiteten diese Theile einen ausserordentlichen 
(Krystall-) Glanz. Nach dem Erkalten unter dem Mikroskop untersucht 
ergab sich, dass diese nur „4, Millimeter dicke Fäden durch jene Hitze 
nicht die mindeste Form - Änderung erfahren. Die Gliederchen oder 
Fächerchen waren leer geworden, aber die zartesten Streifen hatten 
sich wie im Leben erhalten. Die Kalzination im Schmelztiegel ergab 
dasselbe Resultat. Die vorher grünliche Masse war weiss geworden, 
trocken, rauh anzufühlen, durch Salpetersäure unangreifbar. Sie war 
reine Kieselerde, wie auch daraus hervorging, dass, mit Kali - Hydrat 
geschmolzen, sie ein in Kali lösliches Glas gab. 

Viele Arten von Melosira, Diatoma, Gomphonema, Frustu- 
'lia eben so behandelt, gaben dasselbe Resultat: alle lieferten, ohne 
sich zu entformen, eine weisse staubartige Materie, die sich ganz wie 


ni VE 


Tripel verhielt. Enrensere’s Navicula viridis gibt nach der Kal- 
zinirung einen weisslichen Staub, der unter dem Mikroskope sich ganz 
übereinstimmend zeigt mit dem Kiesel- Niederschlag von Franzensbad. 
Die Arten der durch Kürzıng von den Diatumieen abgesonderten Des- 
midaceen- Sektion verbielten sich dagegen sehr abweichend, und 
erwiesen eben auch hiedurch das Gegründete dieser Trennung. — Tur- 
rın bestätigte den grössten Theil dieser Beobachtungen. 


Dr. Muıver fand fossile Infusorien nicht im Kieseltuff über 
Hornstein in der Braunkohlen - Formation von Rott im Siebengevirge ; 
nicht in der schieferigen Braunkohle vom Stösschen bei Linz am Rhein 
(Rheinland - Westphalen I, 339); nicht im faserigen Holzopal von Lei- 
mersdorf an der Ahr, noch in Kieselguhr von Island; wohl aber im 
Polirschiefer vom Habichtswald in Hessen, der fast ganz daraus zusam- 
mengesetzt war. Sehr schmale Navieulae 5‘ lang (N. graeilis) 
fanden sich vorwaltend in Gesellschaft von noch kleineren Arten desselben 
Geschlechts, von Bacillariae, Synedrae u. s. w. (Frorızrs Notiz. 
1836, L, 54). 


SCHMERLING: über Kunst - Erzeugnisse in den Lütticher 
Knochenböhlen (Bullet. geol. 1835, VI, 170—173). 1) In der 
Höhle von Chokier, links an der Wand zwischen Rhinozeros- Gebeinen, 
lag ein grob dreikantig zugeschnittenes Knochenstück, auf den Seiten 
wohl polirt, an der Basis von einem künstlichen Loche mit ungleichen 
und abgerundeten Rändern schief durchbohrt, das vielleicht einmal als 
Zierrath gedient haben mag. — 2) In der Höhle von Enyis, welehe 
einen Menschel - Schädel u. a. Gebeine geliefert , ist ein zugespitztes 
Knochenstück vorgekommen , woran man die Spuren des Schneide: 
Instrumentes wohl erkennt. Es hat die Form einer Nadel und mag 
zum Bohren gedient haben. An der Basis ist es von Stalagmit umhüllt; 
es scheint von einem Fisch herzurühren. — 3) In der Höhle von Fond- 
de- Forest sind einige regelmässig geschnittene, kleine Stücke Horn 
von nicht zu bestimmender Tbhier - Art vorgekommen. 4) Endlich ent- 
halten mehrere Knochen - Höhlen Feuerstein - Stücke von regelmässiger 
und gleichartiger Form, und zwar in einiger Häufigkeit, wenn sie auch 
viele Knochen einschliessen. Ihre Länge und Breite sind veränderlich; 
sie besitzen eine ebene und eine dreikantige Seite, deren Flächen von 
fast gleicher Grösse und deren äusseren Ränder scharf, die Enden stumpf 
sind; vielleicht sollten diese Steine dazu dienen, Pfeilspitzen und Messer 
zu machen. — Es ist nicht möglich, dass diese Kunst- Erzeugnisse erst 


nach der Ausfüllung der Höhlen in dieselben gelangt und mithin (wie 


u a u 2 TE a a Sr = a ee a DE a ae te 


— 409 — 


die Menschenknochen auch) neueren Ursprungs seyen, als die Knochen 
der ausgestorbenen Thiere [welehe aber zweifelsohne sich auf sekundä- 
rer Lagerstätte befinden. Ba.]. 


Duvernoy: fossile Knochen vom Bastberg bei Bourwiller 
(Strasburger Akad. 1836, 15. Juni > Institut 1836, IV, 345). Bis 
jetzt man das Genus Lophiodon von Tapir nach den Zähnen unter- 
schiedoi, den Schädel des ersten aber noch nicht gekannt. Ein solcher 
hat sich kürzlich mit andern Lophiodon - Resten im Süsswasserkalk zu 
Bouxwiller gefunden. Er scheint etwas zerdrückt, die Nasenbeine 
fehlen, aber die Stellung der sehr weiten, fast bis zum Scheitel rei- 
chenden Schläfengruben ist das unterscheidenste Merkmal zwischen diesem 
und dem Tapir- Schädel. Die Backenzähne sind noch wohl daran er- 
halten. 

Von gleichem Fundorte stammt ein Kieferstück mit 2 Backenzähnen, 
deren einer 5, der andere 4 in zwei Queerjoche geordnete Höcker 
besitzt, und welches von einem Thiere aus dem Schwein-Geschlechte, 
kleiner als das Pekari herstammt. Auch den Eckzahn eines Schweines 
hat der Verf. von dort erhalten. 


Nyst und Gareorrı Notiz über ein neues Konchylien- 
Geschlecht aus der Familie der Arcaceen (Bull. d. V’Ac. r. 
de Brusell., 1335, Il, 287—296, u. 348). Dieses bereits von Desnayzs als 
solches angedeutete Genus ist aus einer Anzahl bisheriger Pectu neu- 
lus- und Nucula-Arten gebildet, welche sich durch eine dreieckige 
Schlossband- Grube (daher der Name, von zpeıs, yovıa und Aoılos — 
Dreieck-Grube) von der Form wie beiPecten oder Mya, welche in der 
Mitte in oder unter der Zahn-Reihe liegt, und durch den Mangel der 

winkeligen Anheft-Livien für ein äusseres Schlossband auf dem Schloss- 
"felde unter den Buckeln auszeichnen. Die Arten zerfallen in zwei 
Reihen, inPectunculaceen undin Nuculaceen, je nachdem sie aus 
einem jener beiden Genera entnommen sind. In der lebenden Schöpfung 
werden beide Gruppen, jene durch Pect. multistriatus Des#. vom 
Rothen Meere, diese durch Arca (Nucula) minuta Lim. Brocch., 
'N. pella, N. Nicobarica, N. rostrata repräsentirt. Die fossilen 
Pectunculaceen sind Pect. granulatusLmk., P. auritoides GuzeorTtı, 
P. auritus Brocent, P. scalaris Sow., P. nanus Desn., P. lima 
Gar., PP.nuculatusLm«., alle tertiär; dannNuculaDeshayesiana 
Ducuust., N. striata, N. acuminata, N. minuta, N. nitida, N. 
mucronata, N. emarginata, N. deltoidea, N. laevigata, N. 
amygdaloides, N. palma, N. lanceolata; und noch eine Anzahl 
‚zweifelhafter Arten aus beiden Aktheilungpik 


—- 10 — 


' "CHaupruc DE Üruzannes: über eine antediluvische Kno- 
chen-Ablagerung zu la Soute bei Pons, Charente inferieure, vor- 
geles. b. d. Paris. Akad. 1834, 19. Mai (2’Institut 1834, Il, 165—166). 
Unter einer 6° dicken Dammerde - Schichte liegt eine weiche, Kreide- 
artige Bank mit mehreren Kalkstein-Stücken, welche an ihrer Nordseite 
7'. dick ist, gegen Süden aber sich verliert und mit 4 Toisen Erstreckung 
aufhört. Darunter folgt eine horizontale Wechsellagerung von lehmiger 
und von sandiger Erde, welche ockerfarbig und weiss geadert ist und harte 
Kalk - Geschiebe und die Knochen enthält. Sie hat nirgend über 3’—4' 
Mächtigkeit, und ruht auf einer horizontalen Ablagerung loser Fels- 
blöcke. Die Knochen sind sehr zahlreich, stammen von Ochsen, 
Pferden, Wölfen, riesenmäsigen Elephanten, einem grossen 
Tiger, mehreren Nashornen; Hippopotamen, Hirschen und vie- 
len Nagern, als Haasen, Kaninchen, Ratten u. s. w. Auch 
solche von Büffeln, Bisonten, Renn- undElenn-Thieren und, wie 
es scheint, von Hyänen kommen vor. Diese Knochen sind wicht ver- 
steinert. Wo sie mit der Kreide zusammenhängen, hängt diese fest an 
ihnen an, während sie selbst weich und zerreiblich sind und es an der 
Luft noch mehr werden. Kunst-Erzeugnisse hat man nicht dabei be- 
merkt. — Zu Bringues (Lot) und zu Pey de ’Aze (Dordogne) hat man 
vor einiger Jahren ähnliche Ablagerungen gefunden. 


Link: über die Thier-Fährten im Hildburghäuser Sand- 
steine (eine Vorlesung bei der Französ. Akademie am 26. Oktober 
1835, Ann. sc. nat. 1835, B, IV, 139 — 141 und Bibl. univers. Science. 
et Arts, 1835, LIX, 395 — 399). Liısk hat im August 1835 drei der 
Steinbgüche untersucht, worin diese Fährten vorkommen (s. Jahrb. 1835, 
S. 230) und im Allgemeinen SıckLer’s u. A. frühere Beobachtungen be- 
stätigt gefunden. Er unterschied vier Arten von Fährten. Bei der 
bereits als der gewöhnlichsten bekannten Art schien ihm das Schnüren, 
das Voreinandersetzen der rechten und linken Extremitäten nicht allein 
in einer geraden Linie, sondern sogar so im Kreutz, dass die Daumen 
nach aussen gekehrt zu seyn scheinen, sehr auffallend, und er schrieb 
es einem Gehen „en-fauchant“ zu. Das Nahebeisammenseyn der Vorder- 
und Hinter-Fährten seye Folge des Gehens im Trott „amble“ [ist falsch! 
vgl. oben]. — Er theilt ferner die Ansicht Münster’s , dass diese Fähr- 
ten von einem Reptile herstammten, weil alle Säugethiere mit abge- 
sondertem Daume Sohlengänger , von den Sohlen aber keine Spuren 
hinter den Abdrücken sichtbar seyen. [Ist auch beim lebender Bären 
nicht der Fall]. Link führt die Batrachier als Beispiele von Reptilien 
mit abgesondertem Daum und oft kleineren Vordertatzen , die Salaman- 
der als Beispiele trottender Reptilien und das Chamaeleon als einzig 
vorkommendes Beispiel von „en fauchant“ gehenden Reptilien an. [Die 
wiederholt aufgestellte Annahme, dass diese Fährten von Reptilien 


» E 


— 11. — 


 abstammen müssen, hat sicher wohl nur den Grund im Hinterhalte, dass 


man bis jetzt keine Säugethier -Reste in so alten Gebirgs - Formationen 
kannte.] Das erhabene Maschenwerk [eine gar nicht so seltene Er- 
scheinung in verschiedenen Sandstein - Gebilden] leitet er von Wurzeln 
oder vielmehr Wurzelstöcken ab, die wie bei Acorus calamus an der 
Oberfläche des Sumpfbodens umherkröchen und, .wie an einem zu Paris 
gesehenen Exemplare von Taxus ausnahmsweise der Fall, sich an den 
Kreutzungs-Punkten regelmässig aufeinander geimpft hätten! 


Die Plastik der Urwelt im Werra-Thale bei Hildburghausen, 
oder C. Kessrer: die vorzüglichsten Fährten-Abdrücke ur- 
weltlicher Thiere im bunten Sandsteine aus den Sandstein. 
Brüchen der Umgegend von Hildburghausen, treu nach der 
Natur gezeichnet und lithographirt, mit einem Vorwort 


herausgegeben von Sıckter, Erstes Heft, 8 SS. in klein fol., 


VII*lith. Tafeln und 1 Karte in doppeltem Formate. Hiüdburgh. 1836, 
klein fol. 

‚Der Text, welcher nur in einem kurzen Vorwort und einer Erklä- 
rung der Tafeln besteht, ist ganz von SıckLer, dessen eben gemeldeten 
Tod wir beklagen; doch dürfte die Herausgabe des 2ten Heftes dieser 
erwünschten Arbeit, deren Hauptsache die Abbildungen sind, darum 
nicht ins Stocken gerathen, womit das Werk dann geschlossen seyn 
würde. Das Vorwort bestätigt die früheren Angaben über die Lage, 
die Höhe, die Schichtenfolge und die Gesteins - Formation in den Stein- 
brüchen, welche diese Fährten liefern (s. Jahrb. 1835, S.231— 232). Es ist 


‚und bleibt bunter Sandstein, wie er an vielen Stellen am Fusse des 
‚dortigen Muschelkalk - Höhenzuges zu Tage geht. Die Karte (schon 
‚eine ältere des Herzogthums Meiningen) wird dienen, sich über die 


Lage der Steinbrüche noch besser zu orientiren. Die Tafeln stel- 


len vor: 


Taf. I, eine 44° hohe und 71’ lange Platte mit Fährten - Reihen von 
Cheirotherium majus S., Ch. minus S$. und noch einer 
dritten Thier-Art (ist ans Pariser Museum verkauft). 

» I, vorzüglich vollkommene Abdrücke der Vorder- und Hinter-Tatze 
von Ch. majus. 

„ DI, andere dergleichen. 

„» IV, desgl. von der Hintertatze: die Nägel abgebrochen, weil sie 
durch die modellirende Thonschicht hindurch bis auf den dar- 
unter liegenden Sandstein gedrungen waren und daher die 
Verwachsung des später auf erstere aufgelagerten Sandsteins 
mit letzterem gestattet hatten. 

a V. Desgl. eine Platte, worauf die 4 Füsse zugleich in ruhender 
Stellung ein wenig geschobenes Viereck bildend, und dann 
wieder die zwei Füsse der rechten Seite voranschreitend er- 


Jahrgang 1837. ) 


-' iR + 
[7 o 
scheinen. Auffallend ist, wie nahe die Vorderfüsse bei den 
Hinterfüssen in der Ruhe gestanden. [Das ist doch auch: oft 
bei sonst langbeinigen Affen der Fall.] Steinbrecher Wanzen 
besitzt diese und eine ähnliche aber minder deutliche Platte 
noch. . R: 

Taf. VI. Beiderlei Tatzen von Chirotherium minus, in mehr aus- 
geführter Zeichnung. , 

„» VI Vier ausgeführte Tatzen‘ der dritten, auf der ersten Tafel 
angeführten Thier-Art, wobei der Daum weder abgerückt noch 
in anderer Richtung befindlich und beiderlei Füsse fast gleich 
sind, nur der voranstehende Fuss etwas grösser ist. 

Hier müsste also entweder der Vorderfuss wirklich grösser ge- 
wesen seyn, als der Hinterfuss, wovon dem Ref. kein Beispiel bekannt 
ist; — oder das Thier ging Pass und überholte dabei den Vorderfuss 
mit dem Hinterfuss; der Passgang ist aber unseres Wissens nur der 
Giraffe und wenig künstlich gebildeten Pferde-Rassen eigen, die jedenfalls, 
sehr weit von diesem Thiere entfernt stünden; — oder endlich das Thier 
setzte den Hinterfuss jedesmal, statt hinter oder in die Vorderfährten 
derselben Seite (wie gewöhnlich) vor den Vorderfuss der entgegenge- 
setzten Seite, was ein sehr starkes Übereinanderwerfen der Beine vor- 
aussetzt. Die Abbildung genügt nicht zu entscheiden, ob jedesmal 
zweierlei Füsse derselben oder entgegengesetzter Seite voreiwander- 
stehen, obschon einige Verhältnisse auf Letzteres hindeuten. 

Es ergibt sich aus diesem Hefte 1) dass bei beiden Chirotherien 
alle vier Finger immer, der Daumen nie mit Nägeln versehen sindz 
2) die Hintertatzen von Ch. majus sind auf Tf. I u. IE = 8” lang, 4 
breit, die vorderen 33° lang und 23°’ P. breit. [Nach den Proportionen der 
Zeiehnung ist die volle Schrittweite fünffach die Länge der Hintertatze.] 


3) Chirotherium minus hat einen bedeutend kleineren, mehr vorn 


und in die Queere stehenden Daumen und weit längere oder schmälere 
Zehen, und eine normale Schrittweite [nämlich zwischen dem rech- 
ten und dem linken Hinterfusse] von 1° 21° Nürnb. Maas besessen. 
[Der Zeichnung zufolge sind seine Hinter - Tatzen nur halb so lang 
und breit, als bei ersterer Art, die Schrittweite aber ist 0,9 so gross als 
dort, oder 8imal so lang als die Hintertatze selbst.] 4) Die Tatzen 
des dritten Thieres haben 24 Länge und 13“ Breite ; die mitteln seiner 
5 Zehen sind eiwa so lang, als die Fusssohlen, und alle spitz durch 
die Nägel; 5) [diese Thiere ferner für Beutelthiere zu halten, bleibt 
kein Grund übrig]. 6) Den Beweiss, welchen Sıcrter bei Taf. IV zu 
führen meint, dass die oft erwähnten Flechtwerke von Pflanzenwurzelu 
herrühren, können wir nicht als bindend anerkennen, 


Fr. An. Rormer: die Versteinerungen der Norddeutschen 
ODolithen-Gebirge. Zweite und dritte Abtheilung, enthaltend neuen 


5 


Titel, Text von S. 65— 68 u. 75—218 u, Tf. I-XVI (Hannover 1836, 

in gr. 4°). Hiermit wäre das Werk, dessen Anfang wir im J. 1835, 

S. 730— 733 angezeigt haben, nicht nur vollendet, sondern auch um 4 

‘ Tafeln über den ersten Plan erweitert und die anfänglichen 12 Tafeln 

(gratis) umgezeichnet, verbessert und wohl lithographirt in den Händen 
des Publikums. 

Die geognostische Gliederung dortiger Gebirgslagen betreffend, so 
benachriehtiget uns der Verf. brieflich, dass er nun mehrere Beweise 
gesammelt, dass der Hilsthon, nicht nach seiner anfänglichen Meinung 
unter, sondern über der ganzen Wealden-Formation liege, was als eine 
doppelt merkwürdige Erscheinung zu betrachten wäre, da die letztre in 
England einige merkwürdige Fossil-Arten (Iguanodon z. B.) mit der 
Kraide gemein hat, wie der Hilsthon manche mit denen der Ooliıhe 
übereinkommende Arten enthält. 

Die Änderungen auf den umgedruckten Seiten 66 und 68 bezwecken 
die Ersetzung der zwei früher angegebenen Placunen, in welchen 
wir Cirripedier-Reste vermuthet, durch eine andere neue Art, Pl, ju- 
rensis, und die Bemerkung, dass die untenfolgende Avicula spondy- 
loides wohl ein wirklicher Spondylus, aber Pecten velatus 
keineswegs der Gorpruss’sche Spondylus velatus seyn möge, 

Das Werk gibt nun ferner die Beschreibung von 

XI Lima: a. aus Lias: 1. pectinoides, 2. duplicata, 3. al- 

ternans, 4. gigantea; b. aus Coralrag: 5. grandis, 6. rigida, 

‘ 7. ovalis, 8. striatula, 9. aviculata, 10. tumida, 11. semilunaris, 

12. fragilis, 13. alata, 14. subantiquata, 15. proboscidea ; c. aus 

Portlandkalk: 16. densepunctata; d. aus Hilsthon: 17. elongata, 18. 
subrigida, 19. plana, 20 striata. 

XU. Posidonias 1. Bronnii, 2 Buchii [scheint wenig Ähnlich- 
keit mit dem Geschlecht zu haben]. 

XI. Inoceramus: 1. pernoides, 2 nobilis, 3. rostratus, 4. el- 
lipticus, 5. cinctus, 6. amygdaloides, 7. dubius, 8. substriatus. 

XIV. Perna: 1. mytiloides, 2. quadrata, 3. rugosa. 

XV. Gervillia: 1. aviculoides, 2. angustata, 3. tetra- 
gona. 

XVIT. Avicula: 1. aequivalvis, 2. macroptera, 3. multi- 
costata, 4. costata, 5. sexcostata, 6. spondyloides, 7. mo- 
diolaris. 

XVU. Pinna: 1. lineata, 2. conica 

XViH. Mytilus: 1. pectinatus, 2. pernoides, 3. jurensis, 4. 
acutus, 5. parvus. 

XIX. Modiola: a in Lias: 1. minima, 2. laevis, 3. Hillana, 
4. ventricosa, 5. depressa; b im Dogger: 6. cuneata; ce in Coral- 
rag: 7. cancellata, 8. bipartita, 9. imbricata, 10. fornicata; 
d in Portlandkalk: 11. subaequiplicata, 12. varians; e in Hilsthon; 
13. rugosa, 14. pulcherrima. 


8 [4 


> IM. = 


XX. Unio: 1. subporreetus, 2. eonv xus, 3. planus. 
XXI Trigonia: 1. navis, 2. clavellata, 3. angulata, 4. hy 
brida, 5. costata, 6. (Opis ?) sexcostata. 

XXIL Nüeula: 1. Hausmanni, 2. Menkei, 3. areuata, 
4. subglobosa, 5. striata, 6. variabilis, 7. rostrata; — 8. gi-. 
gantea, 9. subelaviformis, 10. elliptiea, 11. lacrymaefor- 
mis, 12, inflexa, 13. intermedia, 14. subtrigona, 15. cordata, 
16. aequilateralis, 17. subovalis. > 

XXIU. Arca: 1. liasina, 2. bipartita, 3. lineolata, 4. im- 
perialis, 5. decussata? 

XXIV. Cueullaea: 1. elegans, 2. texta, 3. Goldfussii, 
4. rotundata, 5. Hoffmanni, 6..ovata, 7. parvula, 8. inflata. 

XXV. Isocardia: 1. excentrica, 2. obovata, 3. striata, 4. 
orbicularis, 5. dorsata, 6. parvula, 7. leporina. 

XXVI. Cardium: 1. eduliforme, 

XXVlI. Venus:aaus Lias: 1. liasina, 2. unioides; —b. aus 
Coralrag: 3. carditaeformis, 4. trapeziformis, 5. carinata, 
6. depressa; — c aus Portlandkalk; 7. Brongniarti, 8 nuculae- 
formis, 9. isocardioides[haben zum Theil nur wenig vom Habitus 
dieses Geschlechtes und das Schloss ist unbekannt], 10. acutirostris, 
1l. parvula; — d aus Hilstbon: 12. subinflexa. | 

AXVIOI. Astarte: 1. complanata, Voltzii, 3. striato- 
sulcata, 4. subtetragona, 5. pulla, 6. rotundata, 7. plana, 8. 
curvirostris, 9. sulcata, 10. dorsata, 11. scalaria. 

XXIX. Cyrena: 1. orbicularis, 2. parvirostris, ‘3. 
obtusa, A. fasciata, 5. trigona, 6: sublaevis, 7.mactroides, 
8. lato-ovata, 9. majuscula, 10. caudata, 11. excavata, 
12. elongata, 13. angulata, 14. nuculaeformis. 

XXX. Lucina: 1. substriata, 2. minima, 3. lyrata, 4. plana. 

XXXL Corbis: 1. ?laevis. 

XXXU. Tellina: 1. rugosa, 2. corbuloides, 3, incerta, 
4. ovata, 5. convexa. 

XXX. Amphidesma: 1. rotundatum, 2. recurvum, 
XXXIV. Mactra:1. acuta, 2. trigona, 3. callosa. 

XXXV. Lutraria: 1. gregaria, 2. donacina, 

XXXVI Corbula:1.trigona, 2. rostralis. 
XXXVUI. Mya:1.rugosa. 

XXXVIOIL Panopaea: 1. elongata. 


XXXIX. Pholadomya: 1. ambigua, 2. decorata, 3 litterata, 4. fidi- 
eula, 5. ?ovalis, 6. Murchisonae, 7. angulifera, 8. canaliculata, 
9. decemcostata, 10 complanata, 11. concentrica, 12. paucico- 
stata, 13. hemicardia, 14. acuticosta, 15. orbiculata, 16 Protei, 


17 parvula [einige dieser Arten scheinen uns nur Alters-Verschieden- 
heiten zu seyn]. 


a Me 


XL. Dentalium: 4 eylindricum. 
„  XLI Patella: 4 papyracea, 2 minuta, 3 cancellata, 4ir- 
regularis. 
- XL. Emarginula: i Goldfussii. 

XL. Bulla: A Hildesiensis, 2 suquadrata, 3 spirata, 4 
suprajurensis. 

_ XLIV. Buceinum: 1 laeve, 2 subearinatum, 3 cassidi-. 
' forme, 4 fusiforme, 5 parvulum, 6 sublineatum. 

XLV. Fusus:A minutus, 2 carinatus [existirt schon], 3 cur- 
vicauda. 

XLVI. Potamides: 1 carbonarius. 

XLVil. Cerithium: 4 echinatum, 2 septemplicatum, 3 limae- 
forme, 4 carbonarium. 

XLVII. Nerinaea: 4 Visurgis, 2 Gosae, 3 constricta, 4 tu- 
berculosa, 5 nodosa [ist weder die Vorrz’sche Art, noch überhaupt 
eine Nerinea, da sie keine Falten hat]; 6 Sequana, 7 fasciata [ka 
die Vorrz’sche Art!). 

XLIX. Pteroceras: A Oceani. 

L. Rostellaria: 4 costata, 2 caudata. 
LI. Scalaria: ı Münsteri. 

LIL Pleurotomaria:i tuberculosa , 2 oruata, 3 granulata, 
4 suprajurensis. 

Lill. Trochus: 4 duplicatus, 2 imbricatus, 3 helicinoides, 
4triangulus, 5 diseoideus, 6 grandis, 7 tuberculosus, 8 
minutus, 9 obsoletus, 10 scalaris, 44 jurensisimilis. 

LIV. Cirrus: 4 depressus, 2 cancellatus. 

LV. Turbo: A eyelostoma, 2 quadrieinctus, 3 princeps, 4 
viviparoides, 5 punctato-sulcatus, 6 clathratus. 

LVI. Turritella: 4 quadrilineata. 

LVII. Littorina:4 concinna. 

LVIl. Nerita: A jurensis, 2 pulla, 3 ovata [eher eine Na- 
tica?], hemisphaerica. 

LIX. Natica: A globosa, 2 dubia, 3macrostoma,4 
ventricosa, 5 turbiniformis, 6 ?subnodosa. 

LX. Melania: A striata, 2 Heddingtonensis, 3 lineata, 4Bron- 
nii, 5abbreviata, 6 harpaeformis. 

LXI Paludina:icarbonaria, 2nitida. i 

LXIIL. Helix: 4 pusilla [kaum eine Helix! eher der Anfang 
eines andern grösseren Konchyls?], 2 pisum, 3 expausa (Helicina 
expansa Sow.). 

LXIH. Belemnites: a. Laevigati: 1A breviformis, 2 conulus, 3 
striatulus, 4laevis, 5 inaequalis, 6 subquadratus, 7 sub- 
depressus, 8 digitalis , 9 subelavatus, 10 clavatus, 41 pistilliformis , 42 
pistillum; — b. apice sulcati: 43 tenuis, 14 ornithocephalus, 
45 subaduncatus , 16 impressus , 17 paxillosus , 18 bisulcatus, 19 com- 
pressus, 20 trisulcatus, 21 pyranıidalis, 22 quinquesulcatus, 23 anoma- 


— 


116 


—— 


P) 


“ a e . 
lus, 24 Aalensis; — c. basisulcati: 25 semihastatus, 26 (Actinocamax ?) 
fusiformis, 27 Blainvillii, 28 canaliculatus, 29 subhastatus, 30 
planohastatus; — d. basi fissi: keine. 
LXIV. Nautilus: 1 aratus, 2 truncatus, 3 lineatus, 4 sinuo- 
sus, 5 dorsatus. un 
LXV. Ammonites: a. Goniatitae; — b. Ceratitae; — c. Arie- 
tes: 1 Bronnii; — d. Falciferi: 2 Murchisonae, 3 falcifer, 4 Lithen- 
sis, 5 serpeutinus, 6 radians, 7 depressus, 8 pinguis, 9 fonticola; — 


e. Amalthei: 10 Amaltheus, 11 costatus, 12 cordatus, 13 concavus, 14 | 


discus, 15 Lamberti; — f. Capricorni: 16 angulatus,, 17 scutatus, 18 
capricornus, 19 bipunctatus, 20 Natrix, 21 interruptus, 22 fimbriatus; — 
g. Planulati: 23 anguinus, 24 anuularis, 25 planulalus, 26 biplex , 27 
triplicatus, 28 ?giganteus, 29 Leachi, 30 Parkinsoni, 31 bifurcatus; — 
h. Dorsati: 32 Davoei; — i. Coronarii: 33 striatus, 34 Humphresianus, 


‚ sublaevis, 40 inflatus; — 1. Armati: 41 biarmatus, 42 perarmatus; — 


an 36 creratus, 37 Blagdeni; — k. Macrocephali: 38 tumidus, 


Dentati: 43 Jason, 44 Noricus; — n. Ornati: 45 Pollux. 


LXVI. 


Ryncholites: ı Voltzii. 


Zusätze und Berichtigungen : Verschiedenen Formations-Gliedern in 
jenen Gegenden sind folgende Arten gemein: 


Lias. Dogger. Oxford- Coral- Portland- Wälder- Hilsthon. 
thon. rag. kalk. thon. 

? Cerithium echinatum id. TE Wr Maar . 2 alt ARTE 
?Ammonites Jahson . . u PEN F Pi I m 9 N 
Cellopora orbiculata . . » ET „id, Ad, F PERL N | * 
Serpula volubilis . . . .» P id. id. A 5 
Terebratula perovalis . . 5 Su id. id. 2 . id. 
Pecten TIERE M..ND . 07. 5 . A | id. id, en PR |" 
Exogyra spiralis . » ..» ai ae id. rc s id, 
Trigonia elavellata . . » era . id. . id. EN rn 
a BOStAbal ie os ie 4e = . id. + id. de tea PERLE: 
Terebratula biplicata . . . . . K- nu, sid. NMERRNEN: 
? Ammonites perarmatus ha Bier BT BE u id: Er So a Ar 

Das früher als Walkerde (bei G@eerzen) bezeichnete Gebilde ist 

Bradfordthon. — Der Dolomit wird unmittelbar von Coralrag überlagert, 


hat gleiche Petrefakten und wird um so mächtiger, je mehr letzterer 
in seiner Entwicklung zurücktritt. — Des Verf’s. Portlandkalk entspricht 
Tuurmann’s und Tuırrıa’s Portlandkalk und Kisimeridge - Thon zusam- 
men, die sich auch dort unterscheiden lassen, wie denn Exogyra 
virgula nur in letzterem vorzukommen scheint; doch gehen beide 
sehr allmählich in einander über, und haben viele Arten gemein. — 
Glyphea Meyeri [bloss ein Stück einer sehr grossen Scheere, daher 
das Genus sehr zweifelhaft] Tf. XII, Fg. 14 stammt aus Portlandkalk 
von Uppen bei Hildesheim. — Der Hilsthon ist keineswegs mit Trıkrıa’s 
terrain du minerai de fer pisiforme zu vergleichen. — Emys Menkii 
aus dortiger Kohlenbildung im Wälderthon ist Taf. XVI, Fg. 11 abge- 
bildet. — Nachzutragen sind noch folgende Arten und Änderungen. 
Pollicipes: ı Hausmanni. 


LXVIL 


> 


en N Mae 


Pecten,octocostatus ‘wird richtiger P. septemcostatus benannt 
werden ; — 19 P. subimbricatus, 20 P. clathratus, 21 P. so- 
lidus sind neue Arten. Plicatula’armata desgl,, — so wie 
Uniotrigonus. 

Eine Aufzählung der bei dieser Arbeit benützten Werke, eine An- 
gabe des Inhaltes der einzelnen Tafeln und ein Register über die Gat- 
4ungen macht den Beschluss. 

Die Tafeln geben noch einige Stücke von Reptil-Zähnen, deren im 
Text nicht gedacht ist. 

Dieses ‘schöne Werk gewährt die Überzengung, dass manche Kon- 
chylien- Genera, die man nur für tertiär zu halten geneigt war, auch 
‚schon in beträchtlich tiefern Gebirgsschichten vorkommen. 


oe». 


Der Ingenieur Leregver hat im Grobkalke von Bourg auf dem 
rechten Ufer der Dordogne zwischeu Blaye und Cubzac aufrechtste- 
'hende Baumstämme von 18‘ Dicke und 40° Höhe gefunden, welche 
verschiedene Gesteins-Schichten durchsetzen, und deren innere pflanzliche 
Materie ganz durch Thon, die Rinde durch einen bituminösen kohligen 
Stoff verdrängt ist, an dessen äusserer Oberfläche allein man noch 
Spuren einer ehemaligen Organisation erkennt (Bullet. geol. 1835, 
VI, 238). 


GöPrrERT trug 1836 bei der Naturforscher-Versammlung in Jena und 
in einem Briefe an die Französ. Akademie vor, dass er dahin gelangt sey, 
vegetabilische und animalische Körper in kurzer Zeit zu mineralisiren. 
Er legt sie in konzentrirte Erd- und Metalloxyd - Auflösungen (Kalk, 
Eisenoxyd), bis sie damit hinreichend imprägnirt sind, und setzt sie 
dann einem heftigen Feuer aus, wo die erganischen Bestandtheile zer- 
stört werden und die unorganischen mit Form und Textur der ersten zu- 
rückbleiben (®’Institut, 1836, IV, 397). 


La Joye: tertiärer Belemnit (Bull. geol. 1835, 1V, 428—429). 
La Jovs zeigte der geologischen Sozietät einen fossilen Körper vor, den 
er aus den Mergelgruben von Assy, im obern Theile des Pariser Grob- 
kalkes, dem Gebirge des Walmondois entsprechend, erhalten hat, und 
für einen Belemniten erklärt, obschon er sich von diesem Geschlechte 
durch seine Form und durch beiderseitige Rinnen [?]entferne. DerrancE 
hat diesen Körper bereits gekannt, und den Sepien-Knochen nahe 
gestellt. Desnayes nimmt an, dass er ein besonderes Genus zwischeu 
Belemnites und Beloptera bilden müsse. Er hat eine Alveole und strahlig- 
faserigere Textur. 


try 


Drei Mammont-Skelette sind aus einer Höhle der Insel Podrese 
kürzlich nach Petersburg gebracht worden (Bullet. geol. de France, 
1834, V, 440). . 


Parxort: Versuch über die fossilen Knochen am Ufer des 
See’s von Burtneck in Liefland (Memoir. de V’Acad. de St. Petersb. 
1836, VI. ser. ; science. phys. IV, ıı, p. 1-94; pl. I—-FIII). Diese 


gelehrte Abhandlung des berühmten Akademikers füllt ein ganzes Heft 


der Me&moires aus. Das Resultat ist, dass diese Knochen — Knochen 
sind, obschon dem Verf. , welcher gestehet,, sich mit zoologischen Stu- 


dien nie besonders beschäftigt zu haben, Branpt, PAnDER, in zii Ge 


Lenz helfend zur Seite gestanden. 


Der Burtneck-See liegt in 58° 54'N, Br. und 42° 40° W,L, von Ferro R 


im Wolmarer Kreise. Seine Mitte ist 107 Werst S.W. von Dorpat; seine 
Länge aus N.W. nach S.O. beträgt 114 und seine Breite 5 Werste. Der Sedde- 
und Ruje-Fluss, der Wrede- oder Gelgau- und der Seele-Uppe-Bach u.e. a 
ergiessen sich von N., O. und S. in denselben; er fliesst in N.W. durch 
die Salis ins Meer ab. Seine Ufer sind sehr flach; 4 Werst davon 
hat er erst 3° Tiefe, welche 56‘ Engl. nirgends übersteigt; sein Spiegel 
liegt 1293° Par. über dem Baltischen Meere. Nur von N.O. her zieht 
sich eine Hochebene gegen das dem Abfluss entgegengesetzte Ende des 
See’s und eine Strecke an beiden Ufern desselben hin, und fällt in 50° 
Entfernung von ihm jähe oder fast senkrecht gegen denselben ab, so 
dass noch ein flacher Saum zwischen dem See und der bis 450° hohen 
Wand übrig bleibt, der nicht über 3° ansteigt. Über dieser Wand er- 
heben sich Schloss und Dorf Burtneck, wo des Vfs. Sohn Pfarrer ist. 

Jener Saum ist ohne Vegetation, von Kies gebildet und mit Granit- 
und Kalk-Geschieben bedeckt. Ein feinkörniger nicht sehr harter Sand- 
stein mit Glimmerschüppchen, der in Liefland und Esthland sehr verbrei- 
tete rothe Sandstein EnGELHARD’s , welcher an der Luft leicht zerfällt, 
auch mit rothen und weissen Sandlagen, wechselt, geht am untern 
Theile der Wand zu Tage und wird von einem losen Sande von ähn- 
licher Natur überlagert, auf und in welchem viele Skandinavische 
Granit - Blöcke zerstreut liegen. In jedem Frühlinge, wenn der 
Schnee schmilzt und die Eisdecke des See’s zerbricht, steigt das 
Wasser des See’s 5’ — 6° über seinen gewöhnlichen Stand, die dann 
herrschenden N.W.-Winde werfen eine Menge Eisblöcke auf jenen Saum 
vor der Felswand, veranlassen häufige Einstürze derselben, wodurch 
Sand und Granit- Blöcke herabkommen, wovon der erste durchwaschen, 
die letzteren aber bei späterem Andringen der Eis - Blöcke fast jährlich 
etwas weiter in der Richtung nach der Wand zurückgetrieben werden, 
daher die Landleute wohl auch behaupten, das Eis habe alle dort lie- 
genden Blöcke aus dem Grunde des See’s herbeigeführt. Auf diesem Saume 
ist es nun auch allein, wo sich eine grosse Menge fossiler Knochen 


PEN nn 


> 


B.:: —- 19 — 


findet; man sucht sie eben so vergeblich in dem anstehenden Gesteine, 
welches die Wand bildet, als an anderen Stellen des Ufers, daher auch 
sie von dem See angespült seyn müssen: in kleinen Stücken nur, weil 
in einiger Tiefe die Wogen nicht mehr Stärke genug haben, grössere in 
Bewegung zu setzen. _ 

Die fossilen Knochen bestehen in eigentlichen Knochen , Panzer- 
stücken und Zähnen, wozu sich einige Korallen gesellen. { 

Von den Knochen hat man an 1200 grössere und kleinere Bruch- 
stücke gesammelt, wovon der Verf. die wichtigsten nach ihrer Form, 


"zelligen Beschaffenheit, Eigenschwere u. s. w. beschreibt. Es ist ein 


Tibia-Stück darunter. Die Zellen dieser Knochen sind parallelepipedisch, 
fadenförmig aneinandergereihet, überall von gleicher Art. 


Von knochigen Bedeckung&n eines Thieres hat man über 300 Bruch- 
stücke gefunden. Von den abgebildeten besitzt keines viel über einen 
Quadrat - Zoll Ausdehnung (Fg. 1— 28). Ihre Dicke wechselt von 1‘ 
bis zu 18°. Die dickeren besitzen in ihrer Mitte oder an einer Seite 
ebenfalls eine zellige Textur, jedoch verschieden von der der Knochen ; 


‚ nächst den natürlichen Oberflächen sind sie feinzelliger, mithin dichter, 


dunkler, braunroth oder schwarzbraun und glänzend, dunklem Bernstein 
ähnlich. Diese Beschaffenheit verliert sich bald allmählich in die grob- 
zellige des Innern, bald steht sie scharf begrenzt nur einer obersten 
dünnen, Schichte zu. Dieses Innere hat manchmal ein unregelmässig 
faseriges Ansehen, bald zeigt es, zumal bei dickeren Bruchstücken, eine 
Menge zylindrischer Zellen, welche 2 — 3mai so lang als dick sind. 
Die Oberfläche ist mithin gewöhnlich glänzend; sie ist selten ganz 
eben, sondern dicht bedeekt von runden, länglichen oder vielseitigen, 
halbkugeligen oder abgestutzt kegelförmigen, glatten oder strahlig-ästig 
durchfurchten (sternförmigen), festen oder aus übereinanderliegenden 
Schichten gebildeten Höckerchen, welche meist ganz ohne Ordnung ver- 
theilt, an der Basis 3°‘ bis 2° breit sind, und von welchen jene Fur- 
chen bis zu denen der Nachbarn fortsetzen, indem sich an der Basis 
gewöhnlich jede Furche in 2 oder 3 trennt. Gewöhnlich stehen nur 
Höckerchen von einer Art auf einer Fläche (d. h. auf einem der klei- 
neren Bruchstücke) beisammen. Hin und wieder zieht eine grössere, in 
ihrem Grunde glatte Furche über die Oberfläche bin, ohne alle Bezie- 
hung zu dem Höckerchen, so dass sie solche bald ganz, bald theilweise 
wegnimmt. Manchmal ist die Oberfläche unregelmässig gerippt. Jene 
Höckerchen scheinen da, wo beide Oberflächen erhalten sind , auch der 
unteren anzugehören. Manchmal gehet ein einzelnes oder gehen einige 
runde Löcher tiefer in diese Knochendecken hinein. Manche Stücke 
dieser Decke sind mit einer dünnen gelben, bei stärkerer Vergrösserung 
körnig und faserig erscheinenden Substanz bald durchaus, bald nur auf 
den Höckerchen, bald allein iu den Vertiefungen überzogen, welche der 
Vf. als eine abnorme, pathologische Sekretion des Thieres betrachtet. — 
Andere etwas ähnliche Decken - Stücke finden sich am Ufer des Ligat- 


= 10% — ‘4 


= 


Flusses beim Gute Paltemar im Kreise Wenden (Fg. 29 — 33) und in | 


einem weissen Sand-Gestein bei Dorpat. Mn 

Von Zähnen hat der Verf. 118 Bruchsiücke zusammengebracht und 
glaubt sie in Kürze nicht besser, denn als Saurier - Zähne bezeichnen 
zu können. Alle sind gebogen kegelförmig ,_ der ganzen Länge, nach 
kanellirt, ohne besondere Wurzel. Die einen sind kurz (Dicke etwa 
== 0,4 der Höbe) bis 1°’ lang, an der Basis verdickt, mit einem Queer- 
schnitte, welcher aus einer grösseren und einer kleineren halben Ellipse 
zusammengesetzt ist, so dass der Zahn in seiner'ganzen Länge etwas 


zweischneidig wird, an der Basis bald nur mit 1— 6 HLSTT ONE 


durchzogen, bald mit einer kegelförmigen Höble, welche 0,4 der ganzeu 
Höhe erreicht. Die andern Zähne sind lang (wohl gegen 11'' lang und 
unten nur 75 — 5 So dick) stärker gebogen, zusanımengedrückt, mehr 
an der Basis (Zusammendrückung — 3:2 oder 2:1), als in der übri- 
gen Länge, ebenfalls entweder mit 1—3 Haarröhrchen durchzogen, oder 
mit einer rund konischen Höhle versehen. Die Zähne der ersten Art 
mögen nach den Zeichnungen 30—40 vertikale Riefchen zählen, welche 
von unten an eine Strecke aufwärts noch von einer vertieften Linie 
getheilt sind. Auch in denjenigen dieser Zähne, welche mit einer konischen 
Höhle versehen sind, findet man über derselben 1— 6 Haarröhrchen, 
welche mit deren Spitze zusammenhängen. Alle diese Zähne bestehen 
aus einer innern knochigen Masse und einem äusseren, nach oben an 
Dicke zunehmenden Schmelz-Überzug. | .. 

Die Korallen sind Catenipora labyrintbieca Gorpr. cum 
variet., C. escharoides Lmx., Eschara ?nov. sp., Astraea ge- 
minata, A. concinnata Goror. und Cyathbophylium belianthoi- 
des Gorpr., welche durch weissen körnigen Chalcedon versteinert sind. 
Die Körnchen erscheinen auf der Oberfläche dieser Körper in kugeliger, 
oder, wo sie dichter cinandergedrängt sind, polyedrischer Gestalt, haberf 0,1 
bis 0,5 Linie Durchmesser und sind aus mehreren — bis 9 — konzentri- 


. 
E 


schen Schichten zusammengesetzt, wovon die äussersten dicker sind als 


die innern. [Diese Erscheinung hängt mit dem Phänomen der Kiesel- 
ringehen zusammen: es würde jedoch unsers Wissens der einzige Fall 
seyn, wo sich Kugeln statt Ringen. gebildet hätten.] Der Verf. erklärt 
die Bildung dieser Kugeln durch Anschiessen der Chalcedon - Masse an 
kleine Spitzchen, womit die Oberfläche der Cyathophyllen ete, bedeckt 
gewesen, und deren konzentrische Schichten durch Unterbrechungen 
dieses Prozesses. [Diese Korallen sind übrigens offenbar nur Geschiebe, 
Trümmer von Transitions-Gebirgen, und nur sehr zufällige Gesellschaf- 
ter dieser Kochen-Reste.] 

Mehrere Gelehrte haben geglaubt, jene Knochen-Reste seyen Korallen- 
Trümmer, wesshalb der Verf. weitere Versuche über Eigenschwere und 
chemische Zusammensetzung derselben veranstaltete. Die Knochenreste 
besitzen ein grösseres spezifisches Gewicht, als frische Knochen. Das der 
‚Tibia eines Pferdes ist, nach dem vom Vf. verbesserten Stereometer von 
Say, — 2,247; das der fossilen Tibia = == 2,910; das der übrigen Knochen 


ı = u 

5, Pr ! r 

' 3,060 bis 3,512. — Die fossilen Korallen besitzen gleich 22 vom Verf. 
in dieser Hinsicht untersuchten lebenden Arten keine Spur von phos- 
phorsaurem, sondern nur kohlensauren Kalk. — Frische Knochen ent- 
‚halten nach Berzernıus wesentlich animale Materie, phosphorsaure Kalk- 
und Talk-Erde und kohlensaure Kalkerde , bei verschiedenen Thieren in 
sehr veränderlichen Proportionen. Einzelne untersuchte Stückchen der 
fossilen Knochen von Burtneck gaben dem Verf. thierische Materie (4 
bis } so viel, als die frischen Menschen- und Rinder-Knochen enthalten) 
nie fehlend bei einer ganzen Reihe von Versuchen desselben. Die ge- 
nauere Zerlegung eines fossilen Knochenstücks, ergab folgende Zusam- 


mensetzung: i 


R Thierische Materie . » » 2. . . 0,0621 
Phosphorsaure Kalkerde . . » . . 0,6917 


" Kohlens. Kalkerde -. -. . . » » » 0,0577 
i Phosphors. Talkerde . . . 2. . 0,1500 
* ,..° Quarzsand und Eisen-Tritoxyd . . . 0,0176 
ia Das Verhältniss der phosphors. zur kohlens. Kalkerde ist = 1:12, 


'was unter allen bei Berzeuıus angeführten Zerlegungen frischer Knochen 
‚am meisten einestheils mit dem Verhältnisse beim Hecht (1:9), andern- 
theils mit dem: beim Ochsen (1:15) übereinstimmt, und sich am wei: 
testen von dem beim Frosch und Löwen (1:39,7 und 1:38) und beim 
Lamm und Menschen (1:4 und 1:4,7) entfernt, so dass aus dieser 
Zusammensetzung keine weitere Folgerung gezogen werden kann, als 
die: jene Reste seyen wirkliche Knochen und keine Korallen, Auch 
das Verhältniss der phosphors. Talkerde zur phosphors. Kalkerde ist 
bei diesen fossilen Knochen sehr gross — 1:4,6, beim Menschen — 
1:45,7, beim Ochsen 1:28. Die Analyse ergibt ferner, dass die fossilen 
Kifbchen keine versteinernden Bestandtheile enthalten, welche ihre oben 
erwähnte grosse Eigenschwere veranlasst haben könnten; diese lässt 
sich nur erklären durch das Verschwinden eimer die gewöhnliche überstei- 
gende Menge thierischer Materie und somit relatives Überwiegendwerden 
der Erdbestandtheile nach ihrem Gewichte, — — Die Decken - Stücke 
mit straligen Höckern sind es, welche Fıscner von WaLpHuem als Hyd- 
nophora (H. Cuvierii, H. Mollii, H. Freieslebenii) beschrieben 
und Lamarer unter Monticularia aufgenommen hat. Dass es keine 
Korallen seyn können, geht aus der innern Textur der Höckerchen selbst 
wie ihrer Unterlage, aber auch daraus hervor, dass die Achse dieser _ 
angeblichen Sternzellen nicht bohl ist um einen Polypen als Bewohner 
aufzunehmen, mithin diese gar keine Zellen sind; — die chemische 
Zerlegung zeigt aber auch hierin ein beständiges Vorwalten des phos- 
phorsauern Kalkes, wenig kohlensauren Kalk und viel mehr thierische 
Materie , als von den Polypen-Bewohnern je darin zurückgeblieben seyn 
könnte. — — Auch die Zähne hat man für Korallen (Cyatbopbylien) 
und Hippuriten halten wollen, worauf eine undeutlich strahlige Textur 
ihres Innern binzudeuten scheint. Aber die Details ihrer Bildung selbst 


— 12 — 


» 


so wie die Ergebnisse der Anaigad sprechen sun hier Sieg Die . 


letztere ergab: ABER ı. 
Grane, ‘ Decimal-Quoten. 
. mit = % ohne 
S dem beigemengten eisenschüssigen 
Quarzsand, 


Thierische Materie . » . 1965 2 2 2.0385 2. .7.04549° 
Eisen-Tritoxyd . . +. 7094 . . . .1391 ; 
Quarzsand © . 2 0. . 0,0355... . .0007 
Phosphors. Kalk- und Talk- % 
Erde NIE RN OTTD I ERDE 
Kohlensaure Kalkerde - . 4,972 . . » .0975 . . » .11509 


Summe 50,316 . . . .9867 . . . :99970 ’ 
Verlust 0,684 : % . 280133 .'%& » .00030 


Der thierischen Materie ist demnach nur halb so viel, und auch der 
Phosphate sind in viel geringerem Verhältniss vorhanden, als bei den 
Knochen. 

Die Resultate sind nun: die Knochen können von grossen Säuge- 
thieren, Amphibien oder riesenmässigen Fischen stammen; sie sind nicht 
versteint, enthalten viel Phosphat und haben einen Theil ihrer thierischen 
Materie verloren; die Decken- Stücke deuten durch ihre beträchtliche 
Dicke auf Riesen - Reptilien oder - Fische hin, und zwar von mehreren 
Arten; die Zähne eıster Art können nur von Sauriern stammen, deren 
Genus nicht näher bestimmbar ist; einer derselben bei Dorpat gefunden, 
deutet auf ein Thier von mehr als 30° Länge; die langen Zähne zweiter 
Art rühren von einer bis jetzt unbekannten Thierklasse her; die Koral- 
len sind durch Kalk- oder Kiesel-Masse versteinert und daher aus einer 
ältern Formation abstammend. 


BRENNT ATEIEN . 


v. HumsoLpor: Note über die Fährten eines Vierfüssers in 
der bunten Sandstein-Formation von Hildburghausen (Vorles. 
b. d. Paris. Akad. am 17. Aug. 1835 > Ann. science. nat. 1835, 1V, 
134—138, Tf. V). v. Humsoror entscheidet sich nicht bestimmt für ein 
Beutelthier: er findet die Hinterfüsse zu fleischig und den Daumen 
daran zu stark, erwähnt daher auch der Ähnlichkeit der Fährten mit 
denen von Lemur und verwahrt sich gegen jeden Gedanken an Reptilien, 
insbesondere Krokodile. Auch Rourın findet in einer Note das Gehen 
„en fauchant“ sehr auffallend, doch besinnt sich einer der Redaktoren 
jenes Journals, solches in einer Menagerie am langlippigen Bären beob- 
achtet zu haben. [Wir machen darauf aufmerksam, dass Thiere mit solebem 

‘ Gange hochbeinig seyn müssen und nicht allzuleicht mit den Vorder- 
füssen — nur etwa mit der.Fussspitze — auftreten können.] Die bei- 
gefügte Abbildung der Vorder- und Hinter- Fährte ist sehr schön, nach 
einem Original in Berlin. 


2 # 


— 23 — 


i IV. Verschiedenes. 


re Mineralogische Verhandlungen der Britischen wissen 
schaftlichen Versammlung zu Bristol im August 1836 (James. 
Edinb. n. phil. Journ. 1836, XXI, 319—368). 


I. Oryktognosie und Mineral-Chemie etc. 


Erreick gab die Form eines Blasrohres an, wodurch dessen Gebläse 
so stark’ wird, wie das unter Wasserdruck hervorgebrachte. 
Dauseny hielt einen Vortrag über den gegenwärtigen Stand unserer 
Kenntnisse von den Mineral-Wassern. 
Musurt zeigte metallisches Eisen vor, das er dadurch erhalten, 
#dass er Eisenerz mit wenig Kohle einer lang fortdauernden Hitze, ohne 
Schmelzung, aussetzte. 
Davugeny erklärte, dass er erwiesen habe, dass die Sublimation der 
kohlensauren Talkerde ein ganz RE EG Prozess sey, mithin für v. 
Buc#’s Theorie der Dolomisation nicht zur Grundlage dienen könne, 


I. Geologie und Geognosie. 


CHArteswortH las über die Wirbelthier - Reste im Crag von Nor- 
folk und Suffoik. Es sind Zähne von Carcharias megalodon Aa. 
von Suffolk, so gross wie aus den Tertiärschichten von Malta; Zähne 
von Squalus bei Orford; Reste von Platex Ac. zu Cromer; u.a. 


Fischknochen ; — Mineralisirte Knochen der Extremitäten von Wasser- 
Vögeln; — einige Zähne von Mastodon angustidens, aus der 
Gegend um das Kirchspiel Withinygham in Norfolk. — CoNnYBEARE 


führt an, dass nach Lyerz die tertiären Konchylien des Crag eben 
so viele noch lebende Arten in der obern als in der untern Abtheilung 
enthielten. | 

Bowmann sprach über die Knochenhöhlen von Cefn in Den- 
bigshire. Stalaktiten sieht man im vorderen Theile der Höhlen; Kno- 
chen , die oft von elle abgerollt sind; keine Schädel, keine Ko- 
prolithen. 

Sepewick und Murcuison theilten eine Klassifikation der alten 
Schiefergebirge von Devonshire und Bemerkungen über die wahre La- 
gerung der Culm- Absetzungen im zentralen Theile dieser Grafschaft 
mit. Ausführlicher sollen dieselben der geologischen Gesellschaft vor- 
gelegt werden, worauf wir verweisen. 

Dr 14 Becuz legte einen Theil der von Genie aufgenommenen geo- 
logischen Karte von Devon und Cornwall vor, und wies den allgemeinen 
Parallelismus gewisser grosser Dislokations-Linien in den Erz-führenden 
wie in den Erz- I: Distrikten nach. Die Linien scheinen ihm in 
gleicher geologischer Zeit entstanden ; der Erz-Reichthum aber von lo- 
kaleren Ursachen bedingt. Die günstigsten Bedingnisse für das Vor- 
kommen von Zinn und Kupfer sind die Nähe der Verbindungs - Linien 


” 


- 11m — 


zwischen dem Granitischen und dem Schiefer-Systeme, das Eindringen von 
“Granit- und Porphyr - Dykes (Eivans) in beide, das Vorkommen grongee 
die Erzgänge durchsetzender Dislokations-Linien (cross-courses). 


a 


Piiiruırs sprach über die Verbreitung der Felsblöcke in Nord- ,,. 


® 


England. | eg 

Srturcasury und Rırry beriähterde über einige neulich entdeckte 
Saurier ausdem Magnesian-Konglomerat über Kohlenkalkstein von Durd- 
ham Down. Sie bilden zwei neue Genera Palaeosaurus und The- 
cadontosaurus, an denen insbesondere die Wirbelsäule ie 
Übergänge zwischen Sauriern und Fischen darbietet. 


Horxıns hielt einen sehr wichtigen Vortrag, theoretische Ansichten 
entwickelnd über geologische Hebungs - Erecheilnngen [der Auszug bei 
Jameson gibt keine klare Ansicht des Wesens dieses Vortrags]. | 


Fox sprach vom Einfluss verschiedener Salz - Auflösungen in den 
die Gesteine durchdringenden Wassern auf die elektro - magnetischen 
Erscheinungen. So auch von dem der Richtung der Gebirgs - Spalten 
nach der Weltgegend: da bekannt sey, dass in den meisten Tbeilen der 
Erdoberfläche die Erzlagerstätten aus O. nach W. oder aus N.O. nach 
S.W. streichen. 


A. Crosse von Broomfield, Somerset, .erzählte auf die an ihn er- 
gangenen Aufforderungen, obschon er kein Geologe und nur etwas 
Mineraloge sey, von den von ihm erdachten Verbesserungen Voltaischer 
Einrichtungen und von den auf seinen Gütern hergerichteten kolossalen 
Voitaischen Apparaten. Er hatte in den Quantock Hills eine Höhle 
zwischen Schiefer und Kalkstein gesehen, in der die Oberfläche der 
einen Seite — des Schiefers — mit Arragonit-, die Wände der andern Seite — 
des Kalksteins, — mit.Kalkspath-Krystallen bedeckt gewesen. Dann habe 
er Theile von beiden Gebirgsarten unter Wasser längere Zeit (10 Tage 
lang) galvanischer Wirkung ausgesetzt und so künstlich aus dem Schie- 
fer Arragonit-, aus dem Kalkstein Kalkspath - Krystalle dargestellt. Im 
dunkeln Keller hatte er dasselbe Resultat mit einem vierten Theile 
derselben Kraft schon in 6 Tagen erhalten. Er hatte dieselben Ver- 
suche wobl hundert Male mit gleichem Erfolg angestellt, und hält sich 
völlig überzeugt, dass es möglich sey, Diamanten und alle anderen Kry- 
stalle auf diesem künstlichen Wege darzustellen. Krystallisirter Quarz, 
blaues und grünes Kupfer - Karbonat , Chrysocolla, Kupfer - Phosphat, 
Kupfer - Arseniat , nadelförmiges Blei- Karbonat, Blei- Sulphat, weisses 
Antimon und viele andere Mineralien zu erhalten war ihm bereits 
gelungen. 


CHARLESWORTH sprach über einige Ärrthümer in Lyerr’s Bestimmung 
des Alters tertiärer Bildungen nach Procenten lebender Arten. 


‚Forses bielt einen Vortrag über die Geognosie der Pyrenden und 
deren Beziehung zu den warmen Quellen derselben, 


* 
m Mi 


, Nanum Warn: über Salz- und Süsswasser-Quellen (Sırım. 
‚Amer. Journ. of Scienc. 1830, July; XVIII, 379 — 380). Es wird 
‚angenommen, dass ‚natürliche und Bohr-Quellen nur dann über die Erdober- 
fläche hervortreten, wenn in ihrer Nähe Hügel und Berge sich erheben, 
im welchen Wassersäulen befindlich sind, die nach der Theorie der kon- 
munizirenden Röhren das Wasser jener Quellen über den Boden her- 
aufdrücken. Wie soll man es aber nun erklären, wenn beim Niedergehen 
mit 400°’—900' tiefen Bohrlöchern von der Spitze der Hügel eine reich- 
lichere Wasserquelle gefunden wird, als wenn man 160 — 300 Ruthen 
weit von den Hügeln weg in der Ebene bis zu gleicher Tiefe bohrt ? 
Und in der That werden Salzlecken in diesen gesammten westlichen 
Gegenden (W. schreibt von Marietta im Ohio- Staate aus) an der Erd- 
Oberfläche und gewöhnlich an der Spitze von Anhöhen gefunden. Da- 
gegen kommen einige der reichliehsten unter ihnen am Fusse der nie- 
drigsten Hügel hervor; dort ist man zu grosser Tiefe niedergegangen, 
so wie auch in Thälern 200 Ruthen von nicht hohen Hügeln entfernt ; aber 
‚ohne Erfolg, man musste die Arbeit aufgeben. Die Einwohner dieser 
Gegend nehmen als Axiom an, das auf 10—12jährige Erfahrungen beim 
Bohren nach Salzquellen gegründet seye, ‚dass man mit dem Bohren 
auf den höchsten Hügeln und womöglich mit festem Gestein beginnen 
müsse. Meilenweit ist keine Spur von Salzwasser zu entdecken. Aber 
mit einer Tiefe von 170° — 800’ erhalten sie eine starke Soole, welche 
von freien Stücken über die Oberfläche hervorkömmt und in einigen 
Brunnen 10°. — 12° über die Erde steigt, ohne nachzulassen. In allen 
diesen Fällen haben die Brunnen von der grössten Tiefe und auf dem 
Scheitel der höchsten Hügel Wasser mit der grössten Gewalt hervorge- 
trieben. Diese Hügel haben 60° — 200° Höhe. Wie steht es hier mit 
jener Theorie? — Noch sind viele andere Soolbrunnen 30 — 40 Meilen 
von jenem Orte am Muskingum-River, bei Zunesville und am Leading 
Creek in der Grafschaft Meigs, die schönes Salz geben. 


= 


F. Braun: über die Quellen aus verschiedenen Forma- 
tionen bei Bayreuth (Kastner Arch. f. Chem., 1834, VIll, 225—227). 
Die aus dem Keuper kommenden Wasser haben wenig freie Kohlensäure, 
wenig Kalk- und Natron-Karbonaft, Spuren von salzsauren und schwefel- 
sauren Salzen und veränderen ihren Bestand während langer Röhren-, 
Leitung wenig. Das Wasser des Muschelkalks enthält viel Kohlensäure 
und um so mehr Kalk - Karbonat, je länger es sich im Muschelkalke 
bewegt, öfters bis zur Tuffbildung; auch Natron -"Karbonat und etwas 
Natron- und Kalk- Sulphat mit Spuren salzsaurer Salze; zum Brauen 
ist es unbrauchbar; in der Nähe seines Ursprungs halten sich Fische 
nicht gut darin, indem sie bald krank und steif werden und abstehen, 
während es nach einem einstündigen Laufe in Röhren, wo es um 0°,3 


— 1316 — ., 


wärmer wird, die Fische lange gesund und schmackhaft erhält r wahr- 
scheinlich in Folge chemischer Änderung auf Kosten des Kalkkarbonats » 
[oder in Folge des Verlustes der freien Kohlensäure ?]. . Der bunte, 
und der Keuper - Sandstein geben das beste Wasser mit ‚sehr wenig 
freier Kohlensäure, wenig Kalk-, Natron- und Bittererde- Karbonat und 
nur Spuren von salzsauren Salzeh und zuweilen etwas Eisen, X 


Ein Aerolithen-Regen ist zu Ende Novembers 1833 zu Kanda- 
har in Indien gefallen. Sie waren so häufig und gross , dass mehrere 
Dächer durchlöchert wurden oder einstürzten. Ein 12jähriges Kind, 
welches einen dieser Steine im Hofe holen wollte, wurde von einem 
nachfolgenden erschlagen. Darnach folgte ein so dichter Nebel, dass 


ihn die Sonne drei Tage lang nicht durchdringen konnte — eine in die- 
sen Gegenden unerhörte Erscheinung (Ann. d. voyag. 1834, Juni, II, 


415 — 416). - 


Römerstrasse im Württembergischen aufgefunden. ' An der 
Grenze des Beurener Thales wurde, auf Siegmaringenschem Gebiete, 
eine mit grossen Quadern sorgfältig gepflasterste, 20° breite Römerstrasse, 
2 bis 3° unter der Dammerde gefunden. Der Boden über derselben ist 
mit hochstämmigen Tannen bewachsen. (Zeitungs-Nachricht). 


Acassız erhielt von der geologischen Societät in London am 19. 
Februar 1836 die Worzasrton’sche Medaille für sein Werk über fossile 
Fische, und Desnayes 25 Pf. Sterling aus der Worrasron’schen Stif- 
tung für seine Forschungen über tertiäre Konchylien, 


® 


Ausflug ins Isere - Departement 
im Monat August 1836, 


von 


Herrn Dr. LoRTET. 


(Auszug einer brieflichen Mittheilung an den Geh. Rath v. LronkArn.) 


Seit längerer Zeit schon versprach ich Ihnen Nachricht 
zu geben über meine Wanderung nach Bourg d’Oisans. Ich 
habe meinen Reiseplan bei Weitem nicht so vollständig aus- 
führen können, wie es mein Vorsatz war; WarmHorz, der 
mich begleiten sollte, büsste, zwei Tage vor meiner Ankunft, 
das Leben ein. Hingerissen durch seinen Eifer und durch 
einen, nicht selten an Unvorsichtigkeit grenzenden Muth 
stürzte der Unglückliche, in der Nähe der Grube Pisse- 
noire, von einer 1200 Fuss messenden senkrechten ‘Höhe 
herab. Alle Bergleute beweinten den eben so unterrichte- 
ten und thätigen, als liebenswürdigen jungen Mann. 

Die eiförmige Ebene, welche von Lyon bis Bourgoin 
sich erstreckt, überschritt ich schnell, Die Bourbre, den 
Landstrich durchfliessend, erhält ihr Wasser aus Sümpfen, 
welche augenfällig Überbleibsel eines See’s sind, von dem 
ich später reden werde, 

Bei la Tur du Pin besuchte ich die Braunkohlen-Gruben, 
ohne etwas Neues von Bedeutung zu finden, Zum Theil 


Jahrgang 1837. 9 


hat der Abbau unter offenem Himmel Statt. Die alten Al- 
luvionen, Sand und Rollstücke, haben zum Theil grosse 
Mächtigkeit. Sie ruhen auf einer Lage graulichblauen Tho- 
nes, und unter dieser tritt die Braunkohle auf. An den 
Braunkohlen sieht man sehr deutlich das Holz - Gefüge und 
die Rinde, allein nach Früchten oder Blätter - Abdrücken 
suchte ich vergebens. Das Liegende der Braunkohlen macht 
ein ähnlicher Töpferthon aus. Wenn Herr GuryMmARD in 
seiner „Mineralogee, Geologie et Melallurgie du Departement 
de l’Isere“ sagt, dass der zuletzt erwähnte Töpferthon das 
Liegende der Braunkohle, eine bis jetzt nicht ausgemittelte 
Mächtigkeit habe, dass in früherer Zeit ein Schacht von 
mehr als 100 Fuss niedergebracht worden, um neue Braun- 
kohlenlagen aufzufinden, dass man jedoch selbst mit jenem 
Schacht die Thonbank nicht durchbrochen habe, welshe in 
allen Gemeinden getroffen worden, wo die Braunkohlen vor- 
kommen u. s. w., so ist diess durchaus ungegründet: an 
mehr als zehn Stellen, wo Braunkohlen-Gewinnung Statt hat, 
kann man sich überzeugen, dass die Thonlage nicht stärker 
als zwei bis drei Fuss ist und dass sie aufRollstücken ruht. 
Die zur Wasser-Loosung dienenden Stollen stehen meist in 
der fraglichen Thon -Schichte. 

GuzyMmArD behauptet ferner: weder in der Braunkohle, 
noch im Thon sey irgend eine Spur von organischen We- 
sen getroffen worden. Auch diese Angabe muss ich wider- 
legen; es sind Muscheln verschiedener Art vorhanden und 
im Jahre 1836 hat man einen Kopf von zwei Fuss Länge 
gefunden, der leider zerbrochen und beinahe ganz vernich- 
tet worden. Nach der Aussage der Arbeiter, so wie nach 
einigen kleinen Knochen - Fragmenten zu urtheilen dürfte 
jener Kopf vom Riesen-Tapir abgestammt haben. 

In N.O. von la Tour du Pin und bis nach Corbelin er 
strecken sich Hügel von tertiären Meeres-Ablagerungen. — 
Bei Voreppe gewinnt man schöne Molassen, die auf dem Kalk 
des Grünsandsteines ruhen. Auch weisser und gelber Sand 
wird gewonnen, der zur Bereitung von Ziegelsteinen für 


— 2129 — 


die Glasöfen dient. Im Sande kommen quarzige Nieren vor, 
welche durch ihre streifigen Farben-Zeichnungen ein -Agath- 
ähnliches Aussehen erlangen, der Masse. nach aber zum Sand- 
. stein gehören, 


Von Grenoble aus, der durch die pittoresken Kalkmassen 
ihrer Umgebung berühmten Stadt, folgte ich dem Graisivau- 
dan-Thale längs der /sere am linken Ufer hinansteigend und 
erfreute mich an dem schönen Kalk - Gehänge des entgegen- 
liegenden Ufers. Die Gestein - Wände sind senkrecht abge- 
schnitten und gewunden, wie die Bastionen einer gigantischen 
Befestigung. Zwei in bestimmter Weise geneigte Ebenen 
endigen eine jede der einzelnen steilen Abdachungen. Die 
Alluvionen schwarzen Sandes, welche die Ebenen bilden, 
scheinen eine grosse Mächtigkeit zu haben. Auf dem linken 
Ufer, dem ich, wie gesagt, folgte, sieht man den Kalk nicht 
wie an der andern Fluss-Seite in fast wagerechte Schichten 
getheilt; hier erscheinen seine Lagen überall beinahe verti- 
kal aufgerichtet. — Man könnte glauben, in ein schönes 
Schweitzer- Thal versetzt zu seyn; aber der unedle Baustyl 
der Häuser und die Unreinigkeit der Bewohner enttäuschen 


M sehr bald den Reisenden. 


Von Grenoble bis Goncelin hat man zur linken Seite 
*die Zsere mit ihren Alluvionen, und rechts schwarzen, Be- 
lemniten führenden Kalk. Auf dem Wege nach Allevard 
durchschneidet man die kalkige Kette; die Profile haben 
Ähnlichkeit mit der von Srtuper beschriebenen Flysch-Gruppe. 
Der Kalk streicht bei Allevard ungefähr in der dritten 
Stunde, Er führt Belemniten und Ammoniten. Letztere 
stehen immer senkrecht auf. den Blättern des Kalks, ihre 
Spirale ist regelmässig elliptisch, die grosse Achse der EI- 
 lipse bis doppelt so lang, als die kleine erstere parallel, 
diese senkrecht auf die Ebene der Gesteinsblätter , wie 
meine beigefügte Handzeichnung angibt*), Diese Form scheint 


— 


*) Diese Zeichnung stellt eine Art aus der Familie der Arietes dar, 
von etwa 6° Durchmesser. D. R. 


9* 


u BR = 


die Wirkung mechanischer Zerdrückung zu seyn, obschon 
auffallen muss, dass sie so regelmässig und ohne Bruch ent- 
standen ist. 


Auf dem rechten Ufer des Bredal, welcher in ‘der 


Schlucht von Allevard seinen Lauf hat, trifft man Gyps- 
Ablagerungen in der Mitte der Kette; sie werden durch 
Steinbruchbau gewonnen. Die Gypse streichen ungefähr h. 
4, und finden sich in der Nähe Anthrazit-führender Sand- 
steine, welche derselben Richtung folgen, aber nach den 
Alpen hin sich senken unter Winkeln, die zwischen 40 und 
800 wechseln. Diese Sandsteine sind grau, grünlich, oder 
röthlich gefärbt und dienen beim Bau von Hohöfen. Durch 
das Feuer werden sie gebleicht, porös und erscheinen wie 
durchdrungen mit wurmförmigen Metall - Massen *). — Der 
Sandstein ruht auf talkigen Schiefern, deren Lagen senk- 
recht stehen und h. 3—4 streichen; sie sind es, welche die 
Eisenerz-Lagerstätten enthalten, 

Man weiss nicht, in welcher Zeit die ersten Erze hier 
gewonnen wurden; gegenwärtig findet man sehr viele Gru- 
benbaue, so dass das Werk weit mehr leisten könnte, wenn 
zureichendes Brenn-Material vorhanden wäre. 

Um die Stollen de la Taxllat zu befahren muss man 
die Höhe ersteigen, welche Allevard und das Hüttenwerk 
beherrscht. Sie ist in dem Grade mit losen Fels - Blößken 
(blocs erraliques) von Granit, von Grauwacke und anderh 


*) Herr Dr. Lorter theilte mir von dem durchs Feuer gegangenen 
Sandstein sowohl, al® von dem ungeglühten mit. Der letzte 


enthält zahllose, sehr kleine, aber dennoch zum Theil mit freien 


Augen erkennbare Eisenkies-Krystalle, scharf und bestimmt ausge- 
bildete Pentagon-Dodekaeder. Der, aus den Hohöfen entnommene, 
in der oben beschriebenen Weise umgewandelte Sandstein zeigt 
nicht einen Eisenkies - Krystall mehr; diese haben denkwürdige 


Umwandelungen erlitten, denn statt ihrer enthält die geglühte, 
R 
chen von stahlgrauer Farbe, welche nach einer damit vorgenom- 


Masse überall kleine Draht - förmige, zähnige und zackige Tbeil- 


nen Untersuchung Schwefeleisen sind , aber in einem andern Ver- 
hältnisse, als der Eisenkies. Zu einer vollständigen Analyse 
reichte die Menge nicht hin. L. 


— 131 — 


Trümmer-Gehilden bedeckt dass der Kalkstein, woraus der 
Berg besteht, nur mit Mühe zu sehen ist. Auf dem Gipfel 
‚erblickt man die „Gold-Grube am Gletscher.“ Kein Bergmann 
würde wagen, in den alten Bau einzudringen, Seltsame 
‚Dinge erzählte sich das Volk von dieser mine des Genevoss, 
wie die Grube auch genannt wird. Zu gewissen Zeiten 
soll nämlich ein Fremder gekommen seyn und einen der 
Einwohner als Führer zum Gletscher verlangt haben. In 
der Nähe der Öffnung angelangt liess sich der Donner hören, 
Blitzschläge folgten auf Blitzschläge, und aus der Mitte 
eines dichten Nebels fiel ein Hagel von Steinen nieder. Der 
erschreckte Führer sieht seinen Fremden, einen Verbündeten 
des bösen Geistes, nicht mehr, und entflieht u. s. w. 


Von Pinsot folgte ich stets dem Laufe des Azeins; zu 
meiner Linken erheben sich die granitischen Höhen des 
grand charnier und des grand glacier. Jenseits la Ferriere 
gelangt man zur combe de madame und zu den sept lacs. 
Der Fusssteig führt dicht an mehreren Fels-Mauern vorbei, 
in denen Epidot-Gänge zu sehen sind. 


Die sieben See’n liegen in verschiedenen Niveaus und 
sind voneinander geschieden durch Dämme, welche theils aus 
anstehendem Fels gebildet scheinen, theils sind es ungeheure 
Moränen, Folgen von Einstürzungen nachbarlicher Höhen, 
Alles Gestein ist Gneiss, der sich jedoch stets mehr oder 
weniger granitisch zeigt. Dieses Thal, wenn man den 
Verwüstungs-Ort mit solchen Namen belegen will, zeigt im 
höchsten Grade alle Spuren furchtbarer Katastrophen, Zer- 
reissungen, Brüche in mehreren Riehtungen. Man möchte 
glauben, dass die kahlen Piks zu beiden Seiten emporstei- 
gend erst seit Kurzem von einander getrennte Felsmassen 
sind. Jährlich stürzen zahllose Blöcke herab und bis zu 
den See’n hin. — Jenseits des letzten See’s wird die 

_ Schlucht sehr eng; senkrechte Felsmassen erheben sich zu 
beiden Seiten, Von hier bis zur Olte nichts als steile Ab- 
stürze, wechselnd mit Schutthaufen von Felsen-Brüchen, so 


— 152 — 


dass man ohne einen dieser Labyrinthe wohl kundigen Füh- 
rer sich leicht verirren könnte. 

Beim Hinabsteigen vom Rivier nach Allemont sah ich 
Grand Bois, wo eine Eisenspath-Lagerstätte in Talkschiefer 
abgebaut wird. Man überschreitet alsdann zu wiederholten 
Malen Gneiss und Talkschiefer, welche im Wechsel mit ein- 
ander auftreten und deren Lagen fast senkrecht stehen. 

Das Schmelzwerk und das Dorf Allemont liegen auf einem 
schwarzen, thonigen Kalkschiefer, weleher über Talkschiefer 


gelagert ist. 


Ohne Ihnen alles Bekannte über die Chalanches wieder- 
holen zu wollen, ohne mich auf Details einzulassen, wie Sie 
solche in Taury’s Abhandlung nachlesen können *), will ich 
auf jene Thatsachen mich beschränken, welche mir am auf- 
fallendsten waren. — Die talkigen Schiefer mit Granaten, am 
Fusse des Berges dienen als ein sehr vorzügliches Material zum 
Bau der Schmelzöfen; den schieferigen Kalk gewinnt man, um 
denselben zur Dach-Bedeckung zu benutzen. Gneiss, Diorit, 
Hornblende-Gestein sind die Felsarten, woraus der Berg 
besteht; alle gehen in vielartiger Weise in einander über 
und so werden zahllose Varietäten erzeugt, für welche 
man nicht selten keine Namen hat. In der Höhe des Ber- 
ges zumal herrscht das bunteste Durcheinander. Der „Clot- 
Chevalier“, welcher das Ganze beherrscht, besteht aus 
Anthrazit-führendem Sandstein mit Pflanzen - Abdrücken. — 
Dieser berühmte Berg des Chalanches ist mit so vielen Stol- 
len durchlöchert, dass man deren Gesammt - Erstreckung, 
nach den Gruben-Rissen zu urtheilen, wohl auf zwanzig 
Stunden anschlagen könnte. | 

Vom Schmelzwerk Allemont begab ich mich nach Bourg 
d’Oysans. Der Weg führt über eine weit erstreckte Alluvial- 
Ebene. Zur Rechten hat man die Schutthaufen der Felsen- 
Brüche des Cornillons, wo Gelegenheit geboten ist manch- 
faltige Hornblende-Gesteine sammeln zu können, zur Linken * 


*) Journal des Mines, Vol. XX. 


— 133 — 


ist das Romanche-Thal, und jenseits des Flusses der Kalk 
mit Belemniten von Villard- Reculas. Aus der Ferne schon 
lassen sich die gewundenen Schichten dieses Kalkes von den 
Gneiss- und Glimmerschiefer-Lagen unterscheiden, inmitten 
welcher die Sarenne sich ihr Bette grub und, einen Wasser- 
fall bildend, in die Romanche hinabstürzt. Unverkennbar 
zeigen sich die Kalk-Schichten am meisten gewunden, je 
näher dieselben den plutonischen Massen befindlich sind. 
Sie man dieses amphitheatralisch im primitiven Boden aus- 
geweitete Thal, die sehr scharfe Scheidung des Kalkes und 
den kleinen Kegelberg in der Mitte erblickt, so wird man 
geneigt, an einen Erhebungs-Krater zu glauben. Wohl ver- 
diente diese Örtlichkeit einer detaillirten Untersuchung. 

Auf dem Romanche-Ufer gewähren die Kalk - Schichten 
besonders interessante Ansichten, Der Cornillon, Infernet 
und Zazllefer zeigen ähnliche geognostische Zusammensetzung; 
wie die Chalanches: Gneiss und Talkschiefer in Hornblende- 
Gesteine übergehend. Die Kalk-Schiehten sind horizontal, 
geneigt, senkrecht und vielartig gewunden, Sie führen 
viele Kiese. 

Von Bourg - iluraks kehrte ich — da mir die Zeit 
fehlte, bis zu den Bergen de la Grave und Lanlaret vorzu- 
dringen — auf meinen Schritten zurück, der Romanche fol- 
gend, um nach Vozzlle zu gehen. In diesem Thale, welches 
die wilde Romanche durchströmt, zeigen sich die Berge an 
deren rechtem Ufer nackt und zerrissen vom Gipfel bis zum 
Fusse; nieht leicht dürfte eine Stelle zu finden seyn, wo 
man Schichten-Biegungen und Zerreissungen besser studiren 
kann. Häufige Fels-Stürze bringen Massen und Bruchstücke 
von den Gipfeln herunter, und so ist Gelegenheit geboten, 
alle Felsarten-Abänderungen, die hier vorhanden sind, kennen 
zu lernen: Gneiss, Glimmer- und talkiger Schiefer, Horn- 
blende-Gestein, Quarz mit Chlorit-Parzellen und, wie in den 
Chalanches, vielartige Übergänge aus einem Gestein ins an- 
dere. Bis in die Mitte des Thales rollten niedergestürzte 
ungeheure Blöcke, 20 bis 30 Fuss nach allen Dimensionen 


- au —. 


messend ; sie brachen, aber der Bruch: ist so frisch, die 
Theile. befinden sich einander so nahe, dass man glaubt die- 
‚selben leicht wieder an einander fügen. zu-können. Von 
‚Chichilianne nach Vizille tritt. das Thal weiter :aus einander; 
die Gehänge werden sanfter; kleinere und mehr zugerundete 
Bruchstücke bilden die Alluvionen der Romanche. 


Bei Pizille wird Gyps gewonnen. Er setzt eine ge- 
waltige Masse im Belemniten führenden Kalk zusammen, 
woraus auch der Coner - Berg, bekannt durch seine schönen 
Fels-Gestalten, besteht. Eine andere Gyps- Ablagerung ist 
nicht weit davon bei Champ zu finden. Man steigt am Ge- 
„hänge hinan, welches mit vielen losen Granit-Blöcken be- 
deckt ist, der Berg besteht aus thonigem, schiefrigem Kalk. 
Auch Massen eines Konglomerates werden getroffen, in dem 
Quarz-:und Granit-Trümmer durch ein kalkiges Zäment ge- 
bunden erscheinen. Bis Champ lässt sich der Kalk verfolgen, 
Man sieht das Gestein in der Nähe ‘des Gypses, oder 
da, wo dasselbe mit der Varziolite du Drac (einer Abände- 
rung der sogenannten Wacke ?) zusammentrifft. Letztere 
Felsart bildet einen mächtigen Gang. Die Gyps-Schichten 
stehen senkrecht und sind denen des Kalkes - arallell.e. Es 
dürfte kaum in Frage zu stellen seyn, dass der Kalk in 
‚Gyps umgewandelt worden; man erkennt in letzterem noch 
die Blätter-Struktur des ersteren. 


Von Vizille begab ich mich nach Vriage, dem Yaul- 
naveys-Thale folgend. Die Höhen zur Rechten bestehen aus 
Talkschiefer, in welchem Gestein die Eisenerz - Lagerstätten 
aufsetzen, welche bei Pierre plate, bei la grande Combe, Ste, 
Julie und des Halles abgebaut werden. Ich besuchte den 
letzteren Ort; das gewonnene Erz ist ein grossblättriger 
Eisenspath. — Die Berge zur linken Seite des bemerkten 
Weges bestehen ganz aus dem sehwarzen Kalk mit Be- 
lemniten. 


Wie es scheint, so benutzten schon die Römer die 
Wasser von Friage, welche übrigens keine 'Thermen sind. 


RR 


Nach den Analysen der Herren Berruier, BreToX und 
- Guzymaro enthalten dieselben: 


Kohlensauren Kalk . ... 2.» 0,000120 
Schwefelsauren Kalk  . 2... ...0,000710 
Kohlensauren Talk . . » 2...» 0,000012 


— 135 — 


Schwefelsauren Talk . . . » .  0,000393 
Schwefelsaures Natron . . . . .  0,000840 
Salzsaures Natron . . . .0,003560 


‘Freies geschwefeltes Wasserstoffgas 0,000013 
Hydro-Sulphat von Kalk- und Talk- 

2 
Kohlensäure, Spur, 
Stickstoff 6 Kubik - Centimeter auf 

das Litre. 


0,005760 


Die Wasser, mit denen man täglich 2—300 Tropfbäder 
liefern kann, leisten bei Flechten und andern Haut-Krank- 
heiten wesentliche Dienste, 

Um ‚von ‚Vriage ins Isere-Thal zu gelangen, verfolgt 
man ‚eine Schlucht im: schwarzen, Belemniten - führenden 
Kalk... Diesen Weg wählte ich, als- ich nach Grenoble zu- 
rückkehrte. 

„Es war mein Wunsch, ehe ich den schönen Landstrich 
verliess, die „grand Chartreuse“ noch einmal zu’ sehen. Ich 
wählte, die „route du. Sapey.* Mergeliger Kalk, sodann 
grauer Kalk von zahllosen weissen Adern durchzogen , sind 
die Gesteine, welche man trifft. Auf dem ganzen Wege 
und weit oberhalb des Supey liegen sehr viele lose Blöcke 
von Granit und Hornblende - Gesteinen. Nahe beim Sapey 
überschreitet man einen zum Grün - Sandstein gehörigen 
Kalk, auffallend durch seine schneeweise Farbe und durch 
die seltsam gestalteten Felsmassen, welche er bildet. Am 
denkwürdigsten schienen mir die mit dem Namen „les grands 
‚rochers“ bezeichneten, oberhalb des Sapey; ihre Formen 
sind ganz besonders charakteristisch. Sie ähneln vier ge- 
waltigen Brücken-Pfeilern, deren Bogen eingestürzt sind. 
Bis zur grandechartreuse, und bis zum Gipfel des grand Som, 
dem erhabensten Punkt, bleibt der Kalk immer derselbe. — 


y 


_ u 


Was über einen mächtigen Granit-Gang gesagt worden, der 


im Alpen- Thale von Bovinan den Kalk‘ durchbrechen soll, 
fand ich nicht bestätigt... Ich sah nur Sandstein- Masse. — 
Erst bei Saint-Laurent-du-Pont findet man andere Gesteine: 
Lias, Molasse und darüber Diluvium. Kalk und Molasse hal- 
ten bis Poncier an. Von hier bis Yoreppe nur Molasse und 
Diluvium. | 
Von Yoreppe aus besuchte ich zum zweiten Male /a 
Tour du Pin und Corbelin, um nach Morestel mich zu be- 
geben, wo mich die Kalkstein-Ablagerungen und die Dimensio- 
nen eines See’s interessirten, welcher in diesen Gegenden 
existirte, als der Damm des Rhane-Falles noch höher war. 
Auf meinen verschiedenen Wanderungen beging ich alle 
Grenzen dieser gegenwärtig fast ganz ausgetrockneten 
Sümpfe, in denen man beim Gewinnen des Torfes ungeheure 
Eichenstämme trifft, fast so schwarz, wie Ebenholz, Beim 
Graben bis zu gewisser Tiefe findet sich, zumal in den öst- 
lichen und westliehen Theile der Simpfe, ein schöner grauer 
Sand, ähnlich dem des Rhone; es wird von Anwohnenden 
auch als Rhone-Sand bezeichnet, und man behauptet, dass 
der Fluss hier ehedem seinen Lauf gehabt. — Bei niederem 
Wasser kann man deutlich sehen, dass die Schichten der 
den Damm: bildenden Kalk-Felsen gegen 8.0. fallen. Bei | 
Hochwasser wird, da die Schlucht ziemlich eng ist, ein Theil 
der Sümpfe vom Rhone überströmt, die Wasser ariingen bis 
in die Nähe von eig vor, 


Geognostische Beschreibung 
des 
Weilers Berg, 


von 


Herrn Bergrath Dr. HEHL. 


Der Weiler Berg wird von 8.0. nach N.W. von dem 
sogenannten Mühlranm, von N.W. nach N. von der von 
Stuttgart nach Kannstadt führenden Chaussee, von N. nach 
8.0. vom Neckar begrenzt. 

Die hier vorkommenden Gebirgsarten sind der Süss- 
wasserkalk und der plastische Thon der tertiären Forma- 
tion, und das Alluvium, 

Der Süsswasserkalk, der zur jüngern Süsswasserkalk- 
Formation gehört und sich vorzüglich in der Umgegend des 
den Weiler durchfliessenden Nesenbachs findet, scheint das 
Produkt des Niederschlags aus demselben zu seyn, als das 
Stultgarter Thal zwischen dem Hügel, auf dem die Kirche 
in Berg liegt, und zwischen dem Rosenstein noch geschlos- 
sen war, und die Flötze von Süsswasserkalk, die auf den 
vormaligen Zirschbad-Wiesen vorkamen, jetzt aber meist ab- 
gebaut sind, zur nämlichen Zeit abgesetzt wurden. 

Er kommt theils im Nesenbach links von der Chaussee, 
-theils rechts vor, und wurde vor mehreren Jahren beim 
Graben eines Kellers aufgedeckt; er findet sich von.gelblich- 
brauner Farbe, dichtem Bruch, ist hart und klingend, und 
auf den Ablosungs-Flächen meist mit einer braunen Rinde 


— 138 _— 


von Eisenoxyd überzogen; da er nur einige Fuss tief auf- 
gedeckt wurde, so lässt sich seine Mächtigkeit nicht angeben, 
die übrigens nicht bedeutend seyn möchte. 

Der plastische Thon, der grösstentheils den Boden, die 
eigentliche Grundfläche von Berg bildet, und hauptsächlich 
durch die Bohrversuche auf artesische Brunnen aufgeschlos- 
sen wurde, besteht grösstentheils aus abwechselnden Schich- 
ten von blaulichgrauem Thon und Mergel von S— 22 Fuss, 
welche wahrscheinlich durch Wasser - Strömungen von den 
nordwestlich gelegenen Bergen hier abgesetzt wurden und 
das kleine Bassin ausfüllten, auf dem jetzt Berg erbaut ist; 
er findet sich ausserdem noch in der Nähe von Oeffingen, 
1 Stunde von Kannstadi, 3— 4 Fuss mächtig auf Muschel- 
kalk abgesetzt. 

Der Muschelkalk wurde übrigens bei den bisherigen 
Bohrarbeiten in Berg noch nie erbohrt, unerachtet er in der 
Nähe von Kannsiadt in mächtigen Bänken, durch die sich 
der Neckar sein Flussbett ausgewaschen hat, ansteht und 
die obersten Schichten desselben in Stuligart beim Abteu- 
fen von Pumpbrunnen-Schächten in einer Tiefe von 30 Fuss 
gewöhnlich durchsunken werden. 

Bedeutender in Hinsicht auf Ausdehnung und Mächtig- 
keit, als die beiden vorhergehenden Formationen ist die des 
Alluviums am Mühlrain und an dem Hügel, auf dem die 
Kirche steht, welche beide den Flächenraum von Berg süd- 
lich und westlich einschliessen. 

Dieses Alluvium wurde wohl damals, als sich der Neckar 
sein Flussbett unterhalb Kannstadt noch nieht ganz gebildet 
hatte, und diese Gegend noch ein kleiner Landsee war, von 
den Geschieben, die der Neckar derzeit noch führt, abge- 
setzt und aufgehäuft, und bildete somit die über dem Was- 
serspiegel des Kanals bestehenden Höhen, welche theils aus 
grösseren, theils kleineren und meist platten Geschieben von 
Faust- bis @uadratzoll - Grösse und noch kleineren bestehen, 
und unter denen sich Gerölle von Liaskalk, Marlysandstone, 
Liassandstein, meist aber von dichtem oberen Jurakalk, 


— 139 — 


letzterem von verschiedenen Abstufungen des Weisslich- bis 
Bräunlich-Gelben finden , welche lose in einem leberbraunen 
Mergel liegen, mitunter aber durch ein Bindungsmittel von 
weisslichgelbem oder graulichgelbem Keupersandstein aus 
dessen obersten Schichten, aber meist nicht sehr fest zu- 
sammengebacken sind, und theils grössere, hin und wieder 
in der oben erwähnten Geschiebmasse liegende Brocken von 
mehreren Kubikfussen, theils auch weiterhin fortsetzende 
Bänke bilden, und sich an die Schichten des rothen Keuper- 
mergels, aus denen der höllische Bühl besteht, anlehnen. 

Das Merkwürdigste, was in Berg sich in Beziehung 
auf Geognosie findet, ist der Reichthum von artesischen 
Brunnen, die sich beinahe an jedem Punkt, wo man bohrt, 
zeigen. 

Bekanntlich finden sich die artesischen Brunnen in 
Frankreich und namentlich im Pariser Becken da, wo eine 
schief geneigte Fläche von Süsswasserkalk mit plastischem 
Thon bedeckt ist, und die atmosphärischen Wasser, die sich 
durch den Süsswasserkalk niedersenken, durch den plasti- 
schen Thon zurückgehalten, beim Bohren in dem Bohrloch 
und über dasselbige, je nach dem Höher-Liegen des’ Süss- 
wasserkaiks, aufsteigen. 

Alle diese Quellen aber, die man in der Nähe von Parss 
erbohrt hat, führen süsses Wasser, von 6—8S° R. Tempe- 
ratur, ‘die Quellen in Berg und Kannstadt "hingegen sind 
 salzige Stahlwasser ‘von einer Temperatur von 14—173° R. 
Ohnerachtet nun letztere mit den Französischen Quellen in 
so fern ein gleiches geognostisches Vorkommen haben, dass 
sie ebenfalls unter den Schichten des plastischen Thones er- 
bohrt wurden, so weiset doch der bedeutende Gehalt an 
mineralischen Bestandtheilen und kohlensaurem Gas, haupt- 
sächlich aber die erhöhte Temperatur derselben, welche sich 
bei allen Veränderungen der Atmosphäre gleich bleibt, dar- 
auf hin, dass dieselben nicht wohl aus den untern Flötzen 
des Muschelkalks entspringen, sondern in grösserer Tiefe 
durch einen wahrscheinlich galvanischen Prozess gebildet 


— 140. — 


werden. Denn kämen sie aus dem Muschelkalk , so wären 
es gewöhnliche Salzquellen von 8— 11° R. und würden 
nicht in soleh’ grosser Quantität, auch nicht als Steigwasser 
erscheinen. Dass übrigens die Wärme der Quellen in meh- 
rerer Tiefe zunimnt, zeigt sich bei Sulz am Neckar, wo 
die Temperatur der Soole je nach verschiedenen Tiefen von 
9— 13° R. wechselt, und bei den Quellen im Wildbad, 
welche mit 232—30° R, unmittelbar aus dem Granit her- 
vorströmen., | 

Sämmtliche in Württemberg erbohrte Quellen lassen 
sieh daher unter nachfolgende drei Rubriken bringen: 

1. Süsse Wasser, | 
2. Sauer-Wasser, 
3. Salzsoolen, | 

Erstere sind entweder Steigwasser (fonlaines jaillissan- 
tes) von S—11° R. und gehören dann in die Kategorie der 
artesischen Brunnen Frankreichs, die oben angeführt wur- 
den, oder sie haben eine Temperatur von 23— 30° R. und 
dann kommen; sie aus Granit. 

Die Sauerwasser sind entweder Steigwasser aa nicht; 
erstere haben eine ‚Temperatur von 144 — 171° R., letztere 
von S— 10°; nur die wärmeren sind Steigwasser; beide 
scheinen, wie:oben sehon erwähnt worden, Produkte eines 
in grösserer Tiefe fortdauernden Prozesses, und nicht Re-, 
sultate einer mechanischen Auflösung zu seyn, und bei.den 
wärmeren dürfte wohl die erhöhte Temperatur ‚in Verbin- 
dung mit’'dem ‚bedeutenden Gehalt an kohlensaurem Gas 
Ursache ihres hohen Steigens aus dem Bohrloch seyn, da 
die Erbohrung bei mehreren mit einer Explosion beglei- 
tet war. 

‚Die Salz - Soolen siägtjähhe Zweifel Produkte der Auf- 
Usa von Salzstöcken in den untersten Schichten des 
Muschelkalks durch Tagwasser; sie haben eine Temperatur, 
die: 10° R. nicht übersteigt, und werden durch Pumpen aus 
der Tiefe gehoben. 

Derzeit finden sich in Berg folgende salzige Stahlwasser: 


— 141 — 
1) die Quelle auf der Neckar-Insel (Kannstadter Markung) ; 


2) die artesischen Brunnen der mechanischen Spinnerei; 
3) der artesische Brunnen in der Kunstmühle; 
4) der artesische Brunnen von Hrn. Krorz (Kannst. M.). 


1. Die Sauerwasser-Quelle auf der Insel bei Berg, die 
von dem Mühl-Kanal und dem Neckar gebildet wird, hat 
eine Temperatur von 14° R., und nach Herrn Staatsraths 
von KıELmEvYeR’s NUDE nachfolgende FE RPENENnE 
in einem Pfund zu 16 Unzen: 
Salzsaures Natron . . . 19 Gr. 
Kohlensauern Kalk . . . 7,86 — 
Schwefelsauern Kalk . . 52 — 
Schwefelsaure Bittererde . 4 — 
Kohlensaures Eisen . . 168 — 
Kohlensaures Gas . . . 16,1 Kubik-Zoll. 
Schwefel-Wasserstoffgas . 23,22 —; 

sie wurde schon vor längerer Zeit gefasst und haus nach 

ut, als Trinkwasser gebracht. 


. Die artesischen Brı unnen von der ‚mechanischen Spin- 
nerei in Berg. 


Im Jahr 1830 wurden etwas uberhalh Berg, in einer 
kleinen Entfernung von ‚der Chaussee rechts, durch Herrn 
BocKsHAMMER drei Quellen ‚erbohrt, welche aber im Jahr 
1831 durch 5 andere etwas tiefer. liegende , erbohrte Quel- 
len sich wieder verloren; diese 5 Quellen bilden jetzt ein 
kleines Bassin von einigen 100 Fuss im Durchmesser, wovon 
eine in der Mitte, die 4 andern in den Ecken des Bassins 
sich befinden; sie lieferten bei einer Bohr-Tiefe von 117—163 
Fuss anfänglich eine Wasser-Masse von 170 Kubik-Fuss in 
einer Minute, mit einem der Mineral - Quelle auf der Insel 
bei Berg ziemlich gleichen Gehalt und einer Temperatur 
von 15 — 17° R., und stiegen anfänglich 26 Fuss über das 
Bohrloch. 


3. Die Quellen ‚bei der Kunstmühle wurden i. J. 1833 
erbohrt, das obere Bohrloch war wenig ergiebig, das untere 


— MI — 


ergoss aber: 174 Würt. Eimer Wasser in einer Minute; die 
Temperatur ist wie bei der Mineral - Quelle ‚auf. der Insel 
— ph R. 

4. Die Quelle von Hrn. Kulm ebenfalls auf 7 Inbel, 
RR auch im Jahr 1833 erbohrt und gab anfänglich, bei 
einer Temperatur von 154° R., 9 Württemb. Eimer in einer 
Minute, ‘ 
Deren Bestandtheile sind nach einer Unterneh dos 
Hasen Prof. DrsEn folgende: 

In 1000 Theilen — 479,500 Milligram Wassers 

1,1018, 4 Kohlensaurer Kalk ‚528,3 Milligr. 

0,0810 . . Kohlensaure Bittererde 33,9 — 

0,0429 . . Kohlensaures Eisenoxydul 


mit Thonerde | 20,6 — 
0,3168 . Schwefelsaurer Kalk 391,7 .— 
0.6557 . £° Schwefelsaure, Bittererde 314,4 — 
0,0092 2. Schwefelsaures Natron | 4,4 —. 
2,0579 . Chlor-Natrium, Kochsalz 956,8 ah 
4,7653 TR,  2285,1 Milligr. 


100 Maas-Theile Wasser enthalten 102 2,97 Maas-Theile ‚koh- 
lensaures Gas von 0° Berperatr unter einem Druck von 
337 Pariser Linien. 
Die Schichten -,Folge der Glbirgsakti des ‘im ‚Jahr 
1831 niedergeschlagenien mittlen Bohrlochs im’ Ren der ‚me- 
chanischen Spinnerei wär: Bw, S 
Dammerde'', % 9, : yolaor ge 
Fundament eines alten Gemäuers er 
(Wasserthurm) bunt pib ol ab ni 
Rothe Thonerde (Lehm) ge gu 
Konglomerät mit Bruchstücken 
von Taffsten , 2.9. 4 64 
Letten ’und Thon ® . 13 0 
‘Blauer Mergel "m. .0P 9 
Blauer’ Thon -, „=. nee siu,-8° 
‚ Blauer ‚Mergel; weich u... .. 8’ 1 
Das erste Wasser kam zu Tagbei 67' 3“. , ! 


;D ich 


Gelber Mergel .. „ .. . 21 
Grauer ‚Mergel ,.... ana en Dt Zi 
Vermehrtes Wasser 10 Kubikfuss in der Minute. 
Blauer Mergel ...: 21. .,..188/ 30 
Blauer Thon . . . 2.2.6 
Blauer Mergel . . „0... 9% 
Vermehrtes Wasser. 
Blauen lhone-alk. et "or 
Blauer Mergel .... 2.0.00 % 
Vermehrtes Wasser. 
Wasser-Kluft . . . „2.2... 
Wasser-Menge in einer Minute 30 Kubik-Fuss. 

Die Sohle des Bohrlochs besteht aus schwärzlichem 
sehr hartem Kalksteine, Süsswasser-Kalk. 

Die weiteren Bohr-Löcher auf den 4 Ecken des Bassins 
sind 118‘ 136‘ 150° und 152° tief, und haben im Ganzen 
die ähnliche Schichtenfolge; bei keinem zeigte sich aber die 
grosse Wasser-Kluft von 27’ sondern es fanden sich entwe- 
der kleinere Klüfte von 1— 3‘, dazwischen 2 — 3‘ mächtige 
Mergel-Lager oder Thon in Schlamm, Torf-Letten, 

Auch bei den drei ersteren niedergeschlagenen Bohr- 
Löchern fanden sich die ähnlichen Schichtenfolgen. 

Die Schichtenfolge der Gebirgsarten in dem 1833 nie- 
dergeschlagenen Bohrloch, S/. Joseph, des Herrn Kıorz auf 
der Neckar-Insel war folgende: 

Durchmesser der Deuchelmündung 7’ Duod. Maas. 

Angeschwemmter Thon mit feinem 

Semıl: ol. aan m alı a al ne 
Erde und kleines Gerölle . . . 4 
Blauer «Thon ih, uam: ach. gl 
Lockerer Kies, Alluvium . . .. 10% 
Erde mit Gerölle. . . 2.2... % 
Felsen (Sandstein), wahrscheinlich 

ein grosses Geschiebe RE MERBAEN DN E 
Blauer Mergel . . . BE und 
Sandstein, wahrscheinl. wieNr.6 Y 

Jahrgang 1837. _ 10 


* 


—'. di — 


Blauer zarter Mergel . . . . % 
Süsswasserkalk .... 2.2.0004 | 
Hier zeigte sich Wasser, welches dintenhaft schmeckte, von 
10° R. zu 3 Kubikfuss in einer Minute. 
Blauer Sandstein, wahrscheinlich 
wie Nr. 6und8S. .... 3 
Blauer Mergel . . . 2... Y 
Gelber Sandstein, Liassandstein- 
Göschiebe „2! „No ul rund 
Grauer harter Sandstein . . . 8 
Blauer. Thon. ; „..... Wu streih 
Vermehrtes Wasser zu 4 Kubikzoll in einer Minute. 
Blauer Sandstein, wahrscheinlich 
hydrothionsaurer Süsswasserkalk 34 
Gelber Stein, Liassandstein! ; . 6° 
Fette Erde, Torf-Letten! . „ . 1% 10% 
Harter Mergel: + ‚uatunds Wat 
Blauer Thon, plastischer Thon . 11‘ 
Harter Mergel. . 2.0 0% 6’ 
Blauer sehr fester Thon, wahr- 
scheinlich wie Nr. 20°... % 
Wasserkluft . . . 3 Ih? ı 
Hier erfolgte eine heftige Gas- Erbindarig mit Wasser- 
Explosion und einem donnerähnlichen Knall; der Brunnen 
warf einen ganzen Karren Steine, Thonstücke und Sand 
heraus; die Temperatur war 151° R. und die Wassermenge 
9 Würtiemb. Eimer in einer Minute. 
Die Bestandtheile der Quellen der mechanischen Spin- 
nerei und in der Kunstmühle möchten sich wohl ziemlich 
gleich seyn, und werden von den zwei angegebenen Analy- 
sen nicht differiren; sie sind, so viel hierorts bekannt ist, " 
noch nicht chemisch 
Höhen-Bestimmungen in Pariser Fussen über dem Marne | 
Höläascher, Bühl «is1ası) Toren. sie STR 
 Mühlrain, höchster Punkt . . . .„ 778° 
Kirche zu Berg, Eingang . . . . 777 


— 15 — 


Bassin mit den 5 artes. Brunnen der 
mechanischen Spinnerei we. 
Artesischer Brunnen von Kıorz . . 706‘ 
Mineralquelle auf der Neckar-Insel . 697° 
Niveau des Kanals, unterhalb der 
Brücke beim Wasserhaus . .„ . 684 
Artesischer Brunnen in der Kunstmühle 682‘ 


Temperatur der verschiedenen Quellen : 
Östliche Quelle in dem Bassin der 
mechanischen Spinnerei . x . . 144° Reaum, 
Mittle @uelle’allda ,.., . 21.0.1380 
Bei 61° R. Luft-Temperatur: 
Artesische Quelle in der Kunstmühle 14° _ 
Luft-Temperatur 45,0: 
Artesische Quelle bei Kıotrz , . 
Mineralquelle auf der Insel. „ . 
Luft-Temperatur 4°. 


..249 — 
.r,449 —_ 


10* 


Über 
‚die Barometer - Höhenmessungen 
des 


Rhein-Stromes. 


Ein Nachtrag zu dem Aufsatz im dritten Hefte dieses 
Jahrbuches von 1835, 8. 258, 


von 


Herrn General Freiherrn VAN DER Weck. 


Es lag in dem erwähnten Aufsatze nicht die Tendenz, 


den früher gemachten Barometer - Höhenmessungen, in Be- 


zug auf ihre Genauigkeit und die darauf gegründeten Be- 
rechnungen , von wem sie auch seyen, zu nahe zu treten, 
Wir setzen voraus, dass diese Beobachtungen und Be- 


rechnungen mit der höchsten Genauigkeit veranstaltet und 


dabei die vollkommensten Instrumente benutzt wurden. Un- 


ser Zweifel liegt im Verhalten der Atmosphäre. 
Wenn man das Wasser als flüssigen Körper betrachtet, 
so kann es keinem genauen Beobachter entgehen, dass in 


demselben, wenn es sich im fliessenden Zustande befindet, 
viele Erscheinungen, welche man geneigt ist für Unregel- 
mässigkeit zu halten, vorkommen. Diese Erscheinungen 


sind mit der Natur des Wassers verbunden und beziehen 
sich hauptsächlich auf die relative Höhe des Wasserspiegels 
und auf die Richtung des Stromes. 


Par, 


„Der ‚Wasserspiegel eines Flusses ist da, wo der Strom 
dio meiste Schnelligkeit..hat, das ist unter En Stromstriche, 
der — wenige Ausnahmen abgerechnet — gewöhnlich mit 
der Stromrinne oder dem Thalweg zusammenfällt, siehtbar 
höher, und. dessen @ueerdurchschnitt bildet. also eine para- 
bolische Linie. . Beim Auf- oder Untergehen der Sonne ‚geht, 
für den, gegenüberstehenden Beobachter, die Spiegelung der- 
selben auch nicht weiter, als bis zum Kulminations - Punkt 
dieser Linie: ein Beweis ihrer konvexen Krümmung. Die- 
ses Verhalten, welches sich beim Anschwellen des Stro- 
mes immer stärker zeigt, wird selten durch lokale oder 
momentane Störungen unterbrochen. Dessen ungeachtet gibt 
es Hydrauliker von Ruf, welche das Gegentheil behaupten 
und dociren, dass. die Oberfläche eines fliessenden Wassers 
einen zylindrischen Hobhlspiegel bilde. Sie müssen durch 
ihre eigene Sinne getäuscht seyn. ‘Wir wollen ihnen. Auto- 
ritäten entgegenstellen, welche verdienen beachtet zu wer- 
den. . Nachdem Bossur den Beweis voran hat gehen lassen, 
schliesst er: Aensi la rivierc doit alors former & la surface 
une courbe convexe d’un bord ü laulre, ou dans la sections 
Jlatitudinale *). D’Ausvisson pe Voisıns, zugleich ‚grosser 
Geognost, drückt sich viel bestimmter aus, da er sagt: La 
seclion iransversale de la surface d'une riviere presente encore 
une forme remarquable; (C'est une courbe convexe, dout. le 
sommet correspond au fil de Teau (Stromstrich): & partır de 
ce,point de plus grande vilesse le niveau baisse de part el 
diautre jusqu’auxs. bords, et iÜl baisse d’une quantite taniöl 
Egale , tantöt inegale vers chacun d’eux. Plus la vitesse des 
differentes parties du courant. est grande, et plus leur eleva- 
tion respective est considerable **). 


“+ 


*) Traite theorique et experimental d’Hydr odynamique ‚par Charles 
s Bossut ; Paris 1795, T. II, p. 269. | 


En ‘) Traite d’Hydrauligue a Vusuge des Ingenieurs , 5 par J. F. D’Av- 
BUISSON DE VOoIsıns, Ingenieur en Chef au Corps royal des 
Mines ; @ Paris 1834, p. 139. e Fon ” 

Als Schüler von Werner ist er den. Ansichten. seines, grossen 


- As 


Ka, . Ye 
'DieKohäsion des Wassers in Verbindung mit der Strom- 
schnelligkeit spielt bei dieser Erscheinung wohl die‘ Hi 
rolle. — 

Nicht weniger merkwürdig sind die Wider- rt Wirbel 
Ströme, welche sich überall einstellen, wo die Ufer der 
Flüsse durch hervorragende Theile ungleieh sind. Öfters 


gehen die Widerströme eine ganze Strecke Strom - -aufwärts, 


und die Fischer wissen sie sehr gut zu benutzen, wenn sie 
. mit ihren Kähnen bergan fahren. Diese Widerströme ver- 
ursachen- bedeutende Biegungen und wogende Bewegnngen | 
- im Wasserspiegel. 

" Bei den Mündungen der Flüsse in Weltmeere, wo 
-Ebbe und Fluth herrschen, werden andere a 
wahrgenommen, welche ebenfalls auf eine Verschiedenheit 
in der Höhe des Wasserspiegels deuten. — Wenn die Fluth 


14 


ie he a a rn 


u me De ar 


kommt, spürt ‘man diese zuerst am Ufer, so dass es 


hier Strom-aufwärts geht, während in der Mitte die Aus- 


'strömung noch in voller Kraft ist. Auch hat man mehrmals 


in der Tiefe andere Stromrichtungen wahrgenommen, als an 


der Oberfläche des Wassers. 


Sind auf den Flüssen solehe Abwechslungen in der 


Höhe des Wasserspiegels bemerkbar, — um so viel er f 


herrschen sie im Ozean. 


i 


Ebbe und Fluth, worin viele und ISORN unerklärte Un- 


regelmässigkeiten vorkommen; beständige und abwechselnde 


{ 


Strömungen in verschiedenen Meeresgegenden und Richtun- 


‘gen, durch die Seefahrer aller Zeiten beobachtet und be- 


schrieben, genügen um darzuthun, dass der Wasserspiegel 


des Weltmeeres, was dessen relative Höhe betrifft, den 


verschiedensten Veränderungen und Abwechselungen unter- 
worfen ist. 

"Um wie viel mehr müssen solche Abweichungen in 
der fast S00mal leichteren atmosphärischen Luft, welche 


Muh 6 


" Meisters getreu geblieben , bis die neueren Theorien auch bei ihm 
Eingang fanden. 


t 


— 19 — 


mit der Höhe an Leichtigkeit zunimmt, Statt haben? — Hie: 
zu kommt noch die wichtige Rolle, welche die Elastizität 
bei den Luftbewegungen spielt. 

Muss man nicht in der Atmosphäre Ebbe und Flach 
mit grösseren Schwankungen und beträchtlicheren Unregel- 
mässigkeiten als im Weltmeere annehmen * An verschie- 
dene Zönen dieser Erde sind verschiedene Luftströmungen 
gebunden, hier regelmässig, dort veränderlich. Nach den 
verschiedenen Weltgegenden oder Gestaden äussern sie sich 
in höchster Kraft oder sie verhalten sieh in einem mehr 
ruhigen Zustande. In gebirgigen Gegenden sind nicht weit 
von einander gelegene Thäler öfters sehr verschiedenen me- 
teorischen Erscheinungen unterworfen. Es ist keine Sel- 
tenheit, zwei oder drei Wolkenschiehten in verschiedener 
Höhe, jede in einer von der andern abweichenden Richtung 
forttreiben zu sehen. | 

Wenn sehon das Wasser in Tiefen mit mehr Geschwin- 
digkeit strömt und dessen Spiegel über denselben 'sich auch 
mehr erhebt, kann dieses denn auch nicht in der atmosphä- 
rischen Luft über Thälern’Statt haben $ — Wir vermuthen, 
dass einige meteorische Erscheinungen darauf hindeuten. 
Wenn die Wolken z. B. durch westliche Winde getrieben, 
die Vogesen oder das Haardt-Gebirge verlassen und sich über 
das Rhein-Thal verbreiten, scheinen sie öfters höher zu stei- 
gen, indem sie sich brechen und keinen Regen mehr ergies- 
sen, bis sie‘sich wieder auf die Gebirge des Schwarzwaldes 
und des Odenwaldes senken und anhäufen. Pu je 

Bei solch’ einem ungleichartigen Verhalten der Atmo- 
sphäre kann man als gewiss annehmen, dass es Lokalitäten 
gibt, wo die relative Höhe der Atmosphäre nicht mit der 
umliegenden oder mehr entfernten gleichen Schritt hält, 
und auch wo die relative Höhendifferenz in einem Sinne 
fortwährend abweichend bleibt, so dass dieselbe dadurch, 
nach Barometer - Bestimmung entweder zu Hiedent oder zu 
hoch angegeben wird, | N 

Im 5öten Bande des neu sg pbyatkhllschög 


—. 190 — 


Wörterbuches von Geuter, Artikel Höhenmessung , ‘findet 
man schon ($. 322 u. f.) merkwürdige Abweichungen an- 
gegeben, — aber das Vertrauen auf die Barometer - Höhen- 
Messungen wird noch viel mehr geschwächt, wenn man die 
Abhandlungen von Erman (Beobachtungen der Grösse des 
Luftdrucks über den Meeren, und von einer bestimmten Be- 
ziehung dieses Phänomens zu den geographischen Coordina- 
ten der Orte; Poscenporr Annalen der Physik und Chemie, 
23. Band, 1831, S. 121), von Scnouw (über den Mittelstand 
des Barometers am Meeresufer, ibid. 26. Band, 1832, 8. 
395) und von Besser (über Höhen-Bestimmungen durch das 
Barometer, ibid. 36. Band, 1835, S. 187) zu Rathe nimmt. 
Letzter drückt sich darüber sehr bestimmt aus, da er sagt: 
„Die Anwendung des Barometers zur Messung des Hö- 
henunterschiedes zweier Punkte beruhet auf der Voraus- 
setzung des Gleichgewichtes der Atmosphäre; sie würde 
niehts zu wünschen übrig lassen, wenn diese Voraussetzung 
mit vollem Recht. gemacht werden könnte. Dann könnte als 
wahr angenommen werden, dass die Höhe des Quecksilbers 
im Barometer dem Gewichte der über demselben befindli- 
chen Luftsäule proportional wäre, während dieses nicht an- 
genommen werden kann, wenn diese Luftsäule oder ein 
Theil derselben, eine dem Horizonte nicht parallele Bewe- 
gung hat. Auch würden Schichten der Atmosphäre von 
«gleicher Dichtigkeit horizontal seyn, und man würde die 
Messung des Höhenunterschiedes zweier Punkte mit voller 
Sicherheit erhalten, diese Punkte möchten beide in einer 
Lothlinie, oder in kleinerer oder grösserer Entfernung von 
einander liegen. Bei dem Zustande der Atmosphäre, so wie 
er wirklich ist, ist nieht mit Sicherheit darauf zu rechnen, 
dass das: Barometer das genaue Maas des Gewichtes der 
über demselben befindlichen Luftsäule angebe; noch viel 
sch aber kann auf die Horizontalität der Luftschichten 
vo n gleicher Dichtigkeit gerechnet werden. Die Störungen 
dieser Horizontalität sind oft so gross und anhaltend, dass 
der aus den Beobachtungen eines ganzen Monats aUBIREEIN 


ur “ 
vr 


ur 


2% wi } er 


=. 1 — 


m 
mittle Unterschied der Barometerhöhen zweier 30 — 40 
Meilen von einander entfernten Punkte mehr als eine Pariser 
Linie von der Wahrheit abweichen kann, wie unter Anderem 
aus den sorgfältigen Beobachtungen dieser Art hervorgeht, 
welche die astronomischen Nachrichten früher von Altona 
und von Apenrade mitzutheilen pflegten. Obgleich also das 
Barometer in keinem Falle eine völlig sichere Bestimmung 
des Höhen - Unterschiedes zweier Punkte geben kann, so 
wächst doch die Unsicherheit mit der Entfernung der mit 
einander zu vergleichenden Punkte so sehr, dass der Fall, in 
welchem sie in einer Lothlinie liegen, als der bei Weitem 
vortheilhaftere angesehen werden muss.“ 


Übrigens leuchtet aus den Angaben des Prof. Schouw 
zur Genüge hervor, dass noch viel zu thun übrig bleibt, ehe 
man mit dem Mittelstand des Barometers am Meeresufer 
ins Reine kommt. Die verschiedenen Weltgegenden und 
Gestaden nach Breite und Klima liefern bedeutende Varia- 
tionen, welche berücksichtigt werden müssen, — und diese 
sind im Allgemeinen noch nicht hinlänglich beobachtet. 


Was die ungefähre Berechnung des Rhein - Gefälles an- 
belangt *), so ist diese seiner Art nach einzig hypothe- 
tisch und kann nie auf eine solche zuverlässige Genauig- 
keit Anspruch machen. Indessen, wenn man Gelegenheit 
hat, einen Fluss Jahre lang zu beobachten und dabei einige 
genaue partielle Abwägungen in Überschlag bringen kann, 
wie ‚der Obrist Turza wahrscheinlich gethan hat, so kann 
man der Wahrheit schon sehr nahe kommen. Obschon Mer 
von ‚mir gemachte Überschlag nicht durch solche Beobach- 
tungen unterstützt war, so bleibe ich doch der Meinung, dass 
er der Wahrheit näher kommen möchte, als die bei uns 
bekannten Barometer-Bestimmungen. Übrigens kann es seyn, 
dass ich das Gefälle von den Niederländischen Grenzen bis 
Königswinter zu gross, dagegen dasjenige von dort bis 


”) Man sehe Jahrgang 1836, 2. Heft, S. 195 dieses Jahrbuches. 


-. 1ER. — 


“: 


Bingentu gering angeschlagen: RL, was sich aber für Mann- 
heim kompensiren würde. MEET \. 
Der Zweck meines Aufsatzes war nur eine nähere Un- 
tersuchung in Anregung zu bringen. Das erhaltene Resultat 
aus Barometer-Höhenmessungen für Mannheim , in Vergleich 
mit dem örtlichen klimatischen Verhalten, kommt uns immer 
zu nieder vor. Um allen Zweifel zu heben, wäre es zu 
wünsehen, dass die Regierungen der Rhein - Ufer - Staaten 
sieh zu der Ausführung von. genauen Nivellirungen , wie 
in den Niederlanden geschehen, entschliessen könnten. Die- 
ses wäre in geologischer Hinsicht von grossem Interesse; 
aber noch viel wichtiger für die Hydrotekten des Rhein-Ufers, 
welchen bis jetzt die Basis fehlt, worauf sie ihre Opera- 
tionen ‚mit Zuverlässigkeit zu gründen vermögen, vorzüglich 
in Rücksieht der sogenannten Rektifikationen, welche an ei- 
nigen Stellen vorgenommen werden und immerhin gewagt 
bleiben, so lange sie nicht mit Berücksichtigung des Ver- 
haltens vom ganzen Strome vorgenommen werden. Sollen 
indessen solehe Nivellirungen mit der gehörigen Zuverlässig- 
keit ‚geschehen, so müssen sie auf beiden Ufern zugleich 
vorgenommen werden, und die zu diesem Zweck Operiren- 
den müssen von Zeit zu Zeit ihre Verrichtungen aneinander 
prüfen und berichtigen, wo es Noth thut. 
Es wäre zu wünschen, dass die Rhein-Ufer- Hydrotekten 
von unterhalb Mannheim an bis zur Niederländischen Grenze 
dasjenige, was ihnen über das Gefälle des Rheins, wenigstens 
für den Theil, worüber sie die Aufsicht führe ‚en, bekannt ist, 


veröffentlichten; wahrscheinlich wäre daraus ein Ganzes zu 


bilden , welches sich den Torirschen Angaben anschlies- 
sen ‚könnte. 


Über Br | 
a: geologische Alter und die organischen 
. Ueberreste der tertiären Gesteine des e 
Ki Maynzer - Beckens, 

| H. G. BRoNnN. 


u 


In der Schrift meiner verehrten Freunde v. KLırstein 
und Kivr über den Dinotherium-Schädel (vgl. Jahrb. 1837, 
S. 91 ff.) ist eine Parallelisirung der Maynzer Tertiär- 
Formation mit der mittlen und oberen Abtheilung des Pa- 
riser Grobkalkes unter dem Gypse, und eine Gleichstellung 
des zu oberst liegenden Knochen - führenden Sandes bei 
Alzey mit dem Pariser Gypse selbst enthalten, welche mich 
zur gegenwärtigen Untersuchung über das Alter jener Schich- 
ten veranlasst, so ferne es aus den organischen Einschlüssen 
gefolgert werden kann; da nämlich das Maynzer Becken 
keine anderweitigen Gesteine enthält, welche zu einer Be- 
stimmung des Alters nach MänkdaBe der Lagerungs - - Folge 
dienen könnten, und da die .lithologische Ähnlichkeit‘ "fer 
Gesteine bei Maynz mit denen bei Paris oder ändern be- 
kannten Punkten nicht so gross ist, dass daraus‘ ein evidenter 
Beweiss für das Alter der hei Schichten entnommen 
werden könnte, Re 

Schon vor 13 Jahren haben die beiden KR 
dieses Jahrbuchs das Maynzer Becken mit mehreren Freudälh 
in der Absicht zu bereisen begonnen, um eine geögnöstische 

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Bern 


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Beschreibung davon zu liefern, was inzwischen über ander- 
weitigen Berufs-Geschäften unterblieben ist. Die geognosti- 
schen und Petrefakten-Sammlungen aber, so wie die schrift- 
lich aufgezeichneten Beobachtungen, sind inzwischen sorgfältig 
aufbewahrt und gelegentlich bereichert worden. Die For- 
schungen Kaurp’s haben seither wichtige Materialien für 
eine Arbeit über dieses Becken geliefert, und KıırsrEin 
hat in der angeführten Schrift Thatsachen über die Lagerungs- 
Folge der. dortigen tertiären Schichten unter sich. mitge- 
theilt ,- welche aufzusammeln nur bei einem oft von ‚ihm 
wiederholten Besuche dieser Gegenden und‘ zum‘ TR ab 
telst der von ihm geleiteten Nachgrabungen nach fossilen 
Knochen möglich war. Obschon ich die Gegend sonst nach 
allen Richtungen bereist hatte, so muss ich gestehen, dass 
mir einige Verhältnisse erst durch diese Schrift klar geworden 
sind. Indem ich seinen und Kaur’s Forschungen einen Theil 
der früher von den Herausgebern gesammelten Beobaebtun- 
gen und das Resultat der Untersuchungen über sämmtliche 
mir von dort her bekannt gewordne Fossil- Reste beifüge, 
' ergeben sieh Mittel zur Vergleichung mit ‚den Tertiär- 
Bildungen anderer Gegenden, woraus ein genügendes Resul- 
tat hervorgehen dürfte. | 
Diese Vergleichung auf eine vollständige Weise ding 
zuführen ist mir inzwischen erst seit einem Jahre möglich 
geworden, in welchem ich durch Hrn. Pvzos noch, eine 
grosse Anzahl fossiler Konchylien aus dem. Becken von:Bor- 
deaus zum Eigenthum, durch die Herren Staatsrath von 
Eıcnwarn und Professor Pusch fast alle von ihnen in, Polen 
gefundenen  tertiären Konchylien zur Untersuchung und gros- 
sentheils zum Eigenthum, und endlich durch den. Vizepräsi- 
denten der. Kais, Hofkammer, Herrn v.'Hauzr, alle, von ihm 
bis jetzt im Wiener Becken gesammelten; (über 300), Arten zur 
Vergleichung und auch meistens für meine Sammlung erhalten 
habe, Durch diese Bereicherungen meiner, Sn mlun bin ich 
denn, auch , zuerst, zur Überzeugung, ‚gelangt, dass..die; 3.oben 
‚genannten Becken, ‚wie E. o& ANERIRRS und De aus 


% 


4 1% 


verschiedenen Gesichtspunkten gefolgert *), wirklich einer 
mittlen tertiären Abtheilung zwischen dem Grobkalke und 
der Subapenninen - Formation ‚angehören‘, ‘nachdem ich sie 
früher mit letzterer, der sie allerdings weit näher als der 
ersteren stehen, und mit welcher sie gegen ein Drittheil 
ihrer Arten (Desnavyes gibt nur 0,19 an) gemein haben, 
vereinigt gelassen hatte. 

Die von Kaur so trefflich beschriebenen Säugethiere 
des Maynzer Sandes, des obersten Gliedes der dortigen 
Tertiär-Formation, sind einschliesslich einiger Fisch - Reste, 
folgende **): 

A. Raubthiere. 
I. Gulo, Vielfrass: neue Art. 
1. diaphorus, 
1. Felis, Katze: 4 Arten, 
2. aphanista, 
3. prisca, 
4. ogygia, 
5. antediluviana. 
Il. Agnotherium: 1 Art, 
6. antiquum. 
IV, Machairodus: 1 Art, 
7. eultridens (Ursus eultridens), auch zu 
Puy-de-Döme und in den Subapenninen 
Toscanas. 
B. Nagethiere, 
V. Cricetus, Hamster: 1 Art. 
S. vulgaris, von der lebenden Art nicht 
wesentlich verschieden. 
VI. Palaeomys: 1 Art, 
9. castoroides, 
VI. Chalicomys: 1 Art, 
10, Jägeri. 


*) Vgl. Jahrbuch 1832, S. 245. 
**) Die neuen Arten, deren Benennung kein Autor-Name beigesetzt ist, 
sind alle von Kuur benannt. 


I, 
nr 


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NHL: Ohtdo dnas Hi Art zussstenpas sie it 

et Il..typus. analryı! sign 
X. Arctomys: 1 Art, kpn 

N BPERREREUTENT Mi primigenia | rer 7902, 

X Spermophilus: 1 Art, 


al 2000 1% sapereiliosus. 


C. Wiederkäuer. 
al, Dorcatherium: 1 Art, 
| 14. Naui. 
"x. Cervus, Hirsch: 5 Arten, 
15. Bartholdi, 
16. anoceros, 
17. trigonoceros, 
18. curtoceros, 
19. dieranoceros. 


D. Dickhäuter. 


XI. Dinotherium: 2 Arten, welche vielleicht zusam- 
men gehören. Eine dritte Art im Polni- 
schen Tegel. 

20. giganteum: zu Wien (wo — ob in 
gleicher Formation — auch Masto- 
don angustidens vorkommt), 

21. $Cuvieri*) (D. Bavaricum v. Mey.) 
zu Georgensgmünd, ? Fürth, Cominge, 
Carlat-le-Comte und zu COhevilly, mei- 
stens mit Mastodon longirostris 
(*M. angustidens) und Acerothe- 

'rium. 
XIV. Tapirus, Tapir: 2 Arten. 


22. prisceus, 


*) Die Arten Dinotherium maximum, D. medium, Rhinoce- 
‚ roshypselorhinus, Moschus antiquus, Cervus bra- 
chycerus, welche v. Meyer nach Kaup anführt, finde ich bei 
diesem nicht angegeben; zum Theile sind es auch Synonyme von 
obigen. 


— 158 — 


m 23. antiquus. en AA n; 


XV, Chalicotherium: 2 Arten, Lu 
an 24, Goldfussii, 
25. antigquum, 


XVI. Sus, Schwein: 4—5 Arten, 
26. antiquus, 
27. Sogygius, 
235. palaeochoerus, 
29. antediluvianus, 
30. Sdiluvianus (stammt aus dem Rheine 
selbst, daher die Formation unsicher), 


XVU. Pugmeodon: 1 Art, 
31. P. Schinzii, 


XVII Acerotherium: 1 Art. | 

32. incisivum, findet sich nicht allein im 
Sande von Eppelsheim, sondern auch 
im Kalkstein unter diesem bei Maugen- 
heim, Mombach, Windheim und Boden- 
heim unfern Maynz mit vielen Süss- 
wasser - Konchylien; — ausserdem zu 
Georgensgmünd, Wien, Avaray und Ab- 
beville, öfters mit Dinotherium. 


XIX. Rhinoceros, Nashorn: 3—4 Arten, 

33. Schleiermacheri, auch zu Georgens- 
gmünd , | 

34. Goldfussii, 

35. minutus ÜCuv. theils wirklich zu Zp- 
pelsheim, theils im Sande bei Weinheim 
mit Hai-Zähnen; — anderwärts: mit 
Elephant, Höhlenbär und Hyäne 
zu Moissac, und in den Höhlen bei 
Lunel viel, Pondres und Souvignar- 
gues. 

36. leptodon: bei Wiesbaden, vielleicht in 
einem anderen Gebirge. 


—- MB 


= XX, Hippotherium (Equus v. Mkr., ‘Hipparion 


= 


Carıstor *%): %2 Arten. Eine unbestimmte Art 
glaubt Duvernoy in der Knochenbreceie von Mont- 
behard mit Höhlenbär-Resten gefunden zu haben. 
37. gracile: auch im Bohnerz der Württem- 
bergischen Alp, aber auf sekundärer La- 
‘ gerstätte, 
38. nanum. 
XXL. Mastodon: 1 Art, 
39. longirostris; auch zu Georgensgmünd 
und Puy de eh. 


# 


E. Cetaceen. 


XXl. . . 40. Rippen und Wirbel im Sande unter 
dem Maynzer Kalk bei Flunheim ete. 


F. Fische. 
XXI. Squalus, Hai, im Sande bei Weinheim, 


in Molasse u. oberem 
R Meeressand d.Schwestz, 
41. cornubicus Brv. in Steyermark, zu Neu- 
42. ferox Bıv. dörflbei Wien, zu Mont- 
Ipellier, in Secilien, bei 

Brüssel. 

Der Eppelsheimer Sand bei Alzey hat demnach 36 — 38 
Arten von Landthieren aus 21 Geschlechtern geliefert; 9 
dieser Geschlechter bestehen noch in unserer Schöpfung, 
12 sind ausgestorben. Von 36 Arten ist eine noch am Le- 
ben und sind 35 ausgestorben; von diesen kommen nur 7 
auch anderwärts vor auf primitiver und ist eine in den Bohn- 
erzen auf sekundärer Lagerstätte beobachtet worden. Von 
jenen sieben gehört nur eine, Rhinoceros minutus, mit 
Gewissheit der dritten Tertiär-Formation an; auch von 


“) Wenn, was jetzt noch nicht zu entscheiden ist, Hipparion zu Hip- 
potherium gehört, ‚so scheint er in Süd - Frankreich in höheren 
Schichten als zu Muynz vorzukommen, obschon DE CHRISTOL diese 
Schichten als Äquivalente des Paris. obern Meeressandes betrachtet. 


— 159 — 


Machairodus in /lalien kann es der Fall seyn; mit Hipp o- 
therium ist es zweifelhaft; unter den übrigen Fundorten ist 
keiner dem Alter nach durch die Lagerungsfolge bestimmt; 
doch glaube ich die wichtigsten unter ihnen: die Auvergne, 
Georgensgmünd *) und Wien, von welchen wenigstens die 
zwei ersten eine grössere Zahl ihrer Lagerung nach be- 
kannter und zur Vergleichung geeigneter Arten darbieten, der 
Analogie ihrer Fossil-Reste nach für gleich alt mit dem Maynzer 
Becken halten zu müssen. Was Wien betrifft, so ist we- 
nigstens als bekannt vorauszusetzen, dass dort eben die mittle 
Tertiär- oder die Tegel-Formation sehr entwickelt ist, obschon 
auch möglich wäre, dass die dort vorkommenden der ange- 
führten Knochen-Reste aus Diluvial-Boden stammten. End- 
lich deuten auch die fossilen Begleiter. des Dinotherium zu 
Chevilly und dem benachbarten Avaray auf Bildungen über 
dem Gypse hin. 

Vergleicht man nun die Land-Säugethiere des Maynzer 
Beckens mit denen des Grobkalkes, so haben. beide auch 
nicht eine Art und, wie es scheint, nicht ein Geschlecht 
gemein. Insbesondere fehlen die im Gypse so häufigen und 
bezeichneten GeneraAnoplotherium, Palaeotherium**), 
Lophiodon, Choeropotamus, Adapis u. s. w. bei 
Maynz gänzlich. Dagegen ünden sich hier schon mehrere 
Arten aus den Geschlechtern Cervus, Rhinoceros, Ma- 
stodon und von dem Pferde-ähnlichen Hippotherium, 
welche jugendlichen Formationen angehören und sieh nirgends 


”) Vgl. Jahrb. 1835, S. 357, wo v. Mever ausdrücklich anführt, dass 
Georgensymünd auch nicht eine fossile Art mit Paris, wohl aber 
einige mit Montabusard und Montpellier gemein habe. Wenn er 

- aber ferner angibt, dass wenigstens die Genera mit denen des Pa- 
riser Gypses grösstentheils übereinstimmten , so kann ich dagegen 
in seiner eigenen Aufzählung ausser Palaeotherium (P. Aure- 
lıanense) auch nicht ein gemeinschaftliches finden. 

**) Eine Palaeotherium-Art, P. Aurelianense, findet sich zwar, 
wie erwähnt, zu Georgensgmünd mit vor; diese Art aber scheint 
jünger, als die übrigen zu seyn: sie kommt noch zu Montabusard, 

Toulouse und Friedrichsgmünd vor, wenn nicht etwa verschie- 

‚dene Arten hier vermengt worden. 


Jahrgang 1837, 11 


— 109 — 


im Pariser Gypse oder dessen unzweifelhaften Äquivalenten 
zeigen. — Wenn daher die Analogie des Vorkommens der 
fossilen Knochen von Maynz irgend etwas zu erweisen ver- 
mag, so deutet es auf die erste Tertiär - Bildung gar nicht, 
auf die dritte wenig, aber stark auf die mittle hinyuwelche, 
wie schon erwähnt, Manches mit der dritten gemein hat, 
Was diese letztere aber vorzugsweise bezeichnen kann: 
Elephant, Höhlenbär und Hyäne, Ochsen und 
Riesen-Elenn, findet sich nicht zu Maynz. Daher dür- 
fen wir denn auch die Dinotherien, 'das Acerothe- 
rium ineisivum, Mastodon longirostris, Rhino- 
eeros Schleiermacheri und die Hippotherien als 
die bezeichnendsten Säugethier - Arten der zweiten Tertiär- 
oder der Tegel-Formation betrachten. 
Die Cetaceen-Reste vermögen keine nähere Auskunft 
. zu geben. 
as die Squalus-Arten anbelangt, so scheinen sie 
den zwei letzten Tertiär - Gebilden allein, und der Tegel- 
Formation hauptsächlich anzugehören. Bei Alzey führt sie 
(Lıpsmein in dem Sande mit GCetaceen-Resten au, der 
unter allen dortigen Tertiär- Bildungen läge; ich erhielt sie 
von Weinheim bei Alzey, ohne die Lagerung genau zu kennen. 


Zu einem gleichen Resultat, wie die der Knochen, führt | 
uns nun die Betrachtung der fossilen Crustaceen- und 
Testaceen-Reste, welche in den Kalk-, Mergel- und Lehm- 
Bänken über dem Sande mit Cetaceen-Resten und Hai- 
Zähnen, und unter dem mit Säugethier-Knochen vorkonmen, 
wobei ich jedoch noch bemerken muss, dass ich unter einer 
sehr grossen Anzahl von Arten die Hälfte der wenigen, 
welche Krırstein und Kaurp anführen, nicht wieder erkannt 
habe. Zur Erleichterung der Übersicht bei deren Aufzäh- 
lung stelle ich die anderweitigen Fundorte (ausser dem Mayn- 
zer Becker) in vier Rubriken zusammen: unter I]. nämlich 


den Pariser Grobkalk einschliesslich des Gypses (P.) und 


— 161 — 


die Bildung von Castellgomberto (C.); unter II. den obern 
Meeressand von Paris (Par.), das Gebilde von Bordeaux 
(B.), den Tegel des Wiener Beckens (W.) und Polens (P.); 
unter III. die Subapenninen - Formation Italiens (I.), Sici- 
biens (S.) und Nord- Deutschlands (D.), so wie den Crag 
Englands (E.); unter IV. die Wohnorte der noch lebend 


vorkommenden Arten. 


Die Molasse der Schweilz bedarf noch einer wiederhol- 
ten Untersuchung (Sch.), indem sie zwar in ihren Meeres- 
Sehiehten nur Konchylien - Arten der dritten Formation 
darbietet, aber in ihren Ligniten Säugethier-Reste, wie es 
scheint, höheren Alters enthält. Die Gegend von Mont- 
pellier (M.) scheint Bildungen der zweiten und der dritten 
(Perpignan) Formation zugleich zu enthalten. Wir rechnen 
daher etwas zweifelhaft die Molasse zur dritten, den Moel- 
lon Montpelliers mit Braumont zur zweiten, den obern Mee- : 
reskalk daselbst zur dritten Formation, 


I. IL, II. IV. 
I. Balanus: 1 Art, vom Peters- | 


WE LE WE EEE PRINESA N: 
I. Cypraea: 1 Art. 
2. Cypraeacites inflatus von 
VB. nicht LAMme..: 4. 
"IM. ?Cassidaria: 1 Art, Wärths- 
A rkeENN 
IV. Murex: 1 Art, Petersberg . 
V. Tritonium: 14 Art. 
6. Apenninicum nob. var, *) 
VI. Fasciolaria: A Art, Wirths- 
mühle. 
7. ?Fusus affınis Bronn Ital. 
? Turbinella Lynchi Basr. 
VI. Pleurotoma: AArt, Würths- 
mühle. 


WW, Wi, 


@B) |@T) 


| 8. BorsoniBast. var. tumida B. W. 
VII. Cancellaria: A Art, Wirths- ‘ 
mühle. 
9. ?cancellata,. var. obtuse 
Cora le 5 r ? 


IX. Cerithium: 7 Arten. 
10. gibbosumEıchw. Wirths- 


mühle ?minutum SERR. P.W. | (? I.) |? Mittelm. 


*) Var: dente labri secundo majore. 


Ih” 


44. erenatum Derr. ©. 
tumida, Wirthsmühle 
42, varicosum Derr,, 
Wirthsmühle n 
Muricites substriatus \ 
ScHLoTH. 
135. argaritaodum 
Bren. Weinh. 
"Muricites granulatus 
SCHLOTH. . .: . . 
ed. var. Hattenheim 
44. ?cinctum Bruce. var. 
überall . ! 
Murex trieinctus Biol! 
Muricites incrustatus 
SCHLOTH. . . 
Muric. sübrostellafirs 
SCHLOTH. . 
C. nodosum ee 
C. disjunetum Eıchw. 
%5. plicatum Lex. überall 
Murie. rostellatus Schz. ' 
46. — Turbinites laevissi- 
mus Scan. Weinh. 
X. Tornatella: 4 Art, Wirths- 
mühle. 
XI. Trochus: 3 Arten, Wirths- 
mühle. 
48. excavatus Brex. 
49. 20. unbestimmt R 
XU. Scalaria: 4 Art, Wirthsm. 
24. ?multilamella Basr. 
var, a 
XII. Natica: 2 Ale) 
23. crassatinale.(?wo) 
Helicites Zr, Sa 
SCHLOTH. 
23. Guilleminii Pic : 
XIV. Neritina: 4—2 Arten, Op- 
penheim. 
24. Neritites cochleatus 
SCHLOTH; ie. „ine, 
XV. Paludina: 3 Arten. 
25. ?lenta Sow. v. Maynz 


acutaLr.überall, östl. 
Helicites paludinarius 
SCHLOTH. 
inflata nob. Maynz 
eic. 
Helicites 
SCHLOTH. 


26. 


27. 


gregarius 


xXVI. Helix: 1—2 Arten, einzeln, 


Ostseite. 
28. nemoralis Lın. . 


162 


. . . 
m m nn nn Lan nn nn nn en nn mn 


I. 1I. IV. 
W. 1. | 
I. 
B. (m. ®)) LE. 
(M.?) 
W.P.B 
PC.| m, T. 
Par.P.B.| „.: 
c. (M.) Nizza 


nach Lamarck zu Ponchartrain;, * 
Formation ? 


B.P. Ss, Mittelm. 
?P. 
W. 
| w. (M) N Mittelm. 
Buzxwill. 
Deutschl. 


*) Die von M Dr Serrss abgebildete Art mit dem Synonym C. mar- 
ginatum ist doch vielleicht noeh verschieden von der Maynzer. 


— 18 — 


I. 1. II. IV. 
XVII. Cyclostoma: A Art, ein- . 
zeln, Neustadt, vielleicht 
adcrustirt. 
29. elegans Der. A? Deutschl. 
XVIH. Bulla: 2 Arten, Wirthsm. 
30, angistoma Desn. 
Bullacites cylindricus 
SCHLOBH. nl . 
N, 2 ovale lelıe 
XIX. Emarginula: A Art, 
; Weinheim. 
32. ?fenestrella Dusoıs 
Patellites fissuratus 
SCHLOTH. 
XX. ?Pileopsis: (Patelloides) 
4 Art. 
33. a 


Eıchw. . P. 
XXI Dentalium: 1 Art, un- 
vollständig . 2 E 
XXI. Corbula: A Art. 
34. nucleus Lk. (C. ru- 
gosa auclt.). » ; 
XXI, Crassatella: A Art, neu, 
Weinheim. 
XXIV. Lucina: 2—3 Arten, 
Wirtihsmühle. 
36. squamulosa Lk. . 
37. (ähnlich L. elegans) . 
XXV. Tellina: 4 Art, Wirthsm. 
XXVL Diplodonta: 4 Art. 
XXVIL Cyprina: 2 Arten. 


40. islandicoides axett. 
Neustadt etc. . . . 


P. W. | I. S. | Mitielm. 


Par. W. 


B. W. P. I. 
(‚Sch.) 
41. affıinisBronn, Wein- 
heim . er 
XXVIN. Cyrena: 2 Arten. 
42. ähnlich C. Sowerbyi 
Bust. . EN Aa 
Venerites subaratus 
SCHLOTH. 
43. Veheriles Eimilkrenn 
ScHL., am Ostrand . 
XXIX. Crassina: 1 Art, ähn- 
lich Venus dysera. 
XXX. Venus: 4 Art, Weinh. 
45. ähnlich V. laevigata Lx. 
XXXL Isocardia: A Art, neu, 
Wirthsmühle. 
XXXI. Venericardia: 41—2 Ar- 
ten, Wirthsmühle. 
47. scalarıset chamae- 
formis Sow. . .. w. I .E, 
XXXII Cardium: 2 Arten. 
48. ähnlich C. Pallasia- 
num Bast. . . . 


I. 


=) 


= Be 


49. zwischen C. planatum 
und ©. irregulare . » 
XXXIV. Nueula: 1—2 Arten. 
50. margaritacea Lmk. h 
Petersberg ......}P. | B.W. |I. S$,.| Mittelm. 
XXXV. Arca: 1 Art. 
51. nodulosa BroccuHi . W.P. 1.S. | Mittelm. 
XXXVI. Pectunculus: 2 Arten, 
‘ Wirthsmühle. 
52. pulvinatus, v.Bren. 
Dvz., nicht Lamk. . Ww. ? 
63. n. sp. — Chamites ip #1 
arcatus SCHLOTH, . . 
Arcacites pectun- 
eulatus ScHL. . |. 
XXXVI. Coelogonia: 1 Art. 
64. Brardii n., Maynzu. 
Ostrand . . 
Mytilus BrardüiBren. : B. (Ulm.) 
Mytulites ee 
SCHLOTH. . 
XXXVIIL Perna: A Art, Alzey. 
55. maxillata Im, TR B. (test. TI. 
j SERR.) 
XXXIX. Pinna: Trümmer, Op- 
penheim. 
XL. Pecten: 1—2 Arten. 
57. pietus Gupr. Wein- 
heim . 
68. ?Pvarius Link. teste‘ 
Müsst, ; sehr , unvoll- 
kommen! u: Mia Wars 
XLI, Ostrea: 1 Art, Flohn- 
heim, untrer Sand, 
59, callifera Luk. . 
Ostracites fossula Scht. | i BIN | 


Unter diesen 59 Arten sind nur 53 in einem Zustande, 
der eine nähere Vergleichung und Bestimmung zulässt; sie 
allein werde ich daher auch nur in Rechnung bringen, näm- 
lich mit Ausschluss von Nr, 1, 17, 24, 34, 56 und 58, 

Unter den 41, resp. 36 Geschlechtern ist kein aus- 
gestorbenes. 

Von den 53 Arten würden 

a) 1 sehr zweifelhafte in der I. Formation allein (25), 

b) 2 wohl im Pariser Becken, aber über dem Gypse (36, 
59, auch 15), 

c) 3 in den drei Tertiär-Formationen zugleich (18, 15, 50), 
worunter Nr. 50 auch noch lebend, | 

d) 7 nebst einigen zweifelhaften allein im Tegel (8, 10 


Ru 


27, 30, 33, 36, 59), einschliesslich dem obern Mee- 
ressande, 

e) 7 nebst zweifelhaften in der Il. und Hl. ‚Formation 
gemeinsam (6, 11, 13, 40, 47, 54, 55)» 

f) 3—4 eben so, und zugleich lebend (23, 26, 34, 51), 

g) 2 in der III. Formation allein (12, 41), 

h) 0 in dieser und zugleich lebend, 

i) 1—2 allein lebend (28, 29%) vorkommen. 

Berücksichtiget man, dass aus der mitteln Tertiär- 
Formation noch am wenigsten Arten bekannt sind, und dass 
dieselbe überall eine grosse Anzahl ihrer Arten, vielleicht 
ein Drittheil mit der dritten gemein hat, so würden die fos- 
silen Arten bei: Maynz ihrer Zahl nach unzweifelhaft bei 
Weitem am meisten mit denen der Tegel-Formation überein- 
stimmen; denn 21 (0,40) derselben sind in dieser auch an 
anderen Orten vorgekommen; die relativgrösste Anzahl (7) hat 
sich im Tegel allein, und eine eben so grosse in diesem und 
der Subapenninen - Formation zugleich gefunden; aus der 
Grobkalk-Formation allein kommt auch nicht eine unzweifel- 
hafte Art vor; aus der Subapenninen - Formation allein nur 
zwei Arten, von deren zweiter ich zudem nur ein einziges 
Exemplar gefunden habe; die andere wird sieh wahrschein- 
lich auch. noch anderweitig in Tegel entdecken lassen. 

Was die Qualität der Arten anbelangt, so möchte ich 
unter den aufgeführten die Pleurotoma Borsoni, Pileop- 
sis compressiuseula undetwa Bulla angistoma für die 
bezeichnenderen für den Tegel halten, da-sie sich bis jetzt 
in ihın ausschliesslich und an mehreren Orten gefunden 
haben. Dagegen fehlen allerdings diejenigen Arten gänzlich, 
welche ich nach beiden Gesichts-Punkten, der Menge und ihrer 
ausgezeichneten Form wegen, überhaupt als die charakteri- 
stischsten Arten des Tegels ansehe, und welche wahrscheinlich 
den tieferen Abtheilungen desselben angehören, nämlich: 
Conus acutangulus, Aneillaria glandiformis, 
Voluta rarispina, Buceinum baccatum, Pyrula 
' rustieula, Pleurotoma tuberculosa, Turritella, 


— 166 — 


Archimedis, Natica compressa, Venericardia 


Jouanetti etc. Dieser Umstand und die verhältnissmässig 


sehr grosse Menge zugleich der dritten Periode angehöriger 


Arten deutet mehr auf eine obere Abtheilung des Bau 


als auf tiefere Schichten desselben. 

Dagegen ist wieder die Anzahl der noch lebend vor- 
kommenden Arten, 6—7 im Ganzen, für die zweite Tertiär- 
Formation sehr gering, da sie nur 0,12 beträgt, während 
sie nach Desuayzs 0,18 ausmachen sollte. 

Ein anderes von dem der übrigen gleichzeitigen See- 
becken abweichendes Verhältniss wird durch den Aufent- 
haltsort eines Theiles der darin vorkommenden Konchylien- 


Arten in süssem oder doch brackischem und abwecehselndem 


Wasser (so viel sich nämlich aus der Analogie mit den 
nächst verwandten lebenden: schliessen lässt) angedeutet: 
durch seine Cerithien nämlich, die sich zum Theile’ den 
Potamiden näheren, welche Bewohner der Flussmündun- 
gen seyn sollen; — durch seine Cyprina islandicoides, 
welche, wenn auch sogar dem Genus nach vonC. islandica 
verschieden, doch eine ähnliche Lebensweise gehabt zu ha- 
ben scheint; — durch seine 2 Cyrena-Arten, deren Ge- 
schlechtsverwandten Fluss-Bewohner sind, und welche sich 
in mehreren Schichten in ziemlicher Häufigkeit finden; — 
durch seine Coelbgonia Brardii und seine Paludina 
acuta und P. inflata, welche an wenigen Orten ganz 
fehlen, aber unterhalb Maynz sogar für sich allein die 
Schichten in einer Mächtigkeit von 35° — 40° ‚zusammen- 
setzen; — endlich die einzeln, aber in diesen letztern doch 
ziemlich oft vorkommenden Landschnecken aus dem. Ge- 
schlechte Helix. Diese alle sind es, wegen deren man noch 
jetzt die ganze oder einen grossen Theil der Formation als 
eine Süsswasser - Bildung bezeichnen hört. Wenn wir aber 
die Coelogonien und Paludinen, welche hier in so unge- 
heurer Anzahl vorkommen und daher am meisten Licht über 
die Bildung dieser Gesteine müssen verbreiten können, näher 


prüfen, so gelangen wir zu einem andern Resultate. Die 


u Al 


nächst verwandten nämlich von Coelogonia Brardii sind 
Mytilus cochleatus Nvst, welcher sich erst neulich in 
einem geschlossenen Salz - Becken bei Antwerpen mit Ba- 
lanen u. a. Seekonchylien gefunden hat, und Mytilus 
polymorphus, welcher in der Donau, der Wolga, dem 
Kaspischen Meere, den gesalzenen See’n bei Königsberg und in 
einem mit der T’hemse verbundenen Becken zum Ausbessern 
von Seeschiffen wohnt und im vorigen Jahre mit dem ersten 
Holländischen Rhein- Schiffe auch bis Mannheim gekommen 
ist, also Bewohner süsser sowohl als gesalzener Binnenwasser 
ist und nur nicht im offenen Meere vorkommt. PArrsch 
hat im vorigen Jahre noch 4 Arten dieses Geschlechtes aus 
dem Tegel, unter dem Namen Congeria beschrieben, 
welche sich dort mit Süsswasser- (Melanopsen ete.) und See- 
Konchylien zusammenfinden. Die kleine Paludina acuta, 
welcher bei Maynz die P. inflata *) überall beigesellt ist, 
bewohnt noch jetzt in unsäglicher Menge, so dass man sie 
mit den Händen zusammenhäufen kann, die Etangs an der 
Küste von Süd - Frunhreich und Italien, seichte und ruhige 
Theile des Meeres, welche durch längs der flachen Küste 
hinziehende Sandbänke von dem offenen Meere getrennt, 
aber der stärkeren Verdunstung wegen wohl noch salziger 
sind, als dieses. Es ist daher weder nöthig noch möglich 
anzunehmen , dass diese Milliarden von Individuen durch 
Bäche aus irgend welchen kleinen Pfützen vom Lande 'her- 
abgeführt worden seyen. Die Schaalen der Landschnecken 
deuten dagegen allerdings an, dass die Küste von ihrem 
jetzigen Ablagerungs-Orte nicht fern gewesen seyn könne. 
Alle vorhin genannten Konchylien, welche mit den 
wirklichen See-Konchylien durcheinander vorkommen, deuten 
daher auf ein zwar, vielleicht von seiner Emporhebung her, 
noch mit Salzwasser versehenes, aber wenigstens in späte- 
rer Zeit vom offenen Meere abgeschlossenes ruhiges Becken 


*) Von letzterer Art habe ich noch keine guten Exemplare erhalten 
können. Wird sie sich von Valvata obtusa genügend unter- 
scheiden ? . 


— .. 168. — 


hin, welches wahrscheinlich durch die beständige Zuflüsse 
von Süsswasser und dessen Abfluss in Vermischung mit dem 
Salzwasser sich allmählich aussüsste und durch Niederschläge 
den Boden auffüllte, während vielleicht zu gleicher Zeit sein 
Spiegel durch tieferes Einschneiden der Abflussschwelle sich 
senkte, und das Becken sich allmählich trocken legte. Die 
letzten See - Konchylien mussten nun zu Grunde gehen. 
Kleine Inseln erhoben sich anfänglich aus dem Wasser, 
welche allmählich immer mehr zusammenflossen und für 
Sumpf-bewohnende Pachydermen ein willkommener Aufent- 
haltsort wurden. Der Rhein änderte inzwischen seinen Lauf 
wiederholt, und bewirkte hiedurch neue Unregelmässigkeiten 
in den vielleicht schon unregelmässig abgesetzten Schichten, 
wie denn noch jetzt nachweisbar ist, dass er gerade in der 
Gegend, um die es sich hier handelt, einst eine ganz andere 
nach Westen ziehende Richtung besessen habe. Durch die 
hier mitgetheilte Ansicht würde sich die Isolirung dieses 
mittel-tertiären Beckens Deuischlands von allen gleichzeiti- 


gen Bildungen erklären. ” 


nme nennen nn nme m nn nn en nn. 


Briefwechsel. 


Mittheilungen, an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. 


Alexandria, 19. Nov. 1836. 


Ich bin im Besitze Ihres lieben Briefes vom 20. März d. J. und 
danke Ihnen auf das Herzlichste dafür. Meine Rückreise aus Klein- 
Asien nach Ägypten war sehr interessant. Ich besuchte den grössten 
Theil des Libanon, war bei den Zedern, bestieg die höchste Spitze des 
Libanon, den Gebbel Makael, dessen Höhe Enurengerg zu 12,800 Par. 
F. beiläufig angibt (ich habe meine Barometer-Beobachtungen noch nicht 
ausgerechnet), bereiste den ganzen Antilibanon und war in Baalbeck 
‚und Damaskus. Die Höhen- Angabe des Libanon scheint mir viel zu 
gross, und ich glaube kaum, dass seine höchste Spitze 9000 Par. Fuss 
erreicht und schätze die Meereshöhe der Zedern auf 6000 P. F. Ich 
habe ein Barometer - Nivellement der bereisten Punkte in Händen und 
habe mit guten Instrumenten und sorgfältig beobachtet, zur Kalkulation 
aber noch keine Zeit gefunden. Das Centrale des Libanon sowohl als 
des Antilibanon besteht aus Bergkalk, carboniferous limestone, 
auf dem der Kohlensandstein aufgelagert ist. Letztrer führt Steinkoh- 
lenlager, von denen die zu Makla ain el Bed, zu Bsedilin und zu Mar 
Hanna el Kenniset bereits im Abbau stehen. Der Bergkalk führt Stock- 
artige Lagerstätten von Eisenstein von ungeheurer Ausdehnung bei Mar 
Hanna el Schuähe. Die Eisenerze, welche darauf einbrechen , sind 
Brauneisenstein, Eisenocker und herrlicher Spatheisenstein. Der Koh- 
lensandstein sowohl, als der Bergkalk werden von häufigen Diorit- 
Gängen durchsetzt, welche höchst interessante Modifikationen in 
Schiehten - Systeme der beiden Felsgebilde bedingen. Die Gebänge der 
beiden Gebirgszüge in Ost und West bilden Kreide, Kreide - Mergel 
und Braunkohlen - Sandstein, welche beide ersteren Kreide - Gebilde be- 
sonders im Antilibanon, wo der Kohlensandstein fast ganz verschwindet, 
ungeheure Entwicklung zeigen. Wie vom Taurus, so wurden auch vom 
Libanon und Antilibanon geognostische Karten und eine Menge Durch- 
schnitte verfertigt, die einst ein hübsches Ganzes bilden werden. In 


| —-— 10. — ! 


wenigen Tagen werde ich von_hier nach Ober-Ägypten und Nubien ab- 
gehen und wahrscheinlich bis Waddi Halfa meine Reise fortsetzen, um 
von dort aus den noch ganz unbekannten Gebirgszug zu untersuchen, 
der in Dongola sich durch die Nubische Wüste bis ans Meer zieht. Von 
Nubien ist mein Plan, nach Kenne zurückzukehren, mich nach Kosseir 
am Rothen Meere zu begeben und von dort nach Arabien zu gehen. 
Ob mich nun meine Reise sogleich an den Sinai führt, oder ich südlich 
nach Hedjas und Jemmer mich wenden werde, weiss ich noch nicht. 
Bei meiner Rückkehr aus Klein- Asien fand ich endlich zu Beirout in 
‚Syrien meine Instrumente, und bin nun ausser dem noch nicht angekom- 
menen Boussol-Instrumente mit Azimut-Kreis, Fernrohr und Höhenbogen, 
im Besitze von zwei Barometern zum Höhenmessen , vielen Thermome- 
tern, einem Plıotometer, Thermohygrometer, Hypsometer, mehreren Aräo- 
metern, Elektrometern zur qualitativen und quantitativen Untersuchung 
der Luft-Elektrizität, astatischen Nadeln, Sextanten,, Boussolen, Fern- 
röhren, einem Mikroskope, welches bis 270,000mal in area vergrössert, 
einem elektrochemischen und einem thermoelektrischen Multiplikator, 
einem Inklinatorium , von Probierwagen , Löthrohr-Apparat, Reagentien- 
Kasten und einem sehr stark wirkenden magneto-galvanischen Apparat 
mit grossen Hufeisen-Magneten. Sämmtliche Instrumente sind in Wien 
verfertigt und wirklich von seltener Schönheit und Genauigkeit. 


RussEsger, 


Darmstadt, 22. Dez. 1836. 


Bei dem Versuch auf das Erbohren einer Springquelle zwischen 
Weinheim und Offenheim bei Alzey wurde zuerst vom Tage herein der 
untere Grobkalk (unterer tertiärer Sand mit kalkigen Sandsteinen und 
Konglomeraten, Pectunculus pulvinatus, Ostrea hipoppus etc.) 
40° mächtig durchsunken. Hierauf ging man wieder durch .eine Reihen- 
folge von Sandsteinschichten mit sandigen Schieferthoneu abwechselnd 
(Old red Sandstone), 50° mächtig. In einer Tiefe von 90° erreichte man 
ein dolomitisches Gestein, in welchem man, da die Arbeit darin in 
Folge der beträchtlichen Festigkeit desselben in hohem Grade erschwert 
wurde, den ohnehin keinen Erfolg versprechenden Versuch aufgab. Ob 
wir gleich aus verschiedenen Teufen desselben Bohrproben zukamen, so 
darf ich mir doch nicht erlauben, darüber zu entscheiden, ob der in der 
Tiefe erreichte Dolomit eine Einlagerung im Old red Sandstone bildet 
(es zeigen sich darin untergeordnete krystallinische und dichte Kalkmassen 
nordwärts dieses Punktes in geringer Entfernung bei Niederhausen au 
der Nahe, zwischen Duchroth und Hallgarten etc.), oder dem Bergkalk, 
oder gar dem Grauwackenkalk angehört. Er ist grobkörnig, gelblich- 
grau und brausst schwach mit Säuren. 

. A. v. Kuırstein. 


v 


Er en RN EEE 


eh er ee Re; 


— 171 — 


Ludwigsthal, im Januar 1837 *). 


Der bisherige Bohrversuch in Schramberg wird nun wohl sein Ziel 
in der Tiefe von 754° erreicht haben, da man bereits 8’ in einem rothen 
Feldstein-Porphyr gebohrt hat, der ohne Zweifel das Liegende der Stein- 
kohlen - Formation bildet und in den Granit übergehen wird, wie diess 
hier am Rande des Beckens, wo der Granit sich emporhebt , häufig be- 
obachtet werden kann. 

'Indessen habe ich bereits etwas entfernter von Schramberg, im so- 
genannten Kirnbachthale einen neuen Versuch angefangen, wo ich 
eine grössere Erhebung der Schichten vermuthete und somit hoffen 
konnte, die Kohlen - Formation in geringerer Teufe zu erreichen. Den 
Versuchschacht liess ich am tiefsten Punkte des Thaies im Todtliegen- 
den ansetzen; bei der jetzigen Jahreszeit und dem starken Zudringen 
von Wassern konnte derselbe aber nur 10° niedergebracht werden. In 
einer Tiefe: von 7‘ traf ich auf Bänke einer Porphyr - Breceie, in der 
noch 3° abgeteuft wurden. Jetzt ist man in einer Tiefe von 26‘ noch in 
demselben Gestein. Die Erscheinung dieses Gesteins ungefähr in der 
Mitte des vom Todtliegenden erfüllten Beckens, von dem bisher keine 
Spur -in Schramberg bekannt war, gibt mir einige Hoffnung, dass die 
dortigen Versuche doch noch gelingen könnten. Ganz ähnliche Gesteine 
bilden in andern Gegenden nicht selten das Hangende der Kohlen-. 
Formation, und es sollte, wenn diese Analogie nicht trügt, dieselbe hier 
‘ auch beträchtlich höher liegen, als an der Stelle des bisherigen Bohr- 
Versuchs. Wenn man nicht wieder in das Todtliegende kommt, was 
ich jedoch nicht vermuthe,, so werden die künftigen Arbeiten bald Auf- 
schluss geben. 

ZOBEL. 


St. Petersburg, 4°. Januar 1837. 


Petersburg hat für das naturhistorische Wissen recht anziehende 
Seiten. In mineralogischer Hinsicht sind es vorzüglich die reichen 
Schätze der zum Theil prachtvollen Russischen Mineral - Vorkommnisse, 
die ausser dem berühmten Museum des Berg-Instituts auch noch in 
andern öffentlichen Sammlungen und in zahlreichen Privatkabinetten aun- 
gehäuft sind. Aber auch Vieles des Ausgezeichnetsten von auswärtigen 
Mineralien ist hier zu finden; eine Vereinigung wahrbaft gigantischer 
in- und aus-ländischer Vorkommnisse hat aber ganz insonderheit das 
Museum des Berg-Instituts aufzuweisen, durch dessen Schätze über- 
haupt das Auge eben so geblendet, als das Interesse auf die leb- 
hafteste Weise in Anspruch genommen wird. Da ich mich bei einer 
andern Gelegenheit in nähere Betrachtungen des Berührten einzulassen 
gedenke, so erspare ich für jetzt ein weiteres Detail darüber. 


*) Mitgetheilt von Herrn Bergrath Dr. Hrus. 


— m — 


In geologischer Hinsicht ist derjenige Theil der Umgegend von Pe- 
'tersburg von erheblichem Interesse, welcher Ihnen bereits aus PANDERS 
Beiträgen zur geognostischen Kenutniss von Russland bekannt seyn 
wird: ‘In dieser Arbeit ist Fleiss und Sorgfalt unverkennbar an Tag 
gelegt; ‚doch nach«.dem jetzigen Stand der Geologie lassen sich denn 
doch noch der Sache andere Ansichten abgewinnen. — Ich würde Ihnen 
einen bereits darüber verfassten Aufsatz für das Jahrbuch beigelegt 
haben , wenn ich nicht die Absicht hegte,, erst noch einige Beobachtun- 
gen an entfernteren Punkten anzustellen, um dessen noch gewisser zu 
werden; was sich mir als Resultat ‘ergeben hat; ‘inzwischen glaube ‘ich 
wenigstens Einiges davon berühren zu dürfen. Wie Sie wissen, sind’die 
Meinungen über das Alter des Zarskoe Seloer, so wie über das des 
Esthländischen Kalksteins nicht ‚alle gleich übereinstimmend. Vorzüglich 
Enseruarpr und der Engländer Srtrinsways sind bekanntlich als Wi- 
dersacher -derer zu betrachten, welche in jenem Kalkstein eim Gebilde 
der Übergangsepoche sehen; beide wollen ihn für ein neueres Erzeug- 
niss gehalten wissen. Es ist allerdings wahr, die ganze aus Kalkstein, 
Sandstein und mehr 'Schieferthon als Thonschiefer bestehende Forma- 
tion, so wie ihr Bruder, der Kalkstein von Narwa und Reval , haben, 
einen starken Anstrich von dem Charakter, welcher zum Theil den 
neuen Flötz- und selbst Tertiär - Gebilden eigen ist; namentlich ist die 
‚ganz söhlige Schichtung , ‘das lagenweise Vorkommen einer Grünerde- 
artigen Substanz und der an Petrefakten - Fragmenten reiche , "zuweilen 
lockere Sandstein geeignet, solche Erinnerungen hervorzurufen ; aber, 
wenn man nicht allen bisherigen Erfahrungen zuwider gerade denjeni- 
gen Petrefakten, welche als die bezeichnendsten für das Übergangs- 
Gebilde gelten, eine ganz andere Deutung unterlegen, ‘und dagegen 
anderen Merkmale aus der petrographischen Beschaffenheit entnommen 
ein grösseres Vorrecht einräumen will, als ein solches für normale Fels- 
arten heutigen Tags zugestanden werden kann, so muss man, ohne 
gegründete Einrede, die berührten Bildungen als Übergangs - Gebirge 
ansprechen. — Höchstens könnte etwa für die gegentheilige Meinung 
nur noch angenommen werden, dass die jdem Kalkstein zustehenden 
Orthoceratiten, Trilobiten und Terebrateln schon einer Gebirgs-- Bildung 
angehört hätten, aus deren gänzlicher Zerstörung und Auflösung die 
jetzige hervorgegangen sey, und die fast meist nur als Fragmente im 
Sandstein inliegenden organischen Überbleibsel vermöchten einer sol- 
chen Vorstellungsweise das Wort zu reden; aber ‘bei allem dem, dass 
ein solcher Fall nicht unmöglich, so mangeln wenigstens dem Kalkstein 
an den Punkten , wo er jetzt zu beobachten ist, die Kriterien , welche 
diess zu bekräftigen im Stande wären. Überdem steht die Zarskoe Se- 
toer Formation sammt der damit identen Esthländischen ja nicht isolirt 
da. Sie: hat unstreitig ihres Gleichen in dem Skandinavischen Übergangs- 
Gebirge, und ist jedenfalls eben so gleichbedeutend mit der von Podvo- 
lien, die insgesammt von bewährten Gebirgs-Forschern als ächtes 
Übergangs - Gebirge anerkannt worden sind. Da übrigens dort der 


— 13 — 


Sandstein im Allgemeinen über dem Kalkstein liegt, während er in der 
Umgegend von Zarskoe Selo diesem zur Unterlage dient, so giuge 
‚hieraus ganz offenbar die Wechsellagerung beider sich wiederholenden 
Gruppen, und damit zugleich als ausgemacht hervor, dass alle 3 Fels- 
arten, die hier erscheinen, nur Glieder einer und derselben Forma- 
tion wären. Ob endlich der Sandstein mit dem rothen Übergangs- 
Sandstein, und der Kalkstein mit dem Bergkalk zu parallelisiren wären, 
diese Erörterung behalte ich mir später vor. Vieles spricht dafür. — 
Nur einer Erscheinung will ich noch hier mit einigen Worten gedenken, 
welche die fragliche Formaiion auch von einer andern Seite noch recht 
anziehend macht. Schon Panver glaubt bei Gelegenheit, wo er den 
Kalkstein mit dem Skandinavischen Übergangs - Gebilde vergleicht, die 
starke Schichten - Senkung dieser letztern dem Einfiusse der dort damit 
verbundenen abnormen Gesteine, zuschreiben zu müssen, um hierin eine 
Erklärung für die Schichtenhorizontale von jenem zu finden. Und in 
der That stehen damit auf eine überraschende Weise einige Erscheinun- 
gen im Einklang. Es sind diess die zwar kleinsten aber nichts desto 
weniger lehrreichen und frappauten Profile an den Ufern der Pulkowa, 
wo der dem Kalkstein zur unmittelbaren Unterlage dienende Schiefer 
gewaltsamer Weise zerrüttet und, indem er wie Kegel in den Kalkstein 
eingeschoben ist, theils dessen söhlige Schichtung in eine gewölbte ver- 
wandelt, theils auch die Schichten gänzlich zersprengt hat. Pınper 
glaubt das Verhalten durch eine Selbstentzündung des Schiefers veran- 
lasst; doch man sieht hier, wenn auch nicht in der Wirklichkeit, doch im 
Geist, ein abnormes Gebilde im Aufsteigen begriffen, was sich aber über 
ein gewisses Niveau nicht erheben konnte, um dieÖberfläche zu erreichen. 

In Finnland habe ich ausser der Umgegend von Pitkaranda und 
den Punkten, die ich auf einer flüchtigen Reise dorthin berührte, nur we- 
nige genaue Beobachtungen, zu machen Gelegenheit gehabt; aber das 
was ich gesehen, hat mir die Überzeugung verschaftt, dass eine ge- 
nauere Untersuchung dieses Landes sehr gewichtsvolle Resultate im 
Geist der neueren Geolegie liefern möchte. Allerdings fehlt hier das 
Beisammenseyn von plutonischen und neptunischen Gebilden und damit 
auch die bedeutungsvollen Beziehungen zwischen beiden, denn, ausser dem 
Thonschiefer und seiner Sippschaft, scheinen auffälliger Weise alle 
normalen Gebilde in Finnland zu fehlen, und ob am Ende nicht jenen 
auch eine andere Stelle anzuweisen‘ wäre, ist eine Frage , die sich fast 
immer mehr aufdrängt. Als Ersatz aber für den Mangel an evidenten 
Wassererzeugnissen ist eine ziemlich bunte Vielartigkeit von Feuerpro- 
dukten in einem grossen Maasstab entwickelt und somit gewiss ein rei- 
‘ cher Stoff zur Beobachtung des gegenseitigen Verhaltens, als gleich- 
zeitig gegen den 'Thonschiefer , geboten. Ein Umstand, der übrigens 
auch in Finnland , wenigstens strichweise, günstig für solche Beobach- 
tungen seyn dürfte, das sind die oft meilenweit erstrekten Waldbrand- 
stätten. Nächst aller Vegetation ist hier auch fast jede Spur von Damm- 
erde zerstört, so dass schauerlich kahle Gebirgsscheitel zum Verscheia 


— 1714 — 


kommen, die, wenn sie sich auf wahre Gesteine erstrecken, dem Auge 
dann wie Landcharten vorliegen. Es gewährt diess mitunter recht be- 
lehrende und frappante Ansichten. So ist es zuweilen äusserst interes- . 
sant, auf so entblössten Gesteins - Plateaus zu sehen, wie theils nur 
Glimmer-Anhäufungen in linearen Richtungen, theils schon Gneiss-artige 
Parthie’n gleich Strömen granitische Massen durchziehen. Andererseits 
bemerkt man stellenweise wieder Granit-Durchkeilungen in den ihm be- 
nachbarten Gesteinen blossgestellt, oder auch Gesteinscheiden , die bald 
einander parallel gehen , bald in einander eingreifen. Von solchen Er- 
scheinungen ‘muss ich einige Örtlichkeiten anführen. Eine der ersten 
Art bietet in der Umgegend von Pitcaranda vorzugsweise ein Gneiss- 
artiger Dioritschiefer dar, und ein Punkt, wo sie auf eine recht deutliche 
Weise zu sehen, ist unweit des kleinen Wasserfalls bei Korinoa an der 
Strasse von Pitcaranda nach Kittel. In einem hier entblössten Streifen 
der letztern Felsart von 20 bis 30 Schritt Breite schlängeln mehrere 
Granitarme, in Abständen von kaum einigen Fäden, herum. Sie sind | 
jeder von 1 bis 3 Fuss mächtig, und machen mit dem h. 7 streichenden 
und steil einschiessenden Hornblende-Gestein mehr und weniger schmale 
Winkel. Punktweise setzen sie ab und legen sich nur theilweise wie- 
der an, denn einige keilen sicb ganz aus. Die Schichtung des Horn- 
“ blendegesteins zwischen den Granitästen ist mitunter etwas, aber nur 
schwach , bemerkbar verrückt, doch von Merkmalen erlittener Verände- 
rung auf den Kontaktflächen ist nichts zu sehen. Seitwärts, einige 100 
Schritt davon, steht am Gebirgsabhang Granit an, der sowohl weiter 
Gehäng-aufwärts, als längs desselben fortsetzt, aber der Zwischenraum 
zwischen ihm und dem, welcher die Einkeilungen bildet, ist mit Damm- 
erde bedeckt. Gleichwohl ist es augenscheinlich, dass diese letzteren 
nur die Ausläufer von jenem sind; denn indem sie sich mit ihrem stär- 
keren Ende unter der Dammerde verstecken , spitzen sie sich mit dem 
entgegengesetzten zum Theil in den Dioritschiefer aus. Nichts ‘würde 
hier nach der jetzt herrschenden Vorstellungsweise natürlicher als die 
Annahme seyn: dass der Granit, nachden er den Schiefer zersprengt, 
von unten in denselben eingedrungen sey. Ich bin einerseits von der 
feurigen Bildung beider Gesteine überzeugt, doch kann ich mich nicht 
bestimmen, dieses Vorkommen bier so zu deuten, wie es erscheint. 
Eben so möchte ich aber auch noch solchen Zweifel auf eine andere 
Deutung ausdehnen, die einem anderweitigen Verhalten beider Felsarten 
unterzulegen seyn würde. Es ist das die zweite Art der Erscheinung, 
die ich oben berührte, und die darin besteht, dass die Scheiden dieser 
Gesteine, die in der bezeichneten Gegend in mehrmaligem Wechsel 
auftreten, stellenweise zusammenlaufen, so dass eine oder die andere 
abgeschnitten scheint. Unter Berücksichtigung des erst berührten Vor- 
kommens möchte auch hier der Schiefer die durchbrochene Masse seyn; 
aber gerade diesem treten Umstände entgegen, worin schon zum Theil 
die Gründe liegen , ‘welche eine solche Annahme für beiderseitige Vor- 
kommnisse in Frage stellen. Vorerst sind die Granitstriche meist viel 


breiter als wie die Schieferstreifen, sodann behauptet die Schieferung 
von diesem im Allgemeinen gleiche Neigungswinkel, und endlich lassen 
sich weder Einschlüsse von Schiefer im Granit, noch Konglomerat-artige 
Bildungen, und auch keine Ergebnisse feuriger Einwirkung auf den 
Gesteinsscheiden wahrnehmen. Nun wäre es aber doch wohl wunderbar, 
wie sich bei so gewaltigen Zerberstungen, als die dominirenden 
Granitmassen voraussetzen, noch so regelvolle Verhältnisse hätten er- 
„alten können , und noch wunderbarer, dass sich im Granit nicht ein 
Theil des Schiefers wiederfinden sollte, der zum Weichen gebracht wor- 
den ist. Wenn demnach hier mehr an gleich-, als an ungleich-zeitige 
Bildung zu glauben seyn würde, so möchte daraus aber auch hervor- 
gehen, dass sowohl die Verzweigungen des Granits in den Schiefer, als 
das stellenweise Ineinandergreifen beider nur Verhältnisse wären, die 
auch bei gleichzeitiger Entstehung abnormer Gesteine Statt haben 
könnten. Es würden Erscheinungen ähnlieh denen seyn, die uns so 
häufig an Handstücken aus mehreren Mineralien bestehend, oder an 
Kıystallkrusten entgegentreten. Dass nun aber auch überhaupt Finn- 
lands Gebirgssystem mehr nur in einige grosse Gruppen, als in 
vereinzelte Bildungen zerfällt, darauf weisen mehrere gewichtsvolle 
Umstände hin. Der eine und wichtigste ist, dass namentlich zwischen 
Gneiss-artigem Granit, Gmeiss, Glimmerschiefer, Gneiss-artigem Syenit 
und Diorit-Kriterien gegenseitiger Durchbrechung zu fehlen scheinen. 
— Ein. zweites Verhältniss ist die innerliche Entwicklung der Felsarten 
gewissermaasen aus einem Stamm; in der petrographischen Beschaf- 
fenheit der einen Felsart sind zugleich die benachbarten mit angedeutet, 
und so gibt es fast mehr Zwitter-, als ein Normal-Gestein. ENGELHARDT 
stellt dieses Verhalten, in dem von ihm bereisten grossen Landstrich 
zwischen dem Finnischen und Bottnischen Meerbusen , mitunter recht 
treffend heraus, eben so wie zum Theil auch den Verband der zwischen 
den meisten Gesteine im Grossen Statt zu haben scheint. Es ist diess ein 
gleichfalls sehr beachtuugswerthes Verhalten und tritt vorzüglich da 
deutlich hervor, wo Granit und Syenit sich der schiefrigen Textur an- 
nähern , dagegen Gmneiss und Dioritschiefer in ein körniges Gefüge sich 
verlaufen. Gewiss ist eine solche ‚Wechselverkettung nicht mit der 
Wechsellagerung wormaler Formation zu vergleichen; aber wo bei dem 
Zusammen - Vorkommen plutonischer Gesteine Zerrüttungen, Breceie, 
Veränderungen auf den Kontaktflächen, so wie überhaupt Beschaffenheits- 
Zustände fehlen, die man nothwendig als Begleiter von feuerflüssig 
emporgetriebener Mässen voraussetzen muss, sobald sie mit andern be- 
reits erstarrten in Konflikt treten, in solchen Fällen können solche 
Fels- Arten, doch kaum anders, als nur einer Formation angehörig 
betrachtet werden, selbst wenn gegenseitige Durchsetzungen Statt 
_ finden. — Läge hierin eine Regelwidrigkeit, so würde es nur ein Be- 
weiss seyn, dass die Natur noch ganz andere Wege bei Hervorbringung 
mancher abnorınen Gesteine befolgen müsse, als die sind, welche unsere 
jetzige Vorstellungsweise davon begreift. Aber selbst auch für ein 
Jahrgang 1837. 12 


— 176 — 


bedeutend hohes Alter von wenigstens einem Theile des Finnischen Ge- 
birgs-Komplexes möchte vielleicht ein Umstand sprechen. Es würde diess 
die im Allgemeinen horizontale Lagerung der oben erwähnten Übergangs- 
Formation seyn. Denn indem dieselbe wahrscheinlich jenes Gebirgs- 


System zur Unterlage hat, mussten sich in diesem Falle, wenn sich 


letzteres überhaupt erst später gebildet, nothwendig noch ganz andere 
und entschiedenere Veränderungen offenbaren, als die kleinen partiellen 
Erhebungen in der Umgegend von Zarskoie Seloe sind. Es scheinen 
diese letztern vielmehr auf nur vereinzelte Eruptionen hinzuweisen, 
wodurch vielleicht die Felsarten in dem benachbarten Schweden verviel- 
fältigt worden sind. — Und sollte endlich nicht auch noch in der Ent- 
blössurg aller Flötze und Teertiär-Gebilde innerhalb Finntands Felsarten- 
Gebietes ein Beweiss liegen, dass dieses weniger im vereinzelten 
Bildungen , als vielmehr in Masse und zu einer Zeit Platz genommen 
habe, die noch weit vor der Bildungsepoche normaler Formationen lag? 
Den entgegengesetzten Fall anzunehmen, nämlich dass alle Gebirgs- 
arten Finnlands neuer als die modernsten Glieder der Flötzreihe, und 
ein Theil davon aus Umwandlung dieser hervorgegangen sey, dafür 
sprechen weder Thatsachen noch Gründe. — Ich gestehe, dass diess 
meist nur Muthmaasungen sind , und dass der Mangel neptunischer Er- 
zeugnisse ein grosses Hinderniss ist, überzeugende Beweisse zu erlan- 
gen, aber auch schon sorgsame und unbefangene Untersuchungen werden 
dem Ziele näher führen. So viel ist wenigstens gewiss, dass, wären 
die geognostischen Verhältnisse von Finnland nur so genau bekannt, 
als es die unbedeutenden Mineralvorkommnisse sind, die Wissen- 
schafi sich eines grossen Gewinns zu erfreuen haben möchte. Ange- 
nommen aber nun, dass wirklich in dem Allem, was ich eben Muthmaa- 
sungen genannt, weniger Halt läge, würde dann nicht auch die Frage 
entstehen, ob nicht überhaupt die Wernerschen Urgesteine überall da, 
wo sie gruppenweise und vorzüglich in wechselseitiger Verkettung mit 
Gneiss und Glimmerschiefer und ohne Veränderungen in ihrem ursprüng- 
lieben Seyn hervortreten, Glieder einer Formation wären, hervorge- 
gangen aus einer und derselben feuerflüssigen Masse? Und wären 
am Ende nicht auch entscheidende Grüude vorhanden, solche Felsarten- 
Verbände immer noch für den Fuss der normalen Gesteine und für äl- 
ter, als alle Formationen von diesen zu halten ? Unstreitig ist wohl 
so manche ältere Ansicht durch die jetzigen mit zu Boden geschla- 
gen worden, auf die man früher oder später wieder zurückkommen 
dürfte; und was hat übrigens auch vorzüglich die Werner’schen Ur- 
gebirge erschüttert, als dass man einerseits das Agens gewechselt, 
und andererseits Gesteine in und über neueren Ablagerungen beobach- 


tet hat, die durchgehends nur unter diesen hätten liegen sollen. Aber 
steht der Schluss von der Neuheit einiger auf alle nicht mit einer Menge 
Thatsachen in Widerspruch? sollte es sich nicht ebenfalls mit dem, was 


uns über die Veränderungen unserer Erdrinde vorliegt, recht gut, und 


mit einem feurigen Agens noch besser als mit einer wässrigen vortragen, 


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in einem Theil der plutonischen Gebilde gerade die ersten Ergebnisse 
von der damaligen Erdrinde - Bildung oder Umbildung zu erkennen und 
sie als die Grundanlässe zu den neptunischen Absätzen anzusehen? Die 
Epoche, in welcher die Natur sich vorzugsweise der Bildung minerali- 
scher Massen hingegeben hatte, sollte man sich wohl nicht anders 
denken, als dass ihre Erzeugnisse auch jener Thätigkeit entsprechen. 
Indem diess ausschliesslich bei dem Werner’schen der Fall, bleibt nur 
die nähere Erscheinung auffällig, dass mehrere zugleich in und über 
neuern neptunischen Ablagerungen auftreten; denn in den Gesteinen, 
womit die Bildung primitiver Felsarten nach einer langen Pausse sich 
wiederholt hätte, sollte man nicht mehr Granite, Syenite u. s. w., son- 
dern Gebilde erwarten, die sich zu diesem, wie etwa die tertiären zu 
den Übergangs- und ältesten Flötzgebirgs - Arten verhielten; es würden 
dem Charakter solcher nur allein die Dolerite, Trachyte, Basalte u. s. w. 
entsprechen. Aber ist es wirklich auch mit aller Evidenz dargethan, 
von allen Seiten als unumstösslich ausgemacht anzusehen, dass. nament- 
lich Granit neuer als die Kreide wäre? Gewiss liegt doch wohl Anstös- 
siges darin, eine Felsart, die so eng, so innig mit andern verknüpft ist, 
welche noch nie über so neuen Gebirgs - Erzeugnissen gesehen worden 
sind, gewissermaasen auf gleiehe Stufe mit Gesteinen wie Basalt, Pho- 
nolith, Trachyt etc. gesetzt zu sehen, die sämmtlich nur unter sich, 
aber keinen Zusammenhang mit dem haben, womit der Granit be- 
freundet ist. 

Derjenigen Meinung, welche mehrere schiefrige Felsarten, wie den 
Gneiss, Glimmer- und Thon-Schiefer, aus früher existirenden Gesteinen 
durch feurige Einwirkung sich umgewandelt vorstellt, sieht man in 
Finnland übrigens auch durchgehends widersprochen. Und wie wäre 
es, nächst den schlagenden Gründen, womit auch bereits Sie gegen 
diese Hypothese schon angekämpft haben, auch nur möglich sich jene 
Felsarten nur allein als Metamorphosen zu denken, wenn man nicht 
‚gleichzeitig auch den Granit, Syenit, Diorit und, insofern auch diese 
wieder die engsten Seiten-Verbindungen haben, die meisten plutonischen 
Gesteine hierher rechnete. Am Ende wäre diess der konsequenteste, 
aber unstreitig ein sehr naturwidriger Weg, und dieser Vorwurf trifft 
wohl auch im vollem Maase jene Hypothese. — Gewiss kann der Thon- 
schiefer , wegen seines zweideutigen Charakters und Stellung , nicht 
mehr als ein rein neptunisches Gebilde gelten; diese Ansicht hat sich 
mir noch lebhafter überall da aufgedrungen, wo ich ihn neuerdings in 
Finnland wiedergesehen habe. Gleichwohl wäre es aber, wegen des 
anderseitigen Verbundenseyns mit evidenten Wasser-Erzeugnissen , eben 
so naturwidrig ihn dagegen wieder ausschliesslich für ein Feuergebilde 
halten zu wollen ; aber er scheint ein Gestein zu seyn, in dem die Na- 
tur gewissermaasen einen Fingerzeig gelegt haben dürfte, dass ein Wech- 
selverkehr zwischen neptunischen und plutonischen Bildungs - Kräften 
Statt baben könne. Und in der That wäre wohl die Vorstellungsweise 
ungereimt, wenn angenommen würde, dass während submarinisch- 


127 


* 


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plutonische Eruptionen von schlammartigen Materien oder nur theil- 


weise davon erfolgt, solche gleichzeitig neptunische Niederschläge her- 


vorgerufen und, indem beide in bald nähere bald entferntere Beziehungen 
getreten, derartige Zwittergesteine wie Thonschiefer und andere damit ver- 
wandte Felsarten, oder selbst auch abwechselnd Massen von bald mehr rein 
neptunischer, bald mehr rein plutonischer Natur erzeugt worden wären? — 
Dürfte es am Ende nicht sogar auch wahrscheinlich seyn, dass gewisse 
Schicht- und Lagen-weise Vorkommnisse von abnormen Gesteinen inner- 
halb einer normalen Feis - Formation insofern als gleichzeitige Erzeug- 
nisse mit dieser betrachtet werden könnten, dass sie bei ihrer Erhebung 
zur Erdoberfläche von neptunischen Niederschlägen , die sie veranlasst, 
erfasst und umschlungen worden wären ? und möchten hiedurch nicht so 
manche noch räthselhafte Wechsellagerungen von abnormen und norma- 
len Gesteinen eine genügende ungezwungene Erklärung finden? Auch 
von einem hübern Gesichtspunkt aus sollte die Annahme eines Wech- 
seiverkehrs plutonischer oder vulkanischer und neptunischer Gewalten, 
und ein momentweises Zusammenfallen beider der Vorstellungsweise 
von der spätern Erdrinde-Bildung mehr zusagen, als wenn beide scharf 
abgesondert in ihren Wirkungen gedacht werden. 

Weiter will ich meine Zweifelsfragen nun nicht häufen, sondern 
nur noch zu einigen Bemerkungen übergehen, die ich nachträglich der 
kurzen Skizze von der Pitkarandaer Erzlagerstätte zugesetzt wünschte, 
welche aus einer Mittheilung an Freund Pusch ins 2. Heft des Jahr- 
buches von 1836 übergegangen ist. Indem ich hierin jene Lagerstätte 
mehr für eine Lager-, als eine Gang-artige angesprochen, habe ich da- 
durch nichts weiter als eine Bildung bezeichnen wollen, in deren Natur 
und Beschaffenheit mehr Gründe für ein mit dem Granit gleichzeitiges 
als späteres Erzeugniss zu liegen scheinen. — Ich‘ glaube, dass eine 
solche Annahme sich keines sonderlichen Einganges erfreuen wird, und 
es ist auch schwierig in einem massigen Gestein, wie der Pitkarandaer 
Granit ist, darüber mit voller Gewissheit abzusprechen. Gleichwohl ist 
die Frage, ob überhaupt alle Lagerstätten in abnormen Gesteinen 
und insonderheit gewisse in Granit, für gleichzeitige Bildungen gel- 
ten können oder nicht, nicht unwichtig, und so will ich wenigstens 
spezieller hier noch die Gründe anführen, welche in dem vorliegenden 
Fall der ersten Annahme das Wort zu reden scheinen. Wie schon an 
a. ©. angeführt, ist die Pitkarandaer Erzlagerstätte in verschiedene 
Gesteinslagen getheilt, wovon einige ihrem Bestand nach an der Gebirgs- 
Zusammensetzung im Grossen Autheil haben. Im Einzelnen greifen wohl 
stellenweise Lagen in einander ein, aber im Ganzen ist ein gewisser 
Parallelismus nicht zu verkennen, und mit ihm stimmt wieder im Allge- 
meinen das Streichen der Gebirgsarten in der Nachbarschaft überein. 
Im Hangenden und Liegenden findet mehr ein festes Verwachsenseyn 
Statt, als im Besteg zu sehen ist; Ergebnisse feuriger Einwirkung 
aber scheinen ganz zu fehlen. Eben so ist nichts von Reibungskonglo- 
weraten und Einschlüssen von Gebirgs-Fragmenten noch vorgekommen. 


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— 179 — 


Von Harnischen und Drusenräumen lässt sich auch nichts bemerken, 

und die kleinen, welche sich von diesen stellenweise gezeigt haben, 
stehen nicht mit den Erwartungen im Verbältniss, die man sich von 
einem bis 10 Lachter mächtigen Gang machen sollte, in welchen Mineral- 
Substanzen einbrechen, die so geneigt zur Krystall-Bildung sind. Wich- 
tig ist es weiter, dass sich weder im Haugenden noch im Liegenden 
Seitentrümmer abziehen; eine Erscheinung, die so häufig mit Gängen 
verbunden ist und mit solchen, die man sich als ausgefüllte Spalten- 
räume denkt, fast immer verbunden seyn muss, vorzüglich wenn, wie 
hier, eine so bedeutende Mächtigkeit Statt hat. Sodann ist die Erzfüh- 
rung, nicht wie in der Regel bei den Gängen, ohne Ordnung vertheilt, 
sondern sie haftet mehr, ähnlich der von Flötzlagen, an gewissen Schich- 
ten. Endlich gebört es unter die Minorität der bei Gäugen vorkommen- 
den Verhältnisse, dass die Erzführung zu Tage ausgeht, wenigstens mit 
mächtigen reichen Mitteln, so wie dass ein Gang isolirt aufsetzt; was 
beides hier der Fall ist. 

Wenn man alle diese Verhältnisse zusammenfasst und nicht, wie 
so häufig der Fall, auf eine naturwidrige Weise nur Einzelnes heraus- 
hebt, so glaube ich kaum, dass sich ein evidentes Gangvorkommniss, 
sey es durch Infiltration von oben, oder durch Emporsteigen von unten 
entstanden , mit einem solchen Charakter verträgt. — Nur die einzige 
Gemeinschaft mit Gangverhalten liegt in dem starken Neigungswinkel 
von 30 bis. wohl 70 Grad; inzwischen dieselben Ursachen, die so häufig, 
ohne sichtbar zu seyn, normalen Felsarten eine solche Stellung ge- 
ben, können auch hier wirksam gewesen seyn. Ausserdem entspricht 
Jder fragliche Fallwinkel aber auch, denkwürdiger Weise, im Allgemeinen 
der Nebenaneinanderstellung der benachbarten Gebirgsmassen , nament- 
lich des gneissigen Diorits, und wenn man von diesen, wie ich oben 
näher entwickelt, mehr gleich- als ungleichzeitige Entstehung anzuneh- 
men veranlasst ist, so verhält sich die befragte Lagerstätte gerade ebeu 
so zum Granit, wie dieser zuden mit ihm vergesellschafteten Felsarten ; 
Alles scheint in einem harmonischen Verhältniss zu stehen, und das Ver- 
halten im Grossen das im Kleinen, so wie umgekehrt dieses jenes zu er- 
läutern. — Wie ich die Verhältnisse von der Pitkarandaer Erzlager- 
stätte hier dargelegt, zeigte sie sich bei meiner Anwesenheit daselbst, 
in vier abgeteuften Schächten und einigen aufgeworfeuen Schürfen und 
Überröschen, zusammen auf eiuer Etandur von eirca 4 Werst gelegen: 
Leicht möglich, dass im Verfolg ausgedehnterer bergmännischer Arbeiten, 
Beschaffenheits - Zustände aufgeschlossen werden, die im Widerspruch 
mit den bisher bekannten stehen; aber ob solche dann die Grundan- 
sicht, von letzteren entnommen , zu ändern vermögen, das wird von 
der Summe derjenigen abhäugen, die unter einander eine gewisse Über- 
einstimmung und keinen Widerspruch gegen äussere Verhältnisse zeigen. 

Wohl sollte ich nun meine lang ausgesponnenen Mittheilungen 
schliessen, aber ich muss wirklich Ihre Geduld noch einige Augenblicke 
für einen Gegentand in Anspruch nehmen, der -mich kürzlich, als ein 


= 08b- = 
Seitenzweig meiner grössern Arbeit, einige Zeit beschäftigt hat. In 
Ihrer, für alle Zeiten schätzbaren Charakteristik der Felsarten ist, so 
wie auch in dem neuen Lehrbuch der Geognosie und Geologie, für die 
mineralogische Felsarten - Klassifikation insonderheit die Textur zum 
Anhalten genommen, während den diessfalsigen Arbeiten von Hauy, 
BrongnIART und CorrıEeR wieder vorzugsweise der Bestand zu Grunde 
liegt. In beiderlei Methoden ist den Anforderungen entsprochen, die 
sich, in so weit es thunlich, an eine rein mineralogische Klassifika- 
tion der Gebirgsarten machen lassen. Wie wäre es aber nun wohl, 
wenn man den Zweck einer Zusammenreihung der Felsarten im Kleinen, 
im Gegensatz zu ihrer Auordnung im Grossen oder der geologischen 
Aufstellung , weniger in Durchführung ein oder des andern Gesteins- 
Verhältnisses, als vielmehr darin suchte, durch gewisse Abtheilungen 
und-Gruppirungen derseiben alle solche Verhältnisse an und zwischen 
ihnen recht herauszustellen, welche gleich tief eingreifend in ihre Natur 
als von Bedeutung für das geologische System sind. Allerdings würde 
eine derartige Klassifikationsweise, weniger Zweck an sich selbst, als 
vielmehr nur ein Mittel für einen höhern Zweck , aber vielleicht gerade 
. dadurch das seyn, was sie am Ende, bei dem Mangel an einer zuver- 


lässigen Basis — einer Felsarten-Spezies — nur eigentlich seyn könnte. 


Erlauben Sie mir nun die Grundzüge hiervon folgen zu lassen, 

Das erste, was sich bei einem Überblick der Felsarten herausstellt, 
ist unstreitig die mineralogische Einfachheit von einem Theil derselben, 
und die mineralogische Zusammengesetztheit von einem andern, woraus 
sich die beiden Haupt - Abtheilungen der mineralogisch einfachen 
und mineralogisch zusammengesetzten Felsarten ergeben. Das 
Sachrichtige dieser Eintheilung wird auch noch durch einen Schluss 
von einer andern Seite bestätigt. Geht man nämlich von dem Gesichts- 
punkt aus, dass die krystallinisch zusammengesetzten Gesteine gewis- 
sermaasen die Blüthe unter den Felsarten, so wie es die krystallisirten Sub- 
stanzen im Mineralreich sind, so erscheint die mineralöische Zusammengesezt- 
heit der Felsarten überhaupt als ein deutungsvoller Beschaffenheitszustand, 
und die Felsarten, denen er eigen ist, als eine Gruppe eigenthümlicher Art, 
die einen Gegensatz in den einfachen verlangt. Keine andere obere Abtheilung 
der Felsarten, ihrer mineralogischeu Beschaffenheit nach, möchte diese an 
Deutsamkeit zu ersetzen vermögen, wie auch diess durch Ihre Klassifika- 
tionsmethode ausgesprochen ist. Bringt man nun die Reihe der einfachen Fels- 
arten in zwei Unterabtheilungen, nämlich a)in die, welchealseinfache 
Mineral- Substanzen gleichzeitig die Zusammensetzung 
gewisser Felsarten bilden, und b) in die, welche keinen we- 
sentlichen Antheil daran-haben, so wird dadurch ein bedeutungs- 
volles Verhältniss herausgestellt, was zwar in keinem unmittelbaren 
Zusammenhang mit der mineralogischen Beschaffenheit steht, aber woran 
sich recht interessante Beziehungen knüpfen lassen. So reihen sich 
z. B. in der erst bezeichneten Unterabtheilung ganz ungezwungen alle 
Gesteine zusammen, namentlich: Quarzfels, Feldspathfels, Glimmerfels, 


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Talkfels, Chloritfels, Hornblendefels, Augitfels, Granat- und Magneteisen- 
fels, denen die neuere Geologie eine durchgehends feurige Entstehung zu- 
schreibt; während in der 2ten, nur mit einigen Ausnahmen, die neptunischen 
Gesteine ihren Platz einnehmen, wie namentlich: Dolomit-, Kalk-, Gyps-, 
Salz- und Schwefelfels, Steinkohlen, Braunkohlen und Torf. In der 
ersten dieser Abtheilungen a) herrscht in der Regel vollkommene Rein- 
heit vor, dagegen findet in der andern b) schon meist Verunreinigung 
durch fremdartige Materien Statt. Auch in mineralogischer und geogno- 
stischer Beziehung sind die Gesteine von je den beiden Abtheilungen 
mehr unter sich, als gegeuseitig befreundet, und ausserdem schliessen 
sich die von a) an die chemisch gebildeten, die von der b) au die mehr 
mechanisch erzeugten Felsarten an; denn ein Theil des Kalkes und 
Gneisses ist streng genommen doch nur ein Trümmergestein, worin die 
Theilchen nur den höchsten Feinheitsgrad erreicht haben ; und so sind 
beide gewissermaasen wieder ein Fingerzeig für die Abmarkung der 
Gruppen innerhalb der zusammengesetzten Felsarten. In Bezug auf 
diese nun selbst ist der Unterschied, welche zwischen den che- 
misch und mehr mechanisch gebildeten Gesteinen dieser Abtheilung so in 
Entstehung, wie in dem mineralogischen Charakter derselben obwaltet, 
ein zu tief eingreifendes Verhältniss, als dass es nicht in einer Felsarten- 
Aufstellung im Kleinen für die obersten Unterabtheilungen ergriffen 
und so durch den Felsarten-Typus einer jeden zur Anschauung gebracht 
werden sollte. Unverkennbar hat diese Abtheilung aber auch noch Ge- 
steine, welche durch eine gewisse Zweideutigkeit des Charakters, weder 
ganz der einen, noch ganz der andern von den angedeuteten Unterab- 
theilungen anzugehören scheinen. Es sind diess wahrscheinlich auch 
in Rücksicht auf Entstehung Zwittergesteine, und so möchte durch eine 
besondere aus ihnen zu formirende Unterabtheilung, zwischen den bereits 
bemerkten eingeschoben , der Fingerzeig der Natur befolgt werden, 
welche diese in ihr Ausseres gelegt hat. Sonach würden sich dann 
für die Abtheilung der zusammengesetzten Felsarten 3 Unterabthei- 
lungen ergeben, denen später vielleicht noch die umgewandelten Ge- 
steine als eine 4te angeschlossen werden könnte, falls es den weitern For- 
schungen gelingen sollte, die Umwandlung für alle die Gesteine ausser Zwei- 
fel zu setzen, in deren Charakter eine Andeutung dazu liegt. — Einen 
passenden Namen für jede dieser Unterabtheilungen wage ich nicht vor- 
zuschlagen; vorläufig willich sie nur durchkrystallinische, krystal- 
linisch-mechanische und mechanisch zusammengesetzte 
Felsarten bezeichnen. Diese Ausdrücke sind ungeeignet; aber abge- 
sehen davon, dass sie an Entstehung erinnern, so steht damit doch der 
mineralogische Felsarten - Charakter in vollkommenem Einklang. Als 
Repräsentant für die krystallinisch zusammengesetzten Felsarten bildet 
sich vorerst eine grosse und charakteristische Gruppe aus allen denje- 
nigen Gesteinen , die wie Syenit, Diorit, Gabbro, Eklogit , Itakolumit, 
Eisenglimmerschiefer, Glimmerschiefer , Gmneiss, Granit, Protogyn und 


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— 12 — 


Topasfels, mitstarkhervortretenderKrystallinität, Gleichmäs- 
sigkeit in der Entwicklung der Bestandtheile und Stetig- 
"keit dariu verbinden. Da die Verbindung von 2 oder 3 Mineralsub- 
stanzen zu einem oder dem andern dieser Gesteine einen wesentlichen 
‚Unterschied in ihrer Beschaffenheit begründet , so würde dieses nicht 
unwichtige Verhältniss durch 2 Untergruppen, etwa mit der Bezeichnung 
2- und 3gliedrige Gesteine herauszustellen seyn. Indem in. der ersten 
die 7 zuerst aufgeführten, in den letzten die 4 später genannten Fels- 
arten, ihren Platz einnehmen würden , dürften sich hierdurch Gesteine 
zusammengesellen, die, so wie im Grossen, grösstentheils eng an einander 
gekettet sind. — Einen deutungsvollen Charakter tragen nun wieder alle 
die Gesteine zur Schau, in denen Krystallinität und mineralo- 
gische Zusammensetzung gewissermaasen einer Verkap- 
pung unterliegen. Die Gruppe, welche sie bilden, dürfte nament- 
lich Schaalstein, Aphanit, Dolerit, Trachyt, Melaphyr, Phonolitb, Wacke, 
Basalt und Lava umfassen. Wenn sich nun wohl auch theilweise in 
der Zusammensetzung eines oder des andern dieser Gesteine eine ge- 
‚wisse Stetigkeit zeigte und hier und da selbst auch das krystallinische 
Gefüge sich etwas öffnet, so dass Glieder dieser Gruppe an die vorher- 
gehende anstreifen, so haften an solchen Analogie’'n doch immer Be- 
schaffenheitszustände, welche der eben berührten Gruppe im Allgemeinen 
fiemd sind. Es sind diess vorzüglich die Neigung zum Dichten und 
dabei zugleich auch wieder zur Porphyr-, Mandelstein- und Lava-artigen 
Textur, in Verbindung mit der Tendenz , Mineralsubstanzen aufzuneh- 
men und sich diese zum Theil selbst ganz eigenthümlich zu machen, 
die vorzugsweise den neuesten Feuer-Produkten eigen sind. Man könnte die 
Charakteristik dieser Gruppe kurz so ausdrücken , dass man sagte: die 
Natur hätte mit ihnen gewisse sogenannte Urgesteine wiederholen 
wollen, aber schon die Bedingnisse zur Entstehung dichter und blasiger 
Gesteine vorgefunden. Als Träger einer ganz eigenthümlichen 
Natur zeigt sich endlich noch der Porphyr. Indem er sich an beide zu- 
letzt betrachtete Gruppen anschliesst , ist er doch eigentlich keiner bei- 
zuzähblen. Er steht durch seinen petrographischen Charakter eben so 
zwischen beiden mitten inne, wie gewissermaasen durch sein Ver- 
halten im Grossen, und so dürfte sich eine besonders aus ihm zu bil- 
dende Gruppe rechtfertigen, zu der man etwa noch den Pyromerid als 
Auhang rechnen könnte. Sie würde übrigens am naturgemässesten 
auch ihre Stelle zwischen jenen beiden Gruppen einnehmen. — 
Alaunstein, Pechstein, Perlstein, Bimsstein, Obsidian und Jaspis, so wie 
verschlackter Basalt, verschlackte Lava u. s. w. dürften als Anhang 
diese ganze Abtheilung schliessen. Nun noch ein Rückblick auf sie 
geworfen, so zeigt die schliesslich beigefügte bildliche Darstellung eines 
Netzes, wie sie sämmtliche Felsarten im Allgemeinen miteinander ver- 


"binden , aber im Einzelnen wieder um mehrere Mittelpunkte versammelt 


sind, denen die dargelegten Gruppen entsprechen. — Die 2te Unterab- 
theilung der krystallinisch-mechanisch zusammengesetzten 


» 


— 183 — 


Felsarten würden vorzugweise durch den Thonschiefer mit seiner Sipp- 
schaft und gewissen Quarzsandsteinen repräsentirt werden , wenn sich 
nicht vielleicht am Ende auch noch gewisse Grauwackenschiefer , der 
Kieselschiefer und selbst ein Theil des Schaalsteins hierher rechnen 
lassen. Es ist diess allerdings nur eine kleine Anzahl von Gebirgsar- 
ten, aber beschränkt man sie auch selbst nur auf die Thonschiefer-Suite 
allein, so verlangt deren räthselhaftes Wesen, ihr Schwanken zwischen 
rein chemisch und mechanisch -, zwischen plutonisch - und neptunisch- 
gebildeten Gesteinen eine Stellung, die solchem Charakter entspricht, 
der auf das Räthselbafte ibrer Entstehung hinweisst.e Mit Unrecht 
würde man den Thonschiefer, petrographisch betrachtet, der vor- 
hergehenden Unterabtheilung beizählen, obwohl er eng mit Gneiss 
und noch fester mit Glimmerschiefer verbunden ist; aber eben so we- 
nig kann er naturgemäss unter die regenerirten Erzeugnisse gesetzt 
werden, obwohl er in die Grauwacke und diese umgekehrt in ihn über- 
geht. Dasselbe möchte wegen seiner Verwandtschaft mit Schaalstein, 
Diorit und andern äbnlichen abnormen Gesteinen Statt finden. wenn 
wan ibm eine Stelle neben einem oder dem andern von diesen anweisen 
wollte; überall da möchte sein Platz nicht so naturgemäss,, als isolirt 
in der Mitte zwischen diesen allseitigen Gebilden seyn. Werden übri- 
gens die zahlreichen Zwittergesteine berücksichtigt , die sein Übergang 
bald in diese bald in jene Gebirgsarten. herbeiführt, so ist am Ende 
auch der Kreis, womit er sich umgibt, gar nicht gering, und bei Allem 
dem die Gruppe, die daraus entspringt, im Total - Charakter genug 
scharf abgeschlossen. — In Absicht endlich auf die 3te Unterab- 
theilung der mineralogisch zusammengesetzten Felsarten, die me- 
ebanisch-zusammengesetzten, so würde hier ausser den drei 
Gruppen, welche die Sandstein - Konglomerate und Tuffe bilden, 
noch zuvor eine 4te aus denjenigen Gesteinen anzunehmen seyn, welche 
als höchst innige Gemenge von bald mehr thonigen, bald mehr kalkigen 
oder kieseligen Theilchen, den Mergelschiefer , Klebschiefer , Polirschie- 
fer, Kohlenschiefer und den Thon umfasste. Im Ganzen lässt sich zwi- 
schen allen 4 Gruppen ein ähnlicher netzförmiger Zusammenhang 
erkennen, wie solchen die Gruppen der krystallinisch zusammen- 
gesetzten Felsarten zeigen; junge Gemenge, Sandsteine, Konglo- 
merate und Tuffe gehen alle wechselseitig in einander über. Da 
übrigens der Gruppirung dieser Abtheiluug überhaupt nur die Auf- 
gabe zum Grunde liegen kann durch die Auffassung des mineralogischen 
Charakters vorzüglich die verschiedenen Beschaffenheits - Zustände und 
Verbindungen herauszustellen, in welchen sich zerstörte Felsarten hier 
regenerirt befinden, so kann es nicht anders seyn, als dass hiernach 
auch die einzelnen Glieder innerhalb einer jeden Gruppe demgemäss 
arrangirt werden. Indem ich im Nachfolgenden bei noch einigen zu 
gebenden Details hierauf zurückkomme , bedarf es hier nur noch der 
generellen Bemerkung, dass den Schluss der gesammten Felsarten- 
Aufstellung die Gesteins- Fragmente des Schuttlands, als Anhang, 


Ba" 
— 184 — 


machen würden. — Gegenwärtig erlaube ich mir nur auf einige Einzel- 
heiten einzugehen. Das bisher nur bei einigen Felsarten angehängte 
Wort Fels, wie bei Quarzfels etc., möchte auf eine sehr sachgemässe 
Weise für alle mineralogisch einfachen Gesteine anzunehmen seyn. Es 
lässt sich damit die doppelte Bedeutung verbinden: einmal um anzuzei- 
gen, ‚dass nur die grössere mehr selbstständige Masse, z. B. von 
Quarz, Feldspath, Glimmer u. s. w. aber nicht die kleinen bloss orykto- 
gnostischen Vorkommnisse derselben Gesteine ins Gebiet der Felsarten ge- 
hören, und sodann als Bezeichnung für den Stamm einer Felsart, oder 
wenn ich: statt dessen den Ausdruck brauchen darf, einer Felsarten- 
Spezies, um hieran gewisse Abänderungs - Gruppen gewissermaasen als 
Arten anzuschliessen. In Beziehung auf diese selbst, iso geht eine 
Feststellung derselben bei sämmtlichen Felsarten aus der Nothwendig- 
keit hervor, dass wo von einer petrographischen Gesteins-Klassifizirung 
die Rede ist, alle solche stetige Haupt - Abänderungen einer Gebirgsart, 
besonders herausgestellt werden. dürften, welche an der Zusammen- 
setzung von Formationen Antheil haben, von diesen letztern aber selbst 
als nur ganz alleinigem Gegenstand der Geologie hierbei um so mehr gänz- 
lich ‚abstrahirt wird, als verschiedene Formationen fast gleiche Gesteine 
haben, und gegentheilig wesentlich verschiedene Abänderungen eine 
und dieselbe Formation zusammensetzen. Gewiss gehen solche Abarten 
einer Felsart keineswegs aus willkürlichen Abstraktionen hervor, sie 
liegen in der Natur einer jeden begründet, und ihre Feststellung im 
mineralogischen Felsarten - System dürfte vielleicht von noch höherer 
Wichtigkeit für den Geologen,, als die Absonderung einer Mineral- 
Gattung in Arten für den Mineralogen seyn. Von solchem Gesichts 
punkt ausgehend, möchte nun vorerst in der Reihe der einfachen Fels- 
Arten der Quarzfels in reinen Quarz, thoniges, kalkiges und 
eisenschüssiges Quarzgestein; der Dolomit in reinen Dolomit, kie- 
seliges, thoniges, bituminöses und einsenschüssiges Dolomitgestein ; der 
Kalkfels in reinen Kalkstein, kieseliges, thoniges, mergliges, talkiges, 
thonig -kalkiges , thonig - eisenschüssiges, bituminöses und chloritisches 
Kalkgestein; der Gypsfels in reinen Gyps und thoniges Gyps - Gestein ; 
der Salzfels in reines Steinsalz und gypsig-thoniges Salzgestein; der 
Schwefelfels in reinen Schwefel und thoniges Schwefelgestein zerfallen. 
Eben so dürften sich auch aus den Formationen der Sandsteine und 
Konglomerate die wesentlichsten Gesteins - Verschiedenheiten absondern 
und nach dem Vorherrschen gewisser Felsarten - Trümmer und dem vor- 
waltenden Kitte etwa folgende Arten annehmen lassen: vom Sand. 
stein: Quarz-Sandstein — kieseliger, thoniger, kalkiger, mergliger, tho- 
nig eisenschüssiger; — Fels- Sandstein (der Sandstein verschiedener 
Formationen aus mehrfachen Urfelskörnern zusammengesetzt) — kiese- 
liger, thoniger, kalkiger, thonig-eisenschüssiger, mergliger; Grau- 
wacken-Sandstein ; Porphyr-Sandstein (der grösste Theil des Todliegen- 
den): thoniger, kalkiger, thonig-eisenschüssiger, mergliger; von Kon- 
glomerat: Grauwacken - Konglomerat, Fels-, Kiesel-, Kalk-, Knochen-, 


—- 15 — 


Trapp-, Trachyt- und Bimsstein -Konglomerat. Endlich in Ansehung 
der Tuffe, so möchten die bis jetzt bestimmten Arten giltig bleiben kön- 
nen. — Ein ganz ‚anderes Verhalten, wie die zeither betrachteten Ge- 
steine in Beziehung auf Fixirung von Abarten, zeigen die abnormen 
Felsarten. Bei diesen dürften am naturgemässesten die Übergangsstufen 
aus einer Felsart in die andere dafür ergriffen werden, und nächstdem noch 
die stetigen Abänderungen, in welchen der Normal - Charakter einer 
jeden Felsart am Deutlichsten ausgesprochen ist. Und offenbar liegt 
auch in der Charakterwandlung der meisten hier bezeichneten Gesteine 
ein deutungsvoller Zug, wichtig noch dadurch, dass er darauf hinweisst, 
wie eng alle dieselben unter einander verknüpft, und wie sie alle aus 
einer Quelle geflossen zu seyn scheinen, Zugleich hat aber auch noch 
die systematische Herausstellung‘ solcher Beschaffenheits - Zustände den 
Nutzen, dass sie alle Beziehungen darlegt, in welchen die Gesteine 
gegenseitig zu einander stehen, und am Ende auch zeigt, wie wahr- 
scheinlich mehr Felsarten- Spezies (diesen Ausdruck nur analogisch 
gebraucht) angenonımen worden sind, als es wirklich in der Natur 
gibt, — Zur Bezeichnung der obiger Gestalt herauszustellenden Arten 
gewährt nun wieder die zeither schon mitunter in Gebrauch stehende 
Weise, nämlich dass man von einem Mittelgestein den Nameu der 
ihm zunächst stehenden Felsarten als Hauptwort, und den von der ent- 
fernteren adjektivisch gebraucht, das geeignetste Mittel mit dem Namen 
zugleich einen Theil der Charakteristik zu geben. So möchte dann 
unter Andern der Syenit incl. Zirkon - und Hypersthen - Syenit zerfal- 
len: in normalen, granitischen, gneissigen, porphyrischen und dioriti- 
schen, der Diorit sammt Dioritschiefer in normalen, porphyrischen, sye- 
nitischen, gabbroartigen, gneissigen ; der Gabbro mit Serpentinfels in 
normalen, serpentinischen und dioritischen ; der Glimmerschiefer in nor- 
malen, gneissigen und Tbonschiefer -artigen; der Gneiss in normalen, 
granitischen,, Glimmerschiefer - artigen, syenitischen, dioritischen ; der 
Granit in: normalen, gneissigen, porphyrischen , syenitischen, Schrift- 
granit und Greisen; der Porphyr in normalen, granitischen, syeniti- 
schen, dioritischen, trachytischen , Sandstein - artigen ; der Dolerit mit 
Anamesit in: normalen, basaltischen und wackeartigen; der Trachyt in 
normalen, porphyrischen,, phonolithischen,, basaltischen und lavaartigen; 
der Phonolith in normalen, wackenartigen, basaltischen und trachyti- 
schen; der Basalt in: normalen, doleritischen , wackenartigen, pho- 
nolitischen und lavaartigen; die Lava in: normale, basaltische, trachy- 
tische. — Vielleicht lassen sich die hier gemachten Annahmen noch 
vermehren, und auch verändern, und eben so die Gesteine, die bier 
unerwähnt geblieben sind, auf ähnliche Weise abtheilen; inzwischen 
galt es hier mehr nur eine Andeutung der bekanntesten Gesteins- 
Verschiedenheiten gewissermaasen Beispiels - weise, als eine genaue 
Durchführung. Diese Bemerkung erlaube ich mir auch noch auf die 
weiter oben dargelegten Absonderungen der einfachen und mechanisch 
zusammengesetzten Felsarten auszudehnen. — Das Ganze ist überhaupt 


Ss 


— 156 — 


nur ein Versuch ‚ der auf eine nachsichtige unparteiliche Beurtheilung 
Anspruch macht, und sodann vielleicht später vollendeter ausgeführt 
werden dürfte. | 


Graumake 


Trachyt Phor olith 


. Endlich bätte: ich nur noch einige Worte über beiden gefügten 
Entwurf der bildlichen Darstellung eines Übergangs -Netzes, die ab- 
normen Gebirgsarten betreffend, anzuführen. Durch nähere und ent- 
ferntere Stellung der hierauf verzeichneten Gebirgsarten ist wenig- 
stens im Allgemeinen, so weit es thunlich war, der grössere oder 
niedrere Grad der Verwandtschaft angedeutet worden; während aus der 
Über- oder Nebeneinander-Stellung die mehr unmwittelbaren geraden Über- 
gänge, im Gegensatz zu den Seiten-Übergängen, auf die durch schräge 


— 197 — 


Verbindungs-Linien hingezielt worden ist, augenfällig seyn sollen. Für 
Anfänger und überhaupt auch nur für diese hat die bildliche Darstel- 
lung der Felsarten-Gruppen unstreitig entsehiedenen Nutzen ; denn sie 
zeigt mit einem Blick die gesammten Verwandschaften und Übergänge 
der Gesteine untereinander. Wird damit noch die Anwendung gewisser 
Zeichen für die Haupt-Charaktere eines jeden von diesen verbunden, so 
legt sich dadurch gewissermaasen der wichtigste Theil der Charakteri- 
stik vor Augen. Zu solchem Ende lassen sich am besten die 2gliedri- 
gen Felsarten durch Kreisabschnitte, die dreigliedrigen dureh Dreiecke, 
die mehrgliedrigen durch Vielecke ausdrücken , innerhalb deren der 
Name des Gesteins, an jeder Ecke der Figur aber der Anfangsbuchstabe 
von dem Gemengtheil, und an den Seiten die Zeichen der Textur ge- 
setzt werden dürften ; wofür etwa das Zeichen f\ = schiefrig, & — 
körnig, £% == porphyrartig und O = mandelsteinartig bedeuten könn- 
ten. Und um solche Zeichensprache noch ausdrücklicher zu machen‘, so 
dürfte der Buchstabe für den vorwaltenden Bestandtheil immer zu oberst 
oder rechts an die Figur, und das Zeichen für die Haupt - Textur an 
die untere Seite zu setzen seyn. Da wo bei Gesteinen gleichzeitig 
mehrere Texturen zusammen vorkommen, möchte für die Haupt- Textur 
das Zeichen verdoppelt, und daneben die Zeichen für die übrigen mit 
jenen verbunden werden. - 


G. v. BLoEDE. 


Mittheilungen, an Professor BRONN gerichtet. 


Hildesheim , 6. Januar 1837. 


Im siebenten Bande von Karsten’s Archiv hat sich KLöden durch 
einen Aufsatz das Verdienst erworben, zuerst das bei Fritzuw unweit 
Commin in Pommern anstehende Kalklager genauer beschrieben und 
es als zur Jurabildung gehörig erkannt zu haben. Aus den darin vor- 
kommenden Versteinerungen zieht er das Resultat, dass jene Ablagerung 
zu denjenigen Schichten des Oolitbenkalkes gehöre, die sich zwischen 
dem Inferior-Oolite und dem Coral rag finden und dass die untern Lagen 
eben dem Inferior Oolite, die obern dem Coral rag entsprechen. 

Ich habe vor einigen Tagen, ebenfalls durch die Güte des Professors 
GrassMmAnN zu Stettin, etwa 30 Spezies Fritzowscher Versteinerungen 
erhalten und nach ihrer Bestimmung eine von der obigen abweichende 
Ansicht von ihrem Fundorte bekommen. 

Es liessen sich nämlich folgende Spezies sicher erkennen: 

1. Cidarites Hoffmanni Rorm. 

2. Pholadomya paucicosta Rorm. (Ph. producta nach KLöpen ?). 

3. Terebratula biplicata Sow. 


— 18 — 


4. Avicula modiolaris v. Münster. 

5. Perna mytiloides Sow. 

6. Melania abbreviata Rorm. 

1.C rdium eduliforme Rorm. 

8. Cucullaea longirostris Rorm. (C. oblonga n. REN 

9. Trichites. 

10. Terebratula pinguis Rorm. 

11. Modiola imbricata Sow. 

12. Ostrea solitaria Sow. (O. gregaria nach Kröpen?). 

13. Nerinea Visurgis Rorm. 

14. Nerinea fasciata Rorm. 

Undeutlicher erhalten war Cerithium limaeforme Rorm.; ein 
Steinkern gehört vielleicht der Ostrea duriuscula an, ein anderer 
wahrscheinlich dem Hippopodium ponderosum. Die mir als Me- 
lania striata und heddingtonensis, Lutraria gregaria, Trochus retieu- 
latus, Plagiostoma rusticum und Unio abductus mitgetheilten Fossi- 
lien waren unrichtig bestimmt. 

Die Versteinerungen 1 — 9 incl. finden sich in hiesiger Gegend, bis 
auf Terebr. biplicata , ausschliesslich im Portlandkalke, die übrigen nur 
im Coralrag; jene werden daher auch bei Fritzow den obern Schichten, 
diese den ältern angehören. Versteinerungen älterer Schichten und na- 
mentlich des Inferior Oolithe habe ich von dort nicht gesehen. Aus 
der genauern Übereinstimmung der Petrefakten ergibt sich wohl zu- 
gleich, dass die Ablagerung bei Fritzow auch zum Wesersystem des 
Jura gehört. 


RormER. 


New-Haven, Yale College, 24. Jänner 1837. 


Sie werden den Aufsatz über die Vogelfährten im Red Sandstone 
gelesen haben, welchen Prof. Hrrcucock vor einem Jahre in dem Ame- 
rican Journal mitgetheilt hat. Derselbe wird bald einen zweiten über 
solche Fährten folgen lassen. Es wird sich als möglich erweisen, dass 
einige derselben von Vierfüssern, vielleicht von Beutelthieren herstammen. 


SILLIMAN, 


Neueste Literatur. 


A. Bücher. 


1833 —1835. 


G. Giunı: Storia di tutte le acque minerali di Toscana, ed uso medico 
delle medesime. Siena, VI Voll. 8°. 


1835. 


V. oe Bonaup: Moise et les Geologues modernes, ou le recit de la ge- 
nese compare aux theories nowvelles des savans sur V’origine de 
lunivers, la formation de la terre, ses revolutions , Vetat primitif 
des etres divers, qui V’habitent. Aviynon, I, 18° [1 fl. 4 kr.]. 

Nırs NorpenskıoLn: Beskrifning af de i Finland funne mineralier. 
Första Häftet. Helsingfors. 8°. 


1836. 


BrisnorLı: Relazione accademica dell’ ultima eruzione accaduta nel 
vulcanetto aereo, cosidetta Salsa di Sussuolo, nel Modanese e 
considerazioni geognostiche intorno alle Salse e loro cause. 64 
pp., 1 tav., Reggio. 

W. BuckLannp: Geologie and Mineralogy considered with Reference to 
Natural Theology. London (1836) II, voll. S. with 87 plates. 

H. BuneL: Apercus geologiques et paleontologiques. Notions sur la 
theorie des puits forees. Hauteurs de quelques points du Depar- 
tement du Calvados. Brochure de 30 pp. in 9°. Caen. 

M’CurrocHn: A Geological map of Scotland, published by Order of 
the Lords of the Treasury by S. ArkowsMmıTH, 4 grosse Blätter, 
fein illuminirt, mit 1 Band Text [5 Guineen], Edinburgh. 

H. Duvan: Atlas universel. Tableaw de geologie et des revolutions du 
globe. Feuille xxxıx. Paris chez Vauteur. 

A. v. Kuırstein und J. J. Kaur: Beschreibung und Abbildungen von 
dem in Rheinhessen gefundenen kolossalen Schädel des Dinotherii 


> 
— 190 — 


gigantei, mit geognostischen Mittheilungen über die Knochen- 
führenden Bildungen des Mittel-Rheinischen Tertiär-Beckens. Darm- 
stadt, 4°, Atlas, in fol. 

H. F. Link: Le monde primitif et Vantiquite expligques par Vetude de 
la nature, traduit de Y’Allemand sur la deuxieme edition par J. 
J. CLEMENT-MvrLer II, 8°. Paris [12 fr.). 

Nic. Dı Rıo: Orittoloyia Euganea ; con 2 tav. in 4%. Podova. 

H. J. van DER Wyck: Übersicht der Rheinischen und Eifeler erlosche- 
nen Vulkane und der Erhebungs - Gebilde, welche damit in geogno- 
stischer Verbindung stehen, nebst Bemerkungen über den technischen 
Gebrauch ihrer Produkte. 2te Ausg. Mannheim, VI und 122 S. 


[12 gr.]. 
! 
B. Zeitschriften. 


1. Bulletin de la Societe geologique de France (Par. 8°). 
1835, VI, S. 321—407, Ende (vgl. Jahrb. 1835, S. 464— 
465 *). 


Desnavzs: berichtigte Bestimmung einer von ANDRZEJOowskI an BouE ge- 
schickten Sammlung tertiärer Konchylien Podoliens, S. 321— 322. 


Ausserordentliche Versammlung zu Mezieres, Ardennen. 


Ausflug um Mezieres, S. 324—327. 
durch Poix nach Attigny, S. 328—332. 
von Attigny über le Chesne und Fendresse nach Mezieres, S. 
332 —334. 
Verhandlungen über das Gesehene: Grünsand bis Lias, S. 334—340. 
Rozer: Versuche um das Maximum der Neigung einer Ebene zu be- 
stimmen, worauf sich Niederschläge absetzen können , S. 340—341. 
Ausflug nach Deville, S. 311. 
van Brepva zeigt Abbildungen vor, wonach es scheint, dass die Apty- 
chen ein fester Theil des Mundes von Ammoniten gewesen, $. 345. 
Ausflug nach @ivet, S. 315—348. 
» von @ivet nach Namur, S. 349—350. 
Umgegend von Namur, S. 350—353. 
Verhandlungen über das in den letzten Tagen Gesehene, S. 353 
bis 357. 


”„ 


„” 


2. Bulletin de la Societe geoloyique de France (Par. 8°). 


1830, 8. Febr. — 4. Juli; VII, 113—304 (vgl. Jahrb. 1836, 
S. 265— 266, 


Coquant: mineralogische Notitz über P’Esterel und im Allgemeinen über 
das Var-Dept., S. 107—116. 


*%) Ein Theil dieses Bandes S. 65 — 321 ist uns noeh immer nicht zugekommen, unge- 
achtet unserer oft wiederholten Requisitionen. 


— 191 — 


Ds Corrzeeno: Betrachtungen über die Versuche Rozer’s und Ds ıA 
Becne’s über das Maximum der Neigung, auf welcher sich Nieder- 
schläge absetzen können, S. 116—118, 

Rozer’s, BosLave’s, Bous£r’s, DE Beaumonr’s Verhandlungen darüber, 
S. 118—120. | 

Rozer: Bemerkungen über die plutonischen Felsarten einiger Theile 
der Kette, welche die Saone von der Loire trennt, S. 120—123. 

Dr Vernevit: über das Cambrische, Silurische und Kohlen - System in 
Wales, S. 127—132. - 

Cu. V’OrsıcnY: über den Schacht im Grobkalk zu Fontainebleau, S, 
135 —136- 

Rozer: fernere Beobachtungen im nördlichen Jura (Bullet. VI, 192), 
und über den Asphalt von Pyrimont, S. 136—143. 

Drouerr: über die Teredina personata, S. 143—146. 

Coguant: die Menschenknochen, welche 1834 in den Muschel - Haufen 
von St. Michel-en-U’Herm (Vendee) gefunden worden , sind nicht 
gleichen Alters mit diesen, S. 147— 150, und Verhandlungen dar- 
über, — 8. 151. | 

A. Sepswick: über die Lagerungs - Folge alter Schichtgebirge in Cum- 
berland, S. 152—155. j 

L. v. Bucn: über Spirifer und Orthis, S. 155 — 156 (Jahrb. 1836, 
S. 175—184). 

L. v. Bucu: Grobkalk von Duzoıs in Armenien gefunden, S. 156 — 158 
(ib. 359—360). 

Vır.er: über Verwandlung eines Schiefers bei Dublin, S. 160. 

Ca. »’ÖreienrY: über einen Durchschnitt im tertiären Kieselkalk bei 
Monceaux, zwischen Paris und St. Germain, S. 161—168, 

Pıcarn: über das Kreide - Gebirge von Pourrain (Yonne), S. 168—170. 

Bouger: über den Zucker -körnigen Kalk der Pyrenäen, S. 170 — 171 
vgl. S. 178. 

HıLdretH: über einige Gesteine am Ohio, S. 173. 

Desuaves: über Klassifikation der Brachiopoden (zu S. 155), S. 174— 175. 

Beex: desgl. 176-- 177. 

Durrenoy: über den Zucker-körnigen Kalk der Pyrenäen (vgl. S. 170) 
S. 178—180, und Verhandlungen darüber. 

v’Arcntac, Durr£nov, D’Omarıus, Boug£r über die Kreide im S.W. von 
Frankreich (S. 182— 183). 

Rosert: geologische Beobachtungen auf der zweiten Reise mit der 
Corvette „ia Recherche“, besonders über die Insel Goree, S. 
184 — 191. ; 

Coovant und Durrenoy: über den tertiären Gyps, S. 191. 

Cu. Krrerstein: über die Umbildungen der Schichten, S. 197—199. 

Coquant und Deskayes: über die Mergelbank mit Cythereen über dem 
Pariser Gypse, S. 200. 

Desnayes : über den Übergang von Kreide zu Grobkalk, S. 200-201. 


Jahrgang 1837. 13 


—: 192 — 


Arrvaunp: über einen umgewandelten Granit mit Quecksilber von Pey- 

rat im Vienne-Dept. S. 203 — 206. 

Sısmonva: über eine fossile Trionyx Aegyptiacus und Cancer 
punetulatus in der Provinz Alva, S. 207 nebst Abbild. 

Tuurmann: Bericht über die Beschäftigungen der geologischen Sozietät 
im Jura, während ihrer Versammlung zu Besangon im Herbst 1835. 
S. 207 — 211. (Jahrb. 1835, S. 667.) 

Leymerıie: über die Geologie des Rhone-Depts. S. 211 — 216. 


Crorzer: Neuere Beobachtungen am Gergovia-Berge bei Clermont, 
S. 216 — 217. 

Lırter: über den Süsswasserkalk von Sansan (Gers) und die darin 
vorkommenden Vierfüsser-Knochen, S. 217 — 220. 

VırLet: über die Sandstein-Platte mit Thierfährten von Hildburghausen, 
S. 220 — 224. 


B. Stuver: Einleitung zu seinem Werke über die Geologie der west- 
lichen Schweizer-Alpen, S. 225 — 252. 


J. De Carıston: Beobachtungen in der Cevennen-Gruppe, S. 253 — 258, 
nebst Tabelle. 


Croizer: über die Sandstein-Platte mit Thierfährten von Hildburg- 
hausen, S. 259 — 260, und 265 — 266. 


De Latanpe: über die Hebung des Bodens bei der Insel Santorin. 
S. 260 — 261. 


Warrerpin: Thermometer-Beobachtungen in Brunnen des Kreide-Bodens, 
S. 261 — 262. 


L. A. Cnausarn: Notiz über die fossilen Knochen, welche man im S.W, 
Becken Frankreichs entdeckt hat, S. 267 — 272. 

D’Arcnsac: Grobkalk zwischen Töpfer-Thon und Kreide bei Meudon, 
S. 272 — 272, und Verhandlungen darüber — S. 276. 

VorrLz: über Aptychus, Belemniten, Patella papyracea, S. 277 — 278 
(vergl. Jahrb. 1836, S. 187). 

— über die Versteinerungen des Kreidegebirges bei Neuchätel, S. 278 
— 279 (vgl. Jahrb. 1835, S. 62). 

Hvor theilt der Gesellschaft einen Belemnites mueronatus von 
Sympheropol in der Krimm mit, S. 280. 

D’Orsıeny: über das neulich zu Mendon entdeckte Gebirge (S. 272 ff), 
S. 280 — 291 und 294 — 295. 

ELıe ve Beaumont und Desnaves Verhandlungen darüber, S. 291 — 293. 


Pärrverte: Prüfung einiger geologischen Thatsachen, welche im W. 
Theile der alten Provinz Bretagne beobachtet worden, S. 295 — 304. 


3. Jahrbuch für den Berg- und Hütten-Mann auf das 


Jahr 1837, hgg. von der königl. Akademie in Frreyberg (143 SS. 
gr. 80) Freyberg [16 gr.) 


a. : .. le 


4. The London and Edinburgh Philosophical Magazine 
and Journal vf Science (and Proceedings uf the Geo- 
logical Society of London) London 1836, Nro 48 — 57. 


1836,-May, VII, 5. 


W. Horkıns Auszug aus einer Abhandlung über physikalische Geologie, 
mit einer weiteren Auseinandersetzung gewisser mit diesem Gegen- 
stande verbundenen Punkte, Schluss. S. 357 — 366. 


Grey Eserton alphabetischer Katalog der fossilen Fische in der Samm- 
lung des Lord Core und der seinigen, mit Angabe der Fundorte und 
der Lagerung [227 Arten], S. 366 — 373. 


A. Canpereug: Bericht über die vulkanische Eruption von Coseguina 
in der Fonseca-Bay, gewöhnlich Conchagua-Küste genannt, an der 
Westküste von Mittelamerica, S. 414 — 415. 


1836, Juni, VIII, 6. 


C. T. Beexe: über die vormalige Ausdehnung des Persischen Meerbu- 
sens und die Nicht-Identität von Babylon und Babel, als Antwort 
an CARTER, S. 506 — 515 (F. f.). 


1836, VIII, 7 (Supplem.). 


E. Cuarteswortn: über den Crag von Suffolk und die Trüglichkeit der 
jetzt gebräuchlichen Methode zur Bestimmung des relativen Alters 
tertiärer Schichten, F. f., S. 529 — 538. 


Forses: über die Temperaturen und geologischen Beziehungen ge- 
wisser warmen Quellen, besonders deren in den Pyrenäen ; und über Be- 
stätigung des Thermometers, S. 551 — 553. 


Proceedings of the Gevlogical Society of London 1835, Decemb. 16 
bis 1836, März 23. 


Beer: Bemerkungen über die Geologie von Dänemark, S.553 — 556, 


STRICKLAND: über das landeinwärts fliessende Meerwasser zu Cepha- 
lonia, S. 556 — 557. 
LyerL: über das Vorkommen fossiler Hay-Wirbel im Rheinischen 
Löss bei Basel, S. 557 — 558. 
W. Rıcnirpson meldet das Vorkommen von Selenit im Sande des 
plastischen Thones zu Bishopstone bei Herne-Bay, S. 558. 
BayrıeLp: über den Transport von Felsblöcken durch Eis, $S. 558 — 559. 


R. Geirritu : über die Syenit- Gänge und Glimmerschiefer bei’m 
Goodland cliff, und Kreide zu Toorr Eskert südlich am Fair 
Head in der Grafschaft Antrim, S. 559 — 560. 

Derxa Becne : über die Schiefer-Gesteine im Norden von Cornwall, S. 561. 

R. J. Murcnıson: über die geologische Struktur von Pembrockshire, 
insbesondere über die Ausdehnung des Silurischen Felssystenis in 
den Felswänden an den Küsten dieser Grafschaft, S. 561 — 566. 

13 * 


— 1914 — 


R. J. Murenisox: über die Verschiedenheit der Geschieb- und Alluvial- 
Massen in S. Wales von den nördlicheren in Lankashire, Cheshire, 
N. Salop und einigen Theilen von Worcester und Gloucester, 
S. 566 — 571. 

J. Leısu: Beobachtungen über einen Fleck von rothen und bunten 
Mergeln mit fossilen Konchylien zu Collyhurst bei Manchester, 
S. 571 — 573. N 

Browne’s, LaAwrence’s und Stevens’ Nachricht von SekwäskäikShräh 
men, welche auf der Insel Cephalonia ins Land hineingehen, 

8.573 — 574. | 

Syres: über die Gesteine bei den Höhlen von Ballybunian an der 
Küste von Kerry, S. 574. 

A. Crıcnton: Bericht über einige fossile Pflanzen-Reste im Sandstein 
unter dem Kohlenkalk von Ballisadiere in Sligo, Irland, S. 574 — 575. 

Cautuey: über die Säugethiere-Reste in den Sewalik-Bergen am süd- 
lichen Fusse des Himalaya zwischen dem Sutluy in dem Ganges, 
S. 575 — 577. 

A. Rırey und S. Srurcusury: Beschreibung einiger Fossil-Reste von 
drei Saurier-Arten, welche im Herbst 1834 im Magnesian-Konglo- 
meratvon Durdham Down bei Bristol gefunden worden, S. 577 — 579. 


Mupge: über die Knochen-Höhlen von Yealm-Bridge, 6 Meil. SO. 
von Plymonth., S. 579 — 580. 


1836, July, IX, 1. 


Bosse: Bemerkungen über Horkıns Untersuchungen in der physikali- 
schen Geologie, S. 4 — 19. 

E. Rürren: Beobachtungen über die fossilen glas Pseudoammonites 
und Ichtyosiagonites im Kalkstein von Sulenhofen, S. 32 — 34 (eine 
erneute Feststellung der im Jahrb. 1830, S. 403 — 404 kr 
ten Ansichten). 

C. T. Becke: (Fortsetz. von VIll, 515) S. 34 — 42. 


1836, August, IX, 2. 


Tu. Weiver: über die Kohlen-Gebirgs-Reihe der vereinten Staaten, 
S. 124 — 132. 


1836, Septemb. IX, 3. 


J. W. F. Jounston: über die wahrscheinliche Ursache gewisser opti- 
schen Eigenschaften, welche D. Brewsrter an Chabasie- Krystallen 
beobachtet hat, S. 170 — 171. 

W. Horxkın’s Antwort auf BoAse’s Bemerkungen über dessen Untersu- 

 ehungen in der physikalischen Geologie (F. f.), S. 171 — 176. 

H. Farconer und P. C. Causzey: über das Sivatherium gigauteum, 
ein neues fossiles Rumianten - Geschlecht aus dem Marcanda-Thale 
in der, Sivalik-Kette der Sub-Himalaya-Berge (F. f.), S. 193 — 201. 


— 19 — 


1836, Okt., IX, 4. 


W. EC. Wırcıamson: über die Kalksteine in der Nähe von Manchester 
(F. £.), S. 241 — 249. 

FuALconer und Cautzey (Schluss zu S. 201), S. 277 — 283. 

H. F. Tirsor: über optische Erscheinungen an gewissen Krystallen, 
S. 288 — 291. Ä 


1836, IX, 5. 


W. €. Wircıamson: über die Kalksteine in der Nähe von Manchester 
(zu S. 249), S. 348 — 356. 

J. MırcnerrL: über die Schichten unmittelbar über der Kreide in den 
Grafschaften um London, S. 356 — 360. 

:W. Horkıns Antwort auf Dr. Bosse’s Bemerkungen über Horkın’s Un- 
tersuchungen in der physikalischen Geologie im July-Hefte (zu 8. 179), 
S, 366 — 370. 


Proceedings of the geological Society of London, 1836, 13. und 27. April. 


J. Prestwicn: Abhandlung über die Geologie in Coalbrook Dale, 
3. 382 — 387. ] 
R. W. Fox: über die Bildung der Erzgänge, S.' 387. 
1836, IX, 6. 
R. Cowrine Tarror: über die Steinkoblen-Beihe in den vereinten Stau- 
ten von Nord-Amerika, S. 407 — 41l. 
Berzerius: über Meteorsteine, S. 429 — 442, 
N. Th. Weruerern: Beobachtungen über einige Fossilien des London- 
Thones, insbesondere über diejenigen organischen Reste, welche im 


Tunnel der London-Birminghamer Eisenbahn gefunden worden sind. 
S. 462 Zar 469. 


1836, IX, 7 (Supplem.). 


Proceedings of the Geological Society of London, 1836, Mai 11, 25. 
und Juni 8. 

R. J. Murcnison: über die Silurischen uud andere Gebirge von 
Dudley und dem Wolverhamptoner Kohlenfeld, nebst Beweiss, 
dass der Quarzfels von Lickey mit dem Caradoc-Sandstein gleich 
alt sey, S. 489 — 495. \ 

R. A. Croys&e Austen: über den Theil von Devonshire zwischen den 
Quellen des Ex und Berry und der Küste und Dartmoor, 
S. 495 — 496. 

R. J. Murcaison: Notitz über das angebliche Vorkommen der Lias- 
Formation in Afrika, 9. 496. 

G. Frankrann: Notitz über die Maria-Insel auf der Ostküste von 
Vandiemensland, S. 496 — 497. 

J. Rosısos WeicHht: über die Geologie der Gegend im SW.-Theile 
des Daveniry, S. 497. 


a. 


,‚ Pu. Grey Ecerton: Notitz über das Vorkommen von Seekonchylien 
in einem Geschieb-Lager zu Narley Bank in Cheshire, S. 497. 

L. Hunter: Bemerkungen zu einem Durchschnitt durch den Ober- 
Lias und Mergelstein von Yorkshire, um die geringe Vertical- 
Verbreitung der Ammoniten- und anderer Schaalthier-Arten und 
ihren Werth als geologische Zeugen zu würdigen, S. 497 — 498. 

R. Fırcn: über die Entdeckung eines Mastoden-Zahnes im Crug von 
Thorpe bei Norwich, S. 499. 

Cu. Stoczkes: Notitz über ein, zum Theil durch kohlensauren Kalk 
versteinertes Stück Holz und einige Bemerkungen über fossile 
Hölzer überhaupt, S. 499 — 500. 

Pu. Grer Eserton, Weitere Notitz über einige Eigenthümlichkeiten 
in der Struktur der Nacken-Gegend beim Ichthyosaurus, S. 500. 

Sepcwick und Wırzıamson Peıte: über die Kohlenfelder an der NW. 
Küste von Cumberland, S. 501 — 503. 

: Über künstliche Krystall-Bildung (aus Wnerweur’s Bericht im Kor 
on the first and second Meetings of the British Association 
p- 374 — 379), S. 537 — 540. 


Auszüge. 


1. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


‚Nach Fr. v. Koserr ist das spezifische Gewicht des Nickel-Wis- 
muthglanzes — 5,14. (Erpmann und ScHWEIGGER- SEIDEL Journ. 
für Chem. VIII, 342). 


Bvitrer theilte der Soc. geol. de France Nachricht mit von einem, 
neuerdings am Berge Four-la-Baraque zwischen Clermont und Issoire 
aufgefundenen Barytspath-Krystall von ungewößinlicher 
Grösse; er misst acht Zoll in der Länge und wiegt üher 11 Pfund. 
Am Puy de Corent kam vor Kurzem ein Octaeder von Titaneisen 
vor, dessen Kantenlänge 30 Millimeter betrug. 


Bınverry berichtet von einem, im Bette eines kleinen Flusses, - 
30 Meilen gegen S.W. von Quebeck, gefundenen Geschiebe Gedie- 
gen-Goldes, dessen Gewicht 1060 Gran betrug und das eine Eigen- 
schwere von 15,7 hatte. Es war begleitet von Talk und Chloritschiefer, 
von Serpentin und Grünstein. Es ist diess das zweite Beispiel des 
Vorkommens von Gediegen-Gold in Canada. (Bullet. de la Soc. yeol. de 
France. VI, 104.) 


Devaux: über die Naphthbine (oc. eit. p. 139.) Im Über- 
gangs-Kalk der Gemeinde Beaulieu, Dep. der Maine und Loire, findet 
man eine Substanz von weisser Farbe, die an der Luft gelb wird, und 
genau wie Naphtha riecht. 


G. BesencesEet: Nachricht über die Thermen beı Lavey 
(Notice sur les eaux thermales de Lavey. Lausanne; 1836.) Das 


“ 


— . 198 — 


Wasser ist vollkommen klar und durchsichtig ; riecht etwas nach Schwe- 
fel-Wasserstoff-Gas; Temperatur am 12. October 1833 in verschiedenen 
Tageszeiten — 29 bis 36° R.; Eigenschwere == 1,00114. Gehalt nach 


S. Baup: Kubik-Centimet, 
Schwefel-Wasserstoff-Gas . . H X a 
Kohlensaures Gas R e 2 a 5 4,34 
Stickgas at. \ . . 5 . - 27,80 

Gramme, 


Chlor-Potossium . . : s ! . 0,0034 
— Natrium . . - s h . 0,3633 
— Lithum . i 3 - 5 - 0,0056 
— Calcium . 5 SRKhRIN h . 0,0015 
— Magnesium h > - . . 0,0045 

Wasserfreies schwefelsaures Natron . . 0,7033 


BEINEN = Magnesia . 0,0068 
_ — Strontian . 0,0023 


Kohlsaurer Kalk . : & 2 x . 0,0730 
— Magnesia . 3 b . 0,0018 
Kieselerde . ; i & } Ä » 0,0566 


Brom ‚ 

Jod 

"Fluor Calcium | 
Phosphorsaurer Kalk n ä s . Spuren. 
Eisen- 

Mangan- | Oxyd 


Extractiv-Stoff 

Das Gestein, welchem die Thermen entfliessen, ist theils Protogyn, 
theils Gneiss, dessen Lagen ungefähr senkrecht stehen. Der Gneiss, 
in welchem der Glimmer durch Chlorit oder Speckstein [Talk ?] vertre- 
ten wird [und der folglich ein Protogyn von Schiefer-Struktur ist] , geht 
in etwa 400 F. Entfernung von der Quelle im Rhone-Bett zu Tag: er 
setzt steile Felsen zusammen, über die ein Giessbach herabstürzt. Die 
Thermen kommen im Bette des Rhone zu Tag, 1000 Toisen oberhalb 
der Brücke von Saint-Maurice. 


Hi. Geologie und Geognosie. 


Geologischer Kongress zu Clermont in Auvergne im 
Herbste 1833. (Annales de P’Auvergne, T. VII, p. 145 etc. 193 etc.) 
Es war diess die dritte Versammlung der Gebirgsforscher Frankreichs, 
durch die geologische Societät in Paris veranlasst ( die beiden ersten Zusam- 
'mentritte hatten zu Beauvais und zu Caen statt). Wir müssen uns auf 


f} — 


1 nn 


Mittheilung des Wesentlicheren beschränken *). — 25. August. Wande- 
rung nach Pont-du-Chäteau, Untersuchung von Puy de la Poix, von 
Machal u. s. w. Auffallende Horizontalität der Süsswasser-Ablagerun- 
gen. Zur rechten Seite des Weges Hügel aus vulkanischen Konglome- 
raten zusammengeseizt, zahlreiche Basalt-Bruchstücke in diesen Tuffen 
. und Brekzien. Die Aussicht auf dem Puy de Crouel, eine der schönsten 
in Auvergne, ist besonders geeignet, uns den gegenseitigen Zusammen- 
hang der weit erstreckten basaltischen Plateau’s beurtheilen zu können, 
von denen die Kalk-Gebilde bedeckt werden. Am Puy de la Poix, aus 
dem erwähnten Konglomerate bestehend, das denkwürdige Vorkommen 
des Erdpeches; es quillt aus mehreren Spalten und mit ihm Wasser, 
das salzsaures Natron und ziemlich viel Kieselerde gelöst enthält; auch 
geschwefeltes Wasserstoffgas entwickelt sich anhaltend. Die Kirche des 
Dorfes Pont du Chäteau steht auf einem ähnlichen Konglomerate, mit 
welchem bier geringmächtige Kalk-Lagen wechseln. Die kugeligen Ab- 
sonderungen des erstern Gesteins lieferten in früheren Zeiten die zier- 
lichen, mit dünner Chalcedon-Rinde überkleideten Quarz - Krystalle von 
Bitumen begleitet. Auf dem linken Allier-Ufer, an der Stelle genannt 
Escarpement de Machal, an einer mächtigen Kalkbank häufige Natron- 
Efflorescenzen. Über dem Kalke vulkanische Alluvionen und noch 
höhere Rollstücke. Am Ufer grosse Blöcke von Süsswasser - Kalk, 
reich an fossilen Muscheln, namentlich Steinkernen von Helix, zum Theil 
mit einem Bitumen-Überzuge. Den Puy de Mur und den Pic de Dal- 
let bedeckt ein Basalt-Plateau. Der Süsswasser-Kalk enthält Lagen ter- 
tiärer Oolithe. — 26. Aug. Wanderung nach Gergovia. Der Weg 
führt über einen ziemlich breiten Lavastrom, den der Vulkan von Grave- 
noire ergossen hat und welcher nun gänzlich angebaut ist. Der Gergovia- 
Berg besteht aus meist horizontalen Kalk-Lagen, überdeckt von einem 
basaltischen Plateau. Mehrere tief eingeschnittenen Schluchten lassen 
Basalt-Gänge erkennen, die durch den Kalk emporgestiegen sind. In der Nähe 
des Dörfchens Merdogne ist einer der günstigsten Beobachtungs - Puukte. 
Die unteren Lagen sind kalkig, die oberen bestehen aus vulkanischen 
Konglomeraten und Tuffen mit vielen eingemengten Kalk-Theilen. Zwi- 
schen diesen verschiedenartigen Gebilden bemerkt man einen breiten 
Basalt-Streifen, der zwar äusserlich vollkommen horizontal erscheint, 
aber dennoch die Kalke unterteufen dürfte. Grabungen oberhalb Mer- 
doyne haben, vor langer Zeit schon, rundliche Halbopal-Massen zwischen 
einer Lage weissen Kalks entdecken lassen. Ohne Zweifel verdanken 
dieselben Mineral-Quellen ihre Entstehung. — Mit besonderem Interesse 
betrachtet man die Erscheinungen, welche die Basalt-Gänge da hervor- 
riefen, wo dieselben mit andern Gesteinen in Berührung gekommen. — 


— nn nn 


*) Dass manche Einzelnheiten nicht unerwähnt blieben, werden uns diejenigen unserer 
Leser Dank wissen, welche solche Angaben als Anhalte-Punkte zu Excursionen 
in der so lehrreichen Gegend von Clermont benutzen wollen. 


= 


27. August. Wanderung in die Kette der Puys. Der Weg führt 
über Montferrand nach der Stadt Reom und nach Volvic. Die letztere 
kleine Stadt liegt am Fusse des Puy de Banniere, auf dessen Gipfel 
ein Vulkan ausgebrochen ist und denselben mit zahllosen rothen Schlacken 
bedeckt hat. Die Schlacken zerfallen in Kugeln ; viele enthalten Granit- 
Stücke, Trümmer jenes Puy’s, dessen Basis durchaus granitisch ist. 
Volvic ist auf» einer schwarzen, augitischen Lava gebaut, die Olivin- 
Theile führt. Eine andere Lava, in ihren Merkmalen etwas verschieden, 
die eigentliche Lava von Volvic, als Baustein so bekannt und geschätzt, 
bedeckt die ‘erstere, und da, wo beide einander begrenzen, bricht eine 
Quelle hervor. Aus der Mitte des vulkanischen Meeres erhebt sich eine 
granitische Insel. Auf dem Puy de la Nugere wurde der grosse Krater 
untersucht, an dessen Rande ein Schlacken-Hügel den vormaligen Haupt- 
schlund verhüllt. Die ergossene Lava umfloss eine granitische Hervor- 
ragung. Ein weit erstrecktes Plateau begrenzt diesen vulkanischen 
Kegel. Am Fusse des Puy Coguille ist ein kleiner Berg, der Puy de 
Leyronne genauut, bemerkenswerth. Er hat einen sehr kleinen, seltsa- 
men Krater, der sich mitten zwischen Domit-Trümmern aufgethan, und 
von Schlacken nicht die geringste Spur zeigt. Eine nachbarliche Schlucht 
liefert viele zerklüftete und oberflächlich geschmolzene Domit-Bruch- 
stücke. — Vom Puy Coquille begab man sich zum Chupine-Berg, der 
mit steilen Gehängen aus der Mitte des kreisrunden Puy des Gouttes 
emporsteigt. Der Chopine bietet, wie bekannt, das eigenthümliche Ver- 
bundenseyn des Domits mit mehreren in höheren und geringeren Gra- 
den veränderten Urgebirgsarten dar. Ein Basalt-Streifen macht das 
Ganze noch verwickelter. Nur durch Erhebung sind die Erscheinungen 
zu erklären. — Die Tageszeit reichte nicht mehr hin, um den Gipfel 
des Sarcouy zu ersteigen, die künstliche Grotte zu besuchen und den 
Domit an der Stelle zu sehen, wo salzsaure Dämpfe denselben durch- 
drungen und umgewandelt haben; man begnügte sich damit, die Bezie- 
hungen zwischen dem grossen und dem kleinen Sarcouy kennen zu ler- 
nen; der letztere hat das Ansehen vom Segment eines geräumigen Kra- 
ters am nördlichen Fusse des Domit-Berges. In der Nähe der Mitte des 
kleinen Sarcouy sind sehr frische Schlacken hervorgebrochen. — Auf 
dem Rückwege nach Clermont erreicht man bald das primitive Gebiet; 
bis Dartol , wo der Lavastrom von Parivu überschritten werden muss, 
ist derselbe von tiefen Schluchten durchzogen. — 28. Aug. Nach dem 
Puys de Pariouw und de Döme, nach Fontanat und Royat. In geringer 
Entfernung vom Dorfe  Chamalieres, das als Vorstadt von Clermont 
gelten kann, ist eine Lava erstarrt, welche vom Vulkan @ravenoire 
berabkam, und nicht weit davon erreicht man, an der Stelle Fontmort 
genannt, das Ende eines der Laven-Arme des Pariou. Dem Strome ful- 
gend, auf einer alten Römer-Strasse, welche theilweise auf dem Strome 
selbst hinzieht, gelangt man zum Vulkan. Seitlich ein granitischer, mit 
Basalt überdeckter, Berg; die Lava stellt sich in regellos zerklüfteten und 
zerpaltenen Massen dar, welche meist auf einer grauen Aschen-Lage ruhen. 


“ 


Jenseits des Weilers Villars dehnt sich der Lavenstrem plötzlich in der 
Mitte einer kleinen Ebene mehr aus. Hier findet man einen Haufen 
geschmolzenen Materials; die Vegetation hat kaum begonnen sich zu 
entwickeln. Von hier beträgt die Entfernung des Pariow noch über 
eine Stunde; aber alle Erscheinungen verkünden schon die grössere 
Nähe des Feuerbergs. Der Weiler Arcines liegt auf Gneiss, jedoch 
ganz in der Nähe der Lava, deren Strom das Auge bis zur Basis des 
Parivu verfolgen kann. Auf der erhabensten Stelle des Plateaus, im 
mindestens 1000 Metern Höhe, zeigen sich grosse Granit-Massen, welche 
von den vulkanischen Erzeugnissen nicht überdeckt worden. — Wenige 
Kratere sind so gut erhalten, als der der Pariow. Sein Durchmesser 
beträgt 900 F., die Tiefe 300 F. — Der Puy de Döme wurde am Abend 
noch erstiegen und der Rückweg durch das granitische Thal von Fonta- 
nat genommen, das seiner ganzen Längen-Erstreckung nach einen Lava- 
strom aufzuweisen hat, dessen Ursprung zweifelhaft ist. — Am 29. August 
weilte die Gesellschaft in Clermont. In der Sitzung las Lecog seine 
Abhandlung über den Mont-Duore; er betrachtet diesen Berg als empor- 
gehoben zur Zeit, wo die neueren Yulkane zu wirken begonnen. Mehrere 
Einreden fanden statt. Croızer bemerkte, die neuen Vulkane hätten den 
Puy de Döme nicht zu erheben vermocht, und noch viel weniger den 
Mont-Dore. Diese Feuerberge waren, nach seiner Ansicht, im Begriff 
zu erlöschen, als sie den Munt-Dore erreichten, auch bezeugen die drei 
Kratere, welche sich auf seinem Gehänge öffneten, ihre beschränkte 
Macht im Vergleich zu den Wirkungen derselben in der Kette der 
Monts Dömes. Der Gipfel des Montchatme, der erhabenste unter den 
neuern Vulkanen des Munt-Dore, habe 600 Meter weniger Höhe, als 
die trachytischen Spitzen in der Gebirgs-Mitte. Lecog erwiederte: die 
geringe Zahl von Kratern auf dem Mont-Dore-Gehänge beweisen kei- 
neswegs, dass die Feuerberge der Munts Dömes im Begriffe gewesen 
seyen zu erlöschen ; im Gegentheil, nachdem dieselben hier Beweise 
ihrer ganzen Macht gegeben, hätten sie zuerst die Gesammt-Masse tra- 
chytischer und basaltischer Streifen empörgehoben, und da sie sieh nicht 
durch die ungeheure Haufwerke als von Feuer-Erzeugnissen hindurch zu 
arbeiten vermochten, so wären nur einige jener Vulkane an einzelnen 
Stellen dieser Berg-Gruppe an den Tag getreten, und hätten alsdann 
eine nördliche Richtung genommen bis zum Puy de Chalard. Keine 
Thatsache deute darauf bin, dass die Kette der Monts Dömes, welche 


aus ungefähr 60 vulkanischen Bergen 'besteht — auf Linien vertheilt, 
wie die grossen Feuerberge Amerika’s — im N. eher zu brennen be- 
gonnen haben, als im S. — Constant Pr£evör sprach ebenfalls gegen 


die Lecog’sche Ansicht. Er glaubt nicht, dass neuere Vulkane oder 
Puys mit Kratern eine Masse wie den Mont-Dore zu erheben ver- 
möchten. Überall habe er gesehen, dass das geringste Hinderniss das 
Fortschreiten eines Stromes hemme, darum erachtet er es für unmöglich, 
dass eine Gewalt dieser Art nur die mächtigen Bänke zu erschüttern im 
Stande sey, woraus der Mont-Dore besteht. Bezeichne man aber durch 


= me 


den Ausdruck moderne Vulkane die Ursache oder die Gewalt, welche 
Kegel mit Kratern erzeugt, d. h. ‘die Expansiv-Gewalt gasiger Materien, 
welche sich über dem Boden anhäuften, so müssen die durch solche 
Gase erhobenen Materien sofort zurückfallen, wie eine Öffnung ihnen 
gebahnt worden, und damit habe auch die Spannung derselben ihr Ende 
erreicht. Als Beweise von der geringen Macht der Ausbrüche moderner 
Vulkane bezieht sich Pr£vör auf Thatsachen, die er am Vesuv beobach- 
tete. Er sah Lava sehr allmählich aus engen Öffnungen hervorbrechen, 
welche sie ohne Zweifel vergrössert haben würde, wenn ihr die 
Macht zugestanden hätte, und kein Beweis sey dafür vorhanden, dass der 
Boden, vor dem Erscheinen der Vulkane, welche auszubrechen suchten, 
emporgehoben und zerstückt worden wäre. Die von ihm besuchte Insel 
Julia lasse nicht ein einziges Erhebungs-Phänomen wahrnehmen; nicht 
der Boden sey über das Niveau des Wassers emporgehoben worden, wohl 
aber schlackiges Material, welches das Wasser anfänglich verbreitet 
habe, und das später aufgehäuft worden sey. Die domitischen Puys be- 
trachtet Pr£vör als besondere, in der Natur ihrer Erzeugnisse von den übri- 
gen abweichende Vulkane. Domit-Kegel können sich nach ihm ebenso 
gut auf der Stelle bilden wie Schlacken-Kegel. Er sah auf den Lipa- 
rischen Inseln ähnliche Berge, wovon einige selbst Ströme aufzuweisen 
hatten. Einer derselben schien ganz aus Obsidian zu bestehen. — 
Lecoo’s Antwort war: ein Vulkan habe keine Expansiv-Gewalt mehr, 
so wie eine freie Verbindung zwischen dem Innern des Bodens und dem 
Äussern hergestellt wäre, was jedes Mal der Fall sey, wenn Lava er- 
gossen werde; allein vor jener Verbindung sey seine Gewalt bedeutend 
und vermöge die grössten Wirkungen hervorzubringen. Erdbeben in 
der Umgegend thätiger Feuerberge gingen stets den Eruptionen voran 
und folgten denselben nie. Sie endigen, so wie die Lava aus dem 
Krater fliesst, oder am Bergfusse hervorbricht. Die neuen Vulkane am 
Mont-Dore mussten zuerst suchen, sich durch die Spalten Luft zu ma- 
chen, welche bereits vulkanische Erzeugnisse geliefert hatten, und dasie 
stark zusammengepresst waren durch die ungeheuern Haufwerke vulkani- 
schen Materials, so hatten sie Gewalt genug, um, ohne an den Tag zu treten, 
die breiten Trachyt- und Basalt-Streifen emporzuheben, - welche gegen- 
wärtig das Gehänge des Moert-Dore überdecken und eine Neigung ha- 
ben, die ihnen nicht verblieben seyn würde, wenn sich dieselben in 
dieser Lage ergossen hätten. Von den domitischen Puys glaubt Lecog, 
dass das Gestein, welches sie zusammensetzet, nie habe fliessen können; 
es würde mindestens immer teigig gewesen seyn. Wenn, wie diess all- 
gemein angenommen worden, die Masse in solchem Zustande hervor- 
getreten wäre und, sich aufhäufend, die trachytischen Dome in der 
Umgegend von Clermont gebildet hätte, so würde der grosse Domit- 
Streifen, welcher den bedeutenderen Theil des Plateaus ausmacht, und 
durch den hindurch fast alle neuen Vulkane herausbrachen, deunoch nicht 
ihr Werk seyn können. Hätten diese Feuerberge aber in Wahrheit Ströme 
geliefert, so müssten diess Obsidiane und keine Domite seyn. — Auch 


-— 2038 — 


Graf MontLosıer erklärte sich gegen die Lecog’sche Ansicht; er ist der 
Meinung, dass es nie gelingen werde, die meisten geologischen Phäno- 
mene zu erklären, wenn man nicht die heftigen senkrechten Regengüsse 
(pluies verticales) berücksichtige, welche in verschiedenen Zeitenäh 
Aussenfläche unserer Erde durchfurcht haben. — — — An diese Dis- 
kussion reihte sich die Vorlesung einer Abhandlung von GroizEer über 
die organischen Reste, welche der Boden der Auvergne umschliesst. 
Die Gebilde heutiger Zeit: Dammerde, neue Alluvionen, Torf, Kalktuif 
u. s. w., enthalten im Allgemeinen nur organische Überbleibsel, welche 
den, noch gegenwärtig vorhandenenen Pflanzen ünd Thieren analog sind; 
indessen ist nicht in Abrede zu stellen, dass manche Gattungen in Süd- 
Frankreich, wie in andern Gegenden, seit dem Daseyn der Menschen 
verschwunden sind. — In Hinsicht der Bildung der Höhlen und der Art urid 
Weise, wie die verschiedenen fossilen Reste in dieselben gebracht wor- 
den, wird nicht eine und die nämliche Theorie für alle Grotten zulässig 
seyn. — Diluvial-Ablagerungen. In diese Epochen gehören nicht nur die von 
den Wassern herbeigeführten Massen, sondern auch die vulkanischen 
Produkte der Auvergne, gewisse Torfe und Kalk-Tufte; letztere, die 
Travertine kann man in drei geolögischen Epochen nachweisen. Die 
Ablagerungen von Dorat unfern Thiers enthalten zahlreiche fossile Pflanzen, 
wovon die Geschlechter meist noch in Auvergne vorhanden sind, Mol- 
lusken- und Vögel-Reste. In den vulkanischen Alluvionen kommen wie- 
der Überbleibsel von Pachydermen, von Wiederkäuern, von Fleischfressern, 
Nagethieren und selbst von zahniosen Säugethieren vor. In der dritten geo- 
logischen Epoche, d. h. in den tertiären Süsswasser-Gebilden der Li- 
magne, sind interessante fossile Überbleibsel zu finden. Cr. theilt jene 
Gebilde in drei grosse Formationen: die obere, in welcher der kalkige 
Mergel vorherrscht und zu der die Travertine und die bituminösen Schie- 
fer gehören , die mittle, an mehreren Stellen gypsig, und die untere 
Formation, aus rothem und grünem Thon und aus Arkose zusammenge- 
setzt. In der ersten dieser Formationen finden sich viele erloschene 
Thier-Gattungen, wovon jedoch die Geschlechter noch lebend vorhanden 
sind; die zweite enthält meist ausgestorbene Geschlechter; in der drit- 
ten kommen nur wenige organische Überbleibsel vor. Die Braunkohlen- 
Ablagerungen von Menat, die Schichten mit den interessanten Pflanzen- 
Abdrücken gehören der erstern Formation an. Auch Insekten und zahl. 
lose Fische werden daselbst gefunden. Lecoo betrachtet letztere als von 
Cyprinuspapyraceusabstammend; Croızer beobachteteC.leuciscus 
und Cobitis. Die Vegetation dieser Epochen wird auch an mehrern 
Stellen, besonders um Ravel, in einem Sandstein mit kalkigem Binde- 
mittel getroffen. Die obere Formation liefert ferner Indusia tubulata 
Cypris faba, Potamides, Limneus, Planorbis, Helix, Bulimus 
und Cyclostoma, besonders aber viele Reste von Wirbelthieren, Gebeine 
mehrerer Rhfmoceros- Arten, den heutigen Tages in Indien lebenden am 
nächsten stehend, ferner Knochen, welche denen von Moschus, Mus, 
Castor, Canis, Felis, Sorex giganteus u.s.w. verglichen werden 


 - 


können. Die mittleFormation hat die Paläotherien, Anoplotherien, 
Anthracotherien, Krokodile, Schildkröten und andere kleinere 
Reptilien geliefert, so wie Gebeine analog dem Geschlechte Anas und Eier; 
et ndusiatubulata, Cypris fabaundmehrere Univalven und Bival- 
ven kommen darin vor. Croızer beschloss seinen Vortrag mit Betrachtungen 
über die erste Vegetation unserer Erde und bezog sich namentlich auf 
die zahlreichen, zum Theil noch nicht bestimmten Pflanzenreste im 
Kohlen-Sandstein von Langeae (Haute-Loire). PrscHnoux fügte Bemer- 
kungen bei über die Lagerungs-Verhältnisse der Arkosen und über die 
Abtheilung der Tertiär-Gebilde. — 30. August, BERTRAND GEsLIN sprach 
über Thatsachen, welche ihm eine mit MonTtaLemgerT nach der Dau- 
phinde unternommenen Wanderung dargeboten hatte. Sie bezogen sich 
zumal auf die, schon von BEaumontr wahrgenommene, Auflagerung des 
Granits auf Lias im Champsaur. Domnanoo legte mehrere Thierreste 
vor und gab Nachricht von einem, neuerdings durch GEoFFRoY SAINT- 
Hırsasıre unfern Saent-Gerand-le-Puy aufgefundenen Vorkommen von 
fossilen Körpern. Die Knochen werden hier in Spalten getroffen, — — 
31. August. Wanderung nach dem Mont-Dore. Der Weg führte über 
die kleine Ebene Salins, bekannt durch die häufigen Entwicklungen 
von Kohlensäure. Oberhalb der Ebene steigt der basaltische Montau- 
dou empor; am Fusse desselben zieht sich die Fahrstrasse über merge- 
ligen Kalk und über die Arsosen, von denen bier der Rand des ehemaligen Li- 
mayne-See’s gebildet wird. Hin und wieder sieht man grosse Blöcke 
von Basalt, sehr reich an Olivin und Augit; sie werden immer häufiger 
und bilden endlich den obern Theil eines Stroms, die Fortsetzung des 
ausgedehnten Basalt-Plateaus von Charade, aus dessen Mitte der Vul- 
kan von Gravenoire hervorgebrochen ist. In der Abendsitzung (ungün- 
stiges Wetter hatte zur Rückkehr nach Ciermont genöthigt) sprach 
Pecuoux über die als primitive bezeichneten krystallinischen Felsarten. 
Gneisse, Glimmerschiefer und Taikschiefer (steaschistes) sind die älteren 
Gesteine der Auvergne. Einst bildeten sie eine zusammenhängende 
Decke; jetzt findet man dieselben in dem Grade verrückt und zer- 
stückt, dass sie nur hin und wieder auftreten, mitunter in sehr verein- 
zelten Streifen. Die Störungen, welche jene Gebilde erlitten, wurden 
vorzüglich durch granitische und porphyrische Eruptionen bedingt. 
Gneisse und Talkschiefer hat man als feuerige Modifikationen der Glin:- 
merschiefer anzusehen. ‚Die Lagen dieser Felsarten erscheinen aufgerich- 
tet und gebogen um die grossen Bergmassen herum; so namentlich am 
Granit-Plateau, welches den westlichen Theil des Puy-de- Döme-Departe- 
ments ausmacht, so wie in den Bergen der Lozere und des Forez. 
Hornblende-Gestein, Protogyne und Porphyre erfüllten anfangs den Raunı 
zwischen dem Gneiss und dem Granit; später stiegen Basalte durch die 
nämlichen Spalten empor, und zuletzt hatten die neueren vulkanischen 
Ausbrüche Statt und riefen manchfaltige Störungen hervor. An beiden 
Enden der Monts Dömes wirkten die vulkanischen Mächte auf die Ba- 
salt-Ergüsse, von denen die Cberfläche des Bodens bedeckt‘war. Von 


den Basalttuffen (Peperites) glaubt P., dass sie auf Eruptionen zurück- 
zuführen seyen, welche unter einer, Wasser-Bedeckung Statt gefunden 
hätten. Lecoq erklärte sich dafür, dass es scheine, als hätten mehrere 
dortländische Vulkane ihre Schlacken in Wasser geschleudert, und hier 
seyen dieselben modificirt und mit Kalk-Bruchstücken untermengt worden. 
Der Puy de Orouel unfern Clermont, mitten in der Ebene gelegen, lasse 
sich als eines der auffallendsten Beispiele betrachten. Es ist ein 
isolirter Hügel, aus vulkanischen Trümmern bestehend und aus kleinen, 
zum Theil kieseligen Kalk-Fragmenten. Im S. und SW. des Hügels 
nimmt man ziemlich tiefe Höhlungen wahr in Stufen-artigen Absätzen vom 
Gipfel bis zum Fusse. Sie dürften als das Werk von Wogen und Strömungen 
zu betrachten seyn, auch wirkten ohne Zweifel. die Winde. Besonders in- 
teressanten Thatsachen, was das Niveau der Wasser des See’s betrifft, 
welcher einst die Gegend überdeckte, bietet der Phryganen- (Indusien-) 
Kalk dar. Man findet denselben an sehr vielen Stellen und in äusserst 
ungleichen Höhen, so dass sich daraus denkwürdige Änderungen des 
Wasserstandes ergeben. Im Allgemeinen erscheinen die Phryganen- 
Kalke von keiner anderen Formation bedeckt, hin und wieder etwa sieht 
man sie mitten zwischen dem mergeligen Kalk, wie unter anderem am 
Plateau von Gergovia. Solche Massen enthalten keine Röhren in ihrem 
Innern. Bei Chaptuzat eignen sich solche Massen die vielartigsten Ge- 
stalten an; oft hat es ganz das Ansehen, als wären die kalkigen Ma- 
terien um Pflanzen-Stengel abgesetzt worden; andere Gebilde der Art 
sind durchaus dem Blumenkohl zu vergleichen, und oft trifft man Massen 
solcher Art durch Lagen geschieden, welche ganz mit Cypris faba eı- 
füllt sind, vı:d in deren Mitte zahlreiche Überreste von Säugthieren und 
von Vögeln vorkommen, so wie abgerundete mit kalkigen Inkrustationen 
überdeckte Helieiten. Lecoo ging in Betrachtungen über die obere 
Formation des Phryganen-Kalkes ein. (Wir übergehen diese, weil von 
dem Verf. in Kürze eine umfassende Abhandlung über das Tertiär- 
Becken der Limagne zu erwarten ist.) — Ami. Septbr. wurde die Wande- 
rung nach dem Mont-Dore zum zweiten Male angetreten. Über Grave- 
noire begab man sich nach den Basalten von Prudelles. Sie bilden ein ziem- 
lich bedeutendes steiles Gehänge, das ins Thal vortritt, und sind augen- 
fällig geflossen. Eine Lage von Sand und von kleinen Schlacken scheide 
den Basalt vom Granit. Consvwant Pr£vost äusserte die Meinung, 
das Thal und das steile Gehänge seyen bereits vorhanden gewesen, oder 
der Basalt geflossen und nur die Abkühlung, die Erstarrung haben den- 
selben am: Weiterfliessen gehindert. — Jenseits Laschamp besuchte die 
Gesellschaft der vulkanischen Berg gleichen Namens, überschritt den 
feldspathigen Strom, der sich gegen Fontfreide erstreckt, so wie die 
von den Puys de la Vache uud de Lassolas ergossenen Lava-Massen, 
und kehrte auf dem Landsitze des Grafen von Montuosıer ein. Am 
2. Septbr. befanden sich die Geologen im Mont-Dore-Gebirge, und un- 
tersuchten zuerst die Phänomene an der „grande Cascade“. Der obere 
Trachyt, welcher den Rand des Wasserfalles ausmacht, ist ein Theil des, 


en RE 


weit erstreckten Stromes, welcher vom Roc de Cuzean herabzukommen 
scheint, Das Gestein ist voll grosser Feldspath-Krystalle: sein unterer 
Theil zerseizt sich und zerfällt zu grauer Asche; stellenweise wurde die 
lockere Unterlage hinweggeführt und auf solche Weise einige geräu- 
mige Höhlungen erzeugt. Von der Aschen-Lage bis zum Grunde des 
Thales hinab unterscheidet man zwei, durch vulkanische Konglomeraten 
von einander getrennte Trachyt-Bänke, von deren unterer sich einige. 
Gänge in das Konglomerat hineinziehen. Der Roc de Cuzeau stellt 
sich als eine mächtige trachytische Gangmasse dar. Der Berg-Gipfel 
beherrscht einen weit erstreckten Circus, der in der Mitte trachytischer 
Ströme und ihrer Konglomeraten ausgeweitet ist und, indem er sich 
später mehr zusammenzieht, das Dordogne-Thal bildet. Deutlich sieht 
man, wie die vulkanischen Lagen gegen die Mitte aufgerichtet sind, 
konvergirend nach dem Pic de Saucy bin. — Exkursionen nach dem 
Valon de la Cour, nach der Gorge des Enfers und nach dem Puy 
de Mareille. An der Cascade de Queureille erscheint der Basalt 
in Berührung mit einem Bimsstein-artigen Trass. Rings um den Ba- 
sat und an seinem oberen Theil zeigt sich überall Trachyt; 
unverkennbar ist der verändernde Einfluss, welchen der Basalt bei seinem 
Hervortreten aus der Tiefe auf den Trachyt ausgeübt hat. — Mehrere 
Mitglieder der Gesellschaft gelangten, ungeachtet des Schnee’s, der so 
ungewöhnlich früh gefallen war, bis zum Gipfel des Pic de Saucy, 
dem Kulminations-Punkte des Mont-Dore, 1,887 Meter überdem Meere. Die‘ 
Felsart, welche den Gipfel zusammensetzt, ist ein grauer Trachyt mit 
gelben Feldspath-Krystallen, — Am 3. September besuchte man den 
Lac de Guery, so wie die Roches Tuilliere, Malviale und Sanadbire. 
Das Wasser, welches den genannten See unterhält, der am Fusse eines 
mächtigen Phonolith-Berges, des Puy de Louere, liegt, stürzt in das 
Becken über den Rand eines phonolithischen Stromes. Die Roches Tui- 
liere und Sanadoire sind ausgezeichnet durch die Schönheit ihrer Säu- 
len-formigen Absonderungen. C. Pr£vosr theilte seine Ansichten über 
die Bildung der Phonolithe mit. Er glaubte zwischen jenen Feis-Ge- 
bilden des Mont-Dore und den Cyclopen-Inseln, deren Gipfel über die 
Fluthen sich erheben, und die allem Vermuthen nach mit dem Atna 
zusammenhängen, wieder gemeinsame Beziehungen zu erkennen. Amalzym, 
so gewöhnlich im Phonolith der genannten Inseln, findet sich auch in 
einigen Blasenräumen und Höhlungen der Säulen von Za Tuiliere. Die 
Felsen Twiliere, Sanadoire und Malviate betrachtet Pr. als trachytische 
Eruptions-Stellen; die Gesteine gelten ihm als gemodelt nach der Form 
der Schlünde, in welchen sie aufstiegen, und als erstarrt innerhalb der- 
selben; von den Wandungen der Schlünde nimnt er an, dass sie zer- 
stückt worden. Mehrere, in der Nähe vorhandene, trachytische Ströme 
wurden durch jene alten Eruptions-Stellen gebildet. Pr. sieht die Pho- 
nolithe nicht als neuere Felsarten an, von denen Trachyte und Basalte 
'emporgehoben worden, sondern glaubt, dass die Basalte durch die Pho- 
nolithe hindurch an den Tag stiegen. Die Gesteine von Twiliere und 


Sanadoire, welche das Thal einst geschlossen zu haben scheinen, lassen 
in ihrem Bestande merkwürdige Differenzen erkennen. Zwischen beiden 
tritt Granit auf, der wenige Spuren erlittener Störungen zeigt. — Dis- 
kussion zwischen BouseE und Lecog über die Erhebungs-Kratere. B. 
leitet die tiefen Schluchten der Monts-Dore vom Einwirken heftiger 
Fluthen ab. — Den 6. Septbr. begab sich die Gesellschaft nach Issvire. 
Die Tour de Boulade war die einzige Stelle, welche, des ungünstigen 
Wetters halber, besucht werden konnte. In der Nähe des Altier über- 
rascht das steile Gehänge, welches von Wasser entblösst worden. Rothe 
und grüne Thone, wechselnd mit einander, ruhen unmittelbar auf Granit; 
sie führen keine fossile Körper und werden den tertiären Bildungen bei- 
gezählt. Ein Basalt-Gang hat alle die Lagen durchsetzt. An der Grenze 
zwischen ihm und dem Thon sind manche interessante Erscheinungen 
wahrzunehmen; so u. a. ein Faserkalk, dessen Dichtheit und glasiger 
Bruch an Quarz erionern. In der Abend-Sitzung verlas Prenoux den 
Schluss seiner Abhandlung über die Urgebilde der Auveryne. Die 
Gneiss- und Glimmerschiefer-Ablagerungen von Pontgibaud, Menat und 
jene. zwischen den Monts Dömes und der Limagne sind eine jede durch 
gewisse Eigenthümlichkeiten ausgezeichnet. Um Pontyibaud gewaltige 
Eintreibungen neuen Granits; bei Menat mehrere granitische Aus- 
brüche u. s. w. 


W. Hurton: über Trappmassen, die in Northumberland 
und Durham im Bergkalk eingeschlossen erscheinen, 
(Trans. of the Soc. of nat. hist. of Northumberl. II, 1, 187 und Bul- 
let. de la Soc. geol., Vol. V, p. 254etc.) Sepcwick betrachtet jene Massen 
als in den Kalk hineingetrieben, Hurton nimmt an, dass in dem Land- 
striche Ergüsse von Lava Statt gefunden. Der Verf. schildert zahlreiche 
Stellen, wo die grosse plutonische Masse, Whin-Sil genannt, zu Tag 
geht, und zeigt die Beziehungen derselben zu den Lagen geschichteter 
Gesteine und zu erzführenden Gängen. In der Nähe des Trapps wird 
der Kalk mitunter mehr krystallinisch, aber hin und wieder hat diese 
Änderung erst in gewisser Weite vom Trapp Statt gefunden und die 
denselben unmittelbar begrenzenden Felsarten blieben unverändert. 


P. Sıvı: Geologie der Insel Elba (Nuov. Giorn. de’ Letterati. 
Nro 71 und Bullet. de la Soc. geol. V. 321 etc.) Die Insel besteht 
fast ganz aus Macigno, dem Apenninen-Sandstein mit Fukoiden, der 
auf kalkigen Lagen und auf einem von dem Verf. Verrucano genannten 
Gebilde ruht. Letzteres, dessen Schichten aus W. in O. streichen, setzt 
die ganze östliche Küste von Capo-di-Pero bis zum Calamita-Berge zu- 
sammen. Die Schiefer zeigen Übergänge in Thonschiefer und in eine 


Jahrgang 1837, 14 


— 2083 — 


Art von Gneiss. Auf dieser Formation liegt an vielen Stellen ein dich- 
ter rauchgrauer Kalk im Wechsel mit schieferigem "Thon. Kleinere Kalk- 
und Bitterspath-Adern setzen darin auf; auch zeigen sich hin und wie- 
der Umwandlungen der Masse in kavernösen oder körnigen Kalk, und 
selbst in einen Cipolin. Über dem eigenthümlichen Kalkstein tritt der 
sekundäre Sandstein der Apenninen auf und wechselt auch mit demselben. 
Tertiäre Felsarten gibt es nicht auf Elba, aber Alluvionen, kalkige 
Trümmer-Gesteine mit Feldspath-Bruchstücken und 'Tuf-Konglomeraten. 
Letztere, obwohl sie über dem Wasser-Niveau ihre Stelle einnehmen, 
zeigen sich durchaus denen ähnlich, welche noch heutigen Tages an 
der Küste von Toskana durch Verkittung von Sand und den Bruchstücken 
von Muscheln gebildet werden. Savı erklärt jene Thatsache dureh 
inkrustirende Quellen. — Die plutonischen Gebilde des Eilandes beste- 
hen. in Gängen und Stöcken von Magneteisen und Eisenglanz, in Nestern 
von Hornblende und Lievrit, in Serpentinen, Opbioliten, Diallage- und 
granitischen Gesteinen. Der Verf. unterscheidet drei Eisenerz-Lager- 
stätten : mächtige Gänge von Magneteisen, mitten zwischen neptunischen 
Felsarten eingetrieben ; kleinere Eisenglanz-Gänge, Folgen von Sublima- 
tionen; Eisenoxyd-Hydrat, bei dessen Bildung Wasser, Luft und Säuren 
thätig waren. Die ersten dieser Lagerstätten trifft man nur in dem 
von ihm als Verrucano bezeichneten Gebilde; .die - berühmten 
Gruben von Rio bauen darauf. Der Verrucano ist sehr verändert, die 
quarzigen Schiefer erscheinen in chloritischen Schiefer umgewandelt. 
Die Eintreibung des Eisens war vom Emporsteigen des Granits beglei- 
tet, einer Art Grünstein [?], so wie der Serpentin. Lievrit, Hornblende, 
eisenreicher Granat, Gyps, bunte Mergel zeigen sich den Eruptions- 
Erzeugnissen verbunden und müssen, wenigstens theilweise, als Kontak- 
Produkte gelten. Die Serpentine und Euphotide kommen mitten im 
Kalk- oder im Apenninen- Sandstein-Gebiete vor. Durch sie wurde der 
Raum erfüllt, welcher die Sandstein-Höhen von den aus Kalk und aus 
Verrucano bestehenden Bergen von Riese trennt. Granite erscheinen 
sehr häufig auf Elba und führen die manchfaltigsten Mineralien. Sie 
treten in Gängen im Sekundär-Gebiete auf; durch sie soll der Verru- 
cano in Gneiss umgewandelt worden seyn. Am Vorgebirge Calamita 
durchsetzt der Granit den Verrucano, dringt in den Kalk vor, der (an- 
geblich) in Dolomit umgewandelt wird u. s. w. 


Grosse Malachit-Masse. Das grösste Stück Malachit, wel- 
ches man bisher kannte, war ein 30 Zentner schwerer Block aus den 
Werchoturischen Bergwerken in Siberien, seit Jahren schon im Berg- 
Institut zu St. Petersburg befindlich. In diesem Jahre aber hat man in 
einer der Demivorr’schen Kupfergruben bei Nischne Tagilks am Ural ein 
174° langes, 8’ breites und 34’ hohes Stück Malachit gefunden. Sein 
Gewicht ist auf 500 bis 600 Zentner zu, schätzen. Bisher war man 


— 209 — 


beschäftigt, dieses Stück, das in einer Teufe vou 252° angefahren 
wurde, zu entblössen, nun will man einen besondern Schacht abteufen, 
um es in seiner ganzen Grüsse an das Tageslicht fördern zu können. 
Die Masse ist derb, von der schönsten smaragdgrünen Farbe und zum 
Bearbeiten sehr geeignet. Vielleicht findet man sie nach der Ausförde- 
rung zu einem grossen Kunstwerke der Skulptur geeignet. (Zeitungs- 
Nachricht.) 


Hısınser hat eine geognostische Karte von Schweden heraus- 
gegeben, von der Südspitze des Reiches bis zu den nördlichen Theilen 
der Gouvernements Gefleborg und Falun. 


Artesischer Brunnen in Granit. Zu Averdeen in Schottland 
wurde in jüngster Zeit, 180 Engl. Fuss unter Tag, Wasser in Granit 
erbohrt, 140° unter der obern Grenze des Gesteins. Es war sehr rein, 
hatte eine Temperatur von 55° F., floss reichlich, und stieg 6 F, über 
den Boden. 


R. J. Graves: Granit- Gänge im Glimmerschiefer der 
Grafschaft Wicklow aufsetzend. (Journ. of the geol. Soc. of 
Dublin. I, 11, 69 etc.) Unter allen die Entstehungsweise des Gra- 
nits betreffenden Beobachtungen sind keine wichtiger , als jene, 
durch welche das Vorhandenseyn granitischer Gänge und Adern im an- 
dern sogenannten „geschichteten Urgebirge“ dargethan worden. Der 
Verf. erinnert namentlich an Maccurrocns Beschreibungen der so merk- 
würdigen Granit-Gänge» im Gneiss und Hornblendeschiefer bei Cape 
Wrath in Schottland, an die Granit-Gänge, welche bei @lentilt im ge- 
schiehteten Kalkstein eindringen u. s. w. Bis jetzt scheint man im 
Glimmerschiefer Englands und Schottlands noch keine Granit-Gänge 
wahrgenommen zu haben; in Amerika aber dürfte diess nach Hırencocks 
Angabe der Fall seyn. Bei Wicklow fand Gravss die Küste aus augen- 
fällig geschichteten, aber sehr zerstörten und gewundenen Glimmerschiefern 
zusammengesetzt. Das schroffe ‚Gehänge lässt zahlreiche Höhlen wahr- 
nehmen, die theils Folge Statt gehabter lange dauernder Auswaschungen 
sind, theils aber und hauptsächlich durch Störungen und Emporhebungen 
gebildet wurden. Die grosse, von so vielen Fremden besuchte Grotte 
unterhalb des Leucht-Thurmes auf der Höhe von Wicklow enistand ohne 
Zweifel aui die zuletzt erwähnte Art. Von der Küste in einiger Ent- 
fernung südwärts erhebt sich ein anderes Hochland, Carrigwhee ge- 
nannt, und noch etwas weiter in der snämlichen Richtung tritt ein unter 
dem Namen Long Rock bekanntes Felsen-Riff hervor. Der vom Verf. 
beschriebene Granit-Gaug bildet zum grössten Theil den Boden einer 

14 * 


— 210 — 


Schlucht, die sich von Long Rock, herabzieht. Der Granit ist sehr klein- 
körnig, arm an Glimmer und weiss von Farbe. Im Boden der Schlucht 
misst der Granit-Gang ungefähr 15 F. Breite, und lässt sich etwa 30 bis 
40 F. weit in der Länge verfolgen, sodann verschwindet derselbe. unter 
dem Meere. An beiden Seiten berührt der Granit-Gang den Glinmer- 
schiefer unmittelbar; an einer Stelle ruhen die Glimmerschiefer-Lagen 
bogenförmig auf einem gewaltigen granitischen Pfeiler. In einiger Ent- 
fernung von der Küste erhebt sich die granitische Gangmasse wieder 
und bildet einen steilen Abbang. Meist erscheinen die Berührungs-Flä- 
chen zwischen Granit und Glimmerschiefer eben, stellenweise aber grei- 
fen auch beide Gesteine in einander ein, und nicht selten sieht man 
Glimmerschiefer-Bruchstücke vom Granit umschlossen. Nahe am Granit 
zeigt sich der Glimmerschiefer im Allgemeinen reicher an Quarz und an 
Andalusit, 


P. Merian: Zusammenstellung aller bekannten Höhen- 
Messungen im Kanton Basel und in den zunächst gelege- 
nen Gegenden. (Bericht über d. Verhandl. d. naturf, Gesellsch. in 
Basel. I, 49.) Dieses Verzeichniss umfasst die Höhenbestimmungen von 
113 Punkten im Kanton, und von 44 Punkten in den angrenzenden Ge- 
genden.. Die meisten Bestimmungen beruhen auf Barometer-Beöbachtun- 
gen. Für manche Punkte liegen Angaben mehrerer Beobachter vor. 
Nur ein kleiner Theil der im Verzeichniss enthaltenen Messungen war 
bis jetzt zur öffentlichen Kenntniss gekommen. Die Angaben sind in 
Pariser Fussen über dem Nullpunkte des Rheinmessers an der Brücke zu 
Basel ausgedrückt, welcher selbst. nur sehr wenig (0’,8) unter dem, im 
Monat Februar 1830 beobachteten, niedrigsten Stande des Rheinspiegels 
liegt. Der niedrigste Punkt des Verzeichnisses, nämlich die grösste 
Rheintiefe innerbalb der Stadt Basel, unter der Pfalz, liegt 17 Fuss 
unter dem Nullpuukte. Die bedeutendsten Höhen sind das Horn bei 
Ifenthal: 2972’, und der Passwang: 2961‘. Die bis jetzt bekannt ge- 
wordenen, zuverlässigsten Angaben der Höhe des Nullpunktes des 
Rheinmessers über dem Meere sind: 


Vom Verfasser (Beitr. z. Geognosie 1821) ” N R 766’. 
Von Obrist-Lieutenant Bucanwarper (Karte des Bisthuns Basel) 777‘. 
Von Hauptmann MicHaeLis (Hertha 1827) E g A. 177 17 
Von Hofr. Horwer (Atti di Luyano 1833) R . E 762°. 


— 


GreEcorRy, WALkER und ConnerL: Analysen der Coprolithen, 
der Exkremente verschiedener antediluvianischen Raubthiere, wie solche 
in Höhlen u. s. w. mit fossilen RUDPNER getroffen werden. (Ed, new phil. 
Juur®. XVIIT, 164, 191,) 


un, ME 


Von Bourdiehouse Aus Fifeshire. 
GREGORY CosNEL.L GRFEGPRY und 
und ' WALKER 


Organische Materien mit WALKER 
Schwefeleisen undetwas 


Kieselerde s f 4,154 . WELLE - 3,380 

Koblensaure Kalkerde 61,000 - DEE. , .  O 
A Talkerde 13,568 . . . TR 2,888 

Eisenoxyd mit etwas 
 _ Thonerde . . 6,400 
Phosphorsaurer Kalk 9,576 - .r (8,508: . . 65,596 
Flussspath u. Mangan- 

oxyd : : . Spur . . . . . Spur 
Wasser und Verlust . 5,332 F > " s ‘ 3,328 
Kieselerde u . . " b NEEREE 


J. B. Gmson: geologische Verhältnisse der See’n und 
des Thales vom Mississippi. (Sırcıman Journ. XXIX, 201 etc.) 
In Pennsylvanien trifft man die Gesteine in derselben Folge, wie in 
Europa: Granit, Gneiss, Glimmerschiefer, Thonschiefer, Grauwacke, 
alte rothe Sandsteine, Übergangskalk und Alpenkalk [?], so wie die 
grosse Steinkohlen-Formation , welche sich aus N,O. nach S.W. erstreckt. 
Zwei neuere Gebilde kommen im nordwestlichen Theil von New-York, 
in Ohio und noch weiter gegen W. vor. Das eine dieser Gebilde ist 
bunter Sandstein ; ihn begleiten Dolomit, Gyps und Steinsalz. Über dem 
bunten Sandstein liegt, in grosser Verbreitung, die Kalk-Formation, 
welche den Niagara-Fall bildet. Sie erhebt sich 220 F, über den Sand- 
stein. Der Kalkstein ist thonig uud steht dem Lias am nächsten, 
Saurier-Reste hat man bis jetzt nicht darin gefunden. Er wechselt mit 
einem sehr bituminösen Schiefer. Dortländische Geologen sind der Mei- 
nung, der Niagara-Fall habe sich einst bei Qxeenstown befunden, aber 
allmäblich das Gestein ausgenagt und nähere sich mehr und mehr dem 
See, dessen Abzug der Niayera-Strom bilde. Während der letzten 
50 Jahren wurde er genauer beobachtet, und so wollte man die Zeit be- 
rechnen, wo der ganze Kalkdamm durchfressen seyn und ein plötzlicher 
Durchbruch der gewaltigen Wassermasse des See’s Statt haben würde. 
Andere Naturforscher glauben dagegen, die Aushöhlung der tiefen 
Schlucht, in welche der Niagara sich stürzt, und in der er weiter 
strömt, sey einer mächtigen Wasserfluth zuzuschreiben, deren Spuren 
und Richtung man noch an grossen Syenit-Blöcken und Rollstücken 
nachweisen könne. Allerdings zerstäubt das Wasser beim Fallen in 
Tröpfehen von höchster Kleinbeit, Tröpfeben , deren unmittelbare Ein- 
wirkung kaum merkbar seyn dürfte. Unter dem Kalk liegt indessen 
Schiefer, der nach und nach rissig und endlich weggeführt wird. Nun 
stürzt der Kalk, welcher dem Wasserfalle weit längern Widerstand ge- 
leistet haben würde, nach. Da die Schichten ohne Ausnahme wagerecht 


— 212 — 

q 
und ungefähr gleich mächtig sind, so ist zu vermuthen, dass diese Er- 
seheinnng sich stets wiederhole und der Fall endlich den See erreichen 
müsse. Allein die grössere oder geringere Geschwindigkeit, womit das 
Aushöhlen vorschreitet, ist von so manchfaltigeu zufälligen Umständen 
abhängig, dass auch jede annähernde Berechnung unmöglich bleibt. — 
Was die Beschaffenheit und Ricktung der gewaltigen Strömung betrifft, 
welche die lange Reihe von Seen, die vom Mackenzie-Flusse bis zur 
nördlichen Greuze von Pennsylvanien reicht, ausgewaschen haben dürfte, 
so glaubt der Verf. solche den Wassern heutiger Zeit nicht zuschreiben 
zu dürfen. Die vielen Granit-Geschiebe und Blöcke vulkanischer Ge- 
steine, welche auf dem ungeheuern Striche überall vorkommen, scheinen 
darauf hinzudeuten, dass die Wasser-Menge, durch welche die Thäler 
entblösst und sänmtliche tief& Becken ausgehöhlt wurden, vum südlichen 
Ozean ausgegangen sey und theils in den Mexikanischen Meeresbusen, 
theils in die St. Lorenzo’s-Bucht sich ergossen habe. Zu beiden Seiten 
des Ohio und Mississippi bis Natchez im Süden, ist der Boden mit den 
Trümmern weggeschwenmter Formationen überdeckt. 


P. W. Forcunammer: der Kopaische See und seine unter- 
irdischen Abzu gs- Kanäle. (Possgenp. Anu. XXXVIII, 241 ff.) Böotien 
zerfällt in zwei wesentlich von einander verschiedene Theile, deren einen 
man, nach einem See in seiner Mitte, das Kopaische, den andern, nach 
einem ibn durchziehenden niedern Bergrücken, das Tleumessische Bövtien 
nennen kann. Das Kopaische Bövtien ist ein tiefer Gebirgs-Kessel. Es 
würde bei gänzlichem Mangel eines offenen Abflusses für seine Gewäs- 
ser gleichwohl durch eine grössere Zahl seiner unterirdischen Abzugs- 
Kanäle viel leichter als die Thäler von Stymphalos und von Pheneos der 
Gefahr, zum Landsee zu werden, entgehen, wenn nicht fast alle Ge- 
wässer aus Doris und Phokis durch eine kleine Öffnung zwischen den 
Abhängen des Helikon und dem Akontion mittelst des Kephissos ihren 
Abfluss in die Kopaische Ebene fänden, In dem sehr schmalen 
Thale ist der Kephissos gezwungen, sich dem Akontion nahe anzu- 
schliessen; unfern Toplia theilt er sich in mehrere Arme, um die Ein- 
gänge der unterirdischen Abzugs-Kanäle am östlichen Ende des See’s 


zu erreichen. Wären diese Kanäle überall weit genug, um stets den ‚“ 


ganzen Zufluss des Kephissos abzuleiten, so würde die Ebene sich zu 
keiner Zeit in einen See verwandeln. Und auch bei der jetzigen Henı- 
mung des Abflusses würde der See doch nicht jährlich die grosse Aus- 
dehnung gegen S.W. erreichen, gesellten sich nicht zum Kephissos die 
‘vielen kleinen Bäche des Wasser-reichen Leibethrios und der benachbar- 
ten Hügel. Gleichwohl ist die sogenannte Kopais keineswegs immer 
ein See. Sie gewinnt vielmehr alljährlich, obgleich nur auf einige 
Monate den Charakter einer Ebene, mit Ausnahme ‚eines sehr kleinen 
Bassins um die cyklopisch befestigte Insel bei T'opolia. Mit dem ersten 


= Mh 


Herbstregen beginnt das Steigen der Wasser und nimmt, besonders um 
die Zeit der Winter-Sonnenwende reissend zu, indem nicht nur Regen- 
güsse die Flüsse unmittelbar füllen, sondern auch die Sonne, hier im 
Januar so warm,’ als bei uns im März, eine Menge Schnee der Gebirge 
in Wasser verwandelt, so dass z. B. 1834 in der Mitte Mai’s das Sin- 
ken der Überschwemmung noch nicht begonnen hatte, obgleich seit fast 
13 Monaten kein Tropfen Regen gefallen war. Bei der grossen Fläche 
des See’s ist allerdiugs die Abnahme der Gewässer vermittelst der Ver- 
dunstung durch die Luft, so wie durch deren Eindringen in die Erde 
bedeutend. Die beträchtlichste und eigenthümlichste Weise der Ab- 
nahme der Wasser aber besteht in Abfluss durch die natürlichen un- 
terirdischen Abzug-Kanäle, deren Eingänge Katabolhra genannt 
werden, wiewolhl der Name häufig auf den Kanal selbst und, aus Miss- 
verständniss, auch auf die vertikalen Schächte künstlicher Kanäle ausge- 
dehnt wird. (Der Verf. bezeichnet nur die Eingänge der natürlichen 
Abzug-Kanäle mit dem Ausdrucke Katabothra und nennt die Ausgänge 
Kephalaria, die unterirdischen Kanäle selbst aber Gänge.) Die Kata- 
bothra haben überall dieselbe Form. Sie finden sich da, wo das Ufer 
am höchsten und am meisten felsig ist. Sie sind sichtbar von der Na- 
tür gebildet, so regelmässig auch oft der Einschnitt in das Fels-Ende 
erscheint. Die Entstehung der Gäuge und ihrer Katabothra erklärt 
sich so am einfachsten: wie die Kruste einer kochenden Masse erhob 
sich das Kalk-Gebirge und wurde dadurch im Innern hohl. Während 
sich die Kruste abkühlte, suchten die Dämpfe im Innern einen Ausweg, 
den sie am leichtesten da fanden, wo sich die gehobene zähe Masse 
von der fest gebliebenen Begrenzung loszureissen strebte, und wo sie 
zugleich am ersten in einen spröden Zustand überging. So geschah es, 
dass gerade am Ende der Gebirgs-Rücken Stücke abgerissen wurden, 
und dass, statt der allmälichen Abdachung „ eine gerade Felswand mit 
einer Höhlen-Öffnung sich darstellt. Dass nun häufig an den Seiten 
dieser Felswand das Gebirgs-Ende ganz auslauft, hat ohne Zweifel dar- 
in seinen Grund, dass die andrängenden Dämpfe auf diese nicht unmit- 
telbar wirken konnten, und es von der Gewalt der Bewegung und der 
Beschaffenheit des Steines abhing, ob das ganze Ende des Bergrückens, 
oder nur das Stück, welches die Höhlung schloss, abgerissen wurde *). 
Die Katabothra befinden sich am östlichen Ende des See’s. Wir müs- 
sen deren genauere Schilderung übergehen, und bemerken aus dem Re- 
sultate der Untersuchung noch Folgendes. Die Kopaische Ebene wird 
alljährlich zu See, ist aber nicht permanent ein See. Es fragt sich 
also, wenn von Wieder-Gewinnung der See-Ebene zum Ackerbau die 
Rede ist, nicht, wie man den See ein für alle Mal ableite, sondern wie 
man die Ableitung beschleunige, so dass der See nicht, wie jetzt, erst 
im Herbst, sondern im Frühling zur trockenen Ebene werde. Die Kephalaria 


*») Dass übrigens die Kunst nachgeliolfen hat. sieht man deutlich an den ucben 
den Katabothra liegenden abgelauenen Gestein-Stückchen. 


Au 


—_— 214 — 


leiten nach Innen aber so viel Wasser aus dem See ab, als sie jemals 
abzuleiten im Stande gewesen sind. Es findet also durchaus keine Ver- 
‚stopfung der natürlichen unterirdischen Kanäle Statt. Dereinzige Grund 
eines geringeren Abflusses , oder gänzlichen Aufhörens des Abfliessens 
durch die Kephalaria ist das Sinken des See’s unter die Schwelle des 
Katabothrons, also der Mangel an Zufluss. Das nächste Mittel zur Be- 
schleunigung des Abflusses des See’s ist die Erweiterung der Kepha- 
laria. Ein anderes haben die Hellenen des höchsten Alterthums ange- 
wendet, indem sie das Verhältniss der Katabothra, der Gänge und der 
Kephalaria nicht beachteten: sie haben zwei Stellen: durch das Fels- 
Gebirge gehauen. 


Unter Lava begrabene Stadt. Öffentlichen Blättern zufolge 
entdeckte im Septemher 1836 ein Hirt, der verlorne Schafe suchte, 
fünf Stunden von Jalapa, eine alte, scheinbar nicht unbedeutende Stadt, 
die durch Lava verschüttet worden. Auf dem grössten Gebäude dieser 
uralten Stadt steht ein Baum. Leichen will man in sitzender Stellung 
gefunden haben. Die Geschichte weiss nichts von einem Orte auf jener 
Stelle. Der Kommandant von Veracruz begab sich hin, um die Aus- 
grabung zu leiten. | 


. Artesischer Brunnen von ungemein grosser Ergiebig- 
keit. Zu Conge-sur-le-Cher, im Dept. d’Indre et Loire, wurde ein 
Artesischer Brunnen gebohrt, welcher: 

bei 210° Tiefe in Kreide s ; 600 Litres 

. Fun: r „ Grünsandstein 1000 a sr 

NT SBE. nn BD Hey 2300 i 

und bei noch tieferem Bohren 4050 | ai; 

folglich einen wahren Strom liefert. (Zeitungs-Nachricht.) 


J. Minam: Geologie der Gegend von Fannet in der 
Grafschaft Donegal. (Journ. of the geol. Soc. of Dublin. I, 
128 etc.) ”). Die erwähnte Grafschaft liegt am nordwestlichen Ende 
von Ireland, ihre Küsten sind allen Stürmen des Atlantischen Oceans 
ausgesetzt, daher die vielen Buchten und Einschnitte, die zahlreichen 
Sandbänke, die Ablagerungen von Gruss u, s. w. Inseln und Halbin- 
seln finden sich manche längs der Küste. Für geologische Untersu- 
chungen sind solche Verhältnisse besonders günstig; an nicht wenigen 


”) Durch briefliche Mittheilung wissen wir, dass der Verf. das, von ihm mit dem 
Namen Eurit bezeichnete Gestein als eine Abänderung der von Mac CuLtocH 
unter der allgemeinen Benennung „Auarz rock“ beschriebenen Felsart zu be- 
trachten geneigt ist. | 3 D. R. 


ze A 


Stellen finden sich die Ausgehenden der Schichten entblösst; vom 
verschiedenartigen Einwirken der Wasser auf Mineral-Massen trifft man 
häufige Beweise; an den kleinen Fluss-Mündungen sieht man unbe- 
trächtliche Deltas und andere Ablagerungen von Alluvial-Material. In 
den verschiedenartigsten Niveaus sind Seen vorhanden; einige liegen in 
geringer Weite vom Meere, andere auf den Gipfeln der Berge. Die 
ganze Gegend ist gebirgig, und die einzelnen Höhen lassen in ihren 
verschiedenen Verhältnissen die grösste Manchfaltigkeit wahrnehmen, 
Was die geognostische Beschaffenheit betrifft, so zeigen sich im N.W. 
von Dublin weit verbreitete sekundäre Kalksteine; hierauf folgt Grau- 
wacke, Im nördlichen Theil der Grafschaft Tyrone herrscht primitiver 
Kalkstein, welcher in der Gegend von Raphoc vorzüglich schön aufge- 
schlossen ist. Das Gestein kommt mit Glimmerschiefer vor [der Verf. 
spricht von gegenseitigen Übergängen beider Felsarten]. Glimmerschiefer 
tritt ferner sehr verbreitet auf in Letterkenny und zieht sich bis 
Rathmelton. Von besonderem Interesse ist Mulroy Longh an der Nord- 
küste von Donegal. Einem Flusse gleich hat dieser See einen sehr 
schmalen Anfang und erweitert sich allmählich. Er bildet zahlreiche 
Buchten. Mit Mulroy Longh hat Lough Swilly eine parallele Erstreckung; 
das Zwischenland bildet eine Art Halbinsel. Von Rathmelton aus be- 
tritt man ein gebirgiges Land, in welchem Glimmerschiefer herrscht, 
dessen Lagen die vielartigsten Erscheinungen zeigen. In mehreren 
Theilen der Halbinsel Fannet erscheinen Streifen primitiven Kalksteins. 
Ausser den erwähnten [sogenannten] Urgebilden finden sich noch manche 
andere Formationen. Überlagerungen von Trapp sind sehr häufig; sie 
nehmen, vielleicht den Syenit abgerechnet, ihre Stelle auf den verschie- 
densten Gesteinen ein. Man trifft sie in jedem Niveau von den Ebenen 
bis zum Gipfel der höchsten Berge. Sie steigen theils in Kegeln empor, 
theils bilden dieselben langgezogene Rücken. Trapp (Grünstein) findet sich 
u. a. auf dem Gipfel des Murrin, eines der erhabensten Punkte des 
Landstrichs. Hin und wieder erlangt die Masse ein Schichten-ähnliches 
Aussehen. Stellenweise bildet eine Felsart auch Gänge, so namentlich 
an Watching Point im östlichen Theile der Halbinsel Fannet. Strom- 
ähnliche Erscheinungen : von Grünstein sind nicht ungewöhnlich; man 
sieht sie u. a. nordwärts von Crooghan. Grünstein-Massen zeigen sich, 
die verschiedensten Felsarten überlagernd, so z. B. den Kalkstein bei 
Kindrum. In der nämlichen Gegend, an einer andern Stelle, bilden jene 
Grünsteine auf primitiver Formation ruhend das Kap Cashel. Im W. 
des Berges liegen dieselben auf Thonschiefer, und an der westlichen 
Seite der Halbinsel erscheinen sie auf Glimmerschiefer gelagert. Viele 
der Grünstein-Ausläufer (outliers) haben ganz das Ansehen der Theile 
von Strömen, so u. a. im Westen des Cashel-Berges, wo eine solche 
Strom-ähnliche Masse auf beträchtliche Länge verfolgt werden kann. 
Oft wird der Grünstein durch eingeschlossene Feldspath-Krystalle Por- 
phbyrartig. In andern Fällen wird sein Gefüge dicht, selten faserig, 
gleich Hornblende-Gestein. Endlich haben Übergänge ins Schieferige 


” 


Statt. ‚Säulenartige Absonderungen sind nirgends wahrzunehmen. — 
Zu den sogenannten primitiven Massen rechnet der Verf. u. a. den 
Eurit; der Teig ist Feldstein, zu den Einschlüssen gehören besonders 
Quarz und Glimmer. Die Felsart zeigt manchfaltige Verschiedenheiten 
und wird von zahlreichen Quarz-Gängen und Adern durchsetzt. Hin 
und wieder scheint der Eurit in Gneiss, auch in Glimmerschiefer über- 
zugehen. Er senkt sich in südöstlicher Richtung , wie diess namentlich 
am Ufer des Longh Swilly beobachtet werden kann, woselbst prachtvolle 
Gangmassen in den See hineinsetzen. Ihre Oberfläche zeigt auffallende 
Glätte, als wäre dieselbe mit Meisseln bearbeitet. An einer Stelle 
des See-Ufers sieht man einen Mauer-ähnlichen senkrechten Absturz von 
275 FE. Höhe, und auf dem erbabensten Punkte liegen einige Grünstein- 
Partien. Die Eurit-Formation schliesst Lagen von primitivem Kalk- 
stein und von Thonschiefer ein. Der Kalkstein führt Glimmer und er- 
langt mitunter ein schieferiges Gefüge. Bei Rossyall liegt Grünstein 
über dem Kalk, und bei Umricam treten Kalk, Grünstein und Eurit 
unter einander auf. — Die Syenit-Formation erstreckt sich von Doaghı 
More westwärts bis zum Leuchtthurm im Osten. 


' W. W. Bipverey: Über Bewegung von Blöcken in gros- 
sen Meerestiefen,. (Sırııman. Americ. Journ.; XXVIIf, 111 etc.) 
Theoretische Ansichten und Muthmassungen, welche zu keinem Resultate 
führen. 


Derselbe: Entdeckung von Gold im Lower Canada. (Ibid.; 
112). Die Verhältnisse des Vorkommens scheinen die nämlichen, wie in 
andern Gegenden von Amerika und wie in Russland. 


Bertrand -Gesun: geologische Mittheilungen über 
Tyrol. (Bullet. de la Soc. geotl. de France. T. VI, p. 8.) Im vul- 
kanischen Tuff, welcher den Melaphyr am rechten Ufer des Giessbaches 
vom Cipit begleitet, auf den Weideplätzen der Seisser Alpe fand der 
Verf. mehrere fossile Muscheln: Cerithium, Ostrea, Arca, eine grosse 
Venus. — Da die Tuffe und der Melaphyr sich in der Höhe am #rom- 
bache, wo man in die Seisser Alpe eintritt, eine an schönen Mineralien 
reiche Lagerstätte enthalten und die grösste Ähnlichkeit mit den vulka- 
nischen Gesteinen vom Montecchio-Maygiore im Vicentinischen haben; 
so glaubt B. G@., dass die grösste Analogie zwischen beiden eutfernten 
Örtlichkeiten besteht; die Melaphyre Tyrols wären folglich auch während 
der Tertiär-Epoche an den Tag getreten. Nirgends wollte es dem Verf. 
gelingen, den wahren Dolomit im Kontakt mit Melaphyr zu sehen; er 
sah ihn im Gegentheil auf dichtem blauem, mit thonigen Mergeln 


— 217 — 


wechselndem Kalkstein ruhen. Ungeheure Massen dichten, blauen und 
grauen Kalkes finden sich eingeschlossen in Melaphyr-Konglomerat. Die 
Lagen des Melaphyrs haben in Tyrol, was ihre Stellung betrifft, zum 
Tuff ungefähr das nämliche Verhältuiss, wie die Trachyt-Lagen im 
Cantal. Die Tuffe herrschen vor. An die Umwandlung dichter Kalk- 
steine durch den Melaphyr ist B. G. nicht geneigt zu glauben. Seiner 
Ansicht nach stand dem Kalk sein Talkerde-Gehalt schon bei der Abla- 
gerung zu, und er erlangte nur sein krystallinisches Gefüge in Folge 
von Phäncmenen, welche das Emporsteigen des Melaphyrs begleiteten. Vom 
Jumella-Berge aus, der von Tuff und Melaphyr gebildet wird, kann man 
die Ausdehnung des Melaphyr-Gebietes übersehen ; es ist gleichsam nur 
ein. Punkt, umgeben von einem unermesslichen Gürtel dolomitischer 
Kämme und gewaltiger Massen. Es zeigt sich hier ein weiter Erhebungs- 
Krater, dessen Mitte der Melaphyr einnimmt. Die Verbindung der rothen 
und grauen Granite vom Monte Mutauto bei Predazzo mit den grünen 
und blauen Eurit-Gesteinen ist augenfällig. Der rothe Granit oder 
Syenit dringt mit zahlreichen Gängen in den Eurit-Porphyr ein und 
dürfte folglich sehr neuen Ursprungs seyn. Das Anthophyllit-Gestein 
von Kluusen ist eine granitische Emporhebung, welche seltsame Phäno- 
me da hervorgerufen hat, wo die talkigen Glimmerschiefer von ihr 
berührt wurden, 


11l. Petrefaktenkunde. 


Bernstein-Insekten (Übersicht der Arbeiten und Veränderungen 
der Schlesischen Gesellschaft für vaterländ. Kultur i. J. 1834, Breslau, 
1835, 4°, S. 92— 93). Dr. Berenpr in Danzig hatte i. J. 1833 den 
Prof. Gravennorst um Bestimmung seiner Bernstein-Insekten angegan- 
gangen, dieser die entomologische Sozietät in Breslau ersucht, sich in 
die Arbeit zu theilen, und dann Berenpr sowohl als die physikalisch- 
ökonomische Sozietät in Königsberg um Einsendung der Sammlungen 
gebeten; welcher Einladung inzwischen nur die letztere entsprochen 
hat. 746 Stück Bernstein ergaben 1174 Insekten, und zwar 


1. Diptera 724 Exemplare, wobei 317 Tipularia, 277 Musci- 
den etc. 

2. Hymenoptera 119 Exempl., wobei 82 Formicariae; die 
übrigen zu Diplolepis, Psilus, Vespa, Cryptus, Bra- 
con, Ichneumon, Chelonus, Tenthredo gehörig. 

3. Neuroptera 113, wobei 61 Phryganeae sind, die meisten 
übrigen zu Hemerobius, Semblis, Psocus etc, gehören. 

4. Octopoda 96, meist Araneae, 6 Opilionen, 1Chelifer ete. 

5 Coleoptera 77, meist Pflanzenbewohner: 20 Elater-, 


— 18 — 


11 Chrysomela- etc, Arten, doch auch 1 er 1Sta- 
phylinus, 1 Aleochara. 

: Lepidoptera 40, die vollständig eöfwwickeidn insgesammt zu 
Tinea und Tortrix gehörend, mit manchen 'noch inländi- 
schen Arten in Gestalt und Grösse übereinkommend, wie mit 
Tinea culmella, T. pellionella, Tortrix lecheana, 
T. arcuana, T. urticana, T. faleana; — die Raupen aber 
scheinen sämmtlich Schildraupen und der von Papilio W. 
album ähnlich zu seyn. 9:0 

7. Hemiptera 36, wovon nach Schering 8 zu Jassus (dem 

J. atomarius, J. lineatus und J. unifasciatus nahe, 1 
‚mit kürzeren Flügeldecken und 1 Larve), — 6 zu Miris (2 
der M. Tanaceti, 1 der M. rufipennis, 1 der M. populi, 
1 der M. campestris verwandt, 1 zweifelhafte); — 6 zu 
Cercopis (1 der C. gibba, 1der C. pini verwandt, 1.zwei- 
felhaft); — 2 Larven zu Aphrophora; — 2 zweifelhaft zu 
Lygaeus; — 2 zu Copsus (C. spissicornis und C. tri- 
guttatus ähnlich); — 2 zu Flata (mit Fl. nervosa 
verwandt) gehörig, und 4 (zweifelhafte) vielleicht zu WIN 
kommen müssen. 

8. ae 17, wovon 11 zu Blatta, 4 zu Gera 2 zu 
Forficula kommen. 

9. Aptera 6, nämlich 6 Machilis, 1 Podura. 

10. Polymeria 6, insbesondere 4Scolopendrae, 1Julus und 
vielleicht 1 Oniscus, Überall, wo diese Insekten kenntlicher 
sind, zeigen sie Europäische Formen. Die vielen Phryga- 
nen und Tipularien deuten auf feuchten Boden, Sümpfe, 
letztere insbesondere auf zahlreiche Pilze hin u. s. w. 


J.J.Kaup: Die zwei urweltlichen Pferde-artigen Thiere, 
welche im tertiären Sande bei Eppelsheim gefunden worden, 
bilden eine eigene Unterabtheilung der Gattung Pferd 
(N. Act. phys. med. Acad. Leopod. nat. Cur. 1835, XVII, ı, 174—182 
. T. xır B.) Der Verf. findet nicht nur, dass v. Meyer’s Vergleichung 
dieser Gebeine mit denen des Pferdes, Maulthiers und Esels *) unhaltbar 
sey, indem solche vou: zwei wesentlich verschiedenen Arten herstanımen, 
sondern erkennt in denselben sogar ein besonderes Subgenus, Hippo- 
theriu m, mit vier Zehen vorn und dreien hinten, das mithin den 
Übergang zum Palaeotherium bildet und von Meyer auch schon in 
den „Palaeologica“ S. 148 angenommen ist. Die Griffelfortsätze der 4 Füsse 
sind aussen und innen nämlich mit Gelenkflächen, an welche sich die 
Zehenglieder der (beim Pferd nur durch hornartige Auswüchse und lange 
Haarbüschel angedeuteten) Afterklauen anschlossen,, und die der Vorder- 


, x) N. Jahrb. 1835, S. 109-111. 


ER 


füsse noch mit einem ferneren äusseren Griffelfortsatz als viertem Fin- 
ger, wie bei Palaeotherium, versehen. ; 

Dem Verf. stunden in der Grossherzogl. Sammlung zu Darmstadt 
für diese Untersuchung zu Gebote: ein Oberkiefer-Fragment mit allen 
Backenzähnen, viele Unterkiefer mit gewechselten und Milch-Backenzäh- 
nen, fast der ganze Hinterfuss, der grössere Theil des Vorderfusses und 
eine unzähliche Menge einzelner Schneide-, Eck- und Mahl-Zähne. 

1. Eguus gracilis (Hippotherium gracile). 
Equus caballus primigenius v. Mey. 
Equus mulus primigenius v, Mey. 

So gross, wie ein mittelmässiges Pferd (dem Skelette nach), doch 

die zwei Backenzahn-Reihen kaum länger als am Esel. 


a) Die obern Backenzähne (Fig. 1) in einem Kieferfragment 
sitzend, sind ganz wie beim Pferd beschaffen, doch die Schmelzfalten 
komplicirter, der innere unpaare Schmelzkegel erst langgezogen , dann 
oval, endlich bei weiterer Abnutzung rund. Das erste kleine Zähnchen 
ist wie beim Pferd, zweiwurzelig; vom zweiten besitzt der Verf. 20 ein- 
zelne Exemplare, von 0m029 — 0m0365 (horizontaler) Länge; Milch- 
zähne an dieser Stelle mögen daher bis von 0,040 Länge vorkommen. 


Ausmessungen in Millimetern. 


Equus caballus. 
(grosse Stute.) 


Equusgraeilis.|Equus asinus. 


BEIDE TEE, 
Länge. | Breite. | Länge. | Breite. | Länge. | Breite. 
Ermerd Let Ventrhrahhn Fee Pc 


1. Zahn 


32 26 32 23 40 24 
His}, 26 29 27 254 30 26 
N. 25 28 24 22 26 251 
ad 21% | 26 23 244 | 27, |. 26 
ITUNE 23 26 244 | 22 27 24 
B> 3 m 28 | 25 


I 


b) Die untern Schneidezähne miteinemTheil der Eck- 
-zahn-Alveolen (Fg.2) finden sich in einem Unterkiefer- Fragment bei- 
sammen, wie beim Pferde beschaffen, jedoch auf ihrer untern Seite, statt 
der durchgehenden flachen Hohlkehle, mit mehreren unregelmässigen 
Längen-Riefchen, mit kleineren und schlankeren Wurzeln, und mit brei- 
teren und von vern nach hinten kürzeren Kauflächen versehen, auf der 
innern Seite aber durch eine tiele Furche in zwei ungleiche Hälften ge- 
theilt. Die Entferuung der Ränder der,äussersten Schneidezähne ist 48, 
bei einem zehnjährigen Pferd mit Milchzähnen 63, und bei einem männ- 
‚lichen Esel mit Milchzähnen 46m, m, Die A sind bedeutend schwä- - 
cher, als bei genannten Pferde. | 

ec) Die untern Backenzähne haben sich ebenfalls alle von 
einem alten Individuum zusammengefunden (Fg. 3), denen des Pterdes 


20 — 


gleichend, unter sich nur durch die ungleiche Bildung des äusseren Ein- 
schnittes verschieden, welcher den Zahn in zwei Hälften trennt. 25 ein- 
zelne Exemplare des ersten dieser Zähne besitzen 27mm — 33mm Länge 
mit allen Zwischengrössen. 


Equus Equus Equus 


In Millimetern, Milchzähne, gracilis. asinus,. | eaballus. 
ee ä——_ 
Länge des 1. Backenzahns. 25 29 27 33 

ss Re 28 25% 26 30 

” ”» 3. » 31 BES MRRLEN , 28 
„nn % „ 22 24 273 
BR 25 27 ie 
” „ 6. » 4 30 29 30 

JA „ 1-6. „ BR 156 154 17 


Die Milchbackenzähne sind viel länger und schmäler, und besitzen 
stielförmige Ansätze, die mit einander verbunden sind , mitten auf der 
äussern Fläche, und der 2te und 3te noch an ihrem Vorderrande. 

Eg.gracilis. Eg.asinus. Egq.caballus. 


Kiefer-Höhe unter dem 1. Backenzahın 53—55 464 54 
am Hinterende des 5. „ 72—75 79 80 
Entfernung des Hinterendes des Ner- 
venlochs vom 1. Backenzahn, 32—43 


d) Vorderfuss. Das Scehulterblatt ist an seiner (allein be- 
kannten) untern Hälfte viel schmäler und zierlicher als beim Pferd, vom 
Rande der Gelenkfläche bis zum Tuberc. corac. 70mm (beim Pferd 102) 
breit; die Gelenkfläche selbst besitzt 51 Länge und 37 Breite (beim 
Pferd 65 und 47). 

Das Oberarmbein kennt man ebenfalls nur dem Untertheile 
nach; es ist ganz wie beim Pferd gebildet, nur viel zierlicher. Seine 
Breite an der Gelenkfläche ist 65mm, sein Umfang 23° darüber ist 114 
(beim Pferd 75 u. 140). 

Der Radius eines nicht ganz ausgewachsenen Thieres ist 273mm 
lang und an der oberen Gelenk-Fläche 63m m breit (beim Pferd 355 u. 74). 

Der Metakarpus (Fg.4) ist wie beim Pferde; seine Länge = 213 
(beim Pferd 242). An seinem oberen Ende besitzt er aussen Gelenkflä- 
chen für einen Griffelfortsatz (Fg. 5), er selbst wieder an seiner 
äusseren Seite eine Gelenkfläche für ein viertes Zehen-Rudiment, walır- 
scheinlich wie bei Palaeotherium gestaltet, darbiete. Das erste Fin- 
gerglied ist schlanker als beim Pferd, 64 lang (Pferd 72), das zweite 
hat 28 Länge (Pferd 40); der OT mit beiden Zehengliedern 
zasamnıen misst 2984, beim Pferd 380. 

e) Hinterfuss. Das Schenkelbein (Fg.6) ist gestreckter 
als das des Pferdes, sonst aber ihm äusserst äbnlich; der Gelenkkopf 
ist schmäler, der dritte Trochanter schmäler und länger. Gesammtlänge 
— 455mm (beim Pferd 419). 


Die Tibia ist schlanker als beim Pferde, 378 (statt 382) lang. Die 
unteren Gelenkflächen haben 64—68 (beim Pferd 78) Breite. 

Der Astragalus ist wie beim Pferd, nur die innere Gelenkfläche, 
welche an die des Calcaneus stösst, ist breiter, die des Scaphoides 
schmäler — 45 (beim Pferd 53). 

Der Calcaneus ist nur zierlicher, und die Gelenkfläche für den 
Astragalus ist schmäler als beim Pferd. Ä 

Os scaphoides und cuneiforme sind kleiner als beim Pferd, 
und an letzteren Knochen sind alle Gelenkflächen unter sich verbunden. 

Der Metatarsus (Fg.7) ist weniger hoch und schlanker — 235 
als beim Pferd (284). 

Griffelfortsätze liegen zwei sehr wohl erhaltene vor (Fg. 8), 
viel stärker als die blossen Rudimente beim Pferde sind, und aın unteren 
Ende mit Geleukflächen für 1—2 Afterklauen. 

Das 1. Zehenglied ist schlanker (56) als beim Pferd (66); das 
2te ist 27 (statt 31) lang. Metatarsus mit beiden Zehengliedern zusam- 
men messen 318 (beim Pferd 381). 


2. Equus nanus (Hippotherium nanum) (Fg. 10). 
Equus Asinus primigenius Mey. 
Von der Grösse eines kleinen Esels. 
Man kennt nur die 3 ersten Backenzähne des linken Unterkiefers, 
welche bloss durch ihre Kleinheit von denen der vorigen Art abweichen. 


Egq. nanus, Egq. gracilis. 
Länge des 1. Backenzahhs . .. . BR ae 29 
u ri “ a N U a A 
Ber 5 ” b \ i i 20 Bu 254 
re h> . . . 65 . . 80 


Die Entwickelung ddr beim Pferde vorkommenden zwei Afterklauen 
zu Zehen bei Hippotherium würden dem Verf. noch nicht genügt haben, 
dieses Subgenus aufzustellen, wenn sich nicht bei der grösseren Art 
auch noch die Ansatzfläche für einen weiteren Finger am Vorderfusse 
gefunden hätte. Vielleicht würde der Schädel auch eine Anlage zur 
Rüsselbildung zeigen und somit den Übergang zu Palaeotherium noch 
besser herstellen. 

Der Familien-Charakter der Pferde würde nun seyn: Schneidezähne $; 
Diastema; Backenzähne zusammengesetzt $; Zeben 3 oder $, wovon 
der mittle mit einem Huf, die zwei seitlichen mit Afterklauen versehen 
sind oder als Griffelfortsätze erscheinen. 

Tausende dieser Thiere haben ihre Reste bei Eppelsheim hinter- 
lassen; Spuren davon sollen nach Jäger auch im Bohnerz der Aly 
vorkommen. 


A. Gorpruss: Abbildungen und Beschreibungen der Pe- 
trefakten Deutschlands und der angrenzenden Länder, 


_ 22 — 


unter Mitwirkung des Hrn. Grafen G. zu Münster heraus- 
gegeben. Fünfte Lieferung. (Düsseldorf 1836, fol.; enthaltend 
Bnd. II, S. 69—140 u. Tf. 97—121.) Vgl. Jahrb. 1834, S. 495. Das 
gegenwärtige Heft, welches uns erst lange nach seinem Erscheinen und 
nur auf wiederhelte Anforderung von der Verlagshandlung übersendet 
worden und dessen Anzeige desshalb hier so spät erfolgt *), enthält, 
nach den Formationen und Geschlechtern geordnet, folgende Zahl vie- 
ler Arten: 


= Rn E Überhaupt. 
= e = - En 
0 Me a a Ta Be 5 BE 
EAN ki a Br Br 
rs 5 
Exogyra Suppl. . " . . 1 1 1 1 
Pecten, Fortsetzung] 
gestiahlte . . e . ' . 11 ı1 | ı1 
glatte - - 2 6 1 5 5 20|7 
Lima .(Plagiostoma) | . 4 5:1923 114 46:| 28 
Spondylus (Podop- 
sis, Dianchora, Pa- 
chytes) . . » . 1 $ 4 | 12 19 | 14”) 
Plicatula .. : 3 4 1 2 7 3 
Limea Baonn ***) 3 ? 1 1 3 E 2 Dr 
Vulsella . . .» R k ’ . A . 4 1 
Perna ...> . 1 . 4 . 2 7 3 
Inoceramus. . 2 5 9 2 21 s 34 | 49 
Posidonia .. 1 1 3 10 ; R 9 6 
Gervillia. . » k 1 1 2 1 . 5 1 
Avicula(Meleagrinaf 7 11 N 6 4 i 51 |] 20 
Pterinea Goupr. 14 f . R : . 14 ı 13 
1 2 5 : 1, 8 


| u T — 


50 |sı | 20 | aıa | 135 


— 


Monotis . . . 3721 1 
Im Ganzen 13 | 28 2 | 


'Im Einzelnen haben wir nur wenige Bemerkungen beizufügen. Von 
P. spinulosus scheint dem Verf. nur die eine Klappe bekannt, die 
anderesist der von P. Janus ähnlich. Peeten sarmentitius ist 
schon 2mal als P. clathratus Eıcaw. und P.Makowii Dusoıs be- 
schrieben worden und ist Ostrea Tranquebarica Barocent. 
Pecten Hausmanni vom Grafenberge hat mehr Radien als der von 
Bünde (30—40 statt 20—24), wesshalb wir ihn jedoch nicht für eine 
verschiedene Art halten möchten, und ist in den Lieferungen des hiesi- 
gen Comptoirs früher als P. multisulcatus versendet worden. Die 
Benennung P. vestitus statt der bereits so bekannten P. laevigatus 


*) Auf Ostern soll das 6te Heft ausgegeben werden. 
**r) Eine dieser Arten war oben als gestreifter Peeten aufgeführt worden. 
»#*) Nicht LAMARcK, wie im Text steht, hat dieses Genus aufgestellt. 
-+) Diese Arten finden sich inı Salzburger Salzgebirgsstock, dessen Formation noch 
nicht genug herausgestellt ist. 


— Bpk = 


einzuführen, scheint weder nöthig noch wünschenswerth, wenn gleich 
der einmal bestehende Art-Namen eine Eigenschaft bezeichnet, welche 
vielen Arten gemein ist... Er ist zum Eigennamen geworden, welcher 
bestehen muss, wie bei Menschen, seye auch z. B. ein Herr GorrLikg 
Gross nicht der Einzige, welcher gross und Gott lieb ist, oder seye er 
sogar weder Gottes Liebling, noch gross. — Pecten calvus Goupr. 
ist von Merıan verschiedentlich als P. diseiformis ausgetheilt worden. 
Mit Unrecht werden unserem P. cristatus in der Diagnose paarige 
Radien zugeschrieben, da der Italienische wenigstens sie verhältniss- 
mässig selten, mehr zufällig besitzt. — Die als charakteristisch angege- 
benen kleinen Stacheln auf den Rippen nächst dem Wirbel des Spon- 
dylus armatus sind an unseren übrigens identischen Exemplaren nicht 
aufzufinden. — Spondylus bifrons Münsr. ist Spond. spinosus 
Bronn in „Ital. Tertiärgebilden“, welcher Name aber durch die Vereini- 
gung von Pachytes mit Spondylus doublet geworden ist. — Plica- 
tula sarcinula Münsr. dürfte nur eine der manchfaltigen Varietäten 
von Pl. tegulata seyn, mit der sie auch in Württemberg untermengt 
nebst Übergangsformen vorkommt. — Diese Plicatula tegulata 
Münsr. ist von Zıeren’s Placuna nodulosa, welche Art-Benennung 
die Priorität hat. — Die 34 Inoceramus-Arten scheinen uns über die 
Gebühr vervielfältigt zu seyn; doch gehören sehr günstige Verhältnisse 
und ein eigenes, anhaltendes Studium dazu. die vom Alter u.a. Umstän- 
den bedingten Formenänderungen, welche zu einer Art gehören, zu ver- 
folgen. — Die hier abermals aufgestellte Posidonia Bronnii können 
wir noch‘ immer nicht von P. Becheri unterscheiden; sie weicht von 
dieser nach des Vfrs. eizsener Abbildung und Beschreibung weit weniger 
ab, als manche Varietäten von beiden je unter sich. — Ob Gervillia 
Hartmanni mehr als eine Varietät von G. aviculoides Sow. sey, müs- 
sen weitere Beobachtungen lehren. — Unter den dargestellten Gegen- . 
ständen bemerkt man eine Menge von, durch ihre Schönheit und Voll- 
kommenheit ausgezeichneten, Exemplaren aus ältern Formationen, wo 
mittelmässige Exemplare schon eine Seltenheit sind. 


Die Lithographie’n, noch immer von Hong, sind vortrefllich; manche 
Detail- Zeichnungen insbesondere lassen nichts zu wünschen übrig. — 
' Vorzüglich freuen wir uns, die Hofinung hegen zu dürfen, dass dieses 
Werk nicht aufhören wird in der begonnenen Form zu erscheinen, 


L. Acassız: Prodrome d’une monographie des Radiaires 
et des Echinodermes (Extrait des Mem. de la Societe d. science. 
nat. de Neuchätel, Tome I, 1836, p. 168 — 199.) Obschon diese Ab- 
handlung sich nicht auf fossile Arten allein bezieht, so glauben wir doch 
einen vollständigeren Auszug daraus mittheilen zu müssen, weil sie we- 
sentlich begründete Änderungen in den bis jetzt aufgestellten Geschlech- 
tern und sogar Arten herbeiführt. 


Jahrgang 1837, 15 


— — 


Die Pflanzenthiere sind sämmtlich Strahlenthiere, Radiarien, und 
zerfallen in drei Klassen : Polypen, Acalephen (Medusen) und Echino- 
dermen (Radiarien im bisherigen engeren Sinne), indem die Eingeweide- 
Würmer und viele, wenn nicht alle, Infusorien zu den Kerbthieren ge- 
rechnet werden müssen. 

‘ Die Echinodermen enthalten die Lınne’schen Geschlechter Holo- 
thuria, Echinus und Asterias, die sich zu eben so vielen Ordnungen: 
Fistuliden, Echiniden und Stelleriden, erheben, ehr 
drei Klassen wieder repräsentiren, 

Um die Einheit im Typus ihrer Körper-Gestalt zu erkennen und die 
analogen Gegenden desselben bei Thieren der verschiedenen Ordnungen 
mit einander vergleichen zu können, muss man die Untersuchung vor- 
aussenden, was bei den symmetrisch Fünfstrahligen vorn. und hinten 
seye. — Bei den länglich geformten Spatangen ist das leicht zu unter-_ 
scheiden: Mund und After liegen beide auf der Unterseite des Körpers; — 
wo der Mund liegt, wird naturgemäss vorn genannt, wo der After sich befin- 
det, ist hinten. Fünf mit Poren eivgefasste Strahlen — Fühler-Strablen, Ra- 
dii ambulacrales mit je 2 Fühlergängen, ambulacra — ziehen divergirend vom 
Mund zum Scheitel, wo sie sich wieder vereinigen; fünf andere Strah- 
len — Zwischenfühlerstrahlen, Radii interambulacrales, — liegen wech- 
selnd zwischen ihnen. Der After liegt im unpaaren Zwischenfühlerstrahl, 
und dieser ist “mithin hinten, der unpaare Fühlerstrahl ist ihm entgegen- 
gesetzt und daher vorn. Ähnlich ist es bei den Clypeastern, Nucleoliten, 
Galeriten u.s.w. Daraus folgt, dass auch bei den symmetrischen Cidariten, 
Echiniten und Asterien etc. der unpaare oder fünfte Fühlerstrabl vorn, der un- 
paare Zwischenfübler-Strahl hinten seyn müsse ; «ber diese sind von den au- 
dern paarigen nicht zu erkennen. Nun siehtman bei den Echinodermen ferner 
am Scheitel in der Krustenhülle des Körpers 5 (zuweilen 4) grössere und ei- 
genthümlich gestaltete, mit je einem Loch (Eyleitermündung) durchbohrte 
Täfelchen (Eyleiter-Täfelchen), die mit fünf andern kleinern und gleichgebil- 
deten am Anfange der Fühlerstrahlen — Zwischen-Eyleitertäfelchen — alter- 
niren, und wovon das fünfte, unpaarige sich bei den Echiniden von den paa- 
rigen durch eine schwammige Bildung unterscheidet, ganz entsprechend 
dem Madreporen-artigen Körper bei den Asterien. Dieses unpaarige ent- 
spricht mithin dem unpaarigen Zwischenfühler- oder After-Strahle, und 
ist das hintere: bezeichnet mithin auch die Hinterseite des Körpers in 
Beziehung zum Scheitel. Bei einigen Geschlechtern fehlt jedoch das 
unpaare Täfelchen und ein Eindruck der Oberfläche oder eine Lücke be- 
zeichnet dann die Stelle, wo es ausgefallen. Der jenem Madreporen- 
artigen Täfelchen entgegenstehende Strahl ist auch beim Geschlechte 
Asterias der vordere. Überhaupt entsprechen die Täfelchen beiderseits 
längs der Rinne auf der Unterfläche der Arme von Asterias den 
Fühler-Strahlen, und wenn man von den in zwei Reihen längs der Sei- 
tenflächen der Arme hinziehenden Täfelchen die untere zu Schliessung 
der unteren, die obere zu Schliessung der oberen Seite des Körpers um- 
gelegt und die äussersten vergrössert denkt, dass sie die Zwischenräume 


zwischen den fünf Armen ausfüllen, so bleibt kein wesentlicher Unter- 
schied mehr zwischen den Asterien und Echiniden. Denn jene umge- 
legten Seiten-Täfelchen sind die der Zwischenfühler-Strahlen. In der 
That tragen sie auch die grossen Stacheln, womit manche Seesterne 
versehen sind, wie die Täfelchen der Zwischenfühler-Strahlen bei den 
Echiniden thun, Mittelst dieser an ibrer Basis angelenkten sehr mobilen 
Stacheln bewegen sich diese Thbiere, nicht mit den feinen zarten häuti- 
gen Röhrchen, die hervortreten durch die Poren der Fühlergänge oder 
Ambulacra, welch’ letztere Benennung Veranlassung zur Meinung gege- 
ben zu haben scheint, dass sie zur Bewegung behülflich seyen. Diese 
Röhreben dienen vielmehr zur Respiration, indem sie die Einwirkung 
des Wassers auf das Innere des Körpers vermitteln. — Die fünf Zähne 
in der Mundöffnung stehen am Anfang der Zwischenfübler-Strahlen, der 
fünfte daher hinten. — Bei den Echiniden sind sämmtliche Täfelchen in 
20 strahlenständige Reihen geordnet, welche vom Mund nach dem Schei- 
tel laufen. Zwei Reihen liegen in jedem der zehn Strahlenfelder, von 
denen abwechselnd eines, oder fünf im Ganzen, von den Poren der Am- 
bulacra durchbohrt (Fühler-Strahlen), fünf nicht durchbohrt sind (Zwi- 
schenfühler-Strahlen). Hier kann man am deutlichsten sehen, dass die 
Anzahl der Täfelchen in jeder Reihe mit dem Alter der Individuen zu- 
nimmt und so das Wachsthum derselben bedingt, obschon die Verschie- 
denheit dieser Zabl neuerlich wieder zur Bildung vieler Echiniden-Arten 
benützt wurde. Es ist leicht zu erachten, dass die neuen Täfelchen bei 
den Echiniden immer an dem Theil des Körpers entstehen müssen, wo 
sie am kleinsten gefunden werden: das ist um die Scheitel-Täfelchen 
herum, am Anfange der 20 Reiben, woselbst überhaupt die Täfelchen 
weniger genau aneinander zu schliessen pflegen, da sie in Kapseln der 
schwammigen Haut als von eben so vielen ‚Verknöcherungs-Punkten aus 
sich bilden und erst im Verhältnisse, als sie bei ihrer Vergrösserung 
aneinander stossen, eckig werden. Im Leben sind auch die Täfelchen 
nur so mit einander verbunden, dass das Thier die ganze obere. Seite 
seiner Hülle aufblähen und zusammensinken lassen kann, und behalten 
insbesondere die ganz kleinen Täfelchen unmittelbar um Mund und After 
fortwährend eine grössere Beweglichkeit, um die Bewegung der Ränder 
bei der Öffnung, beim Verschlingen etc. zu gestatten. Auf diese Weise 
werden die zuerst gebildeten Täfelehen durch nachkommende immer wei- 
ter nach der Peripherie des Körpers geschoben, und muss sich auch die 
Körperform selbst mit dem Alter ändern. Anfangs ist der Körper am 
flachsten; dann hören die Täfelehen un den Mund, die der ganzen Un- 
terseite und endlich die der Peripheri» auf zu wachsen und schliessen 
sich mit ihren Rändern dichter an einander. Wenn nun inzwischen am 
Scheitel immer mehr neue Täfelchen hinzukommen, und die älteren noch 
fortwachsen, so muss ‚die flache Form des Körpers sich oben zur kuge- 
ligen wölben und endlich zur konischen erheben. Da die Täfelchen 
zweier nebeneinanderliegenden Reihen nie selbst nebeneinander liegen, 
‘sondern mit einander alterniren, so succediren sich die neu gebildeten 
15 * 


-— 26 — 


Täfelehen nicht in geraden Reihen vom Scheitel zum Mund, sondern in 
Spiral-Reihen um den ganzen Körper herum. — Die Wachsthumsweise 
der Seesterne nun ist ganz ähnlich; obschon bei ihnen die kleinsten 
Täfelchen der vom Mund zum Scheitel ziehenden, minder regelmässigen 
Reihen in der Peripherie, nämlich an der Spitze der Arme liegen. Die neuen 
Täfelchen entstehen bei ihnen nämlich in den Winkeln, welche die Arme 
mit einander machen, an der oberen, wie an der Unter-Seite des 
Körpers. . 

Die Charaktere aus der Aueinanderfügung der Täfelchen und der 
Anordnung der Fühlergänge gezogen, scheinen dem Verf. besser zur 
Bildung natürlicher Unterabtkeilungen des Systems zu dienen, als die 
Stellung von Mund und After. 

l. Ordnung: Fistuliden (Holothurien.) 

Zehen Genera, wovon bei der Weichheit ihres ganzen Körpers bis jetzt 

noch nichts im fossilen Zustand gefunden worden ist. 
I. Ordnung: Echiniden. 

Kruste des Körpers hart, sphäroidisch, aus aneinander liegenden Täfel- 
chen gebildet und mit beweglichen Stacheln bedeckt. Mund und After 
getrennt. 


A. Familie der Spatangen. 

Körper verlängert, buckelig; Mund mit Kinnladen (Zähne) versehen und 
gegen das vordere Ende des Körpers gelegen; der After nahe am bin- 
teren, oben oder unten. Kruste dünn, mit vielen aber kleinen Stachel- 
warzen, worunter einige zerstreut stehende grössere manchmal wie bei 
den Cidariten durchbohr: sind. Stacheln borstenförmig, oft zusammenge- 
drückt, ungleich gross. Der vordere Fühlergang gewöhnlich weniger 
entwickelt, als die übrigen; alle Fühlergänge bilden Furchen um den 
Mund, in welchen die Poren für den Austritt ästiger Tentakeln grösser 
sind. Nur vier Eyleiter-Täfelchen. 

1. Disaster Ac. (Spatangus, Ananchytes und Nucleolites auctt.) 
Der Scheitel der drei vorderen Fühlergänge entfernt von dem der zwei 
hintern. Arten alle fossil in Jurakalk und Kreide. 


1. D. bicordatus (Spatangus bicordatus Gorpr.) 6. D. capistratus (Spatangus capist.GoLDF.) 


2. D. ellipticus (Ananchytes eiliptieus Lk.) 7.D.carinatus ( y earin. GoLDF.) 
3. D. excentricus (Nuclenlites excentric.Münsr.)8.D. ovalis ( ! ovalis Park.) 

4. D.canaliculatus (Nucleolites canal. Münst.) 9. D. unalis (Schweitzer Jura.) 

5. D.granulosus ( ” granul.Münsr.) 10. D.ringens ( A RN) 


2. Holaster Ac. (Spatangus auctt.) Herzförmig; ein Scheitel, 
After oben; . Arten alle fossil, meist in Kreide. 


1. H. granulosus (Spatangus granul. GoLpr,) 6. H.complanatus(Spatang.compl.BLaınv.) 
2. H.hemisphaericus Spatangus hemisph.Prıt.) 7. H.intermedius( „ interm,Münsr.) 


3. H. luevis BA laevis Dervc.) 8.H.subglobosus€ „ _subglob. Lesk.) 
4, H.nodulosus (are A nodul. Gowpor.) 9.H.suborbicularist „ suborb,. DerFR.) 
5. H.planus « : planus Manr.) 10.H.truncatus (an trunc. Gounr,) 


3. Ananchytes Lmx. (Echinocorys Breyn et Gray, Galea et 
Galeolä Krrın.) Oval, ohne Rinne längs des vorderen Fühlerganges. 
After länglich. und längs gekehrt; Fühlergänge mit einem Scheitel, 


gerade nach oben, mit sehr gedrängten Poren. Arten fossil, in Kreide; 
olıne Noth nach dem Alter vervielfältigt. 
1. A. ovata Lk. 2. A. hemisphaerica Bren. 
(A. pustulosa L&.: Kern.) (A. quadriradiata LEsk.: monströs.) 

4. Hemipneustes Ac. (Spatangus auctt.) Herzförmig; der vor- 
dere Fühlergang mit kleinen, gleichen Poren ; die übrigen aus je zwei 
Reihen Doppelporen; die hinteren viel deutlicher als die mitteln, Eine 
Art, fossil, in Kreide. / 

1. H. radiatus Ac. (Spatangus radiatus Luk.) 

5. Micraster Ac. (Spatangus auctt., Brissoides Kreın, Amygdala 
et Ovum Pers.) Herzförmig; Rückentheil der Fühlergänge sehr ent- 
wickelt, etwas Stern-ähnlich, Arten meist in Kreide, einige tertiär, 
zwei lebend. 


1. M.amygdala (Spatangus amygd. Gıor,) 8. M.Goldfussii (Spatangus lacunosus G. 


2. M.Bucklandiüc(‘ „ Bucklandii .) nicht Gmer.) 
3. M. bucardium ( ‚i bucardium G,) 9. M.prunella « ni prunella Le. 
4. M.bufo HA, bufo Brex.) 10. M. acuminatus ( » acuminat. G.) 
5. M.cor anguinum(Spatang.cor anguin.L&.) I1. M.suborbicularis (Spatang. suborb. M.) 
6. M.cor, testudinarium (Spatangus cor tes- M. cunaliferus (Spatang.canaliferus L«.) 
tudinarium G.) M.Tlacunosus ( y lacunosusGmeL. 
7. M.gibbus (Spatangus gibbus Le&.) nicht GoLpr.) 


6. Spatangus Kırıw und Gray (Echinospatangus Breyn). Herz- 
förmig; eine breite, tiefe Rinne vom Mund zum Scheitel mit einem Füh- 
lergang aus sehr kleinen, gleichen Poren, die vier andern auf dem 
Rücken aus je 2 Reihen von Doppelporen, welche Reihen sich gegen den 
Scheitel und den Umfang einander nähern und somit Sterne (oder Blu- 
menblätter) bilden. Einige grössere schlanke Stacheln zwischen den 
kleineren. Arten in Kreide oder tertiär ; einige lebend. 


1. Sp. ornatus Bren. Sp. meridionalis Rıss, 

2. Sp. Desmarestii Münst. Sp. ovatus LEsK. 

3. Sp. Hoffmanni Goupr. 89. crux Andreae Lk, 
Sp. purpureus LEsKr. Sp. planulatus Le. 


7. Amphidetus Ac. (Echinocardium Pueıs. et Gray, Spatan- 
gus, A Bruaımv.) Herzförmig; Rinne vom Mund zum Scheitel tief; dar- 
in der Fühlergang mit sehr kleinen Poren zwischen die zwei mittlen 
hinein verlängert. Die vier paarigen aus je zwei mitten am Rücken zur 
Blattform auseinander weichenden Reihen von Doppelporen. Die grösse- 
ren Stacheln am Ende spathelförmig, die kleineren glatt. Arten eine in 
Kreide, zwei lebend. 

1. 4A. Goldfussii (Spatangus arcuarius GoLpr.) nicht Luk. 
d. Sebae (Echinocardium Sebae Gray) A. pusillus (Spat. pusillus Lrsk. 

8. Brissus Kıeın et Grar, Nuces Prers., Spatangus, DBraınv.) 
Vorn ohne Rinne; vorderer Fühlergang fast unmerklich, die 4 andern 
flachgedrückt, am Scheitel eine Art Kreuz bildend, das von einer bogni- 
gen Linie umschrieben ist; keine Stachelwarzen. Arten lebend, 8. 


9. Schizaster (Echinocardium Pa. et Grax; Spatangus, B Braısv.) 
' Herzförmig, hinten sehr hoch; Mundscheitel-Rinne lang und sehr tief; 


am Scheitel noch 4 andere Rinnen tief und ai die pARtigeR Fühler- 
gänge enthaltend. Arten eine tertiär, und eine lebend. 
(1. Sch. atropos (Spatargus atropos LK.) 2. Sch. Studeri (Italien). 


B. Familie der Ciypeastern. 


Mittelformen zwischen der ersten und der dritten Familie. Gestalt 
meistens kreisrund. Mund ziemlich zentral; After randlich, oben oder 
unten. 

10. Catopygus As. (Nucleolites auectt.) Eyförmig; Fühlergänge 
gleichmässig gegen den Scheitel zusammenlaufend. After oben. Arten 
in Oolithen, Kreide und tertiär. 


1. C. semirlobus (Nucleol. semigl. Münst.) 5. C. ovulum (Nucl. ovulum Lm«k.) 
2. C.carinatus ( „ carinat. GoLpr.) 6. C. depressus ‘ ( „  depressus BREN.y 
8. C.castanea RER castanea Bren.) 7. C. subcarinatus ( „  subearinatus G, 
4. C. pyriformis ( » pyriform. G.) 8. C. obovatus AG. (Kreide) 


11. Pygaster Ac. (Nucleolites et Clypeus auctt.) Kreisrund; 
Fühlergänge gleichförmig in den Scheitel zusammenlaufend. After gross, 
oben. Arten in Jura und Kreide. 

1. P. semisulcatus (Clypeus semisule. Prıt.) 2. P. depressus (Nucleolites depr, Münsr,) 


12. Galerites Lm«k. (Conulus Kreis, Echinoconus BrLaımv.) Kreis- 
rund; Fühlergänge schmal, mit entfernt stehenden Poren, gegen den 
Scheitel gleichförmig zusammenlaufend; Mund mittelständig ; After rand- 
lich, unten, Arten in der Kreide. 


1. @. vulgaris Luk. G. quadrifasciata BrugG. 
2. @. abbreviuta Luk. . G. sexfasciata DEFR. 
3. @. subrotunda ManT. 


sind Monstrositäten. ) 


13. Discoidea Kırın et Grar (Conulus Lesk., Echinodiscites 
Pners., Galerites Lux.) Fühlergänge breiter, Poren feiner und dichter 
als bei vorigem. Arten in Jura-Gebilde und Kreide. 


1. D. depressa (Galerites depressaLmk.) 5. D. rotula (Galerit. rotul. Bren.) 
2. D). speciosa Er, spec. Münst.) 6. D. rotularisKıein( „ rotularis L£.) 
3. D. albogulera ( „ albogal.auctt.) 7. D. macropyga Ac. in Kreide, 

4. D. canuliculata ( z canalicul. G.) 


14. Clypeus Kırın (Echinoclypeus Buaınv., Echinosinus Pners., 
Galerites Lm«., Nucleolites Derr.) Kreisrund, flach, Fühlergänge gegen 
den Scheitel und die Peripherie zusammenlaufend. After randlich, oben; 
Arten in Jurabildung, Kreide und tertiär. 


1. Ol. sinuatus Pırk. - 6. Cl. conoideus K(Echinoclyp. con, Lesk.) 
2. Cl. emarginatus Pnıı. 7. Cl,hemisphaericus( » hemisp.L«.) 
5. Cl. patella (Galerites patella Lk.) 8. Cl. testudinarius (Nucleol.testud. MünsrT,) 
4. Cl. orbicularis Pin. 9. Cl. scutella ( »  scutella G.) 


5. C8. Sow. "'i Ac. (Nucleol.Sowerb.Derr.) 


15. Nucleolites Lmx. (Echinobrissus Brexw, Clypeus Piurr. ) 
Eyrund oder herzförmig, Fühlergänge deutlicher am Scheitel als an der 
Peripherie, doch nicht blumenförmig wie bei vorigem. Arten in Oolithen, 
Kreide und tertiär. \ 


- m — 


1. N. scutata La. 6. lacunosa G. 

2. N. clunicularis (Ciypeus elunieul, Sm.) 7. scrobiculata G, 

3. N. dimidiata Ger dimid, Pıurtı.) 8. N. Olfersii As. (Kreide.) 
4. N. plunata Röm. 9. N. Grignonensis DErFR. 
5. N. cordata G. 

16. Cassidulus Lwk. (Nucleoliteswuctl.) Eyförmig, Fühlergänge 
blumenblätterförmig; After zwischen Scheitel und Hinterrand. Arten in 
Kreide und tertiär. \ 
1. C. lapis cancri L«. 3. C. complanatus Lx. 

2. C. patellaris (Nucleolites patell. GoLpr.) 

17. Fibularia Lk, (Echinocyamus Lesk. Gray, Echinoneus 
Gorpr.) Kugelig, zuweilen etwas länglich; Fühlergäuge blumenblätter- 
förmig; After zwischen Mund und Hinterrand. Arten in Kreide, tertiär 
und lebend. 


1. F. plucenta (Echinon. placenta G.) 5. F. Sufoleiensis Learn, 


2. F. subglobosa ( „ subglobosaG ) FE. cruniolaris GmeL. 
3. FE. ovata a ee ovat. Münst.) F. ovulum Lk. 
4. FE. scutata B scutatus Msr.) 


18. Echinoneus Purıs. Lx. (Echinanaus Kön., Echinoconus 
Breyn). Oval, etwas flach; Fühlergänge linear; After zwischen Mund 
uud Hinterrand. Arten lebend, 3. 


19. Echinolampas Gear (Echinanthus Leske., Clypeaster und 
Galerites Lk.) Eyförmig oder kreisrund; Vorderrand mehr oder weniger 
ausgeschnitten; Fühlergänge am Scheitel sehr breit, Blumenblätter-förmig, 
aneinander stehend, aber gegen die Peripherie hiu sich verschmälernd. 
After randlich, unten. Arten in Jurabildungen, Kreide oder tertiär; eine 
lebend. 


1. E. pentagonalis (Clypeast.pentag.Prıt.) 12. E. conoideus AClypeaster conoid. G.) 


2. E. fornicatus ( ih fornicatusG.) 13. E. Cuvieri ( Cuvieri M.) 
3. E. globosus (Galerites globos.Derr.) 14. E. ellipticus kiity)a elliptic. M.) 
4. E. Königii Gr. 15. E.hemisphuericu( u hemisp.L«.) 
5. E. Leskei (Clypeaster Leskei G.) 16. E. Kleinii Ki Eh Kleinii G.) 
6. E. Montmollini Ac. (Kreide.) 17. E. Linkiü Kr Linkii G.) 
7. E. productus Ac. (ib.) 18. E. politus ( N politusLk.) 
8. E. minor Ac. (tb.) 19. E. stelliferus ( . stellif. LK.) 
9. E. uffinis _ (Clypeast. affınis G.) 20. E. subeylindricut  « subeyl. M.) 
10. E. Bouei , Bouei G.) 21. E. trilobus CA. tritob. Der.) 


11. E. Brongniarti ( „ Brongtı. M.) E. orientalis GR. 


20, Clypeaster Lux. (Echinanthus Breyn, Gray; Echinodorus 
und Echinodiseus Puers., Lagana Gray, De Buamv.) Eyförmig oder 
‚fünfeckig; Fühlergänge und Scheitel in Form breiter, am Ende abgerun- 
deter Blumenblätter, After randlich, unten. Kruste sehr. dick; innere 
Höhle des Körpers durch senkrechte Säulen fächerig. Arten tertiär und 
lebend. 


1. Cl. marginatus Lmx. ‚CI. rosaceus Lmk. 
2. Cl. altus Le. Cl. subdepressus (Echin. subdepr. Gr.) 
3. Cl. Gaimardi Bronan. * Cl. ambigenus Bıaınv. 

Cl. Richards Desm. Cl. scutiformis Lux. 


21. Echinarachnius Leskz, Gray (Arachnoides Kıeın, 


— 250 — 
Echiuodiscus et Lagana Braınv. , Scutella Lmk.) Kreisrund oder eckig, 
' flach und scharfkantig; Fühlergänge wie bei vorigem; After randlich, 
Arten eine tertiär, andere lebend. 
1. E. lenticularis GR. E. placunarius (Scutella placun. Lk.) 


E. placeuta Gr. «Scutella plac, Lux.) E. latissimus ( 3 latissima L«.) 
E. parma Gr. ( 5 parmaLx.) E. Rumpfii (Echinodiscus Rumpfii Braınv.) 


22. Scutella Luk. Braımv. (Echinodiscus Lesk. Gr.; Mellita et 
‘ Rotula Krein; Lagana Braınv.) Flach, rund, scharfrandig; Fühlergänge 
wie bei Clypeaster, aber noch grösser, After unten. Arten 22, tertiär 
und lebend. | 


1. Sc. Altavillensis Derr. . 5. Sc. occitana Derr, 
2. Sc. gibberula SERR. 6. Sc. striatula SeRR. 
3. Sc. hispanica DErFR, 7. Sc, subrotunda Lk. 


4. Sc..nummularia DEFR. 


C. Familie der Cidariten. 

Kugelförmig, mit zweierlei Stacheln; die grösseren auf grossen Sta- 
chelwarzen, die kleineren um deren Basis und auf den Fühlergängen 
sitzend. Mund zentral, After auf dem Rücken, ebenfalls zentral, von 
‘besonderen Täfelchen umgeben und gegenüber dem hinteren Zwischen 
fühler-Strable. 

23. Cidaris Lmk. Fühlergänge schmal, mit kleinen zusammen- 
gedrückten Stacheln bedeckt. Zwischenfühler-Strahlen breit, auf jedem 
ihrer 'Täfelchen nur 1 grossen Stachel tragend, um welchen mehrere 


kleinere herumstehen. Arteu 37. — Im Juragebilde, in Kreide, tertiär 
und lebend. Die fossilen sind: 
1. Blumenbachü Münsrt, 13. C. SchmideliüiM. 
2. C. BuchiiM. 14. C. spinulosa Röm. 
3. C.coronata GoLDF. 15. C, regulis Gr. 
4. C.cerenularis Le. 16. C. clavigera Kön. 
5. C.fRlorigemma Pit. 17. C. corollaris Maxt. 
C. elongata Röm. 18. C. cretosa MAnT. 
6. C. glandiferaG. 19. C. clunifera As, (Kreide.) 
7.C. marginata G. 20. €. vesiculosa G. 
8. C.maxima M. 21. C. Timaria BRonun. 
9. C.monilifera G. 22%. C. discus Br. 
10. C.municata Röm. 23. C. rosaria BR. 
11. C.nobilisM.- 24. C.serraria BR. 


12. C.propinquaM. 

24. Diadema Grax (Cidarites Lx.) Flacher, Fühlergänge breiter, 
linear. Stacheln oft röhrenförmig; die Stachelwarzen durchbohrt, aber 
kleiner und zahlreicher, als bei vorigen. Arten in Juraformation und 
Kreide ; auch lebende. 


1. D. Bechei (Cidar. Bechei Bro».) 6. D. transversum Ac. (Jura.) 

2. D.subangulare( „ vagans PHILL,) 7.D.variolare (Cidar.variolaris Bren.) 
$. D.vagans ( »  subangularisG@.) 8.D.granulosum( „ granulosus G.) 
4.D.,mammillanum( „ mammill.Röp.) 9,D.ornatum ( „ ornatus G,) 
5.D. hemisphaericum.Ac. (Jura), 10. D. rotulare As. (Kreide,) 


dann 5 lebende Arten, 
25. Astropyga Ac. (Cidarites u Eine lebende Art, Cid. 
radiata, Lk. 


— 231 — 


26. Salenia Gray (Cidarites auctt). Die Täfelchen zwischen den 
Fühlergängen nur mit einer einzelnen grossen und undurchbohrten Warze. 
Um den After stehen ungewöhnlich grosse an ihren Rändern ineinander 
gelenkte Täfelchen. Auch die Eyleiter-Täfelchen sind sehr gross. Arten 
alle fossil in Jura- und Kreide-Formation. 

ı. S. Hoffmanni (Cidar Hoffm, Röm.) 3. S.scutigera Grax. 
2. S.hemisphaerica ( „ hemisph. R.) 4. S.peltauta Ac. (Kreide,) 

27. Echinometra Brevn, Purıs. Gray (Echinus auctt.)..... 
13 lebende Arten. | 

28. Arbacia Gray. (Echinus auctt.) Den Diademen ähnlich, 
aber mit undurchbohrten Stachelwarzen. Fühlergang - Strahlen schmal, 
Fühlergänge gerade und einfach, oder aus je 2 Reihen Doppelporen. In 
Jura, Kreide, tertiär und lebend. 


1. A. hieroglyphica (Echinus hieroglyph.G.) 5. 4. alutacea As. (Echin.allutac. G.) 
2. A.sulcata talk sulcatus G.) 6. A. radiata ( „ radiat. Höw,) 
3. A.nodulose € „ nodulosus M.) 7. A.pusilla ( „ pusillus M. 
4. A. granulosa ( . .granulosusM.) A. punctulata GR, 

4. pustulosa G. 

29. Echinus. Sehr regelmässig rund oder etwas eckig. Fühl:r- 
gänge aus Bogen-Segmenten zusammengesetzt, die von mehreren Poren- 
Paaren gebildet werden, und linear sind. Arten in Jura, Bells und 
tertiär, viele lebend. 


1. E. germinans PuıLı,. E. MilleriD. 
2. E. perlatus Desm. E. regalis Hön. 
3. E. lineatus G. und 11 andere. 


E.Menardi Dzsm. 


II. Ordnung: Stelleriden. 


Der Körper selbst sternförmig, die Strahlen beweglich und oft ästig; 
Mund mitten auf der Unterseite. 


A. Familie der Asterien. 


Eine gemeinschaftliche Mund- und After-Öffnung, ohne Zähne, Auf 
der Rückenfläche zwischen den Anfängen der 2 hinteren Strahlen ein 
höckeriges, blätteriges oder vielmehr faseriges Täfelchen, der sg. Madre- 
poren-förmige Körper. Vom Mund zur Spitze der Strahlen ziehen tiefe 
Rinnen, von mehreren Stachel-Reihen begleitet. 

1. Asterias Ac. (Astropecten Lınk; Crenaster LLoyp, Pentasterie 
Bramv., Stellaria Narno.) Sternförmig, die obere Seite getäfelt, die 
Strahlen flach, neben eingefasst von 2 Reihen grosser Täfelchen, welche 
kleine Stacheln führen. Arten lebend, A. aurantiaca Lim. etc. 

2. Coelaster Ac. Die innere Höhle umschlossen von Täfelchen, 
welche wie bei den Cidariten geordnet sind, und in deren Scheiteln man 
einen Stern von Fühlergängen sieht. Form der Asterien, Organisation 
der Crinoideen. Eine Art, in Kreide. | 

1. A. Couloni Aa. 
3. Goniaster Ac. (Scwiasterie und Platastörie Braımv.) Körper 


5eckig , eingefasst von einer doppelten Reihe breiter Täfelchen , die mit 


— 232 — 


Stacheln besetzt sind. Obere Seite knotig. Arten Bi ? Jura, Kreide 
und lebend. 


1. G. porosus Aa. (Kreide.) 4.63 neakiel (Asterias PER M.) 
2. @.Couloni AG.( „I ? 5. Asterias scutata_ | wenn nicht von’ 
3.6. guinqueloba (Asterius quinquel. G,) 6. Asterius stellifera, Crinoideen her- 


7. Asterias tubulata \ rührend. 


4. Ophidiaster Ac. Eine lebende Art (Asterias ophidianus Lamk.) 
5. Linkia Narvo. Drei lebende Arten (Ast. variolata Lmk. etc.) 
6. ?Pleuraster Ac. 2 fossile Arten. 

1.P... .(Asterias obtusa Gr. 2.P.... (Asterias arenicola G.) 


7. Stellonia Narvo. (Pentasterie Braınv., Solasterie Bram.) 
Sternförmig, ganz mit vorstehenden Stacheln bedeckt. — Arten viele 
lebende; dann wahrscheinlich 2 fossile. _ 

1. St... . (Asterias lanceolata G.) 2. St... . (Asterias lumbricalis G.) 
8. Asterina Narvo. (Asterias, C Bıaımv., Pentaceros Lınk.) 
Eine lebende Art, A. minuta. Lin. Y 
9 Palmipes Lime. (Palmasterie Braınv., Anseropoda Narno.;) 
Zine lebende Art, P. membranaceus. 
10. CulcitaAc. (Oreiller Bramv.) Eine lebende Art, A.discoideaLr. 


B. Familie der Ophiuren. 


Der Körper bildet eine gegen’ die 5 Strahlen abgegrenzte, runde, 
flache Scheibe; Arme verlängert, oft verästelt, unten obne Rinne. 

11. Ophiura Ac. (Ophiura, A Braımv.) Scheibe sehr flach. Strah- 
len einfach, beschuppt, mit sehr kurzen angepressten Stacheln. Einige 
lebende Arten (O. lacertosa etc.) 

12. Ophiocoma Ac. (Opbiura,, B Braınv.) Wie vorige, doch 
lange Stacheln. Einige lebende Arten (O, squamata etc.) 

13. Ophiurella Ag. Scheibe kaum unterschieden, Arten alle fossil. 
1. O.carinata (Ophiura carinata MünsrT.) 3. O.Milleri «OphiuraMilleri PrıLr.) 

2. O.speciosa( „  speciosa M.) 4. O0. Egertoni ( „  Egertoni Brop,) 

14. Acroura Ag, Ophiura sehr ähnlich, jedoch Schuppen statt 


der Stacheln an der Seite der sehr schlanken Arme. Eine Art, fossil. 
1. A. prisca (Ophiura prisca Münst.) 


15. Aspidura Ac. Scheibe auf der Oberseite durch einen Stern 
von 10 Täfelchen bedeckt; Arme verhältnissmässig dick, mit Dachziegel- 
ständigen Schuppen belegt. Eine Art, fossil. 

8. A. loricata (Ophiura loricata G.) 

16. Tricaster Ag. (Euryale auctt.) Arme am Ende gabelförmig 
getheilt. Lebende Art (Euryale palmifer Lx.) 

17. Euryale Lx. (Astrophyton Lın«; Gorgonocephalus SuAw). 
Scheibe fünfseitig; Arme von der Basis an mehrmals getheilt. Fünf 
lebende Arten. 


C. Familie der ÜCrinoiden. 


Darmkanal mit doppelter Mündung, diese jedoch zuweilen zwischen 
den Armen versteckt. Mitte der Rückenfäche meistens an einem bieg- 
samen Stiel angewachsen. 


Be * > Mk 


(A.. Freie, ungestielte.) 
18. Comatula Link, (Astrocoma Bramv., Decameros Link, An- 
tedon Frem., Alecto Leac#.) Lebende Arten. (C. medituranea etc.) 


19. Comaster Ac. (Comatula auctt) Wie vorige, doch die 
Arme mehrmals verästelt. Lebende Arten. (C. multiradiata etc.) 


20. Pterocoma Ac. Scheibe verschwindend, Arme ganz tief, 
gabelig und fiederästig. Eine Art. 


1. P. pinnata (Comafula pinnata GoLpr.) 


21. Saccocoma Ac. Frei. Die Scheibe in Form eines runden 
Beutels, an dessen Rand 5 schlanke, bis zur Basis einfach gabelige, ge- 
fiederte Arme eingelenkt sind. Die 3 Arten fossil, in lithographischen 
Jura-Schiefern. 

1. S.tenella (Comatulatenella GoLprF.) 3. S. filiformis (Comatula filiformis G.) 
2. S, pectinutu Comatula pectinata G.) 

22. Glenotremites Gorpr. scheint nur die Scheibe eines mit 
Comatula verwandten Crinoiden und auf keine Weise näher mit den 
Echiniden verwandt zu seyn. Die durchbohrten Vertiefungen der Ober- 
fläche würden dann als Insertions-Stellen für die Rücken-Arme, statt für 
Stacheln, anzusehen seyn; die 5 Rinnen um den Mund wären die der 
Haupt-Arme. Auch stehen noch 5 trichterförmige Öffnungen um densel- 
ben. Eine Art, fossil, in Kreide. 

1. Gl. paradoxus G. 

23. Ganymeda Gr. Hiemit verhält es sich, wie mit Glenotre- 
mites, wovon sich dieses Genus durch den Mangel der 5 Trichter-Öff- 
nungen und der 5 damit abwechselnden Rinnen um den, Mund unter- 
scheidet. Der niedergedrückte Raum des Scheitels ist viereckig. - Eine 
Art, . lebend. | 
1. G. pulchella Gr. 

24. Marsupites Manr. (Marsupium Kön., Marsupiocrinites Braınv.) 
Scheibe aus grossen vieleckigen Täfelchen, wovon eines in der Mitte des 
Rücken-Scheitels liegt, ohne Spur eines angeheftet gewesenen Stieles. 
Drei Kreise von Täfelchen bilden die Seiten der Scheibe, welche die Ge- 
stalt eines Beutels hat, auf dessen Rande 5 Arme stehen. Der Mund 
ist noch von vielen kleinen Täfelchen umgeben. Eine fossile Art in 
Kreide. 

1, M. ornatusM. 

In die Nähe dieses Geschlechts gehören vielleicht die schon oben 
angeführten Täfelchen von Asterias scutata, A. stellifera und 
A. tabulata. 


‚- 25. Phytocrinus Buaıv. (Hibernula Frem., Pentacrinus Tuomps.) 
Stiel rund und gegliedert, kahl. Scheibe rund, auf dem Rücken aus 
einem Stücke, welches einer Kreis einfacher Rücken-Arme und näher 
‘am Rande einen Kreis gegabelter und vom Aten Gliede an gefiederter 
Arme trägt; die ersten Glieder derselben berühren sich mit der Basis. 
Zine Art, lebend. 


v4 


_ 231 — 


Ph. Europaeus BLaınv. (Pentaerinus Europaeus Tuomps, ®), 

796. Pentacrinus Mır. (Pentagonites Rırr.) Stiel mehr 
oder weniger 5kantig, mit entfernt stehenden Wirteln einfacher Äste. 
Die Scheiben-Arme an den Stiel befestigt, jeder mittelst eines keilförmi- 
gen Stückes, wonach 2 einfache Täfelchen folgen, worauf sich die Arme 
einmal, später zum 2ten Male gabeln und sich endlich in viele an den 
Rändern gefiederte Anhänge theilen. Die Eingeweide-Höhle zwischen 
derBasis der Strahlen ist von oben mit vielen kleinen Täfelchen bedeckt. 
Arten: eine lebend und viele fossile ”*) in Muschelkalk, in Jura-, Kreide- 
und Tertiär-Bildungen. Man könnte diejenigen als Cladocrinus be- 
zeichnen, deren Hüifs-Arme entfernt stehende Wirtel bilden. 


1. P. dubius Goror, - 9. P.scalaris GoLpr. 

2. P. basaltiformis MıLt. 10. P. subangularis Mııt, 

3. P. Briareus Mıır. 11. P. scriptus Röm. 

4. P. cingulatus Münsr, 12. P. subsulcatus Münsr. 

5. P. moniliferus Münsr. (nicht MıtL.) 13. P.subteres Münsr. » 

6. P. annulatus Röm. 14. P!tuberculatus Mırt. 

7. P. pentagonalis GoLpr, 15. P. moniliformis Mırr. (nicht Müxsr.) 
8. P. laevis Mıtr. 16. P. subbasaltiformis MıLı. 


P. caput Medusae Miırr. (lebend.) 


27. Isocrinus H. v. Mey. Den Pentacrinen sehr nahe; der Stiel 
mit einfachen Armen. Aber die ersten Glieder der Scheiben-Strahlen 
bilden keine (keilförmige) Vorsprünge; dagegen ist der obere Theil des 
Stieles mehr entwickelt. Eine Art, fossil, in Jura-Kalk. 

4. J. pendulus v. Mey. 


28. Encrinus Gurrr. Stiel rund und glatt; Scheibenstrahlen an 
ihrer Basis gebildet aus 3 aufeinander folgenden einfachen Gliedern, auf 
deren letzten sich 2 Reihen kleinerer Glieder einlenken, deren jeder noch 
weiterhin 2 gegliederte und gefiederte, auf ihrer Basis bewegliche Arme 
trägt. Arten zwei in Muschelkalk. 

1, E. liliiformis auctt. 2. E. Schlotheimii @uenst. 


29. Apiocrinus““*) Mırr. (Astropoda Derr., Ceriocrinus Kön. ; 
Pomatocrinus et Symphytocrinus Kön.) Stiel rund und glatt, aufwärts 
gegen die Strahlen allmählich verdeckt, welche zuerst aus je 3 aufeinan- 
der liegenden Gliedern in Wechselstellung mit 5 vom Stiel abgetrennten 
Täfeichen bestehen, sich dann gabelu und fiederartig werden. Basis.des 
Stieles verdickt. Alle Arten fossil in Jura- und Kreide-Bildungen. 


1. A. elongatus Mıtı. 6. A. obconicus G. 
2. A. flexuosus G, 7. A. Prattii Gr. 

8. A. incrassatus Röm. 8. A. rosaceus SCH. 
4. A. mespiliformis ScHLoTH. 9. A. ellipticus MırL. 


5. A.Milleri Scn. 


*) Tuompsor sucht neuerlich zu beweisen, dass dieses Thier nur die jugendliche Form 
! von Comatula seye, die sich bereits vom Stiele abgelöst und mehr Fiederchen 
aus den Armen getrieben habe, y Br. 
s*) Da der Vf. den Charakter nicht hauptsächlich i in die Zeichnungen der Gelenkflächen 
der Stielglieder setzt, so fällt die Art des Übergangskalks weg. 
**:) Um die ohnehin langen Namen abzukürzen, verwandelt der Vf. Apiocrinites in 
Apriocrinus u.s.w. — Die zweifelhafteren Arten übergeht er für jetzt uoch. 


- 12335 — 


30. Eugeniacrinus Mırz. (Symphytocrinus Kön.) Stiel rund 
und nackt, aus wenigen, langen Gliedern. Jeder der 5 (selten 4) Strah- 
len hat in seiner Basis ein starkes, verdicktes Glied, das mit seinen 
Nachbarn verschmolzen ist; .... . ob sie sich verästeln, ist nicht be- 
kannt (E. mespiliformis Gorpr. aus Grauwacke scheint ein ande- 
res Genus zu bilden). Alle Arten fossil, in Jurabildungen. 


1. E. caryophyllatus Goıpr, 5. E.moniliformis Münst. 
1. E. compressus pi 6. E.nutans Gor.or. 

3. E. Hausmanni Röm. : 7. E. pyriformis Münst. 

4. E. Hoferi Münst. 8. E. quinquangularis Mıır, 


31. Solacrinus Goupr. Scheint auf den ersten Anblick vom vo- 
rigen nur abzuweichen durch besondere kleine Glieder zwischen der 
Basis der Strahlen. Dennoch scheint es sich den Comateln und Gleno- 
tremiten mehr zu nähern. Stiel sehr kurz, an seinem unteren Ende ab- 
gerundet, daher wahrscheinlich nicht angewachsen; auf seiner Oberfläche 
mit Eindrücken versehen, welche zur Anheftung von Armen, wie die Rücken- 
Arme der Comateln sind. Arten 3 fossile, in Jura-Gebilden. 


1. S. costatus GoLprF. 3. S. Jägeri GoLpr. 
2. S.scerobiculatus Münsr. 


32. Rhodocrinus Mırı. Stiel gerundet, Nahrungs-Kanal 5kan- 
tig; Basis der 5 Haupt-Strahlen aus 5 kleinen Gliedern, über denen sich 
je 2 etwas grössere erheben, worauf kleinere und minder regelmässige 
Täfelchen die Eingeweide-Höhle von unten schliessen, von deren Rande 
5 wie bei Pentacrinus verästelte Strahlen entspringen. Arten fossil, in 
Grauwacke und Koblenkalkstein. Scnuorseims Rh.echinatus mit ge- 
stacheltem Stiele aus Jurakalk wird wohl ein besonderes Genus bilden. *) 


1. Rh. canaliculatus Goıpr, 4, Rh. crenatus G. 
2. Rh. gyratus G. 5. Rl. verusM, 
3. R. quinquepartitus G. 6. Rh, quinquangularisM, 


33. Actinocrinus Miırr. (Rhodocrinus Kön.) Verschieden vom 
vorigen durch einen runden Nahrungskanal, durch zahlreichere und nin- 
der regelmässig gestellte Täfelehen an der Seite der Scheibe. Arten 
fossil in Grauwacke und Koblenkalk. | 


1. A. cingulatus GoLpr, 7. A.laevis M. 

2. A. granulatus G. 8. A. polydactylusM, 

3. A. moniliformis MıtL. 9. A.tesseratus G, 

4. A. muricatus G. 10. A. triacontadactylus M, 

5. A. nodulosus G. ll. A. tesseracontadactylusM. 


6. A. Gothlandicus G. 

34. Melocrinus Gorpor. Von beiden vorigen nur dadurch ver- 
schieden, dass die Basen der 5 Hauptstrahlen mit 5 Täfelchen am Ende 
des Stieles abwechseln, und die Täfelchen, welche die Eingeweide-Höhle 
oben schliessen, grösser als jene sind, welche zwischen der Basis der 
Strahlen stehen. Arten fossil in Grauwacke und Kohlenkalkstein. 

1. M. gibbosus G. 2.M.laevisG. 3. M. hieroglyphicus G. 


*%) Er dürfte dem Apiocr. Goldfussii VoLtz angehören. Br. 


y 


a 


35, Eucalyptocrinus Goror. Eingeweide-Höhle geräumig; am 
Grunde umgeben von 5 Täfelchen, welche wit 3 Reihen von 10 Täfelchen 
wechseln, auf deren Rand die Strahlen eingefügt sind. Eine Art in 
Grauwacke. 

4. E.rosaceus G. 

36. Poterioerinus Mırr. Stiel rund mit rundem Kanal, Ein- 
geweide-Höhle seitlich mit 3 Wechselreihen aus je 5 grossen 6seitigen 
Täfelchen, wovon die oberen 5 gabelige Strahlen aus verlängerten Glie- 
dern tragen. Arten fossil in Kohlenkalk. 

4.'P. crassus M. . 2. P,tenuisM. 

37. Platycrinus Mırr. Basis der Strahlen aus 5 grossen Täfel- 
chen, welche unter sich zusammenhängen und mit vom Ende des Stieles 
abgesonderten Stücken in Wechsel stehen. Auf ibrem Rande stehen die 
5 Strahlen, zwischen deren Basen man 5 kleinere Täfelchen unterschei- 
det; andere sehr kleine schliessen die Eingeweid-Höhle von oben. Arten 
fossil in Grauwacke und Kohlenkalk. 


ı. Pl. ventricosus G. ' 5. Pl.striatusM. 

2, Pl. granulatus M.. 6. Pl. laevis M. 

3. Pl. pentangularis M. 7. Pl. tuberculatus M, 
4, Pl.rugosusM. 8. Pl. depressus G, 


38. Cyathocrinus Mırz. Zwei Reihen (statt einer, wie bei 
vorigem) von grosse Täfelchen um die Eingeweide-Höhle, Zwischen 
dem Grunde der Strahlen ein kleines sechsseitiges Täfelchen.  Siiel- 
rund oder 5kantig, mit kleinen einfachen Hülfsarmen. Arten fossil, in 
Grauwacke und Kohblenkalk. 

4. C. geometricus G. 5. C.planusM., 

2. C. primatus G. 6. C. quinquangularisM, 
3. C. rugosus M. 7. C. abbreviatus M. 

4. C. tuberculatusM. 8. C. pentagonus G. 

39. Sphaeronites Hıisınser (Echinosphaerites WAHLENBERG). 
Der Vf. kennt nur unvollständige Exemplare. Das Genus steht Cyatho- 
erinus sehr nahe. Arten fossil, in Grauwacke. 

4. S. pomum Hıs. S. granatum WAHLENB,. 
2. S. aurantium WARLENB. S. Walılenbergii Esmark. 

40. Caryocrinus Say. Eingeweid-Höhle umgeben von viel- 
seitigen Täfelchen, welche 2 Reihen von 6 und eine von 8 Täfelchen 
bilden, deren 4 zweitheilige Strahlen tragen. Arten fossil; in Grauwacke. 
4. C. ornatus Say. 2. C. loricatus SaY. | 

41. Cupressocrinus Goror. Stiel rund; Kanal kreuzförmig; 
an seinem Ende 5 verdickte Stücke, zwischen welchen die 2 ersten und 
kleinsten von der Basis der Strahlen eingelenkt sind, auf denen sich 
grössere in Form von Pyramiden erheben, auf deren Rändern kleine be- 
wegliche Anhänge stehen. Arten fossil, in Grauwacke (C. gracilis GoLpr. 
scheint eher ein Cyathocrinus.) 


C. erassus G. 


42. Pentremites Sar. Körper etwas 5kantig; auf sehr kurzem 


= BER 


Stiele erheben sich 5 getrennte Stücke, über denen 5 Strahlen von Py- 
ramiden-Form, wie die Zwischenstrahlen-Felder der Echiniden stehen; 
dazwischen 5 Strahlenfelder, die an der obern Fläche des Körpers sehr 
breit sind, und an dessen Spitze 5 grosse Löcher damit in Wechsel 
stehen. Dieses Genus nimmt mithin an den Charakteren aller Echino-. 
dermen-Familien Statt, wie es eines der ältesten ist. 


1. P. florealis Say, 4. P. pyriformis Sav. 
2. P. ovalis Say. 5. P. ellipticus Sow. 
3. P. Derbyensis Sow. 6. P. globosus Sax. 


Becks: über das Vorkommen fossiler Knochen in dem 
aufgeschwemmten Boden des Münsterlandes (Karst. Arch. f« 
Min., 1835, VIII, 390—417, Taf. IV und V.) Das Diluvial-Land im 
Münsterschen, überall unmittelbar auf Kreide liegend, besteht in Thon 
und Sand, wovon der letztere da, wo beide Gebilde zusammen vorkom- 
men, stets über dem Thone liegt, eine gelbe oder eine schwärzliche 
Farbe besitzt und eine Mächtigkeit von 20’—30° erreicht, wesshalb der 
Thon nur da aufgeschlossen zu seyn pflegt, wo Flussbetten tiefer ein» 
schneiden, oder Brunnen u. dgl. gegraben werden. Der Thon allein ist 
es, welcher die fossilen Knochen enthält, nie der Sand; wesshalb diese 
denn auch nur längs der Flussbetten gefunden zu werden pflegen, wie 
‘an der Lippe, der Ems und der Werse. Am reichsten hat sich aber 
das Lippe-Bett erwiesen, wo die Knochen von oberlalb Lippstädt an ab- 
wärts bis Dorsten gefunden worden sind: wohl desswegen hauptsächlich, 
weil die Schifffahrt und die für sie nöthigen Flussbauten an diesem 
Flusse mehr Veranlassung gegeben haben. Die Knochen pflegen überall 
nur einzeln vorzukommen; nur bei der Stadt @esecke wurde 1833 auf 
dem Wege nach Büren ein ganzes Elephanten- Skelett, aber in einem 
völlig aufgelockerten und zerfallenen Zustande gefunden. Alle Kuochen 
mit Ausnahme der Pferde-Gebeine haben ihre sämmtliche Gallerte ein- 
gebüsst. Wenn sie im Trocknen aufbewahrt werden, so schälen sich 
allmählich viele dünne Lagen von deren Oberfläche ab, bis der ganze 
Knochen zerfallen ist. Sie lassen sich nur dadurch aufbewahren , dass 
man sie mehrmals mit Auflösungen von Gummi arabicum tränkt, nach 
dem man den entstandenen Überzug inzwischen jedesmal wieder trocken 
werden liess. Die meisten der aufgefundenen Knochen sind in das Museum. 
zu Münster, andere in das des Fürsten Bentuzım gekommen, einige sind 
für jenes zu Bonn erworben worden; einzelne finden sich in den Hän- 
den von Privatleuten. Alle unten genannten Reste stehen in dem erste- 
ren beisammen; alle, von welchen nicht ein anderer Fundort angegeben 
worden, stammen von der Lippe. Es sind: | 

I. Von Elephanten: mehrere Stosszähne bis von 7' Länge; — 
mehrere Backenzähne auf verschiedenen Graden der Abnutzung, 004 
bis 0m09 breit, mit 12 — 15 Lamellen, alle von E. primigenius her- 
rührend, — ein beschädigter Atlas, 0,16 lang, — wie ein erster Rückenwirbel 


m 


_ 1238: — 


ebenfalls etwas beschädigt, mit 0,07 langem Körper und 0,07 weitem 
Kanale; — mehrere Rippen, wovon eine vollständige über die Wölbung 
0,87 Länge zeigt; — vom Becken das ungenannte Bein meh } Is, wor- 
unter sich das besterhaltene durch zwei Merkmale von dem des E. pri- 
migenius bei Cuvıer unterscheidet, indem nämlich die Pfanne 0,16 
Durchmesser, das ovale Loch fast 0,14 Länge und fast 0,07 Breite be- 
sitzt, während Cuvier bei letztgenannter Art für die Pfanne 5‘ und für 
die Länge des ovalen Loches 6‘'6‘'‘ umgibt (Ann. Mus. VIII, 256), und 
iadem zwischen dem oberen Ende des Schambeines und dem innern 
Rande der Pfanne eine fast kreisförmige Vertiefung von fast 0,05 
Durchmesser vorkommt, welche sich gegen das Schambein hin ausebne 
und in der von Cuvıer gegebenen Abbildung nicht bemerkt wird, so dass 


dieses Becken eine andere Art anzudeuten scheint. — Ferver ein Ober- 
schenkelbein , ohne Epiphysen 0,83 lang, mehrere Oberarmbeine , stets 
ohne :obern Kopf, — zwei Ellenbogenröbren ohne untere Enden, — eine 


Speiche ohne untere Epiphyse. 


II. Vom Rhinozeros: mehrere Backenzähne, ganz ähnlich denen 
bei Cuvier (Ann. du Mus. VI, pl. ı, fig. 1—3, undlll, pl. ıu, fig.1,5), — 
einige nicht ganz vollständige Oberarmbeine, — zwei durchaus vollstän- 
dige linke Speichen von 0,37 Länge mit 0,12 breiter oberer und 0,14 
breiter unterer Gelenk-Rolle, — eine Ellenbogenröhre, — einige Atlasse, 
worunter einer dem bei Cuvier (I. c. VII, T£f. vn, Fg. 7) entspricht, der 
andere von einer abweichenden Art ist, und welche der Vf. beide ver-' 
gleichungsweise abbildet (Tf. 1V, Fig. A und B) und beschreibt; er hat 
an des Basis der obern (vordern ?) Randes seiner Queerfortsätze eine viel ge- 
ringere Ausschweifung von nur 3‘ statt 13‘ Breite etc. Keine dieser 
zwei Nashorn-Arten wird vom Vf. näher bestimint. 


UI Vom Ochsen, und zwar dem Lithauischen Bos urus!’ ein 
Schädel mit gewaltigen, 2‘ vor der Hinterhauptleiste entspringenden Horn- 
zapfeu u. e. a. Reste; einige aus dem Werse-Bett. 


IV. Von Hirschen: Zwei unvollständige Schädel, mehrere Ge- 
weih-Stücke und einige Knochen der Extremitäten. Das charakteristische 
Schädel-Stück ist Taf. V (Fig. 1— 3) abgebildet; auch ein dort vorge- 
fundenes ‚Geweihstück (Fg. 4), welches unten am Rosenstock abgebro- 
chen, unten etwas platt gedrückt, 0,09 dick, 0,38 lang erhalten, nach 
oben schaufelförmig verflächt, am Ende 0,05 dick und über 0,15 breit, 
und durchaus ohne Augsprossen ist, daher offenbar einer ausgestorbenen. 
Art [dem Hirsch mit dem Riesengeweih?] angehört hat. Der zweite 
Kopf jedoch scheint dem Vf. nur geschlechtlich vom vorigen verschieden 
zu seyn, da er kleiner, ohne Geweih-Zapfen, an der Stirne schmäler 
und mit schwächerer Hinterhauptleiste versehen ist. Vom gemeinen 
Edelhirsch sind mehrere Geweihe im Werse-Bett vorgekommen. 

V. Vom Pferde: Backenzähne u. a. Theile, ganz mit denen des 
gemeinen Pferdes übereinkommend, auch durch ihren Gehalt an Gallerte 
ein jüngeres Alter verrathend, obschon sie in gleichen Gegenden (Lippe) 


Ri: 1 er 


wie vorige Arten gefunden worden. Doch ist die Gleichheit der Schich- 
ten nirgends nachgewiesen. 

Der Vf. findet die Erklärung schwierig, wie der nordische Auerochse 
in demselben tropischen Klima wie die Elephanten und Nashorne habe 
leben können, und möchte daher vermuthen, dass, trotz der Ähnlichkeit 
in den einzelnen Knochen, die fossile Art von der lebenden verschieden 
gewesen seye, 


, 


Desnayes: Berichtigte Bestimmungen einer von AÄNDRzE- 
sowskı an Bov£ geschickten Sammlung fossiler Konchylien 
Podvliens (Bullet. geol. 1835, VI, 321—32.) 


ANDRZEJOWSKT’s DESHAYES” ANDRZEJOWSKI’S DEsHAYESs’ 

I N A A m ——__ nn 
Benennungen. Benennungen. 
Corbula |Cytherea .,- 

gibba Corbula gibba| eryeina Cytherea?Ery- 

n. Sp»  eina. 

Volhynica einzige Art, Venus 

elliptica der C. nucleus| tricuspis | Venus 

Gaetani sehr nahe, littorea N 
Lutraria Lutraria ellip- | Astarte 

tica var. incrassata Astarte in- 
Mactra / crassata. 
_ eyrena Mactran.sp. pulchella Venus radiata 
triangula ? jun. 

striateHli ist die erste Art. senilis Cytherea mul- 

chamata Mactran. sp. tilamel. var 
Erycina Puschii Oytherean.sp. 

macrodon Corbula =. sp». pseudodysera Venus casina 
affin, C. eom. auricularis. = oe 
planatae. staDun, 
apelina dieselbe. 4 obtusa 

R planata 
Amphidesma Sepg.M. 


elliptica Amphidesma el-| Cardium 
liptica. eiliare Cardium echi- 
Tellina natum 
rostralina Tellina?%juvenilis) Le&.var. 
Donax Donax. Pallasianum R exigu- 
Lucina um Mont. 
irtegularis Lucina gibbo-| _semialatum 5 obli- 
sula Lmk. quum 
nummularia Luecinanummn- Jun. 
larian. sp.| verrucosum x N. sp. 
columbella „  eolum-.| obliquum & n.3D.);. 
bellavar, lithopodolicum- | nieht C. obli- 
notabilis. quum Lmk. 
nivea on: niveanm. pusillum €. praeced. 
sp. quadrangulum | Jun, 
eburnea »„  eburnea | Venericardia' 
- 9.3. |  aculeata Venericardia 
Cytherea i N. SD. 
nitens Cytherea chio-| Planicosta Venericardia 
ne var. brevior, 4 n. sp. 


Jahrgang 1837. 


16 


x 


20 — 


ÄNDREJOwsKI’s Desnayrs’”. * ANDRZEJOWSKI’s. Desnavzs’ 
DD — m Dr 
Benennungen. Benennungen, 

Venericardia Venericardia Turbo 
orbicularis suleata' GRaneneneis 
tunculiel en wer. können blei- 
-numismalis Pecetunculus. 'scobina- E 
affınis De ID» Monodont 
: Pect.  ?glycime- mer 
orbieulus RN sıy Araonis Monodonta eo- 
Plumstedicus Pect. Plumste- Y ratkıue 
diensis. ar mammilla Monodonta,bleibt, 
variabilis Pect. eglyeime-|Rissoa 
ris var. striatuläa Rissoa cochlea- 
nummiformis Peet. ar obigem nu- rella 
4 mısmalls, . 2 E 
" ar semicostata Riss, cost 
gracilis Picet. gracilis =. |  inflata : ostatavaur, 
" sp- turbinea x \ Ar: 
rca i 
barbata Arcabarbata ne 2 lim kei 
Rue Arcalactea'var, reticulata „ bleibt. 
Nucula . |Melania a 
margaritacea N ne margsarı-| Bichwaldi Melania spira- 
AR lissima Dus, 
lsocardia unbestimmb. Kern. rugulosa Melania N bleibt 
? varicosa x 4 h 


Chama 


pseudogryphina Le.Chama asper illa 


squamosa 


Mytilus ® 
plebejus 


navicula 
marginata 


Spondylus 


antediluvianus 


Pecten 
Besseri 


elegans 
striatus 
graeilis 
Calyptraea 
Duboisii 
Turritella, 
bicarinata. 
Archimedis 
fasciata 
Trochus 
atulus 
; % 
turgidulus 


ereaulatus 


Puschii 


‚granulato striatus x 


celina 
subcarinatus 


Andrzejowskii 


striatus 
Zukowcensis 


Lk. 
Chama unbestimm- 
bar. 


?2Modiola ceym- 
baeformis SEDEG. 


Modiola navi- 
cula 

Modiolamargi- 
nata. 


Plicatulı 


Pecten ?Burdi- 
galensis var. 
Pecten elegans 


Pecten striatus 
Pecten graeilis 
Patella 


Turrit. terebra 
Lm«K. 
Turrit. Archim:- 


dis, 
Turrit. Archime- 
dis var. 


Trochus patulus 
lis Sepew. M. 
Trochus:. turgi- 

dulus. 
Trochus Daude- 
 _ bardivaer, 
Trochus Puschii 
granu- 

lato striatus 
Trochus celina 
» n. sp. 
“ jowskii; 
‘Trochus striatus 

2 ?conu- 

lus vur. 


variabi- 


eV 
m nn 
— 


? melanopsis 


Neritina 
ornatula 


Natica 
? spadicea 


epiglottina Pusch. 


helicina Lmk. 


Fusus 
acutiformis 
‚polygonatus 


Pleurotoma 
tuberculata 


suturalis _ 
glaberrima 
minuia 
gracilis 
Cerithium 
plicatum 


pygmaeum 


Campanicum , 
gibbosum 
rubiginosum 
calculosum 
baccatum 


pietum 


coronatum 
Turritella 
Triton 
Eichwaldii 
enncellinus 
Murex 
plicatus 
angulosus 
‚scabridus 
tortuosus 


» acuta, 
bleibt. 
Natica Guille- 


mini PayrR, ' 
Natica ?Dillwy- 
nii,. 

Natica maculo- 
sae uffin. 


Fusus bleibt. 
x sublava-, 
tus Basrt, 


Pleurotoma tu- 


berculosa., 
Pleur. id. 


» » 
» 


var, 


{ bleibt. 
\ 


” » 


Cerithium ». sp. 


Cerith. (Latreil- 
lii PaxR, 
reticu- 
latum. 
bleibt, 

* N. sp. 
„ pictum 
var. 

Cerithium pie- 

tum var. 


Cerithium id. 
Cerithium id. » 


Triton cbleibt,) 
jun. 


Murexm. sp. 


- N bleibt. 


ur 21411 — 


' 
\ 


ANDRZEIOwsRT’s Desuaxes’ ANDRZEJOWSKI’S DESHATER’ 
m ——_ nn | m nn 
Benennungen, Benennungen, 
| 
Bulla Cyelostoma 
Lajonkairiana var, Bulla n. sp. !  Bialozurcense Cyelostoma! peibt. 
. |  rotundatum N 
Lichtensteinii e bleibt. | 
lignarioides o bleibt, 1 


H. RB. Görrert: über den Zustand, in welchem sich dieg 
fossilen Pflanzen befinden, und über den Versteinerungs- _ 
Process insbesondere (PoserNnD. Annal. d. Phys. 1836, XXXVII,® 
561—573, und XXXIX,, 222—223). Wir haben schon eine vorläufige 
Nachricht über diesen Gegenstand mitgetheilt (Jahrb. 1837, 8. 117.) 
Hier das Ausführlichere. Verwandlung durch Feuer. Gewöhnlich 
liegen Pflanzentheile älterer Formationen wie verkohlt, höchst selten aber 
nur gebräunt, noch völlig biegsam und wie getrocknet zwischen den 
Schieferplatten. Doch hat der Vf. einen Saamen der Art aus der Por- 
phyrkohlen-Formation von Charlottenbrunn und eine neue Alethopteris 
in weisslichem Thone der Steinkohlen-Formatiion aus den Thoneisenstein- 
gruben von Kreutzburg in Oberschlesien vor sich.”) An ersteren 
kann man die zellige Struktur, an letztern die gestreiften Gefässe der 
Blattnerven, das Zellgewebe des Parenchyms, die netzförmige Oberhaut 
und sogar die Stomate wieder erkennen. Nach dem Glühen der Stein- ° 
kohlen-Fahren bleibt, wie an denen der Jetztwelt, ein aus Kali bestehen- 
des Skelett zurück, welches aber durch Wasser bis auf einen kleinen 
kieseligen Rückstand sogleich aufgelöst wird, zum Beweise, dass vor 
oder während der Einschliessung diese Pflanzen in Thon das Wasser unmög- 
lich lange auf dieselben eingewirkt haben könne, wie denn auch Karsten bei 
der chemischen Zerlegung des fossilen Holzes und der Braunkohle kein 
feuerbeständiges Alkali erhielt. — Bıingt man frische Fahren, Dikotyle-' 
donen u. s. w. zwischen weiche 'Tbonplatten, trocknet diese im Schatten 
und erhitzt sie allmählich bis zum Glühen, so kaun man den fossilen 
Pflanzen täuschend. ähnliche Produkte erhalten: von dem gebräunten bis 
-zum völlig verkohlten Zustande, selten jedoch glänzend schwarz auf der 
Platte fest anliegend ; bei anhaltendem Glühen bis zur Zerstörung alles 
Organischen bleibt der blosse Abdruck zurück, wie von den Pflanzen in 
der Schlesischen Grauwacke, im Kohlensandstein und von den zablrei- 
chen Dikotyledonenblättern in Quadersandstein. Die geringe Menge von 
Kohlenstoff, welche die Pflauze liefert, durchdringt dabei die benachbar- 
ten Thonlager bis zu völliger Schwärzung,, woraus hervorgeht, dass 
man die schwarze Farbe der Kohlenschiefer nicht von beigemengter 
Steinkohle herzuleiten brauche, so wenig als die in den fossilen Ab- 
drücken enthaltene schwarze Masse als Steinkohlenmasse zu erklären 


*) Derselbe Fall tritt sehr ausgezeichnet ein bei den Cycadeen der neuen Welt 
bei Basel. en Br. 


u 

ist. — Nichts an den in Schlesien, Berlin und Prag untersuchten Pflan- 
zen der Steinkohlen-Formation verrieth dem Vf. die Spur einer durch 
Fäulniss veranlassten Destruktion, wesshalb man annehmen kann, dass 
die Steinkohlen-Formation ein vollständiges Bild der damaligen Vegetation 
liefere, und auf Linorry’s Versuche über die verschiedene Einwirkung 
von Fäulniss auf verschiedene Pflanzen-Familien nicht zu grosses Ge- 
wicht legen darf. 

Einwirkung des Wassers. Dieser Resultate ungeachtet glaubt 
der Vf. doch, dass die Umbildung der fossilen Pflanzen viel häufiger 

Gzuf nassem, als auf trockenem Wege erfolgt seye, weil er sich sonst 
=. die oft an einem und demselben Holzstücke vorkommende lagen- _ 
eise Verwandlung in Holz, Kohle oder Stein genügend zu erklären 
wüsste ‚ welche schon im XVI. Jahrhundert Bartuasar Kuein und 
Maıruiorus (epist. edit. Bausm. III, p. 142, Lugd. Bat. 1564) beobachtet 
haben. Die Pflanzen-Reste der Braunkoble sind oft nicht verkohlt, son- 
dern nur getrocknet und von demjenigen Holze wenig unterscheidbar, 
das eine Zeit lang in Wasser gelegen. 

Die Versteinerung der wirklich versteinerten Pflanzentheile liess 
Acrıcora (lid. III de ortu et causis subterran. p. 507; lid. VL de na- 
tura fossilium p. 639) durch einen in die Zwischenräume eindringenden, 
steinhaltigen Saft geschehen. ScHEUCHZER, WALCH, SCHULZE, SCHRÖTER, 
Waruerivus d. ä. kamen in der Ansicht überein, dass bei der Versteine- 
rung gewisse Theile durch Exhalation — welche bei Pflanzen durch Ver- 

.erdung, bei Thieren durch Calcination bewirkt werde — ausgeschieden 
und dann durch erdige und metallische ersetzt würden. Neuer- 
lich hat Niemand den Prozess durch Experimente weiter verfolgt, und 
Farıvay erklärte ihn zu Anfang des Jahrs 1836 für völlig unbekannt, 
indem alle neueren angeblichen. Versteinerungen. blosse Überziehungen 
mit kieseligen und kalkigen Stoffen ohne die sonst gewöhnliche schöne 
Erhaltung der organischen Form seyen. (The Lancett, 1836. Feb.6 > 
Frorızr Notitz., 1836, Mai, XLVIII, 246—247.) Inzwischen gelingt 
der Versuch leicht und in unerwartet kurzer Zeit sehr wohl. Legt man 
Pflanzentheile in eine mässig konzentrirte Auflösung von schwefelsaurem 
Eisen einige Tage oder Wochen lang, so lange nämlich, bis die Aus- 
scheidung desselben an ihren äusseren Tbeilen eine hinreichende Sätti- 
gung andeutet, trocknet sie ab und glühet sie, bis sich ihr Volumen 
nicht mehr ändert oder jede Spur organischer Substanz verschwunden 
ist, so erhält man beim Erkalten das hiebei gebildete Oxyd in Gestalt 
der Pflanze wieder.‘ Vertikal-Schnitte von Pinus sylvestris zeigten 
noch dieser Behandlung die punktirten Gefässe noch, Fahren-ihrer Spo- 
rangien; Blüthenstaub und selbst Pilze wie Agaricus deliciosus und Cia- 
varia flava erhielten sich trefflich. Versuche mit Kieselerde gediehen 

‚ am besten bei Anwendung der Kieselfluor-Wasserstoffsäure, deren Fluor- 
säure sich beim Brennen verflüchtigt und die Kieselerde in Form der 
Pflanze zurücklässt. So gelangt man auch mit den übrigen Erden und 
Metallen zum Ziele, wenn man Verbindungen wählt, deren Säure durch 


— Mi — 


die Hitze leicht zersetzt wird, wie*essigsaure Kalk-, Schwer- und Thon- 
Erde, welche in kohlsaure Verbindungen, — salpetersaures Silber , salz- 
saures Gold und Platin, welche in regulinisches Metall, — essig- 
saures Kupfer, welches in braunes, — essigsaures Nickel und sau- 
res chromsaures Kali, welches in olivengrünes, — essigsaures 
‘ Blei, welches in gelbes, — Mangan, welches in metallisch glän- 
zendes Oxyd, — Kobalt, Wolfram und Molybdän, welche ebenfalls in 
Oxyde, mehr oder weniger mit Beibehaltung der organischen Struktur 
verwandelt werden, Je mehr Gefässe und je weniger Zellgewebe und 
Kali ein Pflanzentheil enthält, desto besser gelingen die Versuche, u. u 
Daher Kraut-artige Pflanzen sich zur Erhaltung auf diesem Wege so 
wenig eignen. — Legt man das Präparat in Wasser, so löst sich das 
noch vorhandene Kali-Skelett auf, und man sieht sodann deutlicher, dass 
die Fasern, Zellen und Gefässe selbst in Erde oder Metall verwandelt, 
und nicht bloss damit erfüllt oder überzogen sind. Bei Verwandlungen 
in regulinisches Metall darf man das Glühetı nicht über 4 Stunde fort- 
Setzen, weil sonst das Metall zusammensintert und hiedurch die Struktur 
alterirt wird. Enthält eine Pflanze zu viel Kali, so löst sich fast Alles 
wieder in Wasser auf, und es bleiben nur einzelne auseinanderfallende 
Gefässe oder Zellen zurück. So ergibt sich von dieser Seite allerdings 
eine Andeutung darüber, welche vorweltliche Pflanzen ohne Hinterlas- 
sung einer .Spur untergegangen seyn dürften. — Auch faserige und 
überhaupt härtere thierische Theile (Krebs-Muskeln, Insekten-Flügel und 
-Fübler, Infusorien etc.) sind zur nämlichen Behandlung geeignet; aber 


der Versuch misslingt um so mehr, je mehr Fett’ diese Theile enthalten, _ 


da sich dieses beim Glühen aufblähet und das Ganze in eine formlose 
Masse verwandelt. — Somit ergibt sich, dass der natürliche Versteine- 
rungs-Prozess mit einer Imprägnation begann, wonach das Organische 
entweder durch hohe Temperatur , oder auf nassen Wege, oder wahr- 
scheinlich durch allmähliche stille Verwesung entfernt wurde. 


Pflauzen eine Zeit lang in Kiesel-Fluorwasserstoff-Säure gelegt, er- 


halten einen hellen und durchsichtigen Chalcedon-Überzug (wie Hyalith,) 


\ 


/ 


Virrer: über die Thierfährten im Sandstein von Hild- 
burghausen (Bullet. geol. 1836, VIII, 220—224.) V. will nur eine 
Beschreibung des Gegenstandes geben, ohne sich auf eine Deutung der 
Thiere einzulassen, von welchen diese Fährten herstammen ; nur bemerkt 
er, dass die Netz-förmigen Figuren auf der Oberfliche der Gesteins- 
schicht eine auf denjenigen Flächen mancher Sandsteine, welche auf sich 
stärker zusammenziehenden thonigen Schichten aufliegen, gewöhnliche 
Erscheinung seye. Da übrigens der Vf. die nämliche Platte vor sich 
hat, welche Kesster auf seiner I. Tafel abgebildet und wovon schon in 
diesem Jahrbuche (1837, S. 111) die Rede gewesen, so müssen wir uns 
sehr wundern, durch diese nur zur Feststellung der Thatsachen bestimmte 


4 


—_— 41 — 


Beschreibung , den Sıckrer’schen und Kesszer’schen Mittheilungen ge- 
genüber, zu erfahren: 1) dass die Vorderfüsse der grossen Thiere (Ch i- 
‘rotherium m ajus) nur dreizehig seyen; 2) dass das zweite Thier 
(Ch. minus) nur. ein kleineres Individuum des vorigen sey; 3) dass 
beiderlei Füsse des dritten Thieres nur vierzehig seyen, 4) dass es nur 
5 Schritte auf dieser Steinplatte gemacht (KessLer zeichnet 6 Schritte 
mit 7 Fährten-Paaren) und 5) dass die Fährten wie beim Hunde gestellt 
seyen! Später (S. 260) will er Croıser’s Ansicht (s. nachher) über den 
Daumen ‚nicht für unmöglich halten, und gibt nach Mıcaruin an, dass 
die zwei ersten Individuen zweien Arten angehören sollen. 


Croızer eben darüber (ibid. S. 259—260.) Cr. hatte dieselbe 
Platte mit VirLer untersucht, dieselben thatsächlichen Resultate erhalten,und 
ist über den unorganischen Ursprung der angeblichen Pflanzenwurzeln 
mit ihm gleicher Meinung; leitet aber 2) die Fährten der zwei ersten 
Thiere von einem Reptile aus der Zeit jener Sandsteinbildungen ab, 
dessen Füsse eben von denen unserer jetzigen Reptilien sehr verschieden 
“gewesen seyen, hält jedoch mit LaurıLarp den angeblichen Daumen 
bloss für einen fleischigen Anhang ohne Nagel unter der Ferse, wodurch 
sich dessen nach aussen gerichtete Stellung erkläre. 


Cromzer: Nachtrag zum vorigen (ibid. S. 265—266.) Er gesteht 
ein, sich überzeugt zu haben , dass die zwei ersten Individuen (Chiro- 
therien) auch an den Vorderfüssen vier Zehen besessen, und, da grosse 
Säugethiere in der Bildungszeit des bunten Sandsteines noch nicht ge- 
lebt hätten, mit deren Füssen diese Fährten allerdings mehr Ähnlichkeit 
haben würden, so glaubt er diese von einem Reptil ableiten zu müssen 
und‘ mit grösster Wahrscheinlichkeit von einem Salamander ableiten 
zu können, da auch die Salamander vier Zehen an beiderlei Extremitä- 
ten und nackte (unbeschuppte) Fusssohlen besässen ; obschon anderseits 
wieder ihre Füsse länger und weit mehr nach aussen gerichtet seyen. 
Allerdings deute ferner die Schrittweite auf lange Beine hin, und kamen 
auch- Beutelthiere schon in den Oolithen vor. Wie die Beutelthiere habe 
jedoch die grosse Thierart ihre Füsse nicht gestellt. — (Vıirrer bemerkt, 
dass bei Batrachiern der Hinter- und der Vorder-Fuss nicht so nahe 
beisammen stehen könnten.) 


IV. Verschiedenes. 


Mineralogische Vorträge bei der Versammlung Deut- 
scher Naturforscher und Ärzte in Jena im Sept. 1836 (Amtli- 
cher Bericht darüber, 4°. Jena 1837.) 

A) In den allgemeinen Sitzungen trug vor 


MR. 
1) Görrert: über den Zustand, in welchem sich die fos- 
‚silen Pflanzen befinden, und über den Versteinerungs-Pro- 
zess insbesondere 8. 49 — 53. [Wir theilten darüber den Auszug 
einer ausgeführteren Abhandlung schon S. 241 mit.] 

2) Osann: über die in Perioden steigende und fal- 
lende Salzquelle der Saline zu Kissingen S. 53—57.”) Diese 
Quelle zwischen den Gradirhäusern gelegen, war bis 1822 wenig aus- 
giebig. Kreiınschrop liess Bohrversuche anstellen, in deren Folge sie 
aus 298’ Tiefe unter dem Boden des 26° tiefen und 8° weiten Bohrschachts 
in ihrer jetzigen Form und Reinheit hervortrat. Das Bohrloch , 
in der Mitte jenes Bodens, ist 4! weit und liefert in jeder 
Minute 40€‘ oder 16 Eimer Salzwasser von 33°. Anfänglich wa- 
ren ihre Erscheinungen sehr unregelmässig: sie blieb halbe, ganze und 
mehrere Stunden, im J. 1823 sogar einmal 18 Stunden lang ganz aus. 
Seit 6—7 Jahren aber sind ihre Erscheinungen in ihrer Regelmässigkeit 
gleich geblieben. Das Wasser beginnt aus der Mündung des Bohrloches, 
unter welche es nie hinabsinkt, überzusprudeln, sein Spiegel hebt sich 
im Schachte mit zunehmender Geschwindigkeit bis einige Fuss unter 
dessen Rand, wo noch etwas tiefer eine seitliche Abflussröhre es ablei- 
tet; es wirft dabei Blasen in Menge, es wallet, wie im Sieden begriffen, 
auf und ein weisser Schaum strömt von der Mitte des Spiegels gegen 
dessen Ränder hin ab; einige Fuss hoch über dem Spiegel bildet sich 
eine Schichte von kohlensaurem Gase, das man mit einem Hute davon 
abschöpfen kann; man vernimmt endlich dumpfe ferne Stösse , der Was- 
serspiegel wird ruhiger und beginnt wieder bis zur Mündung des Bohr- 
loches zu sinken, die es nach 15 Minuten erreicht hat. Dieser Wechsel 
wiederholt sieh täglich mehrmals: alle 4 Stunden einmal, wenn. zugleich 
zwei der im Schachte stehenden Saugröhren dessen Wasser zu den 
Werken fördern, und fast alle 2 Stunden einmal, wenn sieben es thun. 
Auf den benachbarten Wiesen sind Stellen, wo sich kohlensaures Gas 
aus dem Boden entwickelt: es wächst nur weniges röthliches Gras dar- 
auf und, wenn der Boden durch Regen nass ist, sieht man Luftblasen 
sich bilden. O, erklärt sich die Erscheinung auf folgende Weise. Im 
Innern der Erde entbindet sich fortwährend kohlensaures Gas, wahr- 
scheinlich.‘ durch Zerlegung von vulkanischer Glühhitze ausgesetzten 
Kalksteinen. Die Nähe eines vulkanischen ‘Heerdes erkennt man aus 
den alten Eruptions-Kratern (z.B. zwischen dem Euter und dem Pferde- 
kopf ; die zwei Gleichberge bei Rhömhild ete.) und den Asche- und Lava- 
Anhäufungen (Pferdekopf) in der benachbarten Rhöne. Dieses Gas 
strömt in ein unterirdisches Gewölbe, in welches aus andern Bassins 
auch Salzwasser eindringt. Letzteres sammelt sich zu unterst, ersteres 
darüber. Eine Öffnung in der Nähe des Bodens leitet aus diesem Ge- 
wölbe in das Bohrloch. Im Verhältniss, als das Gas sich unter dem 
Gewölbe ansammelt, treibt es das Wasser, das sich zugleich damit an- 
schwängert und bei dem grossen mechanischen Druck im Übermaas 


*) Vergl. Jahrb. 1834, S. 124. 


= Me > | 


dasselbe aufnimmt, in jene Öffnung und im Bohrloch in die Höhe, bis 
es über dem niedergedrückten Wasserspiegel selbst in die Öffnung ein- 
dringen ünd im Bohrloche emporquellen kann. Letzteres geschieht der 


Leichtigkeit des Gases wegen mit grösserer Geschwindigkeit, als von. 


Seiten des Wassers, dem es zuvoreilt. Je näher Wasser und Gas der 
Oberfläche kommen, desto mehr dehnt sich das letztere, des verminderten 
Druckes wegen, aus und desto schneller treibt es die noch darüber 
stehende Wassersäule aufwärts, woraus sich das beschleunigte Steigen 
des Spiegels im Schachte erklärt. Weiter gegen Tag hin geht. das 
 Bohrloch durch lockere Erdschichten, in welche ein Theil des Gases ein- 
dringt, um auf der Wiese hervorzutreten, und sodann einen Nachlass 
im Steigen des Spiegels bewirkt. So wie ein Theil des Gases entwi- 
chen ist,.kann der übrige die Wassersäule nicht mehr tragen; sie stürzt 
zurück und veranlasst die dumpfen Stösse, Je mehr Saugröhren gleich- 
zeitig im Schachte schon während des Ansteigens an der Entfernung 
des Wassers arbeiten, desto geringer bleibt der Wasserdruck, desto freier 
entwickelt sich das minder komprimirte Gas, desto kürzer ist die Periode 
des Steigens. Die Elastizität des Gases ist zweifelsohne noch erlöhet 
durch eine wärmere Temperatur, die es im Innern der Erde hat, und 
durch welche auch dessen Kompression bis zum tropfbar-flüssigen Zu- 
stand mehr gehindert wird. 

3) C. E. Hımmerscnmwr aus Wien, über artesische Brun- 
nen und eine neue Methode zur Bohrung derselben. 
S. 65—66, begleitet von Vorlegung eines Models. ? 

4) Prienineer: über die Resultate der bisherigen 
Bohrversuche auf Wasser in den verschiedenen Ge- 
birgs-Formationen Würtiembergs, S. 66 —69. Man kennt in 
Württemberg 120 angestellte Bohrversuche. 1) Im bunten Sand- 
stein einen zu Kalw; er gab aus 104’ Tiefe in festem Gestein ein 
eisenhaltiges, nun zu einer Badeanstalt benutztes Wasser, dessen Niveau 
sich 3° über dem Nagold-Spiegel auch bei fortgesetztem Pumpen kon- 
stant erhält. — 2) Alle 17 Bohrungen in dem über Muschelkalk zu 
Kanstadt und Berg *) durch die aus diesem entspringenden natürlichen 
Sauerquellen allmählich in 40° Mächtigkeit und Meilen-weiter Erstreckung 
abgesetzten Süsswasserkalk und eisenschüssigen Kalktuff haben ein über- 
strömendes Sauerwasser geliefert, das überall dieselben Bestandtheile an 
Salzen und Koblensäure, nur in lokal abweichenden Verhältnissen und 
in, mit der Entfernung von genanntem Mittelpunkte abnehmender Stärke 
des Gehaltes zeigt. Im Jahre 1777, wurde der’ erste dieser Versuche 
veranstaltet und lieferte, statt der erwarteten Soole, den heutigen 
Kurbrunnen von Kanstadt; die übrigen fanden erst in den letzten 6Jah- 
ren Statt, ergaben aber jedesmal nicht nur selbst eine geringere, son- 
dern auch die der älteren Bohrlöcher vermindernde Wassermenge. Diese 
Bohrlöcher dringen bis auf oder in den Muschelkalk ein. Auch im 


*) Vergl. Jahrb. 1837, 5. 137. 


Im 
a 


ze 

Oberamt Vaihingen trieb man in solchem über Muschelkalk ruhenden Süss- 
wasserkalk, um Aufschlagwasser für eine Mühle zu erhalten, etwa 
30 Bohrlöcher in 12‘ — 30° Entfernung von einander auf 30° — 40° Tiefe 
nieder, wovon die Hälfte ein nur 1’ übersteigendes schwach mineralisches 
Wasser lieferte. Bei der Schwefelquelle des Bades Niederau in Muschel- 
kalk erhielt man eine im Schacht bis 10° unter Tag ansteigende Quelle, 
welche reich an Kohlensäure und ohne Spur von Schwefelwasserstoffgas 
ist. Eine Viertelmeile davon ergrub man am Neckar-Ufer, geleitet durch 
Bodenstellen ohne Vegetation, wo sich bei Regenwetter Luftblasen bil- 
deten, in 18° Teufe eine Quelle, welche reich an Kohlensäure , aber är- 
mer an fixen Salzen ist, als die Kanstadter sind, und bereits zum Ba- 
den benutzt wird. Mehrere andere Versuche in Muschelkalk lieferten 


anstehendes Wasser, oder -misslangen nur durch die Schuld der Arbeiter. 


Im Gauzen gaben von 39 in Muschelkalk niedergeschlagenen Bohrlöchern 
25 ein überströmendes, 2 ein austehendes Wasser und sind 12 misslun- 
gen; und von 7 verschiedenen Lokalitäten, wo diese Versuche gemacht 
wurden, gaben 3 ein günstiges Resultat. — 3) In der Keuperformation 
hat man an 33 Orten 46 Bohrungen angestellt, von welchen 12 Orte mit 
23 Bohrlöchern ein wenig überströmendes, 4 Orte mit 16 Löchern ein 


‘durch Pumpen zu förderndes Wasser lieferten, 7 Bohrlöcher aber miss- 


langen. ‘In mehreren Fällen leitete auch hier das Vorkommen eines 
Süsswasser-Tuffs bei Auswahl der Bohrplätze, und einige bereits erzielte 
Pumpwasser verloren sich wieder beim Weiterbohren in die Tiefe. — 
4) Im Lias hat man an 11 Orten 13 Bohrlöcher getrieben, wovon an 
4 Orten 4 Löcher ein schwach ‚überströmendes etwas Schwefelwasser- 
stoff-haltiges, und 2 ein Pump-Wasser gaben. An einer Stelle kommt eben- 
falls Kalktuff vor. — 5) Im Jurakalk stehen an 13 Orten 18 Bohrlöcher, 
4 im Donau- und im Brenz-Thale, 9 auf der Höhe der Schwäbischen 
Alp. Jene 4 gaben Pumpwasser, diese 9 misslangen theils vor der Voll- 
endung, theils nach derselben durch Versenkung des bereits erhaltenen 
Pump-Wassers in grössere Bohrtiefe. Erreicht man beim Brunnengraben 
auf der Alp Basalt oder Basalt-Tuff, so kann man — eine schon alte 
Beobachtung — mit Sicherheit auf baldiges Erscheinen von Wasser 
schliessen, Ein reichliches, bis zu 12’ Höhe übersteigendes Wasser er- 
hielt man (dagegen kürzlich zu Oberdissingen im Donau-Thale mit 3 bis 
zu 101‘ Tiefe durch den Süsswasserkalk der Molasse in den Jurakalk 
niedergebrachte Bohrlöchern. 


5) EurenBEeRS: über-die neuesten Fortschritte in der 
Erkenntniss der Infusorien als Felsmassen, 8. 69—77. [Wir 


verweisen auf unsere besondern Auszüge, S. 105 und später.] 


B. In der physikalischen Sektion sprach 


1) Dove: über ein: optisches Unterscheidungs-Mittel rechts und 
Jinks gewundener Krystalle. N 


2) MaAcnus: über die Temperatur-Zunahme in einem artesischen 


‚Brunnen bei Magdeburg; sie betrug 0°5 R£ıum. auf jede 50° Tiefe. 


MdB —— 
3) Mirscnerrica: über Einfluss Kar Wärme auf ungleiche, Ausdeh- 
nung der Krystalle mit entschiedenen Achsen, 


C. In der physikalisch-chemischen Sektion 


1) legte DöBEREINER mehrere in einem Hochofen am Harze beim 
Kupferröst-Prozesse des Kupferkieses und des arsenikhaltigen Schwefel- 
kieses durch Sublimation gewonnene, zu Drusen versammelte, deutlich 
ausgebildete, aber nach dem Mittelpunkte hin eingesunkene oktaedrische 
Krystalle der arsenigen Säure vor. 

2) Tıresıus sprach über submarine Vulkane. j 

3) Mitscaerrich legte mehrere, versthiedenen Mineralien analoge 
Kunstprodukte vor, nämlich Magneteisenstein, Zinkblende, Augit (zu 
Paris mit Berrnıer dargestellt), Chrysolith in grossen und gut ausge- 
bildeten Krystallen, welche auch rücksichtlich der physikalischen Eigen- 
schaften mit den natürlichen Individuen genau übereinstimmen ; — ferner 
künstlichen einachsigen Glimmer beim Kupferschmeiz-Prozesse entstan- 
den, durch leichte Schmelzbarkeit und einen Gehalt von Eisenoxyd an 
der Stelle der isomorphen Thonerde ausgezeichnet; — Feldspath-Krystalle 
von der Sangerhäuser Kupferhütte u. s.'w. Er redete über Kohlen- 
säure: Entwickelung aus der in Erdrisse eingedrungenen atmospbärischen 
Luft, — und von einigen ohne Schmelzung vulkanisirten Terrains in der 
Eifel. ö 

4) Branpes redete vom Gehalt der Mineralquellen an Koblobaan a 
von deren Entstehung und Ausdehnung. / 

5) Neer theilte eine Notitz mit über Cross’s künstliche Bil- 
dung von Krystallisationen, insbesondere von Quarzkrystallen 
aus Fluorkieselsäure, durch jahrelang fortgesetzte Wirkung eines Elek- 
trometers. Der Quarz erschien zuerst als ein Sechseck auf der Matrix 5 
alsdann strahblten Linien vom Mittelpunkte aus, hierauf bildeten sich 
neue Linien, welche die Konturen der Säule bezeichneten, wodurch 
das Individuum immer dicker wurde. Und indem ein zweiter Krystall 
auf dem ersten entstand, wurde das Wachsthum des ersten unter- 
brochen. 


D. In derSektion für Geognosie, Geographie undMine- 
ralogie sprach 


1) v. Horr über den geognostischen Bau des sich zunächst an den 
‚ Thüringer-Wald anschliessenden Thüringenschen Terrains im Gothaischen, 
beschrieb die Erscheinungen der Oberfläche und die Schichten-Ordnung, 
‚zeigte einige Muschel-Versteinerungen aus dem Keuper, deren Ursprung 
aus dem Meere oder aus Süsswassern zweifelhaft war, legte Zeichnun- 
‚gen von Pflanzen- -Versteinerungen und eines mit ihnen vorgekommenen 
grossen Reptiles vor (PLieninger zeigte ein ähnliches Gestein mit ähnli- 
chen Knochenresten aus ‘Württemberg). In den tertiären [?] Torflagern 
von Langensalza war ein Fichtenstamm mit Spuren eines Sägeschnitts 
gefunden worden. Bei Tona hatte man mit Elephanten-Zähnen zu- 
sammenliegend auch Geweihe von Cervus Elaphus entdeckt; erstere 


- "BAD 


schrieb v. Horr der lebenden Art zu, andere Anwesende leiteten sie von 
E. primigenius ab. 

2) Tantscuer über die Verrückung des Munferschtefkie durch den 
Kupfererzgang Kronprinz bei Kammsdorf. 

3) Germar über die versteinerten Insekten des Solenhofer Jura- 
schiefers ins Münster’s Sammlung. Meistens sind es Süsswasser-Insek- 
ten, wie Libellula, Agrion, Aeschna, jedoch mit einer an Myr- 
meleon erinnernden Körperbildung, Nepa, Gerris, Pygolampis, 
Die übrigen sind meistens Phyllophagen, wie Locusta, Mantis 
(durch Springbeine an Locustaangrenzend), Cercopis, auch Sphynx, 
einige Dipteren, auch Hymenopteren. Alle diese Formen deuten 
auf ein warmes, jedoch nicht gerade tropisches Klima. 

Die in der Braunkohle des Siebengebirges hefindlichen und im Bon- 
ner Museum aufbewahrten Insekten sind meistens Dung-Insekten [?], 
namentlich Xylophagen. Sie zeigen keine fremden Gestalten, und 
wurden wahrscheinlich durch Fäulniss in Wasser defekt. 


4) Derselbe zeigt instruktive Pflanzentheile aus der Steinkohlen- 
Formation von Löbejün und Wettin vor, woraus sich ergibt, . dass 
v. STERNBERG'S Volkmannia gracilis (Fasc.V et VI, Tf. suH m. 3, 
nicht Fg. 1 und 2) die Ähre von Sphae enophyllites Schlotheimii 
Broncn. seye, und dass eine andere grosse Ähre wahrscheinlich einer 
neuen Art vonSphaenophyllites angehöre. Exemplare von Astero- 
phyllites equisetiformis bewiesen die Ähnlichkeit mit den Sphae- 
nophyllen, und eine andere Fucus-ähnliche Pflanze zeigte durch deut- 
liche Adern und Fruchtknoten an den Blattspitzen die Annäherung zu 
den Fahren. Eine ähnliche ohne Früchte hat v. Gursier in seiner Be- 
schreibung der Zwickauer Pflanzen-Abdrücke abgebildet. 


5) Orro: über wichtige Schlesische Petrefakten: a) aus dem 
Übergangsgebirge, worin 2 auch von v. Buch als sehr merkwürdig be- 
zeichnete Ammoniten, Fischschuppen, Fucoideen (von GörrErT 
schon in den Leopoldiner Akten beschrieben) und ein neues in der Regel Fels- 
spitzen überziehendes Röhren-Korall vorkommt; — b) aus dem Oolith 
des Muschelkalkes eine neue Avicula (nach Münster ? A, inaequi- 
striata var.) und ein neuer gelappter Zoophyt (eine ähnliche Art 
kennt Münster aus Italien); — ce) aus dem Pläner einige zu Callia- 
nassa antiqua gerechnete Krebse; — d) aus dem bunten Sandstein 
von Ruppersdorf die zwei schon bekannten Palaeoniscus-Arten und 
rundliche, theilweise aus Opal bestehende Koprolithen. . 


6), General von Tscherrkın zeigt prachtvolle Sibirische Mineralien, 
namentlich schöne Gold- und Platin-Krystalle aus den Schiefergebirgen, 
die wegen ihres schönen “Erhaltenseyns nicht weit von ihren ursprüng- 
lichen Bildungsstätten entrückt gewesen seyn konnten. 

7) BERGER sprach über die Versteinerungen um Koburg, nament- 
lich die Schuppen und Blattspitzen von Cycadeen im Keupersandstein, _ 
über ein von OTTo für ein Fischgaumen-Stück erklärtes Fossil aus dem 


250 — 
unteren Keuper; “über ein von Münster ‚dem Nothosaurus zuge- 
schriebenes Schädelstück von da. 
8) Kaufmann Lasre zeigte ein Stück des am 13. -Oktob. 1819 bei 
Gera gefallenen, 23° tief in den Boden geschlagenen Aerolithen, 
eine neue Pinna aus dem Zechsteine von Gera u. m. a. vor. 


9) Von Gunıer: über die gegenseitige sehr gesonderte Lagerung 
und die gänzlich von einander abweichenden Pflanzen-Abdrücke ‚des 
Rothliegenden und der Kohlen-Formation der Gegend von Zwickau. 


10) Prof. ee zeigte in Auftrag des Prinzen PıuL v. 
Württemberg einen Schädel von Palaeomephitis Steinhei- 
mensis Jäser aus dem Süsswasserkalke von Steinheim ; die Sprung-_ 
beine eines Wiederkäuers aus der Molasse von Scheer San eine Menge - 
kleiner schwarzer Zähne in Gesellschaft Aleyonien-artiger Wülste 
(WEBsTER) auf der Unterfläche einer Konglomeratschichte zwischen Mu- . 
schelkalk und Keuper bei Stuttgart. 

11) EHRENBERG demonstrirte seine neuesten Entdeckungen dor Infu- 
sorien als Felsmassen unter dem Mikroskope, und legte vor von 


12) Dr. Parzrarpı in Franzensbrunnen eine Abhandlung über die 
Kieselguhr im Franzensbrunner Torfmeor, so wie eine Probe dieser 
fast ganz aus Navicula viridis bestehenden Guhr. 

13) Görrert bringt seine Monographie der fossilen Fahren aus den 
Bonner Akten, so wie andere Abbildungen von Petrefakten zur Einsicht, 
und Abschnitte des Stammes einer noch lebenden Piperaceen-Art- 
mit welchen Corra’s Calamitea rücksichtlich der innern Organisation 
die grösste Ähnlichkeit wahrnehmen lässt. Corraı hat sich noch neuer- 
lich überzeugt, dass Calamites von Calamitea nicht ERUPEE wer- 
den dürfe. 

14) von STERNBERG legt Abbildungen vor, welche zum VII und VIII 
Hefte seiner vorweltlichen Flora bestimmt sind;' darunter welche von 
neuen Pecopteris-Arten, von einem ganz runden, aufrechten Lepido- 
dendron-Stamme, der beim Zerschlagen im Innern, mit lauter fremdarti- 
gen Pflanzen-Abdrücken erfüllt war, neue Equiseten mit auffallenden 
Gelenkflächen (wie E. hyemale) aus der Kohlenformation, Cycadites 
Cordai als Abdruck und innerlich doch auch stellenweise noch mit 
deutlicher Struktur, endlich Coniferen-Zapfen aus der Böhmischen 
Kreide. | | 

15) ReicuensacH: über einige der schönsten Petrefakten des Dres- 
dener Museums, insbesondere den Stamm eines Dikotyledonen-Baumes, 
MegadendronSaxonicum Reıcae., und ungemein grosse Staar- 
steine; — und legte Zeichnungen dichotom verästelter Wulste vor, 
welche bei Welschufen in der Gegend von Dippoldiswalde in Quader- 
sandstein gefunden worden sind, ähnlich den von Wesster (Geol. 
Transact. H, 1814) als Alcyonien abgebildeten Körpern. 


16) B. CorrA; über Pflanzen-Abdrücke , insbesondere ein Cred- 
neria-Blatt und Haliserites Reichii Sterne.) aus dem untern 


| 


a 


Quadersandstein ( Wealden-Formation ) von Niederschöna. Die meisten 
Anwesenden halten letztern für einen Fucoiden. (Vgl. Jahrb. 1836, S. 584.) 

| 17) V. Münster legt ausgezeichnete, für Sterngere’s Flora be- 
stimmte Abbildungen seiner neuen fossilen Fahren-Gattung Phlebop- 
teris aus dem Keuper vor. (Jahrb. 1836, S. 509.) 

18) Weiss: über das mit Gediegen - Gold vorkommende Pallad 
von Tilgerode am Harz; — über die Fortsetzung der Horrmann’schen 
geognostischen Charte durch Decnen und Gumprecnt ; — über das Vor- 


kommen der Tbier-Fährten von Hildburghausen in mehreren übereinander 


liegenden Schichten des bunten Sandsteines (wie es auch zu Harras nach 


"BERNHARDI gesehen wird) in Gesellschaft eines Rippenknochens ; — und 


über die sogen. bienenzelligen Echiniten. Die Schaale überzieht 
sich innen zuerst mit Kalkspath-Krystallen, füllt sich später mit Quarz- 
masse, die bei endlicher Zerstörung der äusseren Theile als bienenzelli-‘ 
ger Echinit übrig bleibt. | 

19) Görpert: Geschichte der fossilen Blüthen. Ap. Broncntrt ' 
fand zuerst die einer Grasart; später einige andere in Braunkohle und 
Tertiär-Schichten des Monte Bolca. Kererstein ‚beschrieb eine Vale- 
riana Salzhausensis — aus der Salzhauser Braunkohle, welche 
aber Kuntn für eine Amentaceen-Blüthe, denen unserer Alnus- 
Arten ähnlich erkannte, was Görrerr vollkommen bestätiget. | 

20) von Humsoupr über Länder - Aufnahmen, geognostische Zeich- 
nungen u. 8. w. 

21) C, Westuorr: Beitrag zur Geogonie, 

22) Zıwser: Relation über SchüLer’s Beiträge zur Geologie, beson- 
ders in Beziehung auf Ungarn und Siebenbürgen. 

23) von Struve: schriftlicher Bericht über den Me a BO 
von 1824 im Gouvernement Orenburg. 

24) von Gross, EnceELuarp und BERNHARDI erklären den Hessber- 


ger Sandstein für Keuper, Weıss bestimmt für bunten Sandstein. 


25) von Bucu über die wesentlichen Unterschiede von Terebratula, 
Spirifer und Orthis. | 

26) von Horger über Entstehung und richtigen Fundort des Gur- 
hofians, den er nach seiner chemischen Zusammensetzung für umge- 
wandelten Serpentin erklärt, obschon von Buc# der Ansicht ist, ein ein- 
faches Mineral könne nicht dureh Umwandlung aus einem zusammen- 
gesezten entstehen, 

27) von Münster über das ei nmer es sey nicht das erste 
ausgestorben gefundene Wiederkäuer-Genus , da von Meyer schon län- 


ger [?] das Geschlecht Palaeomeryx aufgestellt habe, 


28) B. Corraı über die bisherigen Resultate der Bohrversuche bei 
Hohnstein (Jahrbuch 1837. S. 1.) 

29) von STERNBERG über den von schmalen Basalt- Gängen durch- 
setzten Granit am Weitsberge bei Carlsbad. 

30) Zeune über allmähliche Senkungen im Flötzgebirge bei Ulm, 
Naumburg und Jena. .. 


. 31) Görrert über die Struktur der Steinkohle. Er pflichtet 
Wırnam’s bei, der darin die Struktur der Coniferen entdeckte; die Schie- 
feruug derselben leitet er von mechanischem Drucke ab und zeigt Mu- 
ster von Holzstücken vor, die unter der Wasserpresse breit gequetscht 
wurden, ohne darum hohl gewesen zu seyn. 

32) MünsTeR legt im Bayreuther Arbeitshause gefertigte sehr 
dünne, polirte Schnitten von versteinerten.Hölzern vor, die sich zur 
mikroskopischen Untersuchung eignen. 

33) Weıss erläutert die gewundenen Berzkiystalie durch natürliche _ 
Exemplare und Modelle und weiset nach, dass dieses Phänomen im ge- 
nauesten Zusammenhange mit dem Vorhandenseyn der Trapezoidenflächen 
stehe und durch eine während der Krystallisation konstant fortwirkende 
Drehkraft hervorgebracht seyn müsse. Er folgert daraus zugleich: dass 
auch bei den Zwillingsbildungen eine wirkliche ee auf die ein- 
zelnen Individuen gewirkt habe. 

34) von EıcuwarD legt viele, zum Theil neue Arten tertiärer Zoo- 
phyten und Konchylien Volhyniens und vom Kaspischen Meere vor, und 
bietet einen Tausch damit an. 

' 35) von Münster erläutert viele neue Gattungen und Arten fossiler 
Körper durch Abbildungen oder durch natürliche Exemplare. Darunter: 
a) aus dem Kupferschiefer von Glücksbrunn den Gaumenknochen eines 
‘ ganz neuen Fisches, wovon einen Theil SchLornuem früher für einen 
Trilobiten gehalten, und welchem ganz äbnliche aus dem Mansfelder 
Kupferschiefer Orro bei GERMAR in Halle, und im Dresdener Natura- 
lienkabinete gesehen; — b) aus dem Aichstedter Jurakalkschiefer: Sepia 
obscura, S. linguata, S. regularis, S. gracilis, S. venusta, 
S. hastiformis, $. antiqua, S. caudata; Loligo' subhastata; 
Onychoteuthis cochlearis, O. speciosa, O. lata, O.sagittata, 
O. tricarinata, O. subovata, OÖ. angusta, 0. intermedia, 
O0. Ferussaeci mit den Armen und allen feinen Häkchen daran; Be- 
lonostomus (sonst Aspidorhynchus) sphyrenoides, B. tenui- 
rostris, B. tabulatus, B. ventralis, B. brachysomus, B. Mün- 
steri, Undina penicillata; Pterodactylus longipes. Aus ei- 
nem der Exemplare von Onychoteuthis ergibt sich, dass Belem- 
nosepia nichts weiter ist, als ein mit dem Alveoliten eines Belemni- 
ten zusammenliegender Onychoteuthis, — c) aus dem Baireuther 
Keuper Reste eines Sauriers mit doppelter Zahnreihe. 

36) WAcKkENROoDER erläutert eine Gebirgsarten-Suite aus der Ge- 
age von Jena. 


Geognostische 
und 
physikalische Beobachtungen 
über die 


Vulkane des Hochlandes von Quito, 


von 


Herrn A. v. HUMBOLDT. 


(Vorgelesen in der Sitzung der Akademie der Wissenschaften za Berlin 
am 9. Febr. 1837.) 


Erste Abhandlung. 


Wenn Vulkanismus im weitesten Sinne des Worts alle 
Erscheinungen bezeichnet, die von der Reaktion des inneren 
flüssig gebliebenen Theils eines Planeten gegen seine oxydirte 
und durch Wärmestrahlung erhärtete Oberfläche abhängen, 
so können wohl nur wenige Gegenden der Erde das Schau- 
spiel von dem manchfaltigsten® Zusammenwirken vulkani- 
scher Kräfte in einem gleichgrossen Maasstabe darbieten, 
' als das Hochland von Quzlo. Was ich bei einem achtmonat- 
liehen Aufenthalte in dieser Gegend von Messungen und 
mir wahrscheinlichen Resultaten gesammelt, ist in mehreren 
Theilen meines Amerikanischen Reisewerks zerstreut, vor- 
züglich in dem geognostischen und barometrischen Nivellement 

- Jahrgang 1837. MM: 17 


AP — 25. 


der Andes-Kette, in dem Buche über Schichtung und Lage- 
rung der Gebirgsarten, und in einer Abhandlung: Esquisse 
dun tableau geologique de ÜAmerique meridionale au nord 
de la riviere des Amazones. Die einzelnen topographischen 
Beschreibungen der Vulkane, gleichsam Monographie’n der- 
selben, sind noch ungedruckt geblieben. Geognostische Be- 
schreibungen einzelner Erdräume beruhen aber auf zwei 
ganz verschiedenen Fundamenten, von welchen die einen 
abhängig von der Zeit, von dem jedesmaligen Zustande un- 
seres fortschreitenden physikalischen und mineralogischen 
Wissens, die anderen dureh Beziehung auf bloss räumliche 
Verhältnisse (auf Grösse, Stellung oder Lage) unveränder- 
lich und, wenn etwa Natur-Revolutionen ‘die Konfiguration 
der Erdfläche umgestalten, um so wichtiger sind, als sie die 
Möglichkeit einer numerischen Vergleichung in dem Resultate 
der Umgestaltung gewähren. Wo strenge Unterscheidung 
der Formationen nach zoologischen Charakteren, das ist 
nach dem epochenweisen Zusammenleben vorweltlicher Orga- 
nismen, eder nach oryktognostischen Charakteren, das 
ist nach der Natur der krystallinischen Gewebe einer Ge- 
birgsart, erheischt wird, da verliert die aufgezeichnete 
Beobachtung, wenn sie der Zeit und den Ansichten entrückt 
wird, unter deren Einfluss sie angestellt wurde, von ihrer 
Bestimmtheit und ihrem wissenschaftlichen Werthe. Wer 
ein reines und inniges Interesse für seine Wissenschaft hegt, 
klagt nicht, wenn er je sich entschliessen muss, einen Blick 
auf seine früheren Arbeiten zu werfen, über diese Wirkung 
der fortschreitenden Zeit, über:ein Veraltern des Stoffes. 
Es gewährt ihm, neben dem regen Wunsche, das Halbge- 
sehene noch einmal und mit neuerem Wissen bereichert 
wiederzusehen, das frohe aufriehtende Gefühl der zuneh- 
menden Erweiterung der Wissenschaft. Ein anderer Theil 
des Gesammelten, der topographische, räumlich beschreibende, 
ist unabhängig von der Epoche des Einsammelns, Er be- 
‚ruht nieht auf wechselnden Ansichten, sondern auf den al- 
‚ten Grundvesten mathematischen Wissens. Mit grösserer 


Vervollkommnung der Instrumente erlangt allerdings auch die 
Weltstellung (astronomische Position), die trigonometrische 
oder barometrische Höhenbestimmung (Hypsometrie) eine 
grössere Schärfe, aber die Bedürfnisse des geognostischen 
und orographischen Wissens sind leichter zu befriedigen, 
als die Bedürfnisse der Astronomie, wenn diese den Stand 
oder Lauf der Himmelskörper bestimmen, die Gestalt und 
Dichtigkeit unseres Planeten ergründen, gleichsam „die Erde 
messen und wiegen“ soll. Seit dem Ende des letzten Jahr- 
hunderts sind die astronomischen und gäodetischen Instru- 
mente, deren Auswahl dem Reisenden zu Gebote steht, voll- 
kommen genug, um besonders durch geschickte Benutzung 


feiner und dabei sicherer Winkelbestimmungen numerische 


‚ Resultate zu: erlangen, deren Genauigkeit innerhalb der 


-& 


Gränzen liegt, welche dem Zwecke der Untersuchung geeig- 
net sind. Dieser orographische, messende Theil der Beob- 
achtungen gewährt dazu den Vortheil, dass, wenn das De- 
tail der Messungen (wie immer geschehen sollte) publizirt 
oder wenigstens aufbewahrt wird, es noch nach Jahren das 
Maas des Vertrauens bestimmt, welches der Arbeit zukommt, 
ja zu neueren und besseren Kombinationen führen kann, 

Indem ich freimüthig auf den Unterschied aufmerksam 
mache zwischen dem schnell veralternden und dem von der 
Zeit unabhängigen Theile geognostischer Beobachtungen, habe 
ich den relativen Unwerth der Arbeit bezeichnet, die ich 


Ihnen heute vorlege. Jeder Reisende, der von Europa auch 


nur drei oder vier Jahre in Lagen entfernt bleibt, in denen 
er des wissenschaftlichen Verkehrs mit der Heimath ent- 
behrt, fühlt schon am Tage seiner Rückkunft, wie sich mit 


.der raschen Erweiterung der Ansichten über die Bildungs- 


verhältnisse der Gebirgsmassen auch die jene Ansichten be- 
zeichnende Sprache verändert hat. Diese Entfremdung nun 
veranlasst oft einen unseeligen Trieb des Anpassens und Deu- 
tens; und da zu jeder Epoche nur das allgemein gefällt, was 
dem herrschenden Glauben entspricht, so unterliegt nach und 


nach das einfach Wahrgenommene den Verstandes-Operationen 
17% 


theorisirender Deutung. : Eine solche Gefahr, der es schwer 
ist, sich ganz zu entziehen, da ein rühmliches Bestre- 
ben den Menschen antreibt, den rohen empirischen Stoff 
durch Idee’n zu beherrschen, wird um so grösser und dro- 
hender; als die Zahl der Jahre anwächst, die uns von dem 
Moment der wirklichen Beobachtung trennt. Wenn ich nun, 
unter den bezeichneten Verhältnissen, nieht anstehe zum Ge- 
genstand meiner Abhandlungen Fragmente aus meinen noch 
ungedruckten südamerikanischen Tagebüchern zu wählen, so 
gründet sich dieser Muth auf dem festen Vorsatz, das Beob- 
achtete grossentheils mit denselben Worten wiederzugeben, . 
in denen es an Ort und Stelle niedergeschrieben wurde, auch 
das Beobachtete von den späteren Deutungen zu trennen; es 
gründet sich dieser Muth auf der Berichtigung der Nomen- 
klatur der Gebirgsarten, welche die oryktognostische Untersu- 
chung der freilich nur sehr kleinen mitgebrachten Samm- 
lungen gestattet; er gründet sich endlich (und diess ist das 
eigentliche Motiv der Bekanntmachung) auf der Ansicht, dass 
der grösste Theil meiner geognostischen Arbeiten am Ab- 
hange der Vulkane von Qwslo vorzugsweise Raumverhältnisse, 
Gestaltbeschreibungen: der Oberfläche und die nicht veral- 
ternde physikalische Orographie eines wundervollen und seit- 
dem nirgend beschriebenen Landstrichs berührt. 

In der langen, mauerartig hingedehnten, bald einfachen, 
bald zwei- und dreifach gereihten, und dann durch schmale 
Queerjöcher gegliederten Andes-Kette verkündigt sich regel- 
mässig und fast periodisch die Nähe thätiger Vulkane, durch 
das plötzliche Auftreten gewisser Gebirgsarten, welche die 
vormals sogenannten uranfänglichen, wie die schiefrigen und 
sandsteinartigen Übergangs- und Flötz-Formationen trennen, 
Ein so leicht zu beobachtendes Phänomen musste früh die 

Überzeugung anregen, dass jene sporadischen Gebirgsarten 
der eigentliche Sitz vulkanischer Erscheinungen wären, und 
dass sie die vulkanischen Ausbrüche bedingten. Was damals 
(um unter einem eingeschränkteren Gesichtspunkte hier bloss 
an die mineralogische Zusammensetzung zu erinnern), in 


— 237. — 


Süd-Amerika als eine eigene Art quarzloser Grünstein - und 
Syenit-Porphyre beschrieben ward, nahm später in Europa 
die Benennung Trachyt an, einen Namen, durch welchen 
Haüy’s Distribution mineralogique des roches den älteren 
mehr charakteristischen Namen Domit verdrängte. Die 
neueste Zeit hat gelehrt, dass jene durekbrechenden Massen 
(bald als kraterlose Glocken emporgehoben, bald durch die 
vulkanischen Mächte dergestalt geöffnet, dass eine permanente 
Verbindung zwischen dem Innern der Erde und dem Luft- 
kreise gebildet wird) unter verschiedenen Zonen nicht im- 
mer dieselbe Zusammensetzung darbieten. Es sind bald 
eigentliche Trachyte, welche der Feldspath charakterisirt, 
wie am Pic von Teneriffa und am Siebengebirge, wo sich 
etwas Albit dem Feldspath beigesellte,—Feldspath-Trachyte, die 
als thätige Vulkane häufig Obsidian und Biunsstein erzeugen; bald 
sindes Melaphyre, doleritartige Gemenge von Labrador und Au- 
git, der Basaltformation näher stehend, wie am Atna, Stromboli 
und Chimborazo; bald ist Albit mit Hornblende vorherrschend, 
wie in den neuerlich sogenannten Andesiten der Vulkane 
von Chili, in den prächtigen als Diorit-Porphyr beschriebe- 
nen Säulen von Pisoje bei Popayan, am Fusse des Vulkans 
von Purace oder im mestkanischen Vulkan von Tolucca; bald 
sind es endlich Leueitophyre, Gemenge von Leueit und 
Augit, wie in der Somma, der alten Wand des Erhebungs- 
Kraters des Vesuvs. Über diese wichtige Unterscheidung 
der Gebirgsmassen, durch welche vulkanische Ausbrüche sich 
einen Weg gebahnt haben, ist durch Gustav Roses vor- 
treffliche chemische und krystallographische Zergliederung 
der Feldspath-Gruppe ein neues, einem Theile der Geognosie 
wohlthätiges Licht verbreitet worden. Wenn ich in diesen 
Worten gleichsam nur ein gewichtvolleres Urtheil an dem- 
selben Orte ausgesprochen, das Urtheil meines vieljährigen 
Freundes LeoroLp von Buch wiederhole, so geschieht es 
zugleich, um an ein neues Epoche machendes ‘und durch 
viele Zusätze bereichertes Werk dieses grossen Geognosten 
zu erinnern, welches Alles, was er über die Natur der 


— 238 — 


vulkanischen Erscheinungen ergründet hat, in lichtvoller Dar- 
stellung umfasst, Die französische Ausgabe der Physika-. 
lischen Beschreibung der Csnarischen Inseln, welche 
so eben erschienen ist, enthält unter der Abtheilung „Cen- 
tral- und Reihen- Vulkane“, die lebendigste und vollstän- 
digste Schilderung der Feuerausbrüche des ganzen Erdkrei- 
ses, so weit derselbe bisher einer wissenschaftlichen Be- 
‘strebung zugänglich gewesen ist. 

Die Vulkane des Hochlandes von Quzfo, mit denen ich 
mich in dieser Abhandlung beschäftige, gehören wegen der 
trefflichen geographischen Arbeiten von La Coxpamınz, 
Bougver und Pzoro MarvonaDo zu denjenigen Reihen-Vulkanen, 
deren Gruppirung in zwei, durch ein schmales Längenthal 
getrennten Cordilleren am frühesten richtig erkannt worden 
ist. Es finden daher, mittelst der Vergleichung mit analogen 
Thatsaehen, meine eigenen Becbachtungen in der vorerwähn- 
ten Aufzählung der gesammten Erscheinungen das, was Ver- 
allgemeinerung der Idee’n immer gewährt, erhöhtes Interesse, 
Berichtigung der Ansichten und eine Klarheit, die wie aus 
fernen Lichtpunkten zurückstrahlt. 

Ehe ich zu der Beschreibung des Vulkans von Pichincha 
übergehe, muss ich zu besserer Orientirung und genauerer 
Erläuterung der Lage der Hochebene auf einige Resultate 
von Messungen aufmerksam machen, die, einzeln genommen 
und auf das Niveau der nahen Südsee bezogen, freilich keine 
geognostische Wichtigkeit haben würden, aber bei Betrach- 
tung des stufenweisen Zunehmens der Bodenhöhe in an ein- 
ander gereihten Längenthälern manchfaltiges Interesse ge- 
währen. Neue Bestimmungen waren hier um so nothwen- 
diger, als die barometrischen der französischen Astronomen 
zur Zeit der berühmten Gradmessung, den dreifachen Fehler 
einer Vernachlässigung der Temperatur-Correction, einer irri- 
gen Annahme des mittlen Luftdruckes an der Meerestläche 
und einer Nicht-Berücksichtigung des Einflusses der stünd- 
lichen Variationen der Barometer-Höhe darbieten, Durch 
zufällige Compensationen nahen sich allerdings bisweilen 


— 359 — 


La Coxvamıne's Resultate den immer sehr befriedigend überein- 
stimmenden von BoussinGAuULT und mir; an den meisten anderen 
Punkten sind aber die Unterschiede beträchtlich, bald posi- 
tiv, bald negativ, und immer von sehr ungleichem Werthe, 
so dass die älteren relativen Bestimmungen überall, wo von 
der ungleich gehobenen Bergebene über dem grossen yul- 
kanischen Heerde von Quito die Rede ist,. nur wenig Ver- 
trauen verdienen. Diese Mängel wirken natürlich auch auf 
die absoluten Resultate trigonometrisch gemessener Höhen, 
da bekanntlich bei diesen Operationen die Standlinien (Basen), 
an deren Endpunkte sich die Höhen-Winkel der Berge an- 
legen, nicht in der Küsten-Ebene lagen, und daher jede sol- 
cher Bergmessungen in der Andes-Kette nothwendig aus 
einer trigonometrischen und barometrischen zusammenge- 
setzt ist. 

Wenn man einen Blick wirft auf den Entwurf einer 
hypsometrischen Karte, in der ich, nach sorgfältigen Diskus- 
sionen der neuesten astronomischen Ortsbestimmungen, zuerst 
versucht habe das Streichen, die Mächtigkeit und die manch- 
faltige Gliederung der vorher auf allen Karten von Süd- 
Amerika so verunstalteten Andes-Kette darzustellen und alle 
wichtigen Höhenverbältnisse einzutragen, die bis dahin (bis 
1831, also nach PentLann’s Entdeckungen in Bolivia) bekannt 
geworden waren, so sieht man, dass die seit der französi- 
schen Gradmessung so berufene Bifurkation der Kordillere 
nur von 3° 4 südlicher bis 2° 20° nördlicher Breite Siatt 
findet zwischen dem Bergknoten von Zoxa, der durch die 
herrlichen China-Wälder seines östlichen Abhanges berühmt 
ist, und dem Bergknoten der Quellen des grossen Magdalenen- 
Stromes. Nördlich und südlich von dieser Parallele der 
äussersten Bergknoten von Peru und Neu- Granada (Cundi- 
namarca) sind die Andes in drei minder gleichlaufende Zweige 
getheilt. Die Breite der Bergketten wurde sogar ehemals 
gegen Osten aus Gründen vermehrt, die man in einer wun- 
dersamen Sprach-Unwissenheit suchen muss. Wo in der 
Karte von Za Cruz Olmedilla, dem Typus aller englischen, 


= — 260 — 


französischen und deutschen Karten, die 40 Jahre lang 
erschienen sind, die Worte standen: „hier wächst wilder 
Cacao, aqus hay montes de Cacao,“ haben berühmte Geogra- 
phen Schneeberge in ihre Karte eingetragen, weil sie das in 
der spanischen Kolonie allgemein übliche Wort Monte 
(Wald) für Berg (Cerros, Serranias) hielten und dabei 
vergassen, dass Theobroma Cacao nur in den heissesten 
Ebenen bei einer mittlen Temperatur von 23° R. gedeiht. 
Auch im reinsten Europätsch-Spanischen Dialekt heisst monte 
alto Wald mit hohem Baumwuchs. Das grosse Längenthal, 
das sich zwischen den beiden oben genannten Bergknoten 
"hinzieht, hat über 60 geographische Meilen (15 auf 1°) Aus- 
dehnung, aber nur eine mittle Breite von 5 Meilen. Es 
‘ ist durch Queerjöcher in fünf kleinere Becken getheilt, deren 
Boden zu einer sehr ungleichen Höhe über der Meeresfläche 
sich erhebt. Die Hochebenen, welche diesen Thalboden 
bilden, sind: die drei südlicheren, in denen Cuenca, Tacunga 
und Qusto liegen, 1350, 1320 und 1340 Toisen hoch, merk- 
würdig übereinstimmend; dann folgt die 1582 bis 1650 Toi- 
sen hohe Ebene de los Pastos, das vulkanische 7 übet von 
"Amerika, doch noch 355 Toisen niedriger als der Thalboden 
um den von PzntLann, Meyen und n’Orsıcny neuerlichst 
besuchten See von Tilicaca. Das nördlichste fünfte Bassin 
von Almaguer sinkt plötzlich bis zu 1164 Toisen herab. 
Von den @ueerjöchern ist nur eines wichtig, der Pass von 
Assuay, mit Ruinen von Inca-Schlössern bedeckt, dessen 
höchsten Punkt ich, wo der Weg über die Zadera de Cad- 
lud führt, über 14500 Fuss (2428 Toisen) hoch fand. Nur 
400 Toisen tiefer steht der Palast des Inca Turayuraneı 
mit Resten von Bädern, die (man muss es hoffen) mit war- 
mem Wasser in diesem unwirthlichen Klima gefüllt wurden. 
Da PentLano’s Messungen in der östlichen Kordillere von 
Bolivia, wo der Sorala 3948 Toisen (23683 Par. Fuss), 
also nur 440 Toisen niedriger als der Dhavalagiri des Hi- 

malaya-Gebirges und volle 600 Toisen höher als der Ohim- 
borazo ist, zu der Meinung verleitet hat, es müssten alle 


— %1 — 


Strukturverhältnisse in jenen südlichen Breiten kolossaler 
als in der dem Äquator nahen Zone seyn, so mache ich hier 
darauf aufmerksam, dass der Pass über das Queerjoch des 
Assuay, wo die grosse Handelsstrasse von Quifo nach Cuenca 
und Lima geht, nur von zweien unter allen von PENTLAND 
gemessenen Pässen (und um ein sehr Geringes) an Höhe 
übertroffen wird. Der Pass über die Altos de Toledo ist 
25 und der von Chullunguani 17 T. höher. Denn überall 
verhalten sich die mittlen Höhen der Gebirgsrücken, deren 
‘Minima die Pässe uns kennen lehren, nicht wie die einzel- 
nen Gipfel, wie die Kulminations-Punkte der Ketten. Eine 
graphische Darstellung der Alpen und Pyrenäen (die letzteren 
haben bekanntlich einen sehr hohen Rücken bei geringer 
Höhe der einzelnen Gipfel) bekräftigt diese Betrachtungen. 

Da man von dem Felskamme des Vulkans von Pichincha 
hinweg über die menschenleeren und undurchdringlichen 
- Waldungen der Yumbos und der Provinz de las Esmeraldas 
in,die Südsee hineinblickt, und’ da schon westlich von den 
Felsirseln Puna und St. Clara (le Amertajado) bei sehr hei- 
terem ‚Wetter der Chimborazo auf der Schifffarth von Lima 
nach Guayaquil gesehen werden kann, so ist der wahre 
Abstand. der Küste von den westlichen Kordilleren ein Ge- 
genstand, mit dem ich mich besonders beschäftigen musste, 
Die zu bestimmende Entfernung hängt hauptsächlich von der 
Längendifferenz zwischen den Städten Quilo und Guayaqull, 
von dem Azimuth und dem Höhenwinkel der Spitze des 
Chimborazo, wie dieselbe auf dem Littorale von Guayaqual 
gesehen wird, ab. Ich muss mich. hier begnügen, zu bemer- 
ken, dass die Zweifel, welche der Kapitän Basır Harz ge- 
gen die von mir gefundene Länge von Guayaquil erhoben 
hatte, durch die letzte grosse englische Expedition in den 
Schiffen Adventure und Beagle (Kapit. Kıng, Sroxzs und 
Fırz Roy) zur Aufnahme der Küste von. West-Patagonien. 
bis Guayaquıl völlig und zu meiner Zufriedenheit gelöst wor- 
den sind. Nach den erst vor wenigen Monaten von Sir 


Me 


Joun Barrow bekannt *) gemachten Resultaten der Expe- 
dition ist Guayaguil, ungeachtet die Zeit von einem sehr 
fernen Punkte, Valparaiso, übertragen wurde, bis auf 17 Zeit- 
sekunden mit meiner nun schon sehr alten Längenbestim- 
mung übereinstimmend gefunden worden, ja für den Hafen 
Callao de Lima, auf den ich Guayaquil cehronometrisch bezog, 
findet die letzte englische Expedition, wie die Seefahrer aus- 
drücklich bemerken, ein mittles Resultat, das nur um 2 Zeit- 
sekunden yon der Länge abweicht, welche OLtmanns aus 
meiner Beobachtung des Durchganges des Merkur auf der 
Sonnenscheibe schloss. Da bei so grossen Höhen und auf 
so langen Wegen (der Pichincha, um weniges höher als der 
Montblanc, kann ohne Refraktion in der Entfernung von 34, 
der Chimborazo in einer von 39 geogr. Meilen gesehen werden) 
die Wahrscheinlichheit abnimmt, dass der Lichtstrahl durch 
keine der neben und über einander gelagerten Wolkenschich- 
ten gehindert werde, zu dem Auge zu gelangen, so geniesst 
man am Ufer der Südsee selten des erfreulichen Anblicks 
der majestätischen Andes-Kette. Ein Höhenwinkel des Chim- 
borazo (nur 1° 57/40“), den der gelehrte spanische See-Offi- 
zier, Don Joser Esrınosa **) während der Marsasırna’schen 
"Weltumseegelung am Strande von Guayaquil erlangte, ist der 
Gegenstand eines auf diesem Wege nicht zu sehlichtenden 
Streits über die wahre Höhe des Chimborazo geworden, da 
Refraktion und Azimuth, wie die horizontale Entfernung 
selbst, nicht gehörig erörtert wurden, 


Ich habe noch einen anderen Punkt zu berälıren, der 
sich auf die Positions- und Dimensions-Verhältnisse der Kor- 
dilleren bezieht. LroroıLp von Buch hat in seiner lichtver- 
breitenden Theorie des Hervortretens von Gebirgsketten 
durch Spalten mehrfach auf die Beziehungen hingewiesen, 
die man zwischen der Richtung der Gebirgsketten und naher 
oder ferner Küsten bemerkt. Das Phänomen thätiger, 


”) Journal of the Royal Geogr. Soc. T. 6, P. 2, p. 337. 
”*) Memorias de los Navegantes Espanoles, T. I, p. 187. 


= 


dauernder Vulkane ist in Süd- Amerika bekanntlich auf den 
West-Rand des Kontinents beschränkt, und meine hypsome- 
trische Darstellung der ganzen Andes-Kette, welche in die 
neuesten Karten von Brui übertragen, nirgends aber rich- 
tiger und geschmackvoller wiederholt worden ist, als in einer 
leider noch immer nicht erschienenen kleinen Karte von 
BercuAus *), zeugt für den innigsten Zusammenhang zwi- 
schen der Form (dem Umriss) des Kontinents und dem 
wechselnden Streichen der Kette. Der Wendepunkt bei 
'Arica, wo die Küste ihr nordsüdliches Streichen plötzlich 
in ein nordwestliches verwandelt, eine Einbiegung unter 
18°1 südlicher Breite, welche der ganz ähnlichen Einbie- 
gung der Westküste des pyramidalen Kontinents von Afrika 
(in 4° nördlicher Breite) bei Fernando Po, entspricht, ist 
in seiner geologischen Bedeutsamkeit schon mehrmals von 
mir an anderen Orten bezeichnet worden. Das plötzlich 
veränderte Streichen der Andes-Kette im Parallel von Arica 
ist nicht auf die der Südsee-Küste nahe westliche Kordsllere 
eingeschränkt; sie erstreckt sich in eben dem Maase auf die 
östliche Kette, welche den frühesten Sitz menschlicher Kul- 
tur in Süd-Amerika, die Hochebenen von Tilicaca, begränzt 
und auf ihrem Rücken die erst neuerlichst bekannt gewor- 
denen Bergkolosse des Sorata und Jlimani trägt. Der Pa- 
rallelismus der Kordslleren. unter sich, besonders zwischen 
5° südlicher und 5° nördlicher Breite ist so auffallend, als 
der Parallelismus mit den Sinuositäten des Zittorals. Ein 
einziges, sein Streichen veränderndes abseharendes 
Trumm vereinigt die neuere Gebirgsspalte der Andes von 
Quito durch Neu-Granada, östlich von Bogota, mit der älte- 
ren Gebirgsspalte der Küstenkette von Caracas. 


Westlich vom Hochlande von Ouslo scheint die Rich- 
tung der Ketten selbst zu beweisen, dass ein Küsten-Ein- 
schnitt, der Golf von Guayaquzl, ein kleines zufälliges Phä- 
nomen späterer Entstehung ist, als die der Ketten-Hebuug. 


*) Karte des ganzen Neuen Kontinents. 


= Me 


Hier nähert sich. die Küste bis. auf 25 Bogen-Minuten der 
westlichen Kordillere in der Gegend von Cuenca, südlich 
von dem oben erwähnten @ueerjoch des Assuay, wo die viel 
besuchte Landstrasse fast die Höhe des Montblanc erreicht. 
Kein Einfluss dieser grösseren Meeres-Nähe auf die Stel- 
lung der Vulkane zeigt sich aber hier. Schon zwanzig geo- 
graphische Meilen nördlicher, seit dem Parallel des Zunguragua, 
ist die lange Reihe thätiger Vulkane gegen Süden geendigt. 
Hindernisse in den Gesteinschichten haben vielleicht hier, 
der Seeküste näher, den Durchbruch der elastischen Kräfte 
und eine permanente Verbindung mit dem Inneren gehindert. 
Auffallend ist es sogar, dass das Hinderniss weniger gross 
nach der von dem ZLitloral abgekehrten Seite gewesen ist; 
denn am Fuss der östlichen Kette ist der Sangay, oder Vul- 
kan von Macas, einen vollen halben Grad südlich vom Pa- 
rallel des Zunguragua in einer waldreichen Ebene, an den 
Quellen des Rio Morona, ausgebrochen. Rürrzı gibt dem 
rauchenden Kegelberge in Kordofan S4 Meilen Entfernung 
vom Meere, während der Peschan in Inner- Asien, von dem 
sich noch in späteren ganz historischen Zeiten Lavaströme 
ergossen haben, und andere thätige Vulkane der Kette 
Thianschan nach meiner Skizze der Bergketten von Inner- 
Asien drei Mal so weit, volle 260 geographische Meilen von 
allen Meeren entfernt und keinesweges von grossen Binnen- 
Wassern umgeben liegen. 

Wenn gleich in einem grossen Theile der Welt das 
Emporsteigen von Trachyt-, Andesit- und Dolrit-Massen die 
höchsten Gipfel der Ketten oder Insel-Gruppen gebildet hat, 
so lehren dagegen andere Zonen (z. B. der Himalaya und die 
östliche Andes-Kordillere von Bolivia), dass dieser Zusam- 
menhang zwischen dem Maximum der Erhebung und der 
Natur des sichtbaren Gesteins kein nothwendiger ist. In 
Mexiko, wo alle Vulkane auf einer, den Isthmus und die Axe 
der Kette fast rechtwinkelig durchschneidenden Spalte em- 
porgestiegen sind (L£ororL» von Buch vergleicht diese unter- 
geordnete Queerspaltung mit der im Inneren von Java), sind 


el - 
allerdings alle Nevados, da, heisst alle Gipfel, welche hoch 


über die ewige Schneegränze hinausreichen Vulkane und 
aus den eben genannten Gebirgsarten zusammengesetzt. Eben- 
falls in dem Hochlande von Quifo liegen die - Kulminations- 
punkte der Kordilere allerdings in Dolerit-Glocken und Ke- 
geln; aber auch in eben dem Hochlande, gegenüber dem 
Chimborazo und dem Vulkan Tunguragua, sind die hohen- 
Nevados von Condorasto, Cuvillan und Collanes Glimmer- 
schiefer und Gestellstein. Die höchsten Berge der ganzen 
Andes-Kette, der Sorala oder Tusubaya etwas westlich von 
der Mission Challana, und der Ilmani, südlich von dem 
Missions- Dörfchen Oeobaya, zwei Gipfel, von denen jener 
fast nur um.eine grosse Thurmhöhe (78 Toisen) niedriger 
ist als der zweite und einzig gut gemessene Koloss *) des 
Himalaya, bestehen aus Grauwackenschiefer, aber nach hand- 
schriftlichen Noten von Paxsrann, die ich besitze, finden 
sich wenigstens am westlichen Abfalle des Ilimani Syenit- 
und Porphyr-Massen, in denen, als Zeugen des Durchbruchs, 
eckige Stücke von Grauwackenschiefer eingebacken sind, 
Alle diese Thatsachen beweisen, dass die absolute Höhe ein- 
zelner Gipfel (ein Phänomen, welches von jeher das popu- 
' lärste Interesse auf sich gezogen hat) bloss eine lokale, in 
‚mehr oder minder Widerstand gegründete Zufälligkeit ist, 
geognostisch unwichtig in Vergleich mit Richtung der Axe, 
Beharrlichkeit im Streichen und mittler%,Höhe des Rückens 
einer Bergkette. 


Nach diesen allgemeinen Betrachtungen der Andes-Kor- 
dilleren gehe ich zu der Schilderung einzelner Vulkane’ der 
Hochebene von Quito über. Ich beginne mit einem der nie- 
drigsten Gipfel, Pichincha, weil er der Stadt am nächsten 
liegt, weil er eine von der der meisten feuerspeienden Berge 
sehr abweichende Form hat, und für mich der Gegenstand 
dreier Expeditionen war, In Europa hat dieser Berg in der 
Mitte des vorigen Jahrhunderts einen grossen, jetzt freilich 


*) Jawahir 4026 Toisen, Sorata 3948 Toisen, 


— 266 — 


längst verhallten Ruf gehabt, da Bousver und La ConpamıneE 
auf seinem Rücken drei Wochen lang eine Hütte bewohnten, 
in der sie meteorologische Beobachtungen anstellten. Diese 
Hütte lag 2430 T. hoch, also nur 180 Fuss tiefer als der 
Gipfel des Montblanc. Derjenige Theil des Längenthals zwi- 
schen der östlichen un:] westlichen Kordillere oder, wie ich 
mich lieber ausdrücke, zwischen der Äordillere, des Anlisana 
und Colopasi und der des Pichincha und Chimborazo, in 
welchem die Stadt Qusto liegt, ist wiederum durch eine nie- 
drige Hügelkette, die von /chimbio und Poiöngasi, der Länge 
nach von Süden nach Norden in zwei Hälften getheilt. 
Östlich von diesen Hügeln liegen die fruchtbaren anmuthigen 
Ebenen von Pwembo und Chillo, westlich dem Vulkan Pr- 
chincha näher, die öderen Grasflächen von Jraquilo und 
Turabamba. Das Niveau beider Hälften des Thals ist ver- 
schieden. In der östlichen milderen ist der Thalboden S040, 
in der rauheren westlichen ist er fast 9000 Fuss (nach mir 
1492, nach Boussinsautur 1496 T.) über dem Meeresspiegel 
erhoben. Die lateinische Inschrift, welche die französischen 
Astronomen in dem Jesuiten-Kollegium aufgestellt haben, 
und welche die Länge von Quzlo viel zu westlich setzt, gibt 
auch die Höhe der Stadt aus Gründen, die ich oben berührt 
habe, 270 Fuss zu niedrigan. Wenn man nun erwägt, dass 
Quito dicht an der Felsmauer des Pichincha erbaut und von 
vielen sehr tiefen! offenen, meist wasserleeren Spalten, 
Guaycos, durchschnitten ist, die alle dem Vulkan reehtwinke- 
lig zulaufen, wenn man sich dazu erinnert, dass wir daselbst 
fast in jedem Monate, mit und ohne Erdbeben, ein schreck- 
haftes unterirdisches Getöse (bramideo) unter unseren Füssen 
hörten, so darf man sich nieht wundern, dass der dem Vulkan 
nähere Thalboden in den Ebenen von Jäaquilo und Turubamba 
durch die noch heute wirkenden yulkanischen Kräfte höher 
gehoben sey, als der Boden von Chillo in dem entfernteren 
östlicheren Theile des Thals.. Die mittle Wärme von 
Quito ist, nach meinen Beobachtungen von Maximis und Mi- 
nimis der Lufttemperatur in kaum vier Monaten 11°,5R., 


& . 


— 267 — 


To 


nach BoussincAuLt, aus der Wärme der trocknen Erde ge- 
schlossen , etwas höher = 12°,2, Unterschied 0°,7,. Das ist 
fast die mittlere Wärme von Rom, aber auf der Höhe von 
Quito und fast unter der Linie selbst; welche Verschieden- 
heit in der Vertheilung der Wärme! In Quilo sind die 
Extreme 4°,8 und 17°,6 R. Spuren von Eis oder dünne 
Eisrinden sieht man unendlich selten und nur als Wirkung 
der Wärmestrahlung gegen einen wolkenfreien Himmel, Die 
französischen Akademiker schildern das Klima milder als es 
jetzt ist. Die Vergleichung mit dem Thalkessel von Caschmir 
seheint vollends unpasseid. Nach den neuesten Messungen 
von Vıcror Jacavemont *) und Baron Höcsr **) liegt die 
Stadt Oaschemir volle 3700 Fuss niedriger als Quito. Von 
dem grossen Stadtmarkte (Plaza major) aus sieht man in 
drohender Nähe die stroffen Abhänge (faldas) des Vulkans 
von Pichincha, nicht die Reihe der Gipfel, die wir bald 
beschreiben werden; man sieht auf einem kahlen heryortre- 
tenden Hügel, der freilich höher als der Pie von Teneriffa 
ist, das von La Conpamine als Signal errichtete Kreuz (la 
Cruz de Pichincha) und, was einen schönen Anblick gewährt, 
westlicher und tiefer den silberglänzenden Wasserfall von 
Canluna in nur 1728 Toisen Höhe. Der Fuss des Wasser- 
falls bleibt unter einem vorspringenden Felsen verdeckt. 


Pichincha 


Ich habe einen topographischen Plan des Vulkans und 
aller Thäler, die am südöstlichen zugänglicheren Abhange 
zu seinem weit ausgedehnten Rücken fülıren, in Qusto selbst 
entworfen und zur Erläuterung dieser Karte eine Profil- 
Ansicht geliefert, wie man sie bei heiterer Luft unfern 
Chillo in der Grasflur Cachapamba geniesst. Die Karte ist 
in dem Atlas von Süd-Amerika, der meinen Reisebericht 


*) Correspondance pendant son Voyage dans VInde, T. IT, 2.588,74. 
**) Journal of the Roya! Geogr. Soc. T. VT, P.2, p. 384. Jacguzmont 
gibt 5350, Hücer, 5850 engl. Fuss; Mittel 875 Toisen. 


a ee 


begleitet, die pittoreske Ansicht aber in den Vues des Cor- 
dilleres erschienen. Ausser den barometrischen Messungen 
vieler einzelner Gipfel habe ich eine trigonometrische Mes- 
sung aller Gipfel in der Ebene von Cachapamba vorgenom- 
men, die vom Krater des Rucupichincha 14,211 Toisen ent- 
fernt ist. Da mir eine eigentliche Triangulation zwischen 
den engen Schluchten des Vulkans am Abhange selbst un- 
möglich war und viele Wochen Zeit erfordert haben würde, 
so ist die kürzere hypsometrische Methode, die sich der 
Höhenwinkel und senkrechten Standlinien bedient, vorgezo- 
gen worden, eine Methode, deren Genauigkeit durch meinen 
Versuch den Längenunterschied von Mexiko und Veracruz 
in einer Entfernung von drei Längengraden hypsometrisch 
zu bestimmen, empfehlenswerth scheint. Aus den Winkeln 
hat sich dazu die Masse des ganzen Vulkans und der ein- 
zelnen Gipfel ergeben. Die Entfernung des noch brennen- 
den Kraters von dem Thurm de la Merced in Quito (ein 
Element, das die Einwohner dieser Stadt lebhaft interessirte) 
habe ich, von dem Hügel von Peingasi aus, wo man zugleich 
den Thurm und die den Krater umgebenden drei Felsen 
sieht, durch eine etwas verwickelte Triangulation bestimmt. 
Ich fand sie aus mehreren Kombinationen 5556 T. Zu mei- 
ner grossen Freude habe ich in Paris, lange nachdem mein 
Plan gestochen war, den ersten Entwurf einer handschrift- 
lichen Karte aus La Conpamines Nachlass erhalten, deren 
Maasstab erlaubte, sich eines Abstandes von $S bis 10T, zu 
versichern. Diese Karte enthält, ausser der Stadt Qusto 
und dem Thurme der Kirche de la Merced, vom Pichincha 
selbst riur das Centrum des Kraters. Die darauf graphisch 
ng Entfernung war 5520 T., Unterschied 66 T. oder 
37 Magnetische Azimuthe sind fast gar nicht, oder nur in 
Poingasi für sekundäre Punkte in 1800 T. Entfernung von 
dem Abhange des Vulkans, also an einem Orte benutzt wor- 
den, wo ich mittelst eines Lamsert schen vierzehnzölligen 
Deklinatoriums die lokale magnetische Abweichung bestimmen 
konnte, Diese allgemeine, nur schon zu umständliche 


— 2169 — 


Übersicht der bei der Konstruktion meiner Karte angewandten 
Mittel soll die Richtigkeit der Haupt-Dimensionen eines 
Vulkans bewähren, der in seiner Hauptrichtung von SW. 
nach NO. eine isolirte, ununterbrochen fortlaufende Wand 
bildet. Auch der Umriss des Berges in der pittoresken 
Ansicht ist nach Horizontal- und Höhen-Winkeln gezeichnet, 
‘die wiederholt mit dem Sextanten gemessen wurden. 


Die Beschreibungen, welche La Coxpamine an mehreren. 
Stellen des Mesure de la Meridienne von dem Vulkan von 
Pichincha gibt, sind überaus unbestimmt. Er spricht zwar 
von mehreren Gipfeln, nennt deren aber nur drei, statt vier. 
Den höchsten, sütlwestlichsten Gipfel, aus dem allein die 
grossen Ausbrüche erfolgt sind, haben die französischen 
Akademiker gar nicht gemessen. Die einzige Kuppe, deren 
in der Inschrift des Jesuiten - Kollegiums erwähnt ist, und 
die bloss als Caceumen lapideum bezeichnet wird, ist 
‚der dritte thurmähnliche Gipfel, vun S.W. nach N.O. gerech- n 
net. Wo übrigens die Hütte stand, in der die Beobachter 
mit so rühmlicher Ausdauer Wochen lang schliefen, ist nach 
der angegebenen Barometerhöhe und bei aller mangelnden 
Tradition schwer zu ergründen. Klarheit kann man nur in 
die Beschreibung der Struktur des Berges bringen, wenn 
man sich der indischen, sehr bestimmten Benennungen der 


Gipfel bedient. 


Was zuerst am Pichincha auffällt, ist seine von der ge- 
wöhnlichen Kegelform der Vulkane so verschiedene Gestalt. 
Den grössten Kontrast bietet der Prchincha mit dem Coto- 
paxi dar, dessen Schnee-Mantel die kleinsten Unebenheiten 
eines vollkommenen Kegels bedeckt, und von dem die spanı- 
schen Kreolen mit Recht sagen, er sey wie von der Dreh- 
bank gekommen, hecho al torno (fait au tour)*). Der Pichincha 
bildet eine lange Mauer, und diese Ausdehnung in der Länge 
bei einer in Verhältniss geringen Höhe (kaum 15,000 Fuss) 
vermindert an Punkten, wo man das ganze isolirt stehende 


*) Man vergleiche meine Vues des Cordilleres, Pi. 10 und 61. 
Jahrgang 1837. 18 


a 


_—. 21 — R 


„ Gebirge mit einem Blick umfassen kann, den majestätischen 
Eindruck der Ansicht. ä 
 Pichincha liegt auf dem Rücken der ER Kordil- 

ir leren ‚ als ein Ganzes betrachtet allerdings in einem Alig- 
nement, d.h. in derselben Axenrichtung mit den Schnee- 
‚bergen Jliniza, Corazon und Colocachi; er bildet eine Reihe 
mit ihnen, aber bei dem jähen Absturz, den die Kordilleren 
gegen.das Meer hin zeigen, kann man sagen, dass Pichincha, 
speciell betrachtet, die fortlaufende Kordillere wie mit einem 
Mauer-Stücke krönt, und dass die Richtung dieser Mauer 
von der Richtung der Basis, auf der sie ruht (von der all- 
gemeinen Axe der Kordillere) um volle 35° abweicht. Die 
Axe der westlichen Kordillere liegt zwischen 0° 40° südl. 
und 0° 20‘ nördl. Breite, N. 21° O.; die specielle Axe des 
Vulkans, durch seine Gipfelreihe gelegt, liegt N. 56°0. Nach 
neueren Ansichten würde man daher sagen, dass die später 
„ entstandene Mauer, die wir Pichincha nennen, auf einer en- 
geren Spalte, die mehr vom Meridian gegen Osten ‚abweicht, 
hervorgetreten ist. Von diesen Erscheinungen, die den all- 
gemeinen untergeordnet sind, gibt auch die g:osse Bergebene 
des Anlisana in 12,600 Fuss Höhe ein merkwürdiges Beispiel. 
Der schneebedeckte runde Gipfel des Berges erhebt sich in- 
selförmig in dieser Ebene, aber gegen Westen ist aus der- 
selben, in der Richtung von Norden gegen Süden, eine 
schwarze Felswand hervorgestiegen, der Chussolonge, der 
im Kleinen der Form nach an den Pichincha erinnert. Der 
letztere ist zwar von allen Seiten isolirt, doch ist er es 
minder gegen den Corazon und gegen Iliniza hin, wo der 
Altacazo sich ihm naht, als gegen Norden, gegen den Cerro 
de Cuicocha und den Nevado de Cotocachi hin ,„ Wo in einer 
weiten Öffnung der Fluss Guallabamba sich aus der Obsidian- 
reichen Hochebene von Quinche einen Weg nach der Südsee 
bahnt. Zu besserer Verständigung des Folgenden füge ich 
im Allgemeinen noch hinzu, dass die vier Gipfel des Pr- 
chincha, die aus der Ferne theils als Kegel, theils als Thurm- 
spitzen und Ruinen von Bergschlössern erscheinen, von N.O. 


‚r 


4a 


_- 71 — 


gegen 8.W. folgende Reihe bilden: 1) ein ungenannter 
Kegelberg, nahe bei dem Rücken I/ngapilca, den ich nach 
der Frequenz der grossen Condor-Geyer, und weil gegen ihn die 
tiefe Spalte von Cundurguachana endigt, durch welche Blöcke 
in die schöne Grasebene (Exrido) von Jüaquito gekommen 
sind, den Condor-Gipfel nenne. 2) Guaguapichincha, das 
heisst, das Kind des alten Vulkans. 3) Picacho de los La- 


drillos, wegen der mauerartigen Spaltung so benannt und 


durch einen schmalen Sattel mit einem anderen mehr südlich 
vorliegenden Kegel, Tablahuma, zusammenhängend. 4) Ru- 
cupichincha, der Alte oder Vater, den Krater enthaltend, 
und, da er etwas ausserhalb der Reihe mehr gegen die 
Südsee gerichtet ist, von Chillo oder Poingasi aus unter 
einem etwas kleineren Höhenwinkel erscheinend, als der Ka- 
stel-artige Gipfel des Guaguapichincha. Die kupferfarbigen 
Eingeborenen nennen Vulkane, weil es für sie gleichsam 
Individuen (einzelne Kegel) sind, die ganzen Berg-Kolosse 
des Colopax? und Zungurahua; aber: am Pichincha nennen 
sie el Volcan bloss den südwestlichsten Theil, von dem sie 
der Tradition nach wissen, dass in den Jahren 1533, 1539, 
1560, 1566, 1577, 1580 und 1660 so grosse Feuerausbrüche 
Statt fanden, dass die Stadt Quzlo ganze Tage lang durch 
fallende Asche in tiefe Finsterniss gehüllt war. Sie bedie- 
nen sich sogar, wenn sie für mehr lateinisirt (muy la- 
tinos), d, h. gebildet gehalten werden wollen, der Benen- 
nung Vulkan für den letzten und vierten Gipfel öfter als 
der Benennung Rucupichincha. 


Erste Besteigung. — Wir machten den ersten 
Versuch, an den Krater des Pschincha zu gelangen, an einem 
heiteren Morgen im Monat April *).. Unsere Begleitung 
war zahlreicher, als wir es gewünscht hätten, ein Übel, 
das man bei keiner Reise vermeiden kann, in welcher die 
Instrumente, deren man sich bedient, die Neugierde der 

Einwohner des Landes auf sich ziehen. Da in den unteren 


| ”) Den 14. April 1802. 
15 * 


— 1372 — 


Revieren des Vulkans häufig gejagt wird, auch die Indianer 
ein Gemisch von Hagel und Schnee, freilich nicht von dem 
schneebedeckten. Gipfel des Kraters, sondern aus tieferen 
_ Sehnee- und Eis-Höhlen zur Stadt bringen, so rühmten sich 
alle unsere Begleiter, Weisse und Farbige, der Gegend sehr 
kundig zu seyn. lch war gerade: vor einem Monat mit Hrn. 
BonrLanp und dem jungen Sohne des Marquis DE SELVALE- 
GRE, CArLos N:onturAR, der uns nach dem Amazonen-Streme 
Lima, Mexiko und Paris begleitete, aber nach seiner Zurück- 
kunft von Europa in dem edlen Kampfe für die Freiheit 
‘seines Vaterlandes den: Tod fand, auf dem Antisana gewesen, 
Wir gelangten dort auf einem Felskamme, der über die 
ewige Schneegränze hinausreichte, zu der Höhe von mehr 
als 17,000 F., so dass die Erreichung des höchsten ‚Gipfels 
des Pichincha, der den Montblanc kaum um 180 Fuss über- 
steigt, uns vergleichungsweise ein leicht auszuführendes Un- 
ternehmen schien. Der Erfolg hat gezeigt, dass die spalt- 
ähnlichen tiefen Thäler, welche die vier Hauptgipfel des 
Pichincha trennen, an vielen Punkten unübersteigliche Hin- 
dernisse darbieten. Wir nahmen unseren Weg von Quito 
aus gegen Nordwesten, um, neben dem Klostergarten Reco- 
leccion de la Merced vorbei, zu dem Wasserfall Chorro de . 
la Cantuna zu gelangen. Die Recoleccion liegt zwischen 
zweien der Guaycos oder offenen Spalten von 30 bis 40 Fuss 
Breite, von denen ich oben sprach, und die alle dem Berg- 
gehänge zulaufen. Beide Spalten vereinigen sich etwas nörd- 
lich von der Kirche de la Merced, wo eine Brücke über sie 
geschlagen ist. Weiter hin nach dem Platze des heiligen 
Franeiscus, werden die Guaycos unsichtbar, da hohe Ge- 
bäude durch Wölbungen sie verdecken. Einige dieser @uay- 
cos gleichen mächtigen offenen Gängen, 60 bis S0 Fuss tief. 
An vielen Punkten sind sie, in 30 bis 40 Lachter Länge, 
gar nieht nach oben geöffnet, sondern bilden natürliche Stol- 
len, unterirdische Weitungen. Es ist ein Volksglaube in 
Quito, dass die Stadt darum so wenig an ihren prächtigen » 
Kirchen und hohen Häusern bei häufigen Erdbeben leidet, 


w 


- 273 — 


weil diese in anderer Hinsicht geognostisch wichtigen offenen 


Klüfte den (elastischen) Dämpfen, & los vapores, freien Aus- 
gang gewährten. Eine solche, auch von UrLoA angenommene 
Theorie, die mit der uralten römischen Meinung vom Nutzen 
der Brunnen bei Erdstössen zusammenhängt, wird aber 
‘ durch die Erfahrung wenig bestätigt. Aufmerksame Beob- 
achter haben bemerkt, dass einige östlichere Quartiere der 
Stadt Quito bei Santa Barbara und San Juan Evangelısta, 
die von keinen Guaycos durchschnitten sind, minder leiden, 
als die den Guaycos näheren. Die wenig steilen Abhänge 
(faldas), die zum Wasserfall führen, sind mit kurzem 
Rasen von geselligen Grasarten (Podosaemum debile, 
Gymnothrix und Stipa eminens Cavan.) bedeckt. In 
dem Rasen blühen vereinzelt einige Calceolarien. Der 
Wasserfall von Cantuna, 1728 T. über dem Meere gelegen, 
war gerade sehr dürftig, und hatte in anderen Monaten, 
von der Plaza major aus gesehen, unsere Erwartungen mehr 
gespannt. Wir folgten weiter aufwärts einer engen Schlucht, 
durch die wir, das weit gesehene Kreuz von La Conpamine, 
La Cruz de Pichincha, (2072 T.) rechts zur Seite lassend, 
in eine kleine, ganz horizontale Ebene (Zlano de lu Toma 
oder Liano de Palmascuchu) gelangten. Die absolute Höhe 
dieser Ebene ist 2230 T. Eine ganz ähnliche Ebene, aber 
fast zur Hälfte kleiner, von kaum 300 T. Breite, Llano de 
Allarcuchu, liegt weiter westlich, ebenfalls dieht an dem 
Hauptkamm oder Rücken des Gebirges. Beide Ebenen, al- 
tem Seeboden ähnlich, bilden das Ende aufsteigender Thä- 


ler und sind durch ein Bergjoch getrennt, auf dessen Fort- 


setzung der groteske Gipfel @uaguapichincha emporsteigt. 
Auf der ersten nordöstlicher gelegenen kleinen Ebene von 
Palmascuchu genossen wir eines herrlichen Anblickes auf 
Anltisana, den sogenannten Vulkan von Ansango, auf Cotoparı 
und Sinchulahua, alle zur östlichen Kordillere gehörig. Es 
war 11 Uhr Morgens, und trotz der Höhe stieg das Ther- 
mometer im Sehatten auf 11°R.  Guaguapichincha aus der 
- Ebene gesehen, erscheint wie eine zertrümmerte hohe Burg. 


Wir glaubten anfangs, dass diese Burg aus gegliederten 
senkrechten Säulen bestehe; als wir aber an ihr hinauf- 
klimmten, fanden wir ein pechsteinähnliches, schwarzes Ge- 
stein, das in ganz dünne Schichten gespalten war. Die 
Schichten hatten oft nur 2 bis 3 Zoll Mächtigkeit; einige 
Gruppen waren 12 bis 14 Zoll diek, alle fielen sehr regel- 
mässig mit-85° gegen Norden. ihr Streichen war hor. 6,4 
unseres deutschen Gruben-Kompasses. Querspalten gaben 
dem sehr frischen, glänzenden, unverwitterten Gestein, bei 
der fast seigeren Schichtung, in der Ferne einige Ähnlich- 
keit mit einem Fels von Porphyrschiefer. Ich nannte das 
Gestein damals pechsteinartigen Trapp-Porphyr. Wo ich 
Hornblende in dem Gewebe vermuthet hatte, erkännte Leo- 
roLp von Buch, der meine damals etwas reichhaltigeren 
' Sammlungen bald nach meiner Rückkunft unter der Lupe 
sorgfältig untersuchte, deutlich Augitkrystalle. Er fand diese 
auch in den vulkanischen Gesteinen des Chimborazo. Nach 
einer neueren Untersuchung meines Freundes Gustav Rose 
enthält die schwarze pechsteinartige Grundmasse von Gua- 
guapichincha in 2378 T. Höhe ausser dem Augit auch La- 
brador, nicht Feldspatb, nicht Albit, nicht Hornblende. Der 
Glanz des Gesteins ist geringer als beim eigentlichen Pech- 
stein; die Grundmasse ist nur schimmernd, an den Kanten 
schwach durchscheinend und uneben im Bruch. Vor dem 
Löthrohr sah sie Gustav Rose (sehwierig und nur an den 
Kanten) zu einem weissen Glase schmelzen. Der Labrador 
findet sich daran in Zwillingskrystallen mit einspringenden 
Winkeln. Die Krystalle sind weiss, stark durchscheinend, 
auf dem Bruche stark perlmutterglänzend. Sie erscheinen 
nur klein und schmal, auf den Spaltungsflächen mit den ein- 
springenden Winkeln etwa zwei Linien lang, und sind in 
der Grundmasse sehr häufig zerstreut. : Die Augitkrystalle 
sind schwärzlichgrün, nur klein und sehr sparsam einge- 
‘wachsen. Wir haben also am Pichincha wieder, wie am 
AÄtna, ein Dolerit-Gestein mit vorwaltendem Labrador. ‘Die 
Umrisse des Guaguapichincha sind wunderbar zackig, was bei 


vielem schwarzen vulkanischen Gestein der Andes bemerkt - 


wird. Gegen Südwesten sahen wir Zapfen und Zacken, die, 
bei kaum 10 Zoll Dieke, wohl S bis 9 Fuss Höhe hatten 
und senkrecht aufstiegen.. Die Zeichnung, die ich bei S0ma- 
liger Vergrösserung von dem Umriss des Guaguapichincha 
er der Ebene von Chilo, also in einer Entfernung von 

13,326 T.) mit Sorgfalt gemacht habe, lehrt, dass Guagua- 
pichincha wohl das acutum et lapideum cacumen der 


Jesuiten-Inschrift von La Coxpamıne ist. Die oberste Spitze 


ist thurmartig abgestumpft. 

Wir hatten im Hinaufsteigen durch die enge Schlucht, 
die nach der kleinen Ebene Palmascuchu an den Fuss des 
Guaguapichencha führt, schon unterhalb dem Signal- Kreuze, 
etwa in 1800 T. Höhe, den nackten Felsen hie und da mit 
Bimsstein bedeckt gefunden. Diese Lagen Bimsstein wurden 
häufiger , ‚je höher wir stiegen.» Es wurde uns auch bald 
auffallend, dass der Bimsstein an dem grotesken Gipfel von 


Guaguapichincha sich mehr an dem westlichen und südwest- 


lichen Abhange (also nach der Seite des Kraters von Rucu- 
pichincha hin), denn in entgegengesetzter Richtung ‘fand. Es 
kontrastirte sonderbar seine weisse, bisweilen gelbliche Farbe 
mit der Schwärze des Augit-Gesteins. # 

Die Eingebornen, die uns zu Führern dienten, gestan- 
‚den uns bald selbst, dass sie nie bis zu dem Gebirgskamme 
gelangt wären: sie wussten keinen anderen Rath, um zu 
dem dritten Gipfel, Pico de los Ladrillos, und so dem Kra- 
ter näher zu gelangen, als uns erst in die Ebene. von Pal- 
mascuchu, und dann (das steile Bergjoch von Loma Gorda, 
das zwei benachbarte und ziemlich parallele Spalten trennt, 
überschreitend) in die Neben-Schlucht von Altar- und Verde- 
cuchw hinabsteigen zu lassen, Ein Blick auf die Karte 
wird die sonderbare, aber doch eigentlich einförmige Struktur 
des Berges erläutern. Viele wasserleere Thäler (eigentlich 
Spalten) ziehen sich vom Kamm gegen die Hochebene von 
Quito herab. Es sind die Spalten von Oundurguachana, wel- 
chen, wie wir bald erwähnen werden, eine gewisse Öffnung 


„= 


6) 


EN _— 76 — 


bei. Guapulo, dem Pichincha gegenüber, entspricht ; die Que- 

*  brada, die nach Palmascuchu führt; dann. Verdecuchu und 
das breitere Thal von Yuyucha; endlich eine fünfte Schlucht, 
welche aus der bimssteinreichen Ebene am Fuss des Aueu- 

pichincha in das Thal von Lloa Chiquito führt. Die Aus- 

mündungen dieser engen Schluchten sind so gelegen, dass 

grosse Wasserfluthen, die der schmelzende Schnee bei jedem 

vulkanischen Ausbruch erregt, von der Stadt Quito ‚abge- 

lenkt werden, und nach Zloa und in die Ebene der Turu- 

bamba gelangen. Nach den Ansichten der neueren .Geognosie 

darf man auf dieses Phänomen der Spalten von Pechincha 

wohl einige Wichtigkeit legen. Ihre Entstehung hängt mit 

der Hebung des Berges zusammen, sie sind nicht durch 

Wasser eingefurcht, können aber später Wasserbecken schmel- 

zenden Schnee’s eingeschlossen haben, da, wo sie durch 

Querdämme getrennt waren. In der That glaube ich, als 

wir von der kleinen Ebene von Verdecuchu (2173 T.) in die 

w Ebene von Altarcuchu (2256 T.) hinaufstiegen, diese stufen- 


bi 
weise Lage von Becken ehemaliger kleiner Alpen-Seen,: dem 


2 


Gebirgsrücken nahe, deutlich erkannt zu haben. . 
Statt auf dem mit Bimsstein ganz überschütteten schma- 
len Kamme, der Guaguapichincha mit dem Picacho de los 
'Ladrillos (dem Zoegelberge) verbindet, zu diesem letzteren 
zu gelangen, liessen uns die Indianer aus dem von fast senk- 
recht abgestürzten Felswänden umgebenen Becken von Al- 
tarcuchu auf den Ziegelberg selbst steigen. Die relative senk- 
rechte Höhe betrug nur 900 Fuss. Der Gipfel des Ziegel- 
berges ist ein fast ganz mit Bimsstein bedeckter Kegel. 
- Diess Ersteigen erinnerte uns an den Aschenkegel (Pan 
"de azucar) des Pics von Teneriffa. Ein Kranz von schwar- 
'zem pechsteinartigen Gestein, in dünne senkrechte Schichten 
gespalten, hat den Namen Pico de los Ladrillos veranlasst. 
‘Die Eingebornen nennen es ein Gemäuer. Die Ähnlichkeit e 
mit dünnen Basaltsäulen ist, von Ferne gesehen, sehr gross. 
Dieser Kranz von Dolerit-Gestein ist übrigens durch. eine 
sonderbare Schicht von Bimsstein, die. inselförmig darin 


% 


u N 


liegt, unterbrochen. Ich habe die Ansicht des Kegels zwei- 
mal gezeichnet, einmal ganz nahe in einer Enfernung von 
500 T., und dann durch das Fernrohr von Chillo aus. Beide 
Skizzen sind sehr übereinstimmend, und der inselförmige 
Bimssteinflecken hat mich oft davor gesichert, nicht einen 
Gipfel mit dem andern bei Winkelmessungen zu verwech- 
seln. Wir fanden die Höhe des Pico de los Ladrillos 2402T. 
Es war auf demselben Raum genug, um ein Graphometer 
von Ramspen auf sein Gestell zu schrauben, und mittelst des 
Sextanten, zur Begründung der Karte des Vulkans und zur 
Bestimmung der relativen Lage seiner einzelnen Kuppen ge- 
gen die benachbarten Schneeberge, die nöthigen Winkel zu 
messen. Die Kälte war sehr empfindlich, gegen 3°R, Ein- 
zelne  Schneemassen bedeckten den Abhang. In Westsüd- 
westen erblickten wir nun in seiner vollen Pracht, aber lei- 
‚der durch Abgründe von uns getrennt, den ganz mit Schnee 
bedeckten Rucupichincha. Wo der Krater sich geöffnet, blieb 
uns damals noch unbekannt, denn seit dem Junius 1742 war 
Niemand an seinen Rand gelangt. Man wusste nur noch, 
dass er sich gegen das Südmeer hin öffne. 

Nach eben dieser Seite hin geniesst man von dem Gipfel 
des Pics de los Ladrillos einen der wundervollsten Anblicke, 
die sich mir je auf allen meinen Gebirgreisen dargeboten 
haben. Der südwestliche Absturz des Pichincha ist über- 
aus jäh. Auch dort ist derselbe in parallele, auf den Kamm 
senkrecht zulaufende Spalten getheilt. Wir erfuhren, bei 
anderen Exkursionen, die Namen nur zweier dieser Thal- 
‚Klüfte, der Quebrada de Nina Urcu, und, dem Rucupichincha 
näher, die Quebrada de las minas de Melizaldi; Auch in 
diesen hohen Einöden mitten im vulkanischen Gestein hat 
man bald nach Erzen, bald nach vergrabenen Schätzen ge- 
schürft, “Den Vordergrund , nach dem unteren Theile des 
"Abhanges zu, bildet die Waldvegetation von los Yumbos, 
die fast undurchdringlich sich: bis an die Meeresküste er- 
streckt und ‘die weite heisse Ebene erfüllt. Um zu 
antersuchen , welcher Theil’ des Littorals dem Vulkan am 


_— ME 


nächsten liegt, kann man bis jetzt nur zu den Aufnahmen 
von Marasrına, Espınosa und Bauza seine Zuflucht nelımen. 
Die Expedition der Deseubierta und Atrevida ist der 
Küste, yon Guayaguil an bis zum Vorgebirge Guasacama, in einer 
Nähe von 15 bis 16 Seemeilen (60 auf einen Grad) gefolgt. 
Der Irrthum von 3 Längengrad, die meine Beobachtungen 
für die Stadt Quito haben kennen gelehrt, und die ebenfalls 
viel zu östliche Lage, welche Marasrına und alle späteren 
Seefahrer und Geographen dem Hafen Guayaquil geben, ha- 
ben natürlich einen wichtigen Einfluss auf die Bestimmung 
der Entfernung, in der die Küste der Südsee dem Vulkan 
am nächsten gelegen ist. Da die chronometrischen Längen 
von Marasrına auf Differenzen mit dem Meridian von Guaya- 
quil beruhen, so bedurften sie einer Korrektion von 18 öo- 
genminuten, woraus, wenn ich Pichincha auf das nahe Qusto 
beziehe und diesem seine wahre Länge von 81° 4’ gebe, 
folgt, dass die dem Auge nächste Küste der Südsee in einer 
Entfernung von SS Bogenminuten oder 22 geogr. Meilen liegt. 
Diess ist unmittelbar westlich vom Vulkane die Entfernung 
der Mündung des Rio de Palmar, wie gegen Nordwesten 
die Entfernung der kleinen Busen de las Sardinas und San 
Mateo nahe beim Fluss Esmeraldas. In der übrigens mit 
Recht sehr belobten Karte der Provinz Quito von La Conx- 
DAMINE und Marvonano sind leider die Küsten so falsch ver- 
zeichnet, dass die zuerst genannte Entfernung gegen den 
Rio Esmaraldas hin um mehr als 30 Bogenminuten falsch 
ist. Die Krümmung der Erde erlaubt für die Höhe des 
Pichincha einen Gesichtskreis von 2° 13° Halbmesser, ohne 
Refraktion; mit dieser, wie sie unter dem Äquator gewöhnlich 
ist, etwa 2°25°. Es bleibt also kein Zweifel übrig, dass 
man von dem Kamm des Vulkans weit in das Meer hinein- 
sehen kann, Der Meerhorizont, welcher sich bekanntlich 
bis zur Höhe des Auges erhebt, so dass alle: näheren Ge- 
‚genstände auf der Meeresfläche projieirt erscheinen, liegt 
für Pichincha noch 56 Bogenminuten oder 14 geogr. Meilen 
jenseits des Littorals. Die dichten’ Urwälder der ‚Yumbos 


_ 1 


und‘ der ehemaligen, von vielen Strömen durehschnittenen 
Governacion de Esmaraldas ergiessen eine ungeheure Masse 
von Wasserdämpfen in die Atmosphäre. Daher fanden wir, 
als wir auf den Kamm des Gebirges’ gelangt waren, gegen 
SO., nach der Hochebene von Quilo zu, den reinsten wol- 
kenleersten Himmel (das Saussurr’sche Cyanometer zeigte 
379), während über der Vegetations-reichen Fläche gegen 
Westen dieses Gewölk hing. In diesem Gewölk war eine 
einzige Öffnung, und durch diese erblickten wir eine weite 
bläuliche Fläche. War es eine der dünnen Wolkenschich- 
ten, die ich über dem Ozean ausgebreitet am frühen Morgen 
auf dem Pic von Teneriffa und auf mehreren Gipfeln der 
Kordilleren gesehen, und deren obere Fläche oft ganz ohne 
‚ alle Unebenheiten ist, oder war es (wie meine Begleiter be- 
haupteten, und die Farbe anzudeuten schien) die Südsee 
selbst? Ich wage nicht zu entscheiden. Wenn der Meer- 
horizont über zwei Grad entfernt liegt, ist die Masse des 
von dem Wasser reflektirten Lichts so gering, dass durch 
den langen Weg bis zu dem Gipfel eines Berges, der auch 
nur 15000 Fuss Höhe hat, der grössere Theil durch Ab- 
sorption in der Atmosphäre verloren geht. Dann scheint die 
Gränze des Gesichtskreises nicht mehr die Luft selbst, auf 
einer Wasserlinie ruhend, zu seyn, sondern man sieht in 
das Leere, als wäre man in einem Luftball, zu welchem 
nach Gay-Lussac’s Erfahrung Schallwellen höher als schwa- 
ches vom Horizont reflektirtes Erdenlicht gelangen. 

Bei der sehr niedrigen Temperatur von 3° (in ungefähr 
gleicher Höhe und bei einer südlichen Breite von 0° 11’ ha- 
ben in’ihrer Hütte die französischen Astronomen das Reav- 
mur sche Thermometer bei Nacht bis fast 5° unter den Ge- 
frierpunkt sinken sehen) stand das Deruc’sche Fischbein- 
EHygrometer zwischen 12 und 1 Uhr im Schatten auf 32°. Diese 
grosse Trockenheit erhielt sich zu meinem Erstaunen auch 
dann, wenn wir kurz vorher in leichten Nebel, vorüberge- 
'hend, gehüllt gewesen waren. ‘Das Hygrometer stieg. dann 
nicht über 34%. Die elektrische Spannung der Atmosphäre 


— 230 — 


bot eine sonderbare Erscheinung dar: so lange wir nicht 
von ‚Nebel umgeben waren, zeigte ein Vorra’sches Elektro- 
meter mit einem aufgeschrobenen metallischen Leiter, also 
$ Fuss hoch über. dem Felsen, 3 Linien positiver Elektrieität. 
Es war unhötkig, die Spitze mit rauchendem Schwamme zu 
bewaffnen. So :wie wir aber in eine Nebelschicht traten, 
wurde plötzlich die Elektrieität negativ, etwa eine Linie, 
und ging dann abwechselnd während des Nebels vom nega- 
tiven zum positiven über. Ks war also wie ein kleiner, sonst 
unbemerkbarer Gewitterprocess in den Dunstbläschen,, die 
wahrscheinlich in abgesonderten Schichten. gelagert waren. 

Von dem Pico de los Ladrillos, auf dem wir standen, 
geht ein schmaler Felskamm, ganz mit Bimsstein überschüttet, 
zu der etwas niedrigeren Neben -Kuppe Zablahuma einem 
vollkommenen Kegel. Der horizontale Kamm liegt 46 T. 
niedriger als der Ziegelberg, 34 T. niedriger als Tablahuma. 
Wo das Gestein sichtbar wird, ist es wieder dünngeschich- 
tet, stark einfallend, dem Porphyrschiefer durch seine Ab- 
sonderung ähnlich. Ich hatte mir zu meiner Reise von dem 
geschiekten Mechaniker Paur in Genf, ausser dem ziemlich 
unvollkommenen Cyanometer, den von Saussur& gebrauchten 
sehr. schönen Apparat zur Bestimmung des Siedpunktes auf 
grossen Berghöhen anfertigen lassen. Ich benutzte das 
Bouilloire thermoscopique nicht, wie nur zu oft von 
neueren Reisenden in Klein-Asien, Persien und der Bucharei 
geschehen ist, um Höhen nach einer schon 1739 von Le 
Monnıer ausgeführten Methode zu bestimmen (der Fehler 
eines Fahrenheit’schen Grades in der Bestimmung des beob- 
achteten Siedpunktes kann einen Fehler von 340 Fuss Höhe 
nach sich ziehen); ich beobachtete vielmehr den Stand des 
Barometers, die Luft- und Quecksilber-Temperatur und den 
Siedgrad des Wassers so oft ich konnte gleichzeitig, um 
Thatsachen zur Berichtigung der ‚damals noch so schwan- 
kenden Deruc’schen Theorie von ‘dem Siedpunkte zu sam- 
meln. Als der Apparat eben aufgestellt war, entdeckten 
wir mit Bedauern, dass der Indianer, der das gewöhnliche 


— 281 


Feuerzeug trug, die Anhöhe noch nicht erreicht hatte. 
Glücklicherweise war heller Sonnenschein. Wir wussten, 
dass eine wollige, von uns zuerst beschriebene Alpen-Pflanze 
ans der Familie der: Kompositen, eine Pflanze, die erst in 
13,500 Fuss zu: wachsen anfängt, Culeitium rufe scens, 
sehr leicht entzündliche, stets trockne Materie (yesca) dar- 
bietet. Dieser „Frailejon“ von Pichincha ist nicht mit dem 
gleichnamigen und eben so wolligen Frailejon von Neu-Gra- 
nada, einer Espeletia, zu verwechseln. Wir schroben das 
Objectiv aus einem grossen Dorvonp’schen Fernrohr ab und 
zündeten die Blattwolle des Culeitiums, die sich mit der 
Oberhaut wie ein Handschuh abziehen lässt, durch die Son- 
nenstrahlen an. Das Gefäss mit Schneewasser gefüllt, ‚gab 
den Siedpunkt zu 187°,2 Fahr., etwas unter 69°,0 R. an, 
Das Barometer zeigte ganz in der Nähe, auf den Nullpunkt 
redueirt, 16 Zoll 4,64 Linien (altes französisches Maas), 
Professor PogsEnDorrr findet, dass meine Beobachtungen des 
Siedpunkts, nach einer auf Gay-Lussac’s Versuchen gegrün- 
deten Tafel von Aucust, entsprechen 199,4 Par. Linien, nach 
der auf Darron’s Versuchen gegründeten Tafel von Bıor etwa 
anderthalb Linien mehr, 200,92 Par. Linien (die Quecksilber- 
säulen immer auf den 'Gefrierpunkt redueirt). Ich las durch 
unmittelbare Beobachtung auf dem Felskamme, der den Zie- 
. gelberg mit der Kuppe Zublahuma verbindet, an meinem Ba- 
rometer 196,64 Par. Lin. (auf 0° redueirt): der Gar-Lussac- 
Avsusrt'schen Tafel also näher, als der Dartox-Bior’schen; 
man vergesse nicht, dass in diesen Beobachtungen ein Grad 
Fahrenheit schon 4,5 Linien Barometerhöhe entspricht. Wäre 
den jetzigen Tafeln und den Elastieitäts- Bestimmungen des 
Wasserdampfs unter SO° R. mehr zu trauen, so würde aus 
diesen Vergleichungen folgen, dass ich den Siedpunkt des 
Schneewassers in einem Gefäss, aus dem nach SAUSSURE’S 
Vorschrift die Dämpfe leicht entweichen könnten, doch um 
einige Bruchtheile zu hoch gefunden habe, j 

‚Der feuerspeiende Gipfel Rucupichincha war noch, wie 
ich schon oben bemerkt, in beträchtlicher Entfernung, durch 


\ 


% 


-_— 1 — 


eine ungeheure Kluft von uns getrennt. Des i Weges: un 
kundig wäre es unvorsichtig gewesen, da wir'nur auf drei 
Stunden Tageshelle rechnen konnten, den Versueh zu wagen 
die Kluft, oder vielmehr das grosse Becken des Sienega del 
Vulcan zu umgehen. : Ein zufälliger Umstand, so unwichtig : 
er auch war, 'bewog meine Begleiter auf eine sehr baldige 
Rückkehr zu ‘dringen. Ich war eine Zeit lang allein auf 
dem Kamm von Zablahuma geblieben, um den Versuch des 
Siedpunkts zu grösserer Befriedigung zu wiederholen.  Er- 
müdung nach zehnstündiger Wander ung zu Fuss auf steilen 
Wegen, Kälte und dichter Kohlendampf, eine Gluth, über 
die ich mich, um sie genau zu beobachten, unvorsichtig hin- 
gebeugt (weil, wie bekannt, in Höhen von nur 15 bis 16 Zell 
Luftdruck die Flammen schwer zusammenzuhalten sind) ver- 
ursachte mir Schwindel und Ohnmacht. Ilelı habe’nie, bei 
grösserer Anstrengung und viele Tausend Fuss höher, vorher 
und nachher etwas Ähnliches erfahren. Der Kohlendampf 
wirkte gewiss mehr, als die unbeträchtliche Höhe von 2356 T. 
Meine Begleiter, die auf dem östlichen Abhange standen, 
erkannten bald den Unfall und eilten mich aufzurichten, und 
durch etwas Wein zu stärken. Wir stiegen nun durch das 
Thal von Yuyucha langsam herab und wurden auf dem 
Rückwege durch den Anblick des vom Monde herrlich er- 
leuchteten Vulkans Colopaxe erfreut. Unter allen Schneeber- 
gen ist es der, welcher (vielleicht wegen seiner vollkomme- 
nen Kegelform und wegen des gänzlichen Mangels an Un- 
ebenheiten der Oberfläche) am häufigsten ganz wolkenfrei 
bleibt. Wir gelangten schon um 7 Uhr Abends nach Quito. 

Die Gebirgsart des Pichincha ist in der unteren Region 
von der der oberen den Bestandtheilen nach wahrscheinlich 
wenig verschieden, aber das minder feinkörnige Gemenge 
hat ein verschiedenes Ansehen. Ein Steinbruch (Cantera) 
nahe bei dem Panecillo (Javirac), einer freistehenden rund- 
lichen Kuppe, unter der die Incas einen Stollen (Durchgang) 
nach Turubamba versucht haben, ist geognostisch von vielem 
Interesse, Das Gestein wird dort von dem Volke Sand- 


# 


_— 183 — 


steim genannt; es ist ungeschichtet, meist grünlichgrau, in 
einzelnen Massen röthlich und mit Blättehen schwarzen Glim- 
mers sparsam gemengt. Ich hatte es auf der Reise einen 
feinkörnigen Grünsteinporphyr genannt. Nach Gustav: Ro- 
s#’s genauer und mehr wissenschaftlicher Bestin mung ist es 
ebenfalls ein Doloritgestein voll kleiner Poren. In der 
Grundmasse liegen weisse Krystalle ven Labrador mit deut- 
lich einspringenden Winkeln, und viele schwärzlichgrüne 
Krystalle von Augit. Hornblende ist nicht darin zu: finden, 
In noch tieferem Niveau habe ich, in dem Boden der Stadt 
Quito selbst bei der Kirche San Roque,, in einer Ausgra- 
bung von 15 Fuss Tiefe in einem Thonlager S bis 10 Zoll 
dicke Streifen von Bimsstein gefunden. 

Am Schluss dieser ersten Expeditiou nach dem Vulkan 
Pichincha muss ich noch der vielen sceharfkantigen Blöcke 
erwähnen, welche am nordöstlichen Ende des langen Berges 
in der schönen Grasebene von Jraquito zerstreut liegen, 
einer Ebene, welche durch die daselbst 1546 zwischen Gox- 
zaro Pızarro und dem Vice-König Brasco Nunez Vera 
gelieferte Schlacht berühmt geworden ist, Die Blöcke von 
ungeheurer Grösse, scharfkantig und nicht porös, sind dem 
pechsteinartigen Gesteine von @uaguapichincha sehr ähnlich, 
Die Eingebornen nennen sie eine Keventazon, ein unbe- 
stimmtes Wort, mit dem sie die Folge einer vulkanischen 
Erschütterung wie auch Ausbruchphänomene bezeichnen. 
Die Blöcke liegen ziemlich reihenweise hinter einander, aber 
immer dicht am Fuss des Vulkans. Der Ort heisst Rumi- 
pamba. Ich glaube, dass di® Blöcke vielleicht bei Erhebung 
des Berges durch die Spalte Cundurguachana herabgestossen 
worden sind. Sehr auffallend war mir, dass in derselben 
Richtung die kleine Hügelkette, welche die Ebene von Ina- 
quilo oder Anaquito östlich begränzt, durch eine Spalte, die 
einen eigenen Namen (Boca de Nayon) führt, durchbro- 
chen ist. Ich finde in meinem Tagebuche die Worte: die- 
selbe Kraft (Ursache), welche an dem Abhange des Vulkans 
das enge Thal Cundurguachana aufgerissen hat, wird auch 


_ 11 — 


wohl diese Spaltöffnung hervorgebracht haben. Die Boca 
de Nayon, ein natürliches Thor, führt in einen kleinen Kes- 
sel, dessen’ Boden 840 Fuss tiefer als die Ebenen der Blöcke 
liegt. Ein wohlhabendes Dorf, G@uapulo, dessen schöne Kirche 
mit Säulen dorischer Ordnung geziert ist, liegt an dem en- 
gen Becken, Das Ganze gleicht einer offenen Gangkluft, 
und man kann sich kaum der Besorgniss erwehren, dass in 
einem Lande, welches so :grossen Revolutionen der Erdober- 
fläche noch immer ausgesetzt ist, die Bergkluft sich einmal 
schliessen, und Dorf und Kirche mit dem wunderthätigsten 
aller Heiligen-Bilder von Quito spurlos in Schutt vergraben 


werde, 


2, 


Über 


die subfossilen Seethier-Reste von 
Pozzuoli bei Neapel und auf der 
Insel Ischia, | 


* 
von 


Hrn. Prof. Dr. R. A. PhiLıppi. 


(Hiezu Tf. II, Fg. A, 5.) 


Bei der Erweiterung des Hospitals von Pozzuol, wel- 
ches dicht bei dem- Thore nach Neapel liegt, kamen, als 
man im Juli 1832 die Fundamente dazu ausgrub, eine Menge 
wohlerhaltener Konchylien zum Vorschein, deren Verzeich- 
niss hier nachfolgt. Die Farben haben sie meistens verlo- 
ren, doch sind sie fest und glänzend, wie die, welche im 
Serapis-Tempel angetroffen worden. Man fand sie 30 Neup. 
Palmen, ungefähr 22 Fuss, unter dem Strassenpflaster in 
einer Lage groben Sandes vermischt mit einer staubigen 
Erde. Die Höhe des Fundortes sehätzten meine Freunde Prof. 
Horrmann und EscueEr von DER Lintu auf mindestens 25 Fuss 
über dem Meeresspiegel. Es ist diess daher wiederum einer 
von den vielen Beweisen, dass die Küste bei Pozzuol sich 
gehoben hat, denn auf eine andere Weise lässt sich das 
Vorkommen von Muscheln in diesem Niveau nicht erklären, 
da zwar der Fundort nahe beim Meer, aber in einer solchen 

Jahrgang 1837. E 19 


— 


k ES 
Seranain u — 2356. 


VRRTETR 


Höhe ist, wohin das Wasser des Mittelländischen Meeres 
nicht reichen kann, wo bekanntlich der Unterschied zwischen 
Ebbe und Fluth höchst unbedeutend ist und nur sechs Zoll 
bis höchstens einen Fuss betragen dürfte. Ich bemerke noch, 
dass die Zahl der Konchylien so gross war, dass ich von 
manchen Arten über 100 Exemplare gehabt habe, und dass 
sämmtliche Arten im Mittelländischen Meere vorkommen, mit 
‚alleiniger Ausnahme von Diplodonta dilatata, die ich lebend 
nur aus dem Rothen Meere kenne, die aber leicht auch im 
Mittelländischen Meer angetroffen werden kann, ja vielleicht 


schon von Payraupeav als Lucina lactea erwähnt ist, 


Gastrochaena cuneata Lam. 
Solen ensis L. 

„  eoarctatus L. 

„ strigilatusL. _ 
Thracia pubescens Lesıcn. 
Mactra triangula Ren. 
Corbula nucleusLam.nicht selten. 
Byssomya Guerini Payr. 
Venerupis decussata Pau. 
Psammobia vespertina Law. 

häufig. 

Psammobia discors. 
Tellina balaustina L. Porn 
Tellina serrata Broc. 
donacina L. häufig. 
distorta Porı. 
nitida Porr. 
depressa Lam. 
Donax longa Bkronn. 
Diplodonta Jupinus Bronn. 
5. dilatataPn. häufig. 

Lucina pecten Lam. 


- hiatelleides Basr. 
» fragilis Pu. 
u laetea Lam. 


commutata Phi. 
Astarte incrassata DE LA 
Jonk. häufig. 
CythereaChione Lam. häufig. 
J venetiana Lam. häu- 
fig. 
Cytherea lincta Lam. häufig. 
Venus gallinaL. 


" radiata Broc. 

» discina Lam. 

# Brongniarti Payr. 
hi verrucosal. häufig. 


Y geographica L. 
» casinaL. 


CardiumlaevigatumL. über- 
aus häufig. 
Cardium papillosum 
sehr bäufig. 
Cardium tubereulatum L. 
hr exiguum L.* 
di sulcatum Lam: 
erinaceum Lam. 


Porı. 


Wardıdı aculeata Ph. 


Arca Noae L. überaus häufig. 

»„ barbataL. sehr häufig. 

„.lIwetea Lam: 
Pectunculus pilosus Lam. 

sehr häufig. 

Peetunculus violacescens 

Lam. 

Nucula margaritacea Lam. 
emarginata Lım. 
BR gryphoidesL. häufig. 
unicornu Lam. 
Modiola barbata Lam. 
Avicula Tarentina Lam. 
Lima squamosa Lam. häufig. 

„u, ınflata),bam, 

5 tenera Turron. 
Pectenhyalinus Pa. 
polymorphus Bronn. 
" Jaeceobaeus Lam. 
varıus Lam.sehr häufig. 

» pes felis Lam. 

u opereularis L. klein. 

multistriatus Pu. 
Spondylus gaederopusL. 
Anomia ephippiumL. 

& scabrieulä Pa. 
Patella aspera L.? 
Emaseinnla cancellata Pn. 

» elongata Cosre. 
Fissuxella Graeca Lam. 


a | >> Gen 


Calyptraeavulgaris Pa. prehiähinm vulgatum Baa. 


Crepidula fornicata Lam. häufig. 
Bulla striata Bre. Cerithium lima Bre. 
Auricula conoidea Fer. Pleurotoma suturale Bkonn. 
Melania Campanellae Pn. „ BertrandiPayr? 
Natica Guillemini Parr. Fusus-lignarius Lam. 
HaliotistuberculataLl. MurexerinaceusL. 
Siliquaria anguina Lam. 5 eristatus Broc. 
Solarium stramineum Lam. n brandarisL. 
Trochus magus L. Tritonium corugatum Liam 
“ zizyphinus L. Chenopus pes pelecani Pa. 


Cassis sulcosa Lam. 
Colümbella rustica Lam. 
Turbo rugosusL. Buccinum Linnaei Pıayr. 
Phasianellapulla Pıyr. ER 
Rissoa ventricosa Dzesm. Cypraealurida L. 
‚» granulata Ph. ee häufig. 

Turritella duplicata Baod-al dentalis L. 
terebra Beroc. Balanus tulipa Ranz. 


Monodonta fragarioides L. 
nicht selten. 


2) 
Ausser diesen Konehylien fand ich noch von Echinodermen 
die im Mittelmeere häufige Fibularia tarentina Lamk %, 
mehrere Ser pula-Arten, unter denen sich Serpula In- 
fundibulum und S. Cereolus auszeichnen; von Korallen: 


Desmophyllum stellare En-|Cladocora calyculata Enu- 


RENBERG. RENBERG. 
Desmophyllum compres-|Cellepora pumicosa L.? 
sum n. sp. Nullepors 
* * 
% 


In den Jahren 1820 und 1832 habe ich Gelegenheit ge- 
habt, theils selbst mit meinen obengenannten Freunden, 
Fr. Horrmann und Ars. Escher von ver Lıntu eine 
Menge Versteinerungen auf Ischia zu sammeln, theils 
hat mir Herr Monrieztrı in Neapel während meines 
zweiten Aufenthalts daselbst eine Menge in der Ge- 
gend von Mezzavia gesammelter Arten zur Bestimmung 
gütigst mitgetheilt. Diese letztere Lokalität habe ich nicht 
selbst besucht; sie muss sehr ergiebig seyn; allein die Ver- 
steinerungen kommen dort meist nur im jugendlichen Zustand 
oder zertrümmert vor. Ich bin dadurch in den Stand ge- 
setzt, ein weit vollständigeres Verzeichniss der Versteine- 
rungen /schia’s zu Bee als bisher geschehen . ist. 

19 * 


- 


Cardium sulcatum Lamk. 


_— 188 — 

Die Lokalitäten, an denen die Versteinerungen vorkom- 
men, sind hinlänglich bekannt; allein ich finde es nirgends 
bemerkt, dass der Thon, in welchem sie sich finden, und 
der zu Töpferwaaren gebraucht wird, aus der Zersetzung 
vulkanischer Asche hervorgegangen ist; nicht selten schliesst 
er noch wohlerhaltene oder nur halb zersetzte Bimsstein- 


stücke ein. - 


Mit Ausnahme sehr weniger Arten, die Lyeız in.der 
ersten Ausgabe seiner Principles of Geology anführt, und die 
mit einem * bezeichnet sind, habe ich alle selbst gesehen 


‘und bestimmt, mehrere davon sind von mir zuerst in meiner 


Enumeralio molluscorum Siciliae, Berlin, 1836, 4. beschrie- 
ben; es sind folgende: 


Mollusceca Pecten Testae Biıvon. Phi. 

. . “ u». . « 
Dar aann Br » IN Earl, PectenDnmasiiParyr.* ER 
EB a GE 8, ale „ Jacobaeus Lamk. * L. 


Saxicava arctica (Hiatella 
auclt. 

Teliinadonacina L. 

Diplodonta lupinus Bronn.“ 


OÖstreae fragmentum. 
Anomia EphippiumL. 


Terebratula bipartitaDrr.?. 


Lucinahiatelloides Bası. fragm. 
& Fadula Lee. Hyalaetridentata Lam. 
Astarte incrassata DE LA » depressa Bıvon. (Pnur. 

Jonk. op. €.)- 


Fissurella costaria Desn. 
Pileopsis hungarica Lanmk. 
Calyptraea vulgaris Ph. 
Auricula conoidea Fer. 
MelaniaCamhessedesiPrvr. 


Cytherea apicalis Phır. 
Venetiana Lamk. 
Venus radiata Beoc. 
verrucosaLl. 


„ rusticum ÜCHemn. ” nitida Lam. 

m tuberculatum L. 0m distorta Desn. 

Hi erinaceum Bkrue.|Natica millepunctata Lanmk. 
_ juven. „ Guillemiui Park. 


# Valenciennesii Payr. ? 
»  ‚glaucina Lamk. ; 
Tornatella fasciata Lamk. 
u elongata n. sp. 
Siliquaria anguina Lamk. 


Cardiumpapillosum Porı(C. 
planatum Ren. Broc. p. 507.) 
Arca lactea Lamk. (nodulosa 

Broc. p. 478.) 
Nucula margaritacea Lank. 


Chama gryphoides L. Dentalium dentalis L. var. 
Modiola barbata Lamk. novemcostatum Desn. 
Pectunculus pilosus Lane. | Dentalium entalis L. var. 
(Arca p. Broc. p. 487.) striatum. ; 
Pectuneulus violacescens|Trochus conuloides Lamr. 
"Lamk. jun. u crenulatus Bkoe. 
Pecten varius Lamx. p- 354. 
„  opercularis Lamk. |Trochus striatusL. 


Fr polymorphus Brom!  , magusL. 
= \ 


— 289 — 


Trochus eanaliculatus Pu, Mitra Savigni Pıyr. 
non Broc. ig obsoleta Bronn, _ 
Trochus umbilicaris L. Marginella clandestina Bn. 
3 rugosus (Turbo L.)|Volvariatriticea Lamk. 
idem pull. Trochus solaris a miliacea Lamk. 
Broc. p. 357. Erato cypraeola Rıss. 
Monodonta Couturii Pıyr. |Cypraea coceinella Lamk. 
Phasianella pulla Payr. Bi lurida L. * Lverr. 
Vieuxii Parr. Conus Mediterraneus Bruc. 
Rissoa cimex Bast. Turbo Bsoc. 
p- 368. 
Rıssoa ventricosa Desm. 
ns oblonga Desm. 


Cirripedia 


Balanus Tintinnabulum 
Ranz. ? 


»‘  Bruguieri Pave. 
Turritella terebra, Turbo Echinodermata 
T. Broc. 


Echinoneus. 
Echinus nicht gut zu bestimmen. 
Spatangus desgleichen, 


Cerithium vulgatum Bruc. 
(Murex) Alucaster Broc. p. 438. 
Cerithium lima Bruc., Murex 
scaber Broc. p. 448. 
Cerithium perversum Lamk. 
Pleurotoma Bertrandi 


Zoopbyta. 
Cyathina turbinatan.sp. 


Pıyr. NS stellaria 

Fusus lavatus Bast.? EurENB. 

& rostratus DerR., var. 'Desmophyllum compressum 
ecarinatus. n. Sp. 


Corallium nobile Lamk. 
Millepora truncata Lamk. 
Polytrema corallinum Rıss. 


Fusus lamellosus Phır. 
Murex trunculusLl. 
„ brandarisL. 


u 53 


r Edwardsii Menke. Cellepora pumicosaL. 
# eristatus Broc. var. |Flustra. 
nodulosa. Annulata. 
Chenopus pes pelecani| Re 
Ph; Serpulae plures species. 
Buccinum prismaticum Baoc. Brkare 
» asperulum Broc. 
» d’Orbignyi Payr. |Nullipora *) 
Linnaei Payr. Zosterae oceanicae radır 
Mitra cornea Lamk. (Amphitoites Desu.) 


Am häufigsten sind darunter Trochus magus, Tr. 
erenulatus, Rissoa cimex, Turritella terebra, 
Cerithium vulgatum, Cerithium lima und Bucci- 
num prismaticum, 


Unter den aufgeführten ‚92 Arten von Mollusken sind 
nur drei, welche bisher nicht im Mittelmeer beobachtet sind: 


. 


*) Die Nulliporen sind bisher bald für Thiere, bald für Pflanzen, ja so- 
gar für unorganische Bilduugen gehalten worden ; es ist mir gelungen, 
unter dem Mikroskop ihre pflanzliche Struktnr anf das Deutlichste 
zu erkennen, welche der von Corallina am nächsten steht; tAebEEFE 
Arten sind sogar reich an Stärkmehl. 


N 


4 


— 290 — 


Terebratula bipartita, Hyalaea depressa und Tor- 
natella elongata, welche aber vielleicht später auch noch 
in diesem Meere aufgefunden werden. Allein ‘selbst wenn 
diese Arten gänzlich ausgestorben sind, so ergibt: ihr Ver- 
hältniss zu den‘lebenden dennoch, dass die Erhebung der 
Insel Ischia aus dem Meeresgrunde nicht nur um sehr viel 
jünger ist, als die Bildung der Subapenninen-Hügel, sondern 
auch ‘als die der tertiären ‘Massen Sizrliens, unter deren 
Versteinerungen doch mehr, als der fünfte Theil ausgestor- 
benen Arten angehört. Sie muss demnach in die Periode 
des Diluviums fallen. 

Einige Bemerkungen über verschiedene der oben ver- 
‘zeichneten Arten mögen hier ihren Platz finden. 

1. Cardium planatum Ren. Broc. ist mit Car- 
dium papillosum Porı identisch. Baroccnı. gibt: p. 50% 
Ischia als Fundort an, und die Exemplare, welche ich dort 
gesammelt habe, stimmen durchaus mit jüngern Individuen 
der Porı’schen Art überein, deren ausgewachsenen Exemplare 
allerdings einige Verschiedenheiten zeigen. Wie sorgfältig 
man sich in Acht nehmen muss, nicht auf Altersverschieden- 
heiten Arten zu gründen, zeigt Peetunculus numma- 
rius, der nur ein junger P, violacescens ist, und Broc- 
cH’s Trochus solaris, welcher der Jugend - Zustand 
des Turbo rugosus ist, u. s. f. Auch | 

2. Cardium erinaceum ist im jugendlichen Alter 
so verschieden von dem ausgewachsenen, dass ich im Begriff 
war, es für eine neue Art zu erklären, als ich glücklicher 
Weise ein etwas grösseres unter meinen lebenden fand, wel- 
ches mich auf den rechten Weg brachte. Das ausgewachsene 
Cardium erinaceum ist 35‘“lang (im Lınn&’schen Sinn), 
32‘ breit, sehr schief, hinten viel breiter, fast abgestutzt; 
hat 40 Rippen, die doppelt so breit als die Furchen sind; 
von diesen sind die vordern mit stumpfen dicken Höckern 
besetzt, die mittlen haben eine nach der hintern Seite und 
in die Üble: gebogene Spitze, die hintern einen beinahe gera- 
den oder nach unten gebogenen , langen Dorn. Das fossile 


/ 
r 


Pa. 


Exemplar hat keines dieser Kennzeichen, es ist 10 lang, 
11’ breit, beide‘ Seiten sind fast ganz gleich, und der Um- 
fang ist sehr nahe ein Kreissegment; es sind nur 30 Rippen 
vorhanden von der Breite der Zwischenräume, alle mit glei- 
then kleinen Dörnchen besetzt, — Zwischen diesem , wie man 
sieht, sehr abweichend gebildeten Jugendzustand und der 
; ausgewachsenen Form steht ein Exemplar, beide vermittelnd; 
da, welches 17‘ Länge, 164 Breite hat, hinten bereits 
breiter und schief, wenn auch nieht in dem Maase, wie bei 
dem ‚ausgewachsenen ist, Es zeigt 34 Rippen, welche bereits 
breiter als die Zwischenräume sind, allein nur eben die 
Spur der zukünftigen Verschiedenheit der Stacheln zeigen. 


3 Trochus erenulatus Broccntr. Die einzige Lo- 
kalität, welche Brocent für diese seine Art angibt, ist grade 
Ischia. Ich habe neun Exemplare von verschiedener Grösse, 
die sehr wohl erhalten sind, und kann bestimmt versichern, 
dass sie identisch mit der lebenden Art Sizikens sind, welche 
wohl unzweifelhaft sowohl Tr. Matonii Payr, als Tr, 
pyramidatus Lamk. ist. Die Exemplare von Ischia sind 
‚nur, wie auch die Broccni’sche Figur, weit kleiner als ausge- 
wachsene lebende. Wenn Broccuis Trochus miliaris 
nicht zu breit wäre, so wäre ich sehr geneigt, auch diese 
Art für eine blosse Varietät des Tr. erenulatus zu hal- 
ten, wo der Gürtel an der Basis der Umgänge, anstatt durch 
mehrere feine Linien gestreift zu seyn, durch eine derselben 
tief getheilt ist. Hin und wieder zeigen lebende Exemplare, 
und selbst ein paar fossile von Ischia schon eine Annähe- 
rung an diese Bildung. Kanne | 

4. Trochus solaris Beoceni ist als Art zu strei- 
chen, indem er nur ein sehr junges Exemplar des Turbo 
rugosus ist*), der sehr grosse Altersverschiedenheiten zeigt. 
Wenn die Schaale erst 3 oder 4 Umgänge hat, so hat sie 
einen gekerbten Nabel, ist oben glatt, an den Seiten mit 


X 


”) Dieselbe Bemerkung hatte ich kürzlich auch an Exemplaren ge- 
macht, welche aus dem Tegei bei Wien stammen. Br. 


ee 
einem doppelten: Kiele ‘versehen, von denen: der ‚obere 10 — 
12 grosse dreieckige etwas nach oben gebogene Dornen, der 
untere eben so viel gewölbte Schuppen hat. Kommen noch 
ein paar Umgänge dazu, so zeigen diese Knoten: oben an 
der Naht. Sind 5-7 Umgänge vorhanden, so ist der Nabel 
in der Regel schon geschlossen, und ausser ‘den Dornen, den 
"Knoten an der Naht und den gewölbten Schuppen findet 
man zwischen den beiden Kielen einen erhabenen Gürtel 
und 5-6 andere auf der Unterseite, während bei den Er- 
wachsenen in der Regel Kiele und Dornen völlig verschwun- 
den sind. | 
5. Rissoa eimex Basr. Diese Art ist mir- selbst 
nicht lebend vorgekommen. Sie ähnelt zwar meiner Rissoa 
granulata, unterscheidet sich aber doch leicht ein-Mal 
durch die Öffnung, welche nur $ der Länge, bei R. gra- 
nulata 4 derselben, erreicht, so wie durch die Zahl der 
Reihen von Knötchen, deren man auf. dem letzten Um- 
gang bei R, cimex 12, bei R. granulata nur S zählt. 
6. Tornatellaelongatan. sp. (Taf. Il, Fg. 4 und 5.). 

T. testa sublurrita ; anfractibus transversim sulcatis, sul- 
cisque aliquot longitudinahbus decussatis; apertura ovata bis 
quintam totius longitudınis partem occupante. | 

Diese Art ist 64° lang, beinahe thurmförmig, indem das 
Verhältniss der Breite zur Länge wie I zu 24 ist. Die 
Windungen, acht an der Zahl, sind schwach gewölbt, durch 
deutliche, ziemlich tiefe Nähte geschieden. Auf jedem Um- 
gang, die beiden obersten ausgenommen, zählt man 7—8 her- 
vortretende flache Linien. und eben so viel gleich breite Fur- 
chen. Flache Längsfurchen, die nach unten zu schwächer 
werden, durchkreutzen dieselben, machen sie aber nicht ge- 
körnt. Die eiförmige ‚Öffnung erreicht zwei Fünftel der 
ganzen Länge ; die Spindel ist ziemlich grade und oben mit‘ 
einer schiefen, wenig erhabenen Falte versehen. Die Spin- 
dellippe ist äusserst dünn, angewachsen, kaum durch grössere- 
Glätte und Glanz zu erkennen; die äussere Lippe ist an 
‚beiden Exemplaren abgebrochen. 


nen nn 


Beschreibung 


einer 


neuen Art Nerinea und einer 
neuen fossilen Art Pecten, 


von 


Hrn. Prof. Dr. R. A. PHniLipPpi. 


u 


(Hiezu Taf. II, Fe. 1, 2, 3,6, 7.) 


— 


Aus dem Coral rag des Lindner-Berges bei Hannover 
besitze ich zehn mehr oder weniger vollständige Exemplare 
einer neuen Nerinea, von denen das grösste unten 4‘ dick 
und beinahe 14 Zoll lang ist. Die Gestalt ist sehr verlän- 
gert kegelförmig, so dass die Breite sich zur Länge wie 
1 zu 6 verhält. Die einzelnen Windungen sind ganz flach, 
die Nähte weder vertieft noch erhaben, und daher wenig 
bemerklich. Nur bei zwei Exemplaren kann ich Queerstrei- 
fen sehen, etwa S auf dem Umgang, wenig hervortretend, 
Anwachsstreifen bei keinem ; gewöhnlich erscheinen sie ganz 
glatt. Das Verhältniss der Höhe zur Breite ist wie 3 zu 4; 
der letzte Umgang geht mit einem ziemlich scharfen Winkel 
in die Basis über, Die Columella ist undurchbohrt und zeigt 
eine mässige, scharfe Falte. Ein angeschliffenes Exemplar 
zeigt, dass ausserdem noch zwei andere Falten vorkommen, 
eine auf der vorhergehenden Windung, die andere auf der 


\ 


— 294 — 


äussern Seite oder auf der äussern Lippe. Beide sind fast 
gleich gross und stärker, als die Falte der Spindel. 


Zahl und Stellung der Falten haben unter den glatten 
Nerineen nur N. suprajurensis, N. eylindrica und 
N. involuta mit dieser Art gemein*); N. suprajurensis 
hat aber vertiefte Umgänge und eine erhabe Naht, ist auch 
mehr als doppelt so gross; N. eylindrica hat schwach 
gewölbte Umgänge und gerandete Näthe; N. involuta 
endlich ist durch die sich weit überdeckenden Umgänge und 
die enge Öffnung sehr ausgezeichnet. Ich halte daher ge- 
genwärtige Art für neu, nemne sie Nerinea Roemeri, 
und charakterisire sie in der Kürze so: 

Nerinea Roemeri mit, tab. II, fig. 1, 2. 

N. testa elongato-turrita, anfraclibus planissimis, trans- 
versim strialis (laevibus); aperturae plicis Tribus, duabus in 
columella, una in labro.**) 

Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, dass in den älteren 
Kalksteinen Sizzliens ebenfalls Nerineen vorkommen. Was 
die Bestimmung ihres Alters so sehr erschwert, ist nicht 
sowohl ein gänzlicher Mangel an Versteinerungen, sondern 
der Umstand, dass die Versteinerungen mit dem Gestein aus 
einem Gusse sind und nur durch die Verwitterung oder das 
Anschleifen derselben zum Vorschein kommen. Wir haben 
daher nur äusserst wenig Versteinerungen mitbringen kön- 
nen, namentlich einige Ammoniten und Belemniten von 
Taormina, welche Herr von Buch die Güte gehabt hat zu 


*) Vgl. Jahrbuch 1836, S. 551 ff. 

*#) Diese: Art scheint nach dem übersandten Exemplare zw urtheilen, 
die, eine der Formen zu seyn, welche von Rormer. als N. fas- 
ciata bezeichnet worden und von denen ich. anhangsweise zu N. 
fasciata VoLTz (Jahrb. 1836, S. 555) gesprochen habe. Schom 
das Erscheinen der Queerstreifen auf bloss: 2 Exemplaren’ deutet an, 

‚„ dass. dieselben eine sehr unvollkommene Oberfläche besitzen ; bes- 
. sere Exemplare würden wohl auf diese Streifen auch noch die 
"Knötchen haben erkennen lassen, von welchen ich gesprochen 
habe. Da übrigens der Rormer’sche Name nicht beibehalten wer- 
den kann, so mag der neue einstweilen gelten. Br. 


EN, Uran 


bestimmen, und welche zu Gunsten der Meinung meines 
‘Freundes Horrmann sprechen, dass dieser Kalkstein der 
Juraformation angehöre. Derselbe Kalkstein setzt grössten- 
theis die Madonie (-Berge) zusammen, bildet den sonderba- 
ren isolirten Pelsen von Cefalx und die hohen Berge bei 
Palermo von Termini bis Cap della Rama. Auf einer Fels- 
wand bei Cefalö waren durch die Verwitterung zahlreiche 
Versteinerungen hervorgetreten, welche ich flüchtig abge- 
zeichnet habe, und welche wenigstens eine Bestimmung der 
Gattung zulassen. Darunter befindet sich auch eine deutliche 
Nerinea mit einer Spindelfalte, welche ich Fig. 3 wieder- 
gegeben habe. Leider musste die Zeichnung zu unsicher 
bleiben, als dass die Art daran erkannt werden könnte. — 
Ausser dieser Nerinea fanden sich an der Felswand deut- 
lich mehrere Korallen-Arten, die dem Genus Lithoden- 
dron Gororuss oder Cladocora EHRENBERG angehören 
und im Habitus mit Lithodendron eaespitosum GoLDpr., 
Cyathophyllum quadrigeminum, oder den lebenden 
Cladocora calyeulata undC.caespitosa grosse Ähn- 
lichkeit haben, so wie ein einzelner Stern von 19‘ Durch- 
messer, der einem Anthophyllum angehört haben mag. 
Die Vereinigung der Nerinea mit den Korallen erinnert 
an den Coral rag. 

Den übrigen Raum der Tafel habe ich benutzt, um dar- 
auf eine merkwürdige fossile Peeten-Art abzubilden, 
Pecten Chiragra mihi, Tab. III, fig. 6, 7. 

P. testa orbicuları, obliqua ; auriculis magnis inaequahbus;. 
coslis quindecim rotundatis, interstitüsque aequalibus sulcalis ; 
costis quinque hinc inde valde elevalis et nodosıs. 

Fossil im Tertiärgebilde von Papantla bei Vera Cruz in 
Mexico, von wo ihn Scnispe nach Kassel geschickt hat. 
Einer meiner Schüler, Herr Wir, hat mir diesen Peeten 
nebst einem unbestimmbaren Cardium® von ebendaher mit- 
getheilt, und er schien mir wegen seiner sonderbaren Bil- 
dung eine Beschreibung zu verdienen. Ich besitze nur die 
obere Schaale, ihre Länge im Linne’schen Sinne beträgt 


— 296 — | 
19", die Breite 183, die grösste Wölbung 5‘. Die Ohren | 
sind gross, schief, mit sehr schwachen strahlenförmigen Strei- 
fen versehen. Die Rippen, 15 an der Zahl, sind zugerun- 
det, mit den Zwischenräumen von gleicher Breite, und wie 
diese von 4 bis 5 Längsfurchen durchzogen, welche von ge- 
drängten, feinen, aber deutlichen Anwachsstreifen durch- 
kreutzt werden. Was diese Art sehr auszeichnet, ist, dass 
5 Rippen durch je 2 oder 3 andere geschieden, von Zeit zu 
Zeit sich weit stärker erheben und starke Knoten bilden. 
Das Gestein, in welchem sich diese Versteinerung befindet, 
ist ein graulich weisser Kalkmergel, der durch Eisenoxyd- 
hydrat stellenweise gelb gefärbt ist, und eine Menge schwar- 
zer, Obsidian-ähnlicher Körner einschliesst. Auch befinden 
sich darin kleine, graue, durchsichtige, abgerundete Körnchen, 
die ich für Quarz ansprechen möchte. 


Über 
- ein neues Vorkommen von krystallisirtem 
und derbem Nickelantimonglanz , 
von 


Hrn. Bergamtsverwalter ENGELHARDT 
‚in Saalfeld. - 


Der Nickelantimonglanz, welcher zeither hauptsächlich 
auf mehreren Gruben im Nassauischen in Begleitung von 
Spatheisenstein, Kupferkies und Bleiglanz vorkam: findet 
sich neuerer Zeit sehr ausgezeichnet und in ziemlich bedeu- 
tender Menge auf einigen Spatheisenstein-Gruben in der 
Nähe von Lobenstein im Fürstenthum Reuss. Derselbe wird 
von Spath- und Braun-Eisenstein, Kupferkies, etwas Bleiglanz 
und Nickelblüthe begleitet: kömmt demnach ganz unter den- 
selben Verhältnissen wie am Westerwalde; aber in zwei 
sehr wesentlich verschiedenen Varietäten vor. 

Die erstere dieser Varietäten besitzt eine silberweisse, 
nur wenig ins Stahlgraue fallende Farbe und kömmt sehr 
häufig krystallisirt vor. Die Hauptkrystall-Gestalt ist das 
reguläre Octaeder, das durch Abstumpfung der Eeken zu- 
weilen in das Hexaeder übergeht. Sowohl hinsichtlich der 
Farbe, als Gruppirung der Krystalle, besitzt diese Varietät 
viel Ähnlichkeit mit dem Speiskobalte. Auf den Klüften 
findet sich fast immerwährend ein brauner Anilug. 

Die zweite Varietät hat eine bleigraue Farbe, die beim 
Liegen an der Luft noch dunkler wird. Von Krystallisation 
konnte bis jetzt nichts an ihr beobachtet werden; dieselbe 


\ 


besitzt jedoch eine leichte Spaltbarkeit nach dem Hexaeder. 
Sie ist weniger hart, als die vorige, und der Anflug auf den 
Klüften ist bei ihr gewöhnlich schwarz. 

Bei den Versuchen, die mit beiden Varietäten vor dem 
Löthrohre angestellt wurden, zeigte sich kein Unterschied, 
der auf verschiedene Bestandtheile hätte schliessen lassen; 
allein bei der qualitativen Untersuchung auf nassem Wege, 
fand sich in der krystallisirten Abänderung ein nicht unbe- 
deutender Gehalt an Kobalt; während die nicht kıystallisirte 
Varietät nur Spuren von diesem Metalle zeigte. SR 

Von grossem Interesse dürfte es seyn, wenn nachgewie- 
sen würde, ob der Kobalt-Gehalt der ersten Varietät: der- 
selben nicht nur die leichte Krystallisirbarkeit und lichtere 
Farbe, sondern auch die bedeutendere Härte ertheilte. Es 
wäre leieht möglich, dass, da das Atomgewicht des Nickels, 
dem des Kobalts so sehr nahe kommt, letzterer den ersteren 
theilweise verträte, und dass, wenn die dunklere Varietät des 
Minerals arsenigschwefliges Schwefelniekel mit unterantimo- 
nigsaurem Schwefelnickel ist, die hellere arsenigschwefliges 
Schwefelnickel mit unterantimonigsaurem Schwefelkobalt wäre. 

Ich würde mich dieser Arbeit selbst unterzogen haben, 
wenn ich Zeit dafür erübrigen könnte. 

Sollten sich Liebhaber zu Exemplaren beider Varietäten 
finden, so dürfen sich dieselben nur an Herrn Fabriksbesitzer . 
Roscner in Saalfeld wenden, der jeden Auftrag nach Wunsch 
befriedigen wird *). 


*) In neuerer Zeit, wo die Argentan-Fabrikation den Verbrauch des 
Nickelmetalls so sehr erhöht, kann dieses Mineral, wo es häufig 
vorkommt, einen bedeutenden Gewinn gewähren. Da dasselbe 
jedoch fast immer in Begleitung von Spatheisenstein einbricht, von 
dem es auf mechanischem Wege nicht getrennt werden kann, so ist 
die Darstellung der eisenfreien Nickelspeise aus ihm — ohne die 
Anwendung einiger hüttenmännischen Vortheile — nicht leicht. 
Ich bin erbötig, auf briefliche Aufragen Auskunft über die zweck- 
mässigste und billigste Darstellung der Nickelspeise aus diesem 
Minerale auf trockenem Wege zu 'ertheilen. 


Über 


organische Gestalten im Schlott- 
wilzer Achatgange, 


Hrn. Dr. BERNHARD CoTTa. 
(Hiezu Taf. III, Fig, 8—13.) 


Der Achat von Schlottwilg in Sachsen bildet einen 20 | 
bis 30 Fuss mächtigen Gang im Gneise, der schon von Cuar- 
PENTIER, HorFMmAann, WERNER, v. LIEBENROTH und FREIESLEBEN *) 
beschrieben worden ist, wesshalb ich über seine mineralogisch 
geognostische Beschaffenheit hier nur wenig zu erinnern 
habe. Die ganze Masse scheint zuerst Bandachat gewesen 
und durch den allmählichen Absatz dünner Lagen von bei- 
den Salbändern nach der Mitte zu entstanden zu seyn. 
Spätere Aufreissungen und Erschütterungen haben diese re- 
gelmässige Bandachatmasse zersprengt und theilweise so zer- 
stückelt, dass durch Verbindung mittelst weissem und blauem 
Amethyst und Chaleedon-ähnlichem Gesteine ein schöner fester 


*) CHARPENTIER mineral. Geograph. S. 143; Horrmann Oryktographie 
S.265 und 286, und Berem. Journ. 1790, B. II, S.462; Werner; 
Gangtheorie S. 73; v. LiEBENROTH, geognostische Beobachtungen 
1791, S. 70 und 1798 S. 31 und 113; FRrIesLEeBEn Oryktographie 
H.IL, S. 15. 


A 


Trümmerachat entstanden ist. Auch dieser ist wieder zer- 
sprengt und von Gängen durchzogen , welche meist aus 
Amethyst bestehen und hie und da Chalcedon enthalten. 
Amethyst und Chalcedon sind sonach hier Mar jüngsten Bil- 
dungen. " 

In diesen Zäment- und Gang-Gesteinen des Trümmer- 
Achates findet man nun kleine regelmässige Bildungen, deren 
Gestalt mehr auf organischen als unorganischen Ursprung 
hindeutet. Auf T. IIl sind solche Körper abgebildet. Bei 
Fg. S ist A gewöhnlicher Trümmer-Achat, B. ein durch- 
setzender Amethyst-Gang, d reiner blauer Amethyst, e weisses 
_ Chalcedon-Gestein mit den fraglichen Körpern (Alles in na- 
türlicher Grösse). Die kleinen Körper sind an der Seiten- 
fläche des Amethyst-Ganges auf den Trümmer-Achat festge- 
wachsen und ragen von da aus 2 bis 5 Linien in die Gang- 
masse hinein. Ihre Gestalt ist im Allgemeinen zylindrisch, 
mit mehr oder weniger regelmässigen Einschnürungen und 
einem abgerundeten kugelförmigen Ende. Sie sind hohl, jetzt 
aber natürlich mit Chalcedon-Masse erfüllt, und in der Mitte 
geht ein Stab oder eine Röhre hindurch. Ihre Form erinnert 
sehr an die von Corva abgebildeten Oscillatorien.. aus 
den warmen Quellen Kurlsbads (Almanach de Carlsbad, 1836, 
besonders Fg. 21 und 22); doch 'sind sie um Vieles grösser, - 
und unterscheiden sich durch die körperliche Axe. 

In einigen Exemplaren, bei denen man die hohle Struk- 
tur und die innere Röhre weit deutlicher erkennt, z. B. bei 
den unter Fg. 9 vergrössert dargestellten, sind dagegen die 
Zylinder-artigen Einschnürungen um so unregelmässiger. Diese 

sind besonders regelmässig bei Fg. 10, und vergrössert bei a. 
Geht die Schnittfläche des Steins senkrecht durch die Axe 
der kleinen Körper, so sieht man nur einen kleinen Kreis 
mit einem Punkt in der Mitte (Fg. 9und 10). Gewöhnlich ist 
der kleine Zylinder zunächst von abwechselnd mehr und 
minder opaken Chalcedon-Ringen, wie von einer Atmosphäre 
umgeben, und dann erst beginnt der Amethyst, welcher sich 
konzentrisch strahlig um die Röhre herum anordnet, Bei 


Sei sl ne 


Fg. 11 sind die inneren Theile dieser Strahlen noch weiss 
und in Ringe abgesondert, während ihre äussere Hälfte in 
blaue durchsichtige Krystallspitzen endigt. AITER"N 
Es entsteht nun zunächst die Frage: sind diese zylin- 
-drischen Körperehen organischen Ursprungs, oder nicht? 
sind es versteinerte Organismen, oder nicht$ — EurEnseres 
neueste Arbeiten haben dargethan, dass man von den klein- 
sten aller lebenden Wesen, von den Infusorien unzählige, 
wohl erkennbare fossile Überreste findet, und dass die Kie- 
selerde es ist, welche vorzugsweise die Versteinerung so 
zarter Theile und so kleiner Organismen zu bewirken ver- 
mag. Hier finden wir nun im Chalcedon und von Amethyst um- 
schlossen (die Körperechen liegen nie unmittelbar im Amethyst, 
sondern stets in einer Chaleedon-Hülle) kleine regelmässig gestal- 
tete Formen, in Intervallen zusammengeschnürte oder gegliederte 
hohle Zylinder, mit einer abgesonderten, wahrscheinlich hoh- 
len Axe. Das ist weder die Form eines Krystalls noch über- 
haupt eines Minerals. Sieht man die ganze Suite von Schlott- 
wiüzer Achaten, welche mein Vater zu dem Ende nach ver- 
schiedenen Richtungen hat schleifen lassen, so wird es schwer, 
eine andere Idee zu fassen, als dass diese überall gleichför- 
migen Körperchen von lebenden Organismen herrühren. 
Warum sollten es auch nicht Thiere seyn, ähnlich den 
Oseillatorien, nur viel grösser und mit einer festen Axe$ 
Berücksichtigen wir die geologischen Verhältnisse ihres Vor- 
kommens, so wird die Analogie noch grösser. Chalcedon 
entstand und entsteht noch jetzt durch Absatz aus heissen 
Quellen oder Dämpfen: aus Quellen auf Island, aus Dämpfen 
nach L. v. Buch auf den Canarischen Inseln. Nichts spricht 
gegen die Annahme, dass der Achat-Gang bei Schlottwitz auf 
ähnliche Weise durch Absatz aus heissen Quellen entstanden 
sey. Leben nun die Oscillatorien in den heissen Quellen 
Karlsbads, warum sollen nicht unsere Chaleedon - Thierchen 
in den heissen Kieselquellen von Schloliwitz und in den 
Klüften gelebt haben können, aus’ denen dieselben hervor- 
drangen $ Man findet sie stets auf einer festen Basis des 
Jahrgang 1837. | 20 


— 302 — 


ältern Triimmergesteines aufsitzend , fast. nie allseitig: von 
Chalcedon und Amethyst umgeben. Sie hafteten im lebenden 
Zustande stets an den Steinwänden fest und lebten auf ih- 
nen gesellschaftlich beisammen. | | 

So sehr ich nun auch überzeugt bin, dass die besehrie- 
benen Körper wirklich einst Thieren angehörten, so. werde 
ich doch noch nieht wagen ihnen schon jetzt einen systema- 
tischen Namen: beizulegen, sondern erlaube mir nur, sie 
einstweilen „Chalcedon-Thierchen“ zu nennen und zu 
ihrer genaueren Untersuchung aufzufordern. Vielleicht findet 
sich später Gelegenheit, sie genauer und unter mehrerlei 
Verhältnissen kennen zu lernen, 

Es würde höchst voreilig seyn auf die Nerntnslshne, 
dass die beschriebenen Körper von Thieren herrühren, ent- 
fernt ähnlich den Karlsbader Oscillatorien, den Schluss 
gründen zu wollen, dass die umschliessenden Gesteine von 
heissen Quellen abgesetzt seyn müssten. Da es aber olne- 
hin für,die Entstehung der Achat- und Amethyst-Gänge kaum 
eine wahrscheinlichere Hypothese gibt, als ihre Erklärung 
durch warme kieselhaltige Quellen, so treten nun die physi- 
kalisch-chemischen und organischen Erscheinungen in ein 
gewisses Wechselverhältniss, was zur gegenseitigen Deutung 
wohl benützt werden darf. Es würde wichtig seyn, wenn 
Achat-, Amethyst- und selbst Quarz-Gänge recht vieler Ge- 
genden genau untersucht würden. Organismen wie bei 
Schlotiwitz kann man zwar nicht überall darin erwarten, 
und ihr Auffinden hängt sehr vom Zufall ab; aber das phy- 
sikalische Verhalten derselben kann auf manche interessante 
Schlüsse führen. Fast scheint es, als seyen in den ältern 
‚Schöpfungs - Perioden die heissen und kieselhaltigen Quellen 
ungleich häufiger und ergiebiger gewesen als jetzt, und die- 
ses Resultat, wenn es sich erweisen lässt, steht offenbar in 
'erwünschtem Einklang mit den gangbaren Ansichten über 
die Entstehung und Ausbildung der Erde. Zugleich scheinen 
die Preduktionen jener vorweltlichen Quellen von denen 'der 
jetzigen etwas abzuweichen: sie lieferten mehr krystallinisehe 


1 


en 225 — 303 | 


Kieselgesteine, als heute. — Sonst: Quarz, Amethyst und 
’‘Achat, dann Chalcedon, Opal, Hyalith und Kieseltuff‘, von 
denen einige noch jetzt entstehen, 
Auch in einigen anderen Chaleedon-Varietäten findet man 
‘in den Sammlungen häufig kleine regelmässige Gestalten, 
welche mehr oder weniger an die obigen erinnern. Z, B, 
in einem reinen und ziemlich durchscheinenden Chalcedon : 
blasenförmige und längliche Höhlungen, wie aus einer we- 
niger durchscheinenden Haut gebildet und mit einer gänzlich 
opaken Axe in der Mitte (Fg. 12 in nat. Gr.) Ferner in 
einem ähnlichen Chalcedon: runde, sehr durchsichtige Zylin- 
der mit einer dunkeln Axe oder Röhre in der Mitte, von 
welcher von Zeit zu Zeit kreisförmige Sprünge sich aus- 
breiten, als würden dieselben durch eine Art von Abgliede- 
rung des durchsichtigen Zylinders bedingt (Fg. 13 in nat. Gr.) 
Leider ist von beiden Chaleedon-Stücken, welche mein Vater 
besitzt, der Fundort gänzlich unbekannt, und ich würde, 
daher auch der sehr problematischen Erscheinungen kaum 
erwähnen, schienen sie nicht mit den oben beschriebenen 
deutlicheren in einiger Verwandtschaft zu stehen, 


20” 


Erste Notiz 
über 
das Genus Aptychus 


von 


Hrn. General-Berg-Inspektor VoLTz. 


I 
(Aus einem Vortrag bei der Strasburger naturforschenden Gesellschaft.) 


Die fossilen Körper, welche von SchLoTHEIM mit dem 
Namen Tellinites problematicus und T. solenoides, 
von Parkınson als Trigonellites, von GErMmAR als Lepa- 
dites, von Meyer als Aptychus und neuerlich von Dks- 
LONGCHAMPS als Münsteria bezeichnet worden sind, bieten 
eine Struktur dar, welche schon auf den ersten Blick nicht 
gestattet, sie unter die Bivalven zu stellen, was auch Herr 
von Meyer in seiner Ärbeit über diese fossilen Körper rich- 
‚tig aufgefasst hat. In der That sieht man daran Zuwachs- 
_ streifen immer im Innern der Klappen, zuweilen mit solchen 
auf der äusseren Seite (Apt. elasma). In andern Fällen 
bietet diese letzte übereinanderliegende Lamellen dar, wie 
der Deckel der Neriten oder die Schaale der Crassatellen 
‚und einiger Venus-Arten (A. imbricatus, A. bullatus). 
Noch andere Arten lassen auf dieser. nämlichen Seite ein 
dickes zelliges oder schwammartiges Gewebe wahrnehmen 
(A. laevis). Von Meyer hatte aus dieser Erscheinung 


geschlossen, dass die Aptychen innerliche, nicht äusserliche 
Mollusken-Schaalen seyen. | 

Um sich eine richtige Vorstellung von Aptychus 
zu machen, muss man vom A. elasma ausgehen, der offen- 
bar nur eine einfache hornartige Platte war, mehr oder we- 
niger herzförmig, ein- und nicht zwei-klappig, symmetrisch aus 
zwei Lappen gebildet, welche auf der Mittellinie durch einen 
Falz miteinander so verbunden gewesen, dass sie sich wie 
Muscheln auseinander legen und zusammenklappen, aber beides 
nur bis zu einem gewissen Grade konnten. Diese Bildung 
sieht man sehr deutlich bei einem Exemplar, das ich im In- 
neren des Ammonites opalinus Rein. (A. primordialis 
Zıer.) entdeckte. Der Aptychus liegt darin fast gänzlich im 
Grunde der letzten von dem Thiere eingenominenen Kammer, 
noch jetzt fast ganz symmetrisch, der Falz in der Fläche 
des Kiels der Schaale, der herzförmige Rand auf dem Rücken 
des vorletzten Umganges, der konvexe Rand gegen den Rücken 
der Schaale, aber tiefer und nahe bei der letzten Scheide- 
wand. Untersucht man den Falz, so sieht man deutlich, 
dass er ungetheilt ist und beide Lappen zusammen nur ein 
einziges Stück bilden. Die Zuwachsstreifen gehen vom mitteln 
Theile des herzförmig konkaven Randes aus und folgen dann 
den konvexen Seitenwänden der Schaale. | 

Der Aptychus elasma hat die einfachste Form un- 
ter den Arten dieses Geschlechtes, welche man in drei Fa- 
milien trennen kann, wovon die erste, die der Cornei, die 
aus einer einfachen hornartigen Platte bestehenden, die zweite, 
die der Imbricati, diejenigen Arten in sich begreift, de- 
ren hornartige Platte äusserlich von einer kalkigen Schichte 
mit Ziegeldach-artig übereinanderliegenden Leisten bedeckt 
ist (A. imbricatus), — die dritte, Cellulosi, aussen an 
der Schaale mit einer dicken He Kalklage überzogen ist 
(A. laevis). Ä 

Alle A ptyehus-Arten zeigen i im Inneren ihrer Klap- 
pen die Zuwachsstreifen der hornartigen Platte oder wenig- 
stens deren Abdrücke; aber diese Platte selbst besteht nicht 


n 


. GER WERTE 


mehr bei allen. Man sieht sie nur "bei denjenigen, die in 
Schiehten vorkommen, wo die freie thierische Materie nicht 
zerstört worden ist. ‚Zu @undershofen, wo das Gestein grau, _ 
und nicht weiss ist und noch ‚Kohlenstoff in ‚merklicher 
Menge enthält, sind diese Aptychen schwärzlich braun 
and ziemlich wohl erhalten. — Im Lias von Boll, welcher dun- 
kelgrau ist und noch Sepie von Loligo- und Belemniten-Arten 
enthält, sind die Aptychus-Arten der ersten Familie ganz 
schwarz, während die Loligo- und Belemniten-Platten (Lei- 
sten) noch wie Horn aussehen, weil sie. nicht aus reiner 
‘hierischer Materie bestanden, sondern reichlich mit Kalk 
durchdrungen gewesen, — In den lithographischen Schiefern 
won Solenhofen ist alle reine thierische Materie. gänzlich zer- 
‚stört worden. Man erkennt daselbst noch gut die Form 
des Dintensacks der Sepien und der Kalmars , aber die 
Schwärze ist verschwunden, Die Loligo- und Belemniten- 
‚Leisten bestehen auch hier noch, aus dem Grunde wie vor- 
hin. Diese Schiefer zeigen keine Aptychen der ersten Fa- 
milies man wird später sehen, warum. Dagegen sind. die 
Imbricati und die Cellulosi häufig, weil sie auf der 
‚Horn-artigen Platte noch einen dicken kalkigen Überzug hatten, 
obschon diese Platte selber fast immer verschwunden ist, wie 
alle reine thierische Materie, wie die Dinte der Sepien, der 
Kalmars und der Belemniten; aber ihr Abdruck auf der in- 
neren Fläche ist hinterblieben, wie der des Dintensacks des 
Loligo priscus Rürr. und mancher Sepien und Belemniten, 
welche Graf Münster besitzt. Doch hat das Strasburger 
Museum einen Ammoniten, wie es scheint, aus der Familie 
der Maerocephalen,, woran man einen Aptychus laevis wahr- 
nimmt mit noch erhaltener Horn-Platte, welche aber in einen 
weissen Faserkalk umgewandelt ist. — Die kalkigen Schaa- 
‚len, welche diese Hornplatte bedeekten, sind fast immer 
allein übrig geblieben an diesem Orte sowohl als in den 
Kalkschiehten der Württembergischen Alp, ie ebenfalls keine 
thierische Materie mehr enthalten. Aber auf der konkaven 
Seite derselben sieht man ganz gut noch die Eindrücke, 


I 


— 8507 — 


welche von den Zuwachsstreifen der Hornplatte herrühren ; 
sie haben im Allgemeinen dieselbe Form und deuten die 
nämliche Art des Wachsthums an, wie bei den Cornei. 
Überhaupt gestattet die Natur dieser kalkigen Schaalen nicht 
anzunelimen, dass diese Streifen ihnen eigen seyen; denn 
einem so grosszelligen Gewebe, wie das des A. laevis ist, 
können nicht so feine Zuwachsstreifen entsprechen, als diese 
sind. Dieses zellige Gewebe besteht aus ziemlich starken 
dieht aufeinander liegenden Schichten. An einigen Exem- 
plaren kann man Zuwachsstreifen auf dessen äusseren, kon- 
vexen Seite wahrnehmen, und deutlich unterscheiden, dass 
sie von denen der konkaven Fläche abweichend sind. — 
Eben so verhält es sich mit dem A, imbricatus,. dessen 
 inwendigen Zuwachsstreifen weder in Zahl noch in Form 
den Leisten der konvexen Oberfläche entsprechen, gerade 
wie an den Nerita-Deckeln die Leistehen der äusseren kal= 
kigen Lage nicht mit den Streifen der inwendigen Horn- 
Platte übereinstimmen. 

In den lithographischen Schiefern hauptsächlich sieht 
man viele Aptychen, deren beide Klappen mit ihrem gera- 
den Rande aneinander und oft ineiner Ebene liegen, zuweilen 
aber auch so, dass sie mit ihrer porösen Seite eine starke 
Wölbung, mit der ‚gestreiften eine grosse Vertiefung bilden. 
Dieses scheint auch die natürliche Form, ersteres nur die 
Wirkung mechanischen Druckes zu seyn. 

Es scheint, dass die Aptychen sich, wenn auch nur 
wenig, öffnen und schliessen konnten und der Falz ihnen 
hiebei gewissermaasen als Charniere diente, wesshalb eben 
die kalkige Schichte auf der äusseren Seite des Aptychus 
laevis und A. imbricatus sich in Form zweier Schaalen ab- 
setzen inusste, dass der Falz biegsam blieb, Wenn daher 
auch diese kalkigen Theile gewissermaasen Zweiklapper dar- 
stellen, so lassen sich die Aptychen im Ganzen genommen 
doch keineswegs auf wirkliche Muscheln zurückführen. Bei 
ihnen ist auch die Horn-Platte — Epidermis — im Innern 


der Klappen und die Kalkablagerung äusserlich darauf. Bei 


| — 53508 — 
‘den Muscheln wird jene Epidermis gleich der Kalkmasse 
durch den Mantel hervorgebracht, dessen Rand die Epider- 
‚nis bildet, dessen Fläche die Kalkschaale absetzt und beständig 
verdickt. Bei den Aptychen dagegen wurden die Hornplatte 
und die Kalkschaalen offenbar von zwei sehr verschiedenen 
Theilen des Körpers abgesetzt, die während der Bildung 
übereinander befindlich waren. Bei den Muscheln kommen 
immer Anheftstellen der Muskeln auf der Kalklage und ent- 
fernt vom Rande vor. Bei Aptychus sieht man die Anheft- 
stellen für die Muskeln niemals auf der Kalkschaale, , und 
dieselben scheinen wie bei den Schnecken-Deckeln auf dem 
Rande der Horn-Platte nach der ganzen Länge der An- 
wachsstreifen befestigt gewesen zu seyn, | 
Grösser scheint die Ähnlichkeit der Aptychen mit inner- 
lichen Schaalen. So hat ein hornartiger Aptychus viel Ana- 
logie mit der Horn-Platte einer Aplysie, nur dass diese un- 
symmetrisch gestaltet ist. Auch haben die Cornei Analogie 
mit den Hornleisten der Kalmar-artigen Thiere; aber diese 
bestehen jederzeit wesentlich aus zweierlei Regionen: aus 
der Rücken- und der Hyperbolar-Gegend, was man hier nicht 


wahrnimmt. Die Aptychen mit kalkiger Schaale aber haben 


gar keine Analogie mit den innerlichen Kalkschaalen von 
Cephalopoden, weil diese wesentlich immer die Kalkschaale 
zu innerst und die Hornplatte darüber haben, welche selbst 
wieder durch eine zweite, von einer andern Membran ab- 
gesetzte Kalklage bedeckt wird: so bei den Belemniten, 
den Sepiostarien, den Belopteren und sicher auch. 
den Belosepien. Auch sind die äusseren Kalklagen die- 
ser Schaalen, die Scheide der Belemniten ‘und der chagri- 
nirte Überzug der Sepiostarien,. von einer Membran gebildet 
worden, welche Kalkmasse in ihrer ganzen Erstreckung ab- 
setzte; während bei den Schneckendeckeln und den Apty- 
chen die Kalkschichte sich nur vom Rande her, nicht auf 
der ganzen Fläche, anlegt und allmählich mit dem Wachs- 
thum der Hornplatte voranschreitet; Inwendige Schaalen 
thun_ diess nie ‚„ und haben nie eine mit übereinander 


— 800. 


geschobenen Leistehen versehene Oberfläche, wie sie an den 
Deckeln der Nerita- und Natica-Arten so deutlich ist. 

- Fragt man nun, welchen Konchylien oder welchen 
Schaalen- die Aptychen sich am meisten nähern, so wird 
man wohl aus dem Gesagten ersehen, dass diess die Deckel 
sind. In der That bietet die Mehrzahl der Gasteropoden- 
Deckel dieselbe Struktur, wie die Aptychen dar: insbeson- 
dere die von Turbo, Trochus, Nerita, Fusus, Cerithium, Pa- 
Iudina, Atlanta u. s. w. Denn alle bestehen sie wesentlich 
aus einer Hornplatte, auf welcher man oft eine Kalkschichte 
abgesetzt findet, welche zuweilen übereinander liegende Leist- 
chen darbietet; ihr Wächsthum findet auf dieselbe Weise 
wie bei den Aptychen, und auf ganz andere Art als bei den 
Hornplatten Statt. Zwar habe ich noch keine solche Deckel 
mit zelliger Textur gesehen, .was aber ohne Zweifel davon 
herrührt, dass.sie alle kriechenden, nicht schwimmenden 
Thieren angehörten, für welche sie leichter seyn müssen. 

Schon 1829 behauptete Rürreız bei der Versammlung 
der Naturforscher in Zerdelberg, dass die Imbricati Deckel 
der Solenhofer Planuliten seyn müssten, glaubte aber die 
Cellulosi andern Mollusken zuschreiben zu müssen. Damals 
bestritt ich diese Ansicht heftig, weil ich Aptychus imbri- 
eatus nicht von A, laevis trennen konnte-und die Struktur 
der Schnecken-Deckel noch nicht studirt hatte, Erst als 
ich beim Zerbrechen ‘des erwähnten Ammonites opalinus von 
Gundershofen den Aptychus elasma in fast natürlicher Deckel- 
Lage fand, fing mir die Sache an glaublicher zu werden; 
ich studirte die Konchylien-Deckel unseres Museums und 
die Arbeit von Ducäs (Ann. d. science. nat. XVIIL) und be- 
griff nun bald, dass Aptychus ein wirklicher Deckel sey. 
Doch blieben noch gewichtige Einwendungen gegen diese 
Meinung übrig, die man zuerst widerlegen musste, und über 
welche ich mich etwas verbreiten will, | 

Der Aptychus elasma war in Ammonites opalinus aller- 
dings nicht ganz in der natürlichen Lage eines Deckels, 
nicht in der Nähe der Mündung, sondern fast ganz im 


“ 


le 


Grunde der letzten Kammer. Aber es würde auch etwas 
ganz Ausserordentliches seyn, ihn ‚noch da zu finden, wo 
das Thier seinen Fuss hatte; denn als dasselbe in Fäuiniss. 
gerieth, musste die Entwickelung von, Gas ihn schon aus 
seiner Lage drücken, und als der Schlamm , welcher jetzt 
die letzte Kammer des Ammoniten ausfüllt, in .dieselbe ein- 
drang, musste er auch den Deckel wieder vor sieh her 
schieben. Gewöhnlich findet man den Deckel noch an seiner 
Stelle nur bei denjenigen Mollusken, welche an der Luft 
vertrocknen, nicht bei jenen, welche im Wasser faulen. Un- 
ter den vielen fossilen Deckel-Konchylien, welche ich schon 
untersucht habe, habe ich auch nicht eine noch wirklich mit 
ihrem Deckel gefunden: gewöhnlich ist dieser aus der Schaale 
herausgefallen. Es ist sogar sehr selten, die Deckel selbst 
überhaupt nur fossil zu finden, und es scheint, dass ihre 
Struktur ihren Übergang in den Fossil-Zustand weniger ‚be- 
günstigte, als die der Konchylien, *) ir. 

H. v. Mexer führt zwei Aptyehus-Arten (A. imbricatus 
und A. laevis) an, die er in derselben Ammoniten-Art gefun- 
den habe, und bildet sie auch so in seiner Abhandlung ab. 
Aber selbst wenn diese Thatsache ganz ausser Zweifel ge- 
setzt wäre, so würde sie keinen unumstösslichen Beweis 
begen meine Ansicht bieten, da ja die eine jener zwei Arten 
einmal zufällig, wie so manche andere Körper, in die Mün- 
dung eiries fremden Ammoniten gespühlt worden seyn könnte, 
Aber die zwei Ammoniten, welche H. v, Merer anführt 
und abbildet, sind unbestimmbar ; der in Fig: 12 seiner Tafel 
abgebildete könnte wohl aus der Familie der Planulaten, der 
in Fig, 5 irgend ein Macrocephale seyn; Das Strasburger 
‚Museum besitzt einen Ammoniten, der ebenfalls ein Maero- 
‚ eephale zu seyn scheint und einen Apt; laevis einschliesst. **) 


 ®) Fossile Deckel kenne ich nur in tertiären Bildungen : hauptsächlich 
| von Turbo rugosus, kaum 2—3 von andern verwandten Arten ; 
.dann von Paludina impura u: e a. A. (Figline ete.) 
6) Br. 

**) Ich besitze einen Apt. imbricatus in einem Ammonites fle- 
xuodsus von Solenhofen der Länge nach auf der Seite liegend. Bar. 


en 


Auch wendet man ein, es seye sich zu wundern, dass 
man eine so grosse Zahl Ammoniten-, und doch erst so 
wenige Aptychus-Arten kenne, die ihre Deckel seyn sollen. 
Wirklich hat man auch bisher nur etwa 12 Aptychus-Arten 
beschrieben und abgebildet, doch zweifelsohne desswegen, 
weil man zu wenig Aufmerksamkeit auf sie gerichtet und sie 
nicht gesammelt hat. Denn seit der kurzen Zeit, da ich auf 
diesen Gegenstand aufmerksam geworden bin, habe ich allein 
‚schon 12 neue Aptychus- Arten gefunden. Auch ist nicht 
‚gesagt, dass alle Ammoniten-Arten Deckel haben mussten. 
D’Orsıcnr hat so eben in der Beschreibung der auf seiner 
Reise beobachteten Arten von Allanla, einem den Ammoniten 
mehrfach verwandten Geschlechte, nachgewiesen, dass diese 
Thiere je nach Verschiedenheit der Arten ohne oder mit 
‚einem Deckel versehen sind, und dass sich derselbe sogar 
bei der nämlichen Art nicht immer vorfindet, sondern leicht 
verloren zu gehen scheint. 

Eine fernere Einwendung ist daraus entnommen worden, 
dass man nicht immer eine Beziehung zwischen der Anzahl 
und den Arten der Ammoniten und der Aptychen einer Ab- 
lagerung wahrnehmen und die beiderseitigen Arten so, wie 
sie zusammengehören, zusammenfinden könne. Man muss sich 
aber erinnern, wie ich schon anführte, dass wohl nicht ‘alle 
Ammoniten-Arten mit Deckeln versehen gewesen seyn müs- 
sen; dass nicht alle diese Deckel-Arten durch ihre Struktur 
gleich fähig waren, sich fossil zu erhalten, und dass auch 
die Bedingnisse des Überganges in den fossilen Zustand nach 
Verschiedenheit der Schichten wechselten. Schlug sich näm- 
lich eine Schichte mit Ammoniten rasch nieder und ehe diese 
in Fäulniss "übergehen konnten, so mussten die Deckel in 
denselben bleiben ;#erfolgte aber der Niederschlag. langsam 
und die Fäulniss noch vor dem Einschlusse in den kalkigen 
Niederschlag, so musste die leichte, in den Kammern d. i. 
in der Hälfte ihres inneren Raumes ungefähr immer mit , 
Luft erfüllte, Schaale sich zur Oberfläche des Wassers erheben 
und für immer aus der Schichte verschwinden, in welcher 


# 


En... Kües 


der herausfallende schwerere Deckel zurückbleiben konnte. 
So kann es geschehen, dass eine Schichte reich an Ammoniten- 
Deckeln und doch ohne Ammoniten ist. Schlug sich endlich 
die Schichte mässig langsam nieder, so musste die mehr 
derbe oder mehr gallertige Beschaffenheit der verschiedenen 
Arten einen wesentlichen Einfluss auf die weiteren Vorgänge 
ausüben. Die Ammoniten, welche ein derberes, der Zer- 
setzung länger widerstehendes Fleisch besassen, blieben mit 
Schaale und Deckel auf dem Meeresgrunde in der dort ent- 
stehenden Schichte zurück, während die Arten mit zärterem, 
rascher faulendem Fleische daselbst nur ihre Deckel hinter- 
liessen. Sogar die verschiedenen Theile eines und desselben 
Ammoniten konnten einer verschieden raschen Zersetzung 
. fähig gewesen seyn, und so mag ınitunter die schon fast leer 
gewordene Ammoniten-Schaale sich im Wasser gehoben ha- 
ben, während der Deckel mit dem derberen noch unzersetz- 
ten Fusse auf dem Grunde zurückblieb und, in dem sich 
bildende Gesteine eingeschlossen, noch jene Eindrücke be- 
wahrte, welche man zuweilen noch an A. laevis wahr- 
nimmt, ’ 

Bisher hatte man nur kleine Deckel selbst in denjenigen 
Schichten gefunden, welche grosse Ammoniten bewahren, 
was sich zum Theile aus dem schon Gesagten erklären lässt. 
Jedoch habe ich kürzlich durch die Herren Dr. Harrmann 
und Grafen Manperstou auch mehrere Aptychen aus dem Lias 
von Boll und Metzingen erhalten, welche alle sehr gross 
sind. So besitzt jeder Lappen meines A. latifrons 
0”09 Länge auf 0”033 Breite: Dimensionen, welche den 
Mündungen gewisser Ammoniten in jenen Liassehichten ent- 
sprechen *). 


*) Vergl. v. MEYER unten, S. 315. 


a 


Briefwechsel. 


Mittheilungen, an den Geheimenrath v. LEONHARD 
gerichtet. | 


Kraköow, 11. Febr. 1837. 

Verschiedene Umstände hielten mich den vergangenen Sommer zu 
Hause: nur einige kleine Ausflüge in der Umgegend und ins benach- 
barte Oberschlesien konnte ich unternehmen. Ich fand mehrere Saurier- 
Knochen im Muschelkalk ; leider aber nirgends etwas Deutliches. Zu 
Drieckowice an der Przemsa sind die Knochen gut erhalten und voll- 
ständig , die von Jaworzno gewöhnlich zerbrochen, die 'Theile halten 
_ zusammen, aber ein schwacher Schlag sprengt: die Stücke -auseinander. 
Im nahen Dorfe Szczakowa sind Knochen eine Seltenheit. Bei Königs- 
hütte um Tarnowitz kommen die Kuochenreste in kolossalerem Maas- 
stabe vor; Vieles hat Hr. Mentzen gesammelt, und wir erwarten in 
Kurzem seine Beschreibung. Was die Lagerungs-Verhältnisse des Tar- 
nowitzer Muschelkalks betrifft, so finde ich sie den Polnischen vollkom- 
men entsprechend. Grauer Kalkstein, der oft mergelig wird und dann 
Neigung zum ‚Schiefrigen hat, mit charakterischen Petrefakten des Ge- 
steins, wie Ammonites nodosus, Encrinites liliiformis, Lin- 
gula tenuissima, Plagiostoma striatum, Mpytulites socia- 
lis bildet die Unterlage. Darauf folgt die Erzlage, welche in Tarno- 
witz nur aus Bleiglanz besteht; in Polen ist das Bleiglanzlager unter- 
geordnet und gewöhnlich sehr dünn oder im kohlensauren Zinklager 
eingesprengt. Die Bleierze sah ich stets im untersten Lager. Das 
Bleiglanzlager von Tarnowitz, einige Zoll mächtig, verfliesst in den 
aufgelagerten körnigen Dolomit; in Polen bedeckt Dolomit das Galmai- 
Lager. ur 

ZEUSCHNER. 


FREIE ee en = Lac, TR —— 314 res pi er 7 Een 1277 


Berlin, 23. April 1837. 
Herr Professor Weıss beklagte sich gegen mich über den Schluss 
meines Aufsatzes im 1sten Hefte Ihres Jahrbuchs für 1837 (8. 9). Es 


ist dieser Schluss, wie Sie aus einer Randbemerkung des Manuskriptes - 


ersehen haben werden, allerdings ein späterer Zusatz zu dem von mir 
in Jena gehaltenen Vortrage, und Hr. Pr“ Weıss hat daher in Jena nicht 
Gelegenheit gehabt, dagegen zu sprechen; er betrachtet nämlich die Phä- 
nomene von Zscheila als ganz unabhängig von denen von Hohnstein und 
Weinböhla , über welche letztere er seine Ansichten nie verändert hat. 


BERNHARD CoTTA, 


Mittheilungen, an Professor BRONN gerichtet. 


Frankfurt, 4. April 1837. 


Verflossenen Spätherbst hielt ich mich ein paar Wochen in Bayreuth 


auf, um in den Reichthümern der Sammlungen des Herrn Grafen zu 
Münster und der Regierung des Obermainkreises zu schwelgen. Solche 
Sammlungen sollten in allen Kreisen Bayern’s bestehen. Dieses Land 


umfasst beinahe die ganze Manchfaitigkeit, mit der die Geologie ausge-_ 


‚stattet ist, Welche Annehmlichkeit wären daher diese Sammlungen für 
den Geologen, und welcher Gewinn für Land und Wissenschaft! Sie 
wären einer Zentral-Sammlung, aus dem ganzen Lande an einen Ort zu- 
sammengeführt, weit vorzuziehen. Dem Herrn Präsidenten von ANDRIAN 
und dem Herrn Grafen zu Münster verdankt der Obermainkreis die 
Errichtung und fortwährende Vervollständigung einer ausgezeichneten 
Kreissammlung, welche besonders an Versteinerungen reich ist. 

Der Hauptzweck meiner Reise nach Bayreuth war, die Schätze an 
fossilen Knochen von Sauriern, welche dort aus dem Muschelkalk 
angehäuft sind, und vom Herrn Grafen zu Münster und mir gemeinschaftlich 
veröffentlicht werden, näher kennen zu lernen. Daneben habe ich manche 
andere Notitz gesammelt. Mein Eryon Hartmanni scheint für den 
Lias sehr bezeichnend; er liegt nicht nur in der Nähe von Göppingen, 
woraus ich das prachtvolle Exemplar beschrieben, sondern, nach den 
Bayreuther Sammlungen auch im Ahornthal bei Rabenstein und bei Banz 
im Lias. Da ich der Krebse gedacht habe, so will ich Ihnen auch mit- 
theilen, dass ich in diesen Sammlungen eine dritte Species meines Ge- 
nus Prosopon aus den Mergelschichten des untern Coralrags, dem so- 


‚genannten Seyphien-Kalke, bei Streitberg gefunden habe; sie scheint. | 


nicht sehr selten zu seyn, ich nenne sie Pr. simplex. Auch besitzt 
Graf zu Münster meine Glyphea pustulosa aus dem Coralrag von 
Derneburg und von Wendhausen bei Hildesheim, und aus ersterem 


noch Fragmente einer Glyphea, welche von der G!. Dressieri nicht 


verschieden zu seyn scheint. Ein ganz ähnlicher Cephalothorax wie der, 


\ 


\ 


rn A 


welchen Herr Graf ManpersLon m’r aus dem Farrenberg bei Mössingen 
zuerst mitgetheilt, und woraus ich die Species Glyphea Mandels- 
lohii bildete, liegt in der Kreissammlung in Bayreuth aus dem Oxford- 
thon von Rabenstein und Thurnau ; aus demselben Gebilde rührt auch 
ein Fragment her, welches entweder der Glyphea ventrosa oder 
einer dieser sehr nahe stehenden Species angehört; das Fragment ist 
zu unvollständig, um darüber gewisser zu entscheiden. Die Beiträge, 
welche ich fortwährend für die Genera fossiler Krebse erhalte, . mit de- 
nen ich mich zu beschäftigen begonnen, hielten mich bisher von deren 
Publikation ab. Erst kürzlich noch theilte mir Herr Bergrath von AL- 
BERTI einen Crustaceen aus der untern Abtheilung des Lias von Tritt- 
lingen bei Rottweil mit, welcher auch zu meinem Genus Glyphea ge- 
hört und die grösste Species bildet, welche mir bis jetzt davon vorge+ 
kommen ist, wesshalb ich sie auch Gl. grandis benannt habe ; es ist diess 
nun die zweite Glypheen-Species aus dem Lias. Sie sehen hieraus, wie 


‚ zahlreich, wie verbreitet und wie bezeichnend dieses Genus ist. Anden 


Specien ist'nicht zu zweifeln. Bei ihrer Erriebtung habe ich es mir 
‚besonders angelegen seyn lassen , alle die Täuschungen zu beseitigen, 
zu welchen die Kruste solcher Thiere im versteinerten Zustande verlei- 
ten könnte (Lethäa 8. 478). 

Im „Institut“ werden Sie das Ausführliche über die Ansicht gelesen 
haben, welche unser verehrter Freund VorLrz von meinem Genus Aptychus 
hat“). Ich werde Ihnen demnächst für das Jahrbuch Einiges mittheilen, 
was sich der Annahme entgegenstellt, dass diese Versteinerungen die 
Deckel von Ammoniten sind, und das hauptsächlich auf der grossen An- 
zabl von Exemplaren berubt, welche die Münster’sche Sammlung besitzt, 

Zu meinem Isocrinus scheinen Sie kein rechtes Vertrauen zu be- 
sitzen, weil Sie in Ihrer trefflichen Lethäa (S. 268) ihn dem Penta- 
erinus cingulatus einverleibt haben **). Wenn irgend ein Crinoiden- 
Genus selbsständig ist, so ist es Isocrinus. Jch habe mich während 
meines letzten Aufenthaltes in Bayreuth in den Materialien der dortigen 
Sammlungen, auf denen die Errichtung der beiden genannten Pentacrinen 
beruht, überzeugt, dass von denselben bis jetzt keine Kronentheile vorliegen, 
sondern nur Stielglieder, welche vielleicht eher dem Isocrinus als dem 
Pentacrinus angehören. Von der Trüglichkeit der Schlüsse aus Stiel- 
gliedern auf das Genus sind Sie in Ihren Forschungen über die Crinoi- 
den-Reste aus dem Muschelkalk (Jahrb. 1837, S. 30) selbst überzeugt. 
Es gehören wirklich die fünfeckigen oder fünfblätterigen Stielglieder eben 
so wenig ausschliesslich dem Genus Pentacriuus an, als die runden; dem 
Enerinus ; die verschiedensten Crineideen können grosse Ähnlichkeit, 
und ein und dasselbe Genus in seinen Spezien grosse Verschiedenheit in 


=) Vgl. S. 304. 

*%*) Der Grund der Anführung unter Pentaer. eingtlatus lag in der an. 
angedeuteten Ansicht von Vorrz in einer Zeit, wo'ich selbst von diesem Thiere 
nur den Namen kannte, Denn den angeführten Brief ( Jahrb. 1836, 57) hatte ich 
erst während des Abdruckes diese Stelle der Lethäa erhalten und daher keinen 
weitern Gebrauch mehr davon machen können, als darauf zu verweisen. Br. 


l 


— A. 


, 


Betreff der Form und Zeichnung ker Stielglieder darbieten. Als ich 


Quensteor’s Abhandlung über die Eneriniten des Muschelkalks durch- 
nahm, um den Encrinites Schlotheimii mit dem Isocrinus zu vergleichen, 
überzeugte ich mich, dass erstere Form kein wirklicher Encrinus ist. 
Sie gehört einem neuen Genus an, das ich Chelocrinus nenne; 


diese Form ist Chelocrinus Schlotheimii. In dasselbe Genus 


gehört auch Ihr Encerinus pentactinus, der eine zweite Species, 
Ch. pentactinus, bildet. Im Chelocrinus sitzen nämlich dem letzten 
der drei Glieder, welche die fünf Strahlen um den Stiel herum bilden, 
zwei Reihen kleinerer Glieder auf, und erst das letzte dieser Glieder 


trägt die zwei Reihen Endstrahlen , deren Glieder bei weiterer Entfer- 


nung vom Zentrum durch allmählichen Übergang zweizeilig werden ; 
während im Encrinus diese eigenthümlichen Endstrahlen unmittelbar in 
das letzte der drei Glieder, welche die fünf Strahlen um den Stiel herum 
bilden, einlenken. Ersterer Typus des Chelocrinus, in ihrem Encrinus 
pentactinus rein entwickelt und im Enerinus Schlotheimii _vorherr- 
schend *). ist also verschieden von dem, nach welchem die Krone des Eu- 
crinus gebildet ist. Eine weiter durchgeführte Vergleichung soll meine 
Beschreibung des Isocrinus enthalten. 


Herr Dr. EngeLHaror in Nürnberg brachte zur Versammlung der 


Naturforscher in Stuttgart einige Knochen von einem Riesenthier aus 
einem Breccien-artigen Sandstein des obern Keupers seiner Gegend... Der- 
selbe hatte die Gefälligkeit, mir alle Knochen, welche aus diesem Ge- 
bilde herrühren, mitzutheilen. Ich habe sie bereits untersucht und die 
besten davon, welche in fast vollständigen langen Gliedmassenknochen 
und in Wirbeln bestehen, abgebildet. Dieser Fund ist von grossem In- 
teresse. Die Knochen rühren von einem der riesenmässigsten Saurier 
her, welcher zufolge der Schwere und Hohlheit seiner Gliedmassenkno- 
chen dem Iguanodon und Megalosaurus verwandt ist, und in die zweite 
Abtheilung meines Systems der Saurier gehören wird. Keiner seiner 
Verwandten war bisher so tief im Buropäischen Kontinent und aus 
einem so alten Gebilde bekanut. Diese Reste gehören einem neuen 
Genus an, das ich Plateosaurus nenne; die Species ist Pl. Engel- 
hardti. Das Ausführliche darüber werde ich später bekannt machen. 
Noch muss ich Ihnen mittheilen, dass ich bei Untersuchung vieler 
vereinzelten Knochen von Pterodactylus aus dem Lias der Gegend 
von Bayreuth entdeckt habe, dass einige derselben mit Luftlöchern ver- 
sehen sind, wie gewisse Vögelknochen, wodurch eine neue Seite der 


-Annäherung zu diesen gegeben, aber auch eine Verwechselung mit Vö- 


gelknochen noch leichter möglich ist. 
| Herm. v. Meyer. 


*%) Vorherrschend doch wohl nicht, da von 2 Armen des Ch. Schlotheimii immer 
nur einer sich wieder unterabtheilt. An diesem würde also abwechselnd einer der 
zehn Arme zu Encrinus, der andere zu Chelocrinus gehören ? und seine Stellung 
in eines der zwei Genera ganz willkührlich,seyn, wenn man ‘nicht dennoch die 
Säule als generisches Merkmal zu Hülfe nehmen will. x Br. 


. 


— 37 — 
£ Paris, 11. Febr. 1837. 

Geschäfts-Überhäufung hat mich abgehalten, Ihnen noch vor meiner 
Versetzung hicher als Inspecteur general adjoint au corps royal des 
mines zu schreiben; doch werden Sie die drei Tafeln erhalten haben, 
welche zu meiner Arbeit über die Cephalopoden- Schaalen gehören, 
die nächstens nachfolgen wird. : Auch einen Aufsatz über Aptychus 
werde ich Ihnen in Kurzem senden. — Die fünfte Lieferung des Me- 
moires de la Societe d’histoire naturelle ist ihrer Vollendung nahe. In 
paläontologischer Hinsicht enthält sie eine Abhandlung von Duvernoy über 
einen fossilen Dugong in der Molasse von Rädersdorf im Oberrhein-. 
Dept., — die Arbeit von H. v. Meyer über die fossilen Saurier: des 
bunten Sandsteins von Sulzbad, — eine Notitz von mir über denselben 
Sandstein; — im botanischen Theile derselben wird Scumrer gar deut- 
lich nachweisen, dass der Schieferthon dieses Gebildes das Produkt der 
meteorologischen Phänomene des Frühlings, der Sandstein selbst aber 
derjenigen des Winters ist, was wohl in Sandsteinbildungen ziemlich all- 
gemein seyn dürfte. Daher mag es auch wohl kommen, dass in den 
Steinkohlen - Schiefern die Filiciten so selten Fruktifikationen zeigen, 
Wohl haben schon mehrere Geognosten dieses gesagt, aber noch nie hat 
sich die Sache so evident dargestellt, wie im bunten Sandstein von 
Sulzbad. 

Aus der Umgegend von Neuchätel in der Schweitz und von Com- 
mercy im Maas-Dept. habe ich wieder mehrere neue Nerinea-Arten er- 
halten , nämlich N. turritella, N. subdepressa, N, scalata, N. 
turris und N. perforata. 

Vortz. 


Cassel, 23. Febr. 1837. 
Hiebei erhalten Sie einige Versteinerungen von Helgoland , wo die 
Kürze meines Aufenthaltes mir nicht gestattete, mehr zu sammeln. Es 
befindet sich eine Terebratula darunter, die ich für T. depressa halte *). 


- *) Diese Art hat sich nicht vorgefunden. Die erhaltenen Versteinerungen, ‚abgesehen 
von einigen mir völlig unbestimmbaren Stücken, bilden einen Nachtrag zu den im 
Jahrb. 1832, S. 173 und 1835 S. 416 und 418 bereits gelieferten Bestimmungen, Die 
Belemniten sind auch diessmal sehr abgerollt, doch nicht ganz undeutlieh ge- 
worden. Einer ist nach Form, Alveole, Spalt und zwei seitlichen Depressionen an 
der ihm entgegengesetzten Seite der Be mueronatus der Kreide; ein anderer 
gleich über der Alveole abgebrochener ohne Spalt und Rinne besitzt auf jeder Seite 
eine Doppellinie, welche ihrer ganzen Länge nach um den vollen Halbmesser von 
einander entfernt bleiben, wie bei einer dem Actinocamax fusiformis nahe stehen- 
den. Art der Kreide bei (Custellune Basses Alpes); — zwei andere ‚ deren 
grösster 3° 4‘ lang und 6’ dick, an der bis zu 1/3 Länge hinaufreichen- 
den Alveole zusammen, gegen die Spitze flach gedrückt ist, zeigen eine flache, 
breite Rinne von der Spitze bis in die Alveolen-Gegend, wo sich dieselbe verliert ; — 
dann ein Ammonit, demA.navicularisSow. ausder Kreideähnlich, der ganz 
erhalten 4° Durchmesser, I1/fa‘ Dicke, einen fast kreisrunden Queerschnitt der Um- 
günge und einfache, etwas scharfe, ganz um die Umgänge herumziehende Rippen 


Jahrgang 1837. 21 


US 


Bei dieser: Gelegenheit kann ich nicht unterlassen, Ihnen ein hüb- 
sches Vorkommen von Schwefelkies mitzutheilen. : Beieinem-meiner Helgo- 
Zander Belemniten sind nämlich mehrere Scheidewände des Alveoliten 
in dieses Mineral verwandelt und sehen aus, wie das feinste Messing- 
blech. ‚Ihre obere Fläche ist vollkommen glatt und polirt, die untere 
rauher, und den sehr feinen Sipho kann man deutlich sehen. Die ganz 
abgeschlossene Spitze des Alveoliten enthielt Blätter von 2‘ im Durch- 
"messer und darüber von schwärzlich stahlgrauer Blende,. wie eine Unter- 
suchung meines Freundes, des Professors WöHLER, ausser Zweifel setzte, 
‚Auch in andern Exemplaren fand ich einzelne Blättehen von Blende oft 
noch festsitzend. Beide Schwefelmetalle haben sich wohl unstreitig aus 
schwefelsauren Salzen vermittelst der Reduktion. derselben durch die 
übrig gebliebene animalische Substanz des Belemniten gebildet. 


R. A. Paırirpr. 


Krakow, 12. März 1837, 

Meine Terebrateln konnte ich erst jetzt an Sie abschicken, da eine 
schwere Krankheit mich 2 Monate lang zur Arbeit unfähig machte. — 
Im verflossenen Sommer besuchte ich von Neuem Sanka und überzeugte 
mich, dass die grosse, früher für Pecten bestimmte. Versteinerung 
Lima proboscidea ist. Sie findet sich als schmale und als runde 
Varietät, diese zuweilen von 1’ Durchmesser. Neben ihr. liegen eine 
Menge‘ der langen Fortsätze, welche nicht hohl, sondern mit gelbem 
feinkörnigem Kalkstein ausgefüllt sind. 


Auf einer meiner letzten Karpathen-Reisen habe ich auch die Ver- 
steinerungen - führenden- Schichten von Szaflary und Rogoznik an der 
Tatra wieder besucht und sehr viele’ Versteinerungen, besonders A m- 
moniten gesammelt, welche ohne allen Zweifel Arten der Oolithe, 
nicht der Kreide sind, wornach denn auch der Karpathen-Sandstein nicht 
als Glied des Grünsandes angesehen werden darf, wie allgemein ge- 
schehen war. Welche Stelle aber der Karpathen-Sandstein in der Ooli- 
then - Reihe einnehme, konnte ich noch nicht ermitteln. Viele der von 
mir gesammelten Ammoniten gehören der untern Schichte derselben, und 


zwar den: Inferior-Oolithe an. 
ZEUSCHNER. 


Paris, 21. März 1837. 
Ich bin von der Reise nach Russland und der Türkei, die ich 
vorigen Sommer unternommen, zurückgekehrt, und habe über meine 


. 
mit runden breiteren Zwischenfurchen besitzt; Bruchstücke von 2 — 3 andern 
Arten; — Eisenstein-Kerne einer ? Rostellaria und eine grosse Nucula, 
N. myoidea Münst. oder N. Hammeri DErr. aus Unteroolith und Lias. 


BRonn. 


‘ 


0. 


Beobachtungen in der Krimm eine Vorlesung bei der geologischen Sozietät 
gehalten, welche demnächst gedruckt werden wird. Ich habe viele fos- 
sile Reste in den neuesten tertiären Bildungen gesammelt, welche die 
Steppen Süd-Russlands von der Mündung der Donau an bis zum Kaspi- 
schen Meere bilden. Viele dieser Arten sind neu; Desnaves befasst sich 
mit ihrer Beschreibung und wird diese meiner Abhandlung anschliessen - 
die wichtigsten Arten werden abgebildet werden. Ich bin jetzt oänhieh 
mit dem Studium der’ Übergangs- Formationen beschäftiget, und werde 
nächsten Sommer nach Deutschland kommen, um solche auch dort näher 
kennen zu lernen, ‚Später gehe ich nach Amerika, um solche in ‘beiden 
Hemisphären zu vergleichen. — D’Orszıcnv ist jetzt an seiner ausführ- 
licheren Arbeit über die mikroskopischen Polythalamie n, so wie an einer 
andern über die Krinoideen, worin er alle bisherigen Leistungen dar- 
über zu erschöpfen beabsichtiget; er besitzt mehrere neue Arten, und 
schöne Exemplare von Apiocriniten. — Desuares wird nach Belgien 
reisen und die vieleu neuen Arten aus der Kreide dieses Landes zeich- 


‚nen lassen, um sie später bekannt zu machen. Das wird ein schönes 


Werk geben, dessen Erscheinen sich aber noch lange hinausziehen kann. — 
Bov& will gegen Ende Aprils in die Türkei zurückkehren, er wird die 
östliche Bulgarei besuchen, den Balkan von Sophia bis zum schwar- 


‚zen Meere und die Ufer des Bosphorus bereisen. 


En. or VeERNELIL. 


21° 


Neueste Literatur. 


A. Bücher. 
1S36. 


A. F. Besnarno: das Titan und seine Verbindungen, eine Inaugural-Ab- 

 " handlung. München, 30 SS. 8°. ] | 

Carte geologique du dept. de la Manche, 1:feuille grand-aigle, color. 
Paris [5 fr.]. 

E. F. Germar: Insectorum protogaea specimen (19tes Heft der Fauna 

| Insectorum Europae). Halae 8° [1 fl. 24kr.]. 


GraATELouUp : Memoire de geo-zoologie sur les Oursins fossiles (Echinides), 
qui se rencontrent dans les terrains calcaires des environs de Dax, 
Bordeaux, 90 pp-, 1 pl. 8°, 

HıLpreru: observations on the bituminous coal deposits of the valley 
of Ohio and the accompanying rock strata, Marietta, 156 pp. 8°. 


Pr. Joansıs: Untersuchungen von den Stein- und Staub-Niederschlägen 
und den damit verbundenen Meteoren. Eine Inaugural - Schrift. 
München 8° 100 SS. [48 kr.]. 


. Tuurmann: Essai sur le ulevemens jurassiques:; ier. 
J. T A E les soulevemens j ques; second cabier 


Porrentruy 51 pp- 4° (mit 2 Tafeln von Profilen und einer grossen 
Karte). . ; \ 


1537. 


H. Asıcn: Vues illustratives de Phenomenes geologiques observes sur 
le Vesuv et ’Etna pendant les annees 1833 et 1834, Berlin, oder 

— erläuternde Abbildungen geologischer Erscheinungen am Vesuv und 
Ätna ete., 8 Seiten doppelten Textes mit 10 lith. Tafeln in gr. fol. 

W. BucktanD: die Urwelt und ihre Wunder (ein Theil der Bridgewater- 

Bücher), a. d. Englischen übersetzt von FrıeDr. WERNER; mit vie- 
len Abbildungen. Stuttyart, 8°, erste Lieferung. [werden 5—6 Lieff. 
zu 48 kr. seyn]. 


. — 521 — 


Can. Lyere: Principles of Geology, 5th edition, with numerous additions 
and improvements and 62 new i!lustrations. IV. voll. 12°, London 
[1 Pf. 8 sh.]. | 

Dı Rıo: Catalogo ragionato delle roccie e delle altre produzioni mine- 
rali dei monti Euganei tratto dall’ „Orittologia Euganea“ Padova, 4°. 

A. F. Wiesmann sen.: über die Entstehung, Bildung und das Wesen 
des Torfes (von der Berliner Akademie gekrönte Preisschrift), nebst 
einem Anhang über die Entstehung, Bildung und das Wesen der 
Raseneisensteine und das erdige Eisenblau. Braunschweig, 90 SS. 8°, 


B. Zeitschriften. 


1. Transactions of the Geological Society of London. 
(London 4°), 


1837, IV, 2. (vergl. Jahrb. 1836, S. 366.) 


W. H. Fırron: Beobachtungen über einige der Schichten zwischen der 
Kreide und dem Oxford- Oolith in Südosten Englands, nebst J. px 
Cırıe Sowerey’s Beschreibung der abgebildeten Konchylien, S. 103 
bis 378, Taf. VIL— XXI. 

Tu. Bew: Zoologische Beobachtungen‘ über eine neue fossile Art von 
Chelydra von Öningen, S. 379— 382, Taf. XXIV. 

A. Sepewick: über die New-red-sandstone-Reihe im Becken des Eden 
und an den N.W.-Küsten von Oumberland und Lancashire, 8. 383 
bis 408, Tf. XXV. 

W. H. Syres: über einen Theil von Dukhun in Ostindien, S. 409—432, 

Tf. XXVI, XXVI, XXVIIL (vergl. Jahrb. 1833, S. 361). 

L. Horner: über die Geologie der Gegend von Bonn, S. 433 — 481, 

Tf. XXIX. | 


2. Memoires de la Societe geologique de France, Paris 4° 
(vgl. Jahrb. 1835, S. 77). 


1835, II, ı, 


J. Levarroıs: Identität der Formationen, welche in der Lorraine und in 
Schwaben den Gryphiten- vom Muschel-Kalk trennen, S. 1—28, 

Ch. Levenı£e: geologische Wahrnehmung über einige an Konchylien 
sehr reiche Gegenden auf den Grenzen zwischen Frankreich und 
Belgien, S. 29—40. 

TouvLmoucHE: erklärende Bemerkung über die sechste Tafel der olopi- 
schen Karte des Tle- und Vilaine-Dept., S. 41—42. 

A. Bou&: Übersicht der geologischen Zusammensetzung der Illyrischen 
Provinzen, S. 43—90. 

C. Pr£vost: Bemerkungen über die Insel Julia, als Beitrag zur Ge- 
schichte der Entstehung vulkanischer Berge, S. 91--124. 


_ m — Sin 


| 2S50;REA Ua ‚noleba BAER N a 
Dausse: Versuch über die Form und Zusammensetzung der Rousses- 
Kette in Oisans, ‚S. 125—156. a dt 


D’Arcnsac: Abhandlung über die Kreide-Formation im Südwesten Frank- 
reichs, S. 157 —192. m; 
'Provana DE CorLeeno: geologischer Versuch über die Superga-Hügel 
bei Turin, S.193— 210. 

Ferıx Dusarvın: Abhandlung über die Erdschichten in Touraine und 
Beschreibung der Konchylien in der Kreide und den Muschelhaufen 
(faluns), S. 211—312. M. Abbild. | 


Cu. Leveirne: Beschreibung einiger neuen fossilen Konchylien im Dept. 
des Busses Alpes, S. 313—315, Taf. XXI, XXI. 


3. Annales des mines, 1835, livr. IV, bis 1836 Kor. V. (Vergl. 
Jahrb. 1835, S. 74) *), enthält (ausser rein Berg- und 
nischen Aufsätzen und Journal-Auszügen). 4: 


1835, VII, ı. 


G. Rose: Abhandlung über den Grünstein und Grünstein-Porphyr (aus 
PossEnDorrr’s Annalen übersetzt) S. 3—32. [Jahrb, 1836, S. 385.] 

Tertorr: Übersicht des Mineral- Reichthums des Russischen ec 
S. 51—54. 

J. Burkart: über den Erzgang und die Grubenwerke von Vetsyeniäe 
bei der Stadt Zacatecas in dem Mexikunischen Staate gleichen Na- 
mens, S. 55—87, Tf. L 

BouLanGer : Abhandlung über die Ban der RUE 
Gesteine, S. 159— 168. 

Dursk£nor: über die geologische Stelle dex kieseligen Gebirges von la 
Brie und die Mühlsteine der Gegend von la Ferte, S. 100 2 
Taf. III. 


1835, VII, ıı. 


J. DE CuarrenTier: Notitz über die wahrscheinliche Ursache der Fort- 
bewegung der Felsblöcke in der Schweitz, S. 219— 236. 

Durrsnoy: der Dreelit, eine neue Mineral-Art, S. 237 — 242 (Jahrh. 
1836, S. 214.] 

Durr£noy: Beschreibung des Blei-Gummi’s der Grube Za Nussiere bei 
Beaujeu (Rhöne) S. 213—246. [Jahrb. 1836. S. 216.) 4 


*) Es war ein unglückliches Zusammentreffen verschiedener Verhältnisse , welche einige 
Monate lang, aller unserer Requisitionen ungeachtet, das Ausbleiben fast aller von 
uns bezogenen Journale veranlassten, wesshalb wir nunmehr, wie schon im vori- 
gen Hefte, zu Nachholungen genöthigt sind. "Auch jetzt fehlen uns noch V ııı, 
VI und VII dieser Annalen, D. R. 


— 323 — 


Jasıkorr: Notitz über .das.-Kreide-Gebirge des Gouvts, -Simbirsk in 
Russland; aus dem Russischen Berg - Journal übers. von TRPLOFF. 
S. 303—316, ; 


A. TourmoucHhe: Versuch einer geologischen und mineralogischen Be- 
schreibung des Depts. Ile -et- Vilaine, S. 337—368. 


1835, VII, .ıı. | h 


Durs£enoy: überKrystallisation und Zusammensetzung des Laum onits, 
S. BR 08, Tf.IX (vgl. S. 332). 


1836, IX, ı. 


Durrenoy’s Note über ein Tripel-Schwefel-Hydrat von Eisen, Alaunerde 

und Kalı aus der Solfatara bei Neapel, S. 165 — 170 (vgl. S. 820). 

— — Note über den Apophyllit des Puy-de-la-Piquette in Auvergne, 
S. 171—172. 


L. Erıe pe Beaumont: Untersuchungen über die Struktur und die Ent- 
stehung des ÄAtna’s. Erster Theil, S. 175—216, Tf. I—V. 


1536, IX, ıı. 


Leresvre: geologische Notitz über einige Punkte des Dept. des Landes, 
nebst Bemerkungen über die Dünen von Cascogne, S. 245—272. 


Comses: Abhandlung über die Salinen in Schwaben, S.391—415, F. f. 


Arrvaup d. Ä.: Notitz über das Quecksilber von Peyrat, Haute Vienne, 
S. 415—420. [Jahrb. 1836, S. 608.] 


1856, IX, ın. 


C. Giraup: Abhandlung über die Ausbeutung € der Anthrazit- Grube La 
Rivoire, S.427—448. i 

Comses: über die schwäbischen Salinen (Schluss zu S. 415), S. 443—474. 

L. Eııe pe Beaumont: über den Ätna, zweiter Theil (zu S. 216). 
S. 575—630. 


1836, X, ı. 


Bıum : Notitz über die Goldgruben von Berezowka und Miask in Russ- 
land, S. 87—93. 

Tabelle über das jährliche Erzeugniss Russlands a an edlen Metallen von 
1827—1834, S. 94. 

E. Taierra: über das Jura-Kreide-Gebirge der Franche Comte, S. 95—140. 

' Man&s: geoghostische und statistische Abhandlung über die Kohle-füh- 

renden Sandstein-Gebirge, welche in den Aveyron- und Tarn- 


— 341 — 


' Departementen den westlichen Abhang des primitiven Plateau’s- ‚von. 
Mittel-Frankreich bedecken, S. 147—192, Tf. IV, V 


1836, X, ın. 


Murıano E. Rıvero: geologische Notitz über Santiago de Chile, 
S. 279— 288. 


L. Eııe De Berumont: über den Ätna, dritter Theil (zu IX, 630). 

. S. 351-370. 

Durrenoy: Abhandlung über die Znkansin en unlkain und die Kıystalli- 
sation des Bournonites, S. 371—380, Tf.X (vgl, S. 326). 


Auszüge. 


7 


I. Mineralogie, Krystallographie, Mineralchemie. 


Marasurr: über den Ozocerit (2’Instit. 1837,86). Au. BRoncnIarT 
hatte die Untersuchung veranlasst, ob das fossile Wachs von Zietrisika 
in der Moldau übereinstimmte mit jenem, welches MAcnus 1833 und 
SCHRÖTTER 1836 studirt haben. Maracurı nun fand eine ähnliche ‘quali- 
tative Zusammensetzung, aber ein etwas abweichendes Verhalten wohl 
in Folge kleiner quantitativen Differenzen. So schmilzt das fossile Wachs 
von Zietrisika. bei + 84°C (statt 4 82), kocht bei 4 3009 (statt 
210°) und hat eine Dichte von 0,946 bei + 20°,5 Temperatur (statt von 

0,933 bei 15°). Bei der Zersetzung durch Hitze liefert es eine sehr 
reichliche Menge von Paraffine und eine geringe Menge einer andern 
damit verwandten Substanz, welche M. Wachs des Ozocerits nennt. 


P. Lycnsert: Untersuchung des Agalmatolithes (Kongl. Vetensk. 
Akad. Handl. für 1834, S. 101—102). 


P. Lyc#nerr: Untersuchung des Specksteins ( Kongl. Vetensk. Akad, 
Huandl. für 1834, S.97—100). 


L. F. Swangerg: Beitrag zur näheren Kenntniss der chemischen 
Zusammensetzung der Amerikanischen Platin-Erze (Kongl. Vetensk. 
Akad. Handl. für 1834, S. s1—88). 


C.G. Eurengerg: über mikroskopische neueCharaktere er- 
diger und derber Mineralien. (Poccznn., Ann.d. Phys. XXXIX, 
S.101 ff.) Aller Quarz, auch der wahre Bergkiystall, zeigt unter dem 
Mikroskop in seinen feinsten Fragmenten dicht aneinander gedrängte kleine - 
Kügelchen, welche bis z.45 Linie im Durchmesser haben und sehr 
gleichförmig sind. Ähnliche Elementar-Theile lässt der Glimmer wahr- 
nehmen, wenn er erhitzt und dadurch mit Verlust der Flusssäure 


4 


— 326 — BRD 
"undurchsichtig geworden. Meerschaum, vieles Steinmark, Bergseife und 
dergl. bestehen aus gegliederten Stäbchen, oder aus reihenweise verbun- 
denen gleichartigen Elementar - Theilen *). Bergleder ist ein loekerer 
Filz solcher Kiesel-Glieder-Fäden. Dichter Kaolin ‚besteht aus platten, 
bis 35 Linie grossen, oft kleineren, scheibenförmigen Körpern, welche in 
konzentrische Ringe oder Schaalen zerfallen. Kohlensaurer Kalk, aus 
absichtlichen chemischen Niederschlägen, unter dem Mikroskop betrach- 
tet, zeigt ovale Körner von z4, bis z45 Linie Grösse, und diess sind 
ziemlich deutliche, kleine, stumpf doppelt zugespitzte Krystalle. Berg- 
milch besteht aus steifen, einfachen, geraden, feinen Gliederstäbchen. 
Weisse Kreide von Rügen, die an den Dänischen Inseln, und die gelbe 
Kreide von Puskaresz zeigen elliptische, sehr kleine platte Körperchken, 
welche nur aus wenigen konzentrischen Ringen bestehen. 


Durggesoy: Krystall-Formen und chemische Zusammen- 
setzung des Bournonits. (Ann. des Mines. 3. Ser. X, p. 371 
etc.) Die vor wenigen Jahren im Kohlen-Sandstein der Grube de Cen- 
dräs bei Alaisim Depart. du @ard gefundenen Krystalle lieferten den Beweis, 
dass die Grundform der Gattung keine quadratische, sondern eine geraderek- 
tanguläre Säule ist. Krystalle aus Cornwall, Kapnick und Pontgibaud in 
Auvergne, von Servoz im Chamouny-Thale und aus Preussen bestätigen diese 
Überzeugung; die unter dem Namen Nadelerz bekannten Krystalle sind 
Zwillinge. Mexiko lieferte sehr grosse Krystalle; sie ähneln am meisten 
denen aus Cornwall. Von allen, durch D. untersuchten Krystallen zeigt 
Ben Blätter-Gefüge. Eigenschwere: i 

Bournonit aus Cornwall == 57,90 
” von Alais F— 38,29 
5 aus Mexiko == 58,45. 


, ” von Servoz 57,10 
Resultate der chemischen Analyse: Ä 
EreE Bournonit 
von Alais aus Mexiko. 
Blei ahnen 


Kupfer } ® . 5 . . . . . 12,3 . [7 13,3 
Antimon . . . . . . e. D ‚29,4 “ . 28,3 


Schwefel A A ee 
100,0 . 99,61 


Tnomson: Zerlegung des Raphilits. (Outl. of. Min. I, 153.) 
Fundort Perth in Ober-Canada. Houmsr in Montreal hat das ‘Mineral 
früher beschrieben. Farbe weiss ins bläulichgrüne. Die‘ Massen beste- 
hen aus 'nadelförmigen Krystallen, welche alle gegen einen Mittelpunkt 
konvergiren. ‚Eigenschwere = sen Härte = 2,85. Aa 
*) Verfälschten Meerschaum kann. ls durchs Mikroskop BA n oe, ; er ent- 


hält zwischen seinen regelmässigen at ge reg Cena) 'Kör- 
perchen. 7 


“ 


_— 57 — 


Kiese.erde . 22020 56,478 

Kalkerde 5 f ö 14,750 

KR. Ne NEN, 533 
Talkerde s sURIEERR, 5,451 
"  T’honerde h : ! 6,160 
Eisen-Protoxyd - . 5,389 


Mangan-Protoxyd . s 0,447 
Feuchtigkeit . . : 0,500 


J. KupzrnarscH: Untersuchung des Zinnkieses aus Corn- 
wall (PogGEnporrr Ann. d. Phys. XXXIX, 146 ff.) 


hi Schwefel h - 29,64 
Zion . ’ . 25,55 

» Kupfer ut 29,39 
Eisen . ; : 12,44 

Zink. ı,. 5 . 1,77 

Bergart . * 1,02 

90,81 


P. Berrmer: über Kaolin und Thone. (Ann. de Chim. et de 
Phys. LXII, 225 etc.) Kaolin von Limoges besteht, nach einer ältern 
Analyse des Verf., aus: * 


Kieselerde . ’ 0,468 
Thonerde N E 0,373 
Kali - . . 0,025 
Wasser .. -. - 0,130 

0,996 


Die Gegenwart des Kalis schien, ungeachtet der Homogenität der 
Substanz, einigemengte Feldspath-Theile anzudeuten. Seitdem erkannte 
B. in jenem Kaolin auch Talkerde in nicht unbeträchtlicher Menge; diess 
veranlasste neue Untersuchungen des fraglichen Minerals und zugleich 
über die Art des Verhaltens vom Thone gegen Schwefelsäure und gegen 
Kaolin. Ein Thon aus dem Siegenschen, so weiss wie Kaolin, aber um 
Vieles weicher anzufühlen, gab: 

Kieselerde : k 0,468 


Thonerde £ . 0,372 
Talkerde u R 0,008 
Wasser N s 0,142 
| | 0,990 


Eine, im vulkanischen Gebirge desselben Landes an vielen Stellen 
vorkommende thonige Substanz, wie vermuthet wird, aus Zersetzung 
'von Basalten entstehend, und als Wacke bezeichnet — dicht, weich, - 


= MW 


sanft anzufüblen, graulichweiss und hin und. wieder mit rundlichen, 
rein weissen Punkten — enthält: 


Kieselerde { s 0,382 
Thonerde k : 0,283 
Kali und Natron . 0,085 ° fe 
Eisen-Peroxyd . ; 0,122 
Wasser -« } .. 0,164 

0,996 


Resultat der Untersuchungen war, dass der Kaolin von Limoges 
allerdings mit zersetztem Feldspath gemengt und seine Zusammensetzung 
folgende sey: 

Kieselerde . - 0,3625 


Thonerde . ‘ 0,3335 Net Theil N 
Talkerde ; .... 0,0240 | honiger Ihei N a 0,8400 
Wasser ö s 0,1200 


Kieslerde . . 0,1084 


Thonerde } A 0,0306 
Feldpath . .  . 0,1600 


Talkerde . » 0,0054 
Kali A ; $ 0,0156 
1,0006 1,0000 


Andere zerlegte Kaoline zeigten NL mit gewöhnlichem 
Thone, was ihre chemische Natur betrifft, und enthalten nur wenig Wasser. 


— 


% 
W.J. Jordan: Zerlegung eines Kupfer- Antimon-Arse- 


nik-Fahlerzes (sog. gemeines Fahlerz) von S. Andreasberg. (Er»- 
MANN und SCHWEIGGER-SEIDEL, Journ. f. prakt. Chem. 1X, 92ff.) Bericht 
auf der Grube S. Andreaskreutz in einem Gange mit Kalkspath, 
Quarz, Bleiglanz, Kupferkies, mit Spuren von Blende, selten mit Roth- 
gültigerz, öfter mit Gediegen-Silber. Mit Bleiglanz zeigt sich das Fahl- 
erz so innig gemengt, dass es nicht möglich ist, solches ganz davon zu 
trennen. Sp. Schw. = 4,61. Gehalt: 


Schwefel b : 24,5804 \ 
Kupfer . . 39,3936 
Antimon - - 34,7483 
Silber . \ x 1,1955 
Arsenik . ; 1,5356 
Eisen . 4 : 1,5466 
100,000 


Tuonson: Analyse des Eisenspathes. (Outlines of Min. I, 290.) 
Vorkommen in den Laven der Somma, begleitet von Nephelin und Mejonit. 
Graulichweiss ins Gelbe. Durchscheinend. Glasglänzeud. Die Krystalle 
haben ein schiefes rhombisches Prisma mit Winkeln von 120° 40° zur 


N 


Kernform. Eigenschwere = 2,436. Härte = 3,0. Schmilzt vor dem 
Löthrohr schwierig zu halbdurchsichtigem Glase. Chemischer Bestand: 


Kieselerde . . 63,56 


2 Thonerde 5 . 24,06 
Kali N j i 0,03 
Kalkerde . ; 0,94 
Eisen-Peroxyd . 0,92 
Wasser > ‘ 0,37 

"99,88 


Derselbe: Zerlegung des Leeliths. (loc. cit. 9. 300.) Eigen- 
schwere = 2,606. Härte — 6,25. Bestandtheile: 


Kieselerde . . 81,91 
Kali . . s 8,88 
Thonerde ® ° 6,55 
Eisen-Protoxyd - 6,42 

103,76 


Durr£noy: über ein gewässertes Tripel-Sulphat von 
Eisen, Thonerde und Kali. Ann. des Mines, 3. Serie. IX, 
p.165 etc.) Der Grund des Circus der Solfatara bei Neapel wird von 
thoniger Erde gebildet, entstanden durch Zersetzung der trachytischen 
Gesteine, welche die Ränder der geräumigen Vertiefung ausmachen. 
Die schwefeligen Dämpfe, welche ohne Unterlass dem Berge entsteigen, 
setzen Schwefel in grosser Menge inmitten jener thonigen Erden ab; 
die Substanz ist ziemlich regelmässig darin verbreitet, so dass man die 
ganze Masse durch kleine Schächte von ungefähr 45‘ Tiefe gewinnt, 
Weiter abwärts ist, der sehr zunehmenden Temperatur wegen, keine 
Gewinnung möglich. — Die mit Schwefel untermengten Erden werden 
in Sandstein-Vasen der Destillation ausgesetzt, und man trifft nach 
Beendigung des Prozesses zuweilen in der Mitte des Rückstandes eine 
Masse sehr zierlicher Krystalle, regelmässige Oktaeder, theils entkantet, 
auch entoktaeterscheitelt. Farbe: sehr dunkel-bouteillengrün ; starkglän- 
zend. Leidet nicht durch Einfluss der Luft; in Wasser schwierig lösbar. 
Ergebniss der Analyse: 


Schwefelsäure p ? 45,67 
Eisen-Protoxyd N i 28,69 
Kaliı . . i . 5,47 
Thonerde . Ri . 327 
Wasser . . Rap kB: Nor: 
Uulösbarer Rückstand . 0,46. 
Verlust . . .% 0,68 


— 


100,00 


- 390 - 


Zur Destillation des Schwefels ist eine Hitze höher als 400° noth- _ 


wendig. Die Gegenwart des Wassers in so starkem’ Verhältnisse, in 
einem Salze bei sehr hoher Temperatur erzeugt, scheint eine denkwür- 
dige Thatsache. Der Verf. erachtet sie als ‚das einzige, bis jetzt 

kannte Beispiel, wo es gelungen, das Wasser auf trockenem Wege zu 
verbinden. Bis zu gewissem Grade kann man dadurch die Gegenwart 
mancher Wasser-haltigen Silikate, wie die Zeolithe es sind, in der Mitte 
vulkanischer Gesteine begreifen lernen. Ziemlich allgemein nimmt man 
zwar an, es seyen jene Mineralien nach dem Festwerden der sie um- 
schliessenden Felsarten entstanden. Eine solche Hypothese verträgt sich 
wenig mit der bekannten Art und Weise, wie die Zeolithe vorkommen *). 
Übrigens steht das Beispiel keineswegs isolirt; die Fumarolen gewäh- 
ren ein ‘anderes und weit grossartigeres. Woher kommt das Was- 
ser, welches oft nach Verlauf ganzer Monate aus Lava hervor- 
dringt, die längst aufgehört hat mit dem Innern eines Vulkans in Verbin- 
dung zu stehen? Niemand dürfte der Meinung seyn, dass es aus dem 
Boden stamme, über welchen die Lava sich verbreitet kat. Wäre der 
wässerige Dampf frei inmitten der Lava, so würde derselbe bald durch 
den Druck, welchen er zu leiden hat, ausgetrieben werden. Es muss 
folglich das Wasser in Verbindung mit der Lava seyn; ja man ist 
berechtigt zu glauben, dass es deren Schmelzbarkeit sehr vermehrt, denn 
das Erstärren derselben folgt fast unmittelbar ‚aa das Erlöschen der 


Fumarolen, 


> 


G. Rose: fernere Bemerkungen über den Rhodizit 
(Possenp, Ann. d. Phys. XXXIX, 321 ff.) Der früher beschriebene Rhodizit 
(a. a. 0. XXXIH, 253 und daraus im Jahrb. 1835, S. 8ı fl.) 


stammt nicht von Schaitansk, sondern von Sarapulsk bei Mursinsk. 


Aber’das Mineral findet sich auch am erstgenannten Orte, wo seine 
Krystalle theils auf Quarz auf-, theils im Turmalin ein-gewachsen sind, 
theils in Thon liegen, der sich in kleinen Höhlungen zwischen Gemeng- 
theilen des Granits findet. Krystall- Dodekaeder, an den abwechselnden 
dreiflächigen Ecken durch die Fläche eines Tetraeders abgestumpft. 
Graulich- oder gelblich-weiss; Glasglanz in Diamantglanz übergehend. 
Ritzt Topas, Sp. Schw. — 3,415. Durch Temperatur - Veränderung 
werden die Krystalle sehr stark polarisch-elektrisch, — Es ist möglich, 
dass der Rhodizit nichts sey, als ein Kalk-Borazit, wie der gewöhn- 
liche Borazit ein Talk-Borazit ist. 


MT — 


J. C. Jorvan: über den Rammelsberger muscheligen und 
erdigen Ocher. Erpmann und ScHWEIGGER-SEIDEL , Journ. f, prakt. 


*) Es sey mir erlaubt, an dasjenige zu erinnern, was über diesen Gegenstand in mei- 
nen „Basalt-Gebilden“, Th. 1, S. 206 ff. gesagt worden. LEONHARD. 


% 


— 31 — 


Chem. IX, 95 ff.) Der Rammelsberg führt in seinen Lagen eine bedeu- 
tende Manchfaltigkeit von Metallen: Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eisen, 
Zink, Arsenik, Antimon, Kobalt und Nickel. ‘Alle sind durch Schwefel 
oder Selen vererzt. Selen, vom Verf. erst vor mehreren Jahren ent- 
deckt, kommt in sehr unbedeutender Menge vor. Durch anhaltenden 
‚Bergbau von mehreren Jahrhunderten, insbesondere durch das Feuer- 
setzen, sind in den Erz-Lagerstätten des Rammelsberges grosse Räume 
gebildet und wieder ausgefüllt worden. Hierdurch ist der Luft und dem 
. Wasser, neben der in den Gruben durch Feuersetzen erregten Wärme, 
die Einwirkung auf die Erze erleichtert, so dass deren Zersetzung an 
vielen Stellen ungemein beschleunigt wird. Die Salze, welche sich bei 
diesen Zerlegungen bilden, werden durch die Tagewasser gelöst und 
damit zum grossen Theile durch Abführungs-Stollen aus den Gruben- 
Gebäuden geleitet. Die Salze der Lösung zersetzen sich auf ihrem 
Wege durch Einfluss des Sauerstoffes der Luft wieder, und fallen theil- 
weise in basischer Beschaffenheit zu Boden. Besonders an schwefelsaurem 
Eisen-Oxydul wird diese Veränderung auffallend wahrgenommen. Es senkt 
bei seinem Absatze noch andere basische Salze, obgleich nur in geringer 
Menge, mit sich zu Boden, und setzt so im Grunde des Stollens, zu- 
mal aber in und vor dem Mundloche desselben, das Gebilde ab, welches 
der Verf. als muschligen Ocher bezeichnet, Später, wenn das 
Gruben-Wasser länger in Sümpfen vor dem Stollen-Mundloche an der 
Luft fliesst, so ändert sich der Absatz, er wird locker, loser und er- 
hält die bekannte ochergelbe Farbe, aber zugleich auch einen abgeänder- 
ten Bestand. Der muschlige Ocher zwischen leber- und scewärzlich- 
braun ist derb, meist mit sehr dünnen Lagen erdigen Ochers durch- 
zogen, starkglänzend, im Bruche vollkommen muschlig, ungemein spröde 
und durch Kalkspath leicht ritzbar. Der erdige Ocher hat eine schöne 
ochergelbe Farbe. Zerlegung: 

Muschliger Ocher. Erdiger Ocher.- 


Eisenoxyd OR . . RE? 63,854 . 68,750 
Schwefelsäure BUR ı.45 . . L 13,585 s 9,796 
Zinkoxyd Hu REe) 6 a i 1,232 5 1,293 
Thon und Kiesel mit einer Kohlenstoff- 
Spur (Thonschiefer) & s 2,000 x 4,137 
Kupferoxyd mit einer Kobalt- und Nickel. 
Spur : . Ä . i 0,875 R 0,500 
Wasser und Verlust ; H # 3 18,454 N 15,524 
100,000 100,000 


Duomson: der den Rhodalit. (Outlines of Min. I, 334 ete.) 
Vorkommen in Jı and in einem Mandelstein. Rosen-, auch Fleisch-roth : 
besteht aus Zusammenhäufungen rechtwinkeliger Prismen. Spez. Schw. 
ungefähr — 2. Härte = 2. Chem. Bestand: 


: Kieselerde ..» > 55,9 
Eisen-Peroxyd ae. ! 
: Thonerde N £ 8,8 

Kalkerde ” SBRRTE ET | 

Talkerde » 5 0,6 

Wasser  . h 22,0 

99,3 


—no 


Derselbe: über den Dysulit, (loc. cit. p. 220.) Entdeckt von 
'Krurins zu Sterling in New-Jersey. Vorkommen in [körnigem?] Kalk, - 
begleitet von Magneteisen. Gelbbraun; undurchsichtig; glasglänzend; 
regelmässiges Oktaeder: Gefüge blätterig. Spz. Schw. = 4,55. Härte 
= 4,5. Vor dem Löthrohr unschmelzbar , nur mit Borax in Fluss kom- 
mend.‘ Chem, Bestand: | 

Thonerde g ® 30,490 

Zink-Oxyd . 4 16,800 

Eisen-Protoxyd . 41,954 

Mangan-Protoxyd . 7,600 

Kieselerde L 2 2,960 

Feuchtigkeit . . 0,400 

100,190 


— oo 


Derselbe: über das vanadinsaure Blei. (loc. eit. p. 575.) 
Aus einer verlassenen Grube in der irländischen Gräfschaft Wicklow. 
Klein-nierenförmige und traubige, mit kleinen Krystall-Spitzen (angeblich 
regelmässigen sechsseitigen Säulen) besetzte Masse, oder Überzug auf 
phosphorsaurem und arseniksaurem Blei. Lichte gelblichbraun; harz- 
glänzend; undurchsichtig; Bruch muschlig. Eigenschwere — 6,663. 
Härte — 2,75. Vor dem Löthrohr zur schwarzen Schlacke ; mit Natron 
Bleikörner gebend, der Rest zu schwarzer Schlacke; mit Phosphorsalz 
zu smaragdgrünem Glase. Chem. Bestand: 


Chlor . . = 2,446 

Blei A 3 ; 7,065 

"0. Bleioxyd & m, Go 
Vanadinsäure R 3 23,456 
 Eisen-Peroxyd und Kieselerde 0,1653 

| 99,454 


‚Durr£enor: über Krystallisation und chemische Zusam- 
mensetzung des Laumonits. (Ann. des Mines, 3. Ser. T. VIII, 
p. 503 etc.) ‚Deutliche, wohlerhaltene Krystalle von Phippsburg: im 
Staate Maine in N,Amerika, schmale Gänge in Gneisse bildend und 


— Mi — 


begleitet von Quarz und Kalkspath, ferner Krystalle der Substanz von 
Huelgoat und von Cormayeur im Mort-Blanc-Gebirge, woselbst das 
Mineral auf Gängen in einem talkigen Gneisse vorkonmt, ergaben den 
Winkel, welchen die M-Flächen der Kernform, einer schiefen rhombischen 
Säule, mit einander machen, — 95050’ und jenen von PaufM — 414°54°, 
Die Eigenschwere wurde zwischen 2,550 und 2,4140 schwaukend befun- 
den. Die Resultate der vorgenommenen Analyse waren: 


beim Laumontit 


von Phippsburg. von Cormayeur. 
Kieselerde ; . 51,98 P 50,58 
Thonerde u e - 21,12 21,43 
Kalkerde i a B 11,74 ? 11,14 
Wasser . M » _ 45,05 - 46, 15 
99,86 99, 10° 


Aus dieser Gehalts-Differenz leitet der Verf. folgende Formeln ab: 
c3 S? + A® S° +12 M; 
oder CS? + 3 AS? + 4 Ag. 


Die angehängten Bemerkungen über die Bestimmung der Dimen- 
sionen der Primitiv-Gestalt und über die Ableitungs-Gesetze sekudärer 
Flächen eignen sich nicht zu einem Auszuge. 


IH. Geologie und Geognosie, 


Ar. Carpereuen: Bericht über das grosse Erdbeben in, 
Chili am 20. Febr. 1835, nebst einer Karte (Lond. Philos. Trans- 
act. 1836, I, 21—26). Die heftigen Erschütterungen der Erde in Süd- 
amerika halten keine bestimmten Perioden ein und kehren in sehr kur- 
zen Zeiträumen wieder. So kennt man seit Anfang dieses Jahrhunderts 
die von Caraccas 1812, von Copiapo 1818, von Santiago 1822, von 
Boyota 1827, von Suntiago 1829, von Huasco 1832. 

Unter den mancherlei angeblichen Vorzeichen verdienen einige eine 
förteehetzte 1 Prüfung. Wenige Stunden vor dem Erdbeben von 1822 und 
1835 sah man grosse Flüge von Seevögeln von der Küste nach den 
Kordilleren zieben, und am Morgen vor der letzteren Katastrophe ver- 
schwanden alle Hunde aus Talcahrano. Der Sommer war in Chili käl- 
ter als in vorigen Jahren: der mittle Thermometer-Stand im Januar und 
Februar betrug zu Santiago in 2000' Seehöhe = 72°F,., der mittle Ba- 
rometer-Stand — 28'',25, d. i. 0°‘,1 unter dem gewöhnlichen in dieser 
Zeit; noch beträchtlich tiefer war der Stand des letzteren, wenn man 
ihn nur vom 1. Febr. an berechnet; am 14, Febr., wo man eine leichte 
Erdschwingung von 20 Sekunden gewahrte, war er 28'1, am 20. Febr. 


Jahrgang. 1837. 22 


WE 


—.28'',17, der Thermometer— 76° bei sehr schönem Wetter; wogegen 
zu Valdivia am 16. Febr. sich der erste auf 29'‘92 gehoben hatte. Wäh- 
rend des Erdbebens selbst pflegt der Barometer vor jedem beträchtlichen 
Stosse zu fallen und sich dann allmählich wieder auf seinen Mittelstand 
zu heben. Bei dem nicht unbeträchtlichen Erdbeben vom‘ 26. Septbr. 
1829 fiel unmmittelbar nach jedem Stosse ein starker Regenstrom, der 
dann bis zum nächsten Stosse wieder langsam nachliess. 

Die Feuerschlünde der ganzen Kordillere waren vor und während 


- dem letzten Erdbeben in grosser Thätigkeit, von dem flach abgestutzten 


Vulkan im Angesicht der Insel Chiloe an bis zu der hohen Andes-BReihe 
in Mittel- Amerika hin. Der Vulkan von :Osorno, N.O. von Ckhilve, brach 
am 20. Januar mit unbegreiflicher Wuth aus, und des Nachts sah man 


‚seine Lava sich von dem 3900° hohen Krater herabwälzen. Von den 


Ebenen von Talca, 80 Stunden südlich von der Hauptstadt, sah man 
einige Tage nach dem 20. Febr. zwei Vulkane in grösster Tbätigkeit 


‘beim See von Mondaca, 25 Stunden O. von der Kordillere. Eine an- 


dere neue Feueresse sah man von der Küste an Cerro culorado genannt, 
rechts von der Quelle des Maule-Flusses. Auch der Vulkan von Petoroa 
und ein anderer in dessen Nähe, welchem ein Asphalt-Strom entfliesst, 
so wie der von Maipu und Aconchagua waren einige Monate lang activ. 
Gegen Ende Januars wurde der von Coseguina in Zentral-Amerika sehr 
thätig und warf eine Laven-Masse aus, welche eine Fläche von 8 Stun- 
den Umfang 34 Yards (zu 3 Fuss) tief bedeckte und Häuser und Vieh 
verschüttete; der Aschen-Regen währte 5 Tage lang und erreichte Ent- 
feraungen von 300 Stunden. 

Am 20. Febr. um 11 Uhr Morgens spürte man zu Santiago die erste 
leichte Erschütterung, worauf binnen 23 Minuten zwei sehr heftige Wel- 
lenbewegungen aus S.W. nach N.O. folgten. Zu Talca, 80 Stunden S., 
waren die Erscheinungen heftiger und nicht durch ein vorhergehendes 
Rumpeln angekündigt. Zu Concepcion war die Erschütterung sehr hef- 
tig, und es war die zweite Wellenbewegung, wodurch die Gebäude zer- 
stört wurden; vor diesem und vielen anderen der nachfolgenden Stösse 
hörte man von S. her einen Knall, wie von einem Vulkan. Alle Häuser 
von Talcahuano, welche in der Tiefe lagen, wurden zu Boden gestürzt, 


und als die Einwohner 4 Stunde nachher von den Höhen und offenen 


Plätzen zurückkehrten, war die See so weit zurückgewichen, dass alle 
Felsen in der Bay sichtbar waren, und die im Hafen geankerten Schiffe 


trocken lagen. Dann aber kehrte eine ungeheure Woge langsam zurück, 


von der Boca Chica her: die Einwohner hatten Zeit zu entfliehen und 
‚sahen von der Höhe den ganzen Ort durch dieselbe überfluthet bis zu 28° 
über die Hochwasser-Grenze, Ein fast zum Auslaufen vollendeter Schoo- 


"ner von 80 Tonnen ward über die Reste der Wälle hinweg 300 Yards 


weit fortgeschleudert. Der Rückfluss dieser Woge riss Alles mit sich 
insMeer. Auf sie folgte eine zweite noch stärkere und eine dritte, welche 
aber die Ruinen von Talcahuano verschonte und die Insel del Rey ver- 
wüstete. Eine vierte schwächere machte den Schluss, fand aber nichts 


mehr zu zerstören. Während dieser Bewegungen sah man zwei dichte 
Bauchmassen aus dem Meere brechen: eine in Form eines hohen Thurmes 
in der Ausfahrt [aus dem Haven?], die andere in der kleinen Bay von 
San Vicente ; nach ihrem Verschwinden entstund ein Wasserwirbel, in- 
dem sich ein tiefer Trichter bildete, als ob das Meer in eine Öffnung 
hinabstürzte. Überall in dieser Bay sowohl als zu Talcahuano stiegen 
grosse Luftblasen in die Höhe, welche das Seewasser schwarz färbten 
und einen stinkenden Schwefelgeruch verbreiteten. Zu San Tome an 
der andern Seite der Bay that die Woge ungeheuera Sch: aden, und auf 
der Insel Quirzguina stürzte das Rindvieh vor Schrecken von den Klip- 
pen herab; die Wogen beschädigten Gebäude, welche sich 40° über dem 
jetzigen Hochwasserstande befinden, und während der 3 folgenden. Tage 
kamen Ebbe und Fluth nur unregelmässig. In der Bay von Concepeion 
ragen die anstehenden Thonschiefer-Schichten , wie man insbesondere 
deutlich an einem Felsen am Landungsplatze sehen kann, jetzt 3'—4‘ 
höher aus dem Wasser hervor als früher, und die Boje (schwimmende 
Merkzeichen vorhandener Untiefen) der Belen-Bank haben 4' weniger 
Wasser als vorher. Ein vor Anker gelegenes Schiff hatte nach’ dem 
Erdstoss 1 Faden Wasser verloren, was aber auch von einem unbemerk-. 
ten Orts-Wechsel herrühren könnte. Im Haven von San Vicente etwas 
südlich von Talcahuanv hat sich das Land 13’hoch gehoben, und längs 
der Küste der letzteren Bay sieht man Schichten von todten Muscheln, 
die ausser dem Wasser geblieben. Südlich vom Eingang der Bay von 
Concepeion ist eine kleine Insel Santa Maria von 7 Engl. Meil. Länge 
und 2 Meil. Breite. Schiffskapitän Fitz Roy untersuchte ganz genau die ganze 
Ufer-Linie im südlichen Haven so wie an der Nordküste der Insel, und 
nach den Schichten todter Mollusken -Reste, nach seinen Sondirungen 
‚und nach unbefangenen mündlichen Zeugnissen scheint es über jeden 
Schatten von Zweifel gewiss, dass an letzterer Stelle die Emporhebung 
des Landes nicht über 10°, in der Mitte der Insel 9° und in südlichen 
Haven 8° betrage. Rings um die Insel zeigt das Senkblei 14 Faden 
weniger Tiefe; die 150° — 200° hohen Uferklippen sind in allen Rich- 
tungen zerborsten, und grosse Massen davon sind ins Meer gestürzt, 
Kapitän Fırz-Roy und Kapt. Sımpson sind beide der Meinung, dass die 
Emporhebung zur Zeit des Erdbebens noch beträchtlicher gewesen seye, 
dass aber bei späteren schwachen Erschütterungen wieder ein Niedersetzen 
Statt gefunden habe. Zu Subul, etwas S.O. von Santa Maria, scheint 
die Hebung der Schichten 6° zu betragen. — Zu Nuevo Bilbao, 
dem Haven des Maule-Flusses, 70 Stunden N. von Councepcion fluthete 
14 Stunden nach dem Stosse das Meer über das gewöhnliche Wasserzei- 
chen und hielt sich 3 Stunde lang in dieser Höhe, ehe der Rückfluss 
begann. Fünfzig Minuten später wogte das Meer in grosser Bewegung 
längs der Küste und dem Flusse und stieg 12’ hoch über das Wasser- 
“zeichen; bei seinem letzten Andrange riss es zwei Schooner von den 
-Ankern los und warf sie 150 Yards weit vom Ufer ins Gebüsche. Noch 
“#4 Stunde später erfolgte ein drittes Anschwellen des Meeres bis zu 
an* 


— 350 — 


 9’Höhe, und noch 48 Stunden lang kamen immer erneute Wogen , doch 

mit nachlassender Stärke. In dieser Gegend hat man keine Emporhebung _ 
der Küste bemerkt; aber an der Mündung des Flusses findet man jetzt‘ 
2 Wasser mehr. — Zu Valparaiso kam und ging das Meer zu wieder- 
holten Malen, jedoch langsam und ohne Heftigkeit. 

In den südlichen Provinzen von Chili haben diese Etschüfferuügen 
unermesslichen Schaden an Häusern u. s. w. veraulasst. Südlich von 
Tulca ist kaum eine Mauer stehen geblieben. Durch die Provinzen 
Canqueues und Concepeion ist die ganze Erdrinde in allen Richtungen 
geborsten; Spalten von einigen Fussen Breite und Tiefe ziehen auf 
grosse Erstreckungen fort. Bei Chillan, 30 Stunden von der Küste ist 
aus den Spalten schlammiges Salzwasser hervorgebrochen, welches 
grosse Massen eines grauen pulverigen Tuffs abgesetzt hat; kreisrunde 
Vertiefungen sind mit Salzwasser erfüllt geblieben und einige warme 
Quellen sind hervorgekonmen. Stellenweise ist der Grund zu einer 
grossen Blase aufgeschwolien, aus der, wenn sie zerbirst, ein schwarzes 
und sehr stinkiges Wasser hervorkommt. 

Die Schwingungen des Bodens reichten bis Coguimbo im Norden und 
bis Mendoza am östlichen Zuge der grossen Andes-Kette. Schiffe spür- 
ten den Stoss im Stillen Meere 100 Meil. von der Küste. Die Barke 
Glenmalia ward 95 Meil. vom Ufer den Maule-Fluss gegenüber plötz- 
lich so sehr in ihrem Laufe aufgehalten, dass sie nur noch einen Kuo- 
ten statt sieben lief und man glaubte, sie streife über eine Sandbank 
hin, während das Meer sehr bewegt und das Schiff 20° hoch zu heben 
schien. — Die Insel Jouwan Fernandez, eine Basaltmasse 360 Meilen 
von der Küste, verspürte das Erdbeben in schwächerem Grade: die See 
stieg zur Höhe des Walles, zog sich dann zurück, so dass die Cumber- 
land-Bay auf einige Erstreckung von der Küste hin trocken lag, und schwoll 
darauf 15° hoch über die gewöhnliche Höhe an, Zu dieser Zeit bemerkte 
der Gouverneur SuTcLirreE eine dichte Rauchsäule, welche eine Meile 
von der Landspitze Buacalao entfernt von der See aufstieg und bis 2 Uhr 
Morgens anbielt, wo eine unermessliche Explosion Statt fand, durch 
welche das Wasser nach allen Richtungen fortgetrieben wurde; den 
übrigen Theil der Nacht hindurch brachen grosse Flammen von dieser 
Stelle aus, so dass die Insel davon beleuchtet wurde. Kapt. Sımpson 
konnte einen Monat später in dieser Gegend nirgends Grund finden in 
weniger als 96 Faden Tiefe. Als am 24. May 1751 Concepeion durch 
Erdbeben und Wasserwogen auf ähnliche Art heimgesucht wurde, ward 

auch die damals im Entstehen begriffene Kolonie Juuan Fernandez über- 
schwemmt, uud der Gouverneur mit seiner Familie und 35 Personen 
kamen um. Fr 

Nach dem Erdbeben erfolgten die gewöhnlichen atmosphärischen Be- 
wegungen : furchtbare Stürme und gewaltige Regengüsse , wie sie zu 
dieser Jahreszeit ganz ungewöhnlich sind. Die Temperatur der warmen 
Quellen von Cunyueues sank von 118° auf 92°F., wie auch i. J. 1822 
eine Temperatur- Erniedrigung eintrat, und hob sich nach kurzer Zeit wieder: 

R X i 


— 337 — 


Ar. Carvereucn: Bericht über den vulkanischen Aus- 
bruch des Coseguina in der Bay von Fonseca, gewöhnlich Cun- 
chugua-Bay genannt,anderWestküstevon Mittel-Amerika ( Lond. 
philos. Transact. 1836, IT, 27—30 und Lond. a. Edinb. Philos. Mugaz. 
1836, VIII, 414—415). Der Coseguina-Berg hat nur etwa 500’ Seehöhe und 
liegt in 13° N. Br. und 87° 3 W.L. auf drei Seiten vom Meere umgeben, 
Er hatte Ausbrüche in den Jahren 1709 und 1809. Nach 26jähriger 
Ruhe begann er aın 19. Jäuner 1835 aufs Neue seine Thnätigkeit in einer 
Weise, die durch den starken und fortdauernden Aschenfall ausgezeichnet 
war. Zuerst ein schwaches Getöse mit Rauch; am folgenden Tag eine 
hohe, die Farbe wechselnde und von Flammen durchbrochene Rauch- 
wolke sich über seinen Krater erhebend und in der Höhe sich ausbreitend; 
dann ein mehrere Tage bis zum 24. währender Aschenfall, wobei man 
selbst zur Tageszeit die Hand nicht vor den Augen sah, — Detonationen 
u. s. w. Die Asche bedeckte zu San Antonio, 16 Stunden südlich, den 
Boden 2°’ dick zuerst mit schwarzer, dann graulicher, endlich weisser 
Farbe. Die Asche fiel aber bis Chiapa, 400 Stunden nordwärts: in der 


Richtung, von wo der Wind webte.. — Zu St. Anne in Jamaika, in 
700 Meil. Entfernung, fiel sie am 24. und 25. Jänner, und muss daher 
täglich 170 Meil. weit getrieben worden seyn; — und das Schiff Conway 


segelte in 7°26 N. Br. und 104° 45 L., 1100 Meilen vom Vulkäne, vierzig 
Meilen weit durch sehwimmenden Bimsstein, zum Theil in grösseren 
Stücken, In der Hacienda von Coseguina, 8 Stunden S. vom Krater, lag 
die Asche 34 Yard tief: die Wälder zerstörend. Am Vorgebirge selbst 
hat sie die Küstenlinie 800’ weiter hiuaus gerückt, und in der Bay von 
Fonseca, 2 Meil. vom Vulkan, sollen zwei Inseln von 200° — 300° Länge 
‘durch den Schlacken-Fall entstanden seyn. — Rinder und Wild kamen 
‚zu Tausenden um, und die Oberfläche des Körpers deren, die am Leben 
blieben, war grossentheils mit Beulen bedeckt; die Flüsse warfen un- 
zählige todte Fische ans Ufer. — Am 3. März war der Vulkan noch 
thätig, aber warf keine Asche mehr aus. 

Diese Erscheinungen haben grosse Ähnlichkeit mit dem Ausbruche 
des T'omboro in Sumbaya vom Jahr 1815, den Rarrres beschrieben hat. 


Can. Lyeır: über die Beweise einer allmählichen He- 
bung des Landes in einigen Theilen Schwedens (Philos, 
Transact. 1835. 1, p.1--38, pl. I u. II). Eine sehr lesenswerthe Ab- 
handlung, woraus wir die Resultate bereits früher (1836, S. 372) mitge- 
theilt haben. Der Anhang enthält eine Liste der Konchylien der Ostsee, 
welche sich an den neu gehobenen Stellen fossil finden. Die vollständige 
Französische Übersetzung in der Mem. d. am 1836, I, haben wir 
bereits angegeben. 


KeızHav: Thatsachen über die Hebung Skandinaviens in neuern 
Perioden (? Magaz. for Naturvidenskaberne, IIte Reihe, ... > 


— 3385 — 


James. Edinb. n. philos. Journ. 1836, XX, 425—428). Der Vf. hatte 
‚schon in dem angeführten Magazine, Bd. I, eine alte, vom Drontheimer 
Golf früher gebildete Küstenlinie am Fusse einer Sandbank bei Steenkjor, 
‚20° über dem Fjord, so wie auch. die horizontalen Rinnen beschrieben, 
welche der alte Meeresspiegel in der Präfektur Nordland und in Fir- 
mark 50'—100° über seinem jetzigen Stande im losen Boden sowohl, 
als in harten Felsen hinterlassen hat. Scnive hat bei Sandmoor An- 
häufungen von Rollblöcken in parallelen Linien am Meeresrande wahr- 
genommen, die er nächstens beschreiben will. Die von Buch, BRONGNIART 

und Hısıseer bekannt gemachten Thatsachen wieder anzuführen , ist nicht | 
nöthig. Dazu gesellen sich nun des Vfs. und Professor Borcks Beobach- 
tungen, welche sie im letzten Sommer in der Präfektur Smuaalenene [in Nor- 
wegen?] u. a. gesammelt haben. Auch bei Hellesaaen, 8 Stunden von 
der Küste und 430° über dem Meeresspiegel haben sie Balanen-Reste 
an Felsflächen hängen sehen, wie BroneniuARrt früher zu Uddewalls in 
Schweden in 200° Seehöhe. Auch den Muschel-Kies mit sehr wohl er- 
haltenen Überresten von noch in dortigen Meeren lebenden, mitunter 
sehr zerbrechlichen Konchylien haben sie in grosser Ausdehnung ver- 
folgt, und sämmtliche Lager von Ziegelthon, welche eine grosse Er- 
streckung und im S.O. Norwegens bis 100° Mächtigkeit besitzen, schei- 
nen mit ihm von gleichem Alter zu seyn. DesnuayEs hat aus beiden 
.Gebilden 50 Konchylien-Arten untersucht, und alle mit noch lebenden Arten 
der Nordsee übereinstimmend gefunden, wie es auch alle von HısıngEr 
neuerlich aufgeführten Arten sind. Im J. 1682 hat man im Thone vom 
‚Fistedal bei Frederikshald ein Wal-Gerippe gefunden, ‘und ein anderes 
im Stordal; einige Fisch-Reste und Echiniden sind in erhärtetem 
Thone von Romsdal und Nordmoor entdeckt worden. Der Seegewächs- 
Reste im Torfe von Oreland hat schon Fasrıcıus erwähnt. Aus diesen 
Beobachtungen zieht der Vf. die Folgerungen: 1) der Norwegische Zie- 
gelthon, der Muschelsand und der Torf von Zofera deuten durch die 
verschiedene Höhe, worin ihre Massen abgelagert sind, wiederholte Em- 
porhebungen des Landes an; 2) die Thon - Niederschläge insbesondere 
bilden Terrassen in verschiedenen Höhen, bis zu 600° über dem Meere; 
3) der Muschelsand insbesondere dehnt sich von Nord-Schweden bis 
Finmark aus und liefert Anzeigen, dass wenigstens einzelne der 
kleinen aber oft wiederkehrenden Hebungs-Akte in eben so grosser Er- 
streckung Statt gefunden. — Zu diesen Beobachtungen gesellt sich die in- 
teressante Thatsache, dass in den Gebirgen die obere Grenze der Holz- 
‚Vegetation einst höher hinauf gereicht habe. Man findet. Baumwurzeln 

noch in Höhen, wo jetzt kaum noch Sträucher wachsen ; Kiefernwaldungen 

sind längs ihrer obern Grenze durch Strecken von abgestorbenen Bäumen 

begrenzt, welche mehr oder weniger lange Zeit in aufrechter Stellung 

geblieben sind, — und so zwar nicht allein in Schweden, sondern auch 

in Norwegen, welches keiner ähnlichen Hebung, wie der östliche Theil 

der Halbinsel ausgesetzt zu seyn scheint. Folgendes ist die Liste der 
im Muschelsand aufgefundenen Konchylien nach den Bestimmungen von 

Desnayes und DeEsLonGcHAaMmPS: 


— 359 — 


Corbula nueleus Lx., C. pisiformis, Mya truncata, Lutraria 
Boysii, Amphidesman. sp, Saxicava rugosa L«k., S. arctica 
Desu., S. pholadis L«., Tellina n.sp., Lutraria radula, Venus 
radiata Broconı, Astarte an. spp. 3, Cyprina Islandica, Car- 
dium edule var., Cardium echinatum, Arca n.sp., Nucula ro- 
strata L«., N. margaritacea L«e., N.n.sp., Mytilus umbili- 
catus Penn, M. edulis, Pecten pseudamusium Cnemn., P. Is- 
laudicus, Ostrea margaritacea Lk., O....., Anomia ephip- 
pium Le, Dentalium entalis, D. dentalis, Patella..., 
Emarginula fissura, Rimula nz. sp., Bulla lignaria, 
Natica clausa Lyeır, Turritella terebra, Turbo litto- 
reusLek., Trochus einerarius, Cerithium reticulatum, 
Fusus corneus, F. Peruvianus, Rostellaria pespelecani 
Buccinum undatum, B. reticulatum, Balanus sulcatus, 
By Beer, Serpula.n.s,,8:.....51—  Nullipora, poly- 
morpha. 


Pıncen: Notitz über einige Thatsachen, welche die 
allmähliche Senkung eines Theiles der Westküste 
Grönlands beweisen. (Geolog. Soc. 1835, 18. Nov. > Lond. 
a. Edinb. philos. Magaz. 1836, VIII, 73.) Schon ArcrtınDer bat 
zwischen 1777 und 1779 die Beobachtung gemacht, dass eine kleine 
Felsen-Insel im Meerbusen /gallico in 60043’ N., einen Kanonenschuss 
weit von der Küste gelegen, bei Springfluthen fast ganz überschwemmt 
werde, obschon darauf noch die Mauern eines Hauses von 52%’ Länge, 
30° Breite, 5° Dicke und 6‘ Höhe aufrecht stehen; — als Pınces ein 
halbes Jahrhundert später diese Stelle besuchte, ragten nur noch diese 
Ruinen allen aus dem Wasser bervor. — Im nämlichen Busen wurde 
1776 die Kolonie Julienahaab und an einem Felsen, das Kastel genannt, 
ihr Vorrathshaus errichtet, welches jetzt nur bei sehr niederem Wasser- 
stand trocken steht. — In der Nähe der Kolonie Frederikehaab (62° N.) 
waren einst Grönländer angesiedelt, von deren Wohnungen aber man 
michts mehr als einen Steinhaufen sieht, über welchen das Meer bei 
hohem Stande hinwegströmt. — Bei dem Gletscher, welcher die Distrikte 
Frederikehaab und Fiskenäss trennt, ist eine Gruppe kleiner Inseln, 
Falluartalik genannt, welche nun verlassen sind; doch stehen an der 
Küste noch Ruinen von Winterwohnungen, die oft überfluthet werden. — 
Eine halbe Meile W. vom Dorf Fiskenäss (63° 4' N.) gründeten die Mäh- 
rischen Brüder [Moraviaus] die Niederlassung Lichtenfeld; waren jedoch 
binnen 30—40 Jahren ein-, wo nicht zwei-mal genöthigt, die Pfäble zu- 
rückzusetzen, auf die sie ihre grossen Boote, „Umiak oder Frauenboote“ 
genannt, zu stellen pflegten. Noch stehen diese Pfähle als stille Zeugen 
da, doch unter Wasser. — Im N.O. der Mutter-Kolonie Godthaab (64° 
19‘ N.) ist eine Landspitze Vildmanns näss von St. Eszpe genannt, zu 


— Bun’ 


dessen Zeit i. J. 1721—1736 sie von einigen Grönländer-Familien be- 
‘wohnt war, deren Winter-Wohnungen aber nun verlassen und: zerfallen 
‘sind, da das Meer bei hoher Fluth in sie eindringt ; kein eingeborner Grön- 
länder. würde sein Haus so nabe an den Rand des Wassers gebaut ha- 
ben.: Die bis jetzt angeführten Stellen hat Pınseu selbst besucht; aber 
er führt auch noch die Angabe eines glaubwürdigen Landsmannes an, 
-dass zu Napparsok, 10 Dän. (45 Engl.) Meil. von Ny-Sukkertop' (65° 
-20' N.) bei niederem Wasserstand die Ruinen alt Grönländischer Winter- 
wohnungen sichtbar werden. Nördlicher sind ihm zwar keine weiteren 
Beobachtungen bekannt, doch vermuthet er, dass die angedeutete Erschei- 
nung wenigstens bis Disco- Bay (69°-N.) Statt finden dürfe. 


Caurıey: über die in den Sewalik-Bergen gefundenen 
'Säugethier- Reste (Lond. a. Edinb. phios. Mag. 1836, VIII, 
575-577). Wir haben über diesen Gegenstand schon zwei Auszüge 
mitgetheilt (Jahrb. 1837, S. 98) oder noch zu geben. Gegenwärtige Abhand- 
lung berichtet mehr über die geognostischen Beziehungen. Diese Bergkette 
‘erstreckt sich vom Sutluj bis zum Burhampooter im Bezirke Cooch 
Behar, anfänglich aus N.W. nach S.O., später aus W. nach O., längs 
.dem Himalaya, bald im Zusammenhang mit ihm, bald durch 3—10 Meil, 
‘breite T’häler von demselben getrennt, unter welchen das Deyra-Thal 
zwischen dem Ganges und Jumna, das Kearda- und das Pinjore-Thal 
zwischen dem Jumna- und dem Sutiuj die bedeutendsten sind. Die Kette 
hat 6—8 Meil. Breite und 2000°—2500' mittle Höhe über dem Meere, 
oder 500’—1000° über den benachbarten Ebenen. Ihre höchsten Gipfel 
übersteigen 3000° Seehöhe nicht. Kein Weg führt durch dieselbe,‘ als 
längs den tief eingeschnittenen Fiussbetten. Da sie keinen besondern 
‘Namen besitzt, so hat CaurLey den oben gebrauchten vorgeschlagen, in- 
dem Sewalik, aus Shibwalla (die Wohnung von Shib) verstümmelt, ehe- 
dem der Bezirk zwischen Jumna und Ganges hiess. 

Zwischen dem Ganges und Sutluj besteht diese Kette aus Wechsel- 
lagerungen von Konglomerat, Sandstein, Mergel und Thon, deren Schichten 
unter \ 15° bis 350 einschiessen. Mergel waltet im W., Konglomerat 
‘(Indisch Shingle) im. ‚0. des Jumna vor. Letztres hat eine ungeheure 
‚Mächtigkeit und besteht aus Stücken von Granit, Gneiss, Glimmerschie- 
fer, Hornblendeschiefer, Trapp, welche offenbar vom Himalaya herabge- 
kommen und entweder nur. lose zusammengehäuft, oder durch Thon und 
-Kalk-Zäment verbunden: sind,“ “Der Sandstein besteht aus, durch Eisen- 
oxyd :oder Kalk-Karbonat verbundenen Quärzkörnchen und Glimmer- 
schuppen, hat manchmal ein krystallinisches Ansehen, ist verschiedenartig 
roth und grün und enthält viele kohlige Materie: bald Bruchstücke 
dikotyledoner Gewächse, bald Körner in fast gleicher Menge mit dem 
Sand. Auch kommt kohlige Materie in Mergel und im Konglomerat 
vor, aber nie in einer zur Nutzung geeigueten Weise. Das Thon- 


— 341 — 


Konglomerat besteht aus Stücken erhärteten Thones, welche durch Thon, 
Sand und Kalk-Zäment verkittet sind, und es widersteht der Zerstörung 
durch fliessendes Wasser mehr , als die übrigen Schichten. Trapp steht 
bei Nahun an. Soda blühet aus Konglomerat und Sandstein aus. 
Selenit kommt im Thon vor. — In diesen Schichten hat man folgende 
Fossil-Reste gefunden, meistens beim Kalvwala-Passe. 
Konglomerat (Shingle): Lignit. 
Sandstein: sehr viele Dikotyledonen-Stämme, Lignit, Repti- 
lien-Knochen. 
‘Mergel (Thon): Pachydermen; Anthracotherium, Zähne 
und Knochen, 
Carnivoren: einigeZähne wie beim Bären, u.a. 
Nager: Ratten; kleiner Biber. 
Wiederkäuer: Hirsch, mehrere Arten. 
Pferde: Zähne. | 
Gavial und Krokodil: Zähne und Knochen in 
Menge. | 
Emys und Trionyx: Bruchstücke. 
Fische: Wirbel und Schuppen. 
Konchylien: aus Süsswasser-Geschlechtern. 
Zwischen dem Sutluj und Jumna bietet sich dieselbe Reihenfolge 
von Gesteinen dar, aber die Konglomerate stehen mehr zurück und sind 
mehr aus Thouschiefer- und Quarz-Stücken zusammengesetzt; der Mer- 
gel geht nur zu Nahun zu Tage, wo er dieselben Fossil-Reste wie am 
Kahvwala-Pass enthält. Von Nahun bis zu den Ebenen folgen sich 
Sandsteine und Thone mit einem N Schichtenfall von 20°. Die Thone 
enthalten mehr Testazeen-, die Sandsteine Säugethier-Reste. 
Letztere hat CautLey theils an ihrer ursprünglichen Lagerstelle,, theils 
da aufgesammelt, wo die Sandstein-Wände zusammengestürzt waren, 
‘Sie rühren her von Mastodon, Elephas, Rhinoceros, Hippo- 
potamus, Schweinen, Pferden, Ochsen,  Elenn, Hir- 
schen, Hunde- und Katzen-artigen Raubthbieren, Krokodilen, 
Gavialen, Emys, Trionyx, Fischen und unbeschriebenen 
Säugethieren. Nur die Pferde- und Raubthier-Reste dar- 
unter sind selten, die Kopf-Theile am besten erhalten. Der Vf. hält mit 
Fırconer dieses Gebirge für gleich alt mit jenem von Prome am Ira- 
waddi, worin CrawrFurD ähnliche Gebeine gefunden hat, 

Er bemerkt bei dieser Gelegenbeit, dass Mastodon elephan- 
toides und M. latidens vereinigt werden müssen, indem er Kinn- 
laden gefunden hat, worin vora der Backenzahn von M, latidens 
und hinten der von M. elephantoides gesessen. 


l 


Coovant meldet die Entdeckung von Paläotherien- und Rumi- 
nanten-Resten mit Cerithium lapidum im Gypse von Aiz in 


— 


Provence und will daraus die Gleichzeitigkeit mit dem Pariser Gypse 
folgern. (Bullet. geolog. 1836, VI, 191.) 

Durr£nor erinnert, dass die Paläotherien-Art nicht bestimmt 
seye; dass eine Art auch zu La Grave bei Libourne in der Muschel- 
Molasse vorkomme; dass der Gyps von Aix wahrscheinlich wie zu 
- Sijean in den Ost-Pyrenäen auf derselben Muschel-Molasse ruhe, welche 
dem oberen Niederschlage der Pariser Tertiär-Gebirge und nicht dem 
dortigen Gypse entspreche. Das angebliche Cerithium ia pidum 
könnte eine der Potamiden der Süsswasserkalke seyn (ibid.). 


Desnayes hält die sg. Cythereen-Schichte über dem Pariser : 
Gypse für eine Süsswasser-Bilduug (Bull. geol. 1836, VII, 200). 
-Die darin so häufigen Muschel-Eindrücke, welche man von Cythereen 
abgeleitet, dürften vom Genus Glauconomya Gar herrühren, wel- 
ches in den Flüssen Indiens lebt, indem das Schloss, ‚wie in diesem, 
drei Zähne darbiete und auch mit dem von Sowersy’s Pullastra 
Ähnlichkeit habe. Es sind zwei Arten. — So kömmt in den Tertiär- 
Schichten von Paris auch das Genus Cyrenella Desn. vor, welches 
jetzt noch in den Süsswassern vom Senegal einheimisch ist. Auch die 
kleinen Krustazeen in jener Schichte sind nicht Meeresbewohner. 
- (Coquanr hat unbestimmbare Pflanzen-Reste darin entdeckt.) 


Bei Gelegenheit, wo D’Arcnmc in einer Abhandlung über „die 
Kreide-Formation im S.W. von Frankreich“ ihres Übergangs in die 
Tertiärbildungen gedenkt, drückt Desuayzs seine Versicherung aus, dass 
er noch keine fossile Art kenne, welche in beiderlei Formationen zugleich 
vorkommen; dass auchNeritina conoidea und Crassatellatu- 
mida, welche Durrenoy angegeben, schwerlich in einer wirklichen 
Kreide-Schichte und mit Kreide-Versteinerungen vorgekommen seyn dürf- 
ten, und dass die Alveolina cretacea wohl verschieden seye von 
der tertiären A. oblonga (2. e. S. 200). D’Arcnıac besteht nicht auf 
der Behauptung einer wirklichen Vermischung der Fossil-Arteu beider 
Formationen, sondern bemerkt, dass er nur von einem Übergang durch 
gegenseitige Annäherung in der Beschaffenheit des Gesteins, wie im 
Gesammt - Charakter der fossilen Arten sprechen wolle. (ib. S. 201.) — 
(Die Fortsetzung dieser Diskussion am Ende des folgenden Aufsatzes.) 


ur 


D’Arenuc: über eine Grobkalk- Bank zwischen 
Töpferthon und Kreide bei Meudon. (ibid. 273 — 275.) Ein 
Durchschnitt des Bodens hat zu des Molineaux. am: Berge. bei Meudon 
folgende Schiebtenordnung ergeben: - Haniaay 


— 343 — 


' 


| 1) Grobkalk 


2) Rother, grauer und weisser Töpferthon . RR, 1n50 
3) Graue, grünliche und weissbunte Fausse glaise . 1 60 
4) Grobkalk-Bank h . : . , ; : 1 40 
BR, Merz nanter als) vorige 10m Mur ET AR A 


6) Caillasse, erste Kreide-Schichte, durchlöchert : 1 50 

7) Weisse Kreide mit Feuersteinen 

Die obere der zwei Grobkalk-Bänke ist gelblich, fest, auch erdig, zu- 
weilen oolithisch, in ihrem oberen Theile durchzogen von dünnen, oft 
unterbrochenen Lagen grauschwärzlichen Thones, und selbst reich an 
thoniger Materie. Zuweilen wird sie 2m mächtig. Sie ist reich an 
Konchylien - Abdrücken , insbesondere von einer Lucina, sehr ähn- 
lich der L. saxorum, von Corbis lamellosa, Crassa- 
tella tumida var. b., von einem Cardium, einer Veneri- 
cardia, Modiolacordata, zwei Lima-Arten, welche der L. 
muricata und L. granulata der Kreide ähnlicher sind, als denen 
des Grobkalkes, von Turritella imbricataria oder T.?h ybrida 
von Cerithium, Fusus, Pileopsis, ?Cypraea, Milioli- 
tes, dann vonCidarites-Stacheln, Asterien-Gliedern, Dentalien 
und einer Turbinolia: Geschlechtern, welche meistentheils im unteren 
und mittlen Grobkalke vorkommen. Die zweite Bank ist weniger mächtig, 
aber regelmässiger, von dichterer Textur, gelblich weisser Farbe, ent- 
‚ hält dieselben Fossil-Arten und verliert sich gegen Osten hin. — Unmit- 
telbar darunter liegt, durch deutliche Auflagerungsflächen geschieden, 
die erste Kreideschichte, die sg. Caillasse, bezeichnet durch den 
Mangel an Feuersteinen, durch ihre Härte (die grösser als bei der wei- 
chen Kreide ist), durch ihren eckigen und unebenen Bruch, ihre gelbe 
bis weissliche Farbe, und durch eine Menge ästiger, sie in allen Rich- 
tungen durchziehender Röhren von einigen Linien bis 2’ Weite, welche 
zuweilen stumpf, gewöhnlich aber fein auslaufen. Sie enthält Ostrea 
vesicularis und Ananchytes ovata, doch selten. BronGNIART 
und Cuvier hatten eine analoge Schichte hinter der Glasfabrik von 
Sevres angegeben und jene Röhren von Gas-Entwicklungen abgeleitet. 
Die Caillasse enthält keinen der Eindrücke der Grobkalk-Bänke. D’Ar- 
cHuıac hält gleichwohl diese letztern für das Analogon der unregelmässi- _ 
gen, von ErLıe pE BeAumont bei Bougival, Port Marly und Viyny an- 
gegebenen Kreideschichten mit gemischten Konchylien, bemerkt jedech, 
dass diese, wie vorige, da die Konchylien nicht wirklich gemischt in 
einer und derselben Schichte durch einander liegen, vielmehr dem Grob- 
kalk zu verbinden seyn würde. — ExıEe pe BraumontT erkennt die Rich- 
tigkeit der von D’Arcuıac angegebenen Thatsachen an, vertheidigt je- 
doch seine frühere Verbindung der in den genannten Gegenden bezeich- 
neten Schichten mit der Kreide, statt mit dem Grobkalk, worin ihm 
Desmaves, oe Roıssy und D’Arcnsac aus zoologischen Gründen wider- 
sprechen. Desnaves bemerkt noch, dass selbst in den jugendlichsten 
Kreide-Schichten Belgiens keine Vermischung der Arten, kein Übergang 


” 


— 344 — 


einer Art in die andere Formation Statt finde. (Die Fortsetzung der 
Diskussion in der Note zum folgenden Auszuge.) 


Ca. D’Orsıeny: über das neuerlich bei Meudon entdeckte 
Gebirge (ibid. 230-291). Der Vf. will nur Ergänzungen zum Vo- 
rigen liefern, und bezeichnet die Schichtenfolge von Meudon auf fol- 
gende Weise: | 


Grobkalk, Unterer, mittler und oberer Grobkalk ...14.m 
Glauconie-führender Sand ® : 0.06 
Rother und grauer Thon . e 2 2m—8. 
Weisser Mergel mit Kalk-Nieren h 1 12 
‘ Lignite mit grossen Paludinen und | 
Anodonten . ; . 0.40 
Töpferthon. Blätteriger Thon mit En ER TEN) 
Eisen-Sandstein etc. { . ; 0.20 
Konglomerat mit Knochen von Sdhhe- \ 
ih) thieren, Reptilien, Fischen- und Fluss- RR 
Muscheln . . ? ! b R 0.45 
Gelber Grobkalk, mit mehr als 30 ) Ter- 
Pisslit-Kaik. / . Han rien >: ©. ol er 
Blätteriger Mergel mit Peeten R ü - 0.06 
Grobkalk mit vielen tertiären Fossilien . - 0.40 
‘ Gelbliche harte Kreide, mit vielen 
Kran Kreide-Versteinerungen: Hamites ro- 
tundus, Belemnites mucronatus ete. e 1.50 


Weisse, weiche Kreide 

I. Kreide. Die weisse Kreide hat dem Vf. einige grosse Kro- 
kodil-Zähne, ein Fisch-Fragment und eine Seeschildkröte von 
etwa 15‘ Länge geliefert. In der gelben harten Kreide hat er allerdings 
auch Feuersteine gefunden, aber nur einzeln, nicht lagenweise geordnet, 
meist sehr gebändert. Ihre Versteinerungen sind: Ananchytes ovata, 
Cardium Hillanum, Arca, Lima, Pecten 5costatus, Pectun- 
culus, Catillus Cuvieri, Terebratula carnea, T. octoplicata 
und plicatilis, Ostrea vesicularis, Trochus Basteroti, 
Turritella, Pleurotomaria oder Solarium, Belemnites mu- 
eronatus und Hamites rotundus. 

ll. Der neue Meereskalk wird stellenweise durch eine Menge 
von Pisolith-Körnern bezeichnet und ist zuweilen sehr reich an Polyparien- 
undRadiarien-Trümmern. Seine fossilen Arten, meistens nach DesuAyEs’ 
Bestimmungen, sind Orbitolites plana, Turbinolia, Flustra, 
Eschara; — Spatangus (eine Art wie im Grobkalk vou G@rignon), 
Cidarites-Stacheln, Asterien-Glieder; — Dentalium,Serpula;— 

" rassatella tumida var. B. Lam., Corbula, Corbis lamel- 
losa Lam., Lucina grata Drrr., L. contorta Derr. ‚ Cytherea 
obliqua Desm., Venus obliqua Lam., Corbula gallica Lam, 


= er 


Venericardia: Cardium porulosum, EC. granulosum, C. ob- 
ligquum, Cucullaea crassatina Lamk. (welche Dr za Becne u. 
A. wit Unrecht der Kreide zugeschrieben), Arca biangula Lam., 
A. rudis Desn., A. ?barbatula Lam, A. filigrana Desu,, 
Chama, Modiola cordata Lum., Lian inflata, Lima n. sp., 
Solen, Hipponyx cornucopiae, Calyptrea?trochifer- 
mis, Natica patula Dss#u., Delphinula ar Turbo, Sola-- 
rium patulum Lam., Trochus subcarinatus?, Turritella 
imbricataria Lam. var. c., Cerithium semicostatum Desn,, 
Fusus, Cypraea, Nautilus, Miliolites, — und zu Viyny: Ceri- 
thium giganteum, Nerita angistoma, Oliva ?brandaris; — 
Hai-Zähne. — Alle diese Versteinerungen deuten daher einen Grobkalk, 
aber keine Kreide an. Dieser neue Kalk, bezeichnet durch seine Lage- 
rung und seine Fossil-Reste in Verbindung mit seiner pisolithischen Tex- 
tur, aus welcher D’O. den Namen Pisolithen-Kalk zu entnehmen vor- 
schlägt, findet sich nicht allein zu Meudon, sondern auch zu Bougival, 
Port Marly und Fiyny, wie schon ELie De Beaumont angegeben, indem 


er ihn hier mit der Mastrichter Kreide verglich”); — zu Luversine 
bei Beauxwais (Oise), wo er in abweichender Lagerung unmittelbar auf 
Kreide ruht, undedeckt von anderm Gebirge; — in einem Brunnen zu 


Auteuil, welcher vor 12— 15 Jahren bis auf die Kreide ausgegraben 
worden, und aus welchem BEecgurreL damals belehrende pisolithische 
Handstücke, zwischen Kreide und plastischem Thon entnommen, an Cor- 
DIER gegeben hatte. Wahrscheinlich liegt daher dieser Pisolith im gan- 
zeu Pariser Becken zwischen Kreide und plastischem Thone. 


*) EriE DE Beaumont wiederholt, dass er zuerst diese neuen Zwischenschichten mit 
gemischten Konchyl- Arten (von dieser Behauptung geht er nicht ab), die 
Schichten unter dem plastischen Thon zwar mit einigen Tertiär-Konchylien, aber 
aus niedriger Meeresbedeckung mit Ufer-Konchylien als noch in der Kreide-Periode 
und vor der heftigen Bewegung der neuen Meereswogen, welche die früheren Schich- 
ten aufwülilten und durch ihre Zerstörungen den Anfang der tertiären Periode bezeich- 
neten, abgesetzt angesehen habe. Wolle man diese Zwischenschichten mit der Kreide 
durchaus nicht vereinigen, so möge man einem besondern Abschnitt vor den Tertiär-Bil- 
dungen dafür annehmen, nur nicht sie mit dem Grobkalk verbinden. Diese Zwischen- 
Schichten finden sich zu Meudon amı Wege de la Princesse nach Bougival, am 
Port Marly, zu Figay, zu St. Germain Luversine ( Bullet. 1834 und 1835); — 
dann in Süd-Frankreieh und zu Dieppe, wo eine Kreiden-Breccie und darüber 
ein Pudding sich einlagern; — auf Wight, wo der sg. Chalk marl von mehreren 
Fuss Mächtigkeit vorkommt; — und an mehreren andern Orten Europu’s. — 
Desnaves’ erklärt, er wolle sich um das Wort Grobkalk nicht streiten, wenn dieses 
Erie De BeAumont zur Bezeichnung der neuen Schichten nicht gefalle; er wolle 
nur feststellen, dass I) diese neuen Schichten den Anfang der Tertiär-Periode be- 
zeichnen, und 2) dass Kre:de und Tertiär-Schichten überall scharf von einander 
geschieden seven, und nirgend einen Übergang der Fossil-Arten aus dem einen in 
das andere wahrnehmen liessen. Jedermann kenne im Soissonuis den tertiären 
Sand mit vielen Grobkalk-Konchylien unter dem plastischen Thon, der dann durch 


pe Braumont’s Ansicht auch mit der Kreide vereinigt werden müsste. (2. c. 
5. 291-293.) 


— 346 — 

If. Neue Charaktere des Töpferthons; Säugethier- 
Knochen darin. Bei dem Durchschnitte von Moulineau und viel 
stärker entwickelt bei dem von Montalets, 500m — 600m weiter westlich, 
sieht man unmittelbar über dem Pisolith einige Schichten, deren noch 
Niemand bisher Erwähnung gethan hat. Die unterste besteht aus Töpfer- 
thon und blätterigem Mergel, welche gewöhnlich viele Nieren und Bruch- 
stücke von Kreide und Pisolith aus tieferen Schichten umschliessen, 
mit welchen zu unterst zuweilen Kopf-grosse Pisolith-Nieren mit Miliolithen 
und faserigem schwefelsaurem Strontian , auch Feuerstein-Nieren vorkom- 
men. Dieses Konglomerat ist bald ungebunden, bald durch Mergel mit 
Vegetabilien und Krystallen Linsen - frmigen und faserig- blätterigen 
Gypses, bald durch reinen Töpferthon gebunden. »’O, hat an fossilen 
Resten darin entdeckt: theils solche marinen Ursprungs, wie Anan- 
chytes ovata, Catillus Cuvieri, Ostrea vesicularis, Be- 
lemnites mucronatus, die offenbar aus derKreide herstammen ; — 
theils Überbleibsel von Land - und Süsswasser - Bewohnern, welche mit 
dieser Bildung gleich alt sind, wieKonifere n-Äste nach Av. BRonentaRT’s 
Bestimmung , diese jedoch an einer andern Stelle, nämlich im Lignit des 
Töpferthons an.der Barriere von Fontainebleau (D’ore. im Bullet. VII,135); 
— dann Anodonta Cordieri D’ore. und Anodonta antiqua 
(beide in Guerın Magaz. de Zoologie abgebildet), Cyclas, Palu- 
dina lenta, Planorbis; — Fischknochen; — dann nach den Bestim- 
mungen von Brasmsvirte und LaurıLLarp: Zähne und ein Kiefer-Bruch- 
stück von Krokodil, Knochen von Trionyx und Emys; drei 
Zähne und einen Humerus-Kopf eines grossen Sauriers, welcher dem 
Mosasaurus von Mastricht nahe verwandt ist; einen Koprolithen 
mit Fisch-Theilchen ; 2 untere hintere und 2 untere vordere Backenzähne, 
einen obern vordern Backenzahn, einen Eckzahn und 5 seitliche Schneide- 
zähne einer grossen Anthracotherium Art; den oberen Backen- 
zahn und einen Schneidezahn einer sehr kleinen Anthracotherium- 
Art; einen untern Backenzahn, den untern linken Eckzahn und den 

Kopf einer Rippe von Lophiodon; einen untern Fleischzahn von 
Lutra, einen obern linken Schneidezahn und einen hintern Backen- 
zahn von Vulpes, einen obern vordern Backenzahn der ? © ivette; — 
einen obern Schneidezahn von Seiurus u. a. Die ältesten tertiären 
Säugethier-Knochen, welche man bisher gekannt, waren ein von RogERr 
im Grobkalk von Nanterre gefundener Lophiodon-Kiefer, und viel- 
leicht zwei Stücke wahrscheinlich auch eines Lophiodon-Knochens, 
welche noch Cuvıer im Lignit des Laonnais gefunden worden , dessen 
Alter aber noch nicht bestimmt ist. Nachdem mithin auf diese Weise 
einmal Säugethier-Reste viel tiefer nachgewiesen sind als im Pariser 
Gyps, in welchem sie nach Cuvıer’s Vorstellung zuerst auftreten sollten, 
wird Hucr’s Entdeckung von Pachydermen-Knochen im Portland- 
kalke von Solothurn, die des Kiefers von Didelphys Bucklandi 
im Oolith von Stonesfield und die der Säugethier-Fährten im bunten 
Sandstein von Hildburghausen nicht mehr so überraschend seyn, und 


_ 11 — 

leichteren Eingang finden. — Über dem Konglomerat liegt ein Kalk-halti- 
ger Töpferthon oft voll Gyps-Kıystallen, manchmal mit Eisen-schüssigem 
Sande gemengt und reich an uubestimmbaren Pflanzen-Eindrücken; an 
manchen Orten geht er ganz in einen Pyrit-führenden Lignit bis von 
3° Mächtigkeit über und enthält Anodonten und grosse Paludi- 
nen, wie das Konglomerat ; beim Moulineau wird er durch eine Schichte 
weissen Mergels ersetzt, die an den Montalets nicht vorkommt. 


Cu. LyerL: über die Kreide- und Tertiär-Schichten der 
Dänischen Inseln Seeland und Möon (Lond. a. Edinb. philos. Magaz. 
1836, VIII, 412—314). ForcuHuammer hatte 1828 im Edinburg-Journal, 
Juli-Heft, die weisse Kreide Seelands beschrieben als bedeckt von einem 
Korallen-Kalk, und die weisse Kreide von Moen für ein höher in der 
Formations - Reihe stehendes Gebilde gehalten, als den letztern ; endlich 
hatte er in den Uferklippen von Moen gewisse Ablagerungen von blauem 
Thone, Sand und Grand mit der weissen Kreide wechsellagern sehen. 
Er hat nun im Scemmer 1834 diese Gegenden mit Lrerı wieder besucht. 


und stimmt in den folgenden Ansichten der Hauptsache nach mit letzte- 
ren überein. 


Dänemark und Dänisch-Holstein bestehen hauptsächlich aus weisser 
Kreide und einer darauf ruhenden Tertiär-Ablagerung, welche zum 
Theile den thonigenu und sandigen Lagern des Englischen Crags ähnlich, doch 
vielleicht nicht mit ihm identisch ist; während ein anderer dem mit vorigem in 
Norfolk vorkommenden sg. Diluviale entspricht, über und in welchem 
in:Dänemark lose Felsblöcke zerstreut liegen. An einigen Stellen am 
Elbe-Ufer gehet dieser tertiäre Sand in dünne regelmässige Schichten 
in einer Mächtigkeit von-200° zu Tage. Auch ungeschichtete mächtige 
Massen blauen Tbones mit den manchfaltigsten Gesteins-Trümmern vom 
"Granit bis zur Kreide kommen vor. Zwischen diesem geschichteten und 
ungeschichteten Theile findet oft ein plötzlicher Übergang Statt. Sie 
enthalten nur solche fossile Reste, welche aus älteren Formationen aus- 
gewaschen worden. Nur am Seegeberg kommen dergleichen von noch 
lebenden Arten vor, und zwei ausgestorbene sind zu Schulan an der Elbe 
gefunden worden. 

Die Dänische weisse Kreide, zu Stevensklint in Seeland und 
in den Uferklippen von Moen vorkommend, enthält dieselben fossilen 
Arten, wie die obere Kreide Frankreichs und Englands. 


An der Küste von Stevensklint und vorzüglich zu Fazxöe lagert ein 
jüngerer Kalk darauf, welcher grösstentheils aus Korallen-Trümmern be- 
‚steht, die in einer kalkigen Masse liegen. L. nennt ihn Faxöe Li- 
mestone und vergleicht ihn den Mastrichter Schichten, da er einige 
"Kreide-Fossilien mit solchen aus Geschlechtern enthalte, welche sonst 
die Tertiär- Gebilde eharakterisiren. Ein dünner Streifen bituminösen 
Thones mit See-Konchylien ‘und Pflanzen-Eindrücken trennt ihn von der 


— 348 — 


weissen Kreide; er enthält Schichten von Feuerstein , wie diese, doch 
"meist in zusammenhängenden Lagern. und oft in einer zur allgemeinen 
Schichtungs - Fläche ‚diagonalen Richtung. Die Konchylien - Arten BN 
Fuzxöe haben nur ihre Abdrücke. hinterlassen ; man findet, solche von 
Cypraea, Conus, Mitra,Voluta, von einem Ammoniten, 
von Patella, Fusus und einem Cerithium. ‚Die Sammlung des 
Prinzen Curistian enthält ‚im Ganzen 132 Konchylien - Arten aus den 
- Faxöe-Schichten, worunter nach Beck 26 mit denen der Kreide identisch, 
die übrigen zwar verschieden, doch auch nicht mit tertiären Arten über- 

' einstimmend sind. 


Die weissen Uferklippen von Moen zeigen 300° — 400° Mächtigkeit, 
und bestehen aus Kreide und parallelen Lagen von Feuerstein-Nieren, 
sind aber gekrümmt, ‚oft vertikal und mehr durcheinander geworfen, als 
die Kreide von Purbeck und Wight. Weite Klüfte sind dazwischen 
bis zum Boden herab mit tertiären Massen ausgefüllt; ja die Kreide 
wechsellagert in einem grossen Maasstabe mit ungleichförmig lagernden 
Schichten von Tbon und Sand, die in Folge mächtiger Verschiebungen 
unregelmässig eingeschaltet sind. 


Dieser gestörte Kalk kommt auch im Süden von Boeignd vor, und 
der Fuxöe-Kalkstein auf Mors, einer Insel des Lym-Fivrd. 


Beck: Notitzenüber die Geologie Dänemarks (Lond. a. 
Edinb. philos.. Mag. 1836, VIII, 553 — 556). 1. Alle Formationen 
bietet nur die. Insel Bornhulm dar: Granit und Gneiss den Skandinavi- 
schen ähnlich im N.O., Gesieine des Silwrischen Systemes im S. und W.; 
Kreide-Schichten sieht man an der Ostseite; alle Zwischenbildungen feh- 
len. Diese Kreideschichten enthalten viele Kohle und Fahren-Abdrücke, 
wesshalb sie bald der eigentlichen Steinkohlen-Formation, bald den tertiä- 
ren Liguiten, von Ar. Bronensart dem Lias, von Pıncer dem Eisen- 
sand, von Beck aber den Hastings- und unteren Grünsand-Schichten: zu- 
geschrieben werden. Eine oft vorkommende monokotyledone Pflanzen- 
Frucht, nach Beer aus der Familie der Restiaceen, ist von MAnTELL 
auch zu Heathfield in Sussex gelunden worden. . Die. wenigen mit den 
Fahren vorkommenden Konchylien stammen von Meeresbewohnern ab, 
"daher diese Bildung in einiger Entfernung von der Mündung eines 
Flusses entstanden seyn muss. Südlich von diesen Kohlen - führenden 
Schichten sind andere aus Quarz- und Kalk-Sand, welche 30—40 Kon- 
chylien-Arten enthalten, wie sie auch im oberen Grünsand Englands 
vorkommen, und bei Arnager ist eine kleine Stelle graulich-weisser 
Kreide mit sehr wenigen Feuersteinen, und einer Menge von Fossil- 
Arten, welche mit denen der weissen Kreide ohne Feuersteine zu Suu- 
therham bei Lewes übereinkommen, 
"U. Im eigentlichen Dänemark gehören die ältesten Schichten 1) der 
Kreide an, sind aber jünger als die auf Bornholm. Die. untersten 


. 


=. =. 


Schichten sind in Seeland, Jütland und auf Moen eine rein weisse, 
weiche Kreide mit vielen Lagen schwarzer Feuerstein-Knollen, und ent- 
halten über 300 Fossil-Arten, unter welchen Am moniten sehr selten, 
Marsupiten unbekannt’ sind und von Fischen fast nur einige Hai- 
Zähne vorkommen; dagegen sind kleine Zoophbyten und mikroskopi- 
sche Polythalamien sehr häufig; in Feuerstein verwandelte Spongien 
bilden ganze Schichten. Auf Moen haben sich noch in Folge späterer 
Störungen Massen von Kies und Sand zwischen gewisse Theile dieses 
Kreide-Gebildes eingelagert. — 2) Darauf ruhen in Seöland und andar- 
wärts die Fuxoe-Schichten , meistens aus gelblichem Politur-fähigem Kalk- 
stein bestehend. Sie enthalten unter einigen bezeichnenden Fossilien 
des weissen Kalkes andere, die ihnen eigenthümlich sind aus den Ge- 
schlechtern Arca, Modiola, Venus, Trochus, Fusus, Voluta, 


'Oliva, Cypraea, Nautilus etc., während sie in den Brüchen von 


Faxve so reichlich aus Zoophyten zusammengesetzt sind, dass sie als 
ein Korallenriff betrachtet werden müssen , und dort über 40° Mächtig- 
keit erreichen. Zu Stevensklint dagegen haben sie nur 2’—4° Dicke und 
können so 3—4 Meilen weit über den weissen Kalk verfolgt werden. Auch 
in einigen Gegenden Jütlunds, wie auf der Insel Mors, an den Ufer. 
Felsen bei Grenaa u. s. w. findet man sie. Sie haben mehr Älinlichkeit 
mit den Schichten von Künrath bei Lüttich, als mit denen von Mastricht, 
und besitzen mit jenen gemeinsam: Baculites Faujasii, Nautilus 
friecator B., Fusus elongatus B. uud Terebratula subgi- 
gantea ScHuoru. Nautilus Danicus ist keineswegs mit dem N. 
aganıticus des Lias identisch, wie Buc# geglaubt, und keine einzige 
Fossil - Art stimmt mit denen der Oolithe oder der Gosau überein. — 
3) Zu Stevensklint liegt darüber eine ‚weissliche und härtliche Kreide, 
die manchmal ganz aus verkleinerten und selbst pulverisirten Zoophyten 
zusammengesetzt ist. Die Bivalven und Echinodermen sind meist die 
nämlichen wie in der weissen Kreide; dagegen fehlen die in den Faxoe- 
Schichten so häufigen Univalven gänzlich, wogegen einige kleine Koral- 
len beiden gemeinsam sind. Der Feuerstein bildet bald zusammenhän- 
gende Lagen, wie zu Stevensklint, bald nur Nieren, ist mehr opak und 
hat einen weniger muscheligen Bruch, als der in der weissen Kreide. 
Manchmal wird er durch einen bläulich- grauen Stein aus Kiesel- und 
Kalk-Erde bestehend ersetzt, den man im Dünischen „Bleger“ nennt. 
Den fossilen Resten nach gehören die Kreide von Saltholm, die Ufer- 
felsen in Jütland von Ragaard, Dangbjerg und Mönsted bis Hjerm, die 
Kreide im S. von Thyholm, die über der weissen Kreide auf einem 
Theile von Mors und im Norden von T'hy und die Kreide der Uferwände 
von Bulbjerg uud der kleinen Insel Skarreklit zur nämlichen Formation. 
— 4) In einigen Gegenden Dänemarks wird die Kreide noch von einer 


N . „ { . . . . 
Breccie überlagert, welche aus scharfkautigen Kreide- und Feuerstein- 


Bruchstücken und einem Zäment aus kohlensaurem Kaike besteht. — 
Die Kreideberge bieten dieselben gerundeten ebenen Formen wie in 
England dar, nur dass gewöhnlich noch, kleine Hügelcben von Kies, 


Jahrgang 1837. 23 


— 350 — a 


Sand und Felsblöcken darauf stehen, welcher Sand zuweilen Konchylien 
enthält, wie sie noch im Dänischen Meere leben, zum Beweisse , dass 
die Hebung dieser Kreide-Berge neuen Ursprungs ist. 

III. In der Mitte von Jütland findet man eine tertiäre Kohlen-For- 


mation von einigen Hundert Fuss Mächtigkeit, älter als die Zerstreuung 


der Felsblöcke ist. Sie besteht an einigen Orten aus weissem glimme- 
rigem Sande mit Spuren von Braunkohlen, welche bei Skanderberg be- 
trächtliche Lagen darin bildet. Anderwärts besteht sie aus glimmerigem 
Thone mit flachen Massen hydraulischen Kalkes, wie die Septaria des 


Londonthons, und mit Fisch-Schuppen wahrscheinlich aus der Eypriniden-' 


Familie, Flügeldecken von Käfern, Gehbäusen von Phryganen-Larven 
und einem Insekte aus der Hymenopteren- Ordnung, welches der VF. 
Cleptis Stenstrupii. nennt. Zu Thye bei Tisted, im Norden von 


Mors und auf der Insel F'uur beobachtete er 1831 Schichteu-Siörungen, 


welche disse Tertiär-Schichten und die Kreide zugleich betreffen. — 2) Iu die 
tertiäre Periode gehören auch die Gesteins-Schichten, welche Foren- 
HAMMER auf der Insel Syit an den Westküsten von Holstein gefunden ; 
einige der in ihnen vorkommenden Konchylien stimmen mit. denen des 
Londonthons überein, andere mit solchen aus dem Crag, wie Voluia 
Lamberti. In diese näwliche ältere Abtheilung möchte der Vf. die 
Schichten von Segeberg wit Valvaten und Gyrogoniten und die 
Ablagerung zwischen Altona und Geuchstad rechnen, worin Lyezu eine 
Cardita gefunden. — 2) Jünger als beide vorigen sind die oft mehrere 
Hundert Fuss mächtigen, Kies-, Sand- und Lehm-Lager, welche haupt- 
sächlich den Boden Dänemarks bilden, und in und auf welchen die so 
häufig zerstreuten Felsblöcke Dänemarks zuerst erscheinen, in denen 
man die gewöhnlichen Skandinavischen Varietäten von Gneiss und Granit- 
Schiefer, — bei ‚Kopenhagen auch Übergaugs-Kalk , Basalt mit Olivin 
und-den wohlbekanuten Sehundär-Sandstein von Hör, so wie im Norden 
von Jütland den Eifdaler Porphyr -und deu blauen Zirkon-Syenit von 


Frederiksvärn in Norwegen wiedererkennt. Wenn in diesen Schichten 


. \ . . 5 . - 
Konchylien vorkonmen, was seiten, so stimnien sie oft ganz mit leben- 
:den Arten überein. Doch hat der Vf. auf Moen ein Pleurotoma und zu 


Himlingvie Exemplare einer Turritella gefunden, die man bis jetzt 


nicht unter den lebenden kennt. — Die Zerstreuung der Welsblöcke hätte 
nach dem Vf. nach dem Anfang der tertiären Periode begennen und 
während der Absetzung des blauen Mergels und Sandes, worin über 100 
iin Deutschen Ozean lebende Konchylien-Arten vorkommen, fortgewährt ; 
er behält sich auf eine spätere Gelegenheit vor zu beweisen, dass der 


Transport dieser Blöcke an der Küste von Jütland noch jetzt fortdauert: 


4) Endlich kommen einige kleine Süsswasser-Formationen im Inner» von 
Jütland und auf Muen vor, welcbe Limn ea, Plysa, Helix etc. enthal- 
ten, — so wie wine ausgedehnte Formation von durch Eisenoxyd verkit- 
teteın Sande. 


” 
x 


— 351 — 


A. CunsineHam: über die physikalische und geologische 
Struktur der Gegend im Westen der Gebirgsscheide zwi- 
schen Hunters River und Moreton Bay (32° — 27°S.), mit Bemer- 
kungen über die Geologie von Moreton Bay und Brisbrane River 
in Neu-Süd-Woales (Lond. a. Edinb. Philos. Mag. 1835, VI, 146 — 149). 
Fırron hat diese Abhandlung am 17. Dez. 1834 bei der geolog. Sozietät 
in London vorgetragen, in der er selbst die geognostischen Bestimmun- 
gen nach den von C. eingesandten und von ihm,ebenfalls vorgezeigten 
Handstücken in dieselbe aufgenommen hatte. Der Wingen oder bren-. 
nende Berg liegt auf der S.O.Seite der Gebirgsscheide.e Da, wo der 
Vf. die Höhe der letzten selbst passirt, besteht das Gebirge aus Grün- 
stein-Schiefer, und die Basis aus Quarz-Konglomerat, die darauf folgen- 
den niedrigen Berge auf der O.Seite von Liverpool Plains aus dem» 
selben ; die im N. aus sehr feinkörnigem Granit. Zwischen 30° und 31° 
Br. erhebt sich die Gegend von den L. Plains oder 840° allmählich auf 
2000° Seehöhe und stellt eine zerrissene Oberfläche dar, die oft von nie- 
drigen Schieferthon - Hügeln durchzogen ist. Nördlich von 30° Br. ge- 
langte man in ein fruchtbares Thal, Stoddart’s Valley, worin am Fusse 
der Gebirge Serpentin, an den Seiten und Höhen derselben Hornstein, 
am Ende des Thales Thonschiefer zu Tage gehen. Im Bette von Peels 
River, der das N.Ende des Thales durchkreutzt, ruhet ein dünnes, 
horizontales Lager kalkigen Sandsteins zwischen Schichten von Schiefer. 
thon. — 50 Meil. nördlich von diesem Flusse ist die Gegend etwas wel- 
lenförmig und stellenweise mit Trümmern zelligen Trapps bedeckt; die 
Berge längs des Weges im W. bestehen bis zu 29°10° aus einem 
röthlichen grobkörnigen Sandstein in fast söhliger Schichtung. Den Weg 
nach N.O. bis über den 29° Br. fortsetzend, gelangte man zum Mogo 
Creek, dessen Ufer von grobem, zerreiblichem Sandsteine gebildet wer- 
‘den; noch weiter in der nämlichen Richtung, 40 M. weit, zeigte die 
unebene Gegend Sandstein und Thonschiefer verherrschend; auf den 
Rücken der Berge aber bildete Quarz -Konglomerat niedrige Terrassen. 
In einem kleinen Flusse in 28026‘-Br. und 151° ©. L. kam ein hartes 
Schiefergestein vor, und in den Wasser-Rinnen umher ging Feuerstein-* 
Schiefer (flinty slate) zu Tage. Durch eine fruchtbare Gegend erreichte 
man den Fuss der Gebirgsseheide wieder im 28° Br., wo Basalt mit 
Olivin vorkommt; in 1877' Seehöhe fand man Mandelstein und auf dem 
Gipfel in 4100’ einen ziegelrothen zelligen Trapp, dessen Zellen länglich 
und gleichlaufend sind. 

Auf einem mehr östlich ziehenden Wege ging C. nun wieder gegen 
den Hunters River zurück, und fand-auf der ersten Tagereise in einer 
gebirgigen Gegend grauen Granit als herrschendes Gestein. Von diesen 
Gebirgen aus S.W.-wärts kam man in einen minder hohen Landstrich 
aus Thonschiefer bestehend, den man im 29° Br. auch in einem tiefen 
Fiussbette anstehend in Gesellschaft von Granit-Blöcken fand. Auf den 
nächsten 40 Meilen sah man nur röthlichen Granit und Basalt-Trümmer, 
In 29° 26° kamen grosse Quarzkonglomerat-Massen vor, dergleichen auch 

23* 


| = mw = 
später über die Gegend umhergestreut war. Die Gebirge im Wilmett- 
Thale waren feinkörniger grauer Granit, die an dessen Ende in 30°11° Breite 
bräunlicher Porphyr: mit Quarzkörnern. EU Wi a 
Die Moreton-Bay besuchte C. 1828. Ihre Westküste von der Mün- 
dung des Bimsstein-Flusses an bis Red Ctiff Point ist von einer Sand- 
bank begleitet, in der man bei niedrigem Wasser ein  Chalcedon- La- 
ger erkennt. Dem Brisbrane River folgend kam man zuerst auf 
Talk- oder Chlorit - Schiefer; 16 Meil. über seiner Mündung ist 
ein Bruch in nelkeubraunem Thonstein-Porphyr; noch weiter hinauf 
steht Serpentin an von Asbest- und Magneteisen- Gängen durchsetzt; 
60 Meil. von der Küste geben Hornstein-Lagen‘an den Ufern und eine 
beträchtliche Kohlen- Schichte im Bette zu Tage, in deren Nähe man 
einen fossilen Stamm mit konzentrisch-faserigen Streifen und einer der 
Länge nach  blätterigen Struktur (rechtwinkelig zu jenen) fand. Von 
der „Kalkstein-Station“ am Brenner-Flusse, der in den Brisbrane fällt, 
brachte C. gelblichen Hornstein, erhärteten weissen Mergel, gewisser 
harter Kreide ähnlich und voll schwarzer Feuersteine, blaulich - grauen 
Chalcedon und gelblichen sandigen Kalkstein mit; ein Kohlenlager setzt 
von Brisbrane an nach dem Brenner fort. Im Süden von- jener Station 
ist ein bemerkenswertber Trapp-Berg, Mount Forbes genannt; 50 M. 
südlich von der Sträflings-Niederlassung am Brisbrane ist die Birman- 
Kette mit dichtem Quarzfels; der Berg Lindlay im S. des Brisbrane 
hat Granit. Mr | her) 

-  Kapt. Sturr hat von einem Ausfluge von Bathurst nach den Marschen 
des Macquarie - Flusses und zum Darling River kohlensaures Kupfer 
von einer weissen thonigen Felswand bei Moling Plain, Stalaktiten vom 
Bette des Macgwarie, nelkenbraunen Thon (pink clay) vom Wasserfalle 
unter Wellington Valley; Porphyr von Mount Harris, harten, körnigen 
Quarzfels von Oıxley’s Table Land und Mount Hellwellin, Granit von New 
Year’s Creek, ein quarzıges Konglomerat, Porphyr, Sandstein, weissen 
Thon, Selenit vom Darling River, dichten kohlenhaltigen Kalkstein von 


einer Kalkstein-Kette, 16 Meil. N. von Bathurst mitgebracht. 
Er 
-* 


III. Petrefaktenkunde. 


De Brarmsvitı.e und GEoFFrroy Sr. Hırame: Bericht an die Akademie 
über Desnayes’ Allgemeine Betrachtungen über das Genus 
Belemnites (2’Instit. 1836, IV, 406). Wir heben aus diesem Berichte 
über genannte Abhandlung (nachträglich zum früheren, Jabrb. 1836, 
741) noch aus: dass Desnayes /die Sepienknochen aus drei Theilen be- 
stehen lässt, aus der hohlen Spitze oder dem kleinen Kegel, aus dem 
aus übereinanderlagernden Schichten und einer äusseren Haut gebildeten 


Schilde am vorderen Rande des ersten, und aus den Flügeln seit- 
lich zwischen beiden; — dass nach ihm der Belemnit ein soleber inne- 
rer Knochen mit übereinanderlagernden Schichten ist, woran der Kegel 
sehr vergrössert, Flügel und Schild (nach der von Acaıssız gemeldeten 
Entdeckung) ersetzt sind durch den unmittelbar von des letzten Mündung 
fortsetzenden Theil, welchen Zırren als Kalmars-Leiste abgebildet hatte, 
und wo das Iunere des Kegels mehr oder weniger angefüllt ist durch 
eine Reihe Uhrglas-ähnlicher und mit einem Siphon versehener Scheide- 
wände [also ohne selbstständige äussere Wand], die man als ein Ganzes 


betrachtet und Belemniten-Alveole genannt hat; — dass es nach Des- 
HAYES’N eine unzweifelhafte Sache seye, dass auch die Belopteren im 
Inneren ilıres Kegels Scheidewände besitzen; — dass die Scheidewände 


des Belemnites plenus (Actinocamax) wöhlhäutig oder knorpelig gewesen 
und an die mehr oder minder regelmässigen Riefen an dessen Basis be- 
festigt gewesen seyen, welche Sowersy und: Münster als Zeichen erlit- 
tener Beschädigung betrachtet haben. Das Thier scheint ihm demnach 
einen breiten Rücken, eine Schwimmhaut in seinem ganzen Umfang, 
eine aus der der Sepien und Nautilen kombinirte Bildung der Bewe- 
gungs- und Erfassungs-Organe (Arme) und eine zehnfache Anzahl der 
letzteren besessen zu haben. 

Die Berichterstatter hatten diese Folgerungen zu hypothetisch ge- 
funden, um darüber, ohne die Akademie zu kompromittiren, ein Gutachten 
abgeben zu können, besonders da Desnaves die von Acassız bezeichneten 
oder ähnliche Exemplare nicht selbst gesehen hätte. Nachdem Buaın- 
vILLE’N später die BuckrLanp’schen Abbildungen der letztern zugekommen, 
erkennt er daran zwar bestimmte Spuren einer häutigen letzten Kammer, 
welche das Thier aufgenommen, so wie selbst eines Dintensacks, — aber 
nichts, was nach der von Desuayes gegebenen jdealen Zeichnung analog 
wäre der knorpelige Scheide der Kalmar’s oder dem Knochen der Sepien. 


K. v. STERNBERG: über zwei Geweihe vom Riesengeweih- 
Hirsch im Böhmischen vaterländischen Museum (Verhandl.d. Gesellsch. 
d. Vaterl. Mus. in Böhmen, in der 12ten allgemein. Versamml., Prag 1834, 
S.44—50 und S. 72—75, Tf. 1 und II.) Das erste und schönste dieser 
Geweihe, beide Stangen fast unversehrt noch am Schädel sitzend, ist 
im Rhein bei Kölln gefunden und durch den Grafen STERNDERG von 
MeıneRTsuAGEn für jenes Museum erkauft und hier auf Taf. I abgebil- 
det worden; S. 72 — 75 gibt die detaillirten Ausmessungen verglichen 
mit denen der lebenden Elenn-Art. Dieser Hirsch unterscheidet sich 
nach Cuvier von dem Elenn, wovon er kein fossiles Exempli=r kannte, 
durch die aufrechte, nicht horizontale Richtung des Geweiiies und durch 
das Vorhandenseyn des Augsprossens an demselben. Übrigens: sind 
beiderlei Geweihe vielem Wechsel unterworfen, und selbst die beiden 
Stangen des vorliegenden Exemplares weichen bedeutend von einander 


ab. Herm. v. Meyer hat jedoch kürzlich auch vier fossile Geweihe des 
Elenns nachgewiesen *), welche sich in den Museen zu Leiden, Bonn, 
Frankfurt (aus Italien) und Würzburg (von Grafenreinfeld bei Schwein- 
furt mit Knochen anderer vorweltlichen Tbiere) befinden. Das fossile 
Elenn scheint von dem noch lebenden, wenn auch etwas abweichend, 
doch nicht spezifisch verschieden. Inzwischen ergibt sich aus diesen 
Anführungen die einstige weite Verbreitung des Elenns, Cervus alces, 
des Elch’s der Niebelungen (bis nach Italien) und die Existenz desselben 
mit vielen jetzt ausgestorbenen Thier - Arten und insbesondere mit dem 
Riesengeweih’s Hirsch (Cervus eurycerus, Bos cervi figuraCams. 
bell. gall. VI, cap. 25), dem grimmen Schelch der Niebelungen. 

Von STERNBERG äussert jedoch einige Zweifel gegen die Richtigkeit 
der Ansicht Hıezerr’s über das so sehr späte Verschwinden des © 
eurycerus Auprovanp’s. Er könne zwar Hieserr’s Urschrift nicht 
vergleichen; — wäre jedoch das Geweihe gemeint, welches der Brittische 
Arzt Casus- an GESNER gesehickt und welches ALprovanD (de quadrup. 
p- 857) abgebildet, so wird einestheils nirgends gesagt, dass dasselbe 
nieht etwa ein fossiles gewesen, anderntheils ist es den Abbildungen 
bei Cuvier und Gorvoruss ganz unähnlich, insbesondere mangelt ilım der 
Augsprossen, die Sprossen haben überhaupt eine andere Richtung, und 
die Zeichnung ist vielleicht gar nicht nach der Natur gemacht, was um- 
gekehrt bei Arpdovann’s Cervas tarandus und bei Münster’s Cer- 
vus alces ganz gewiss der Fall ist. — Das Prager Museum besitzt 
noch ein Exemplar, wovon zwar der Augsprosse abgebrochen, dagegen 
die gleichzeitige Beglaubigung beigefügt ist, dass es bei Seb. im Jahr 
1566, anderthalb Mann tief im Bodeu gefunden worden. Zwei andere 
Exemplare befinden sich im k. k. Naturalien-Kabinet in Wien, ‚wovon 
das eine mit dem Schädel erhaltene demjenigen sebr-ähnlich ist, welches 
Cuvier (oss. foss.) auf Tab. VII, Fg. 2 aus dem Collegio Romano ab- 
gebildet hat, — das andere aber [Taf. II abgebildet] im Banate unfern 
dem Eisernen Thore in der Donau gefunden worden, und an dessen 
einzig erhaltener Stange sich eine slavisehe Inschrift anscheinend aus 
dem XIV. Jahrhandert schon eingegraben fand, welche ausdrückt „in 
der Sündfluth untergegangen“, ein Beweiss also, dass diese Art [?] schon 
im XIV. Jahrhundert in Ungarn nicht mehr existirt habe. Selbst die 
auf Jonnswon’s und Münster’s Beschreibungen und auf die von HıesERT 
in Rom aufgefandene Abbildung gestützte Behauptung MaArceıL DE 
SERRES’, dass wenigstens die Römer noch den Cervus eurycerus ge- 
kannt, scheint dem Vf. nicht ausser Zweifel zu seyn, da er bei Münster 
nur dieselbe Abbildung wiedergefunden, welche Arprovanp nach oben 
erwähntem Geweihe [ wie aber mit der Figur des ganzen Thiers?] von 
Casus geliefert hat. (Die nachstehenden Maas-Angaben des fossilen Ge- 
weihes aus dem Rheine und eines Geweihes vom lebenden Elenn sind 
in Metern ausgedrückt.) 


=) Nov. Act. Nat. Curios. XVl, ı1, 463, tb. xxxll, XXI, XXxvil. 


— 355 — 


’ Riesen - Gewelh-Hirach. Lebend. Elenn. 
Umfang des Rosenstocks j } 0,255. 2 WENN NO255 
s dr Stangen, wo sie am dünnsten 0,190 . . 0,153 
Abstand der Spitzen der vordersten Enden 
beider Seiten  . 0,410 . . 0,430 
Abstand der Spitzen dau naitilen, Enden 
(grösste Weite des Geweihes) h \ DAB! un. 1,018 
Abstand der Spitzen der hintersten Enden BIBOi)..0,,: » 0,758 
„beider Rosenstöcke, oben de REN, he ce 0,200 
. „ er ‚„ unten . 0,246 


Grösster schiefer Durchmesser der Schaufel 
rechts (beschädigt) i ß z } BOB id. 0,490 


links . . 0,565 \\.v. N 0,590 
Dessgl. über (die pe Hl Schaufel 
gemessen rechts . . e a . 1,012 
links . ; 0,790 
Von der untern Seite des Roschelückh bis 
zur äussersten Spitze, rechts . } 0,660 
links ; ; 0,750 


Die auflallendste Maas - Verschiedenheit ist demnach bei a&r viel 
beträchtlicheren Grösse des fossilen Geweihes, der viel geringere Ab- 
stand der Rosenstöcke von einander und selbst noch der untersten ‚resp. 
vordersten Sprossen. Das fossile Geweihe hat 9 Sprossen an jeder 
Stange, wenn nicht noch einige abgebrochen sind: sie gehen strahlen- 
förmig von der breiten Schaufel aus. Die Stangen der lebenden Art 
haben 8 Sprossen, wovon an der rechten Schaufel zwei nur sehr klein 
sind. Jede Schaufel ist durch einen tiefen Einschnitt zwischen dem 
Aten und 5ten Sprossen in einen- hintern grösseren , mehr horizontalen 
und nach hinten gerichteten, und in einen vorderen kleineren Ast getbeilt, 
dessen Sprossen kürzer sind, und mehr aufwärts streben. 


Ca. Levemer: Beschreibung eiwiger neuen fossilen Kon- 
chylien im Dept. der Voralpen. (Me&m. soc. geolog. de France, 1836, 
uU, ı, 313 — 815, Taf. XXII, XXIII) Es sind 4 Ammoneen-Arten, 
welche der Vf. beschreibt und in natürlicher Grösse abbildet, aus der 
Gegend von Castellane, wo ‚sie durch die Hrn. Emerıc zu Castellane und 
Divar an Kollegium zu Grasse in der unteren Abtheilung ‚der Kreide- ' 
Formation und (eine Art) im-Öxfordthon (RozET) entdeckt worden. Drei 
derselben bilden ein neues Genus, das sich durch die getrennten Um- 
&änge seines Gewindes auszeichnet. 

1. Erioceratites, Widderhorn: testa discoidea spiralis, anfrach- 
bus ’spirae non 'contiguis ; ne lobis et sellis conpositis; 'se- 
phone dorsali. 
1.Cr. Duvarıı, Tf. XXU, Fg.1 ab. Schaale zusammengedrückt, 

Mündung längliefl; die Seiten mit entferntstehenden einfachen Rippen, 


i 


RE Ve u ae 


welche über den Rücken fortsetzen und jederseits nächst der Mittellinie 
desselben einen spitzen Höcker tragen, und mit [je 12—15] sehr feinen, 
bognigen, einfachen und ebenfalls über den Rücken ziehenden Streifen in 
den ungleichen Zwischenräumen zwischen den ersten; Bauch etwas kon- 
kav, mit nach vorn konvexen Querstreifen,. Ein Exemplar von etwa 
21° Durchmesser aus Oxfordthon von Cheiron, im N.W. von Castellane. 


-% Cr. Honorarzi, Taf. XXU, Fg. 2a b. ist dem vorigen ähnlich. 
Doch sind die Streifen dicker, kantig, fast gerade; die Streifen erheben 
sich erst gegen den Rücken hin, aber ohne einen BHöcker zu bilden 
[der Rücken scheint gekielt], die Mündung verlängert oval, der schmale 
Bauch ist ebenfalls konkav und mit nach vorn konvexer Queerstreifung 
versehen. in Kreideschiehten über Grünsand am Berge Destourbes, S.W. 
von Castellane von Emerıc gefunden. Das Exemplar besitzt nach der 
Abbildung 0m14 Durchmesser. [Hr. Puzos hat mir so eben den Gyps- 

" Abguss eines andern Exemplars von da gesendet, das 24 Umgänge und 
om44 oder 163‘ Durchmesser hat. Der letzte Umgang ist 0m10 dick und 
om 12 hoch. 

3. Cr. Emerıcıı, Taf. XXI. Fg. 1 ab. Seiten flach, gegen den Rücken 
und den Bauch sich gleichmässig abrundend; die dieken Rippen einander 
etwas genähert, jede drei Höcker auf der Seite, gegen den Rücken und den 
Bauch tragend. so dass dieselben jederseits drei Reihen bilden; zwischen ihnen 
je drei deutliche, etwas kantige, einfache, sehr bognige, über den flachen 
schmalen Rücken fortsetzende Streifen. Der Bauch breiter als bei vori- 
gen, konkav, queergestreift, indem die Rippen sich über denselben hin 
in Streifen auflösen. Mit vorigem. Emeric und Duwvan besitzen jeder 

- ein Exemplar. Das abgebildete hat om13 Durchmesser. 


(Wären diese Exemplare vollständig, so würden sie wahrscheinlich 
ein gerade ausgehendes ungekammertes Ende haben, wie die folgende. Br.) 


4. ScaphitesPuzosi n. sp. Tf. XXI, Fg. 2. Exemplar undeutlich, 
im Anfang mit2—3 Umgängen, deren letzter schnell an Dicke zunimmt, 
dann gerade ausgehet. Oberfläche mit feinen Queerstreifen bedeckt, 
zwischen welchen von Strecke zu Strecke sich eine stärkere Rippe er- 
hebt, welche auf der Mitte der Seiten und gegen den Rücken hin zwei 
Höcker trägt. Streifeu und Rippen eingetheilt. — Mit vorigen. [Durch- 
messer des Gewindes 0,023, der gerade Theil 0,n25, die Umgänge 
scheinen aneinanderliegend gewesen zu seyn]. 


— 


Lirter: über die Süsswasser-Bildung von Sansan, Gers, 
und die darin vorkommenden Vierfüsser-Knochen. (Bullet. 
geol. 1836, VII, 217—220). Der Vf. hat im @ers-Dept. seine früher 
bei Simorre begonnenen Nachgrabungen auch an andern Punkten, mit 
Erfolg fortgesetzt, und namentlich in Sand und Molasse und darunter 
liegenden Süsswasserkalken bei Sansan eine Menge fossiler Thiere ent- 
deckt, von welcher er hier folgende Liste mittheilt. 


— 557 — 


I. Mastodon. 
1. M. tapiroides Cuv., unsere grösste Art, Zähne fast wie bei’m 
Obio-Thier. 

2. M. tapiroides minus: Zähne um % kleiner. 

3. M. angustidens, wie zu Simorre. 

4. M. angustidens minus, Zähne um # kleiner. 

5. M. minutus: die mitteln Zähne mit 6 Spitzen sind nur 0m 04 lang 
und 0m03 breit, mithin wohl noch kleiner, als bei der von CroizEer und 
JoBERT in Auvergne gefundenen Art. 

6. M. ..... wenige Reste deuten eine sechste Art an. 

I. Dinotherium: Knochen nieht selten, aber fast stets zersetzt. 

7. D. giganteum Kaur; 1 Mahlzahn und 1 Stück Schulterblatt 
hat der Vf. ans Pariser Museum gesendet; desgl. von 

8. D. seeundarium Kaur; einige Mahlzähne und einen ? untern 
Schneidezahn, 


. Ill. Rhinoceros. 

9. | 

10. ) in Sand und Molasse: nur einige Backenzäune von 3 Arten; 

11. 
aus dem Süsswasserkalk darunter stammt eine weit grössere Menge 
Knochen von 3 andern Arten; der Vf. hofft, dem Museum zu Paris bald 
hinreichendes Material zusenden zu können, um die Skelette zweier 
Arten davon fast ganz und das des dritten grösstentheils zusammenzu- 
setzen. 

12. Rh. tetradactylus longimaxillaris: Vorderfüsse mit vier 
Zehen , von welchen aber der vierte, wie beim Tapir, den Boden "nicht 
erreicht; Hiuterfüsse mit 3 Zehen ; untere Schneidezähne 2, breit, spitz, 
dreikantig, unten gerundet und gleich den Eckzähnen ohne deutliche 
Wurzel; Backenzähne länger als bei ‚der folgenden Art; die oberen 
Backenzähne auch abweichend gebildet. Wahrscheinlich nur 1 Horn. 
So gross wie die einhörnige Art von Java. (Cuvıer hatte seinem eben 
so grossen Rh. ineisivus zwei Hörner zugeschrieben.) 

13. Rh. tetradactylus brevimaxillaris: Zehen wie bei vori- 
gem; die Grösse minder beträchtlich, die Glieder schlanker; die Kinn- 
laden auffallend kurz ; Schneidezähne unten auch nur 2,und dreikantig, 
aber kurz, stumpf und ohne besondere Wurzel. 

14. Rh. — — ist kleiner, als die 2 vorigen; die Backenzähne ste- 
hen rücksichtlich ihrer Länge zwischen diesen in der Mitte; die oberen 
sind auch abweichend gebildet; die Vorderfüsse unbekannt. 


IV. Palaeotherium. 
15. P. equinum: verschieden von der Art von Paris ; verwandter 
jener von Orleans; nähert sich dem Pferde durch seine Extremitäten. 


V. Anoplotherium. » 


16: ! ‚zwei Arten. 
17.) 


_— 38 — 


- VL Sus: einige Schwein-artige Thiere, wuvon aber nur wenig 

Knochen vorgekommen sind. 
VII. Cervus. 

‚19. \ \ - 
‚20. t y ü . 
21. \ Die grösste Art so gross, als der Edelhirsch. 
22, 
23. 


| 24. C. pygmaeus: nur von den Dimensionen der kleinsten An- 
tilopen. 


VII. Amphicyon: ein neues Geschlecht sehr grosser Ranbthiere, 
wovon der Vf. dem Museum zwei halbe, Kinnladen und einige Knochen 
gesendet hat, Seine Schneidezähne sind einlappig, seine Eckzähne zu- 
sammengedrückt (die ersten Backenzähne olne abgesonderten Fortsatz), 
alles fast wie beim Waschbären; der Fleischzahn und die zwei ersten 
Höckerzähne wie beim Hunde. Wodurch aber 'dieses Thier sich von 
allen andern Raubthieren zu unterscheiden scheint, das ist ein dritter 
Höckerzahn im Oberkiefer. 

IX. Nager: mehrere Arten. 
X. Schildkröten. 
XI Vögel. | 

Damit finden sich Cyclostomaä elegans, Bioiines lubrieus, 
Limnea ?stagnalis und 2 andere Arten; Helix: 6 Arten, ven wel- 
chen mindestens 2 nea sind, eine Potamides- oder Melania- Art, 
welche den Mund links hät ; 3 Planorben, 2 Pupen, 1=2 Anhcylus-Arten, 
eine Testacella? | 

Der Vf. gesteht übrigens ein,“ dass er in dieser Art von Untersüu- 
chungen ein Neuling seye. Doch hat er sich mit Bramvruin desswegen 
bereits in Verbindung gesetzt. 


Larter: über die fossilen Knochen des Gers-Dopt. (Bericht 
an die Akademie 1837, 16. Jänner, ’Instit. 1837, V, 18—19). Die Zahl 
der bekannt gewordenen Säugethier-Arten beläuft sich schon auf 30, 


Die wichtigsten Gebeine, welche man entdeckt, sollen an das Pa- 
riser Museum abgeliefert werden, und De BrammvirLe sie untersuchen, 
Der obere Süsswasser- Sand und - Sandstein von Simorre, Tourron, 
Lombez u. s. w. haben Dinotherium giganteum, D. Secunda- 


rium, — gegen 5 Mastodon-Arten, worunter eine neue kleine, — 
3 Rhinoceros- Arten, — Backenzähne eines kleinen Schwein-artigen 
Thierss, — Geweihe-Stücke eines kleinen Hirsches, und einen grossen 


Wiederkäuer, wohl einen Ochsen, von 6' Höhe geliefert. 
In der Süsswasserbildung von Sansan fehlen die Dinotherien; 


/ 


— 359, — 


Mastodonten sind selten; — Rhinocerosse sind dagegen sehr 
häufig, drei Arten, welche von den obigen abweichen in der Grösse, 
durch die Form ihrer Schneidezähne, die Länge ihrer Kieferbeine ; sie 
haben vier Zehen vorn (den kleinen Zehen mehr, als die lebenden Ar- 
ten) und scheinen kein Horn auf der Nase besessen zu haben, da die 
Nasenbeine sehr dünne sind und auch im spätesten Alter nicht miteinan- 
der verwachsen; dabei kommt 1 Palaeotherium vor, etwas grösser 
als das P. medium von Montmartre, in, der Zahnbildung aber dem 
P. Aurelianense nahe stehend; seine Extremitäten sind denen des 


Pferdes auffallend äknlich; — auch eine Anoplotherium-Art, so 
gross als ein mittelmässiges Rhinoceros, — und noch ein kleiner Wie- 
derkäuer mit Backenzähnen wie bei Anthracotherium. — Drei 


Hirsche, welche alle beständig gabelföürmige Geweihe besitzen, wovon 
die Enden nach vorn und hinten gekehrt sind und auf einer senkrechten, 
nach Verschiedenheit der Arten mehr oder weniger hohen Stange stehen. 
Die „grosse Art“ hatte 5’ 6° am Widerriss, und ihre oberen Backen- 
zähne sind inwendig an der Basis verdickt; die „zierliche“ Art war et- 
was grösser, als unser Reh, und durch ihre leichte Form auszeichnet; 
die „schwerfällige“ Art dagegen besass bei einem Kopfe, etwa so gross 
wie bei voriger, nur kurze Beine und nur 18°°— 20‘ Höhe, beim Männ- 
chen eine längere Geweihstange und Eckzähne. Die Backenzähue wei- 
chen fast generisch von denen der vorigen ab, um sich denen der Dick- 
häuter zu nähern, und die Fussröhre (Mittelhand) besteht in der Jugend 
aus 2 getrennten Knochen, welche später miteinander verwachsen, so dass 
äusserlich nur ihr unteres Drittheil ganz, und die innerlichen Markröhren 
auch oben stets durch eine doppelte Kuochenwand getrennt bleiben ; der 
Tarsus besitzt ein Knöchelchen weniger, als bei andern Wiederkäuern, 
indem das Keilbein durch einen Vorsprung der innern Hälfte der Fuss- 
röhre ersetzt wird, deren Kopf mithin sich unmittelbar dem Kahnbein 
verbindet. Aus diesem Grunde muss die äussere Hälfte der Fussröhre 
weiter hinabreichen, als die innere, und das Thier nöthigen, seine 
Beine auswärts zu setzen und die Leichtigkeit seiner Bewegungen ver- 
mindern. Hinter dem oberen Kopfe dieser Fussröhre ‘bemerkt man Spu- 


ren zweier anderen Zehen. — Ferner findet sich eive Antilope, die 
sich durch die Gestalt und Richtung der Knochenkerne ihrer Hörner der 
Gemse der Pyrenäen nähert. — Endlich hat L. einen kleinen Wieder- 


käuer von 12”—13‘' Höhe gefunden, dessen vorderen Backenzähne ganz 
mit denen der gleichzeitigen Hirsche übereinstimmen, während die hin- 
tern gänzlich von denen der Hirsche abweichen. Er glaubt, dass biezu 
auch ein Schädelstück mit dem Knechenkerne eines Hornes gehöre, wel- 
cher 10° Länge, 3°’ Dicke besitzt, wie beim Ochsen hohl ist und eine 
seitliche Biegung besessen haben mag. — Vom Geschlechte Amphieyon 
kommen Reste mehr als einer Art vor; sie sind begleitet von denen 
eines wirklichen Hundes, einer grossen Katze, eines mit der Ge- 
nette verwandten Thieres von der Grösse: unseres Fuchses, — Unter 
den zahlreichen Nagethieren ist bis jetzt nur ein kleiner Hase von 


—- 360 — 


der Grösse einer Ratte bestimmt worden. — VorEdentaten muss eine 


sehr grosse Art hier gelebt haben. Sie hat Klauen-Glieder der Füsse 
hinterlassen, ähnlich demjenigen von Alzey, welches Cuvıer einem Rie- 


ar. 


sen-Pangolin [Kaup dem Dinotherium] zugeschrieben; sie sind eben- ' 


falls vorn gespalten und ohne Knochenscheide zur Aufnahme der Basis 
der Klaue, aber verhältuissmwässig höher, kürzer und dünner, als das 
obige. Dieses Thier hat auch Backenzähne besessen, wodurch es von 
den Pangolinen abweicht; sie bestehen aus einer nicht sehr dichten EI- 
fenbein-Masse, sind ohne Schmelz und ohne Wurzel; sie ragten nur 
wenig aus der Alveole hervor und konnten höchstens zum Zerdrücken, 
nicht zum Zerkäuen der Nahrungsmittel dienen, welche demnach wohl 
animaler Art gewesen seyn müssen, wenn sich nicht Früchte dazu ge- 
sellten. Die Füsse waren sonderbar gebildet: jede erste Finger-Phalanx 
nimmt, wenn sie ausgestreckt liegt, den Kopf des entsprechenden Mittel- 
handknochens, statt dass beide sonst mit den Enden aneinanderstossen, 
in eine rundliche nach hinten sehr erweiterte Vertiefung der oberen 
Seite auf, welche Vertiefung mitten au: ihrem hinteren Rande einen Aus- 
schnitt besitzt, in welchem sich die mittle Kante bewegt, die sich 
am Kopf des Mittelhandknochens befindet. Hiedurch wird dem auf dem 
ersten Phalangen ruhenden Körper - Gewichte eine hinreichende Unter- 
stützung geboten, ‘um den Gang bei den grossen und wohl nach unten 
ungeschlagen gewesenen Klauen zu erleichtern. 


Der wichtigste und neueste Fund LArter’s besteht aber in einem 
Unterkiefer mit allen seinen Zähnen: 4 Schneide-, 2 Eck-, 4 Lücken- 
und 6 Backen-Zähnen, deren mithin 16 im Ganzen siud, welche in un- 
unterbrochener Reihe stehen, gerade wie beim Menschen und einigen 
Affen. Die Schneidezähne sind von denen des Menschen nur wenig 
verschieden ; doch etwas mehr nach vorn liegend; der Eckzahn ist spitz 
und vorstehend, doch weniger, als bei den meisten Affen. Der erste 
Lückenzahn hat nur einen starken Höcker, statt der zwei beim Men- 
schen ; der zweite aber hat deren zwei, wie hier. Die drei Backen- 
zähne sind wie beim Menschen beschaffen, nur dass der hinterste etwas 
länger ist; sie haben alle vier im Quadrat stehende Höckerchen, sind 
in dem Verhältnisse abgenutzt wie bei einem etwa 40jährigen Menschen, 
aber nur von deren halber natürlicher Grösse. Die Ausmessungen ergeben: 


Länge der 5 Backenzähne zusammen . . Paar .. 0,029 
Höhe des Kiefer-Astes in seiner Mitte : A . E ‚0014 
Erhebung der Eckzähne über die ersten Lückenzähne . 0,004 


. Diese Kinnlade -Jag mit einer nicht dazu gehörigen Phalanx, mit 
Hirsch-, Anoplotherium und Palaeotherium-Resten zusammen 
in einem Mergel, den eine regelmässige Kalkstein-Bank bedeckte. Sie 


rührt daher von einem Affen von einigen und 30’ Höhe aus FR Zeit 
der Paläotherien her. 


\ 


= Mi 


LirTer hat nach einem späteren Berichte am 17. April 1837 (U’Instit. 
1837, 126) der Akademie eine Zeichnung der Kinnlade übersandt, die 


ihm von einem Gibbon herzurühren scheint. Andere Quadrumanen- 


Reste sind: ein oberer Backenzahn mit 4 etwas ungewöhnlich gestellten 
Tuberkeln ; eine Phalanx des kleinen Fingers, 2 Oberhälften vom Femur, 
2 Cuboid - Beine des Tarsus, und ein Unterkieferstück mit 3 Paaren 
Schneidezähnen und sehr starken Eckzähnen, das er einem Maki zu- 
schreiben möchte. 

Auch hat er einige Vögel-Reste gefunden, zum Theil von kleine- 
ren Arten, als jetzt in denselben Klimaten leben; dabei ein Ey, dessen 
Inneres in Kalkspath verwandelt ist, von nicht ganz 2‘ grössten Durch- 
messers. | 

Von Insektivoren ein halber Unterkiefer einer Fledermaus, 


mit mehr Lückenzähnen als gewöhnlich und mit nur rudimentären Schneide- 


zähnen; und ein Kieferstück von der Grösse und vielleicht Beschaffen- 
heit, wie bei der Spitzmaus. 


Sehr merkwürdig ist der normale Schneidezahn eines Riesen-Säuge- 
‘ thiers, nämlich von Meisel-Form mit einer unterschiedenen Wurzel, und 
welcher andere ähnliche neben sich gehabt haben muss; — jedoch ist 
die zylindrische Wurzel unten abgebrochen, und die Krone, von welcher 
nur wenig am Ende mängelt, hat nicht weniger als 11° Länge auf 


4°" grösster Breite; die sehr dichte Elfenbein-Substanz liegt in horizon- 


talen Schichten senkrecht übereinander, ist auf dem Queerschnitte matt ' 


und ohne alle Streifung,, wie man sie an Elephanten - Zähnen bemerken 
würde; eine deutlich unterschiedene 0,001 dicke Lage von Schmelz umgibt 
‚den Kern, welcher aber nicht die nadelähnliche Struktur des gewöhnlichen 
Schmelzes besitzt und, ausser der Richtung der Fasern, viele Ähnlich- 


keit mit der Elfenbein-Substanz des Zahnes hat. 
N 


\ 


De Bramvirue: über den Schädel des Dinotherium gigan- 
teum (U’Instit. 1837, S. 93— 94). Die Tranzösische Akademie hatte 
bekanntlich die Kosten bewilligt, um. den Dinotherium-Schädel nach 
Paris kommen zu lassen. Bramviırze theilte dann nach dessen Unter- 
suchung der Akadeinie (20. März) seine Ansichten mit. Er hält das Di- 
notherium für ein Geschlecht, welches mit dem Dugong und Laman- 
tin die Familie seiner Wasser-Gravigraden ausmacht; der Elephant, 
das Mastodon und Tetraucaulodon bilden die Land-Gravigraden. — Es 
würde daher nach seiner Meinung den Tapiren. womit es Cuvier 
verbunden, viel näher bleiben, als den Edentaten, welchen es Kaup 
zugesellen will. 


Die Backen-Zähne haben eine Form, wie beim Lamantin, Tapir, 
Lophiodon und Känguruh. Ihre Zahl ist 5. Die Lücken- und die Eck- 
zähne mangeln gänzlich, so dass vor den Backenzähnen eine grosse 
Lücke entsteht, wie unter den eben genannten Geschlechtern nur beim 


‚ae 


SR 
Bi 


= 1 = 


Lamantin. Auch sind die Schneidezähne,, wie: bei diesem und den Ele- 
phanten, Stosszahv-artig, nur dass sie im Unterkiefer stehen. Der be- 
schädigte Vorderrand des Oberkiefers lässt nicht entscheiden, ob derglei- 
chen auch in. diesem vorhanden seyen; aber die breite und dicke Ge- 
stalt eines dem Vorderende angehörenden, einige Jahre früher gefunde- 
nen Bruchstückes lässt vermuthen, dass solche auch oben vorhanden ge- 
wesen, aber kleiner, und vielleicht nur als Rudimente. 

Am Schädel sind die Gelenkköpfe ganz hinten am Ende und 
horizontal gerichtet, wie bei den Lamantinen und zahnlosen Cetaceen. 
Die Hinterhauptfläche ist breit, fast senkrecht, sogar von vorn 
nach hinten geneigi, in der Mitte mit einer tiefen ie zur Insertion 
eines starken Nackenbandes oder mächtiger Aufrichte-Muskeln des Kopfes, 
und der Grundtheildes Schädels ist schmal, die Syucipito-Frontal- 
Gegend aber flach und sehr breit, wie bei den Liamantinen und Du- 
gongs. — Die Schläfengrube ist sehr tief und breit, was auf ‚unge- 
heure Aufhebe-Muskeln des Unterkiefers nicht allein zum Kauen, sondern 
auch zum anderweitigen Gebrauche seiner hakenförmigen Stosszähne deutet. 
Mit dieser grossen Grube isi ein breiter, dicker, vollständiger Jochbo- 
gen, wie man noch aus der Gelenkfläche der ihm entsprechenden 
Knochen schliessen kann (denn er fehlt jeizt), vollkommen in Einklang 
gestanden, gerade wie bei den Lamantinen, aber vielleicht: war er ohne 
' deren grosse Ausbreitung des Juchfortsatzes des Schläfenbeins. — Die 
Augenhöhle ist, wie bei diesen Tbieren, sehr klein und seitlich, aber 
breit in die zygomatische Grube geöffnet. Das. Ohrloch ist klein, eng, 
etwas schief von unten nach oben. — Das Antlitz ist breit, platt, 
und wird nach vorn noch etwas breiter, wie bei den Cetaceen ; in seiner 
Mitte besitzt es eine sehr grosse Öffnung, ganz analog, obschon viel 
grösser und breiter, wie beim Dugong. Die hintere Nasenöffnung 
aber ist sehr enge. Das Suborbital-Loch ist beträchtlich, doch viel- 
leicht nicht so sehr, wie am Dugong. 

Der Unterkiefer hat mit dem des Dugongs ebenfalls die grösste 
Analogie in der Art, wie seine Äste im vorderen Drittbeil ihrer Länge 
nach unten gekrümmt sind. Aber da dieser Kiefer vorn die mächtigen 
zurückgekrünmten Stosszähne zu tragen hat, so ist hinten sein Gelenk- 
kopf queer zylindrisch, wie bei den Raubtbieren, damit er sich nicht an- 
ders, als senkrecht auf und ab bewegen könne. 

Diess Tbier war daber ein Dugeng mit Stosszahn-förmigen Schneide- 
zähnen. Man'muss daher auch weiter annehmen, dass es nur vorn ein 
Paar Extremitäten mit 5 Zehen besessen. Die grosse vordere Nasen- 
öffnung, die breiten sie umgebenden Flächen, die Weite des Loches für 
den Suberbital- Nerven haben zwar auf einen Rüssel schliessen lassen ; 2 
vielleicht deuten sie aber noch eher auf eine starke Entwicklung der 
Oberlippe und die einem Wasserthiere, wie eben auch dem Dugong, 
nöthige Modifkation der Nasenlöcher hin. Die Oberlippe mag die Uu- 
terlippe und die Basis der Stosszähne Ynifasst haben ; die untere mag 
nur klein seyn, HR, die Kinnlöcher nur klein sind. 


Bu 
Br. glaubt nicht, dass der bekannte, von Cuvırr einem Manis zu- 
geschriebene Krallen-Phalanx, welchen Kaur dem Dinotherium gegeben, , 
wirklich diesem gehöre, da Larrer eben solche Phalangen in Gesell- 
schaft eines Zahn-Bruchstückes gefunden hat, welches offenbar von einem 
Manis abstanımt. 


P 


Dumsriz (1. c. p. 94) bestätigt die Ansichten Bramvizıe’s , macht 
nochmal insbesondere auf die Form des Unterkiefergelenkes aufmerk- 
sam, und bedauert, dass der Jochbogen fehle, dessen Vergleichung _ 
mit dem des Megatherium interessant gewesen seyn würde. Die Kral- 
len-Phalangen der Lamantine sind weit abweichend von der oben er- 
wälhnten , welehe offenbar denen der Faulthiere analog ist. 


E. Rogerr meldet in einer spätern Sitzung (27. März, 1. c. p. 101), 
dass, da er vor einiger Zeit Lämantine habe im Senegal fischen sehen, 
15 —ı8 Stunden über dessen Mündung, auch das Vorkommen jenes 
fossilen Wasser-Gravigraden so weit landeinwärts, mitten zwischen Land- 
thieren und unter Süsswasser- und Meeres-Bildungen nichts Befremdendes 
mehr habe. Das Dinotherium möge den Rhein binaufgestiegen seyn zu 
einer Zeit, wo solcher vielleicht uoch breiter gewesen und noch nicht 
so weit bis zum Nicer hatte. i 


Dr. Kaur meldet der Akademie (!’Instit p. 189), dass er von seiner 
Ausicht rücksichtlich des Dinotherium nicht abgehen könne, und es 
daher fortwährend mit LavurıLzarp zu den Pachydermen, und zwar 
neuerlich neben Hippopotamus stelle; dass es ein Wasserthier sey, 
damit sey er einverstanden. 


Strauss meldet (i6i.2.), dass er von ganz andern Basen als BLaın- 
VIELE, nämlich von der Betrachtung des Schädels ausgehend, zum nämli- 
eheu Resultate, wie dieser, rücksichtlich der systematischen Stellung des 
Dinotherium gelangt seye. 


D. Wırcıams: über die Knochen gewisser Thiere, welche 
neuerlich in der Magnesiankalk-Breecie von Durdham-Down 
bei Bristol gefunden worden. (Lond. a Edinb. philos. Journ. 1835, 
YI, 149—150). Dieses Konglomerat hat bisher fast gar keine fossile 
Reste geliefert, weil seine Entstehung in bewegtem Gewässer deren 
Erhaltung nicht günstig gewesen seyn mag. Doch sind in genannter 
Gegend neuerlich Knochen vorgekommen, welche Dr, Rırzy und StuchBuRry 


‚als solche von Sauriern erkannt haben. Sie sind scharfkantig, wie 
s . 


= 04 = 

die Kalkstücke des Konglomerats selbst, und mit diesen so innig ver- 
bunden, dass sie eine Knochen-Breccie darstellen. Der Vf. selbst schreibt 
sie wenigstens drei Thier-Arten zu, ‘deren Grösse von der der Dra- 
eaena Lacer. bis zu den kleineren Formen der Monitoren wechselt. 
Er selbst besitzt ein kleines Kieferbein mit 6 getrennten Zahnhöhlen, 
deren eine einen jungen Zahn enthält, dessen Spitze bis zum Oberrande 
des Kiefers reicht. Er ist vom Grunde bis zur Spitze hohl und besteht 
aus einer dünnen Elfenbein-Lage in einer noch dünneren Schmelz-Scheide. 
Er ist, dreieckig, die Spitze scharf, der Körper angeschwollen, der Rand 
auf jeder Seite der Spitze abwärts regelmässig gekerbt. Dieses Kiefer- 
bein scheint dem Vf. einem Thiere angehört zu haben, das die Krokodile 
mit den Eydechsen verband. 


H. Rırey und SrurcHhgeuryv Beschreibung einiger Fossil- 
Reste von drei Saurier-Arten, welche im Herbste 1834 im 
Magnesian-Konglomerat von Durdham-Down bei Bristol ge- 
funden worden. (Lund. a Edinb. philos. Magz. 1836, VIII; 577— 579.) 
(Vergleiche Seite 363.) Das Konglomerat liegt auf dem Ausgehenden der 
geneigten Schichten des Bergkalkes, füllt die Vertiefungen seiner Ober- 
fläche aus, besteht aus eckigen Bruchstücken von Kalkstein in eine do- 
lowitische Masse eingekittet. Da, wo es die fossilen Knochen enthält, 
hat es nicht über 20° Mächtigkeit. Diese deuten 3 Thierarten an. 

Zwei davon gehören dem neuen Genus Palaeosaurus, dessen 
Zähne sich durch seitliche Knoten auszeichnen, welche rechtwiukelig zur 
Achse sägezähnig sind. Kleinere Verschiedenheiten in den Zähnen, welche 
‘sich von denen aller den Vfn. bekannten Saurier unterscheiden, bestim- 
men sie zur Annahme zweier Arten, des P. cylindricum und P. 
platyodon. 

Die dritte Art, das Genus Thecodontosaurus bildend, hat die 
Zähne in getrennten Alveolen. Das Museum des Bristoler Instituts 
besitzt unter Anderem, hievon den rechten Ast eines Unterkiefers von 
31‘ Länge und 14°‘ grösster Höhe bis zur Spitze der Zähne, und besteht 
aus dem Dental-Bein mit 21 Zähnen und aus Theilen der Subangular- 
‘und Complemertar-Beine. Die Alveolar-Grube wird gebildet durch zwei 
Leisten von fast gleicher Höhe, zwischen welchen die Zähne bis zu fast 
der Hälfte ihrer Höhe in, getrennten Alveolen stecken. Sie ähneln ihrer 
Form nach etwas einer chirurgischen Abscess-Lanzette, sind scharf zuge- 
spitzt und zusammengedrückt, am Vorderrande konkav gebogen, scharf ge- 
zähnelt, die Zähnchen gegen die Spitze des Zahnes gerichtet. Der mittle 
Zahn ist am grössten und steht 1’ hoch hervor. Alle enthalten eine 
kegelförmige Höhle, und an einem Zahne sieht man in dieser einen jun- 
gen Zahn stecken, woraus die Vf, eben folgern, dass diese Theile von 
einem Saurier, aber nicht von eigentlichen Lacerten herrühren, wie schon 
durch die gleiche Beschaffenheit bei den Zahnleisten ausgedrückt ist. 
Auch von denen der Krokodile unterscheiden sie Form und Befestigung 


— 3065 — 


der Zähne. Die Monitoren ‚haben nicht ‚die hohe innere Zahnleiste, die 
getrennten Alveolen, die bohlen Zähne, die Bildung junger Zähne in den 
‚Höblen der alten, noch .die grosse Anzahl ‚derselben; die Iguan.e ‚und 
Sceinke nicht die getrennten Alveolen, die innere Zahnleiste, ‚die Spitze 
und ‚den sägeartigen Band der Zähne. 


Mit diesen Resten zusammen sind viele andere gefunden worden, 
‚von .denen sich aber nicht angeben lässt, zu welchen von "beiden :Ge- 
‚schlechtern sie einzeln gehören. Ausführlicher :werden beschrieben : 
Wirbel, welche sich ‚sogleich dadurch unterscheiden, dass ihr senk- 
rechter und queerer Durchmesser in der Mitte ihrer Länge. auf die 
Hälfte vermindert ist, wodurch sie die Gestalt einer Sanduhr' erlangen, 
und dadurch dass die Endflächen des Wirbelkörpers sehr konkav und 
dass die Fortsätze mit dem ringförmigen Theile oder dem :Körper des 
Wirbels durch Nähte verbunden «sind. Ein fast vollständiges Gabelbein 
von einem Wirbel; — Rippen: .die ‚einen flach und unvollständig, die 
andern stielrund mit doppeltem 'Kopfe und tiefer Zwischenrippengrube ; 
— ein Schlüsselbein; — Theile vom 'Rabenschnabel; — ein Oberarm- 
bein, dessen Gelenk-Enden fast 3mal so breit als ‚die Mitte des Kno- 
chens sind; — ein anderes, ‘welches 7°’ lang, oben :2'’ und am -unitern 
Ende 14‘ breit ist; — zwei Oberschenkelbeine, wovon eines, fast voll- 
ständig, 10° Länge besitzt; — Theile eines Ischium; — eine Tibia ; 
— eine Fibula; — Mittelhand- und Mittelfuss - Knochen, mit vorletzten 
und Klauen-Phalangen dabei. 


Jory: Notitz über eine neue Knochen-Höhle bei Wabrigas 
(Bibl. univers. 1835, Sc. et Arts, LVIII, 349—394). :Herr Jurıe hat 
diese Höhle zwei Stunden von Meyrueis im Lozere-Dept. entdeckt, :und 
MarceL DE SerRES bereits eine Notitz darüber im Echo du monde .sa- 
vant, Nro 29 und im Memorial encyclopedique, Nro.47 witgetheilt. Von 
Meyrueis nach Nadriygas kommt ‚man «durch .das von der Junte .durch- 
strömte Thal, dessen Wände ‚von ;steil ‚gegeneinander  einschiessenden 
Flächen aus Jurakalkstein ;gebildet:werden, über welchen sich ‚zerrissene 
Dolomit-Massen in Form: von ‚Piks und »von "Ruinen erheben. Der-Vf. 
erklärt es. ‚für ‚ein Trennungs-Thal nach -Bucrtann. “Die Höhle befindet 
sich zwischen .Julzas ‚und Meyrueis-auf.der.Ostseite des ‚Causse-Mejean, 
300m über dem Spiegel ‚der Junte im :Dolomit, welcher oft Sandstein- 
artig wird. und beim ‚leichtesten :Stosse ‚in »viele ‚kleine Körnehen zerfällt. 
"Der Eingang hat die Form eines Bogens von 89, ‚einem Radius von 3m 
‚entsprechend, ‚und ist nicht weit ven ‚einer Quelle entfernt. ;Unweit des- 
‚selben siud‘die Dolomit-Wände einige Dezimeter über dem Boden glatt 
und glänzend, wie von einer oft wiederholten Reibung. -Der vordere 
Theil der Höhle ‚bat den Bewohnern ‚der Gegend oft gedient, ihre Heer- 
den bei schlechtem Wetter unterzubringen, welche eine 14m hohe Mauer 
hinderte,, ‚sich in den hintero Theil derselben zu verlieren. Die Höhle 

Jahrgang 1837. i 24 


Mb 7; 


besteht aus einem grossen, etwa 300m langen Hauptgange, von welchem 
in verschieden grossen Abständen auf jeder‘ Seite sechs divergirende 
Arme abgeben, ‚welche zwar weniger lang als der erste, aber alle bis 
auf einen hoch genug sind, dass man aufrecht darin gehen kann. Die 
Decke des Hauptganges senkt sich nach binten immer tiefer herab, ist 
russig schwarz und lässt an einigen Stellen Wasser herabträufeln, wor- 
aus sich einige meistens dunkelfarbige Stalaktiten absetzen, Auck der 
Lehm am Boden hat eine schwarze Farbe, welche in den feuchteren 
Seiten-Armen einen Firniss-artig glänzenden Überzug zu bilden scheint, 
gegen welchen an einigen Stellen doch die weissen Stalagmiten abste- 
chen. Der Boden ist 15m vom Eingang entfernt mit einer ungeheuern 
Menge wahrscheinlich von der Decke gefallener und durch Verwitterung 
rundkantiger Dolomit-Blöcke bedeckt, unter welche sich viele Knochen-- 
Reste mengen, was man tiefer im Innern sich noch oft wiederholen 
sieht.‘ Doch sind die an der Oberfläche gelegenen Knochen gebräunt 
und mit einer dünnen Sandschichte lose überzogen, während die im 
. Boden eingeschlossenen eine schmutzig-gelbe Farbe haben. In einem 
der Neben-Arme muss man sich kriechend voranbewegen, so dass man 
annehmen darf, der Boden seye hier noch unverritzt: auch hier liegen, 
‚wie überall, sehr viele Bären- Knochen in und auf ihm, in Gesellschaft 
von Dolomit-Blöcken;, doch nirgends sieht man jene an die Decke befe- 
stigt; nirgends Geschiebe im Boden; die Knochen-führende Erde ist un- 
ter ihrer schwarzglänzenden Oberfläche röthlich-braun, hat die Konsistenz 
feuchten Thones und scheint mächtig bier zu lagern; bıs auf 141m Tiefe 
war eine Schichtung in ihr nicht zu finden. — Die vom Vf. gesammelten 
Knochen sind 1) von Bären: ein Schädel des U. ?arctoideus”); — 
3 ausgewachsene linke und 1 solcher rechter Unterkiefer ;- — eine Menge 
Zähne von Individuen jeden Alters; — 4 Schulterblätter, wovon eines 
nur 0,064 lang, mithin vielleicht von einem Fötus; — 1 ausgebildeter 
Humerus, mit wenig angegriffenen Enden ; — 3 Kubitus ; — 2 ausgebildete 
Tibien; — 3 solche Oberschenkelbeine; — 4 solche Speichen ; — mehrere 
Phalangen; — zwei junge Schädel, wovon einer unvollständig, in seine 
Beine zerlegt an der Oberfläche des Bodens gefunden worden, mit ganz 
frischen Suturen rings an diesen Beinen; — 5 sehr junge Unterkiefer mit 
2—3 Alveolen vor dem vorderen Mahlzahne; — 4 junge Oberarmbeine 
noch mit Epipbysen; 2Kubital-Beine und 2 Peroneen eben so: alle etwas 
kleiner als vom Höhlenbären. — 2) von Schafen: 2 rechte Unter- 
kinnladen ; 1 Oberarmbein, 1 Kubitus, 1 Calcaneum u. s. w. — 3) Eine 
‚Menge Vögel-Knochen, anscheinend von Nachtvögeln, besonders 
Eulen. — Ausserdem fand sich 4) ein sehr grob mit den Fingern ge- 
arbeitetes und nur an der Sonne getrocknetes Bruchstück von Töpferwaare 
von 0,m145 Breite, in dessen 0m 007—0m008 dicken Wandungen von 


y m 

*) Seine Dimensionen sind: von den Condylen bis zum Sckneidezahnrand 0 334 
von einem Jochbogen zum andern . - 0 236° 
Schädelhöhe ag un a 1 ET 


- 20. + 


braunem porösem Thone Kalkspath-Krystalle zerstreut liegen. Es lag 
zum Theil über dem Boden, und dieser Theil war inkrustirt.'— Die mei- 
sten Knochen lagen längs der Wände der Höhle, gewöhnlich horizontal; 
sie hängen stark an die Zunge und sind weniger gut erhalten und leichter 
als jene aus der Höhle von Mialet. Die Bären -Knochen lagen theils 
in, theils auf dem Boden; die Schaf-Knochen aber scheinen gleich den 
Vogel- Gebeinen nie in grosser Tiefe vorzukommen. Ob diese Schaf 
Gebeinc eine besondere Ähnlichkeit mit denen des Mufflon besitzen, 
konnte nicht ermittelt werden. MarceL DE Srrees hat angegeben (a. a. 
O.), man habe aus dieser Höhle auch Menschen-Knochen erhalten; 
allein der Unterkiefer, welchen er angeblich.von da besitzt, ist mit ei- 
ner Kalk-Kruste überzogen, nach Form und Farbe ganz so, wie an den 
Knochen von Mialet beschaffen; auch hat der Verf. sich selbst an Ort 
und Stelle keine Menschen - Reste verschaffen können. Er gelangt nun 
zu einigen allgemeinen Folgerungen; nemlich: 


1. Die Bären, deren Knochen wir finden, sind in der Höhle selbst 
umgekommen, so auch die Vögel, vielleicht auch die Schafe. 


2. Ein Theil des Lehm-Bodens ist erst dann in die Höhe gelangt, 
als die meisten jener Thier-Knochen schon in ihr umherlagen. 


3. Nun erst ist noch eine weitre Anzahl Bären darin gestorben. 


4. Diese Knochen waren meistens noch mit ihren weichen Theilen 
bedeckt, als das Wasser sie verschüttete. 


'5.. Sie haben ausserhalb der Höhle keine Abrundung erlitten; sie _ 
sind nicht gerollt. 


6. Der Mensch war vielleicht ein Zeitgenosse noch eines Theiles 
dieser Thiere. 


. Eine andere benachbarte Höhle ist die Baume-claire mit .einem un- 
geheuer grossen Eingange, auf den sich ihr Name bezieht; sie hat 
dem Verf. den Lendenwirbel und das Calcaneum eines Ochsen, und 
einige Unterkieferbeine von Schafen und Ziegen geliefert; doch 
‚hat er nicht viel unter der Stalagmiten-Lage nachsuchen können, womit 
der Boden dort fast überall bedeckt ist. 


Die Baume-obscure und die Baume-rousse, wie JuLıE sie nennt, 


haben ebenfalls nur wenige Gebeine von ganz jugendlichem Alter dar- 
geboten. 


S. G. Morton: über die fossilen Fisch-Zähne der Kreide, 
den. Galt in Alabama, und eine neue Eintheilung der Kreide 
in den Vereinten Staaten (Sır.ım. Amer. Journ. 1835, XXVIII, 276— 
278). Nach den Untersuchungen von Acassız enthalten die XI. und xH. 
Tafel der Synopsis of the Organie remains of the American Cretaceous 
Group folgende Arten: | 


24° 


- 6 = U 


1. Carcharias polygyrus Tf. XII, Fg. Alle auch in Europa 


2. 

q. sa lanceolatus „ „ y„ 35.Lin Kreide vorkommend, 
3. Hi megalotis „ » 54  }4, 6 und 8 in Kreide 
4. Galeus pristodontus »„ XI „6. /von Lewes in Sussex 
5. Lamna plicata vi, 3.\ mit. Saurocephalus 
6. » . Mantelli » ee, Manciformis undS, 
Dada ! ich lanuceolata ».».»5 [Leanus. der Verein- 
8. . acuminata a ten Staaten. 


Conkın fand zu Erie in Alabama kürzlich den Galt in Form eines 
sehr thonigen Klay’s auf; er ist wie in England beschaffen und enthält 
einen Inoceramus unbestimmbarer Art, wie der Englische durch den I. 
sulcatus bezeichnet wird. 


M. bringt die Amerikanische Kreide-Gruppe nun in 3 Abtheilungen, 
nemlich: 

1. Obre Abtheilung, allein von Conran beobachtet, von Monk’s 
corner, 30 Meil. N. von Charleston in S.C., bis Charleston selbst 
und nördlich von Vance’s ferry; sie wird bezeichnet durch Pec- 
ten membranosus, Terebratulä lacryma, Östrea cre- 
tacea, O. panda, Echinus infulatus. Diese Abtheilung ist 
sehr aufgeschlossen in einigen 'TFheilen West- Flöorida’s und im 
südlichen Alabama, wo sie den Nummuliten- Kalk von Claiborne 
bis St. Stephens in sich begreift, und zumal durch Plagiostoma 
dumosum, Pecten perplanus, P. Poulsoni, Nummulites 
Mantelli und Scutella Rogersi charakterisirt wird. Der 
Kalk hat helle Farben, ist porös, zuweilen zerreiblich. h 
Mittle Abtheilung, bekannt in den Grafschaften Gloucester 
und Burlington in N. J., und bei Wilmington, Nord-Carotina. Oft 
strohgelb, hart, diclit oder zerreiblich, auch krystallinisch. Sie wird 
durch Spätangus parastatus, Ananchytes fimbriatus, 
Ä. citietus, Nueleolites erucifer, Beleninites ?ambi- 
guus, Scalariaannulatä und Cidarites diatrefum kenntlich. 
3. Die untre Abtheilung, der Grün- oder Eisen- Sand, ist am 

verbreitetsten, bekanntesten, reicht von New-Jersey durch die gan- 

zen südlichen Staaten, ist in Arkansaw und Missouri und enthält 
hauptsächlich die in Morron’s Werk beschriebenen Versteinerungen. 


2 


Pu. Grey Esertron: Weitere Notitz über gewisse Eigen- 
thümlichkeiten in der Nacken-Gegend des Ichthyosaurus 
(Lond. a. Edinb. philos. Magaz. 1836, IX, 500). Der Verf. hat früher 
einen Knochen beschrieben, durch welchen eine festre Verbindung unten 
zwischen Atlas und Axis bewirkt werde (Jahrbuch 1836, S. 626). Er 
hat nun gefunden, dass 1. beide Wirbel bei den verschiedenen bis jetzt 
entdeckten Arten schon von frühestem Alter an, bei 4 bis zu 74 


‚ou 


1 


— m 


Durchmesser dieser Knochen, fest mit einander verwachsen sind‘, wenn 
gleich. äysserlich: eine scharfe Linie ihre Grenze bezeichnet; 2. dass der 
Knochen , wie. obiger: ist, drei vorhander sind, einer zur Ergänzung 
der Höhle des Atlas; (Atlantal: Socket), der zweite dem. Atlas und: Axis 
gemeinsam, ein dritter an Form ähnlicher, aber kleinerer an der untern 
Fläche des dritten Wirbels, und: er schlägt vor, alle drei Subvertebral- 
Keilbeine (Wedge bones) zu: nennen; — 3. dass die Wirbelsäule, vom 
nicht mittlen- Rückenwirbel an bis zum Atlas, sondern nur bis zum fünf 
ten Halswirbel an Durchmesser ab-, von da aber bis zum Hinterhaupt- 
beine. sehr. schnell wieder zu-nehme, indem der Durchmesser des Atlas 
um # breiter, als der des fünften Wirbels ist; 4. dass die einzelnen 
Halswirbel von einander unterschieden werden können: der Atlas an 
seiner Verbindung mit dem Axis, an der Gestalt der vordern Höhle zur 
Aufnahme der Basilar - Fortsätze ‘des Hinterhauptbeines, an der Abrun- 
dung des äusseren Randes, und an einer dreieckigen Gelenkfläche des 
"unteren Theiles des Umfanges für den ersten jener Ergänzungs-Knochen; 
der Axis an seiner Verbindung mit dem Atlas, an seiner untern Gelenk- 
fläche für das zweite .Hülfsbeinchen; der dritte Halswirbel an der Ge- 
lenkfläche für das dritte nur kleine Knöchelchen. Die Zwischenwirbel- 
höhlen des 4ten und sten Halswirbels sind kleiner, als an den Brust- 
und Schwanz-Wirbeln, und die vordre jedesmal viel ebener als die 
hintre. 


Zenker: zwei neue fossile Korallen-Arten (N. Act. Leo- 
pold 1835, XVII, 385—392, Taf. xxvım). Es sind: 

1. Lithodendron stellariaeforme Zenk. L. ramosum, CY- 
lindricum, striatum, laeve, cellulis plerumque 6; sinyulae in diametro 
transversali subobcordatis *). Am Speckbring am Dneistef: bei Han- 
nover ganze Bänke bildend, wo aus einem aschgraubläulichen Lias- 
Kalk die, gewöhnlieh etwas abgerundeten Enden frei hervorragen. Dicke 
1‘“— 3“! Par. Die ursprüngliche Korallenmasse ist durch einen rauch- 
braunen Kalkspath ersetzt, die Zellenräume sind mit heller Liaskalk- 
masse ausgefüllt. Der Querschnitt hat demnach Ähnlichkeit mit einer 
6- (selten 5-) blätterigen Stellarien-Blume, da nur 6 ganze bis zur Mitte 
gehende und 6 alternirende kürzere Stern - Lamellen vorhanden; sind, 
Ähnlich mit Lith, granulosum Goror., doch die N nicht 
gekörnelt, und die Lamellenzabl ist verschieden **), 

2. Syringites Zenk. nov. gen. Familie Tubuliporae ZENK. 
Massa (colonia). regularis, syringiformis, plana, utrinque deorsum re- 
gulariter sulcata, versus apicem subdilatata, basi coarctata, costis 


*) Der Verf. nennt Zellen die Zwischenräume zwisehen den Sternlameilen der Endi- 
gungen, welche man sonst gewöhnlich Zellen nennt. 
=*) Vergl. Lithod. sociale Röm. 


— BE 


(angulis) rotundatis tubis subeylindricis perpendicularibus, dissepimentis 
Connectivis haud conjunctis, basi hamatis in cristam communem parvam 
connatis. — Syringites imbricatus ZeEnk. costis obtusis, imbri- 
catis acutissimis parallelis, latere punctato-striatulis. In wahrscheinlich aus 
Kreide stammenden Chalcedon-Geschieben bei Hävre. Mit Calamopora, 
Eunomia und Microsolena verwandt. Das Fragment hat ungefähr 
einzöillige Dimensionen. An den Seiten laufen je. 1° breite, senk- 
rechte Rippen, wie die Röhren einer Pans-Pfeife, deren Zwischenfurchen‘ 
punktirt-liniirt sind, und welche Rippen gebildet scheinen aus den rei- 
henweise und dicht übereinander liegenden, abwärtsgekehrten, lang zu- 
laufenden und zum Theil hakenförmig eingebogenen Spitzen (5 in jeder 
Reihe) röhriger Zellen, von welchen der Zeichnung zufolge die unter- 
sten sich zwischen die höher beginnenden hindurchzudrängen und daher 
an-einem höher genommenen Queerschnitte mit kleineren, mehr oder we- 
niger«queergedrückten Mündungen auszugehen scheinen. [Der Bau die- 
- ses Korallenstockes tritt nicht sehr klar hervor.] . 


A. Quessteor : Bericht über die Leistungen im Felde der 
‚Versteinerungskunde während des Jahres 1835 (Wırem. 
Arch. 1836, II, 328 — 361). Wir haben aus diesem kurzen Berichte, 
‚einige Notitzen ausgenommen, dem Inhalte unseres Jahrbuches nichts 
beizufügen. Vieles ist daraus selbst geschöpft. Manche Angabe hätte jedoch 
vollständiger und, ohne Nachtheil für die Kürze, wenigstens richtiger 
seyn dürfen. Warum ist z. B. unter den Charakteren von. Actinoce- 
ras und Conoceras nicht auch die Abrundung der dicken Spitze mit 
bemerkt worden , wodurch sich diese Formen’ so rasch von allen Ortho- 
ceratiten unterscheiden? Warum bei dem zweiten Geschlechte nicht 
die konvexe Beschaffenheit der Scheidewände bemerkt, welche kein 
Orthoceratit hat? — Auch habe ich. nirgend gesagt, dass ich den 
Namen und resp. das Geschlecht Monotis nicht mehr beibehalten wolle, 
(S. 340); nur sehe ich die Arten Monotis decussata und M. sub- 
striata Münster schon läugre Zeit nicht mehr als Glieder dieses Ge- 
‘ schlechtes an. Dass meine Vereinigung von Terebr. Grafiana Buch 
mit T. lacunosa nicht anerkannt werden könne, ist ebenfalls eine 
zu flüchtige Bemerkung (S. 345). — Auch ist Congeria spathu- 
lata PartscHn gewiss nicht Mytilus polymorphus PırrL., wie mit 
Pırtscn vermuthet wird (S. 341). Endlich ist mir neu, dass ich die 
Lethäa ursprünglich nur für Anfänger bestimmt. hatte (S. 333); der 
Prospectus widerlegt schon diese Behauptung. | Br. 


EHRENBERG: weitre Nachrichten über FREE Infusorien 
(Berlin. Akadem. 1836, 18. Aug. _ UInstitut 1837, V, 33 — 34. 


- 371 — 


Dann bei der Versammlung in Jena, 1836, 21. Sept. > Antlicher Be- 
richt, Jena, 4°; S. 69—70). Wir theilen hier und insbesondere aus der 
_ zweiten genannten Quelle nur dasjenige wit, was nicht schon aus frü- 
hern Nachrichten bekannt ist. — Auch im Polirschiefer von Planitz er- 
_ kennt man fossile Infusorien, insbesondere Trümmer der ?Gaillonella 
distans im nämlichen Zustande, wie in jenem von Bilin. a 

| Der von Cassel enthält ausser Fisch-Eindrücken, die sich auf Leu- 
ciscus papyraceus bezichen lassen: 1. Gaillonella varians als 
charakteristische Form, 2. Navicula viridis, 3. N. ?striatula, 
4. N. ?fulva juv., 5. N. crux n. sp., 6. N, ?Pgracilis, 7. N. Cari 
n. Sp. j 

Eine Reise A. v. Humszoror’s nach Bilin hat ergeben, dass der 
Polirschiefer am: Tripelberge (nicht Kritschelberge), die obre Schichte 
von 14° Mächtigkeit, auf einer Thon - Bank ruhe, wie diese auf einem 
Kreide-artigen Mergel. Tiefer steht Gneiss, seitwärts Grobkalk und 
Basalt an. In und über dem Polirschiefer lagern Saugschiefer und 
Halbopale, die mit ihm nur eine Formation ausmachen und zuweilen 
ordnungslos mit einander wechsellagern. - Auch dieser Saugschiefer ist 
bloss aus den Kiesel-Gerippen der Infusorien zusammengesetzt, welche aber 
bier durch das Eindringen eines auflössenden Stoffes aus der Kiesel- 
oder Opal-Masse theils in kleinere Theile zerlegt, theils an den anfäng- 
lichen Kanten abgerundet worden sind. Viele derselbe sind der Art 
nach kenntlich, aber alle durch eine gestaltlose Kieselmasse erfüllt und stark 
verkittet. — Ganz ähnlich verhält es sich auch seibst mit den härtesten 
und Feuerstein-ähnlichen Opalen; durch einen Schlag erzeugt man kleine 
Risse darin, die man nach dem Einlegen in warmes Wasser deutlicher 
erkennt, und welche Formen warnehmen "lassen, die theils den Kieselna- 
deln der Spongien des Polirschiefers entsprechen, theils mit grösster 
Wahrscheinlichkeit als Gaillonella zu betrachten sind. Diese Körper 
werden von einer formlosen ,, durchscheinenden Kieselmasse umhüllt, die 
aus der Auflösung der kleinsten organischen Theile des Polirschiefers 
entstanden oder vermehrt worden ist, und die grösseren Kiesel-Skellete 
ausgefüllt und umwickelt zu baben scheint. Oft erkennt man auch die 
horizontalen Lagen des Polirschiefers noch unverändert darin, so’. dass 
sie einen. sehr ruhigen und langsamen Prozess anzudeuten scheinen, 
etwa wie wenn Wasser in Mehl eindringt, und das Gähren des Teiges 
in diesem immer weiter um sich greift. Im Opale von Bilin und Luschitz 
hat man bis jetzt erkannt: Gaillonella distans, G. varians, @. 
ferruginea und Kieselnadeln von Spongien. Die gelbbraune Fär- 
bung einiger Opale scheint hauptsächlich der Gaill. ferruginca zu- 
- geschrieben werden zu müssen. Durch die Hitze werden die Opale 
‚ ockerroth, und da die blosse Einwirkung der Atmosphäre ihre jetzige 
gelbe Farbe genügend erklärt, so scheint die Annahme einer Einwir- 
kung des Feuers bei ihrer Bildung nicht nöthig. ü 

Auch die Opale von Champigny, von Saint Ouen, die der Stein- 
heimer Dolerite, der Kosewitzer Serpentine, der unteren Bank der 


5 — si — 

edeln. Opale des Porphyres von Koschaw und die Feuersteine der Kreide 
scheinen dem Verf. aus mikroskopischen Organismen gebildet zu seyn,. 
welche vielleicht dem Geschlechte Pyxidicula angehören. Insbesondere 
in den Feuersteinen der Kreide erkennt man die organischen Formen, 
Kieselnadeln von Spongien und den Pyxidiculae vergleichbare, In- 
fusorien, am besten bei Untersuchung der sogenannten. unreifen. Feuer- 
steine, der weisslichen und gelblichen opaken Geschiebe der Mark bei 
Berlin, so wie der weissen meblartigen Rinde und Spalt-Ausfüllungen der 
Feuerstein-Nieren, welche Materie nämlich keineswegs für Kreide ange- 
sehen werden darf, da sie von Säuren ungelösst bleibt, und; wohl eher 
als Primitiv-Zustand der Feuerstein-Masse zu betrachten ist. 


Nach diesen und den früher 'mitgetheilten ne Rinug oh bestehen 
gewiss nnter den 
neuesten Formationen: Bergmehl und Kieselguhr, 
Tert:ärbildungen: Polirschiefer, Saugschiefer und dessen Halb- 
opale, 
wahrscheinlich unter den | 
neuesten Gesteinen: Gelberde und Raseneisenstein, 
Sekundär-Erzeugnissen: die Feuersteine der Kr